Gottes Treue: Kann man sich darauf verlassen?

Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.  1.Kor 1,9 

Gott ist treu. – Haben Sie Sich schon Gedanken über diese Aussage gemacht? Können Sie sie voll so annehmen und darauf vertrauen? Nicht alle gottesfürchtigen Figuren in der Bibel konnten es in der gleichen Weise. Es gibt Unterschiede in den Biografien im Vertrauen auf Gott. Dabei klammere ich die gottlosen Individuen bewusst aus; bei ihnen ist es sowieso klar, dass sie Gott nicht vertrauten bzw. glaubten. Ich möchte das unterschiedliche Vertrauen bei Gottesfürchtigen beleuchten. Nehmen wir dazu einige Könige von Juda. Ihre Ausgangslage bei Gott war folgende:

1 Wenn du gegen deine Feinde zum Krieg ausziehst und siehst Pferde und Wagen, ein Volk, zahlreicher als du, dann sollst du dich nicht vor ihnen fürchten. Denn der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, ist mit dir.  
2 Und es soll geschehen, wenn ihr zum Kampf heranrückt, dann soll der Priester herantreten und zum Volk reden  
3 und zu ihnen sagen: Höre, Israel! Ihr rückt heute zum Kampf gegen eure Feinde heran. Euer Herz verzage nicht, fürchtet euch nicht und ängstigt euch nicht und erschreckt nicht vor ihnen!   4 Denn der HERR, euer Gott, ist es, der mit euch zieht, um für euch mit euren Feinden zu kämpfen, um euch zu retten.   5.Mose 20,1-4  

Das war das Kriegsgesetz für Israel. Und wir wissen nun, dass Gott treu ist. Wir wissen aber auch von Niederlagen bei Königen von Juda, sogar von sehr gottesfürchtigen, wie beispielsweise jene von Josia, welcher mit aller Kraft dem HERRN diente (2. Kö 23,25, Gottesfurcht; 2. Kö 23,29, Josias Niederlage). – Was schliessen wir jetzt daraus? Ist Gott nun treu oder nicht? Oder offenbart die Geschichte Josias einen Widerspruch? Kam nicht sogar Jeremia, der Mann Gottes und grosse Prophet, dem ein ganzes Bibelbuch gewidmet ist, ins Zweifeln im Blick auf Gottes Treue, wenn er ausruft:

Warum ist mein Schmerz dauernd <da> und meine Wunde unheilbar? Sie will nicht heilen. Ja, du bist für mich wie ein trügerischer Bach, wie Wasser, die nicht zuverlässig sind.  Jer 15,18

Liebe Leserin und lieber Leser! Sehen Sie, worauf ich hinaus will? Die grosse Frage, die sich hier stellt, ist: Ist Gott nun treu oder nicht? Kann man sich auf seine Aussprüche in JEDEM Fall verlassen oder gelten sie in einer Weise, die Gott dem Menschen nicht geoffenbart hat und der Mensch sich folglich nie sicher sein kann, ob er auf die Treue Gottes bauen kann oder nicht? Es geht hier nicht um die Frage, ob Gott rechtmässig handelt oder nicht – wir wissen alle, dass er nie gegen das Recht verstösst -, es geht hier um die Frage, ob Gott dem Menschen geoffenbart hat, wie er sich verhalten kann, um im Genuss seines Segens zu bleiben, so, dass Gott nicht wie ein „trügerischer Bach“, der mal süsses und mal ungeniessbares Wasser fliessen lässt, in unseren Augen erscheint.

Wir sehen auch, wie am Anfang erwähnt, anhand des Wirkens der gottesfürchtigen Könige in Juda, dass sie sich nicht immer in Sicherheit bei Gottes Treue wähnten. Ein David handelte angesichts seiner Feinde anders als ein Joschafat oder ein Hiskia, obschon alle die gleiche Ausgangslage hatten, denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. David handelte ohne Furcht, trotzdem fragte er den HERRN, ob Gott ihm die Feinde in die Hand geben wird, da es ja sein konnte, dass es unerkannte Sünde in seinem Umfeld gab und sich Gott ihretwegen zurückzog, wie es bei der Hungersnot zu Davids Zeiten der Fall war (2. Sam 21,1). Joschafat und Hiskia waren im Glauben zaghafter. Wurden sie mit Feinden konfrontiert, jammerten sie vor dem HERRN. Sie klagten über ihr Unglück und flehten beim HERRN um Gnade, um die doch gar nicht gefleht werden musste, weil Sieg gegen die Feinde versprochen war. Wenn man um eine klare Verheissung fleht, zeugt es nicht von Frömmigkeit, vielmehr von Unglauben und Misstrauen in die Treue des HERRN.

10 Und nun, siehe, <da stehen> die Söhne Ammon und Moab und die vom Gebirge Seïr. Als Israel aus dem Land Ägypten kam, hast du nicht erlaubt, bei ihnen einzudringen, sondern sie mussten ihnen weichen und haben sie nicht ausgerottet.  
11 Siehe da, sie vergelten es uns, indem sie kommen, um uns aus deinem Besitz zu vertreiben, den du uns zum Besitz gegeben hast.  
12 Unser Gott, willst du sie nicht richten? Denn in uns ist keine Kraft vor dieser grossen Menge, die gegen uns kommt. Wir erkennen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen <gerichtet>.   2.Chr 20,10-12    

