Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Das Evangelium nach Johannes

Einleitung

Das Evangelium nach Johannes berichtet über Christus in seiner Eigenschaft als Gott. Im Matthäusevangelium wird Er als König dargestellt, als Sohn des Königs David; der Stammbaum zeigt seine königliche Abstammung. Auch verliest Er bezeichnenderweise im Matthäusevangelium die Verfassung seines Reiches (Bergpredigt, Mt 5-7). Es macht deutlich, wer das Sagen hat. – Im Markusevangelium wird Er in der Eigenschaft als Knecht Gottes dargestellt. Ein Stammbaum für den Knecht Gottes ist in diesem Evangelium deshalb nicht zu finden. Ein Knecht ist lediglich jemandes Diener und hat keine grossartige Abstammung. Markus beschreibt, wie eine Tätigkeit der anderen folgt, Christus hat praktisch keine Zeit, sich auszuruhen. – Im Lukasevangelium wird Christus als vollwertiger Mensch dargestellt. Dieses Evangelium hat wieder einen Stammbaum, den Stammbaum des Menschen der zurückreicht bis zu Adam, dem Vater aller Lebenden und seinem Schöpfer, Gott.

Das Johannesevangelium berichtet über Christus in seiner Eigenschaft als Gott, wie erwähnt. Wiederum fehlt ein Stammbaum, da Gott ewig ist. Gott ist ohne Anfang und ohne Ende, es gibt keinen einzigen Anhaltspunkt für einen Stammbaum. Gott ist der „Ich bin“ (2. Mo 3,14). Gott ist und Er war schon immer. Diese göttlichen und einzigartigen Eigenschaften treffen alle auf Christus zu. Er war längst vor Maria und Josef, Er war auch vor Abraham, dem Urvater der Nation Israel:

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Joh 8,58

Mit dieser Aussage offenbart sich Christus ebenfalls, wie Gott im Alten Testament (2. Mo 3,14), als der „Ich bin“, als der Schöpfer des Universums:

Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen; Kol 1,16

Christus ist demgemäss auch die Wurzel Davids (Offb 5,5; 22,15, siehe auch Lk 20,41-44), auch David wurde durch Ihn, wie alle anderen Menschen auch.

Lassen Sie uns mit der Betrachtung des Johannesevangeliums Christus als den herrlichen und allmächtigen Gott noch besser kennen lernen. Das ist in Wahrheit der Allmächtige, der zur Rettung der Menschen auf die Erde kam und Fleisch geworden ist.

Kapitel 1

Vers 1

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Joh 1,1

Johannes stellt bereits im ersten Vers klar: Das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Es war eine weitere Person bei Gott und sie gehörte zu Gott, was keine Interpretation ist. Diese Aussage befestigt sich im Vers 14: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“, das ist Christus.

Christus betete auf Erden zum himmlischen Vater, was beweist, dass mindestens zwei Personen, die eins sind, zur Gottheit gehören. Wer die Bibel kennt, weiss, dass Gott dreieinig ist. Die dritte eigenständige Person der Gottheit ist der Heilige Geist (Joh 16,13). Der Allmächtige ist und bleibt der Allmächtige, ob vom Heiligen Geist, von Jesus (als HERR) oder von Gott (der Vater) die Rede ist, wie geschrieben steht:

4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist;
5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und es ist derselbe Herr;
6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles in allen wirkt. 1.Kor 12,4-6

Das Wort Gottes ist also Gott und Gott hat alles durch das Wort erschaffen: Er sprach und es stand da.

Denn er sprach, und es geschah; er gebot, und es stand da. Ps 33,9

Das steht im völligen Einklang mit der Aussage des Kolosserbriefes, dass alles durch das Wort, das Christus ist, erschaffen wurde und alles durch Ihn bestand hat und wie in der Einleitung bereits zitiert:

16 Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen;
17 und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn. Kol 1,16-17

Johannes, der von Jesus geliebte Jünger, dem auch das Buch der Offenbarung anvertraut wurde, stellt klar, wie erwähnt: Das Wort Gottes ist ein Teil der Gottheit. Sie war bei Gott und ist Gott. So steht es im ewigen Wort geschrieben und das ist die Wahrheit, auch wenn diese Wahrheit durch Sekten-Gemeinschaften geleugnet wird, welche Jesus Christus nur als wichtige Figur und nicht als Gott, den Allmächtigen, deklarieren. Die Argumente, die gegen seine Gottheit angeführt werden, können aus dem Unverständnis kommen, dass Jesus in der Bibel auch in der Eigenschaft als Mensch beleuchtet wird. Als Mensch musste Er selbst den Gehorsam lernen (Heb 5,8), was beinahe unglaublich klingt. In der Eigenschaft als Gott ist Er der „Vater der Ewigkeit“, wie Er im Propheten Jesaja genannt wird:

Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Jes 9,5

Wer Christi Gottheit leugnet, nennt Gott einen Lügner. – Ich preise meinen Gott für das Evangelium nach Johannes! Ich preise Ihn für die ganze herrliche und absolut perfekte Schrift, die Er uns Menschen dargereicht hat! Amen!

Vers 2

Dieses war im Anfang bei Gott. Joh 1,2

Johannes bekräftigt den Vers 1 nochmals. Niemand soll Zweifel daran haben! Vers 1 sagt aus: „Das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ Vers 2 sagt: „Dieses war im Anfang bei Gott.“ Gott hat sich nicht irgendwann ein Wesen erschaffen, das auch ein Gott sein soll, aber einer, der rangmässig einfach etwas herabgestuft sei.

Das Wort war im Anfang bei Gott. Es war immer dabei. Da war Gott und da war das Wort. Wir sprechen hier von zwei Personen. Und bei der Erschaffung der Welt schwebte der Geist über den Wassern (1. Mo 1,2). Da sind also Gott, das Wort und der Geist, drei Personen. Doch Gott ist einer und gibt niemandem die Ehre (Jes 42,8). Das bedeutet, dass alle drei gleichwertig zur Gottheit gehören. Wie Jesus der ewige Vater ist, ist es Gott, der himmlische Vater. Wie manchmal vom Heiligen Geist (Apg 1,8; 5,3 u. v. a.) die Rede ist, kann auch die Rede vom „Geist Jesu“ (Apg 16,7) sein, der die Gläubigen leitet. Wer den Heiligen Geist belügt (Apg 5,3), hat Gott belogen, wie wenn jemand Christus belügt oder den Vater im Himmel (Apg 5,4):

3 Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft hast?   
4 Blieb es nicht dein, wenn es unverkauft blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Verfügung? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott. Apg 5,3-4

Wer im Geist unterwegs ist, ist mit Gott unterwegs, wer mit Christus unterwegs ist, ist mit Gott unterwegs, wer mit dem Vater unterwegs ist, ist mit Gott unterwegs. Es gibt nur einen allmächtigen Gott. Er offenbart sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist, als dreieiniger Gott. Wer das bestreitet, nennt Gott einen Lügner.

Vers 3

Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. Joh 1,3 

Alles wurde durch dasselbe Wort (Christus) und ohne dasselbe (Christus) wurde auch nicht eines, das geworden ist. Das deckt sich vollumfänglich mit der Aussage im Kolosserbrief, die ebenfalls beschreibt, dass alles Geschaffene durch Ihn (Christus) geschaffen wurde. Rein gar nichts entstand auf einem anderen Weg. Wörtlich steht im Kolosserbrief, dass „alles“ durch Ihn geschaffen wurde. Alles beinhaltet alles. Nichts wurde auf einem anderen Weg oder durch jemand anders in die Wirklichkeit gerufen (Kol 1,16).

Alles, was wir in der herrlichen Schöpfung Gottes erkennen können, das also aus dem Nichts geschaffen werden musste, wurde durch Christus. Nicht die Kindsmisshandlungen oder die sexuelle Ausbeutung von armen Frauen wurden durch Christus. Die Rede im Johannes 1,3 ist von der Schöpfung, nicht von dem, wie jetzt mit dem Vorhandenem umgesprungen wird. Gerne wird von Ungläubigen Gott verunglimpft; indem sie ihren Unglauben rechtfertigen wollen, stellen sie Gott als einen bösen Gott dar, der der Urheber des Leides auf der Welt sein soll, was eine sehr böse Unterstellung ist. Lassen Sie mich diesbezüglich einen Alltagsvergleich machen: Ein wohlhabender Mann kauft sich ein schönes, neues Automobil, einen Mercedes, dessen Hersteller einen hohen Qualitätsanspruch hat. Der Mann stellt den funknagelneuen Wagen in die Garage und legt sich, sehr zufrieden über sein neues Fortbewegungsmittel, schlafen. In der Nacht entwendet sein missratener 15-jähriger Sohn seine neue, erstklassige Anschaffung und begibt sich damit auf Strolchenfahrt. Während dieser Fahrt verwickelt er das Fahrzeug in mehrere Unfälle und demoliert es dabei vollständig. Dabei verletzt er sich selbst und dazu einige Verkehrsteilnehmer erheblich. – Wenn nun auch einige Spötter sagen werden: „Der Wagen oder dessen Hersteller sind schuld an der Misere!“, bleibt es eine freche Lüge, wie wenn die Spötter sagen: „Gott hat die Schuld am Leid dieser Welt.“ Die Mercedes-Manufaktur kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn jemand nicht sachgerecht mit dem guten Produkt umgeht. Gott kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn wir Menschen mit der perfekten Schöpfung verantwortungslos umgehen. Wenn wir neiden, übel übereinander reden, heucheln und verleumden, gehen wir dann so mit den Nächsten um, wie Gott es für Menschen vorschreibt oder handeln wir dann nicht vielmehr, wie der missratene Sohn in der Veranschaulichung? Wenn wir die Erde ausbeuten und verschmutzen, handeln wir dann so mit der Erde, wie es gute Verwalter tun oder handeln wir dann nicht vielmehr so, wie der missratene Sohn in der Veranschaulichung? – Wehe uns, wenn wir nach unseren üblen Werken Gott für das traurige Endergebnis verantwortlich machen, der alles perfekt geschaffen hat! Die Wurzel des Bösen ist im von Gott abgefallenen Menschen zu suchen, nicht bei Gott. Gott streckt vielmehr seine Arme zur Wiederherstellung aus, die wiederum in dem einen Namen allein ist: Im Namen Jesus Christus. Wie alles durch Ihn allein geschaffen wurde, wird alles durch Ihn allein wieder versöhnt! Wie kein anderer zur Schöpfung etwas beitragen konnte, so kann niemand anders (keine andere Religion) zur Versöhnung mit Gott etwas beitragen (Apg 4,12). Das ist die Wahrheit und alles andere ist Lüge! Amen.

Vers 4

In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Joh 1,4

In Christus ist das wahre Leben, das göttliche Leben. Das göttliche Leben ist völlig autonom. Der Mensch kann im Gegensatz nicht unabhängig leben, sein Leben ist voll von äusseren Elementen und Einflüssen abhängig. Ohne Luft zum Atmen oder ohne Speise, Licht und Wärme stirbt der Mensch. Ganz anders ist das Leben Gottes, wie erwähnt. Gott konnte und kann auch ohne die Welt und das All leben. Er ist ewig und war demgemäss auch vor der Schöpfung. Seinem Leben mangelte es nie an etwas. Er hat keine irdische Speise nötig und braucht auch die Sonne nicht, um sich zu wärmen. Das Johannesevangelium, in dem Christus als Gott, der Allmächtige dargestellt wird, sagt charaktergemäss aus, dass dieses völlig unabhängige Leben in Christus ist:

Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst; Joh 5,26

Dieses Leben Gottes ist das Licht der Menschen: Wer es ergreifen darf, tritt von der Finsternis und Hoffnungslosigkeit dieser Welt in das wahre und helle Dasein. Ein solcher tritt in das „Licht des Lebens“, wie es im Joh 8,12 schön beschrieben ist:

Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. Joh 8,12

Christus, der das Licht in die Welt gebracht hat, sei gepriesen! Amen.

Vers 5

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Joh 1,5

Sein Leben war das Licht der Menschen. Und dieses Licht kam mit Ihm auf die Erde. Das Licht Gottes scheint also in die Finsternis der Welt. Die Wahrheit, das Bibelwort, spricht Klartext: Das Licht Gottes ist nicht ein Licht unter vielen Lichtern, wie etwa eine Zusatzlampe. In der Welt herrscht dunkle Nacht, totale Finsternis; da gibt es kein Licht. Welches weltliche Hilfsmittel, welche Religion nehmen dem Menschen die aktuellen Sünden ab? Welche Religion nimmt dem Menschen die Erbsünde ab, dessen Ergebnis das total verdorbene Fleisch ist, die gefallene menschliche Natur? Die Mächte des Bösen sind am Wirken und die Menschheit ist unterwegs zur Hölle. Die Welt ist ohne Gott auf dem Weg ins Verderben; sie ist ohne ein einziges Hoffnung bringendes Lämpchen! Weder die Psychologie noch irgendeine Religion können Frieden zwischen Gott und Mensch herstellen! – Doch, Gott sei Dank!, kam der ewige Gott auf diese Welt mit seinem autonomen Leben voller Gnade und Wahrheit (V 14). Damit kam ein herrliches Licht in die Hoffnungslosigkeit und Finsternis dieser Welt!

Das Böse kann dieses Licht selbstverständlich nicht erfassen; Licht hat mit Finsternis rein gar nichts gemein. Licht verdrängt die Finsternis. Menschen hingegen, die zum Licht kommen und sich darin freuen wollen, dürfen das tun. Gott kam schliesslich, um Menschen zu retten. Wie Christus zu der Frau am Brunnen im Kapitel 4 dieses Evangeliums (Joh 4,10 ff.) sprach, sagen der Geist und die Braut (Gott und seine Gemeinde) weiterhin:

Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst! Offb 22,17

Gelobt sei Gott für seine Gnade und Barmherzigkeit!

Vers 6

Da war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes. Joh 1,6

Mit diesem Vers beginnt in diesem Evangelium die Beschreibung, wie Gott sich den Weg zum Menschen bahnen liess. Um das Volk vorbereitet zu finden, sandte Gott jemanden vor sich her, damit Er es nicht mit dem Bann schlagen musste. Diesen Mann kündigte Gott bereits im Propheten Jesaja und im Propheten Maleachi an. Die Stelle im Maleachi mit der Erwähnung von Elia, die dasselbe aussagt, ist weniger bekannt. Die Schriftgelehrten kannten sie und wussten, dass Elia vor dem Christus kommen musste (Mt 17,10). Der Prophet Maleachi schreibt:

23 Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der grosse und furchtbare.   
24 Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage. Mal 3,23.24

Christus lüftete das Geheimnis über diesen Elia, der kommen soll. Damit war nicht Elia der Tischbiter gemeint (1. Kö 17,1). Von Johannes der Täufer ist darin die Rede, das ist der Mann, der dem ewigen Gott vorausgehen soll:

12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt wird dem Reich der Himmel Gewalt angetan, und Gewalttuende reissen es an sich.
13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes.
14 Und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elia, der kommen soll. Mt 11,12-14

Der Prophet Jesaja spricht wie erwähnt ebenfalls über den Mann, der dem ewigen Gott vorausgehen soll:

Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott! Jes 40,3

Die heiligen Schriften bestätigen, dass Johannes der Täufer der Mann ist, von dem im Jesaja 40,3 die Rede ist:

1 Aber im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Vierfürstvon Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Vierfürst von Abilene,
2 unter dem Hohenpriester Hannas und Kaiphas, geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.
3 Und er kam in die ganze Landschaft am Jordan und predigte die Taufe der Busse zur Vergebung der Sünden;
4 wie geschrieben steht im Buch der Worte Jesajas, des Propheten: »Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade!
5 Jedes Tal wird ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme wird zum geraden Weg und die holprigen zu ebenen Wegen werden;
6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« Lk 3,1-6

Aus den Büchern der Propheten Jesaja und Maleachi geht eindeutig hervor, dass Johannes der Täufer vor dem ewigen Gott hergehen wird. Im Jesaja ist er die „Stimme des Rufenden in der Wüste“, im Maleachi „der Elia, der da kommen soll“. Beide Prophetien betreffen also denselben Mann, Johannes den Täufer. Jesaja schreibt, dass dieser Vorläufer ausrufen wird: „Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade!“ Maleachi schreibt, dass dieser Vorläufer die Herzen des Volkes in Ordnung bringen wird, damit der ewige Gott, wenn Er kommt, „das Land nicht mit dem Bann schlage“.

Wie erwähnt: Aus den Propheten geht also klar hervor, dass Johannes der Täufer vor dem ewigen Gott her gehen wird, denn in beiden Prophetien geht dieser Vorläufer unmissverständlich dem ewigen Gott voraus. Und wem ist Johannes der Täufer vorausgegangen? – Er ist Jesus Christus vorausgegangen, was nochmals beweist: Jesus Christus ist Gott, der Allmächtige, wie Er auch der Sohn des Menschen ist. Der Ewige offenbart sich weiter als der Vater und der Heilige Geist. So offenbart sich unser Gott, der gepriesen ist in Ewigkeit! Amen.

Vers 7

Dieser kam zum Zeugnis, dass er zeugte von dem Licht, damit alle durch ihn glaubten. Joh 1,7

Johannes der Täufer war zum Zeugnis gesetzt, dass er von dem Licht zeugte und alle durch ihn an den die Erde besuchenden Gott glaubten. Johannes war der Vorläufer Gottes, der die Herzen des Volkes umwenden sollte, damit Gott beim Besuch seines Volkes nicht hart dreinzufahren hatte, wie es der Prophet Maleachi beschreibt, dass Er es nicht mit dem Bann zu schlagen hatte (Mal 3,24).

Johannes der Täufer tat das grosse Vorbereitungswerk, indem er das Herz des ganzen Volkes, das mit der Taufe des Johannes die Schuld öffentlich bekannte, zu Gott umwandte. Nur die religiöse Elite demütigte sich nicht vor Gott und anerkannte die Taufe des Johannes nicht als Werk Gottes (Mt 21,25 u. a.).

Vers 8

Er war nicht das Licht, sondern er kam, dass er zeugte von dem Licht. Joh 1,8

Johannes war nicht selbst das Licht, von dem wir im Vers 4 lesen. Christus war und ist das Licht der Menschen. Johannes war lediglich vor dem Licht her gesandt. Johannes war vor Jesus Christus, dem Allmächtigen, her gesandt, dessen Gottheit von den heiligen Schriften mehrfach bezeugt wird, wie auch in der nachfolgenden Bibelstelle:

Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. 1.Joh 5,20

Gott persönlich kam in Christus zur Erde; nicht ein geschaffenes Wesen kam uns besuchen. Es heisst ausdrücklich im vorausgehenden Vers über Jesus Christus: „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.“ – Das hatte der Apostel Thomas erkannt und bekannte es öffentlich:

Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Joh 20,28

Kein erschaffenes Wesen auf Gottes Seite hätte diese Ehre angenommen (Offb 19,10), denn Gott vergibt niemandem seine Ehre (Jes 42,8), was offensichtlich ist. Christus verneinte keineswegs, was Thomas gesagt hatte, Er unterstrich Thomas‘ Aussage vielmehr noch, indem Er sagte, dass Menschen, welche die Gottheit Christi ohne sichtbaren Beweis im Glauben erfassen, noch glückseliger seien:

Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben! Joh 20,29

Glückselig sind auch die Menschen, die den Sohn gleichwie den Vater ehren. Wenn sie es nicht tun, anerkennen sie den Vater nicht, wie geschrieben steht:

damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Joh 5,23

Gepriesen sei unser Vater-Gott! Gepriesen sei unser Heiland-Gott, Jesus Christus! Amen!

Vers 9

Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet. Joh 1,9

Gott, der die ganze Welt schuf und seine Kreatur liebt, ist der einzige, der noch ihr Licht sein kann. Die Menschen wurden im Garten Eden vom Gegenspieler derart verführt, dass sie in eine Lage kamen, aus der sie niemand mehr herausführen konnte. Sie hatten sich an Gottes Geboten vergriffen und Gottes Gerechtigkeit fordert gerechte Konsequenzen. Der Tod ist der Lohn für die Sünde (Rö 6,23), was völlig einleuchtet, denn Gott ist der Lebensspender. Wenn sich jemand an Gottes Wort vergreift, zieht sich Gott zurück. Dann stirbt der Mensch, der vom Guten Gottes abhängig ist. Das Leben des Menschen ist im Gegensatz zu Gottes Leben nicht autonom. Das Leben des Menschen hängt von vielen äusseren Faktoren ab, die alle in Gottes Hand liegen. Der Mensch braucht Luft, Speise, Licht und Wärme neben vielen weiteren Dingen und Umständen.

So unglaublich es klingt, es ist leider die Wahrheit, lehnte sich Gottes Volk gegen den Spender des Lebens auf. Die Menschen wogen Ihm dar, was ihnen der allmächtige Gott wert war, wie geschrieben steht:

12 Und ich sagte zu ihnen: Wenn es recht ist in euren Augen, gebt mir meinen Lohn, wenn aber nicht, lasst es bleiben! Und sie wogen meinen Lohn ab: dreissig Silberschekel.
13 Da sprach der HERR zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Wert, den ich ihnen wert bin! Und ich nahm die dreissig Silberschekel und warf sie in das Haus des HERRN dem Töpfer hin. Sach 11,12-13

Sacharia 11, 12-13 beschreibt unmissverständlich, was der allmächtige Gott dem Volk wert war. Auch ist unbestritten, dass die darin beschriebene Summe dem ewigen Gott galt, nicht irgendeinem erschaffenen Wesen. Ironisch spricht Gott, der Lebensgeber aller Kreatur, vom „herrlichen Wert“, von der geringen Summe, die Ihm das Volk zumass.

Nicht mehr als genau diese Summe wurde Judas für den Verrat an Christus zugesprochen (Mt 26,15). Christus war seinem Volk nicht mehr wert, als die prophetisch angekündigten dreissig Silberlinge, die dann dem Töpfer gegeben wurden, um den Acker zu kaufen (Mt 27,7). Die Prophetie im Sacharia bezieht sich, wie erwähnt, auf keinen geringeren als den ewigen Gott. – Und wer wurde für dreissig Silberlinge verraten mit denen im Anschluss der Töpferacker gekauft wurde? – Der allmächtige Gott in der Person von Jesus Christus!

Lassen Sie sich bitte nicht verführen! Gott persönlich besuchte in der Person von Jesus Christus sein Volk. Er allein ist das Licht der Menschen, denn der Mensch hat sich an Ihm versündigt und kann nur weiterleben, wenn ihm Gott persönlich die Sünden vergibt. Keine andere Kreatur hat die Fähigkeit, den Menschen vor dem Allmächtigen zu verbergen und ihn vor den Konsequenzen seiner Sünden zu schützen. Wenn Ihnen nun, liebe Leserinnen und Leser, jemand zu erklären versucht, Jesus Christus sei nicht Gott, versucht er Ihnen die Rettung in Gott abzuschneiden, wie er sie sich selber abgeschnitten hat. Ein Jesus, der nicht zur allmächtigen Gottheit gehört, ist nicht der wahre Retter. Der wahre Retter ist ausschliesslich Gott allein, wie Er selbst sagt:

Ich, ich bin der HERR, und ausser mir gibt es keinen Retter. Jes 43,11

Ich aber bin der HERR, dein Gott, vom Land Ägypten her: Einen Gott ausser mir kennst du nicht, und es gibt keinen andern Retter als mich. Hos 13,4

Es gibt viele Glaubensgemeinschaften, die in Jesus nur einen „guten“ oder „wichtigen“ Menschen sehen. Wenn Er nur das wäre, was diese fest behaupten, so könnte Er unmöglich Menschen retten, denn nur Gott, an dem sich der Mensch versündigt hat, kann Vergebung aussprechen; kein Dritter kann für Gott sagen: Es ist nun alles in Ordnung zwischen dir und Gott. Gott hat alles Heil (die gesamte Rettung der Menschen) in die Person von Jesus Christus gelegt, was wieder klarstellt: Jesus Christus gehört zum dreieinen Gott; ausser Ihm gibt es keinen Retter! Er sei gepriesen! Amen.

Vers 10

Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. Joh 1,10

Durch wen wurde die Welt? – „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“, steht im 1. Mo 1,1. Gott, der allmächtige Gott, schuf die Himmel und die Erde; Er delegierte das nicht an einen Service Provider (Diensterbringer), wie einige behaupten. Der allmächtige Gott selbst schuf die Himmel und die Erde, wie Er es auch dem Hiob im gleichnamigen Buch der Bibel erklärt. Der ewige Gott spricht zu Hiob:

4 Wo warst du, als ich die Erde gründete? Teile es mit, wenn du Einsicht kennst!
5 Wer hat ihre Masse bestimmt, wenn du es kennst? Oder wer hat über ihr die Messschnur ausgespannt?
6 Worauf sind ihre Sockel eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt,
7 als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?
8 Wer hat das Meer mit Türen verschlossen, als es hervorbrach, dem Mutterschoss entquoll,
9 als ich Gewölk zu seinem Gewand machte und Wolkendunkel zu seinen Windeln
10 und ich ihm meine Grenze zog und Riegel und Türen einsetzte
11 und sprach: Bis hierher kommst du und nicht weiter, und hier soll aufhören der Stolz deiner Wellen? Hiob 38,4-11

Weil es sehr gut zum Charakter dieses Evangeliums passt und es tatsächlich Glaubensgemeinschaften gibt, welche die Gottheit Jesu ableugnen, verharre ich noch etwas in diesem Thema. Den Vers im Kolosserbrief (Kol 1,16), dass alles durch Christus wurde, nehmen die erwähnten Gemeinschaften, um zu sagen, Gott habe die Erschaffung der Welt einem geschaffenen Wesen* übergeben (*damit meinen sie ihren Jesus, nicht den Jesus der Bibel). Hiob hält wie Moses dagegen fest, dass die Erde durch den Allmächtigen wurde; die Bibel allgemein hält dagegen fest, dass die Erde allein durch den Allmächtigen wurde. Wie kann es denn sein, dass Jesus nicht Gott ist, wie einige behaupten, wo doch alles durch Ihn geschaffen wurde? Dazu kann ich nur bemerken: Wenn nun ein Mensch etwas Biblisches anders darstellt, steht dieser Mensch als einer da, der grosse Worte gegen Gott ausspricht. Dass das nicht gut kommt, liegt auf der Hand. Ein so gelagertes Vergehen wiegt sehr schwer (Lk 17,2), da solche Menschen nicht nur sich selbst verführen; in der Regel leiten sie auch noch andere in die Irre.

Kommen wir zurück zum Vers: Johannes sagt im Einklang mit dem Kolosserbrief, dass die Welt durch Ihn wurde. Wenn die Welt durch Ihn, durch Jesus Christus, wurde, dann hat Jesus Christus nach Hiob 38, 10 die Grenze gezogen und Riegel und Türen eingesetzt und zum Meer gesprochen: „Bis hierher kommst du und nicht weiter, und hier soll aufhören der Stolz deiner Wellen!“ Im Kontext des Alten Testaments sind das zweifelsfrei Aussprüche des allmächtigen Gottes. Jesus Christus ist eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Deshalb heisst es ferner auch in Bezug zur Taufe, dass man zum Glauben gekommene Menschen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen soll (Mt 28,19). Die Drei sind eins, denn es gibt nur einen Gott und keine anderen Götter neben Ihm (5. Mo 5,7).

Vers 11

Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; Joh 1,11

Christus kam in das „Seine“ oder in das „Eigene“, stellt die Heilige Schrift klar. Israel gehört demgemäss Ihm, Christus. Die Rede im Vers 11 ist eindeutig von Jesus Christus. Wäre Christus nicht auch Gott, hätte es einen gewaltigen Interessenkonflikt gegeben, denn der Gott Israels, der Allmächtige, lässt im Propheten Jesaja folgende Worte festhalten:

Aber jetzt, so spricht der HERR, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jes 43,1

Ein Appell an alle Mitglieder aller Sekten, die Christus nur als erschaffenes Wesen erklären: Die Wahrheit muss sich nicht tausend Mal beweisen. Die Wahrheit bleibt einfach die Wahrheit. Eine weisse Wand bleibt weiss, auch wenn Millionen von Menschen sagen: „Sie ist blau!“ Eure Führer können so oft sie wollen sagen, die Wand sei blau, sie bleibt trotzdem weiss. Es liegt an Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, ob Sie sich in die Irre leiten lassen wollen. Christus ist vollwertiger Mensch seit 2000 Jahren, seit der Jungfrauengeburt. Als Gott ist Er seit jeher; als Gott war und ist Er ewig. Wenn Christus von der Bibel in der Eigenschaft als Mensch dargestellt wird, sehen wir Ihn in der Rangfolge unter Gott. Das nehmen Eure Führer zum Teil als Anlass, Ihn nur in der Eigenschaft als geschaffenes Wesen zu erklären. Diese Vorgehensweise ist nicht zulässig, denn die Bibel stellt Christus mehrfach als den ewigen Gott dar. Wer Ihm diese Eigenschaft aberkannt, nimmt für sich einen anderen „Christus“ in Anspruch, jedoch keinesfalls den Christus aus der Bibel, in dem allein die Rettung ist und der allein, wie der himmlische Vater, gepriesen ist in Ewigkeit! Wer nicht den Christus der Bibel als persönlichen Retter beanspruchen kann, ist nicht errettet, da in keiner anderen Person die Rettung zu finden ist. Wenn Sie einen anderen Christus haben, werden Sie, wie jeder andere ungläubige Mensch, in Ihren Sünden sterben.

Vers 12

so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; Joh 1,12

Die Menschen, die Ihm, Christus-Gott, gehörten, nahmen Ihn nicht an, wie wir aus der traurigen Geschichte wissen. Es gab aber einige, die Ihn aufnahmen. Denen gab Er die Gotteskindschaft.

Welcher Mensch bekommt die Gotteskindschaft? – Derjenige, der an seinen Namen, an den Namen Jesu Christi, glaubt.

8 Da sprach Petrus, erfüllt mit Heiligem Geist, zu ihnen: Oberste des Volkes und Älteste!
9 Wenn wir heute über die Wohltat an einem kranken Menschen verhört werden, wodurch dieser geheilt worden ist,
10 so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kund: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten – in diesem Namen steht dieser gesund vor euch.
11 Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verachtet, der zum Eckstein geworden ist.
12 Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen. Apg 4,8-12

Erfüllt mit Heiligem Geist stellt Petrus klar: Es ist kein anderer Name unter dem Himmel dem Menschen gegeben, in dem die Rettung für den Menschen ist. Die Rettung für jedes menschliche Individuum ist allein im Namen und der Person von Jesus Christus. Wer das glaubt, erhält die Gotteskindschaft. Wer das nicht glaubt, nicht. – Was es mit der Gotteskindschaft auf sich hat, möchte ich im Kommentar zum nächsten Vers näher erläutern.

Vers 13

die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Joh 1,13

Aus Gott geboren wird man nicht durch den Willen der alten Natur (des Fleisches), auch nicht durch den Eigenwillen (Willen der Seele). Der Vers sagt aus, dass Gott allein die Auswahl für die Gotteskindschaft trifft. Kein Mensch kann sich selbst zum Kind Gottes machen.

Die Menschen können mit ihrem Willen viel erreichen; der Volksmund sagt im Blick auf ein Ziel: „Du musst nur wollen!“ Um Gotteskind zu werden, genügt das Wollen allein keinesfalls, dazu braucht es die Auswahl und die Umsetzung Gottes. Christus vergibt das Recht zur Gotteskindschaft. Er vergibt es ausschliesslich denen, die an seinen Namen glauben, wie es im vorausgehenden Vers 12 steht. Es gibt keinen anderen Weg in die Familie Gottes; der Weg ist im Namen Jesus Christus allein (Joh 14,6).

Vers 14

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. – Joh 1,14

Das Wort, das Gott war (siehe Vers 1) wurde Fleisch und wohnte unter uns. Die Fleischwerdung Gottes geschah vor ungefähr 2000 Jahren. Die Jungfrau Maria wurde schwanger und gebar einen Sohn. Gott wurde also vor 2000 Jahren auch Mensch in der Person von Christus. Es verhält sich aber nicht so, dass zuvor Gott allein war und danach Christus dazu kam, wie schon erwähnt. Christus war auch schon von Anfang an. Er liess sich zusätzlich dazu herab, auf das Niveau eines Menschen zu kommen. Er war schon immer Gott; seit der Jungfrauengeburt ist Er auch Mensch. Er ist Gott und vollkommener Mensch. Man kann Ihn so als Ganzes betrachten oder man kann die verschiedenen Eigenschaften seiner herrlichen Person im Einzelnen beleuchten. Die Bibel selbst macht diese Unterschiede, wie ich es ebenfalls schon oft erwähnt habe. Manchmal präsentiert uns das Schriftwort Jesus als den herrlichen Menschen. Manchmal wird Er ausschliesslich in seinem Wesenszug als Gott dargestellt. Er sei gepriesen!