Hätte Joschafat so gebetet, wenn er aufgrund Gottes Treue siegessicher gewesen wäre? Würde dann der Vers 12 so dastehen? Hätte er nicht einfach, wie David, Gott fragen sollen, auf welche Art und Weise er sie angreifen und vernichten soll (2. Sam 5,23)? Weshalb verzagte Hiskia vor dem König von Assur? Wusste er nicht aus der Geschichte des Königs Asa, dass der HERR Heere von 1000 mal 1000 Mann vor Israel dahin gab, wenn es nötig war (1. Chr 14,8)? Ich möchte an dieser Stelle noch einen König vorstellen, der auf die Treue Gottes baute und sich seines Sieges sicher war. Es ist der König Abija. Er stellte sich selbstbewusst gegen seine zahlenmässig genau doppel so starken Widersacher und sagte:

4 Da stellte sich Abija oben auf den Berg Zemarajim, der im Gebirge Ephraim <liegt>, und sprach: Hört mich an, Jerobeam und ganz Israel!  
5 Solltet ihr nicht erkannt haben, dass der HERR, der Gott Israels, das Königtum über Israel für ewig dem David gegeben hat, ihm und seinen Söhnen, durch einen Salzbund?  
6 Aber Jerobeam, der Sohn Nebats, der Knecht Salomos, des Sohnes Davids, erhob sich und empörte sich gegen seinen Herrn.  
7 Und es versammelten sich zu ihm ehrlose Männer, Söhne der Bosheit, und machten sich stark gegen Rehabeam, den Sohn Salomos. Rehabeam aber war <noch> jung und zaghaft und konnte ihnen nicht standhalten.  
8 Und nun denkt ihr, standhalten zu können dem Königtum des HERRN in der Hand der Söhne Davids, weil ihr eine grosse Menge seid und die goldenen Kälber bei euch sind, die Jerobeam euch zu Göttern gemacht hat!  
9 Habt ihr nicht die Priester des HERRN, die Söhne Aarons, und die Leviten verstossen und euch Priester gemacht wie die Völker der <andern> Länder? Wer immer mit einem Jungstier und sieben Widdern kam, um sich zum Priester weihen zu lassen, der wurde Priester der Nicht-Götter.   2.Chr 13,4-9  

Abija wusste, dass der Sieg die Sache des HERRN war und dass der HERR nicht auf der Seite von Gottlosen kämpft, wenn der Gegner sich vor Gott gereinigt hat. Da konnte der Feind in der Übermacht erscheinen, auch wenn er doppelte Kampfkraft sein eigen nannte, denn erfolgreich gegen Gott zu kämpfen, ist noch keiner Armee der Welt gelungen. Sein Vertrauen sticht hier sehr schön hervor, denn er vertraute auf die Treue Gottes, die denen sicher ist, die nach seinem Willen tun. Abija konnte zu jenem Zeitpunkt sagen:

Siehe, Gott ist mit uns, an unserer Spitze. <Bei uns sind> seine Priester und die Lärmtrompeten, um Lärm zu blasen gegen euch. Söhne Israel, kämpft nicht gegen den HERRN, den Gott eurer Väter! Denn es wird euch nicht gelingen.  2.Chr 13,12 

Was können wir aus diesen Begebenheiten lernen? – Wir sollen glauben, dass Gott tatsächlich treu ist. Wir müssen nicht um diese Treue bangen und unter Tränen darum bitten. Allerdings ist diese Treue an die Reinheit der Versammlung oder des Einzelnen gebunden, - das sollten wir uns dringend zu Herzen nehmen. Leider gibt es Christen, auch solche in Gemeindeleitungen, die Hilfesuchenden generell raten, einfach blindlings zu kämpfen, Gott werde sie um jeden Preis unterstützen. Wenn jemand ohne die Sachlage zu prüfen rät, man könne in jedem Fall mit der Hilfe Gottes im Konfliktfall rechnen, handelt verantwortungslos. Dafür gab uns Gott ein eindrückliches Beispiel: Josua, der grosse Führer Israels, dem auch permanenter Sieg verheissen war, unterlag im Kampf den Bewohnern von Ai. Da verzagte er und kam leider auch ins Jammern vor dem HERRN, anstatt nach der Ursache zu fragen. Schliesslich musste es einen Anlass geben für die Niederlage, Gott ist nicht launisch, dass die Treue heute da ist und morgen nicht. Dementsprechend hart fiel auch die Antwort Gottes aus:

Da sprach der HERR zu Josua: Steh auf! Warum liegst du denn auf deinem Angesicht?   Jos 7,10  

Der HERR verurteilt Josuas Jammern. Obschon es fromm aussah, zeugte es von Unglauben und war fehl am Platz. Josua stellte sogar Gottes Verheissungen in Frage, indem er Gott fragte, wozu er Israel in die Hand der Amoriter gegeben habe. Gott stellte klar, dass es nur einen Grund für seinen Rückzug gab, - und der war nicht bei seiner Treue zu suchen, sondern beim Zustand des Volkes. Israel hatte sich verunreinigt, deshalb war Gott von ihnen gewichen. Josia unterlag im Übrigen nicht mangels Gottesfurcht, sondern weil er Gott betreffs seines Kampfes nicht gesucht hatte. Dann hätte er in Erfahrung bringen können, dass er sich nicht in fremde Händel hätte einmischen sollen. Auch wo er ungefragt darauf hingewiesen wurde, blieb er stur und folgte blind seiner Idee. Das wurde ihm zum Verhängnis (2. Chr 35,21).

Wir sehen also zusammenfassend, dass wir voll auf die Treue Gottes zählen können, vorausgesetzt wir in seinem Willen sind. Um in seinem Willen zu sein, sollen wir alle Tage ein suchendes Herz zu Ihm hin haben (Apg 17,27; Ps 69,33; Dan 10,12); wie sollen wir sonst Seinen Willen in Erfahrung bringen?