Vers 15

Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir geworden, denn er war eher als ich. – Joh 1,15

Johannes der Täufer, dessen Mutter Elisabeth vor Maria, der Mutter Jesu, mit Johannes schwanger war, spricht: „Er (Jesus) war eher als ich.“ Elisabeth war mit Johannes bereits im sechsten Monat schwanger, als Maria mitgeteilt wurde, dass sie als Jungfrau einen Sohn empfangen wird (Lk 1,24-33). Nach dem Fleisch wurde Johannes ein halbes Jahr vor Jesus im Mutterleib gebildet; Johannes der Täufer ist also ein halbes Jahr älter als Jesus Christus in seiner Eigenschaft als Mensch. In der Eigenschaft als Gott war und ist Jesus ewig und somit schon vor Johannes dem Täufer, wie Er auch bereits schon vor Abraham war, der weit über ein Jahrtausend vor Christi Menschwerdung lebte:

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Joh 8,58

Das teilt uns der Apostel und Evangelist Johannes mit, dessen Auftrag es war, das Evangelium zu schreiben, in dem Christus in der Eigenschaft als Gott dargestellt wird. Johannes schrieb auch drei Briefe und das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, die viele noch kommende Ereignisse beschreibt.

Vers 16

Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Joh 1,16

Aus seinem Inhalt, aus dem was Christus ist, aus seiner Person haben wir Gnade um Gnade empfangen. Ein fertig erschaffener Mensch mit Leib und Seele lebt erst, wenn Gott seinen Odem hineinbläst; ein Mensch lebt nur durch Gottes Geist (1. Mo 2,7). Wird der Geist zurückgezogen, stirbt der Mensch (Hiob 34,14.15). Das bedeutet: Aus seiner Fülle haben wir nur schon unser Leben. Aus seiner Fülle durften wir Christen werden und die Reinigung unserer Sünden erfahren. So wurde durch Ihn die Beziehung zu Ihm als Schöpfer wiederhergestellt. Aufgrund seiner Freigebigkeit erwartet echte Christen zudem eine herrliche und gesegnete Zukunft.

All die guten Gaben Gottes empfängt der Mensch umsonst, und vor allem empfängt er sie völlig unverdient. Der Mensch hat mit Gott gebrochen, nicht Gott mit dem Menschen. Deshalb spricht dieser Vers von „Gnade um Gnade“, die wir alle von Ihm empfangen. Gnade zu empfangen bedeutet, völlig unverdient Gaben wie Leben, Freilassung von Gericht, Lebensnotwendiges und mehr, anstelle von Bösem, zu erhalten, das wir durch unseren Ungehorsam eigentlich verdient hätten. – Christus sei dafür gepriesen! Amen.

Vers 17

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Joh 1,17

Gott sei gepriesen für die Wahrheit in diesem Vers! Der Mensch möchte viel für Gott und für andere tun, doch er vermag es nicht wirklich. Bleibendes bzw. Angenehmes kann der Mensch nicht tun, was das Gesetz offenbar gemacht hat:

9 Früher habe ich ohne das Gesetz gelebt. Erst seit ich das Gesetz mit seinen Geboten kenne, wurde auch die Sünde in mir lebendig,
10 und darum bewirkte das Gesetz meinen Tod. So hat mich Gottes Gebot, das den Weg zum Leben zeigen sollte, letztlich dem Tod ausgeliefert.
11 Denn die Sünde benutzte das Gebot und betrog mich, indem sie statt des versprochenen Lebens den Tod brachte.
12 Das Gesetz selbst aber entspricht Gottes Willen; jedes einzelne Gebot ist heilig, gerecht und gut. Rö 7,9-12

Und Paulus brachte es auf den Punkt, dass wir mit unserem verdorbenen Fleisch (unserer alten Natur) nichts Gutes vollbringen können:

Denn ich weiss, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. Röm 7,18

Auch als Christen sind wir abhängige Geschöpfe, Glieder an einem Leib, die nur in der Verbindung mit dem Haupt etwas in Gottes Augen Gutes wirken können:

Ihr aber seid Christi Leib und, einzeln genommen, Glieder. 1.Kor 12,27

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Joh 15,5

Wer begriffen hat und in Wahrheit erkannt hat, was der Mensch ist und wohin er geht, wird ausrufen: „Danke Herr Jesus, dass uns in Dir Gnade und Wahrheit geworden ist! Ohne Dich hätte das Leben überhaupt keinen Sinn, da wir für Dich und zu Dir hin geschaffen sind (Kol 1,16)! Ohne Dich würden wir ein völlig zweckentfremdetes und sinnloses Leben führen! Durch Deine Gnade hast Du uns in die wahre Familie eingegliedert und in das wahre Leben, in die Wahrheit eingeführt! Durch Dich ist (uns) Gnade und Wahrheit geworden! Halleluja!“

Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn vorher – ohne Christus – lebten wir ein böses und sündiges Leben, für das wir uns heute schämen. Es war ein Leben im Eigendünkel, das im Lichte des Gesetzes als unnütz, böse und überaus sündig beurteilt werden musste:

1 Auch euch hat er auferweckt, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden,
2 in denen ihr einst wandeltet gemäss dem Zeitlauf dieser Welt, gemäss dem Fürsten der Macht der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt.
3 Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen. Eph 2,1-3

Der Neue Bund ist daher viel besser als der Alte Bund: Das Gesetz Moses deckte lediglich die Bosheit und das Unvermögen des Menschen auf, Jesus Christus brachte uns die Gnade und Wahrheit, wie es uns der aktuelle Vers 17 erläutert. Amen.

Vers 18

Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat ihn kundgemacht. Joh 1,18

Wer Gott kennenlernen möchte bzw. wer Gott sehen möchte, sieht Ihn in der Person von Christus, weil Christus und der Vater eins und gleich sind. Christus ist Gott, der Vater ist Gott. Wer Christus sieht, sieht den Vater. Christus spricht:

7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.
9 Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke.   
11 Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt um der Werke selbst willen! Joh 14,7-11

Weil Christus den Vater wiederspiegelt und umgekehrt (Joh 14,10a), sagt der Evangelist Johannes im Vers 18, dass der Sohn den Vater kundgemacht hat. Wer wissen will, wie Gott ist, soll die Reden und die Taten des Sohnes beachten. Wie Christus das ganze Bibelwort bestätigt hat, steht der Vater unverändert zum Wort. Wer Sünde billigt, hat weder Gemeinschaft mit dem Vater noch mit dem Sohn.

Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 1.Joh 1,6

Liebe Leserinnen und Leser! Lernen Sie Gott kennen, indem Sie auf Christi Worte und auf Christi Taten achten. So werden Sie den ganzen Willen und Charakter Gottes begreifen und Sie werden sich weit von solchen abheben (Mt 5,20), die glauben, Gott zu Diensten zu sein, aber in der Gefälligkeit des Teufels agieren, wie die Pharisäer es taten. Äusserlich reinigten sie sich, die Form musste nach aussen stimmen, innerlich waren sie jedoch voll Ehebruch und Bosheit (Mt 23,27; Joh 16,2).

Vers 19

Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, damit sie ihn fragen sollten: Wer bist du? Joh 1,19

Die religiöse Elite wollte wissen, wer Johannes der Täufer ist. Sie sandte zu ihm und liess fragen, wer er sei. Wie wir nachfolgend sehen können, gab er bereitwillig und wahrheitsgetreu Auskunft. Sein Zeugnis belastete die religiöse Elite, die Pharisäer und Schriftgelehrten im Nachhinein sehr, da sie den vor Gott hergesandten Propheten ablehnten und den durch ihn angekündigten Christus ebenfalls verwarfen.

Vers 20

Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus. Joh 1,20 

Johannes der Täufer bekannte, dass er nicht der Christus (=Gesalbte) sei, der den Juden verheissen war. Er war ja bekanntlich vor Ihm her gesandt. Die Juden wussten von einem kommenden, verheissenen Retter und König, den sie ja auch erwarteten (Joh 10,24). Als König über Israel wird Er zum Beispiel hier angekündigt:

Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. Mi 5,1 (siehe auch Mt 2,6)

Auch in diesem Vers wird übrigens Christi ewiger Ursprung erwähnt. Alles in der Bibel, das auf Christi ewige Herkunft hindeutet, weist auf seine Gottheit hin. Er ist ewiger Gott, und seit der Jungfrauengeburt ist Er auch vollwertiger Mensch. Als Letzterer hat Er seinen Ursprung im Jahre Null, also vor ungefähr 2000 Jahren. Rein als Mensch beleuchtet, untersteht Er Gott. Als Gott betrachtet, steht Ihm sogar der Name „Vater der Ewigkeit“ zu (Jes 9,5). Unser Herr Jesus Christus sei gelobt! Amen.

Vers 21

Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin's nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. Joh 1,21

Auch sagte Johannes der Täufer in Wahrheit, dass er weder Elia noch der erwartete Prophet sei.

Und obschon im Buch Maleachi Elia angekündigt wird (Mal 3,23) und der HERR die Stelle im Maleachi mit Johannes dem Täufer in Zusammenhang bringt (Mt 11,14), war Johannes der Täufer nicht Elia in Person. Johannes war noch grösser als Elia, kein Grösserer von einer Frau Geborener ist in der Zeit vor Johannes bis zurück zu Adam aufgestanden (Mt 11,11).

Dass Jesus Johannes der Täufer als den Elia, der kommen soll, in Verbindung bringt, muss ich annehmen, dass in der besagten Stelle im Maleachi gemeint ist, Johannes der Täufer komme im Geist und der Natur Elias. Johannes der Täufer war nicht Elia in Person, der zusammen mit Moses auf dem Berg der Verklärung Jesus und den drei engsten Jüngern noch erscheinen sollte (Mt 17,3), es war gar nicht möglich, dass er Elia in Person war, da Elia ohne zu sterben im feurigen Wagen zu Gott entrückt worden war (2. Kö 2,11) und Johannes ein neuer, anderer Mensch war, nämlich der Sohn von Elisabeth und Zacharias (Lk 1,13).

Vers 22

Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? Damit wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Joh 1,22

Die Abgesandten der religiösen Elite hatten den Auftrag, genau herauszufinden, was es mit Johannes dem Täufer auf sich hatte. Deshalb befragten sie weiter. Sie wussten ja nun im Ausschlussverfahren: Johannes der Täufer war nicht Elia persönlich, auch war er nicht der Christus.

Vers 23

Er sprach: Ich bin die »Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn«, wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat. Joh 1,23

Der Prophet Jesaja, der im aktuellen Vers namentlich erwähnt ist, hat wörtlich gesagt:

Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott! Jes 40,3

Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott. Gottes Prophet Jesaja, der wusste, dass es nur einen Gott gibt, wie es auch in den 10 Geboten festgehalten ist, schrieb, dass die „Stimme des Rufenden“, also die Stimme des Vorläufers, „unserem“ Gott voraus gehen wird.

Nun, ich habe es schon mehrmals erwähnt und erwähne es für die Verführten, denen vorgelogen wird, Christus sei nicht Gott, gerne nochmals: Johannes der Täufer ging Gott voraus, er ging Christus voraus, welcher zur dreieinen Gottheit gehört. So und nicht anders steht es in den Heiligen Schriften geschrieben: Johannes ging Christus voraus, Johannes ging Gott voraus. Amen.

Vers 24

Und sie waren abgesandt von den Pharisäern. Joh 1,24

Der Heilige Geist legt Wert darauf, dass das, was wir im Vers 19 stark vermuten können, wirklich so ist. Die Abgesandten hatten von den Pharisäern den Auftrag erhalten, zu erforschen, wer Johannes der Täufer sei. Johannes gab ihnen bereitwillig Auskunft, sodass sie nur 1 plus 1 zusammenzählen mussten, wie man im Volksmund sagt. Die Pharisäer kannten die Schriften ja selbst und wussten aus ihnen, dass die „Stimme des Rufenden in der Wüste“ den allmächtigen Gott ankündigt und Ihm vorausgeht.

Die Geschehnisse um Christus im Zusammenhang mit den Pharisäern zeigen in sehr krasser Weise auf, wie Selbstgerechtigkeit blind macht. Die Pharisäer konnten Herodes den Geburtsort Christi nennen, was den Kindermord in Bethlehem auslöste. Ihnen wurde durch Johannes gesagt, dass Gott kommt, dass die Stunde Gottes da ist. Darauf kam der fleischgewordene Gott in der Person von Jesus und zeugte selbst davon. Die Pharisäer – unbussfertig wie es das Volk Israel von Anfang an war – sahen sich und ihre Wege als dermassen korrekt an, dass sie den verachteten, der als rechtmässiger Erbe und gnädiger Heiland kam, sein Volk zu besuchen.

All diese Begebenheiten zeigen, dass die Pharisäer im Grunde wussten, dass dieser Jesus der Verheissene Gottes war. Das bestätigt Jesus selber mit dem Gleichnis der bösen Weingärtner. Die bösen Weingärtner hatten den Sohn Gottes erkannt, sie ermordeten Ihn aber in der Absicht, den Weinberg zu bekommen (Mt 21,33-45). Die Pharisäer wussten im Grunde, was in ihrer Zeit geschah, doch ihre üble Selbstgerechtigkeit trübte ihren Blick vollkommen und hinderte sie daran, das Richtige zu tun. Auf diese Art agieren auch viele Christen, indem sie das von sich denken: „Ich bin voll in Ordnung und benötige weiter nichts und muss mir auch nichts sagen lassen!“ – Wehe solchen Menschen! Es ist böse um sie bestellt! Amen.

Vers 25

Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elia, noch der Prophet? Joh 1,25

Nun fragten die Abgesandten der Pharisäer den Johannes, warum er denn taufe, wenn er quasi keine besondere Persönlichkeit sei. Sie hatten nicht erkannt, dass Johannes der vor Gott grösste Mensch war, der von einer Frau geboren worden war. Das war das Zeugnis, das Christus dem Johannes ausstellte (Mt 11,11). Johannes war also grösser als Samuel, David oder Jesaja. Johannes der Täufer war der Grösste im Blick auf all seine Vorfahren, was mich überhaupt nicht wundert, denn dieser Mann war dazu bestimmt, dem Allmächtigen den Weg zu ebnen, wie geschrieben steht:

3 Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott!
4 Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden! Und das Höckerige soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene! Jes 40,3-4

Johannes taufte zur Busse, damit das Volk vom bösen Weg umkehrte und es nicht vom kommenden Gott mit dem Bann geschlagen wurde, wie geschrieben steht:

23 Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der grosse und furchtbare.
24 Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage. Mal 3,23-24

Johannes schaffte es tatsächlich, den Weg für Gott zu ebnen, die Menschen liessen sich taufen, ausser den Pharisäern, die tatsächlich glaubten, es nicht nötig zu haben.

28 Denn ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist kein Grösserer als Johannes der Täufer; aber der Kleinste in dem Reich Gottes ist grösser als er.
29 Und das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner haben Gott recht gegeben, indem sie sich mit der Taufe des Johannes taufen liessen;
30 die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten haben den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos gemacht, indem sie sich nicht von ihm taufen liessen. Lk 7,28-30

Arme und verblendete Pharisäer! – Hüten wir uns vor Selbstgerechtigkeit, liebe Leserinnen und Leser! Lassen Sie uns stets in der Gnade des HERRN bleiben! Amen.

Vers 26

Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt, Joh 1,26

Johannes sagte damit frei übersetzt folgendes aus: „Ihr seht mich und was ich tue; mitten unter euch steht einer, von dem ihr keine Ahnung habt.“

Nicht wahr, ist es nicht so unter uns Menschen, dass wir einander schnell einzuschätzen versuchen? Etwas Menschenkenntnis erlaubt uns sogar, Menschen einigermassen korrekt einzustufen. Ich benutze bewusst das Wort „einigermassen“, denn jeder Mensch bleibt irgendwo unberechenbar. Wie oft haben sich sogar Fachkräfte von Menschen völlig täuschen lassen und haben dabei unzutreffende Attests ausgestellt.

Die Juden sahen Johannes, konnten ihn betreffend seine Herkunft befragen und sein Tun beobachten. Obschon er vor Gott ein sehr grosser Mann war, hatte er einen allen bekannten Anfang; er war der Sohn von Zacharias und Elisabeth. In ganz groben Zügen konnten Bekannte der Familie den Johannes beschreiben. Von Christus hingegen wussten die Juden rein gar nichts. Christus ist zu herrlich; Er ist nicht einfach so zu beschreiben, vor allen nicht von Ungläubigen, die Gott überhaupt nicht kennen. Selbst wer damals in Nazareth wohnte und mit Christus aufgewachsen war; was wusste ein solcher wirklich über Ihn? Er kannte vielleicht den Namen seiner Eltern und denjenigen seiner Geschwister nach dem Fleisch. Doch was ist das schon im Blick auf sein ewiges Wesen und auf seine ewige Zeit? Er ist ja seit jeher, und Er war allezeit beim Vater. Seine damaligen Zeitgenossen kannten Ihn wirklich überhaupt nicht, selbst diejenigen nicht, die täglich beruflich mit Ihm in der Eigenschaft als Zimmermann (Mk 6,3) und seinem Vater Josef zu tun hatten (Mt 13,55). Die engsten Verwandten von Maria und Josef kannten Christus höchstens dreissig Jahre lang, was im Blick auf das, was Er war und ist, niemals ausreicht, um sich ein Bild von seiner umfassenden Herrlichkeit machen zu können.

Vers 27

der nach mir kommt, vor dem ich nicht würdig bin, den Riemen seiner Sandale zu lösen. Joh 1,27

Mit der Aussage „der nach mir kommt“, bestätigt Johannes der Täufer, dass er Gottes Vorläufer war. Christus nahm seinen Dienst erst auf, nachdem Johannes schon eine gewisse Zeit im von den Propheten Jesaja und Maleachi angekündigten Dienst des Vorläufers stand. Johannes der Täufer stellt das Machtgefälle zwischen ihm und Christus ebenfalls sehr schön dar. Christus ist so erhaben, dass der grösste je von einer Frau geborene Mensch nicht würdig war, den Riemen seiner Sandale zu lösen.

Vers 28

Dies geschah zu Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte. Joh 1,28

Eine Ortschaft mit dem Namen Betanien lag nahe bei Jerusalem in einer Entfernung von etwas unter drei Kilometern (Joh 11,18). Dieses Betanien bei Jerusalem lag, wie Jerusalem selber, westlich und in einiger Entfernung zum Jordan (ca. 35 km). Es musste also noch ein zweites Betanien gegeben haben, das nahe beim Jordan lag, denn Johannes taufte im Jordanfluss (Mt 3,5.6).

Betanien wird mit „Haus des Elends“ oder „Armenhausen“ übersetzt. Und wie wir wissen, fanden vor allem nur nennenswerte Dinge Erwähnung in den Heiligen Schriften. Es ist also bezeichnend, dass Johannes im Haus des Elends zur Busse aufruft. Israel wurde nämlich durch die selbstgewählten Wege arm und elend. Statt zum Kopf der Nationen mutierten sie zum Schwanz in der Abwendung zu ihrem Gott. Gott wollte Israel zum Kopf, zum Haupt machen:

Und der HERR wird dich zum Haupt machen und nicht zum Schwanz, und du wirst nur immer aufwärtssteigen und nicht hinuntersinken, wenn du den Geboten des HERRN, deines Gottes, gehorchst, die zu bewahren und zu tun ich dir heute befehle, 5.Mose 28,13

Da Israel nicht auf die Gebote hören wollte, wurde es zum Schwanz, wie erwähnt. Im Falle der Nichtbeachtung der Gebote wurde Israel folgendes verheissen:

Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht leihen können; er wird zum Haupt, du aber wirst zum Schwanz. 5.Mose 28,44

Wer die Geschichte Israels kennt, weiss, dass sich Israel frevlerisch von Gott abgewandt hatte. Nicht umsonst sandte Gott einen Propheten voraus, um das Herz seines Volkes zur Busse zu leiten. Dieser Prophet stand nun im „Hause des Elends“, damit das Volk auf das Kommen des Retter-Gottes vorbereitet wurde. Gott wollte durch seien herrlichen Sohn aus dem „Haus des Elends“ ein „Haus des Reichtums“ und ein „Haus der Freude“ machen.

Vers 29

Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! Joh 1,29

Johannes der Täufer zeugte in der folgenden Art von der herrlichen Person der er vorausging: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ – Wie ich im vorausgehenden Kommentar erwähnt hatte, hatte Gott keine Freude daran, dass Israel zum „Haus des Elends“ verkommen war, obschon Gott ihnen Frevel über Frevel nachweisen konnte und Israel am Ergebnis vollkommen selber schuld war. Israel war so Schuldbeladen, dass für sie gemäss Gesetz nur noch ein sehr hartes Gericht infrage kam. Sie waren wie ein Mensch, dem viel mehr rechtmässige (Geld-) Forderungen ins Haus flattern, als er überhaupt je begleichen könnte. Selbst wenn dieser Mensch alle Darlehensangebote seiner Familie und des Marktes ausschöpfen würde, müsste er einsehen, dass er es nicht einmal mit der Hilfe aller Familienmitglieder und aller Marktangebote schaffen würde, sich aus der Schuldenfalle zu retten. Er würde einsehen, dass er – selbst wenn er sich in allem maximal einschränken, die Arbeitsstelle wechseln und vom neuen Arbeitgeber höher entlohnt würde, sein Leben zu kurz wäre, um alle sich aufgehäuften Forderungen zu begleichen. Er sähe ein, dass er von nun an nur noch ein kümmerliches Leben im Zahlen von Schulden leben könnte. Freudlosigkeit, Unlust und sogar Angst würden in Zukunft seine vorherrschenden Gefühle sein. Und wohlverstanden: Er wüsste auch, dass er sich völlig von alleine in diesen Zustand manövriert hat, denn Gott, der alle Menschen liebt, lenkt die Menschen nicht mutwillig oder gar schadenfreudig ins Abseits. Gott ist gerecht, wer keine Schulden verdient hat, wird keine haben.

Die Welt und besonders das Volk Israel, dem der Weg Gottes erklärt wurde, haben sehr viel Schuld vor Gott angehäuft. Die gerechten Forderungen des Gesetzes sind so hoch, dass alle Menschen sinnbildlich vor Gott im Zustand sind, wie der beschriebene Mann im vorausgehenden Abschnitt. Arme und reiche Menschen sind durch ihre Sünde mit so hohen Forderungen konfrontiert, dass sie einsehen müssen, den Schuldenberg vor Gott nie und nimmer abtragen zu können. Die Menschen sind verdammt, ihr Leben lang Schulden abzubezahlen und dabei zu wissen, dass am Ende Schulden übrigbleiben werden, die sie ihren Kindern überlassen müssen (Erbsünde) und dass es ihren eigenen Kindern im Leben gleich gehen wird, wie ihnen selbst. Es wird am Ende, nach dem Tod noch immer nicht für einen Freispruch vor Gott reichen. Das ist der allgemeine Zustand des natürlichen Menschen aufgrund von Römer 7,20 und das war der Zustand des Volkes Gottes, Israel.

In diesem Dunkel stand plötzlich der Prophet Johannes der Täufer auf und rief aus: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“, was folgendes bedeutet: Gott konnte wegen seiner Barmherzigkeit und Fürsorge zu seiner Schöpfung nicht länger mitansehen, wie sich die Menschen unter der Sündenlast und der bestehenden Hoffnungslosigkeit abrackerten. Die Menschen schufteten und schufteten, um am Ende trotzdem und auf einer völlig gesetzmässigen Grundlage für immer verdammt zu werden. Um die zwingend durch das Gesetz geforderte Verdammung des Menschen zu vermeiden, entschied sich Gott, den Propheten Johannes zu Betanien, also „im Haus des Elends“ aufstehen zu lassen um Ihn, Gott, als Erlöser anzukündigen. Gott, der unendlich reich ist, hatte beschlossen auf die Welt zu kommen, um die nicht mehr zu bezahlenden rechtmässigen Forderungen zu begleichen. Er kam, um dem gottgläubigen Menschen, der unter der Sündenlast ächzte und völlig ohne Hoffnung auf einen guten Ausgang war, zuzurufen: „Mensch, deine Sünden sind dir vergeben (Lk 5,20)!“

Nach langer Vorankündigung durch die Propheten erschien Gott in der Person von Christus wie aus dem Nichts und bezahlte, wie es die Opferlämmer Israels sinnbildlich taten, die Sündenschuld der Welt am Kreuz. Er tauchte wie ein sehr wohlhabender König auf und rief für jeden Erdenbürger, der da wollte, eine bleibende Generalamnestie aus und führte für die völlig verarmten Menschen eine neue Hoffnung ein, für die Er sich mit seinem Leben verbürgte.

Liebe Leserinnen und liebe Leser! Wir sollten das nie vergessen. Selbst wenn wir in der Lage sind, wirtschaftlich verarmten Menschen 500, 5‘000 oder gar 50‘000 Euro zu spenden, sollten wir nie vergessen, dass unsere durch die alte Natur produzierte Schuld vor Gott Ausmasse angenommen hatte, die selbst die reichste Person der Welt nicht mehr hätte bezahlen können. Die Forderung des Gesetzes für die Verbrechen der menschlichen Natur ist nicht ein hoher Geldbetrag. Das Gesetz fordert für die Verbrechen des Menschen sein Leben! Und was kann der Mensch Gott, der sowieso schon alles besitzt, geben für sein Leben?

Niemals kann ein Mann seinen Bruder loskaufen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben, Ps 49,8

Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben einbüsste? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für sein Leben? Mt 16,26

Bedenken wir immer, auch dann, wenn wir jemandem Geld spenden können: Jeglicher Überfluss, den wir besitzen, resultiert aus der Gnade Gottes. Wenn Gott seine Forderungen bei uns durchsetzen würde, wären wir – selbst wenn wir die ganze Welt besässen – wie der erwähnte Mann, dessen Einkommen nicht ausreicht zu leben und dessen Schuldenberg, den Bemühungen des Mannes zum Trotz, anwächst und anwächst und keine Hoffnung auf einen Kontenausgleich seiner Gläubiger zulässt. Lassen Sie mich daher ausrufen: Gelobt sei Gott! Gelobt sei Jesus Christus, der als sehr wohlhabender König kam, um die Sünde der Welt wegzunehmen! Amen.

Vers 30

Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir ist, denn er war eher als ich. Joh 1,30

Analog zu Kommentar Joh 1,15: Johannes der Täufer, dessen Mutter Elisabeth vor Maria, der Mutter Jesu, mit Johannes schwanger war, spricht: „Er (Jesus) war eher als ich.“ Elisabeth war mit Johannes bereits im sechsten Monat schwanger, als Maria mitgeteilt wurde, dass sie als Jungfrau einen Sohn empfangen wird (Lk 1,24-33). Nach dem Fleisch wurde Johannes ein halbes Jahr vor Jesus im Mutterleib gebildet; Johannes der Täufer ist also ein halbes Jahr älter als Jesus Christus in seiner Eigenschaft als Mensch. In der Eigenschaft als Gott war und ist Jesus ewig und somit schon vor Johannes dem Täufer, wie Er auch bereits schon vor Abraham war, der weit über ein Jahrtausend vor Christi Menschwerdung lebte:

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Joh 8,58

Das teilt uns der Apostel und Evangelist Johannes mit, dessen Auftrag es war, das Evangelium zu schreiben, in dem Christus in der Eigenschaft als Gott dargestellt wird. Johannes schrieb auch drei Briefe und das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, die viele noch kommende Ereignisse beschreibt.

Vers 31

Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar werde, deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen. Joh 1,31

Selbst Johannes kannte anfänglich den nicht, den er anzukündigen hatte. Woher sollte er Ihn auch gekannt haben? Johannes hatte seinen Anfang erst, als das Wort Fleisch wurde, welches seit jeher Bestand hat. Johannes musste zuerst in seine Aufgabe eingeführt werden und Gott musste ihm klar machen, wer Er ist und wer diese Person ist, die er, Johannes, anzukündigen hatte, was schlussendlich sein Auftrag war. Nach der Auftragsannahme und seiner Bevollmächtigung kannte er Gott und sprach deshalb: „Deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen.“ Denn Christus musste Israel offenbar werden, keinem Menschen sollte es verborgen bleiben, dass Gott im Begriff war, als Retter sein Volk zu besuchen.

Vers 32

Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. Joh 1,32

Johannes bezeugte, was er gesehen hatte. Er sah die auf Christus bezogene Verheissung erfüllt, die Gott an ihn, Johannes, gerichtet hatte; Gott offenbarte Johannes in der Vorbereitungszeit natürlich, wen er anzukündigen hatte, und wie er Ihn zu erkennen hatte.

Gott offenbart im Übrigen seinen Willen Völkern, Volksgruppen sowie auch Einzelpersonen. Das finden wir überall in der Bibel. Er prophezeite kommende Geschehnisse für sein Volk (z. B. 3. Mo 26,3 ff.), wie aber auch kommende Begebenheiten für Heidenvölker (z. B. Jes 13,1). Er gab auch Weisung für Menschen- oder Volksgruppen (z. B. Jer 42,19). Gott lässt sich sogar soweit herab, dass Er Einzelpersonen Weisung erteilt bzw. erteilte oder die Zukunft sehen liess bzw. heute noch sehen lässt (z. B. Jer 45,2 ff.). Wie Er Baruch, den Gehilfen des Propheten Jeremia Dinge über sein Leben sehen liess, hat mir mein guter Gott auch schon Ereignisse in meinem Leben vorangekündigt, die später, genau wie von Gott beschrieben, eingetreten sind.

Vers 33

Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. Joh 1,33

Wie im vorausgehenden Kommentar bereits erwähnt, kannte Johannes den Christus nicht von Anfang an. Johannes war vor seiner Geburt nicht im Himmel beim Allmächtigen. Johannes wurde erst zu jener Zeit erschaffen; Er stieg nicht vom Himmel hernieder. So brauchte auch er die Offenbarung Christi durch den himmlischen Vater. Dieser gab ihm ein ganz klares Zeichen, damit er den erkennen konnte, den er anzukündigen hatte.

Uns erging es genau gleich. Alle, die diese Zeilen lesen können, wurden in der Regel vor weniger als 80 Jahren gebildet. Keiner von uns war bei der Erschaffung der Welt dabei, als Christus die Riegel unseres Planeten festsetzte. Wir waren auch nicht unter den Zeitgenossen der Zeit Jesu. Wir kannten Ihn ebenfalls nicht und benötigten die Offenbarung des Vaters, um Ihn erkennen zu können. Selbst die Jünger Christi, die mit dem Meister unterwegs waren, erfassten Ihn bzw. seine Grösse nicht aus eigenem Vermögen. Der Vater musste Ihn daher selbst seinen zeitgenössischen Nachfolgern offenbar machen, wie geschrieben steht:

Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Mt 16,17

Ich danke dem himmlischen Vater für die Offenbarung seines Sohnes! Amen.

Vers 34

Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist. Joh 1,34

Johannes durfte Christus als das, was Er war, kennen lernen, als den Sohn Gottes, was Johannes auch bezeugte. Johannes bekam von Gott im Rahmen seines Auftrags die völlige Klarheit über Christus, Gott bestätigte ihm zweifelsfrei: Er war derjenige, den er anzukündigen hatte. Lassen Sie uns diese Tatsache merken; wir werden im später folgenden Bibeltext sehen, dass sogar Johannes‘ Glaube betreffend Christus, den er ankündigte und der von Gott bestätigt worden war, bis aufs Äusserste geprüft wurde. Johannes wurde später von Herodes ins Gefängnis geworfen, was seinen Dienst beendete. Gott liess ihm im Gefängnis keine Hoffnung auf eine Freilassung aufkommen, vielmehr wurde Johannes im Gefängnis am Ende sogar ermordet. Die Zeit im Gefängnis liess verständlicherweise bei Johannes Zweifel aufkommen, ob er wirklich den Richtigen angekündigt hatte. Der Richtige hätte ja die Macht gehabt, ihn von dort herauszuholen. Diese Zweifel veranlassten ihn, Boten zu Christus senden, um wieder Klarheit zu erlangen. Als die Boten zu Christus kamen und sie Ihm Johannes‘ Frage vortrugen, antwortete Christus mit Worten aus der Heiligen Schrift und wies die Boten auf das, was er gerade tat. Er heilte gerade Menschen, sogar Blinde und Taube (Mt 11,5).

Je besser wir Christus und das Schriftwort kennen, desto hilfreicher ist es für uns, das Leben mit all seinen Stürmen zu meistern. Wenn beispielsweise extreme Leiden auf uns kommen, die uns suggerieren, bei Gott ungeliebt zu sein, ist es sehr hilfreich, die Psalmen zu kennen, welche die Liebe Gottes seinen Treuen zusichern, wie zum Beispiel:

Alle Pfade des HERRN sind Gnade und Treue denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren. Ps 25,10

Alle Wege Gottes mit einem Menschen, der Gottes Interessen bewahrt, sind Gnade und Treue, was soviel aussagt, dass alles, sogar extremstes Leid, keine Indikatoren eines allfälligen Liebesentzuges seitens Gottes ist. Selbst die Gefängnisleiden, die auf Johannes gekommen waren, waren kein Zeichen dafür, dass Gott ihn fallengelassen haben könnte. Gottes Gnade und Liebe folgen dem Gottesfürchtigen durch alle Situationen hindurch, so widerlich sie auch sein mögen, wie es uns im neuen Testament bestätigt wird:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. Röm 8,28

Fassen wir die Gedanken über Johannes‘ Belehrung zusammen: Johannes zweifelte für eine kurze Zeit im Gefängnis des Herodes und liess zu Jesus senden, ob Er nun wirklich derjenige sei, der Höchste, dem er vorauszugehen hatte. Die Antwort Christi war nicht ein klares und deutliches „Ja“, sondern ein Hinweis auf das Schriftwort, das anzeigte, das nur der Mann der Dinge tut, die Christus zum Zeitpunkt tat, der Verheissene sein konnte, an dem Johannes leicht zu zweifeln angefangen hatte. Mit anderen Worten liess Jesus dem Johannes ausrichten, dass Er Blinden die Augen und Tauben die Ohren auftut, was früher nie geschehen war. Die Werke Christi waren ein weiterer Indikator für Johannes, dass er den Richtigen angekündigt hatte. Da Johannes Gottes Willen und somit die Schrift kannte, musste Christi Hinweis Johannes Zweifel wieder ausgeräumt haben, obwohl sich Johannes bestimmt ernsthaft fragte, weshalb Christus nicht etwas machte, um ihn aus der herodianischen Gefangenschaft zu befreien (Luk 7,18-23). – Gott offenbart uns nicht alle Beweggründe seines Handelns und wir brauchen auch nicht alles zu wissen. Glückselig ist der, der Gottes vorhandenen Worten echten Glauben schenkt! Seine Liebe zu den Menschen hat Gott ausführlich kommuniziert. Amen.

Vers 35

Am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zwei von seinen Jüngern; Joh 1,35

Johannes Dienst, der die Menschen zur Busse führte, hatte durchaus grosse Frucht. Das bescherte ihm sogar Jünger (Nachfolger). Jerusalem, ganz Judäa und die umliegenden Gebiete liessen sich von Johannes taufen, wie geschrieben steht:

5 Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordan;
6 und sie wurden von ihm im Jordanfluss getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. Mt 3,5-6

Nur die religiöse Elite fühlte sich zu gerecht, um dem Ruf des Propheten Johannes zu folgen, was später von Christus scharf kritisiert wurde (Mt 21,25-46).

Vers 36

und hinblickend auf Jesus, der umherging, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes! Joh 1,36

Johannes‘ Dienst bestand darin, die Menschen zur Busse zu führen, der Weg des HERR sollte damit geebnet werden und die Herzen der Menschen sollten in die rechte Ordnung kommen, wie wir es aus den Versen aus den Büchern Jesaja und Maleachi kennen (Jes 40,3; Mal 3,24). Johannes wusste durch die Hinweise des himmlischen Vaters ganz genau, wer die Person war, der er den Weg ebnete (V33). Daher konnte er ohne Zweifel auf den Richtigen verweisen: „Siehe, das Lamm Gottes!“ Mit „Lamm Gottes“ macht Johannes eine Andeutung zum Auftrag Christi, auf den Opferdienst eines Lammes, das sein Leben anstelle des Sünders lässt. – Gepriesen sei Jesus Christus, der diesen schrecklichen Dienst ohne zu widersprechen und freiwillig auf sich genommen hat! Amen.

Vers 37

Und es hörten ihn die zwei Jünger reden und folgten Jesus nach. Joh 1,37

Die zwei Jünger des Johannes (aus Vers 35) hörten, was Johannes von Jesus sagte und folgten auf diese Rede Jesus nach. Genau das sollte jeder Mensch tun, egal, wo er sich aufhält, auch wenn er zurzeit auf einen gottesfürchtigen Menschen hört. Johannes war ein guter Wegweiser zu Gott; Johannes war aber nicht Gott. Deshalb taten die beiden Jünger gut, dass sie Johannes als Wegweiser sahen und nicht als Ziel. Das Ziel ist Christus, worauf Johannes gewiesen hatte.

Es gibt leider Christen, die „Wegweisern“ nachfolgen, aber nicht dem „Ziel“ zusteuern. Es gab und gibt durchaus exzellente Christen in der Kirchengeschichte, an denen man aufschauen konnte bzw. kann. Durch ihr ausgezeichnetes Vorbild liessen sie viele Christen sehr gute Weide finden. Einigen Christen imponierte das dermassen, dass sie bei diesen wegweisenden Christen verharrten, ohne weiter zu gehen. Auch in unserer Zeit ist dieses Phänomen leider noch zu beobachten. Es gibt Gemeinden, die den Gemeindegründern nacheifern – sogar über deren Tod hinaus. Wenn die Gründer verstorben sind, werden ihre aufgezeichneten Botschaften im Gottesdienst abgespielt, was den Wortverkündigungsteil der Gottesdienstfeier darstellen soll. Man wendet sich nicht zu Christus, dem Ziel, mit der Bitte, vom Ihm geleitet zu werden. Die Funktion als Wegweiser eines tragenden Christen sollte diese bleiben, bis alle in Christus gewurzelt sind, sie darf keinesfalls weitergehen. Ein Christ, so stark er auch sein mag, soll sich nie in die Position von Christus erheben, selbst dann nicht, wenn ihn die Gemeinde dazu drängt. Amen.

Vers 38

Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und spricht zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi – was übersetzt heisst: Lehrer – wo hältst du dich auf? Joh 1,38

Jesus kümmert sich um jeden Menschen, der zu ihm kommt, daher wendete Er sich sofort zu den Beiden. Er freut sich auch grundsätzlich über jeden, aber nicht generell. Manchmal kommen Böse; der Feind streut Unkraut auf den Acker Gottes (Mt 13,24 ff.). Dort, wo Kirchen immer noch in humanistischer Art mit offenen Armen Gemeindezerstörer empfangen, hat Jesus längst zwischen Böse und Gut unterschieden und seine konsequente Wahl getroffen. Als Böse zu Ihm kamen, sagte Er, was die Wirklichkeit war (Joh 8,44: „Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel …“). Christus legte den Menschen sofort den Weg mit Ihm offen, niemand sollte im Nachhinein sagen können: „Dieser Mann hat uns getäuscht und deswegen habe ich Jahre meines Lebens verloren.“ Aus diesem Grund fragt Er die Jünger sofort: „Was sucht ihr?“ – Hätten sie Ihm üble Absichten oder weltliche Begierden angezeigt, wären sie schnell abgeblitzt, wie die Pharisäer stehen gelassen wurden (Mk 8,13).

Viele seiner Nachfolger strahlen heute die Konsequenz ihres Meisters nicht mehr aus. Die Wächter an der Schwelle des Hauses Gottes sind verschwunden; jeder kann ins Haus eintreten und sich breit machen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich viele nicht wiedergeborene Theologen, also normale Heiden, Weltmenschen, sich in hohe kirchliche Positionen gehievt und sich darin festgekrallt haben. In der physischen Abwesenheit des Königs geht das offensichtlich, wenn Er zurückkommt, werden diese Ärgernisse im Reich hinausgefegt werden. Amen.

Vers 39

Er spricht zu ihnen: Kommt, und ihr werdet sehen! Sie kamen nun und sahen, wo er sich aufhielt, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde. Joh 1,39

Christus zeigte den beiden Interessierten seinen Wirkungskreis. Was Christus tat, tat Er öffentlich, Er betrieb keinen Geheimbund. Seine Karten lagen offen, wer da wollte, durfte kommen. Doch nur wer würdig war, durfte Ihn erkennen, um geheilt zu werden. Gott ist bekanntlich kein Allversöhner. Auch ist Er kein Humanist im irdisch-bösem Sinn. Humanisten wollen den Menschen an die erste Stelle setzen und decken alles mit ihrer sogenannten „Liebe“ zu. So werden auch böse Menschen gedeckt und nicht zur Rechenschaft gezogen. Im Reich Gottes wird das so nicht toleriert werden. Wer böse ist, fällt hinaus bzw. kommt gar nicht erst hinein, wie geschrieben steht:

denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.« Mt 13,15

Viele aus dem Volk fanden die Vorschriften Gottes öde und seine Nahrung elend. Sie scheuten sich nicht einmal, es laut auszusprechen:

und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Wozu habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Damit wir in der Wüste sterben? Denn es ist kein Brot und kein Wasser da, und unserer Seele ekelt es vor dieser elenden Nahrung. 4.Mose 21,5

Gott kommt solche Leuten nicht entgegen und lässt ihnen keinesfalls Platz im Reich, auch wenn humanistisch eingestellte Christen Menschen, die Christi Gebote mit Füssen treten, weiter mit offenen Armen empfangen.

Wenn jemand zu Christus kommt, läuft es ungefähr in dieser Reihenfolge ab: Christus fragt nach dem Beweggrund (V38, Was sucht ihr?). Wer an Ihm Interesse zeigt, erhält Einblick in seinen Wirkungskreis (V39, Kommt und ihr werdet sehen). Wer bei Christus bleiben will und sich seinem Willen fügt, darf in jedem Fall bleiben, Er stösst niemanden hinaus, der Ihm vom Vater gegeben ist (Joh 6,37). Böse werden hingegen hinausgestossen werden (Mt 8,12; Mt 22,13). Amen.

Vers 40

Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den zweien, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren. Joh 1,40

Nach Mt 10,2 wurde dieser Andreas einer der zwölf Apostel. Andreas hatte das Richtige getan. Zuerst hörte er auf Johannes, der ein Wegweiser Gottes war. Er blieb aber nicht bei Johannes stehen, er ging weiter, bis er am Ziel, das war der fleischgewordene Gott selbst, angelangt war. Diese Zielstrebigkeit sollte sich jeder Christ aneignen.

In meinem Leben konnte ich einige Christen beobachten, die leider an starken Persönlichkeiten „hängen“ blieben, ohne weiterzugehen. Starke Persönlichkeiten sind für ängstlichere Menschen wie tragende Pfeiler, an denen sich manche gerne festhalten. Diese Persönlichkeiten sind sicht- und greifbar und vermeintlich besser zur Verfügung stehend als Gott, der zurzeit lediglich in seinen Werken wahrnehmbar ist. – Doch was ist ein Mensch im Blick auf Gott? Was kann der stärkste Mensch ausrichten im Blick auf das, was Gott schaffen kann? Der Mensch kann von sich aus nicht wirklich etwas bewegen (Lk 12,26). Gott kann hingegen etwas, Er lebt und wirkt rund um die Uhr, wogegen auch die ausdauerndsten Menschen nachts etwas Schlaf brauchen und dann nicht wirken können.

Vers 41

Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden – was übersetzt ist: Christus. Joh 1,41

Israel war ein „Messias“ verheissen, was so viel bedeutet, wie „Gesalbter“. Von Gott gesalbt wurden Priester (z. B. 2. Mo 40,13-15) und Könige (z. B. 1. Sam 10,1). Dieser Gesalbte wurde von Israel als Retter erwartet, denn Ihm wurde die Kraft attestiert, den Teufel zu überwinden:

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. 1.Mose 3,15

Moses prophezeite: Der Retter müsse von einer Frau geboren werden und würde der Schlange den Kopf zermalmen, was für die Schlange ein vernichtender Schlag ist, von dem sie sich nicht wieder erholen kann. Der Retter selbst würde auch leiden müssen, aber seine Leiden seien keineswegs vernichtend, was heisst, dass Er in allen Bereichen wiederhergestellt werden kann.

Zur Zeit dieser Prophezeiung war es eine, die auf ferne Tage hin galt. In unserer Zeit blicken wir auf eine vor 2‘000 Jahren erfüllte Prophezeiung. Christus kam, geboren von einer Frau (Gal 4,4). Er wurde durch die Kraft der Schlange (das ist der Teufel) verletzt, denn der Teufel fuhr persönlich in den Judas Iskariot (Lk 22,3), um Ihn zu verraten und um Ihn den Bösen auszuliefern. Verletzt am Kreuze hängend und die Schuld der Welt auf sich ladend, brach dieser Christus die Macht des Teufels, die in der Sünde steckte und einen vermeintlich ewigen Keil zwischen Gott und die Menschen getrieben hatte. Das Erlösungswerk Christi, das jede Sünde zu beseitigen ermöglicht, stellt den Teufel für ewig als Verlierer hin. Das Werk Christi ist so wirksam, dass der Teufel in seiner noch verbleibenden Wirkungszeit nicht mehr vermag etwas dagegen zu stellen, das die Menschen erneut wirksam von Gott trennen könnte. Deshalb liess der Heilige Geist folgende Worte niederschreiben:

er hat die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt. In ihm hat er den Triumph über sie gehalten. Kol 2,15

Wie erwähnt, musste Christus leiden, doch es war nicht ein Leiden, von dem Er sich nicht mehr hätte erholen können. Er wurde völlig wiederhergestellt und noch mehr als das. Der Teufel wurde hingegen vernichtend geschlagen; er kann sich auf ewig nicht mehr vom Schlag Christi erholen, das Werk Christi ist sehr viel wirksamer als alles, was der Teufel je zustande gebracht hat bzw. noch zustande bringen könnte. Umso herrlicher erscheint die Tat Christi im Blick auf die dafür aufgewendete Zeit. Christi Wirkungszeit auf Erden war sehr kurz, weniger als vier Jahre bzw. weniger als vierzig Jahre, wenn wir sein ganzes Leben zählen. Den Teufel kann man getrost nach der Tat auf Golgatha weitere Jahrtausende frei wirken und wüten lassen, er hat keine Chance, Christi Werk unwirksam zu machen, obschon Christus den Schauplatz längst verlassen hat. Das Erlösungswerk ist so unerschütterlich, das seine Festigkeit nicht beschrieben werden kann. „Was für eine Souveränität Gottes!“, kann ich da nur ausrufen. Das Urteil des Teufels ist gesprochen und er wird für ewig im Feuersee versenkt werden, zur ewigen Pein (Offb 20,10). Der Feuersee wird nicht ein neues Königreich sein für den Teufel, obwohl er oft als Regent der Hölle dargestellt wird. Er wird dort die gleichen Qualen leiden müssen, wie all die anderen Bösen, seien es Engel oder Menschenseelen, die dort hinein geworfen werden. Amen.

Kommen wir zurück zum Vers. Andreas hatte einen leiblichen Bruder, den Simon, dem er mitteilte: „Wir haben den Messias gefunden!“ Was für eine herrliche Aussage! Andreas teilte seinem Bruder nichts Geringeres mit, dass er den gefunden habe, der alle Probleme Israels und die der ganzen Menschheit überhaupt lösen könne. Und wie wir zwischenzeitlich wissen, wurde Andreas mit dieser Aussage nicht zuschanden. Es war die völlige Wahrheit, die er seinem Bruder mitteilte. – Was für eine Herrlichkeit! Gelobt sei Christus für seine uns vom Teufel befreiende und uns wieder zu Gott bringende Tat! Amen!

Vers 42

Und er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du wirst Kephas heissen – was übersetzt wird: Stein. Joh 1,42

Christus, der von Gott ausgegangen ist – die Welt wurde durch Ihn -, ist in der Eigenschaft als Gott allmächtig und somit auch allwissend. Er hatte genauestens Kenntnis davon, wem Er Beinamen bzw. neue Namen geben konnte, entsprechend der Einstellung, Funktion und Aufgabe der jeweiligen Person. Einen funktionsbezogenen Beinamen hatte Er beispielsweise dem Judas Iskariot nicht gegeben, denn Er wusste von Anfang an, dass dieser Mann nicht bestehen würde. Simon gab Er gleich zu Beginn einen Beinamen, Jakobus und Johannes erhielten auch einen Beinamen (Mk 3,17), was bezeichnend ist. Diese drei Jünger nahmen eine besondere Stellung unter den Zwölfen ein. Sie durften Christus an Orte begleiten, die den anderen neun Jüngern nicht zugänglich waren (Mt 17,1; Mk 5,37; Mk 14,33).

Den ersten Namen zu vergeben ist den Eltern vorbehalten. Den zweiten Namen erhalten Überwinder von Gott, wie wir es in der Offenbarung sehen (Offb. 2,17). Der Heilige Geist benutzt im 1. Kor 15,5 bereits den neuen Namen „Kephas“, worin von Simon die Rede ist. Gottes vergebene Namen werden im Reich angewendet und zeigen uns sehr schön, wie sich Gott mit jedem von uns einzeln beschäftigt. Wie sich leibliche Eltern um passende Namen für ihren Nachwuchs sorgen, sorgt sich Gott bei seinen Kindern ebenso darum.

Vers 43

Am folgenden Tag wollte er nach Galiläa aufbrechen, und er findet Philippus; und Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach! Joh 1,43

Das ist eine sehr herrliche Stelle, welche dem Leser im fortgeschrittenen Alter noch umso lieblicher erscheint! Junge Menschen fallen beim Ruf Christi manchmal in Gefahr, zu denken, sie würden etwas verpassen in der Welt, die doch böse ist (Joh 7,7). Ältere Leser wissen, dass die Menschen einen guten Hirten brauchen, der sie an gute Orte führt. Die Sünde der Welt ist nichts anderes als Betrug. Sie erscheint als erfolgversprechend und glückbringend, nachdem man sie „genossen“ hat, bleibt einem nichts anderes als ein Scherbenhaufen. Was viele ältere Geschwister erkannt haben, sollen sich die jungen auch merken:

Ermahnt euch gegenseitig jeden Tag, solange jenes »Heute« gilt, damit niemand von euch dem Betrug der Sünde erliegt und sich dem Ruf dieser Stimme verschliesst. Hebr 3,13

Christus, der gute Hirte, führt die Menschen bestens durch das Leben, es wird dem Geführten nichts mangeln, wie geschrieben steht:

1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2 Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern.
3 Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.
4 Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fliesst über.
6 Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich kehre zurück ins Haus des HERRN lebenslang. Ps 23,1-6

Es ist eine sehr grosse Ehre, von Christus gerufen zu werden. Jeder Gerufene sollte diesem Ruf sofort Folge leisten; es kann dem Menschen nichts Besseres passieren, als von Gott persönlich geführt zu werden! Amen.

Vers 44

Philippus aber war von Betsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus. Joh 1,44

Die Stadt, aus welcher die drei Jünger waren, hiess Betsaida, was übersetzt „Haus der Jagd“ bedeutet. Damit weist der Heilige Geist darauf hin, dass es Gott nicht einfach gleichgültig ist, ob Er dem Teufel das Geraubte wieder abjagen kann oder nicht. Der Teufel hatte es ja durch den Sündenfall geschafft, einen Keil zwischen Gott und Mensch zu treiben. Der natürliche Mensch wurde dadurch total verdorben, sodass er seitdem ausschliesslich Böses vollbrachte bzw. vollbringt, selbst dann, wenn er das Gute aus freiem Antrieb tun möchte (Rö 7,14 ff.). Gott hätte in der Folge seine Schöpfung einfach ablehnen und alle Menschen in die Hölle werfen können. Das wäre zwar gerecht gewesen, aber vielleicht auch ein Eingeständnis für einen Triumph des Teufels. Die Majestät Gottes und seine Liebe zum Menschen hielten Ihn von der Verdammung seiner Kreatur ab. Und Er wäre nicht souverän, wenn Er vor dem Teufel zurückweichen müsste, selbst wenn es sich nur um einen Millimeter handelte. Gott konnte schon immer über seine Feinde spotten, obschon es nach dem Sündenfall aussah, als ob sich der Teufel einen ewigen Sieg errungen hätte.

Gott verfolgt unbeirrt seinen Plan, rekrutiert im „Haus der Jagd“ Jünger und zeigt ihnen, wie man auf Beutefang geht. Gott hat auch offensichtlich genügend Zeit im Kampf gegen den Teufel, schwache Menschen zu Jägern auszubilden und sie zu befähigen, Menschen zu fangen bzw. zurückzuerobern.

Vers 45

Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose in dem Gesetz geschrieben und die Propheten, Jesus, den Sohn des Josef, von Nazareth. Joh 1,45

Andreas führte Simon zu Jesus mit den Worten: „Wir haben den Messias gefunden!“ Philippus spricht zu Nathanael sinngemäss das gleiche, denn das von Philippus angeführte biblische alttestamentliche Gesetz und die alttestamentlichen Propheten kennen nur einen Retter, was auch das Neue Testament bestätigt. Es gibt nicht zwei Namen, es gibt nur einen einzigen Namen, in dem das Heil ist: Jesus Christus. Ihn hat Gott zu seiner Rechten gesetzt …

… hoch über jede Gewalt und Macht und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird. Eph 1,21

Wer die Aussage der Schrift und der Propheten kannte, wusste, dass dieser Mann zwar in Bethlehem, in Juda zur Welt kommen musste (Mi 5,1), aber „Nazoräer“ genannt werden wird, wie von den Propheten gesprochen wurde:

und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: »Er wird Nazoräer genannt werden.« Mt 2,23

Dies wurde durch einige Propheten ausgesprochen, gemäss obenstehendem Vers hat das mehr als ein Prophet vorausgesagt. Wir finden es nicht von den Propheten schriftlich im Alten Testament festgehalten, was kein Problem darstellt, denn Propheten haben geschrieben und gesprochen. Nicht alles Gesprochene wurde offensichtlich schriftlich festgehalten. Und doch wurde es den späteren Generationen überliefert, wie wir anhand des oben zitierten Verses (Mt 2,23) sehen.

Vers 46

Und Nathanael sprach zu ihm: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh! Joh 1,46

Nathanael kannte vielleicht die Schriften und wusste von der besonderen Stellung von Bethlehem (Mi 5,1). Seine Skepsis lässt vermuten, dass er aber die Überlieferung betreffend Nazareth, der Stadt, in der Christus aufgewachsen war, nicht zu kennen schien. Sein Misstrauen sollte aber bald vollständig ausgeräumt werden, die Begegnung mit Christus stand ihm unmittelbar bevor.

Philippus liess sich glücklicherweise von Nathanaels Einwand nicht beirren, er stand fest in seiner Überzeugung. Wie Philippus sollten wir uns auch nicht beirren lassen, wenn jemand Vorbehalte hat. Wir wissen, an wen wir glauben! Daher sprechen auch wir zu unseren Nächsten: „Komm und sieh!“ Amen.

Vers 47

Jesus sah den Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist! Joh 1,47

Jesus wusste von Anfang an alles in seiner Eigenschaft als Gott, die in diesem Evangelium herausgeschält ist. Er wusste, wer mit Hinterlist und Tücke einher kommt (Judas) und Er wusste, wer mit reinen Ansichten unterwegs war.

Nathanael brauchte die Erlösung seiner Sünden und die Befreiung von seiner alten Natur auch. Trotzdem sagte Jesus: Es ist kein Trug in ihm. – Wie geht das? – Das ist einfach zu verstehen. Es gibt tatsächlich Menschen, die von Anfang an keine Teufel sind. Sie wollen Gott gefallen, doch die sündige Natur hindert sie auf das Niveau zu kommen, gottgefällig leben zu können. Das an den Menschen herangetragene Gesetz deckt das Üble auf, das im Menschen wohnt. Einige Menschen wollen wirklich gottgefällig leben, doch sie müssen ausrufen: Ich will es zwar, es geht aber einfach nicht! Die Bibel sagt folgendes darüber:

14 Es steht ausser Frage: Das Gesetz ist »geistlich«, es kommt von Gott. Wir aber sind »fleischlich«, das heisst schwache Menschen, der Macht der Sünde ausgeliefert.
15 Wir sind uns nicht im klaren darüber, was wir anrichten. Wir tun nämlich nicht, was wir eigentlich wollen, sondern das, was wir verabscheuen.
16 Wenn wir aber das Böse, das wir tun, gar nicht tun wollen, dann beweist das, dass wir dem Gesetz zustimmen und seine Forderungen als berechtigt anerkennen.
17 Nicht wir sind es also, die das Böse tun, vielmehr tut es die Sünde, die sich in uns eingenistet hat.
18 Wir wissen genau: In uns selbst, so wie wir der Sünde ausgeliefert sind, lebt nicht die Kraft zum Guten. Wir bringen es zwar fertig, uns das Gute vorzunehmen; aber wir sind zu schwach, es auszuführen.
19 Wir tun nicht das Gute, das wir wollen, sondern gerade das Böse, das wir nicht wollen.
20 Wenn wir aber tun, was wir gar nicht wollen, dann verfügen nicht wir selbst über uns, sondern die Sünde, die sich in uns eingenistet hat.
21 Wir finden demnach unser Leben von folgender Gesetzmässigkeit bestimmt: Ich will das Gute tun, bringe aber nur Böses zustande.
22 In meinem Innern stimme ich dem Gesetz Gottes freudig zu.
23 Aber in meinen Gliedern, in meinem ganzen Verhalten, sehe ich ein anderes Gesetz am Werk. Dieses Gesetz liegt im Streit mit dem Gesetz, das ich innerlich bejahe, und macht mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern regiert und mir mein Verhalten diktiert.
24 Ich unglückseliger Mensch! Wer rettet mich aus dieser tödlichen Verstrickung? Röm 7,14-24

Auf Nathanael traf zu, dass er ohne Trug war. Er liess sich nicht durch seine innewohnende Sünde verleiten. Er wollte den Weg Gottes gehen, deshalb wartete Er auf den, der die Menschen von dieser üblen Verstrickung der Sünde lösen und sie freimachen würde. Dann hätte er endlich die Gelegenheit, Gott wirklich zu gefallen und in seinen Geboten zu wandeln. – Wer keinen Trug in seinem Herzen hegt, setzt seine Hoffnung von Anfang an auf Gott, der barmherzig ist und dem Hoffenden begegnen und alles gut machen wird. – Gelobt sei unser Gott für seine Erniedrigung zu uns Menschen! Amen.

Vers 48

Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. Joh 1,48

Christus muss nicht anwesend sein, um jemanden zu sehen. Als Allmächtiger Gott weiss Er alles und kennt somit auch jeden Aufenthaltsort der Menschen. Er weiss, wo sich seine Jünger aufhalten und hat Kenntnis vom Tun eines jeden. Er kannte nicht nur den Aufenthaltsort Nathanaels (unter dem Feigenbaum), sondern auch seinen moralischen Zustand (kein Trug vorhanden), ohne ihm je begegnet zu sein.

Christus ist der Richter aller Menschen. Um gerechtes Gericht zu halten, muss Er alles wissen. Er muss alles aus erster Hand wissen, sonst besteht die Gefahr eines Justizirrtums, keine Quelle darf vom Hörensagen gespeist werden. Im Endgericht geht es um den Eintritt ins Reich oder die ewige Verdammnis einer Seele. Justizirrtümer auf Erden können schon fatalste Auswirkungen haben, Menschen können im Extremfall unschuldig zu Tode gebracht werden. Justizopfern können somit ungerechtfertigt bis zu einigen Jahrzehnten ihres Lebens gestohlen werden. Eine ungerechtfertigte ewige Verdammung ist Gottes nicht würdig, da lässt Gott in seiner Perfektion gar nichts „anbrennen“. Seine Beurteilung wird in jedem Einzelfall völlig gerecht sein. Alle gerichtsrelevanten Fakten kennt Er und hat sie selber wahrgenommen, notiert und noch viel mehr, selbst die Haare auf unserem Haupt sind gezählt, wie geschrieben steht:

Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. Mt 10,30

Seien wir uns sicher: All seine Beurteilungen sind und werden auch zukünftig perfekt und nicht mit der geringsten Fehlerquote behaftet sein.

Vers 49

Nathanael antwortete und sprach: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels. Joh 1,49

Wer spontan wie Nathanael so eine Aussage machen kann, erwartet die Rettung in Gott. Mit anderen Worten ausgedrückt: Wenn sich Nathanael nicht mit Themen wie Gott, Schuld und Sünde auseinandergesetzt gehabt hätte, so wäre bei ihm der Wunsch nach der Gottesherrschaft nicht aufgekommen. Auch hätte er nichts davon gewusst, dass Gott beabsichtigt, in Christus selbst wieder über Israel zu regieren, was nur durch die alttestamentlichen Schriften und der prophetischen Überlieferungen offenbart war. Menschen die selbstzufrieden vor sich hinleben trachten nicht nach Erlösung. Sie sind blind und stolz genug zu glauben, sie würden im Feuer des Gerichtes bestehen.

Die ausserordentlichen Fähigkeiten Jesu Christi beflügelten die Hoffnung Nathanaels dem Erlöser begegnet zu sei; sie brachten ihn zur Überzeugung, dass er sozusagen innerlich ausrufen durfte: „Endlich ist Er da!“ Christus trug diesem Trachten Nathanaels Rechnung; Er stiess ihn nicht zurück, wie Er es bei den überheblichen Pharisäern tun musste. Er gab der Hoffnung Nathanaels noch weiteren Auftrieb, wie wir in den folgenden Versen sehen werden.

Vers 50

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Weil ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Du wirst Grösseres als dies sehen. Joh 1,50

Wie im vorausgehenden Kommentar angedeutet, verhält sich Christus in jeder Situation völlig souverän gegenüber seinen Freunden sowie gegenüber seinen Feinden. Seine Feinde stiess er zurück. Sie forderten Zeichen von Ihm, obschon sie durch die Schrift genau gewusst hatten, wer Er war (Mt 21,45). Sehr deutlich machte Er ihnen darauf klar, dass Er nicht gekommen war, für sie den Clown zu spielen und verwies sie auf das Zeichen Jonas: Das Wunder Jonas der Hinabsenkung und der Wiederauferstehung würde sich vor ihren Augen wiederholen. – Menschen hingegen, die Gott aufrichtig suchten, half Er in jeder Hinsicht. Das gilt auch heute noch für alle, die Ihn aufrichtig suchen. Nathanael war es wert, die Wunder Gottes zu sehen, ihm stand das Reich offen, Christus unterstützte ihn dabei.

Vers 51

Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen. Joh 1,51

Beleuchten wir dazu den parallelen Vers im 1. Buch Mose. Jakob hatte einen Traum:

10 Und Jakob zog aus von Beerscheba und ging nach Haran.   
11 Und er gelangte an eine Stätte und übernachtete dort; denn die Sonne war schon untergegangen. Und er nahm einen von den Steinen der Stätte und legte ihn an sein Kopfende und legte sich nieder an jener Stätte.
12 Und er träumte: und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen darauf auf und nieder.   
13 Und siehe, der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft.   
14 Und deine Nachkommenschaft soll wie der Staub der Erde werden, und du wirst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten und nach Norden und nach Süden hin; und in dir und in deiner Nachkommenschaft sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.   
15 Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst, und dich in dieses Land zurückbringen; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich zu dir geredet habe. 1.Mose 28,10-15

Im Zusammenhang mit dieser Leiter, die Himmel und Erde verband, sprach Gott vom Segen, den Er Abraham, dem Vater von Isaak, der wiederum der Vater von Jakob war, geben will, nämlich das Land Israel. – Christus nahm dieses Bild der Leiter wieder auf, die eine Verbindung zwischen Himmel und Erde herstellte. Er redete offen vor den Menschen darüber, nicht wie damals im Traum zu einer Einzelperson. Er stand als der fleischgewordene Gott auf der Erde während Er das redete, was eine extreme Ausweitung des Segens bedeutet. Das hat sich auch erhärtet. Heute wissen wir: Nicht nur Israel soll von Gott gesegnet sein, alle Nationen sollen dieses Segens teilhaftig werden. Gott beansprucht die ganze Erde, die der Teufel an sich gerissen hat, wieder für sich, um sie dem Menschen zur Bewirtschaftung zurück zu geben, wie es von Anfang an geplant war (1. Mo 1,26), was wiederum das Schriftwort bestätigt: „Auf seinen Namen werden die Nationen hoffen (Mt 12,21).“

Vers 45

Als er nun nach Galiläa kam, nahmen die Galiläer ihn auf, da sie alles gesehen, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn auch sie kamen zu dem Fest. Joh 4,45

Die Galiläer, beeindruckt durch Jesu Taten in Jerusalem, nahmen Ihn auf; seine Taten hatten zweifelsfrei eine Wirkung auf die Zuschauer, selbst wenn diese am Anfang vielleicht nicht haben seiner Rede allein glauben wollen. – Es war gut, dass die Galiläer ihn aufgrund seiner Taten aufgenommen hatten; es wäre besser gewesen, hätten sie seinen Worten allein schon geglaubt. Christus sprach zu Thomas, der sich erst durch sichtbare Zeichen überzeugen liess:

Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben! Joh 20,29

Deshalb sage ich, dass es besser ist zu glauben, bevor man sichtbare Zeichen sieht. – Für die Menschen wird es zu spät sein, wenn sie anfangen an Christus glauben, wenn Er bei seiner zweiten Ankunft auf der Erde für alle sichtbar erscheinen wird. Dann ist nämlich Gerichtstag, welcher der Zeit der Langmut Gottes definitiv ein Ende setzen wird.

Kapitel 2

Vers 1

Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort. Joh 2,1

Am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Galiläa war eine Gegend in Israel, in der viel nicht israelstämmige Menschen angesiedelt waren. Deshalb wurde Galiläa auch als „Galiläa der Nationen“ bezeichnet.

»Land Sebulon und Land Naftali, gegen den See hin, jenseits des Jordan, Galiläa der Nationen: Mt 4,15

Der dritte Tag bedeutet „Auferstehung“; Jesus ist am dritten Tag auferstanden. Dieser „Dritte Tag“, die Erwähnung ist bedeutungsvoll, deutet auf ein herrliches Ereignis hin. Römer 15,43 ff beinhaltet die Verwandlung von Schwachheit in Kraft und erklärt anhand von Beispielen, was Christus mit der Auferstehung erreicht hat: Gesät würde ein natürlicher Leib, auferweckt würde ein geistlicher Leib. Nun war an einem ebensolchen Tag eine Hochzeit in Kana. Wir können gespannt sein auf ein Zeichen Gottes, das eine solche Verwandlung geschehen lässt.

Die Mutter Jesu war auch dort anwesend. Sie schien eine Rolle zu spielen auf dieser Hochzeit, denn die Diener hörten auf das, was sie sagte, wie wir in den nachfolgenden Versen sehen werden.

Vers 2

Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit eingeladen. Joh 2,2

Christi öffentliches Leben hatte bereits begonnen, welches durch den Dienst Johannes des Täufers eingeläutet wurde. Er hatte auch schon seine Jünger. Christus blieb dabei Mensch, obwohl sein Auftrag ein ganz besonderer war. Er liess sich sogar an von anderen Menschen organisierte gesellschaftliche Anlässe einladen, sei es eine Hochzeit oder ein Gastmahl (Lk 5,29). Für mich ist das sehr bemerkenswert, weil er in Weisheit und Position weit über dem gewöhnlichen (und sündigen!) Menschen stand. Er hatte keine einzige Sünde, Er war der Mann, der keinen Fehler und keinen Flecken hatte.

Die menschliche Gesellschaft funktioniert in der Regel nicht so. Menschen verkehren untereinander ihrem Stand gemäss. Bessergestellte sondern sich vom Pöbel ab, sie können es sich leisten. Christus hätte ebenfalls sagen können: „Ich war in der Herrlichkeit des Vaters; was soll ich nun an einer Hochzeit unter sündigen Menschen?“ Christus entzog sich trotz seiner erhabenen Stellung seiner Schöpfung nicht. Ich finde das sehr erwähnenswert. – Ich sage damit nicht, dass wir uns zum Zeitvertreib mit sündigen Leuten treffen sollen, es gibt diesbezüglich biblische Verbote: Eine Absonderung ist zwingend bei Christen, die mutwillig sündigen (1. Kor 5,11) und damit das für uns vergossene Blut Christi für gemein erachten (Heb 10,29). Wir sind angehalten, auf unsere Wege zu achten. Ein falscher Weg der Absonderung ist hingegen der überhebliche. Wer sich nicht mehr mit anderen trifft, weil er glaubt, etwas Besonderes zu sein, soll sich fragen, wieso der einzige Mensch, der echten Grund gehabt hat, sich besser zu fühlen als die anderen, zur Hochzeit von gewöhnlichen Menschen erschienen ist.

Vers 3

Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Joh 2,3

An dieser Hochzeit ging der Wein aus. Die Mutter Jesu war darum besorgt, sodass sie den Umstand vor Christus erwähnte. Vielleicht war sie sogar für die Hochzeitsorganisation mitverantwortlich, denn wir können nachfolgend lesen, dass die anwesenden Diener auf sie hörten. Christus hatte bis zum Zeitpunkt kein Wunder gewirkt (Vers 11). Trotzdem kam die Mutter zu Ihm mit der Erwähnung, der Wein gehe aus. Irgendwie setzte die Mutter Jesu Vertrauen auf Ihn; sie wusste, dass Er von Anfang an etwas ganz Besonderes war. Ein Engel hatte ihr die Geburt Jesu vorangekündigt, sie gebar Ihn als Jungfrau, Er sollte „Sohn des Höchsten“ genannt werden und Er würde den Thron Davids besteigen (Lk 1,31.32).

Vers 4

Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Joh 2,4

Christi Mutter sagt zu Christus: „Sie haben keinen Wein mehr!“ Maria weist damit Christus auf ein Problem hin. Christus antwortet mit erstaunlichen Worten, nämlich: „Was habe ich mit Dir zu schaffen, Frau?“ – In unserem Sprachverständnis mag das hart tönen, im Gesamten gesehen ist die Aussage nicht hart. Als Gott – im Johannesevangelium wird uns Christus in seiner Eigenschaft als Gott dargestellt -, besteht ein sehr, sehr grosses Gefälle zwischen Ihm und den Menschen, selbst wenn es sich im Vers um seine allernächste Verwandte handelt. Das Gefälle ist so gross, dass Christi Feststellung ohne emotionale Härte ist und einfach nur der Wahrheit entspricht. Frei übersetzt sagt Er zu seiner Mutter: „Frau, grundsätzlich musst Du wissen: Wir haben nichts miteinander zu schaffen, ich komme als Schöpfer aus dem Himmel, du bist ein geschaffenes Wesen auf der Erde.“ Wie erwähnt ist es nur eine Feststellung, die jedem Bittsteller klar sein soll, wenn er mit Gott spricht. Sie belässt den Beter in einer angemessenen Haltung vor Gott.

Sei nicht vorschnell mit deinem Mund, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde; darum seien deine Worte wenige. Pred 5,1

Christus zeigt klar, dass Er nicht auf etwas reagieren muss. Gott agiert. Christus agiert. Er muss als Gottes Sohn rein gar nichts für irgendeinen sündigen Menschen tun, wenn Er es nicht für gut erachtet, selbst wenn Ihn ein Verwandter mit einer Erwartungshaltung auf einen Mangel hinweist. Ist es nicht so: Wenn wir es für nötig halten, weisen wir Gott auch auf unsere Umstände hin und erwarten, dass Er dann sofort daran etwas ändert.

In unserer Bittstellung sollen wir folgendes nicht ausser Acht lassen: Gott weiss von Anfang an, was wir benötigen (Mt 6,8). Wenn wir Ihn auf etwas aufmerksam machen, so dürfen wir das, wir sollen aber die Entscheidung von Beginn weg Gott überlassen. Es steht uns nicht an, Gott zu nötigen. Es steht uns nicht an, wütend zu werden, wenn Er nicht auf unsere Bitte eingeht. Er ist der Töpfer, wir sind der Ton. Wenn wir das berücksichtigen, stehen unsere Chancen besser für eine Gebetserhörung. Gott lässt sich von frechen Menschen nicht beeindrucken. Er gibt, wem und wann Er will. Mit Druck erreichen wir bei Gott eher das Gegenteil unseres Begehrens.

Das hat Christus als dreissigjähriger Mensch – als Gott ist Er unerschaffen und ohne Anfang – seiner engsten Verwandten mitgeteilt, ohne dabei einen Vorwurf zu machen. Was seiner Mutter galt, gilt auch uns. Lassen Sie uns daher in Demut vor Gott treten. Amen.

Vers 5

Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagen mag, tut! Joh 2,5

Die Mutter Jesu reagierte vorbildlich. Sie war sich ihrer Stellung vor Gott bewusst, auch wenn sie in fleischlicher Hinsicht seine Mutter war. Sie akzeptierte Christi Souveränität, drängte Ihn in keiner Hinsicht und sprach auf Christi Antwort lediglich zu den Dienern: „Was er auch sagen mag, tut.“ Maria wusste, dass alles von Christus Angeordnete gut war und dass Er in seiner Erhabenheit frei entscheiden konnte, ob und wie Er agieren wollte. Sie kannte den Grundsatz: Erhörung kommt nicht durch vieles Geplapper vor Gott:

Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. Mt 6,7

In eigener Sache: Marias einsichtsvolle Haltung beeindruckt mich sehr. Ihr Verhalten war der Situation in jeder Hinsicht völlig angemessen! Viele Menschen, darunter selbst viele Christen, treten vor Gott in völlig unangemessener Art auf, bei grösseren Problemen sogar hysterisch, als ob Gott blind und taub wäre und sich von uns beraten lassen müsste. – Was für eine Anmassung und was für eine schlechte Einschätzung der Gesamtsituation!

Lassen Sie uns stets in der Art Marias zu Gott kommen; Er kennt unser Anliegen, bevor wir es überhaupt aussprechen (Mt 6,8). Lassen Sie uns unsere Anliegen vor Ihn bringen. Lassen wir Ihm aber die volle Entscheidungsfreiheit. Es steht einem Menschen sehr schlecht an, vor Ihm zu quengeln wie ein Kleinkind.

Vers 6

Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Mass fasste. Joh 2,6

Gottes Gesetz forderte verschiedene Waschungen zur Reinigung des Menschen. Das waren nicht Waschungen in Bezug auf die Körperhygiene, sondern Waschungen, um in der geistlichen Welt nicht unpassend als Mensch Gottes vor Ihm zu wandeln. Gott sagte Israel, dass sich geistlich verunreinigt, wer beispielsweise Aas (ein verendetes Tier) trägt (zum Beispiel 3. Mo 15,10). Viele Israeliten waren Bauern und hatten Vieh. Ein verendetes Tier musste von der Herde weggebracht werden. Wer es wegtrug, verunreinigte sich geistlich und hatte sich zu waschen. Es gab viele Alltagssituationen in denen sich ein Israelit verunreinigen konnte. Es gehörte somit zum Anstand, bei einem Fest den Gästen Waschungen zu ermöglichen. Diese gehörten aufgrund des Gesetzes Gottes zu den Grundbedürfnissen eines Israeliten.

An der beschriebenen Hochzeit standen an einem Ort sechs steinerne Krüge, die zusammen ungefähr 600 Liter Wasser fassten. Ein „Mass“ war die Hohlmassgrösse für etwa 39 Liter.

Vers 7

Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben an. Joh 2,7

Jesus ordnete hier etwas für die Diener Seltsames an. Es mangelte an Wein, doch Jesus schien sein Augenmerk auf die Waschungen des Gesetzes zu richten. Die Krüge für die Waschungen sollten aufgefüllt werden, was die Diener dann auch sofort umsetzten. Bestimmt kamen sie nicht auf den Gedanken, dass das Auffüllen der Steinkrüge mit Wasser mit dem Mangel an Wein im Zusammenhang stehen könnte.

Religiöse Menschen hätten damals gesagt: „Jesus tue das einzig Richtige. Alle Ressourcen zur Erfüllung des Gesetzes sollen voll verfügbar sein, ein Trachten nach den Freuden des Lebens ist unangepasst. Es ist gut, dass Er sich um die Waschungen kümmert.“

Dies entsprach aber gar nicht Christi Plan, den Er wegen des mangelnden Weins gefasst hatte. Christus wollte sogar diesem nicht lebensnotwendigen Mangel abhelfen. Im Gegensatz dazu blasen sich religiöse Menschen im angeblichen Halten der Gebote vor Gott und den Menschen auf. Freude unter den Menschen betrachten sie als unnötig. Das Trachten des Menschen soll ständig nur darauf ausgerichtet sein, Gott angenehme Schlachtopfer zu bringen. Im Grundsatz wäre dieses Trachten nicht verkehrt, richtig angewendet ist es sogar edel. Da der Mensch aber böse ist (Mt 7,11), ist ein eigenwilliges Darbringen von Schlachtopfern vergeblich, wie die Opfer Kains vergeblich waren. Gott lässt dazu festhalten:

Vorher sagt er: »Schlachtopfer und Opfergaben und Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, auch kein Wohlgefallen daran gefunden« – die doch nach dem Gesetz dargebracht werden -; Hebr 10,8

Die Teilnahme Christi und seiner Jünger an der Hochzeit, die nur ein gesellschaftlicher Anlass war und nichts damit zu tun hatte, Gott in Reinheit eine Gabe darzubringen, zeugt davon, dass die Liebe Gottes auch daran interessiert ist, dass der Mensch sich freut (Pred 3,13).

Vers 8

Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. Joh 2,8

Nachdem die Wasserkrüge mit Wasser aufgefüllt waren, sprach Christus einfach: „Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister!“

Die Barmherzigkeit Christi liess Ihn handeln. Er handelte nicht aus der Defensive zur Abwehr. Gott muss nie in dieser Art handeln. Gott agiert. Christus agiert. Nachdem Er sich entschieden hatte, dem Mangel Abhilfe zu schaffen, befahl Er, dass man die Krüge mit Wasser füllen solle und danach vom Wasser eines Steinkruges nehmen und es dem Speisemeister bringen solle.

Vers 9

Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war – und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es – ruft der Speisemeister den Bräutigam Joh 2,9

Christus kam seiner Mutter und der Hochzeitsgesellschaft entgegen und wirkte sein erstes Wunder (oder: „Zeichen“) auf der Hochzeit zu Kana. Dabei ist beachtenswert, dass dieses Wunder für die Menschen nicht so dringend nötig war, wie beispielsweise eine Krankenheilung oder die Rückgabe eines Verstorbenen an seine verwitwete Mutter (Lk 7,11). Es fehlte an dieser Hochzeit nicht an Grundnahrungsmitteln, Wasser zum Trinken war genügend da, und von fehlendem Essen ist auch keine Rede. Es war lediglich der Wein ausgegangen, was höchstens dem Brautpaar und den Hochzeitsverantwortlichen zur Peinlichkeit hätte werden können. Dass sich Christus von seiner Mutter zu diesem Wunder bewegen liess, zeigt uns auf, dass unter seiner gnädigen Führung viel mehr drin liegt, als nur das bitter Nötigste.

Vers 10

und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Joh 2,10

Die Aussage des Speisemeisters offenbart: Der Wein musste ausgezeichnet gewesen sein! Geringerer Wein war keiner vorhanden und der Wein Christi übertraf den bisherigen. – Wen wundert‘s? Was Gott schafft, ist perfekt, seine Schöpfung ist perfekt. Und sie wäre es geblieben, wenn der verantwortliche Mensch nicht die Sünde in sich hinein hätte kommen lassen. Die Auswirkungen der Sünde sind Zielverfehlungen, ein Missachten der Absichten Gottes, die in jedem Fall schlecht herauskommen.

Es ist auch offensichtlich, dass Christus Wasser in Wein verwandelte, nicht in Traubensaft. Der Speisemeister spricht hier von Wein, der betrunken macht; Traubensaft macht nicht betrunken. Das ist auch eine wichtige Belehrung gegen das Gutmenschentum und das humanistische Gedankengut von Menschen, die glauben, es noch besser machen zu können als unser perfekter Schöpfer, indem sie das von Christus verordnete Abendmahl ausfallen lassen oder es nur mit Traubensaft abgeben, um angeblich alkoholkranken Menschen keinen Anstoss zu geben. Gottesdienstliche Anordnungen werden damit wegen der Sünde der Menschen beiseite gestellt, anstatt diese zur Heilung (2. Chr 30, 18-20) streng zu befolgen. Wie weit haben wir uns Christen vom Verständnis über Gottes Gedanken und Vorsatz entfernt, was keinesfalls ohne Konsequenzen bleiben wird, wenn wir nicht zum reinen Schriftwort zurückkehren, wie geschrieben steht:

47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden;
48 wer ihn aber nicht wusste, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern. Lk 12,47.48

Gelobt sei der HERR für seine Gnade, die seinen Nächsten nicht nur das Allernötigste gewährt, sondern auch Freude (Pred 3,13).

Vers 11

Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn. Joh 2,11

Was für eine Herrlichkeit! Wer beim HERRN oder in seinem Hause lebt, darf seine Herrlichkeit geniessen bevor sie zu anderen Menschen gelangt. Übrigens: Gott gibt nicht nur Verordnungen nach aussen ab; was Er anderen gebietet, hält Er selbst. Er ist selber das, was Er sagt, Er ist das personifizierte Wort (Joh 1,1). Gott gebietet, dass zuerst für die Hausgenossen gesorgt sein soll. Danach handelt Er selbst und half in der aktuellen Begebenheit mit diesem Zeichen seiner Mutter und dem Brautpaar, welches Ihn und seine Jünger eingeladen hatte. Und zusätzlich gilt: Wer Ihn ehrt, wird wiederum geehrt werden (Joh 12,26).

Lasst uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens! Gal 6,10

Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger. 1.Tim 5,8

Zuerst ist für die Internen zu schauen, danach für die Externen. Das ist ein göttlicher Grundsatz. Es steht den Menschen nicht an, besonders Christen nicht, die Wasser der Hausquelle (unnötig) nach draussen fliessen zu lassen, indem die Hausgenossen kurz gehalten werden und man sich mit Mitteln, die ihnen zustehen, sich draussen bei Leuten einschmeichelt.

Vers 12

Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger; und dort blieben sie nicht viele Tage. Joh 2,12

Christus wohnte im Übrigen nach der Überlieferung des Evangelisten Matthäus für eine Weile in Kapernaum, damit die Schrift erfüllt wurde.

12 Als er aber gehört hatte, dass Johannes überliefert worden war, entwich er nach Galiläa;
13 und er verliess Nazareth und kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt, in dem Gebiet von Sebulon und Naftali;
14 damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet worden ist, der sagt:
15 »Land Sebulon und Land Naftali, gegen den See hin, jenseits des Jordan, Galiläa der Nationen:
16 Das Volk, das in Finsternis sass, hat ein grosses Licht gesehen, und denen, die im Land und Schatten des Todes sassen, ist Licht aufgegangen.«   
17 Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Busse, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen! Mt 4,12-17

Christi Predigten begannen also in Kapernaum, seine Wunder nahmen in Kana den Anfang. Beide Ortschaften lagen in Galiläa, einem Gebiet in Israel, indem die Israeliten sehr durchmischt mit Menschen aus den Heidenvölkern lebten (Samariter, 2. Kö 17,24), womit Christus von Anfang an allen Menschen, Israeliten und Personen aus den Nationen die Möglichkeit der Umkehr zu Gott angeboten hat. Galiläa wird deswegen vom Heiligen Geist auch als das „Galiläa der Nationen (Mt 4,15)“ bezeichnet.

Kommen wir zurück zu Vers. Offensichtlich folgte die Mutter Jesu ihrem Sohn auf seinen Reisen. Sie war auch bei der Kreuzigung anwesend, der schlimmsten Stunde Christi. Maria hatte erkannt, dass Er für sie sehr wichtig war. Er war nicht nur ihr Sohn. Sie musste erkannt haben, dass Er der Erretter der Menschen war, also auch der ihre.

Vers 13

Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Joh 2,13

Von Kapernaum nach Jerusalem war die Wegstrecke sehr deutlich über 160 Kilometer weit. Viele Israeliten hatten jährlich weite Wegstrecken zurückzulegen, um einzuhalten, was Gottes Gesetz in Jerusalem einforderte.

Die Reisemöglichkeiten waren keinesfalls so bequem wie heute. Heute ist eine Distanz von 200 km im Auto mit Autobahnverbindung locker in drei Stunden zu schaffen, sogar die Bahn schafft diese Zeit mit ihren Fernverkehrszügen. Bei einem Fussgänger rechnet man für eine Wegstunde 4 – 5 zurückgelegte Kilometer. Bei einer Wegdistanz von 200 km betrug die reine Reisezeit ohne Pausen um die 45 Stunden, was bei 6 Stunden Reisezeit pro Tag 7,5 Tagesreisen für eine Richtung ergab. Wer mit der Familie, den Kindern, Freunden und Verwandten unterwegs war, wie damals die Eltern Jesu, konnte also je nach Wohnort durchaus dementsprechend lange unterwegs sein (Lk 2,41 ff.).

Vers 14

Und er fand im Tempel die Ochsen- und Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen. Joh 2,14

Das göttliche Gesetz forderte vom Menschen Opfertiere, da der Mensch sündig ist und er sich beständig zu heiligen hat. Ohne Heiligung, das ist die vom Schmutz der sündigen Welt reinigende Absonderung für Gott, kann man Gott nicht sehen.

Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern in Heiligung. 1.Thess 4,7

wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, Eph 1,4

Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird; Hebr 12,14

Der Mensch hat – statt diskret, in Scham und Reue Opfertiere anzubieten oder zu beschaffen – sich frech in den Tempel gesetzt, um die Forderung des Gesetzes zu kommerzialisieren. Diese Entwicklung zeigt sehr einprägsam auf, wie sich stolze Menschen verhalten. Das Gesetz sagt: „Wenn du, Mensch, dich versündigt hast, dann bereue vor Gott und bring ein Opfer dar zur Sühnung deiner Schuld!“ Das ist eine den Menschen sehr demütigende Forderung, welcher der Mensch nach jedem Vergehen mit gesenktem Haupte – er hat sich am Gesetz des Allmächtigen vergriffen – hätte nachkommen sollen. Bei echtem Sündenbewusstsein ist kein Platz für Stolz in dieser den miserablen Zustand des Menschen offenbarmachenden Angelegenheit.

Menschen, die ihren traurigen Zustand nicht erkannt haben, nehmen die Forderung des Gesetzes im Blick auf die Sünde als neutrale Sache. Sie sagten sich: „Das Gesetz fordert nun man Opfer. Wenn das so ist, können wir ja daraus ein Geschäft machen, das Gesetz eröffnet uns den Markt des Tierhandels. Als geschäftstüchtiger Mensch biete ich meiner Kundschaft das Erforderliche zeitlich und örtlich richtig an: Beim Passahfest im Tempel Gottes! Damit tue ich Gott bestimmt einen Gefallen!“ Wie wenig diese Kaufleute und die Menschen, die im Tempel für ihre Bedürfnisse Opfertiere kauften, doch von Gottes Wesen verstanden hatten! Wie wenig hatten sie den Begriff Heiligung, also Absonderung von der Welt zu Gott hin, verstanden. Den Händlern sowie den im Tempel kaufenden Käufern war es offensichtlich völlig egal, dass der Tempel, das Haus Gottes also, damit entheiligt wurde. Statt dem Tempel seinen Zweck als Bethaus zu lassen, machten sie ein Kaufhaus daraus. Sie erfüllten das Gesetz dem Buchstaben nach; weil es so dastand, „erfüllte“ man das Geschriebene. Den Tierverkäufern und den im Tempel kaufenden Menschen waren Gottes Gefühle der Liebe zum Menschen und des Hasses zur Sünde fremd. Sie brachten das vom Gesetz geforderte dar und gingen wieder nach Hause. Das war‘s für sie und es offenbart, dass sie sich nicht um die Person ihres Erlösers kümmerten oder darüber nachsannen. – Gott musste diesen Menschen folgendes vorwerfen:

Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Mt 15,8

Wie offensichtlich kam es hier zum Ausdruck! Was mit dieser Stelle im Neuen Testament gesagt ist, war im Alten Testament auch schon längst ein Thema. Bereits der Prophet Jesaja musste dem Volk Israel Gleichgültigkeit und Herzenshärte gegenüber Gott vorhalten (Jes 58).

Vers 15

Und er machte eine Geissel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; Joh 2,15

Gott tolerierte keinesfalls, was im Tempel abging. Christus gab dem hohen Grad seines Unwillens mit der Geissel adäquaten Ausdruck. Diese Lektion sollten wir uns aufgrund seiner heftigen Reaktion sehr zu Herzen nehmen!

Der Sinn des Gesetzes, das dem Menschen einen guten Rahmen gab, um vor Gott bestehen zu können, ist von Israel überhaupt nicht verstanden worden. Das Herz Gottes wurde von seinem Volk nicht erfasst. Vielmehr machte sich die Herzenshärte und die Nackenstarre der Nation immer wieder bemerkbar (2. Chr 30,8). Das Gesetz zu kommerzialisieren und Gottes Haus für den Handel zu zweckentfremden und einfach Opfer darzubringen, damit sie dargebracht sind, entsprach keineswegs der Meinung des Gesetzgebers.

Wenn wir nun merken, dass wir auch nur buchstabengemäss denken und handeln, wie damals die Händler im Tempel und Gottes Herz nicht verstehen, sind wir jenen Menschen gleich und provozieren Gottes Zorn. Dieserart tun wir genau das Gleiche, das Gott damals schon nicht tolerieren konnte. Dementsprechend sollten wir uns folgende göttliche Anweisung unbedingt zu Herzen nehmen:

2 Zwar befragen sie mich Tag für Tag, und es gefällt ihnen, meine Wege zu kennen. Wie eine Nation, die Gerechtigkeit übt und das Recht ihres Gottes nicht verlassen hat, fordern sie von mir gerechte Entscheidungen, haben Gefallen daran, Gott zu nahen. –
3 »Warum fasten wir, und du siehst es nicht, demütigen wir uns, und du merkst es nicht?« – Siehe, am Tag eures Fastens geht ihr euren Geschäften nach und drängt alle eure Arbeiter.
4 Siehe, zu Streit und Zank fastet ihr und, um mit gottloser Faust zu schlagen. Zur Zeit fastet ihr nicht so, dass ihr eure Stimme in der Höhe zu Gehör brächtet.
5 Ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe, etwa wie dies: Ein Tag, an dem der Mensch sich demütigt? Seinen Kopf zu beugen wie eine Binse und sich in Sacktuch und Asche zu betten? Nennst du das ein Fasten und einen dem HERRN wohlgefälligen Tag?
6 Ist nicht vielmehr das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Ungerechte Fesseln zu lösen, die Knoten des Joches zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht?
7 Besteht es nicht darin, dein Brot dem Hungrigen zu brechen und dass du heimatlose Elende ins Haus führst? Wenn du einen Nackten siehst, dass du ihn bedeckst und dass du dich deinem Nächsten nicht entziehst?
8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell sprossen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein.
9 Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten. Du wirst um Hilfe schreien, und er wird sagen: Hier bin ich! Wenn du aus deiner Mitte fortschaffst das Joch, das Fingerausstrecken und böses Reden
10 und wenn du dem Hungrigen dein Brot darreichst und die gebeugte Seele sättigst, dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.
11 Und beständig wird der HERR dich leiten, und er wird deine Seele sättigen an Orten der Dürre und deine Gebeine stärken. Dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nicht versiegen. Jes 58,2-11

Mit diesen Versen teilt uns Gott mit, was Ihn zufrieden stellt, was nach seinem Sinn ist. Er will von uns keine herzlos dargebrachten Opfer. Er will keine herzlose Religiosität; Er will kein buchstabengemässes Halten von irgendwelchen Geboten! Gott will unsere Liebe, Er hat uns zuerst geliebt! Lassen Sie uns keine leeren Lippenbekenntnisse vor Gott bringen! Lassen Sie uns im Sinne seines Wesens nach seinen Worten handeln. Amen.

Vers 16

und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! Joh 2,16

Wie fein unser HERR doch ist! Selbst in seiner grossen Wut, in der Er mit der Geissel Schläge austeilte und die Tische der Wechsler umwarf, fuhr Er nicht in derselben Weise bei den Taubenverkäufern drein. Die Tauben konnten in ihren Käfigen nichts dafür, dass sie im Tempel zum Kauf angeboten wurden. Darauf nahm der HERR Rücksicht und sprach lediglich zu den Taubenverkäufern, sie sollen ihr Angebot von hier weg verlagern, ohne die Tische umzuwerfen.

Wir, die wir dem HERRN angehören, dürfen wissen: Wir haben den besten Herrn, den es überhaupt gibt! Amen!

Vers 17

Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: »Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.« Joh 2,17

Der Eifer für die Anliegen des Vaters (Haus, Hausordnung) verzehrten Christus. Er gab alles für den Willen des Vaters. Wenn etwas nicht diesem Willen entsprach, setzte sich Christus mit seinem Leben für die Wahrung der Interessen seines Vaters ein. Der Heilige Geist verwendet dazu das Wort „verzehrte“, das treffend den äussersten Einsatz Christi für den Willen des Vaters beschreibt. Da Christus unser Vorbild und unser Vorläufer ist, stellt sich sofort die Frage, ob wir ebenso motiviert und bereit, alles einzusetzen, unterwegs sind, was heisst, bereit sein, für den Willen des Vaters uns völlig aufzehren zu lassen. Der Test kann manchmal schwer sein, vor allem, wenn sich Angehörige aus dem engsten Kreis gegen Gottes Willen aussprechen. Wir alle kennen diesen Vers:

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; Mt 10,37

Der Vers sagt nichts anderes aus, dass es nicht angeht, die leiblichen engsten Angehörigen über den Schöpfer zu stellen, der auf die Erde kam, um uns aus unserer selbstverschuldeten Lage mit seinem eigenen Leben loszukaufen! Wer sich ein Jünger Christi nennt, sollte niemals eine Abweichung auf dem Weg der Nachfolge zulassen, selbst wenn sie der Ehemann, die Ehefrau, der Vater, die Mutter oder ein eigenes Kind fordert. Wer dem Kind, der Mutter, dem Vater, der Ehefrau oder dem Ehemann zuliebe „um des Friedens willen“ zurückweicht, ist Christi nicht wert! Das ist nicht meine Weltanschauung, sondern ein Wort Gottes.

Wer Gottes Ansprüche unterschätzt, soll sich doch den Umstand in Erinnerung rufen, den Gott bewog, die Leviten in ihre herrliche und bevorzugte Stellung zu versetzen: Nachdem die ganze Nation Israel Gott verworfen hatte und mit eigenen Händen einen Götzen, das „Goldene Kalb“, angefertigt hatten, rief Mose, der verbleibende Diener Gottes aus:

da trat Mose in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer für den HERRN ist! Daraufhin versammelten sich bei ihm alle Söhne Levis. 2.Mose 32,26

Wir können die Frage Moses auch umformulieren, etwa so: Wer ist für Gottes Anliegen, für sein Haus und seine Hausordnung? – Der Stamm Levi versammelte sich allein zu Mose, was sehr traurig aber auch sehr bezeichnend dafür ist, dass jeweils nur eine Minderheit, ein Überrest in Wahrheit für Gott ist. Die Mehrheit beteuert zwar, für Ihn zu sein. Kommt aber ein Test, macht dieser offenbar, dass die Mehrheit der Gottesbekenner sich nicht wirklich um seine Anliegen schert.

Der Stamm Levi musste seine Entschiedenheit für Gott noch unter Beweis stellen, der jeden Zweifel seines Bekenntnisses ausräumte. Gottes Test war folgender:

27 Und er sagte zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder lege sein Schwert an die Hüfte! Geht im Lager hin und zurück, von Tor zu Tor, und erschlagt jeder seinen Bruder und seinen Freund und seinen Verwandten!
28 Die Söhne Levis nun handelten nach dem Wort des Mose; und es fielen vom Volk an jenem Tage etwa dreitausend Mann. 2.Mose 32,27-28

Beachten wir, dass das eine Anordnung des HERRN war, Moses sprach: So spricht der HERR, der Gott Israels!“ Es war nicht eine willkürliche Anordnung Moses.

Das neutestamentliche Volk ist nicht angewiesen, Gottes Interessen mit dem Schwert zu wahren oder sich mit dem Schwert unter Beweis zu stellen. Gott hat seine Moralvorstellungen nicht geändert; Er hat lediglich die Vorgehensweisen für Gottes Volk vom Alten Testament dem Neuen Testament angepasst. Bei sehr schwerwiegenden Sünden forderte Gott im Alten Testament den Tod des Sünders (z. B. 3. Mo 24,14) durch die Hand des Volkes. Im Neuen Testament ist die Ahndung der Sünde nicht mehr dem Volk gegeben, Gott hat diese Aufgabe zu sich zurückgenommen und ihre Ausführung auf das Ende des Zeitalters festgesetzt (Rö 14,10; 2. Kor 5,10). Das Volk Gottes hat sich lediglich von der sündigen Partei innerhalb des Volkes zu trennen (1. Kor 5, 11; 2. Tess 3,14). Die Trennung gilt nicht bei Ungläubigen, sonst müsste der Christ aus der Welt hinausgehen, da jeder Heide ein unheiliges und sündiges Leben führt (1. Kor 5, 9.10). Wir würden auch (leider heute noch) schlecht leben, wenn Christus sich nicht für uns täglich verwenden würde (1. Joh 1,8). Da müssen wir uns keine Illusionen machen. Es gibt nicht den geringsten Anlass, uns über andere Menschen zu erheben!

Nehmen wir uns Christus in allem zum Vorbild. Sein Eifer für das Haus Gottes verzehrte ihn! Ist unsere Hingabe zu Gottes Haus, das die Hausordnung inkludiert, auch maximal? Oder betrachten wir seine Worte nur als Empfehlungsschreiben? – Lassen Sie uns in allem dem HERRN wohlgefällig sein! Amen.

Vers 18

Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen der Vollmacht zeigst du uns, dass du dies tust? Joh 2,18

Die Juden hatten Gottes Willen hinter den Geboten nicht begriffen. Sie sahen in Gott einen gefühlslosen Gesetzgeber, dem nur ein buchstabengetreues Einhalten seiner Regeln wichtig war. Sie glaubten nicht daran, dass es Gott um den Menschen ging. Gott will, dass es den Menschen gut geht. Dazu schaffte Er Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen, die in seinem Gesetz verankert sind, sind wie Zäune, die den Menschen vor Stürzen in die vielen Abgründe dieser Welt bewahren. Wer einen Zaun als Schranke missachtet, ihn öffnet und weitergeht, dem wird es schlecht ergehen. Dieser Mensch betritt sinnbildlich gesehen wie ein Schaf, weg von der grünen, saftigen Wiese, eine unwirtliche Gegend, die ihm das Leben schwer macht. Sie kann sogar den Tod bedeuten. Diese unnötigen Leiden und einen allfälligen unnötigen Tod will Gott nicht für die Menschen.

Menschen, die in Gott nur eine fordernde, gefühlslose Maschine sahen, welche von den Menschen ausschliesslich die bestehende Forderung des Gesetzes erfüllt haben will, begriffen Christi Vorgehen im Tempel nicht. Sie sagten sich: Wir erfüllen ja das Gesetz! Wir tragen die Opfertiere sogar bis in den Tempel hinein und bieten sie den Menschen an, damit sie das vom Gesetz Geforderte vor Ort finden! Christi Zeitgenossen sahen nicht, dass Gott gute Gefühle für die Menschen hegt und mit ihnen in der Stille im Tempel Gemeinschaft pflegen wollte. Für diese Gemeinschaft stellte Gott die Opfertiere zur Verfügung, welche alle das grosse Opfer Christi vorschatteten. Der Fokus des Gesetzes war nicht auf dessen strikten Einhaltung, der Fokus war auf der Befähigung durch das Gesetz, Gott nahen zu können. Niemand konnte sich ohne Opfer Gott nahen. Gott schaffte also mit dem Gesetz auch die Rahmenbedingungen für Gemeinschaft.

Was damals galt, gilt auch heute. Gott verkündigte diese Rahmenbedingungen in der Person Christi in der Bergpredigt (Mt 5-7). Auch für diese Gebote gilt: Wer nur darauf bedacht ist, sie einzuhalten, um sich einen Vorteil zu verschaffen, ohne darin die notwendigen, vorbereitenden Schritte für die herrliche Gemeinschaft mit Gott zu sehen, steht auf demselben Boden des Irrtums, auf dem Israel stand. Ein solcher Mensch sollte aus den Worten Christi lernen:

Wenn ihr aber erkannt hättet, was das heisst: »Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer«, so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben. Mt 12,7

Alles, was wir tun, sollte darauf ausgerichtet sein, die Beziehung zu Gott zu pflegen. Wer Gottes Grösse erkannt hat, der weiss, dass Gott kein einziges Opfer, keine einzige Tat vom Menschen nötig hat. Er hat in sechs Tagen die Welt erschaffen; sollte Er auf eine menschliche Zulieferung von Speisen oder Taten angewiesen sein? Müsste Gott hungern, wenn Ihm Menschen nicht etwas zuliefern würden? – Was ist das für ein lächerlicher Gedanke! Gott spricht:

8 Nicht wegen deiner Schlachtopfer tadle ich dich, auch deine Brandopfer sind beständig vor mir.
9 Ich nehme keinen Stier aus deinem Haus, noch Böcke aus deinen Hürden.
10 Denn mein ist alles Getier des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen.
11 Ich kenne alle Vögel der Berge, und was sich tummelt im Feld, ist mir bekannt.
12 Wenn mich hungerte, ich würde es dir nicht sagen; denn mein ist die Welt und ihre Fülle.
13 Sollte ich das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken?
14 Opfere Gott Dank, und erfülle dem Höchsten deine Gelübde;
15 und rufe mich an am Tag der Not; ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!« Ps 50,8-15

Gott will Gemeinschaft, Gott will unser Herz. Um die Rahmenbedingungen dazu zu schaffen, ist der Gehorsam nötig, der Gehorsam ist nicht notwendig, um Gott Werke und Speisen zuzuführen, die Er überhaupt nicht braucht.

Weil Jesu Vorgehen, das gemäss dem Willen des Vaters war, in den Augen der Pharisäer ausserordentlich war, fragten sie Ihn nach einer Vollmacht. – Um etwas vorzugreifen: Die Antwort Christi darauf mag erstaunen; Er erbrachte aber bei seiner Auferstehung den Beweis der unumschränkten Vollmacht. Er ist im Besitze einer Vollmacht, die damals schon bewies, dass Er nur schon dazu bevollmächtigt war, allen Mächten, die eine Wiederauferstehung von Menschen verhindern, wie der Tod, der Hades und der Teufel, welcher sowieso als Menschenmörder alle Menschen am liebsten im Tod sähe, auf den Kopf zu treten. Als Sohn des Hauses war daher die Reinigung des Tempels überhaupt das Geringste, das Er tun durfte.

Vers 20

Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Joh 2,20

Der HERR sprach von seinem Leib, welcher auch der Tempel Gottes war (1. Kor 6,19), nicht vom Tempelgebäude in Jerusalem. Mit der durch die Juden angezettelten und durch die Römer ausgeführten Ermordung Christi hatten sie diesen menschlichen Tempel tatsächlich abgebrochen. Nach drei Tagen richtete ihn Christus wieder auf, wie Er es vorausgesagt hatte. Doch selbst wenn sie den steinernen Tempel, der 46 Jahre Bauzeit benötigte, abgebrochen hätten -, wäre es für Christus eine grosse Aufgabe gewesen, diesen Tempel in drei Tagen wieder aufzurichten? Bedenken wir: Durch Christus wurden die Welten in sechs Tagen geschaffen (Kol 1,16). Durch Christus haben sie bestand; Er hält das Universum im Gleichgewicht (Kol 1,17). Christus hat erwiesenermassen die Kraft, in weniger als einem Augenblick ein völlig zerstörtes Gebäude wiederaufzubauen! Das steht völlig ausser Frage! – Wie ahnungslos und verblendet die Juden doch waren, obschon sie das Wort Gottes besassen!

Vers 21

Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Joh 2,21

Wie im Kommentar zum Vers 20 erwähnt, sprach Christus vom Tempel seines Leibes. – Wir Menschen bestehen ja bekanntlich nicht nur aus einem Körper aus Fleisch und Blut. Der Körper ist lediglich eine Behausung, ein Wohnort für etwas. Der Mensch wurde ja bekanntlich als lebendige Seele geschaffen:

da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele. 1.Mose 2,7

Die Seele macht den Menschen aus, nicht der Körper. Diese Seele braucht eine Behausung, mit der sie sich ausdrücken kann. Diese Behausung ist unser Leib, unser Körper, wie es Paulus in seinen Ausführungen offen legt:

1 Wir wissen ja: Wenn das irdische Zelt, in dem wir jetzt leben, nämlich unser Körper, abgebrochen wird, hat Gott eine andere Behausung für uns bereit: ein Haus im Himmel, das nicht von Menschen gebaut ist und das in Ewigkeit bestehen bleibt.
2 Weil wir das wissen, stöhnen wir und sehnen uns danach, mit dieser himmlischen Behausung umkleidet zu werden.
3 Sonst würden wir ja nackt dastehen, wenn wir den irdischen Körper ablegen müssen.
4 Ja, wir sind bedrückt und stöhnen, solange wir noch in diesem Körper leben, denn wir wollen ja nicht von unserem sterblichen Körper befreit werden, um dann nackt dazustehen; wir wollen in den unvergänglichen Körper hineinschlüpfen. Was an uns vergänglich ist, soll vom Leben verschlungen werden. 2.Kor 5,1-4

Der irdische Leib ist vergänglich und spielt deshalb auch eine untergeordnete Rolle. Somit ist folgende Aussage leicht nachvollziehbar:

Trügerisch ist Anmut und nichtig die Schönheit; eine Frau aber, die den HERRN fürchtet, die soll man rühmen. Spr 31,30

Ein schöner irdischer Leib verschafft seinem Besitzer auf der Erde viel Anerkennung, wogegen Menschen, die in einem hässlichen Leib stecken, auf dieser Erde benachteiligt sind. Wenn zwei junge Frauen zusammen im Ausgang sind, die eine mit schöner Gestalt und hübschem Gesicht und die andere in einem nicht mit irdischer Schönheit gesegnetem Körper, wird die attraktivere automatisch vom anderen Geschlecht zuerst angesprochen, da sie anziehender wirkt. Das ist ganz natürlich, wir können das sogar auch bei biblischen Figuren beobachten. Jakob bevorzugte Rahel, weil sie hübscher war als seine andere Frau Lea (1. Mo 29,16). Lea wurde deshalb sogar zurückgesetzt (1. Mo 29,30.31), gleichwohl sie dem Jakob zuerst Kinder geboren hatte und Rahel anfänglich lange unfruchtbar war.

Der Mensch sieht oft nur auf das Vergängliche, auf die Schönheit der Welt, das Geld und das irdische Ansehen. Er blickt nicht auf das, was vor Gott schön ist. Vor Gott ist ein Mensch mit hässlichem Aussehen, der Gott aber fürchtet, sehr viel mehr wert als ein sehr attraktiver aber gottloser Mensch. Beim gottlosen Menschen liegt der Wert sehr tief, also so richtig im „Keller“:

das Herz der Gottlosen aber ist wenig wert. Spr 10,20b

Gott spricht: Zu preisen sind Menschen, die mich fürchten, nicht die an Schönheitswettbewerben der Welt gekürten „Missen“ oder „Mister“! In Bezug auf die Frau steht folgendes geschrieben, was übrigens auch für den Mann gilt; gerne zitiere ich den bereits angeführten Vers nochmals:

Trügerisch ist Anmut und nichtig die Schönheit; eine Frau aber, die den HERRN fürchtet, die soll man rühmen. Spr 31,30

Der Mensch ist also eine lebendige Seele, die zuerst mit einem irdischen Leib bekleidet ist. Wie dieser beschaffen ist und aussieht, spielt also eine völlig untergeordnete Rolle. Wir sind einfach angehalten, ihn zu pflegen und ihn nicht mutwillig zu zerstören, was unserem Auftrag auf Erden dienlich ist.

Nun ist der Mensch aber auch eine Behausung für den Geist. Gott hauchte dem Menschen seinen Atem ein, damit wurde er lebendig. Wenn Gott seinen Geist zurückruft, verscheidet der Mensch sofort, wie geschrieben steht:

14 Wenn er sein Herz nur auf sich selbst richtete, seinen Geist und seinen Atem zu sich zurückzöge,
15 so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden, und der Mensch zum Staub zurückkehren. Hiob 34,14-15

Ohne den Geist, den Atem Gottes, wäre der Mensch tot. Eine andere Stelle in der Bibel beschreibt es so:

Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, … Jak 2,26a

Beachten Sie dazu auch den Vers im Prediger 12,7, der aussagt, dass beim Tod des Menschen ebendieser Geist zu Gott zurückkehrt. Der Mensch ist also auch eine Behausung, ein Tempel des Geistes Gottes.

Es ist uns daher nicht erlaubt, mit dem Leib böse Dinge zu treiben, welcher der Gottes Tempel ist. Paulus weist  warnend in Bezug auf Unzucht auf diesen Umstand, der aber auch für alle Sünden gilt, die wir mit dem Leib vollbringen können, wie geschrieben steht:

18 Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist ausserhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen den eigenen Leib.
19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?
20 Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib! 1.Kor 6,18-20

Diese Verse benötigen meines Erachtens keine weitere Erklärung; sie sind unverschlüsselt und für alle verständlich. Die Warnung steht! Amen.

Lassen Sie uns Gott mit unserem Leib verherrlichen, indem wir ihn in der Absonderung für Gott bewahren, wie es der Behausung des Geistes Gottes würdig ist! Amen!

Vers 22

Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. Joh 2,22

Die Jünger erinnerten sich daran, dass Jesus den Juden gesagt hatte, dass Er nach drei Tagen wieder aufstehen würde, nachdem die Juden Ihn zu Tode gebracht hätten. Selbst die Pharisäer und die Schriftgelehrten mussten dieses Wort verstanden haben, wie wir es aus der nachfolgenden Textstelle ersehen:

62 Am nächsten Tag aber, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus
63 und sprachen: Herr, wir haben uns erinnert, dass jener Verführer sagte, als er noch lebte: Nach drei Tagen stehe ich wieder auf.
64 So befiehl nun, dass das Grab gesichert werde bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferweckt worden. Und die letzte Verführung wird schlimmer sein als die erste. Mt 27,62-64

Bei anderen Gelegenheiten habe ich schon einige Male erwähnt, dass die Pharisäer im Grunde ganz genau wussten, dass Christus der verheissene Messias war (Mt 21,38) und sie Ihn lediglich aus niederem Grund, aus purem Neid, umgebracht hatten. Christus sprach offen davon. Sogar der weltliche Pilatus hatte dies erkannt (Mt 27,18). Die Juden hätten die Chance gehabt, diese äusserst folgenschweren Sünde, die Ermordung Jesu Christi, zu vermeiden, indem Sie sich zu dem Gott gewendet hätten, von dem sie vorgaben, Ihm zu dienen.

Vers 23

Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Fest, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Joh 2,23

Viele Menschen glaubten durch die Zeichen die Er tat. Der HERR war sehr gnädig, indem Er übernatürliche Zeichen vollbrachte, die niemand ausser Gott tun konnte. Diener der anderen Seite können auch übernatürliche Dinge wirken, doch nur in sehr eingeschränkter Art (2. Mo 8,3). Wenn sich der Schwierigkeitsgrad steigert, sind sie schnell mit ihrem Latein am Ende. Bereits bei der dritten Plage über Ägypten mussten sie passen, sie konnten nicht einmal Mücken befehligen, was für den von Gott bevollmächtigten Mose hingegen überhaupt kein Problem darstellte.

Dort wo der HERR auftritt, gibt es keine Schranken; was Er tun will, tut Er einfach, ohne dafür zwei Anläufe zu brauchen oder irgendjemanden fragen zu müssen. Er kann ohne Schwierigkeiten Tote aufwecken, wie man Schlafende aufweckt. Blinden gibt Er das Augenlicht zurück, als ob es überhaupt keine grosse Aufgabe wäre. Menschen bringen derartige Heilungen auch nach jahrtausendlangen Forschungen nicht zustande, auch Hellseher und Zauberer schaffen es nicht, selbst dann nicht, wenn sie sich an ihre übernatürlichen Kraftquellen wenden.

Mit seinen Taten zeigte der HERR seine Herrlichkeit, Grösse und Kraft. Es erstaunt daher sehr, dass Ihm nicht die ganze Welt nachgelaufen war, sondern nur eine Auswahl von Menschen. Rockstars läuft die ganze Welt hinterher; ihnen jubeln gefüllte Fussballstadien zu und die Akteure könnten sich aus der Menge aussuchen, wen sie wollen, praktisch niemand würde sich ihnen verweigern.

Die Rockstars sind an Christus gemessen wie rein gar nichts, wie Würmer, die nichts zu tun vermögen. Die Welt läuft ihnen trotzdem nach, weil sie selbst von der Welt sind. Christus ist nicht von der Welt; Er beurteilt die Welt als böse. Menschen, die sich nicht vom Verdorbenen, der Welt also, abwenden wollen, bleiben unter Gleichgesinnten, ansonsten müssten sie eingestehen, dass sie selbst böse sind und Erlösung brauchen. Das erklärt den, menschlich und äusserlich gesehen, mässigen Erfolg des HERRN, obschon Er, wie erwähnt, gemessen an seiner Herrlichkeit, völlig offensichtlich zigtausend Mal besser und stärker ist als die Besten der Weltelite.

Vers 24

Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte Joh 2,24

Christus ist in allem unser Vorbild; Er handelte in jeder Situation genau richtig. Wenn er sich den Leuten aus dem verdorbenen adamitischen Geschlecht nicht anvertraute, sollten wir es auch nicht tun. Israel war zwar Gottes Volk, doch nicht einmal diesem Menschen vertraute sich Christus an. Wer wirklich mit dem HERRN unterwegs ist, kennt das Unverständnis aus den eigenen Reihen.

Jesus hatte praktisch nur Trübsal auf Erden; Er wurde als Schöpfer verworfen, und Er wusste, dass die, welche ihn hartnäckig bis zum Schluss ablehnen, verloren gehen werden. Da Er seine Schöpfung liebte, brachte Ihm diese Erkenntnis sehr viel Herzeleid. Christus hatte alle Erkenntnis. Es heisst schon für gewöhnliche Menschen, dass, je mehr Erkenntnis da ist, desto mehr Kummer aufkommt:

Denn wo viel Weisheit ist, ist viel Verdruss, und wer Erkenntnis mehrt, mehrt Kummer. Pred 1,18

Nicht wenige Christen kämpfen vor lauter Kummer mit Depressionen, da sie von der Bosheit in der Welt ganz genau Bescheid wissen und die Gerichte des HERRN kennen, deren Härte Er mit der Vernichtung der alten Welt durch die Sintflut und der Umkehrung von Sodom und Gomorra mit Feuer und Schwefel aus dem Himmel offenbar gemacht hat. Wer liebt und zusehen muss, dass engste Angehörige den Weg der Welt gewählt haben, kann leicht von Schwermut übermannt werden.

Daher wird Christi Herz schon im Vorfeld prophetisch als mit Kummer erfüllt geoffenbart:

Es umfingen mich die Fesseln des Todes, die Ängste des Scheols erreichten mich. Ich geriet in Not und Kummer. Ps 116,3

Christi Seele war manchmal so bedrückt, dass Er selbst weinen musste.

Jesus weinte. Joh 11,35

Auch musste Christus über die Härte der Herzen klagend ausrufen:

Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Mt 23,37

Mit wem hätte Christus seinen Kummer teilen sollen? Wem konnte Er sich anvertrauen? Sollte Er sich unvernünftigen und hartherzigen Menschen anvertrauen, die dann für Ihn in einer humanistisch angehauchten, heuchlerischen Regung ihr Gesicht zur Mitleidsmine verzogen hätten, um Anteilnahme zu heucheln? Wäre das wahrer Trost? – Ganz sicher nicht! Böse Menschen verstehen auch keinesfalls, dass man wegen ihnen am Leiden ist, da man sie nicht im Feuer der Hölle brennen sehen will.

Christus konnte sich nicht einmal seinen eigenen Jüngern anvertrauen, da sie zu schwach waren, seine Leiden zu teilen. Sogar Christi Wunsch, seine Leiden mit seinen engsten drei Jüngern zu teilen, wurde Ihm wegen ihrer Schwachheit nicht gewährt. Folgende Begebenheit zeugt in sehr trauriger Weise vom völligen Versagen der Jünger, als Christus für einmal seine Ängste mit Menschen teilen wollte:

33 Und er nimmt den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an, sehr bestürzt und geängstigt zu werden.
34 Und er spricht zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht!
35 Und er ging ein wenig weiter und fiel auf die Erde; und er betete, dass, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe.
36 Und er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir weg! Doch nicht, was ich will, sondern was du willst!
37 Und er kommt und findet sie schlafend, und er spricht zu Petrus: Simon, schläfst du? Konntest du nicht eine Stunde wachen?
38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.
39 Und er ging wieder weg, betete und sprach dasselbe Wort.
40 Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren beschwert; und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.
41 Und er kommt zum dritten Mal und spricht zu ihnen: So schlaft denn fort und ruht aus! Es ist genug; die Stunde ist gekommen, siehe, der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert.
42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich überliefert, ist nahe.    Mk 14,33-42

Wir sollten Christus in allem als Vorbild sehen: Vertrauen Sie sich als Kind Gottes nicht natürlichen aussenstehenden Menschen an! Wenn Sie sich jemandem anvertrauen, was wollen Sie hören? Wollen Sie sich einen Weltmenschen anvertrauen und mit ihm Ihre Sorgen als Christ teilen? Dafür hat ein Weltmensch kein Verständnis! Sie können damit höchstens Ihr Zeugnis zunichtemachen.

Sorgen sollen direkt an den HERRN adressiert werden, alles andere bringt nicht viel. Der HERR kann allein effektiv erlösen und heilen; Menschen können meist nicht richtig helfen und eine mitleidig aufgesetzte Mine eines Gegenübers hilft doch nicht wirklich? Gehen Sie mit ihren Sorgen zum HERRN, Er fordert uns ja dazu auf:

Wirf auf den HERRN deine Last, und er wird dich erhalten; er wird nimmermehr zulassen, dass der Gerechte wankt. Ps 55,23

indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft! Denn er ist besorgt für euch. 1.Petr 5,7

Lassen Sie uns das Heil, unsere Heilung und Notlinderung auch nicht in den Buchstaben der Schriften suchen, lassen Sie es uns in der lebendigen Person, Jesus Christus, suchen (Joh 5,39)! Er kann wirklich und effektiv helfen! So steht es da. Amen.

Vers 25

und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war. Joh 2,25

Das ist ein den natürlichen Menschen sehr demütigender Vers. Aber er sagt die Wahrheit aus und ist deshalb sehr heilsam. Ein nicht wiedergeborener Mensch ist nur schlecht. Die Lüge des Humanismus, es stecke ein guter Kern im Menschen, ist vom Teufel. Wer sie annimmt, verführt sich selbst und leitet sich selber in die Irre. Wie die Bibel den natürlichen Menschen beurteilt, habe ich schon mehrfach erwähnt. Gerne wiederhole ich mich diesbezüglich. Folgende Dinge kommen aus dem Menschen heraus:

20 Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen.
21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord,
22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit;
23 alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen. Mk 7,20-23

Deshalb spricht Christus frei heraus, dass der Mensch böse ist:

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, Mt 7,11a

Und Christus doppelt nach, niemand soll der heute etablierten Lüge des Teufels glauben, es stecke etwas Gutes im Menschen:

Niemand ist gut, als nur einer, Gott. Lk 18,19b

Wer das nicht annimmt und der Lüge des Teufels glaubt, macht Gott zum Lügner. – Kommen wir zurück zum Vers: Christus wusste von dieser Bosheit im Menschen. Hätte Er nun auf eine Empfehlung eines Menschen warten oder hoffen sollen? Nehmen Sie einen Hund an ein Vorstellungsgespräch mit, damit er Sie schwanzwedelnd vor dem Rekrutierungsgremium empfiehlt? So, wie uns ein Hund nicht empfehlen kann, können böse Menschen den guten Gott nicht empfehlen. Ausserdem braucht ein Guter die Empfehlung eines Bösen nicht.

Aus diesem Grund pfiff der Apostel Paulus auf die Empfehlung von einer von bösen Mächten besessenen Frau. Er bestätigte nicht einmal, dass die Frau die Wahrheit sage, obschon ihr Zeugnis der ganzen Wahrheit entsprach (Apg 16,17.18). Entgegen der Erwartung von Menschen stellte Paulus das Sprechen dieser Frau ab. Wenn ein böser Mensch oder eine böse Macht Worte Gottes in den Mund nimmt, ist es immer unpässlich und es wird dieser Kreatur als Sünde angerechnet. Es ist ein Gräuel, wenn jemand Schlimmes tut und Worte Gottes zitiert! Gott hat solche Zeugnisse nicht nötig, vielmehr ahndet Er sie streng! Wer auf falschem Pfad unterwegs ist und diesen üblen Weg mit Worten aus der Bibel schmücken will, dem sei gesagt:

16 Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: »Was hast du meine Ordnungen herzusagen und nimmst meinen Bund in deinen Mund?
17 Du hast ja die Zucht gehasst und meine Worte hinter dich geworfen.
18 Sahst du einen Dieb, so befreundetest du dich mit ihm, und mit Ehebrechern hattest du Gemeinschaft.
19 Deinen Mund schicktest du los zum Bösen, und deine Zunge spannte Betrug davor.
20 Du sassest da, redetest gegen deinen Bruder, gegen den Sohn deiner Mutter stiessest du Schmähung aus.
21 Das hast du getan, und ich schwieg; du dachtest, ich sei ganz wie du. Ich werde dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen. Ps 50,16-21

Lassen Sie uns, die wir Gottes Ordnungen daher sagen und seinen Bund in unseren Mund nehmen, keine Gemeinschaft mit bösen Menschen haben, und lassen Sie uns auf geradem Weg gehen, um nicht unter ein Gericht zu kommen.

Kapitel 3

Vers 1

Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Joh 3,1

Es gab ein Pharisäer mit Namen Nikodemus. Dieser Pharisäer hob sich von den anderen ab. Nicht besondere Stärke oder Edelmut zeichneten diesen Pharisäer aus. Was er Gutes tat, getraute er sich aus Menschenfurcht nicht öffentlich zu tun, obschon er ein Oberster war.

Was er tat, sehen wir im nächsten Vers.

Vers 2

Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Joh 3,2

Nikodemus kam bei Nacht zu Jesus. Er fürchtete seine Kollegen, die gegen Christus waren. Trotzdem wird er vom Heiligen Geist namentlich erwähnt, was für ihn spricht. Nikodemus sah, dass Christus mehr konnte, als andere; er erwähnte, dass niemand diese Zeichen tun könne, es sei denn Gott mit ihm. Kein Zauberer vermochte diese Dinge zu tun, die Christus vollbrachte. Wie bereits im Kommentar zum zweiten Kapitel, Vers 23 erwähnt, versagte der Zauber der Wahrsagepriester in Ägypten bereits bei der dritten Herausforderung Moses. Die Wahrsagepriester konnten schon im Alten Testament weniger als ein Diener Gottes. Doch nicht einmal von Dienern Gottes im Alten Testament ist es überliefert, dass sie jemandes Augen haben öffnen können. Christus konnte es, seine Taten sprachen für Ihn und für seine Verbindung zu Gott. Das hatte Nikodemus erkannt, und das liess ihn ein Herz fassen, Jesus aufzusuchen.

Vers 3

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Joh 3,3

Christus antwortete Nikodemus mit einer Offenbarung. Er wusste von Anfang an, was für eine Frage dem Nikodemus unter den Nägeln brannte, selbst wenn sie dieser vielleicht nicht einmal artikulieren konnte. Wir sehen in den nachfolgenden Versen, dass er nicht wusste, wovon Jesus sprach. Und trotzdem beantwortete Christus ihm seine Frage, denn den Menschen interessiert im Gespräch mit Gott immer ein Thema besonders: Wie ein Mensch in das Reich Gottes komme (Lk 18,18).

Christus sprach von der notwendigen Wiedergeburt, die ein Mensch im Blick auf das Reich Gottes erleben müsse. Das Alte Testament hat gezeigt, dass der natürliche Mensch Gottes Gesetz nicht halten kann. Der natürliche Mensch kann sich den Eingang ins Reich Gottes nicht erarbeiten; das Gesetz offenbart die diesbezügliche Unfähigkeit des natürlichen Menschen (Rö 7). Der Mensch muss daher eine neue Natur erhalten, die fähig ist, sündlos zu leben und mit Gott in Kontakt zu treten; der Mensch muss von neuem geboren werden, sonst kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Vers 4

Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter hineingehen und geboren werden? Joh 3,4 

Da Nikodemus – wie jeder andere Mensch, der das Geistliche nicht kennt – nur das Natürliche kannte, drückte er mit seiner Frage aus, dass er sich eine Wiedergeburt nicht vorstellen kann. Schon ein einjähriges Kind kann nicht in den Mutterleib zurück und von neuem geboren werden. Wenn das schon nicht geht, wie sollte ein alter Mensch von neuem geboren werden?

Nikodemus kannte das Geistliche noch nicht, denn zuerst kommt das Natürliche, dann das Geistliche (1. Kor 15,46). Wer nur das Natürliche kennt und von Gott, der Geist ist, noch nichts weiss, sucht die Lösung im Bekannten, dem Natürlichen. Die Schlüssel des Reiches liegen aber nicht im Natürlichen, sondern im Geistlichen. Sie sind daher auch dort zu suchen. Sie sind nicht in dieser Welt und ihrem Angebot zu finden.

Christus fährt fort, Nikodemus diesen Sachverhalt zu erklären, wie wir es in den nachfolgenden Versen sehen werden.

Vers 5

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen. Joh 3,5

Dieser Vers ist die Erweiterung von Vers drei. Vers drei sagt aus, dass niemand ohne Wiedergeburt im Geist das Reich Gottes sehen kann. Dieser Vers sagt aus, dass niemand ohne Wiedergeburt und Gehorsam in das Reich hineingehen kann. Im Vers drei geht es um die Wiedergeburt, die zwingend ist, um das Reich überhaupt sehen zu können. Dieser Vers fünf schliesst den Gehorsam ein, ohne den niemand ins Reich kommen wird. Als Gehorsam führt hier der HERR die Taufe an, als ein Beispiel. Es ist ein Beispiel von vielen, weil wir wissen, dass auch Christen, die wiedergeboren und getauft sind, auf der Strecke bleiben können. – Diese Aussage wird mit vielen anderen Stellen untermauert. Israel war das Volk Gottes, das in Ägypten durch das Passah qualifiziert worden war, ohne zu sterben in das verheissene Land zu ziehen. Der Ungehorsam Israels blockierte aber den Eingang ins Land. Bezeichnenderweise konnten sie es sehen; sie kamen bis zum Grenzort Kadesch-Barnea (5. Mo 9,23), vermochten aber nicht hineinzugehen (Heb 3,18). Die fünf törichten Jungfrauen, welche wie die fünf klugen ausschliesslich Christen symbolisieren, da sie auf den HERRN warten, jungfräulich (rein) sind, Öl (Heiligen Geist) besitzen, vermögen das Reich auch zu sehen, können aber nicht hineingehen; sie kommen nur bis vor die Türe (Mt 25,1-13).

Der Gehorsam ist also zwingend für den Eingang in das Reich Gottes. Als Gehorsam führt hier der HERR die Taufe an, als ein Beispiel, welche Er mit dem Wort „Wasser“ andeutet. Wie erwähnt, können auch Christen, die wiedergeboren und getauft sind, auf der Strecke bleiben. Dies zeigt uns wiederum die Geschichte von Israel. Israel war im Bild nicht nur durch das Passahlamm wiedergeboren, was ein Vorbild auf Christus ist. Israel war mit dem Gang durch das Rote Meer auch getauft. Es war völlig umhüllt mit Wasser, links und rechts türmte sich das Wasser auf und das Volk selbst war in einer Wolke (1. Kor 10,1), was ein Vorbild für die biblische Taufe ist, in der ein gläubig gewordener Mensch vollständig untergetaucht wird. Die Taufe ist ein Akt des Gehorsams, nicht wenige Christen lassen sich nicht taufen und rebellieren damit öffentlich gegen das Taufgebot Christi (Mt 28,19).

Rebellion (der Ungehorsam) ist das Grundübel der Geschichte des Menschen. Hätten Adam und Eva nicht gegen das einzige Gebot Gottes rebelliert, so wäre die Sünde nicht in den Menschen gekommen. Hätte Israel nicht gegen Gott rebelliert, wären sie alle im ersten Anlauf ins gute Land gekommen und hätten die Stellung als Kopf der Nationen bewahrt. Stattdessen kamen sie in der Wüste um und wurden zum Schwanz in der Stellung unter den Nationen (5.Mose 28,13 und V. 44).

Hören wir, was die Bibel an einer Stelle von vielen betreffend Ungehorsam zu Christen, nicht zu Ungläubigen, sagt:

1 Denn ich will nicht, dass ihr in Unkenntnis darüber seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgegangen sind
2 und alle in der Wolke und im Meer auf Mose getauft wurden
3 und alle dieselbe geistliche Speise assen
4 und alle denselben geistlichen Trank tranken; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete. Der Fels aber war der Christus.
5 An den meisten von ihnen aber hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind in der Wüste hingestreckt worden.
6 Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach Bösem gierig sind, wie jene gierig waren.
7 Werdet auch nicht Götzendiener wie einige von ihnen! wie geschrieben steht: »Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und sie standen auf, zu spielen.«
8 Auch lasst uns nicht Unzucht treiben, wie einige von ihnen Unzucht trieben, und es fielen an einem Tag dreiundzwanzigtausend.
9 Lasst uns auch den Christus nicht versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht wurden.
10 Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten und von dem Verderber umgebracht wurden!
11 Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.
12 Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle. 1.Kor 10,1-12

Nikodemus sollte damals und jeder Mensch soll dringend wissen: Die Wiedergeburt allein reicht nicht aus, ins Reich zu kommen, der Gehorsam, wie beispielsweise der Taufakt, spielt das ganze Leben lang eine entscheidende Rolle! Selbst wer einmal gut angefangen hat, sich aber nach vielen Jahren des Gehorsams vom geraden Weg abwendet, verspielt sich alles, an seine guten Jahre wird seitens Gottes nicht mehr gedacht, wie geschrieben steht:

Wenn aber ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut nach all den Greueln, die der Gottlose verübt hat – tut er es, sollte er leben? –: An all seine gerechten Taten, die er getan hat, soll nicht gedacht werden. Wegen seiner Untreue, die er begangen, und wegen seiner Sünde, die er getan hat, ihretwegen soll er sterben. Hes 18,24

Diese Wahrheit liegt in unserem Vers fünf, im dritten Kapitel des Johannesevangeliums und wir tun gut, das in der Bibel durch den Heiligen Geist in Bezug auf den Gehorsam mehrfach Aufgezeichnete zu beherzigen! Amen.

Vers 6

Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. Joh 3,6

Was aus dem Fleisch geboren ist, ist nicht einmal qualifiziert, das Reich Gottes zu sehen. Jeder natürliche Mensch von Adam und Eva abstammend, hat die Möglichkeit nicht, das Reich Gottes zu sehen. Er ist dafür nicht qualifiziert; das Fleisch konnte sich dafür auch nicht durch alle Jahrtausende hindurch qualifizieren. Die alte Natur ist völlig verdorben und untauglich für das Reich Gottes. Damit dieses naturgemäss verlorene Menschengeschlecht nicht insgesamt und für immer vor Gottes Angesicht entfernt und in die Hölle geworfen werden muss, kam Christus und wurde Fleisch. Er starb für uns und konnte uns durch seine Sühnung unserer Sünden und Unzulänglichkeiten eine geistliche Natur anbieten ohne damit Gottes Gerechtigkeit zu verletzen. Hören wir, was die Bibel dazu sagt:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Joh 12,24

Christus deutete damit an, dass Er nach dem Tod viele an seiner Natur teilhaben lassen wird. Das ist eine Natur, die göttlich ist und es dem Menschen erlaubt, vor Gott zu erscheinen (Heb 4,16; 10,19). Was aus Gott, dem Geist, kommt, ist geistlich. Wer nicht aus Christus kommt, bleibt fleischlich und ohne jegliche Möglichkeit, das Reich Gottes zu sehen. Wer Christ wird, sich aber nicht taufen lässt und damit gegenüber den Worten Christi ungehorsam bleibt, kann zwar naturgemäss das Reich Gottes sehen; der Eintritt in das Reich wird aber einem solchen Christen verweigert werden.

Das sind für einige Christen schwer zu verstehende Worte, weil im allgemeinen Christentum die Lehre auf der Strecke bleibt. Der Irrglaube herrscht vor, man könne die Errettung in Christus durch anhaltenden Ungehorsam verlieren. Somit glauben viele aus dem neutestamentlichen Volk Gottes, dass man errettet sei, solange man gehorsam ist. Fällt man ab, würde die Gotteskindschaft weggenommen werden, ist die Meinung. Solches wird tatsächlich geglaubt, obschon Gott die Kindschaft nicht im Geschenkpaket den Menschen verteilt, das wieder weggenommen werden kann. Gott zeugt seine Kinder, sonst wäre sein Volk nicht geistlich, sondern weiterhin nur fleischlich. Es soll mir doch bitte einmal jemand glaubhaft erklären, wie man die Gotteskindschaft, die aus einer Zeugung und Geburt resultiert, verlieren kann. Das geht schlicht nicht. – Nun mag ein falsch Unterwiesener sagen: „Es geht nicht an, dass Gott ein sich aufopfernder Christ einem ungehorsamen Christ gleichstellt! Gott wird einen Unterschied machen und dem Ungehorsamen die Kindschaft wegnehmen!“ – Das Gott einen Unterschied machen wird, ist die Wahrheit, und das bestreite ich auch nicht! Aber Gott macht nicht die Kindschaft rückgängig. Ein Sohn bleibt ein Sohn, eine Tochter bleibt eine Tochter. Der grosse Unterschied, den Gott zwischen dem gehorsamen und dem ungehorsamen Kind machen wird, hat mindestens drei Hauptaspekte. Er liegt erstens in der Belohnung (siehe Luk 19,11 ff.), zweitens in der Bewahrung vor der bald kommenden Trübsalszeit (Offb. 3,10), bzw. der Preisgabe in diese sehr schlimme Zeit und drittens im Zustand von Leben und Tod. In der Bibel sind noch weitere Unterscheidungen erwähnt. Das Gleichnis des verlorenen Sohnes zeigt den dritten Aspekt sehr schön auf. Der verlorene Sohn blieb der Sohn des Vaters, obschon er die Habe des Vaters mit Huren durchgebracht hatte (Lk 15,30a). Für die Zeit des Ungehorsams wurde der Sohn für tot und verloren erklärt:

Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Lk 15,24

Vorsätzlich (mutwillig, bewusst) sündigende Christen verlieren nicht nur die Belohnung des Vaters und müssen dazu durch die Grosse Trübsal. Sie sind zu alledem geistlich tot. Sie nützen dem Reich so viel wie ein toter Mensch: Rein gar nichts, sie schaden vielmehr, da sie das christliche Zeugnis vernichten und zerstreuen, statt mit Christus zu sammeln (Lk 11,23). Der verlorene Sohn war als Hurer und Prasser ein sehr schlechtes Zeugnis für den Familienbetrieb des Vaters. Er zog den guten Namen des Betriebes in den Dreck und machte, dass man den Betrieb oder gar den Vater verlästerte, wie durch den unmoralischen Wandel der Kinder Gottes der Dienst und der herrliche Name des Vaters verlästert wird, wie geschrieben steht (2. Kor 6,3; 1. Tim 6,1). Wer als geistlich Toter stirbt, hat ein sehr grosses Problem mit Gott, denn es steht geschrieben:

29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«
31 Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Hebr 10,29-31

Die Tatsache, dass die Kindschaft nicht rückgängig gemacht werden wird, soll uns ja nicht zum Ungehorsam verleiten! Wer auf dem Blut Christi durch willentliche Sünden herumtrampelt, wird nie existiert haben wollen, wenn es zum Gericht kommt! Wir erinnern uns: Die Juden schrien, das Blut Christi soll auf sie und ihre Kinder kommen (Mt 27,25). – War es reiner Zufall, dass Israel nach dem Christusmord in eine ganz üble Lage kam und unter vielen und sehr üblen Verfolgungen zu leiden hatte? Ich kann nicht daran glauben.

Fassen wir etwas zusammen: Ein aus dem Geist Geborener ist ein Kind Gottes; er kann aber nur durch die Taufe und den Gehorsam in das Reich eintreten, sonst sieht er es zwar, weil er aus dem Geist geboren ist, er wird aber nicht an der Freude teilhaben dürfen. Die Taufe sollte den ersten Gehorsamsschritt eines Christen darstellen. Dieser ist nach meinem Verständnis einer der elementarsten Schritte. Man soll glauben und sich taufen lassen! Wer sich nicht biblisch, durch vollständiges Untertauchen, taufen lässt, sagt durch sein Verhalten sehr viel (Negatives) aus. Und gemäss Christi Worte an Nikodemus fällt ein solcher Christ unter die Masse, die das Reich nur von aussen sehen wird. – Und zuletzt gilt auch: Wer keine Wiedergeburt erfährt, hat keine Chance, auch wenn er sich noch so anstrengt, das Reich überhaupt zu sehen.

Vers 7

Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. Joh 3,7

Nikodemus sollte sich nicht wundern, dass Christus die Wiedergeburt voraussetzt. Dass die Wiedergeburt für das Reich zwingend erforderlich ist, liegt wegen der Verdorbenheit und der Kraftlosigkeit des Fleisches auf der Hand. Eine geistliche Natur ist vonnöten, um Gott zu gefallen.

Lassen Sie mich noch ein paar Worte über „das Reich“ verlieren. Was ist mit dem Reich gemeint, von dem Christus im Vers 3 und im Vers 5 spricht? – Mit dem Reich ist das Reich Gottes oder die Königsherrschaft Gottes gemeint. Das ist der Bereich, indem der Wille Gottes voll umgesetzt wird. Wir kennen unser viel dargebrachtes „Unser Vater“ Gebet, in dem wir Gott jeweils bitten, dass sein Reich anbreche und sein Wille geschehe. Solange wir das „Unser Vater“ Gebet beten, ist sein Reich noch nicht angebrochen und sein Wille wird an unseren Aufenthaltsorten in der Welt noch nicht umgesetzt. Lassen Sie mich diesen Zustand anhand eines biblischen Vorbildes erklären. Wir wissen, dass die Urväter Israels Abraham, Isaak und Jakob heissen. Jakob hatte zwölf Söhne. Elf waren neidisch auf Josef, den jüngsten Sohn Jakobs, weil dieser eine spezielle Verheissung von Gott erhalten hatte. Nachdem die elf Brüder Josef beinahe umgebracht hatten, verkauften sie ihn nach Ägypten. Dort musste er als Sklave dienen und kam gar unschuldig ins Gefängnis. Durch seine göttlichen Fähigkeiten wurde er aber später vom Pharao als Verwalter über das ganze Land eingesetzt. Zu dieser Zeit gab es im Lande seines Vaters Jakob eine Hungersnot. Josef, der inzwischen in Ägypten ein mächtiger Mann war, berief seinen Vater Jakob mitsamt der Verwandtschaft, das waren 75 Seelen, nach Ägypten, weil es dort genügend zu essen gab. Das kleine Häuflein, die Sippe Jakobs, wuchs in den folgenden 400 Jahren zu einem grossen Volk heran. Das Volk Gottes entstand nicht im Lande Israel, sondern in Ägypten unter fremder Herrschaft. Nachdem der Pharao und die Väter Israels gestorben waren, kam ein sehr böser Pharao an die Macht, welcher verlangte, dass die männlichen Säuglinge des Volkes Israel in den Nil geworfen werden (und damit umgebracht werden), um das Volk Israel klein zu halten. Diese Geschichte schattet die Geschichte der Christen vor. Wir wurden nicht in das Reich Gottes hineingeboren, sondern die Kirche Gottes, Gottes neutestamentliche Volk, entsteht, wie das alttestamentliche Volk damals, unter fremder Herrschaft. Die Welt in der das Christenvolk entstanden ist und wächst, wird vom Teufel regiert (Joh 12,31; Eph 2,2), der ein Menschenmörder ist, analog dem bösen Pharao, der die Kinder Israels hat ermorden lassen. Hinweis: Die Welt ist zurzeit tatsächlich dem Teufel gegeben, wie Ägypten damals dem bösen Pharao:

Und der Teufel sprach zu ihm: Dir will ich alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. Lk 4,6

Danach wollte Gott Israel in ein Land ziehen lassen, in dem Er König war, nicht der böse Pharao. Israel sollte in das irdische Reich Gottes kommen. Gott wollte ihr König sein (1. Sam 8,7). Dazu berief Er den Mose, der Israel mit Zeichen und Wundern aus dem Land Ägypten und dessen Macht befreite. Dieser Mose, der Israel aus der fremden Gewalt in das irdische Reich Gottes führte, in dem Israel daheim (einheimisch) war; es war ihr Land, nicht ein fremdes Land mit fremdem König, sondern mit ihrem König (Gott), der sie erlöst hat, - dieser Mose ist ein Bild für Christus. Christus tut genau dasselbe mit dem neutestamentlichen Volk, der Gemeinde Gottes. Die Gemeinde ist in einem „Land“, das ist die Welt, die böse regiert wird und verlangt, dass die Christen ausgerottet werden. Der Teufel ist ein Menschenmörder und ein Lügner (Joh 8,44). Wenn der Teufel die Regierung eines Landes nicht für eine Christenverfolgung gewinnen kann, streut er in jenem Land so viel weltliche Verführung (Lust des Fleisches (z. B. „freie“ Sexualität), Lust der Augen (Schönheiten dieser falsch regierten Welt) und Hochmut des Lebens). Er verführt die Christen, wie er Adam und Eva verführt hatte. Aus dieser für das Volk Gottes sehr feindlichen (tödlichen) Umgebung führt uns nun Christus, wie Mose das Volk Israel damals, in ein Land, das uns gehören wird und von Gott persönlich regiert werden wird. Dieses Land, dieser Herrschaftsbereich wird mit „sein Reich“ bezeichnet. In diesem, seinem Reich hören die Knechtschaft und die Unterdrückung durch fremde Besatzungsmächte auf.

Für den Eingang in das Reich Gottes, das unser Heimatland ist und von Gott persönlich regiert werden wird, muss die Wiedergeburt erfolgen. Die Ägypter hatten im Vorbild auch keinen Zugang zu diesem Reich; als sie Israel auf dem Weg des Glaubens durch das geteilte Rote Meer folgten, kamen darin alle um, der Weg stand nur dem Volke Gottes offen, das vorher das Passahlamm, das ein Bild auf Christus ist, verinnerlicht (gegessen) hatte (Joh 6,55). Analog den Ägyptern wird es Weltmenschen ergehen. Da sie nur vom Fleisch geboren sind und keine Wiedergeburt besitzen, werden sie das Reich nicht einmal sehen können.

Vers 8

Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weisst nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. Joh 3,8

Im ersten Teil des Verses ist der Wind, nicht der Geist, gemeint: Wir hören das Sausen des Windes, wissen aber nicht woher er kommt und wohin er geht. Wie der unberechenbare Wind ist jeder wiedergeborene Christ. Man kann einen Christen weder einschätzen noch berechnen, da ein Christ vom Geist geleitet wird. Das griechische Wort „pneuma“ bedeutet sowohl Wind als auch Geist. Christus erklärt: Ein aus dem Geist Geborener verhält sich wie der Wind. Er wirkt und macht sich bemerkbar, man hört sein Sausen; ein solcher Mensch kann wahrgenommen, aber nicht rational eingeschätzt werden.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt, wenn wir glauben, Gläubige einschätzen zu müssen. Paulus schreibt dazu:

1 Ihr seht also, wie ihr von uns denken müsst: Wir sind Menschen, die im Dienst von Christus stehen und Gottes Geheimnisse zu verwalten haben.
2 Von Verwaltern wird verlangt, dass sie zuverlässig sind.
3 Aber für mich zählt dabei nicht, wie ich von euch oder von irgendeinem menschlichen Gericht beurteilt werde. Auch ich selbst masse mir kein Urteil an.
4 Mein Gewissen ist zwar rein, aber damit bin ich noch nicht freigesprochen, denn mein Richter ist der Herr.
5 Urteilt also nicht vorzeitig, bevor Christus kommt, der das Verborgene ans Licht bringen und die geheimsten Gedanken enthüllen wird. Dann wird Gott das Lob austeilen, so wie jeder und jede es verdient. 1.Kor 4,1-5

Wir dürfen keinesfalls über jemanden ein Urteil abgeben. Christen sind vom Geist geleitet, der ein Auftreten hat, wie der Wind. Der Geist kann also nicht beurteilt werden. Wenn wir dennoch Christen beurteilen, liegen wir mit grösster Sicherheit falsch in unserem Urteil. Dazu laden wir Sünde auf uns, weil wir damit der geistgehauchten Schrift nicht gehorsam sind. Wie Paulus im Voraus zitierten Vers 4 schreibt, ist er allein dem HERRN verantwortlich (1. Kor 4,4). Dies wird auch im Römerbrief untermauert:

Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten. Röm 14,4

Selbst wenn im selben Brief des Paulus, in dem er diese Wahrheit etabliert, ebenfalls steht, dass wir Geschwister beurteilen müssen, steht es uns niemals an, ein (abschliessendes) Urteil zu fällen. Wir werden also unmissverständlich angehalten, Geschwister zu ermahnen, die sündigen. Das sind direkte Aussprüche des Richters, unseres HERRN.

Christus, der HERR über alle spricht:

Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Mt 18,15  

Wir müssen klar beurteilen können, ob ein Christ sündigt oder nicht. Das wird verlangt. Wir sollen sagen können: Was du, mein Bruder, tust, ist nicht recht vor Gott (1. Kor 5,12.13). Oder: Was du, mein Bruder, tust, gefällt dem HERRN (Phil 4,14). Die Beurteilung innerhalb der Gemeinde wird unter Geschwistern verlangt. Diese Beurteilung darf aber nur ausschliesslich auf äusserlichen und somit sichtbaren Werken beruhen, niemals auf Vermutungen. Wir dürfen nur Werke beurteilen und dürfen Christen niemals verurteilen bzw. Christen an einer Skala zu messen versuchen. Die Messung an der Skala ist einzig und allein dem Herrn Jesus Christus vorbehalten!

Wenn wir nun mit offensichtlich sündigenden Christen konfrontiert sind, die trotz den im Joh 18 erwähnten Ermahnungen an ihren Sünden festhalten, so müssen wir uns von solchen trennen. Wir dürfen nicht, wir müssen uns von ihnen trennen. Wir müssen also anhand einer Beurteilung handeln. Dabei dürfen wir aber keinesfalls kein Urteil über die Person abgeben (= die Person mit einem bleibenden Urteil festhalten), denn ein Urteil vor der Gerichtszeit Christi ist eine Anmassung, weil wir nicht wissen, ob der vorsätzlich sündigende Bruder vor der Wiederkunft des HERRN Busse tun wird und so vom Tod ins Leben zurückkehrt, wie der verlorene Sohn vom Tod ins Leben zurückgekehrt war. Wenn ein in unseren Augen „böser“ Christ sich zum HERRN zurückwendet und sich wieder vom Geist leiten lässt, kann er völlig wiederhergestellt werden. Wenn wir diesen aber vor der Zeit verurteilt haben, haben wir uns als Richter aufgespielt und haben damit selber böse gehandelt. Mit einem Urteil können wir Christen in beide Richtungen abstempeln. Wer das Attribut „gut“ von uns erhält und abfällt, wird viele verführen, wenn unserem Urteil Gewicht beigemessen wurde, denn ein solcher wird dann als „gut“ wahrgenommen, möglicherweise auch dann, wenn er den geraden Pfad längst verlassen hat. Wer das Attribut „böse“ von uns erhalten hat, wird später vielleicht keine Gnade vor Geschwistern finden, die auf uns gehört haben. – Hüten wir uns also dringend vor dem Richten! Wir sind keine Richter! Es gibt nur einen Richter, das ist der HERR!

Wenn wir richten, machen wir folgendes: Wir entscheiden, ob ein Gemeindeglied für uns noch relevant ist oder nicht. Wir haben es vor der Zeit schubladisiert, halt eben gerichtet, ohne zu wissen, was es noch für Wachstumsschritte vollbringen wird. Es ist gut möglich, dass ein von uns schubladisierter Christ später viel mehr Gutes vor dem HERRN vollbringt als wir selber und wir auf ihn oder sie angewiesen sein werden! Wenn ein Verwandter von Uria, den damaligen Ehebrecher und Mörder Urias, das war der König David, verurteilt und David das Attribut „Teufel und Verbrecher“ angehängt hätte – es lag zu Lasten Davids Ehebruch und Mord vor! – wäre das völlig verständlich gewesen. Die Tat Davids war so abscheulich, dass einem nur schon beim Lesen dieser historischen Ereignisse schlecht wird, wenn man an den armen Uria denkt, der treu und mutig an der Front für Israel gekämpft hatte und nicht wusste, dass David befohlen hatte, Mitkämpfer von Uria abzuziehen, damit er mit Sicherheit an der Front falle (2. Sam 11,15). Und das befahl David in einer so verwerflichen Haltung, nämlich, damit sein sehr böser Ehebruch an der Frau Urias nicht aufflöge! – Wie erwähnt, wer nun David an Gottes Stelle verurteilt hätte, hätte dem David jede Möglichkeit zur Wiederherstellung vor der von Gott festgesetzten Zeit genommen. David tat nämlich darüber Busse und wurde vom Richter selbst, das ist Gott, sehr hart dafür sanktioniert!

Das mit David ist ein krasses Beispiel und doch sollte es uns belehren! Durch das, das wir Geschwister vor der Zeit verurteilen, nehmen wir ihnen die Chance gänzlich umzukehren und der Gemeinde später, wenn sie bereut haben, zu dienen und sich einzugliedern, da wir mit einem Urteil einen Schlussstrich unter ihr Leben gezogen haben. Das ist so eine so böse Sache, dass der HERR hart mit Leuten ins Gericht geht, die an seiner Stelle Menschen verurteilen!

Christen, die sich wieder nach dem inneren, geistlichen Leben richten, werden wieder wohlgefällige Dinge vollbringen. Der Geist handelt, wie der Wind weht und kann daher nicht eingeschätzt bzw. beurteilt werden! Amen.

Vers 9

Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Joh 3,9

Nikodemus wusste nicht, wie er zu dieser Neugeburt aus dem Geist kommen konnte, die Sache war ihm verborgen. Die Pharisäer hatten sich auf Moses Lehrstuhl gesetzt (Mt 23,2). Mose war von Gott autorisiert, das Volk zu unterweisen und er konnte es; er wusste von Christus und hat über Ihn geschrieben (Joh 5,46). Die Pharisäer hatten sich einfach auf Moses Lehrstuhl gesetzt, wie erwähnt, um die ehrenvolle Aufgabe für sich zu beanspruchen, sie hatten aber die Bevollmächtigung nicht, Gottes Wege anzuweisen. Sie legten vielmehr eine sehr verwerfliche Haltung an den Tag. Als Lehrer waren sie nicht glaubwürdig; was sie sagten hielten sie selber nicht, wie Christus klarstellte (Mt 23,3.4). Gerne banden sie schwer zu tragende Lasten (= Verhaltensregeln) zusammen, um sie dem Volk auf die Schultern zu legen. Zum Gesetz Gottes ersannen sie sich selber noch viele weitere Regeln, um dem Volk das Leben schwer und unerträglich zu machen (Mk 7,13).

Nikodemus, ebenfalls ein Lehrer Israels, kannte den Schlüssel für die Wiedergeburt durch den Geist offensichtlich nicht, welcher für den Eintritt ins Reich Gottes absolut zwingend ist. Er war also auch ein blinder Führer von Blinden (Mt 15,14), wie seine Parteikollegen. – Nikodemus ist aber zugute zu halten, dass er sich in lauterer Absicht an Christus wandte. Das taten nur sehr wenige Pharisäer.

Vers 10

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weisst das nicht? Joh 3,10

Nikodemus musste sich anhören, dass ein Lehrer des Gottesvolkes zumindest die zentralsten Dinge der Lehre Gottes wissen sollte. Wie kann man einen Lehrstuhl besetzen, wenn man die Grundregeln nicht kennt, wie beispielsweise in der Mathematik das Einmaleins?

Das Gesetz und die Propheten wiesen auf Christus hin (Lk 24,27), sie sagten aus, dass trotz all dieser göttlichen Verhaltensregeln (z. B. 3. Mose) ein Erlöser kommen musste (Jes 7,14; 43,25). Wenn der Mensch durch das Einhalten dieser Verhaltensregeln Gottes seine Rechtfertigung selber hätte erreichen können, so wären keine Pflichtopfer angeordnet worden. Im Gesetz gab es freiwillige Opfer und zwingend darzubringende Opfer (Pflichtopfer). Die Tatsache allein, dass es Pflichtopfer gab, wies darauf hin, dass ein Erlöser für das Volk kommen musste, was aussagt, dass ein Stellvertreter an des Volkes statt sterben musste, da ansonsten das ganze Volk umkäme. Dieser Stellvertreter würde das Volk freisprechen und erneuern, damit es Gott (und somit dem Reich, wo Gott wohnt) nahen darf. Was bereits im Alten Testament kommuniziert war, war Nikodemus noch verborgen, wie beispielsweise die Bedeutung in dieser folgenden Textpassage:

Und ich werde ihnen ein Herz geben und werde einen neuen Geist in ihr Inneres geben, und ich werde das steinerne Herz aus ihrem Fleisch entfernen und ihnen ein fleischernes Herz geben, Hes 11,19

Es musste also jemand kommen, der dem Volk, trotz ihrer Sünden und Vergehen, die Rechtfertigung gab, einen neuen Geist zu erhalten. Die Gerechtigkeit Gottes durfte dabei nicht tangiert oder gar ausgehebelt werden. Das Sündenproblem des Volkes musste von diesem angekündigten Erlöser in jeder Hinsicht bereinigt werden. Dies alles und viel mehr tat Jesus Christus am Kreuz von Golgatha. Er starb für die Sünden der Menschen. Jeder der an Ihn glaubt, wird gerettet (Rö 10). Er sei gelobt! Amen!

Vers 11

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an. Joh 3,11

Mit der Aussage „wir reden, was wir wissen“ schonte der HERR den Nikodemus ausserordentlich, um die Dimension von Nikodemus‘ Unglauben nicht als so töricht darzustellen, dass die Feststellung Christi für Nikodemus nicht völlig vernichtend war. Deshalb sagte der HERR nicht „ich rede, was ich weiss“ und stellte damit Herrlichkeit, Gottheit, sein Allwissen und seine Zeit, die seit jeher ist zurück. Hätte Er das in den Vordergrund gestellt, hätte Er Nikodemus ein völlig vernichtendes Zeugnis des Unglaubens attestieren müssen, da der HERR Wunder getan hatte und damit die Herrlichkeit des Vaters auf die Erde brachte, eine noch nie dagewesene Herrlichkeit und Macht gegenüber dem Bösen. Dazu war Nikodemus ein Gelehrter, und er hatte Christus trotz all dieser Herrlichkeit nicht erkennen können, wogegen ungelehrte Menschen ihn als den Retter und Gesalbten Gottes erkannt und bezeugt hatten. Christus legte deshalb nur den Massstab des erwarteten Wissens des einfachen Gottesvolkes an Nikodemus und spricht, wie erwähnt, von „unser Zeugnis“, womit hauptsächlich das Zeugnis der treuen Diener, die geglaubt haben, gemeint war, wie auch das von Johannes dem Täufer. Die religiöse Elite hatte das Zeugnis Johannes‘ des Täufers ja bekanntlich verworfen und hatte sich von ihm nicht taufen lassen (Mt 21,25).

Christus konnte es nicht schön reden; Er konnte die Vorkommnisse drehen und wenden, wie Er wollte, die Tatsache blieb, dass besonders die religiöse Elite des Volkes nicht geglaubt hatte. Deshalb sprach Er zum Pharisäer Nikodemus: „Unser Zeugnis nehmt ihr nicht an.“

Vers 12

Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? Joh 3,12

Durch Mose wurde Israel ein Gesetz gegeben, das Riten und Gebräuche hatte, die aus dem Fleisch geborene (irdische) Menschen verstehen konnten. Es beinhaltete irdische Schattenbilder, beispielsweise die Stiftshütte Israels war das irdische Abbild der himmlischen Stiftshütte, die Moses von Gott gezeigt worden war (2. Mo 25,40; Apg 7,44).

Hätte Israel diesen Abbildern geglaubt, die alle auf Christus hingewiesen hatten, so wäre das Volk für weitergehende göttliche Unterweisung bereit gewesen. Israel glaubte aber nicht; sie glaubten dem Irdischen nicht einmal, das sie betasten konnten. Wie hätten sie dann etwas annehmen können, das nicht betastet werden kann; wie hätten sie in diesem Zustand das Himmlische, also Höhergestelltes, annehmen können? Es lag völlig auf der Hand, dass das nicht ging. Viel zu gross war dafür der Unglaube.

Auch wir Christen sind herausgefordert. Wir sind ein geistliches, himmlisches Volk. Auch bei uns kann man beobachten, dass bei einigen der Glaube nicht ausreicht, das Himmlische richtig zu erfassen. Zu viele Lebensumstände werden von uns nicht im Glauben mit der geistlichen Welt verknüpft und mit Gott, der Geist ist, besprochen. Dazu fehlt leider oft der Glaube. Deshalb suchen sich viele von uns noch Hilfe in der Welt, in irdischen Angeboten und irdischen Institutionen, wie Ärzten und Krankenhäusern. Ich sage damit nicht, dass das grundsätzlich falsch ist. Damit will ich sagen, dass im Leben eines Christen die himmlische Komponente den grösseren Stellenwert haben muss. Wenn jemand beispielsweise krank ist, soll an erster Stelle das Gebet sein (Jak 5,13) und der Gang zu den Ältesten der Gemeinde, um die Krankensalbung zu empfangen (Jak 5,14). In allem soll der Gebrauch von irdischen Krücken die zweite Wahl sein. Amen.

Vers 13

Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. Joh 3,13

Niemand ist an den Ort im Himmel hinaufgestiegen, als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen! – Glauben Sie den Worten des HERRN? – Viele tun es nicht und öffnen Verführern den Weg zu verführen und sich als gross hinzustellen. Es gibt Menschen die von sich sagen, Zugang zu Gottes Wohnstätte zu haben, dass sie ihren Ort auf der Erde verlassen können und dort Gott begegnen können, wo sich Christus zuvor aufgehalten hatte. Dies steht im Widerspruch zu den Worten Christi im hier kommentierten Vers (Joh 3,13).

Christus spricht ausdrücklich: Niemand ist soweit in die Himmel vorgestossen, wie Er. Er sagt vielmehr, dass niemand dort war, was Er an dieser Stelle „Himmel“ nennt. Ein bibelkundiger Leser mag sich jetzt fragen, wohin denn Henoch entrückt worden sei (1. Mo 5,24), welcher Ort für Elia nach seiner Entrückung im feurigen Wagen bestimmt war (2. Kö 2,11) und wo Moses Aufenthaltsort ist, der doch zusammen mit Elia auf dem Berg der Verklärung Christus und den Jünger erschienen war (Mt 17,1 ff.). Bei Elia steht ausdrücklich: „Und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel.“ Er fuhr also zum Himmel hinauf, bis in welchen, entzieht sich unserer Kenntnis. Auf jeden Fall kamen sie nicht bis zu den Kammern Christi, was sonst ein Widerspruch zu dieser Aussage wäre:

Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. Joh 3,13

Das Wort „niemand“ schliesst unter anderem auch Henoch, Elia und Mose aus, obschon von Elia gesagt ist, er sei im Sturmwind zum Himmel hochgefahren. Christus sprach die in Joh 3,13 wiedergegebenen Worte Jahrhunderte nach der Himmelfahrt Elias aus. All die Jahrhunderte hindurch kam also selbst Elia nicht dorthin, wo sich Christus aufzuhalten pflegte.

Nun mögen vielleicht einige sagen, ich argumentierte nur mit alttestamentlichen Figuren und im Neuen Testament sei Paulus schliesslich ja in die Himmel entrückt worden, wie er selbst geschrieben habe:

2 Ich weiss von einem Menschen in Christus, dass er vor vierzehn Jahren – ob im Leib, weiss ich nicht, oder ausser dem Leib, weiss ich nicht; Gott weiss es –, dass dieser bis in den dritten Himmel entrückt wurde.
3 Und ich weiss von dem betreffenden Menschen – ob im Leib oder ausser dem Leib, weiss ich nicht; Gott weiss es –,
4 dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht. 2.Kor 12,2-4

Das sind Worte aus der vom Heiligen Geist inspirierten Schrift. Sie sind alle wahr und ich zweifle kein einziges Wort an. Paulus hielt fest, dass er bis in den dritten Himmel entrückt worden war, dass er in das Paradies entrückt worden war. Dieser Ort ist durch die Heilige Schrift selbst offengelegt. Das Wort kommt dreimal im Neuen Testament vor, nämlich in folgenden Versen:

Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Lk 23,43

dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht. 2.Kor 12,4

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist. Offb 2,7

Das Paradies ist der Ort, in dem Paulus die unaussprechlichen Worte hörte. Das Paradies ist der Ort, wohin die Gläubigen nach dem Tode hingelangen, das ist der gute Bereich des Totenreiches. Die Rede Christi in Lk 16 öffnet uns den Vorhang, damit wir verstehen, dass das Totenreich in zwei Bereiche aufgeteilt ist. In einem Bereich erfahren die Seelen Qualen, im anderen Bereich werden sie wie der auf Erden geplagte Lazarus getröstet. Schon am Kreuz hängend sprach Christus zum einen der beiden mit Ihm gekreuzigten Verbrecher, dass er nach dem Tod an denselben Ort kommen werde wie Er, Christus, selbst, nämlich ins Paradies. Zum anderen Verbrecher, der ja auch verschied und an den Ort, wo Tote aufbewahrt werden, kommen musste, sprach Christus nicht: „Auch Du wirst mit uns ins Paradies gelangen.“ Zwischen dem guten und dem schlechten Teil des Hades (Totenreich) ist eine Kluft befestigt, die ein Wechseln der Seiten verunmöglicht (Lk 16,26). Christus war also dort, wo Abraham auf seine Verherrlichung wartet. Der Verbrecher am Kreuz, der sich quasi in letzter Sekunde für Christus entschieden hatte, kam auch dorthin. Christus bezeichnete diesen Ort selbst als das Paradies.

Christen, die überwinden, werden gemäss Offb 2,7 nach dem Tode auch ins Paradies kommen und vom zweiten Tod keinen Schaden erleiden müssen. Dass letzteres möglich sein wird, machen uns die Stellen 1. Kor 3,15 und Offb 2,11 klar, die beide an Gemeinden (Christen) gerichtet sind. Zusammen bezeugen diese beiden Stellen glaubhaft, dass frevlerische Christen vom Feuer des Gerichtes versengt werden können, auch wenn ein Christ seine durch die Zeugung durch den Heiligen Geist (Wiedergeburt) erhaltene Kindesstellung offensichtlich nicht verlieren kann.

Wie schon zur Zeit Paulus’ Menschen aufgetreten waren, die wollten, dass die Herde Christi für sie eifert, so treten auch heute Menschen auf, die mit „übergrossen“ Offenbarungen prahlen, damit man ihnen nacheifert. Lesen wir, was Paulus von solchen Menschen hielt:

1 Wenn ihr mir doch erlauben würdet, einmal den Verrückten zu spielen - aber das erlaubt ihr ja gern - und mich selbst anzupreisen!
2 Wache ich doch ebenso eifersüchtig über euch wie Gott selbst. Ihr seid für mich wie eine Tochter, die ich für einen Mann bestimmt und mit ihm verlobt habe, um sie ihm unberührt zuzuführen, nämlich Christus.
3 Eva wurde durch die klugen Lügen der Schlange verführt. Ich fürchte, dass eure Gedanken genauso verwirrt werden und ihr Christus nicht mehr rein und ungeteilt liebt.
4 Ihr lasst es euch gefallen, wenn jemand kommt und euch einen anderen Jesus verkündet als den, den ich euch gebracht habe. Ihr lasst euch gerne einen anderen Geist geben als den, den ihr zuerst empfangen habt, und nehmt eine andere Gute Nachricht an als die, die ihr von mir gehört habt.
5 Ich bin überzeugt, dass ich euren Überaposteln in nichts nachstehe.
6 Vielleicht bin ich kein Meister im Reden, aber in der Erkenntnis nehme ich es mit jedem auf. Das habe ich euch gegenüber zu jeder Zeit und in jeder Lage bewiesen.
7 Oder war es vielleicht unrecht von mir, dass ich euch die Gute Nachricht ohne jede Gegenleistung verkündete? Ich habe mich selbst erniedrigt, um euch zu erhöhen!
8 Für meinen Dienst an euch habe ich mich von anderen Gemeinden bezahlen lassen; ich habe sie um euretwillen beraubt.
9 Solange ich bei euch war, bin ich niemand zur Last gefallen, wenn ich in Not war. Denn die Brüder, die aus Mazedonien kamen, brachten mir, was ich brauchte. Ich habe nichts von euch in Anspruch genommen.
So werde ich es auch in Zukunft halten.
10 Ich verspreche euch bei Christus, der die Wahrheit ist und der in mir lebt: Meinen Ruhm in diesem Punkt wird mir niemand in der ganzen Provinz Achaia nehmen!
11 Warum bestehe ich darauf? Etwa weil ich euch nicht liebe? Gott weiss, wie es damit steht! 12 Wenn ich auch in Zukunft nichts von euch annehme, so hat das einen anderen Grund: Den Gefallen tue ich euren Überaposteln nicht! Sie warten nur auf die Gelegenheit, mich zu sich herabzuziehen und sich noch ungehinderter anpreisen zu können.
13 In Wirklichkeit sind sie falsche Apostel; sie sind Betrüger, die sich nur für Apostel von Christus ausgeben.
14 Das braucht euch nicht zu wundern. Sogar der Satan verstellt sich und gibt sich für einen Engel aus!
15 Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Helfer sich verstellen und sich als Diener Gottes ausgeben. Aber am Ende ergeht es ihnen, wie sie es mit ihren Taten verdient haben. 2.Kor 11,1-15

Nun gibt es tatsächlich Menschen, die von sich Dinge behaupten, die in der Bibel nicht in dieser Art beschrieben sind. Diese Menschen können angeblich Wunder tun, Tote aufwecken, Kranke heilen – alles biblische Dinge, die für neutestamentliche Gläubige möglich sind, um glaubhaft aufzutreten. Weiter behaupten sie, in die Himmel spazieren zu können, um Gott zu begegnen. Paulus, der eifrigste uns aus dem Neuen Testament überlieferte Diener, „schaffte“ es zu Lebzeiten nur, in den guten Teil des Hades (das Paradies, den dritten Himmel) entrückt zu werden. Dieser dritte Himmel wird sogar verschwinden. Er ist temporär, weil der Hades als Ganzes weggetan werden wird (Offb 20,14). Demnach gibt es weitere, weit herrlichere Orte und „Kammern“ im Himmel, die Bestand hatten, bevor die Erde und das dazugehörende Universum ins Dasein gerufen wurden. Der Himmel, von dem Christus im Joh 3,13 sprach, wurde also von keinem Menschen betreten.

Ich verwundere mich deshalb sehr über Menschen, die von der geistlichen Welt mehr zu wissen scheinen, als Christus uns im Wort geoffenbart hat. Christus, der viel mehr als alle Menschen weiss, wird so durch angebliche Offenbarungen von christlichen „Superhelden“ in den Hintergrund versetzt, damit unser Denken von diesen völlig unnötigen Offenbarungen in Beschlag genommen und Christus aus dem Mittelpunkt unseres Denkvermögens verdrängt wird. Für solche weiteren Offenbarungen steht wiederum warnend ein Wort Gottes niedergeschrieben:

Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind; Offb 22,18

Dinge, die heute im Christentum erzählt werden, stehen nicht einmal in der sehr weitgehenden Offenbarung des Apostels Johannes, der vom HERRN geliebt war. Wenn jemand diesen Dingen etwas hinzufügt, ist er schon verurteilt, man muss keine langen Argumentationsketten gegen einen solchen Menschen aufzubauen suchen, denn er ist nur schon durch sein Hinzufügen von Offenbarungen verurteilt.

Fassen wir zusammen: Christus sagte, niemand sei in den Himmel aufgestiegen. Aber hat nicht Paulus davon gesprochen, er sei im Himmel gewesen? Ja, er war im dritten Himmel. Diesen Ort hat er selbst als das Paradies bezeichnet.
Was ist das Paradies? Der gute Bereich im Hades, wie das Wort Christi zum gekreuzigten Räuber zeigt. Alle Toten, die sich im guten Bereich des Hades befinden, sind im Paradies. Dorthin ist Paulus gelangt. Doch das ist nicht derselbe Ort, von dem Christus in Joh 3,13 spricht, denn sonst hätte Er nicht sagen können, niemand sei dort hinaufgestiegen. Seine Aussage schliesst übrigens auch Elia aus, der zwar direkt – ohne Tod – in den Himmel aufgenommen worden ist, aber halt eben auch nicht in die oder den Himmel, von dem Christus im Joh 3,13 spricht. Weder Elia noch Paulus – zwei ausgezeichnete Diener des HERRN – sind direkt bei Gott im Himmel gewesen. Wie sollte dann heute jemand freien Zugang dorthin haben? – Lassen Sie uns nüchtern sein. Die heutigen Überapostel bringen ihren Zuhörern keinen Nutzen mit ihrer Lehre. Vielmehr lenken sie vom Wesentlichen ab.

Vers 14

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, Joh 3,14 

Was war das für eine Begebenheit in der Wüste mit dieser Schlange? – Die Israeliten waren unterwegs in das gute Land Kanaan, das Gott ihrem Vater Abraham versprochen hatte. Israel murrte aber trotz der guten Absichten Gottes gegen den HERRN, der sie aus dem mörderischen Ägypten gerettet hatte (ihre männlichen Säuglinge sind in Ägypten ja gemäss 2. Mo 1,22 ertränkt worden). Ihr Murren gegen Gott entbehrte jeglicher Grundlage, es war also sehr böse und offenbarte ihren völligen Unglauben. Statt die guten Absichten Gottes anzuerkennen, sie lagen ja durch die Gerichte an Ägypten und zusätzlich durch die Überlieferungen der Väter (ihr werdet das Land besitzen, das dem Urvater Abraham durch Gott gezeigt worden war) offen vor jedem Israeliten. Gottes gute Pläne mit Israel waren weder verschleiert noch verschlüsselt, sie waren unverkennbar. Trotzdem murrte Israel gegen ihren Gott; sie erzürnten Gott durch ihren Unglauben und Götzendienst so sehr, dass Er feurige Schlangen unter sie sandte, von denen sie dann gebissen wurden.

Israel erkannte durch dieses Gericht Gottes ihren groben Fehler und sie kamen zu Mose, und flehten bei ihm um Fürbitte bei Gott (4. Mo 21,7). Gott erhörte Mose, wollte aber diesmal nur den glaubenden Israeliten helfen; Gottes Weg zur Rettung funktionierte diesmal nur durch Glauben, was als ein Vorbild für die Errettung der Gläubigen steht, welche auch nur durch den Glauben funktioniert. Er wies Mose an, eine eherne Schlange anzufertigen, sie auf einer Stange zu befestigen und sie für das Volk sichtbar aufzustellen. Wer nun aus dem Volk, der das tödliche Gift einer feurigen Schlange in sich hatte, auf diese an der Stange erhöhte Schlange blickte, blieb am Leben. Wer Gottes Weg zur Rettung wieder keinen Glauben schenkte, dem geschah es nach seinem Unglauben: Er musste am Schlangenbiss sterben.

Was wollte Jesus mit diesem Gleichnis dem Nikodemus sagen? – Er sagte ihm damit: Der Teufel ist die Schlange, welche die Menschen gebissen hat. Durch den Unglauben gegenüber dem Gebote Gottes kam dieses Gift in unseren Urvater Adam hinein, welcher es uns weiter vererbt. Wer nun sein Leben lang ebenfalls im Unglauben verharrt, wird einfach daran sterben, das ist der natürliche Weg. Wer aber trotz dieses voraussichtlichen Endes auf die erhöhte Schlange blickt, darf leben!

Die erhöhte Schlange in der Wüste deutet auf Christus am Kreuz, der am Holz hängend die Sünde der Welt weggenommen hat. Die von der echten Schlange (dem Teufel) gebissenen Menschen, die nur noch das Ende durch das Gift vor sich haben (den Tod und die Hölle), haben heute die Möglichkeit, auf die erhöhte eherne Schlange zu blicken, welche im Bild Christus darstellt. Die eherne Schlange hatte nicht die Natur einer echten Schlange, sie sah nur so aus; Christus sah am Kreuz nur sündig aus, weil die Sünde der Welt auf Ihn geladen war, seine Natur war nicht überhaupt nicht sündig, sondern sie war vollkommen rein.

Christus sagte Nikodemus mit anderen Worten: Wenn du mich annimmst, der ich, wie die Schlange damals, von der Erde am Kreuz erhöht sein werde, wirst du leben!

Zusammenfassend können wir zum dritten Kapitel im Johannesbrief sagen: Durch den Glauben an Jesus Christus erhalten wir die Wiedergeburt durch den Geist. Wir erhalten damit die göttliche Natur, die denen gegeben wird, die Gott Glauben schenken. Weil die Rettung nur in Jesus Christus zu finden ist, erhalten die Wiedergeburt nur Menschen, die an den Sohn Gottes glauben, der sich von der Erde am Kreuz erhöhen liess, um die Sünden der Menschen auszutilgen, damit jeder, der an Ihn glaubt, errettet wird! – Gelobt sei Jesus Christus, der uns vom Schlangengift und von allen daraus folgenden und sehr üblen Konsequenzen erlöst hat! Amen.

Vers 15

damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Joh 3,15

Die Botschaft ist einfach und wir tun gut, uns solche einfach zu merkende Wahrheiten einzuprägen: Jeder der an den Sohn Gottes, Jesus Christus, glaubt, erhält ewiges Leben. Wer an Jesus glaubt, stirbt nicht; er geht nicht in den zweiten, endgültigen Tod hinein.

Das ist der zweite Tod:

Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Offb 20,14

Aber den Feigen und Ungläubigen und mit Greueln Befleckten und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, das ist der zweite Tod. Offb 21,8

Spötter mögen sagen: Viele sind an Christus gläubig geworden und sind doch gestorben, daher ist die Bibel nicht wahr. – Die Solches sagen, kennen Gottes Ratschlüsse nicht, denn Menschen, die sterben, schlafen in Gottes Augen nur ein (Mt 9,24; Lk 8,52). Gott kann sie ins Leben zurückholen, wie man Schlafende weckt. Menschen, die hingegen in den Feuersee geworfen werden – das ist ein endgültiges Gericht -, werden von dort nicht mehr herauskommen; sie kommen auf ewig nicht mehr dort heraus. Menschen im Feuersee sind wirklich tot, auch in Gottes Augen, denn sie kehren nie mehr ins Leben zurück.

Ich erwähne deshalb nochmals gerne die reine Wahrheit der Bibel: Jeder, der an Jesus Christus glaubt, hat ewiges Leben; ein solcher Mensch stirbt nicht, selbst wenn er einmal für lange Zeit „einschlafen“ und beerdigt werden sollte. Amen.

Vers 16

Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Joh 3,16

Gott hat die Welt so geliebt, dass Er es den Menschen sehr einfach gemacht hat: Sie sollen nur an seinen Sohn glauben! Das ist die einzige Voraussetzung, um gerettet zu werden und um nicht verloren zu gehen!

Die Liebe Gottes geht so weit, dass Er von allem Mord, Totschlag, Ehebruch und von allem sonstigen Schmutz absieht und den Menschen ewiges Leben schenkt; der Mensch muss nur an Christus glauben.

Was ist das für eine Rettung! – Ich setze meine Hoffnung voll auf Christus! Ich weiss, dass ich Gottes Gebote sehr verletzt und gebrochen habe! Und wer ein Gebot gebrochen hat, ist aller Gebote schuldig geworden, denn es steht geschrieben:

10 Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.
11 Denn der da sprach: »Du sollst nicht ehebrechen«, sprach auch: »Du sollst nicht töten.« Wenn du nun nicht ehebrichst, aber tötest, so bist du ein Gesetzes-Übertreter geworden. Jak 2,10-11

Daher soll jeder Mensch beten: Mein Gott im Himmel! Ich habe mich an Dir versündigt! Ich nehme das Rettungsangebot in Jesus Christus sehr gerne an! Ich glaube, dass Jesus Christus für meine Sünden gestorben ist, damit ich nicht gerichtet werde! Ich glaube an Deinen Sohn, Jesus Christus! Amen.

Vers 17

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde. Joh 3,17

Die Hauptaufgabe Christi war die Rettung der Welt, welche Er exzellent gemeistert hat. Er kam in diese Welt und liess sich durch den Feind und seinen Helfern, die übelste Angriffe auf Ihn starteten (z. B. Luk 22,64) nicht zum Zorn reizen, um die Aufgabe nicht zu gefährden, obschon Er allen Grund zum glühenden Zorn gehabt hätte: Alles Böse und all die Ablehnung, die Er als der Schöpfer dieser Welt und der Menschen erfahren musste, widerfuhr Ihm völlig ungerechtfertigt. Er war und ist der Geber des Lebens und seine Schöpfung spuckte Ihm dafür ins Gesicht (Kol 1,16.17), anstatt Ihm zu danken! Doch der Teufel und seine Helfer schafften es wie erwähnt nicht, Ihn zu entmutigen und damit seine Hände schlaff werden zu lassen. Christus ging einfach den Weg des Vaters bis ans Kreuz. Dort triumphierte Er als Sieger über seine und des Vaters Feinde, die seine Schöpfung verderben wollten. – Er sei gelobt!

Es ist schon so, dass Er die Welt auch richten wird, denn Er ist ein grosser König. Könige halten in ihrem Reich Gericht und sondern das Böse aus. Das Richten gehört zu den Verwaltungsaufgaben eines Königs. Aber die Hauptaufgabe Christi war die Rettung der Welt, und diese Rettung steht über dem Gericht. Wer sich durch Christus retten lässt, kommt nicht ins Gericht; ein solcher ist durch den Glauben an Ihn bereits gerecht gesprochen. Amen.

Vers 18

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Joh 3,18

Der Sachverhalt bleibt so einfach, so wahr und so indiskutabel. Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet, weil dann die Sündenvergebung durch die Tat Christi am Kreuz für den Glaubenden wirksam wird. Der Glaubende ist freigesprochen von seiner Sünde, weil Christus für ihn bezahlt hat. Wer nicht glaubt, erfährt keine Sündenvergebung; ein solcher lehnt die Tat Christi am Kreuz für sich ab und bleibt sündenbehaftet. Ein solcher Mensch ist schon gerichtet, weil seine Sünden vor Gott indiskutabel sein werden. Gott muss mit einem solchen Menschen nicht einmal Gericht halten, denn er ist durch die Sünden schon verurteilt. Gott kann daher einen sündenbehafteten Menschen ohne Tribunal direkt an einen schlimmen Ort platzieren, wie Er es mit dem reichen Mann gemacht hatte, den Er ohne vorgängige Gerichtsverhandlung in den Flammen erwachen liess:

Und als er im Hades seine Augen aufschlug und in Qualen war, sieht er Abraham von weitem und Lazarus in seinem Schoss. Lk 16,23

Die indiskutable Folge von Sünden ist sehr grosse Pein:

Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle! Denn ich leide Pein in dieser Flamme. Lk 16,24

Jeder Mensch ist vorgewarnt; Gott, der alle Menschen retten will (Hes 18,23.32), lässt niemanden absichtlich ins Messer laufen. Deshalb spricht Gott rechtzeitig zum Sünder, früh sich aufmachend und redend (2. Chr 36,15; Jer 7,13.25; 11,7; 25,3.4; 26,5; 29,19; 32,33; 35,14.15; 44,4) und weist durch sein Schöpfungswerk den Sünder täglich auf seine Existenz hin, wie es geschrieben steht:

18 Alle Menschen sind nämlich dem Gericht Gottes verfallen, und dieses Gericht beginnt schon offenbar zu werden. Es wird vom Himmel herab alle treffen, die Gott nicht ehren und seinen Willen missachten. Mit ihrem verkehrten Tun verdunkeln sie die offenkundige Wahrheit Gottes.
19 Denn was Menschen von Gott wissen können, ist ihnen bekannt. Gott selbst hat ihnen dieses Wissen zugänglich gemacht.
20 Weil Gott die Welt geschaffen hat, können die Menschen sein unsichtbares Wesen, seine ewige Macht und göttliche Majestät mit ihrem Verstand an seinen Schöpfungswerken wahrnehmen.
Sie haben also keine Entschuldigung. Röm 1,18-20

Lassen Sie uns unserem Gott loben, der so sehr um jeden Sünder wirbt! Amen.

Vers 19

Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Joh 3,19

Andere Übersetzungen beginnen diesen Vers mit den Worten: „So geschieht die Verurteilung“, was erklärt, weshalb der Mensch vor Gott verurteilt ist.

Gott sandte seinen Sohn auf die Welt. Sein Sohn ist rein und herrlich; Er brachte Gottes Charakter auf die Welt. Jeder, der Ihm begegnete, sah in Ihm das unvergleichlich reine Wesen Gottes. Er brachte die Herrlichkeit der Moral Gottes auf die Erde. – Doch anstatt sich die Menschen daran erfreut hätten, verwarfen sie dieses Licht. Die Menschen liebten die Dunkelheit mehr als das Licht. Die Menschen liebten das Böse mehr als das Gute.

Die Bosheit der Menschen war zwar schon vor der Offenbarwerdung Jesu Christi offensichtlich, denn Mord und Totschlag gaben sich in der Geschichte dieser Welt die Türklinke in die Hand. Das eine Übel folgte dem anderen. Daher musste das Urteil über den Menschen endgültig besiegelt werden, nachdem Gott seinen Sohn auf die Erde gesandt hatte; das Gericht musste fest beschlossen werden, nachdem Gott die Menschen persönlich besucht hatte und von den Menschen einfach in übelster Art verworfen wurde. Eine Steigerung der Zuwendung Gottes gibt es nicht.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein wohlhabender Mann kauft sich ein stattliches Landgut. Da das Land gross ist und für andere Menschen auch Platz bietet, öffnet er es für Menschen, die ihn nicht gekannt haben und lässt sie darauf wohnen und es ihnen gut gehen. Der Mann schaut, dass genügend Essen vorhanden ist, die sanitären Anlagen in den Häusern funktionieren, es nicht an elektrischem Strom fehlt und die Menschen fröhlich und in Frieden darauf leben können. Eines Tages kommt er persönlich auf sein Landgut und stellt sich den Menschen vor. Die Menschen haben nun den gütigen Landbesitzer in Person vor sich; sie dürfen ihren Wohltäter ansehen. Auch die Absicht seines Besuches gilt ihrem Wohl, er ist gekommen, um ihnen bei allfälligem Unvermögen beizustehen. Die Menschen auf seinem Landgut fangen nun aber an, ihren Wohltäter zu beschimpfen, anzuspeien und sogar zu schlagen! – Diese unmögliche, fast nicht zu fassende Situation im Beispiel hat sich tatsächlich abgespielt! Das Wort war Gott (Joh 1,1) und wurde Fleisch (Joh 1,14) und wohnte unter uns. Es hat sich also genau so wie im Vergleich verhalten: Gott, der Herr über alle Ländereien, liess Menschen auf seinem Besitz wohnen und schaute, dass die Wolken zur rechten Zeit Regen geben, damit ebendiese Menschen genug zu essen haben und es ihnen gut geht. Dann kam Er persönlich auf sein „Landgut“, das ist seine Erde, und besuchte die Menschen. Die Menschen verhielten sich Ihm gegenüber jedoch sehr, sehr unfreundlich, statt dankbar zu sein. Sie verlachten, verspotteten und schlugen Ihn. Sie beratschlagten, Ihn zu ermorden und liessen nicht locker, bis ihr übler Plan vollbracht war und Christus schlussendlich durch der Menschen Bosheit tot am Kreuz hing, gleichgeachtet wie ein Verbrecher und Mörder.

Damit besiegelte der ohnehin schon offensichtlich böse Mensch sein Gericht. Noch mehr Gutes konnte Gott für den Menschen nicht tun; Gott liess gar nichts unversucht. Das Urteil über den Menschen könnte daher gerechter nicht sein, denn wer eine derartige Güte mit Füssen tritt und dazu den Wohltäter noch umbringt, hat Tod und Hölle verdient, das weiss jeder Mensch (Rö 1,32), sogar der Einfältigste kann das nachvollziehen.

Vers 20

Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht blossgestellt werden; Joh 3,20

Menschen, die sagen, irgendwo im Menschen stecke ein guter Kern, urteilen nicht richtig. Die Bibel sagt, dass der Mensch (im Lichte Gottes) durch und durch verdorben ist (Mt 7,11); ich habe es schon mehrmals erwähnt. Der Heilige Geist gibt an dieser Stelle den Grund an, weshalb die Menschen auf das Licht Gottes scheu bzw. ablehnend reagieren.

Gottes Glanz, das Licht des Edlen, deckt alle Werke des Menschen als ungenügend, unvollkommen, böse und schlecht auf. Es verhält sich so, wie in einer Firma, in der in einer Abteilung gemauschelt und dilettantisch produziert wird, wo es an Qualität und Quantität des Produktes nicht stimmt. Wird dort ein guter und fleissiger Mitarbeiter angestellt, setzt dieser eine neue Messlatte und lässt die anderen Mitarbeiter schlecht aussehen. In einer solchen Zusammensetzung ist dann oft zu beobachten, dass dieser neue Mitarbeiter ausgegrenzt und nicht selten sogar geplagt wird. Das Team will nicht aus dem alten Trott kommen und plötzlich richtig arbeiten müssen, wenn es für sie vorher monate- oder gar jahrelang auf die faule Tour funktionierte. Das Licht des neuen Mitarbeiter deckt die Faulheit der alten Mitarbeiter auf, wenn dieser ohne weiteres 30% mehr produziert als die bestehenden Mitarbeiter des Teams und seine Arbeiten weder und in keiner Hinsicht mangelhaft sind noch nachgebessert werden müssen.

Leider ist es so, dass sich die faule Belegschaft nicht freut, wenn sich jemand für das Geschäft interessiert, denn darin sehen die Faulen nur eine für sie anfallende Mehrarbeit. Sie sehen darin nicht die Kundenzufriedenheit und die Sicherung ihres Arbeitsplatzes.

So verhielt es sich, als Christus in seiner völligen Reinheit den Menschen wohlwollend begegnete. Sie sahen in seiner Person ihr eigenes Unvermögen und reagierten böse, weil der Mensch böse ist. Hätte der Mensch nur einen winzigen guten Kern in sich, hätte er sich über Christus gefreut, dass Er gekommen ist, um ihn vom restlichen Unrat zu befreien. Aber der Mensch hat sich nicht gefreut, er hat Christus einfach umgebracht.

Ich hoffe, dass dieser Sachverhalt auch Humanisten hilft, ihre Meinung über den Menschen zu revidieren, da sie sagen, es stecke etwas Gutes im Menschen. Diese Meinung ist durch die wahre Aussage der Bibel nicht vertretbar. Amen.

Vers 21

wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind. Joh 3,21

Jemand, der Gottes Werke wirkt, kommt auch zu Gott, der Licht ist. Im Lichtglanz wird offenbar, dass die Werke in Gott gewirkt sind. Jemand, der mit Gott verbunden ist, tut Gottes Werke, wie Christus die Werke des Vaters wirkte (siehe auch Joh 9,4):

Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke. Joh 14,10

Wer in Christus bleibt, wirkt echte (bleibende) Werke, alle anderen werden von der Schrift nicht anerkannt und werden als „nichts“ bezeichnet:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Joh 15,5

Lassen Sie uns daher nicht im Eigenwillen leben, lassen Sie uns die Werke Gottes wirken! Amen.

Vers 22

Danach kamen Jesus und seine Jünger in das Land Judäa, und dort verweilte er mit ihnen und taufte. Joh 3,22

Nachdem Christus seine Worte an Nikodemus erfüllt hatte, verweilte Er mit seinen Jüngern im Land Judäa und taufte. Jesus war im Land, das Er seinem geliebten Volk versprochen hatte. Er und seine Jünger bewegten das Volk dazu, Busse zu tun und sich taufen zu lassen, wie es sein Vorläufer Johannes tat. Jesu Dienst war voll darauf ausgerichtet, das Volk zu gewinnen, um es keinen Verlust erleiden zu lassen. Er wirkte für seine Nächsten, Er wirkte nicht für sich.

Lassen Sie uns in derselben Gesinnung dienen, nicht aus Eigennutz, sondern zum Wohle des Nächsten. Amen.

Vers 23

Aber auch Johannes taufte zu Änon, nahe bei Salim, weil dort viel Wasser war; und sie kamen hin und wurden getauft. Joh 3,23

Johannes war auch noch im Dienst für Gott, um das Volk vorzubereiten und es mit der Taufe zur Busse zu bewegen. Gott wurde ja bekanntlich Fleisch und besuchte in der Person von Jesus Christus das Volk. Das Herz des Volkes musste für die Begegnung mit Gott vorbereitet werden, ansonsten hätten sie Gott nicht erkennen können. Dazu hätte ihnen Gott wegen des Abfalls nicht wohlgesinnt sein können.

Wir sehen, wieviel Energie Gott nur schon in die Vorbereitungen zur Begegnung mit dem Volk aufgewendet hat. Das ist wie die zärtliche Fürsorge eines Vaters für seine Kinder, der in keinem Fall will, dass seine Familie irgendwelchen Schaden erleidet.

Die Täufer platzierten sich dort, wo alle Bedürfnisse des Volkes gestillt werden konnten, nämlich, wo viel Wasser war, genügend für die Taufe und den Durst von Mensch und Vieh.

Vers 24

Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen. Joh 3,24

Johannes taufte noch, denn er war noch nicht ins Gefängnis geworfen. Dieser Vers drückt aus, dass wir tatsächliche eine Bestimmung haben. Der HERR hat für jeden seiner Diener einen Lebensplan. Bei Johannes wird das explizit erwähnt. Er wurde geboren, um den Weg des HERRN zu ebnen. Er taufte solange, bis er (illegal von Herodes) ins Gefängnis geworfen wurde. Obschon seine Gefangennahme nicht einmal weltlich rechtens war, gehörte sie zum Plan Gottes.

Einige mögen in solchen Situationen einwenden, Gottes Güte würde bei derartigen Gegebenheiten fehlen. Johannes habe doch nur getan, was ihm aufgetragen war, und wieso er dann quasi als Krönung noch ins Gefängnis musste, um im absoluten Tiefpunkt seines Lebens noch vom bösen Ehebrecher Herodes hingeschlachtet zu werden. Johnnes‘ des Täufers Ende mag sich wirklich befremdend anhören und in solchen Situationen tun wir gut, die Aussagen der Bibel zu vereinfachen und sie nicht mit dem Verstand erfassen zu wollen. Gott ist gut und die Welt ist böse, das ist eine Vereinfachung der biblischen Aussagen, welche uns hilft, den Einflüsterungen des Teufels zu widerstehen, der Gott ins schlechte Licht rücken möchte. Gott auferlegt Gläubigen nie unnötiges Leid (Rö 8,28)!

Echte Gläubige müssen oft sehr viel mehr leiden als die Masse der Nachfolger, um später als feuererprobte Gottesmenschen anderen wirksam zu helfen. Denken wir an Josef, der von seinen Brüdern fast umgebracht und anschliessend verkauft wurde. Zu seinem Übel liess Gott zu, dass ihn seine Gerechtigkeit völlig unverschuldet, wie bei Johannes dem Täufer, in den Kerker kommen liess. Doch nach Jahren des Leidens, der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit wurde er seinen Brüdern und dazu den Ägyptern zum Segen. Durch seine Weisheit hatten am Ende während einer grossen Hungersnot alle zu essen, auch die, die ihn fast umgebracht hatten. Solche (echte) Nachfolger Gottes dürfen die Gnade empfangen, Christus schattenhaft abzubilden, der auch für böse Menschen, die Ihn sogar umgebracht haben, gelitten hat. Auch David schattete als weiter hier erwähntes Vorbild Christi Leben vor. Während vieler Jahre musste er wie Christus viel leiden und die völlig unverdiente Verfolgung durch Saul und Israel aushalten, denen er von Anfang an nur Gutes getan hatte. Doch am Ende weidete David das Volk Gottes und brachte durch seine Gottesfurcht den Segen auf das Land.

An dieser Stelle erscheint mir die Erwähnung noch wichtig, dass wir uns, wenn uns Gott zu Ehren kommen lassen will, nicht an unseren Brüdern und Schwestern, die uns während unserer Trübsal gleichgültig oder schlecht behandelt haben, rächen und sie nicht im Stich lassen. Josef war seinen Brüdern barmherzig gesinnt. Auch David trug denen, die nach seinem Leben trachteten, nichts nach. Gideon meisterte diese Prüfung nicht mit Bravour, er misshandelte seine Brüder, und einige tötete er gar aus Rache:

4 Und Gideon kam an den Jordan. Er ging hinüber, er und die dreihundert Mann, die bei ihm waren, erschöpft von der Verfolgung.
5 Und er sagte zu den Männern von Sukkot: Gebt doch dem Kriegsvolk, das in meinem Gefolge ist, Brot, denn sie sind erschöpft! Und ich jage den Königen von Midian, Sebach und Zalmunna, nach.
6 Aber die Obersten von Sukkot sagten: Ist etwa die Faust Sebachs und Zalmunnas schon in deiner Hand, dass wir deinem Heer Brot geben sollten?
7 Da sagte Gideon: Fürwahr, wenn der HERR Sebach und Zalmunna in meine Hand gegeben hat, werde ich euer Fleisch dreschen mit Dorngestrüpp der Wüste und mit Stechdisteln!
8 Und er zog von dort weiter nach Pnuel hinauf und redete zu denen ebenso. Aber die Männer von Pnuel antworteten ihm, wie die Männer von Sukkot geantwortet hatten.
9 Da sagte er auch zu den Männern von Pnuel: Wenn ich in Frieden zurückkomme, werde ich diesen Turm niederreissen!
10 Sebach und Zalmunna waren aber in Karkor und ihr Heerlager mit ihnen, etwa 15 000 Mann, alle, die übriggeblieben waren vom ganzen Heerlager der Söhne des Ostens. 120 000 Mann aber, die das Schwert zogen, waren gefallen.
11 Und Gideon zog die Beduinenstrasse hinauf, östlich von Nobach und Jogboha. Und er schlug das Heerlager, während das Heerlager sorglos war.
12 Und Sebach und Zalmunna flohen, er aber jagte ihnen nach und fing die beiden Könige von Midian, Sebach und Zalmunna. Und das ganze Heerlager setzte er in Schrecken.
13 Dann kehrte Gideon, der Sohn des Joasch, vom Kampf zurück, von der Anhöhe von Heres herab.
14 Und er fing einen Jungen von den Männern von Sukkot und fragte ihn aus. Da schrieb der ihm die Obersten von Sukkot und seine Ältesten auf, 77 Mann.
15 Und er kam zu den Männern von Sukkot und sagte: Seht hier Sebach und Zalmunna, mit denen ihr mich verhöhnt habt, als ihr sagtet: Ist die Faust Sebachs und Zalmunnas etwa schon in deiner Hand, dass wir deinen Männern, die ermattet sind, Brot geben sollten?
16 Und er nahm die Ältesten der Stadt und Dorngestrüpp der Wüste und Stechdisteln, und er züchtigte damit die Männer von Sukkot.
17 Und den Turm von Pnuel riss er nieder und erschlug die Männer der Stadt. Ri 8,4-17

Was Gideon getan hatte mit den Männern von Sukkot und Pnuel war nicht im Sinne Gottes. Sein Verhalten ist zwar aus menschlicher Sicht völlig verständlich: Er jagte den Feinden Israels nach und seine Brüder legten ihm dabei Steine in den Weg, indem sie das Kriegsvolk nicht verpflegten. Es wurde ja nicht einmal von ihnen verlangt, mitzukämpfen; Gideon bat nur um eine einfache Handreichung. Die Reaktion der Männer dieser beiden Städte war zweifelsfrei sehr böse. Doch wir sind angehalten, das Gericht dem HERRN zu überlassen und es nicht selbst in die Hand zu nehmen; auch im Alten Testament wäre das angebracht gewesen (3. Mo 19,18). Selbst die damaligen Todesstrafen waren von Gott angeordnet und gehörten zu Gottes Rache, auch wenn sie durch Menschen vollzogen werden mussten.

Lassen Sie uns Geschwistern gegenüber barmherzig sein, wenn der HERR uns plötzlich die Oberhand gibt und unser Elend wendet, selbst wenn an diesem Elend sogar Brüder und Schwestern (!) in allen üblen Facetten aktiv beteiligt waren, wie es bei Josef, David und vielen anderen Vorreitern der Fall war. Amen.

Vers 25

Es entstand nun eine Streitfrage von seiten der Jünger des Johannes mit einem Juden über die Reinigung. Joh 3,25

Die Jünger des Johannes und ein Jude kamen im Gespräch an einen Scheideweg. Der Jude kannte das von Mose gegebene Gesetz, das Alte Testament. Offenbar wusste dieser Mann noch nichts vom Neuen Weg in Christus, der sich gerade in jener Zeit zu etablieren begann, denn es heisst:

Das Gesetz und die Propheten gehen bis auf Johannes; von da an wird die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt, und jeder dringt mit Gewalt hinein. Lk 16,16

Das Zeitalter hat sich mit Johannes dem Täufer gewendet. Das Alte war vergangen, das Neue war angebrochen, wie es der Heilige Geist im Hebräerbrief erklärt:

Indem er von einem »neuen« Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet und sich überlebt, ist dem Verschwinden nahe. Hebr 8,13

Johannes und seine Jünger wiesen auf eine Person, auf Christus hin. Sie ermahnten ihre Zuhörer nicht, das Gesetz noch besser einzuhalten, was Israel über die Jahrhunderte nicht zustande brachte. Der Inhalt der Botschaft war neu: Hört auf zu sündigen und kommt zu Gott, der im Fleisch gekommen eure Sünden wegnehmen will. Die Botschaft ist verblüffend einfach und sagt mit andern Worten aus: Seht weg von euch und blickt auf Christus! – Weil die Botschaft so neu war, kam die Streitfrage auf mit dem Anhänger des Alten (dem Juden) und den Verkündigern des Neuen (die Jünger des Johannes).

Das Wort: „Seht weg von euch und blickt auf Christus!“, könnte passender für den Menschen nicht sein, denn der natürliche Mensch kann nicht nicht sündigen. Der natürliche Mensch sündigt, weil die Sünde in seinem Fleisch, seiner Natur wohnt. Wie ein fauler Baum keine guten Früchte liefern kann, kann der natürliche Mensch keine guten Taten liefern, das ist die Botschaft von Römer 7. Wer nun aus seiner Kraft das Gesetz halten will, scheitert kläglich, weil das Gesetz sein Unvermögen aufdeckt (Rö 7,9-13; Rö 7,16-18). Wenn uns nun jemand zuruft: „Schau weg von dir!“, dann bedeutet das, dass wir von unserem Unvermögen, Gutes zu tun und von unseren bereits geschehenen Vergehen wegblicken sollen. Gott erwartet nichts mehr von uns: Zweifelsfrei ist längst der vom Gesetz erbrachte Beweis, dass der Mensch aus eigener Kraft Gott in keinem Punkt gefallen kann. Wenn uns der uns Zurufende dann sagt: „Blicke auf Christus!“, dann bedeutet das, dass Christus der von Gott gesandte Retter ist, derjenige, der es als einziger schafft, die Menschen von ihrem unseligen Fleisch zu retten und sie in den Frieden Gottes zu bringen. Dieser Christus ist derjenige, der allein die Wiederherstellung aller Dinge herbeiführt. Was kein Mensch und keine Religion schaffen – welche Religion hat eine wirksame Lösung für das Sündenproblem? – löst Christus für die Menschheit, der gelobt ist in Ewigkeit! Amen.

Dieser neue Weg hatte den Juden im zitierten Vers 25 irritiert; er kannte ihn natürlich noch nicht. In den folgenden Versen sehen wir, wie der Meister der in Verlegenheit gekommenen Johannesjünger, Johannes der Täufer selbst, den Neuen Weg erklärt und hin zu Christus weist: „Sieh weg von dir und den Alten Bund und blicke auf Christus!“ Wer nichts auf sich hält, hält seine Sünden nicht hoch; ein solcher erachtet die alte Abstammung als Dreck, wie es Paulus tat (Phil 3,8). Ein solcher hört mit eigenen Werken auf und beginnt, die Werke Gottes zu vollbringen, die Werke aus Glauben an Ihn. An diesen Werken klebt keine Sünde.

Vers 26

Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseits des Jordan bei dir war, dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm. Joh 3,26

Die Jünger des Johannes, die eben eine Streitfrage betreffend die Reinigung mit einem Juden hatten, kommen zu Johannes und weisen auf Christus hin, welcher die Leute auch mit Wasser zur Busse taufte und keine Stiere und Böcke mehr vom Volk forderte. Diesem Christus gab Johannes Zeugnis, dass Er der verheissene Retter der Menschen war.

Wenn dieser Christus, der von Gott Gesalbte, der Messias Gottes, „nur“ taufte und nicht wie David abertausende von Tieren als Opfer vor den HERRN brachte, um das Gesetz mit Pflicht- und Freiwilligenopfer zu zieren, musste ein neues Zeitalter angebrochen sein. Vom Zeitpunkt der Verfluchung des Feigenbaums (Mk 11), der als Bild für Israel stand, das viele Werke (Blätter am Baum) aber keine Früchte hervorbrachte, begrub Gott jegliche Forderung gegenüber dem fleischlichen Menschen. Das Gesetz mit seinen Forderungen hatte nur das Unvermögen der Menschen, Gott zu gefallen, ans Licht gebracht. Das Gesetz verfehlt seine Wirkung nicht, den Menschen klar zu machen, dass sie dringend einen Erlöser brauchen, und dass jegliche Eigenanstrengung (eigene Opfergabe) von Gott nicht angesehen wird, da schmutzige Fingerabdrücke der alten Natur daran kleben. Wir kennen die Geschichte von Kain und Abel. Kain brachte Eigenes dar, Abel brachte ein stellvertretendes Tieropfer dar, welches damals schon das Opfer Christi vorschattete. Abels Opfer wurde angenommen, Kains Opfer nicht. Was uns die Bibel von Anbeginn klar macht, hatte der Jude, der mit den Johannesjüngern stritt, noch nicht klar sehen können. Er kannte die (kultische) Reinigung der Menschen nur aus dem Gesetz. Die vollständige Erneuerung des Menschen in Jesus Christus, welche die Neugeburt beinhaltet (Joh 3,3.5) war ihm verborgen. Er kannte nur die Beschwichtigung Gottes durch das Halten der Opfer und durch das dreimalige Erscheinen vor dem HERRN in Jerusalem (Passah-, Wochen- und Laubhüttenfest; 2. Mo 23).

Die Jünger des Johannes mochten den Neuen Weg schattenhaft erkannt haben. Doch es schien, als ob sie selbst von Johannes noch mehr darüber erfahren wollten, indem sie das Thema über die Person von Jesus Christus (demjenigen, dem Johannes Zeugnis gab) aufgriffen und darin seine Taten erwähnten, die nicht offensichtlich im Gesetz verankert waren. – Konnte Johannes ihnen die Frage über die Reinigung noch einmal näher oder von einem anderen Blickpunkt aus erklären?

Vers 27

Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen, auch nicht eins, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. Joh 3,27

Johannes beginnt seine Rede mit einer sehr wichtigen generellen Feststellung, niemand könne sich im Leben selbst etwas nehmen. Die Mehrheit der Menschen glaubt dieser Aussage leider nicht. Doch nur schon, dass der Mensch in einem Zustand, in dem er noch gar nicht denken kann, zuallererst Leben von Gott empfangen muss, stützt Johannes‘ Aussage. Auch kann ein in ein Armenghetto hinein Geborener sich mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit Wohlstand erarbeiten, als ein in ein Königshaus Geborener. Gott entscheidet von Anfang an über den Status eines Menschen, auch wenn sich dieser im Leben ändern kann. Es gibt auch die Ausnahmen, wie bei David, der als Schafhirte König wurde. Der Arme kann sich aber den Wohlstand nicht erarbeiten, solange er ihm nicht zugespielt wird. Es gibt viele tüchtige Tellerwäscher, die gesellschaftlich nicht hochkommen. Nur die, denen „das Leben“ gut mitgespielt hat (sprich: denen es Gott ermöglicht hat), können es schaffen. Und nicht zu vergessen ist die Wahrheit, dass Gott auch reichen Menschen den Genuss vom Vermögen verhindern kann (Pred 6,2); selbst die Erlaubnis zum Genuss ist eine Gabe Gottes (Pred 5,18). Der Mensch kann von Anfang an nichts tun, es sei ihm denn von oben gegeben. Das ist die wichtige Grundlage, die Johannes als Antwort auf die aufgekommene Streitfrage zwischen seinen Jüngern und dem Juden legt. Selbst die Menschen mit dem Vorzug, Gottes Gesetz zu haben, vermochten sich nicht aus eigener Kraft in die Gunst Gottes zu bringen, da es niemand halten konnte. Gottes Gnade war es, dass er Israel nicht dahingerafft hat (z. B. 2. Mo 32,10). Wie erwähnt, dass Juden und überhaupt die Menschen lebendig wurden, ist eine umsonst empfangene Gabe Gottes. Dass ein ungläubiger Mensch, ein solcher folgt den Weisungen von Götzen (Jer 10,3), trotzdem vor dem Ewigen, den er mit dem Dienst für diesen Götzen schmäht, weiterleben darf, ist eine Gabe Gottes. Und dass ein Mensch unter Gesetz – wo er doch das Gesetz nicht einzuhalten vermochte – weiterleben durfte, war eine Gabe Gottes, wie ich schon erwähnt habe. Ohne den ständigen Zusammenhalt der Schöpfung durch Jesus Christus (Kol 1,16.17), wäre es längst mit dem eitlen Menschen aus. Trotz dieser offensichtlichen Tatsache glaubt die Mehrheit der Menschen tatsächlich an den weltlichen Spruch, dass jeder selbst seines Glückes Schmied sei, der so viel aussagt, dass der Mensch sein Schicksal selber in der Hand halte. Dieser Spruch hat nur soweit einen Wahrheitsgehalt, wenn der Glaube an Christus und die Befolgung des Wortes Gottes miteinbezogen werden. Nur in der Nachfolge Christi und im Gehorsam gegenüber seines Willens liegt das wahre Glück, das aber wiederum ausschliesslich von seiner Gnade abhängt, denn der Mensch kann sich nichts nehmen, ausser es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben, wie es Johannes an dieser Stelle festhält; ich erachte diese Wiederholungen als notwendig, der Unglaube ist diesbezüglich sehr gross. Oder was denkst du, eitler Mensch, der du ein glückliches Händchen in einem internationalen Gewinnspiel hattest! Das sei die Garantie, in Saus und Braus zu leben? – Morgen kannst Du hinfallen und gelähmt sein und Du wirst den vorbestellten Sportwagen nicht einmal als Beifahrer geniessen können! Egal was du anstellst, Gott entscheidet über dein Leben. Auch du, sehr gut ausgebildeter Mensch, bist angesprochen! Ist dein breites Wissen oder deine Spezialistenausbildung eine Garantie für das Leben? Ein kleiner Schlaganfall reicht aus, damit du nicht einmal mehr die Arbeit eines einfachen Handlangers ausüben kannst! – Das menschliche Geschick liegt voll in Gottes Hand, nicht nur der weltliche Status, sondern auch das allgemeine Glück und das Glücklichsein, wie auch die Freude:

Auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben und den er ermächtigt hat, davon zu geniessen und sein Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen, – das ist eine Gabe Gottes. Pred 5,18

Auch ein langjähriger treuer Arbeiter im Reich, ein langjähriger Christ, der plötzlich meint, es stünde ihm aufgrund seiner Arbeit im Reich dies oder jenes zu, hat die Gabe Gottes der Reinigung seiner Sünden vergessen und dass alles von Gott und nicht aus eigenen Werken kommt, denn vom Rechtlichen her gesehen, hätte er vor Gott schon in seinen Anfängen wegen seiner Sünden sterben müssen, doch nun lebt er und tut schlecht, wenn er anfängt, sich etwas einzubilden und daraus beginnt Ansprüche abzuleiten.

Johannes belehrt mit dieser grundsätzlichen Aussage die Kenner des Alten Weges (Juden) und die Nachfolger des Neuen Weges (seine Jünger): Wie schon auf dem Alten Weg ändert sich auch auf dem Neuen Weg an diesem Grundsatz rein gar nichts: „Ein Mensch kann nichts empfangen, auch nicht eins, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben.“ Amen.

Vers 28

Ihr selbst gebt mir Zeugnis, dass ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin vor ihm hergesandt. Joh 3,28

Die Jünger glaubten der Aussage Johannes‘, er sei nicht der von Gott Gesalbte. Sie glaubten Johannes auch, dass er vor Christus hergesandt war. Johannes hatte nicht die Funktion des Königs, der da kommen soll; Johannes war stattdessen der Wegbereiter des Königs.

Die Rede Johannes‘ mag erstaunen, denn er sprach auf die aufgekommene Streitfrage zwischen dem Juden und seinen Jünger den rationalen Verstand nicht direkt an. Er sagte nicht: „Jude, setze dich hierher, ich erkläre Dir jetzt, dass sich das Zeitalter gewendet hat, dass Gott keine Opfer mehr zur Erfüllung des Gesetzes möchte, da der natürliche Mensch Gott in keinem Punkt gerecht werden kann. Gott kommt nun dem Menschen in Christus völlig entgegen und übernimmt auch des Menschen Part, um ihn aus reiner Gnade vollkommen zu machen.“ – Manchmal bringen solche direkte Reden nicht viel, das weiss ich selbst aus Erfahrung. Auch wenn das Gegenüber wirklich keine Ahnung von den Geschehnissen hat, wie der betreffende Jude damals, der nur das Gesetz kannte (wenn überhaupt richtig), bringt eine Konfrontation mit der reinen Wahrheit manchmal weniger, als ein schwaches Hinweisschild zur Wahrheit. In der Konfrontation merkt der eitle Mensch nur, dass sein Gegenüber von etwas redet, das er nicht kennt. Der Angesprochene steigt dann gar nicht auf das neue Thema ein; er will nicht Gefahr laufen, nicht mitreden zu können bzw. blossgestellt zu werden. So oder ähnlich kann es ablaufen und statt Frucht, kann eine Konfrontation Frust oder gar Streit bringen.

Nichts rechtfertigt zwar den Unwissenden, wenn er aus Eitelkeit oder gar aus Stolz nicht auf eine Belehrung einsteigt. Aber da wir die menschenrettende Wahrheit fruchtbringend weitertragen möchten, tun wir gut daran, diese menschliche Schwäche zu berücksichtigen. Somit sollte unsere Lehre grundsätzlich lieblich und freundlich sein. Diese Art kommt prinzipiell besser an, auch wenn Worte wie ein Holzhammer für gefühlt Unbelehrbare passender erscheinen mögen. Wenn es an der Zeit ist, kann es schon auch mal sein, dass der HERR uns sehr deutliche Worte auszusprechen erlaubt. Dies ist vor allem bei Leuten der Fall, die versuchen, Geschwister unter ein Joch zu bringen (z. B. zurück unter Gesetz), dazu gibt es nur harte und unzweideutige Rede, wie z. B. die Stelle im Galater 3,1, in der Paulus den Galatern vorherrschende Unvernunft unverblümt an den Kopf wirft.

Lassen Sie uns den Irrenden mit Gnade und Vorsicht begegnen. Ich bin überzeugt, so eher in den Fussstapfen des HERRN zu wandeln als mit Wortgewalt und demonstrierter Überlegenheit. Der HERR kam mit Gnade und Wahrheit (Joh 1,14), nicht mit Wucht und Wahrheit. Amen.

Vers 29

Der die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude nun ist erfüllt. Joh 3,29

Der Bräutigam hat die Braut, das ist Christus, der die Gemeinde hat, das sehen wir auch durch die Bibelstelle 2. Kor 11,2 bestätigt. Johannes der Täufer war der Freund des Bräutigams; er freute sich, die Stimme Christi zu hören.

Johannes freute sich an Christus, nicht an der Welt. Johannes predigte abseits von weltlichen Freuden in der Wüste (Mt 3,1). – Glückselig sind wir, wenn wir uns auch an Ihm freuen und wir unsere Freude nicht in der Welt suchen. Wer die Welt liebt, liebt Gott nicht, das ist ein Prinzip. Wer die echte und spürbare Gemeinschaft mit Christus kennt, weiss, von was ich hier schreibe. Die Gemeinschaft mit Christus ist nicht mit normaler Freude, die man zum Beispiel in guter Gesellschaft bei grosser Anerkennung empfinden kann. Die Gemeinschaft mit Christus ist sehr viel besser, da man dabei herrliches Zusammensein mit Wertschätzung geniesst und gleichzeitig weiss, dass alles, wirklich alles in Bezug auf Sünde, Unvollkommenheit und jedem menschlichen Unvermögen vor Ihm völlig in Ordnung ist. Eine so herrliche und völlig entlastende Gemeinschaft gibt es in keiner anderen Konstellation und mit niemand anderem.

Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; 1.Joh 2,15

Wir können uns nicht an der Finsternis (die Welt liegt im Dunkel) erfreuen und gleichzeitig sagen, wir würden das Licht lieben, das geht nicht zusammen. Die weltliebenden Religiösen von damals, die Pharisäer und Schriftgelehrten, die beispielsweise auch geldliebend waren (Lk 16,14), erfreuten sich überhaupt nicht an Christus, was keinesfalls verwundert. Die Tatsache ist lediglich der Ausdruck des Prinzips. Kein Christ, der die Welt und die Philosophie der Welt liebt, kann sagen, er liebe Gott und Christus, das geht einfach nicht. Der Geist Gottes hat nichts gemein mit dem Geist dieser Welt.

Vers 30

Er muss wachsen, ich aber abnehmen. Joh 3,30

Wenn die Aufgabe des Vorläufers (Johannes des Täufers) abgeschlossen ist, muss der Angekündigte (Jesus Christus) in den Mittelpunkt kommen. Der Vorläufer tritt dann in den Hintergrund; er hat seine Arbeit getan. Am Ende geht es schliesslich nicht um den Vorläufer, sondern um den, den er ankündigt.

Johannes der Täufer war ein sehr grosser Mann vor Gott, es war kein grösserer unter seinen Vorfahren. Man mag sich darüber erstaunen, da wir von anderen gottesfürchtigen Menschen aus der Schrift viel mehr geschichtliche Ereignisse und Heldentaten kennen als von Johannes. Christus sagt aber über Johannes, dass kein grösserer von einer Frau Geborener vor Johannes aufgestanden ist. Er war also grösser als Mose, Hiob, David, Salomo und Daniel (Lk 7,28). Trotz seines hohen Standes rangierte er noch weit hinter einem anderen, das ist Jesus Christus, Gott, im Fleisch gekommen. Diesen Jesus Christus, durfte er immerhin ankündigen, was allein schon eine gewaltige Ehre war. Nach dieser Ankündigung musste er wieder in den Hintergrund treten, damit Christus sein Werk uneingeschränkt tun konnte.

Vers 31

Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde her. Der vom Himmel kommt, ist über allen; Joh 3,31

Christus, der von oben kommt, ist über allen. Christus ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende (Offb 22,13), alles wurde und hat Bestand durch Ihn (Kol 1,16.17).

Der von der Erde redet (Johannes der Täufer) ist von der Erde und redet von der Erde her, was bedeutet, dass sein Wissen sich auf das Irdische beschränkt. Johannes kannte und vermochte nicht so viel, wie Christus wusste und wirken konnte. Johannes‘ Anfang war bei Zacharias und Elisabeth, seinen Eltern. Christus hat hingegen keinen Anfang, Er war schon immer. Seine Menschwerdung war zwar tatsächlich vor 2000 Jahren; darin hat Er einen „Anfang“. Er kam in Bethlehem zur Welt. Aber das war nur die Fleischwerdung Gottes, nicht sein wirklicher Anfang, den es nicht gibt. Gott ist ohne Anfang und ohne Ende. So unermesslich erhabener ist Christus als das Beste, das die Welt bieten konnte, unermesslich erhabener war Er als Johannes der Täufer.

Vers 32

was er gesehen und gehört hat, das bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an. Joh 3,32

Was dieser absolut herrliche Christus gesehen und bezeugt hat, was dieser vom Himmel her redet, wogegen selbst die Besten der Welt nur von der Erde her reden können, nimmt niemand an. – Wie ist das zu verstehen? War der Dienst des Johannes vergeblich gewesen, der doch die Menschen auf das Erscheinen Christi vorbereiten sollte? – Ja und Nein! Mit dem Dienst des Johannes zeigte Gott eine weitere Facette seines herrlichen Charakters. Gott wollte nicht, dass, wenn Er kommt, das Volk in einem sehr bösen Zustand vorfindet und Er es mit dem Bann schlagen muss. Er sandte Johannes, damit Er dem Volk wohlgesinnt begegnen konnte:

Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage. Mal 3,24

Der Dienst des Johannes war also die Offenbarung eines herrlichen Charakterzuges Gottes. Doch er war nicht nur das, denn viele aus dem Volke Gottes liessen sich taufen und gereuten ihre Sünden, ausser – und wen wundert‘s – die Pharisäer und die Schriftgelehrten. Die religiöse Elite wähnte sich vor Gott in Ordnung zu sein.

Und doch musste Johannes der Täufer sagen: „Und sein Zeugnis nimmt niemand an.“ Das Volk war sehr wankelmütig; es hinkte auf beiden Seiten, wie es schon zur Zeit Elias der Fall war (1. Kö 18,21). Es liess sich zwar taufen und bereute seine Sünden. Es liess sich von Christi Wunder beeindrucken und sie glaubten auch an Christus. Doch irgendwo liessen sie die Festigung ihres Glaubens nicht zu, sodass ihnen ihr Wankelmut zum Fallstrick wurde. Am Ende waren sie durch den Einfluss der Pharisäer und Schriftgelehrten sogar noch schlimmer dran als am Anfang, als Johannes der Täufer aufgetreten war. Am Ende waren sie nicht nur gleichgültig gegen Gott, wie am Anfang, am Ende brachten sie Christus sogar aktiv zu Tode. Deshalb konnte Johannes schon am Anfang und obschon sich während seiner Zeit die Leute (oberflächlich) zu Gott bekehrten, prophetisch sagen: „Sein Zeugnis nimmt niemand an.“

Das ist eine sehr ernsthafte Belehrung der Heiligen Schrift! Wir sollten uns befleissigen, die „unverfälschte Milch“, das ist sein Wort, täglich zu uns zu nehmen (1. Petr 2,2). Wer sich nicht um die Festigung seines Glaubens kümmert und einfach ein wenig mitläuft, bis ihm plötzlich eine schwere Prüfung begegnet, hat keine Substanz in sich, diese zu bestehen. Ein solcher Mensch, der zuvor neutral gegenüber dem Glauben eingestellt war, wird nach nicht bestandener Prüfung sogar aktiv gegen Gott wirken. – Was ich an dieser Stelle schreibe, tue ich nicht ausschliesslich wegen des Verses Joh 3,32. Es entspricht auch meiner Lebenserfahrung und meinen Beobachtungen im Christentum: Wenn jemandem, der verlernt hat, allezeit am HERRN festzuhalten, eine schwere Prüfung begegnet, fällt er ab und sein Ende ist schlimmer als der Anfang. Lassen Sie uns daher das Schriftwort ernst nehmen, lassen Sie uns nach der vernünftigen und unverfälschten Milch begierig sein, gemäss der Aussage des Petrus:

1 Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden,
2 und seid wie neugeborene Kinder begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch – damit ihr durch sie wachset zur Rettung –
3 wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist! 1.Petr 2,1-3

Dadurch wachsen wir zur Rettung und nicht zum Verderben. Verderben ist der Lohn für weltlichen Wandel. Amen!

Vers 33

Wer sein Zeugnis angenommen hat, der hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. Joh 3,33

Wer annimmt, was Christus von sich sagt, was Christus von sich bezeugt, der hat besiegelt das Gott nicht lügt. Wer hingegen nicht annimmt, was Christus von sich sagt, nennt Gott einen Lügner, denn Christus ist Gott (Joh 1,1). Wer annimmt, was der Vater über Christus sagt, hat besiegelt, dass Gott nicht lügt, denn der Himmlische Vater ist Gott, der Allmächtige, über dem niemand stehen kann (Joh 10,29). Wer hingegen nicht annimmt, was der Vater über Christus sagt, nennt Gott einen Lügner, denn Gott ist der im Fleisch gekommene Christus (Joh 1,14).

Vers 34

Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn er gibt den Geist nicht nach Mass. Joh 3,34

Zum ersten Teil des Verses: Christus führte alles aus, was Ihm sein Vater aufgetragen hatte. Er sprach die Worte Gottes und tat die Werke Gottes, wie geschrieben steht:

Ich aber habe das Zeugnis, das grösser ist als das des Johannes; denn die Werke, die der Vater mir gegeben hat, dass ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat. Joh 5,36

Zum zweiten Teil des Verses: Da Christus mit dem Vater eins ist, tut Er, was der Vater tut. Wie der Vater den Geist gibt (Lk 11,13), gibt ihn Christus auch. Weiter sagt uns dieser Vers, dass der Geist nicht rationiert abgegeben wird. Soviel wie jeder vom Heiligen Geist benötigt, kann er auch bekommen. Die einen stossen dieses Angebot zurück und haben nichts davon und andere, die danach trachten, in Gott zu sein, bekommen zigfachen Anteil.

Vers 35

Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Joh 3,35

Eltern die verständige Kinder haben, können diesen Vers gut verstehen. Verständige Kinder kann man schon früh in die Nachfolge des elterlichen Betriebs nehmen, sie handeln verantwortungsbewusst. Und die elterliche Liebe möchte die Wohlfahrt der Nachkommen.

Genau in dieser väterlichen Art handelte der Himmlische Vater mit seinem Sohn. Sein Sohn gab sich Ihm hin; Er hörte in allen Dingen auf die Stimme des Vaters. Der Vater liebt Ihn und hat alles in seine Hand gegeben. Der Vater weiss, dass der Sohn alle Dinge im Sinne des Vaters ausführen wird; weshalb sollte Er Ihm also etwas versagen?

Nun ist es Tatsache, dass alles dem Sohne Gottes übergeben ist. Wer den Sohn nicht ehrt, verleugnet auch den Vater, der Ihm alles übergeben hat. Niemand kann nun also sagen, er tue den Willen Gottes, wenn er Gottes Sohn, das ist Jesus Christus, ignoriert oder gar ablehnt.

Vers 36

Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Joh 3,36

Dieser Vers wirkt der oft beobachteten Irrmeinung entgegen, Gott vergebe ohne Wenn und Aber einfach alles, denn es steht geschrieben: „Wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“

Es gibt nun tatsächlich Menschen, die den Weg Gottes verlassen und dann später für einige Zeit vor dem HERRN ihre üblen Taten „bereuen“, ohne aber wirklich umzukehren. In Wahrheit haben diese Leute entschieden, auf dem selbst gewählten Weg zu bleiben. Sie denken sich aber, nach einer gewissen Zeit der „Klage“ vor Gott, würde ihnen Gott vergeben. Gott würde ihnen vergeben, wie es ihre neuen „Freunde“ lehren, die oft in denselben Sünden leben. Die Tatsache ist aber: Gott vergibt durch heuchlerische Beteuerungen vor Ihm rein gar nichts, wie dem bösen Ahab nicht vergeben wurde (1. Kö 22,8), da er sich nicht auf Gottes Wege begeben wollte. Seine selbstgewählten Pfade gefielen dem König von Israel offensichtlich besser. Dasselbe gilt für Menschen, die sich noch nie zu Gott bekehrt haben: Sündenvergebung erhält niemand durch heuchlerische Busse, auch bekommt man sie nicht durch Selbstkasteiung, wenn keine Umkehr vom selbstgewählten Weg vorliegt. Das ist ein allgemeiner Grundsatz.

Echte Busse bedeutet echte Umkehr. Echte Umkehr bedeutet ein Zurückkommen unter den Gehorsam Jesu Christi. Alle anderen selbst erfundenen Rituale und Lehren sind wert- und nutzlos. Amen.

Kapitel 4

Vers 1

Als nun der Herr erkannte, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes Joh 4,1

Wie Johannes der Täufer gesagt hatte, begannen sich die Ereignisse zu entwickeln: Johannes nahm ab und Christus nahm zu (Joh 3,30). Johannes‘ gute Werk war bald der Vollendung nahe; er war bereits im Begriff, abzunehmen.

Obschon sich alles in rechten Bahnen abspielte, berücksichtigte der HERR stets alle Eventualitäten, die den Auftrag des Vaters oder den Dienst seines Dieners Johannes hätten einschränken können. Weil die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes, entschloss sich der HERR, mögliche Falschinterpretationen der Situation zu unterbinden. Der HERR wollte nicht, dass der Anschein von Konkurrenz zwischen Ihm und Johannes entstehe. Johannes und der HERR waren im Einklang für Gottes Sache unterwegs. Die Pharisäer waren aber sehr irdisch eingestellt und der Eindruck von zwei sich gegenseitig messenden Parteien konnte schnell in ihrer Vorstellung aufkommen, die falsche Ansicht, dass jeder Prediger, Johannes bzw. Christus, für die eigene Sache und für den eigenen Ruhm unterwegs seien. Aufgrund dessen handelte Christus weise und umgehend, wie wir nachfolgend sehen werden.

Vers 2

- obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger –, Joh 4,2

Johannes taufte selbst, dort taufte der „Chef“, nicht die Jünger. Bei Jesus tauften (lediglich) die Untergebenen, die Jünger. Trotz dieses Umstandes machte Jesus mehr Jünger. – Was können wir daraus lernen?

Es war bestimmt, dass Johannes abnehmen und Jesus zunehmen musste. Daher spielte keine Rolle, ob Jesus selbst taufte oder nicht, es war Ihm von oben bestimmt, dass sein Einflussbereich wuchs. Die Werke des Vaters sind gegeben, der Mensch muss nur darin wandeln.

Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. Eph 2,10

Wem im Reich Gottes der „nördliche Platz“ angewiesen ist, soll auf dem nördlichen bleiben, wem der „südliche Platz“ angewiesen ist, soll auf dem südlichen bleiben. Wer viel zu verwalten hat, soll in seiner Verwaltung treu sein, wem wenig anvertraut worden ist, soll auch diesem Wenigen treu sein. Wem wenig anvertraut worden ist, soll seine Klugheit nicht einsetzen, um mehr zu bekommen, mehr als das, das er selbst noch gut zu verwalten vermag. Selbst wenn er die Vermehrung zur Chefsache macht, wird er den nicht überflügeln, dem von Gott mehr zu verwalten bestimmt ist.

Wir sollen im Reich fleissig dienen, und Fleiss bringt einen guten Ertrag. Aber wir können nicht, wenn uns ein Haus zu verwalten anvertraut ist, danach trachten, einhundert Häuser zu verwalten. Der HERR vergibt die Verwaltung seines Reiches wohlüberlegt, nämlich nach den Fähigkeiten des jeweiligen Dieners, damit niemand unter- oder überfordert wird (Mt 25,15). Die Verwaltung wird sich bei fleissig dienenden Christen sowieso vergrössern, im Gleichnis der Treue bis zur Verdoppelung (Mt 25); im Gleichnis des Fleisses bis zur Verzehnfachung (Lk 19,11 ff.).

Vers 3

verliess er Judäa und zog wieder nach Galiläa. Joh 4,3

Wie ich bereits im Kommentar zum Vers Johannes 4,1 erwähnt habe, berücksichtigte der HERR alle Eventualitäten, die den Auftrag des Vaters oder den Dienst seines Dieners Johannes hätten einschränken können. Weil die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes, entschloss sich der HERR sofort, mögliche Falschinterpretationen der Situation zu unterbinden. Ein falscher Anschein von Konkurrenz zwischen Ihm und Johannes durfte nicht aufkommen. Deshalb zog der HERR nach Galiläa und überliess die judäische Gegend dem guten Werk des Johannes.

Unser HERR ist von jeder Seite her betrachtet unübertroffen weise, liebevoll und gnädig. Er sei gelobt in Ewigkeit! Amen.

Vers 4

Er musste aber durch Samaria ziehen. Joh 4,4

Jesu Weg nach Galiläa führte durch das Gebiet Samaria. Christus hätte Samaria auch meiden und einen Umweg nach Galiläa nehmen können. Doch Christus, der immer im Willen des Vaters wandelte, „musste“ durch Samaria ziehen. In den nachfolgenden Versen werden wir den Grund erkennen, nämlich, dass Gott viele Menschen in diesem Gebiet hatte, die gerettet werden sollten, obschon die Samariter keine Israeliten waren. Das Volk der Samariter entstand nämlich folgendermassen, der Heilige Geist liess es in der Heiligen Schrift festhalten:

Und der König von Assur brachte Leute aus Babel und aus Kuta und aus Awa und aus Hamat und aus Sefarwajim und liess sie an Stelle der Söhne Israel in den Städten Samarias wohnen. Und sie nahmen Samaria in Besitz und wohnten in seinen Städten. 2.Kön 17,24

Menschen aus Babel, Kuta, Awa, Hamat und Sefarwajim liess der König von Assur an der Stelle der Söhne Israel in Samaria und den umliegenden Städten wohnen. Die Söhne Israel wurden hingegen nach Assur deportiert (2. Kön 17, 23).

Jesus Christus zeigte mit der Durchreise und dem 2-tägigen Aufenthalt in Samaria auf, dass Er gekommen war, alle Menschen zu retten. Viele Juden wollten das nicht wahrhaben, sie glaubten, Gottes Gnade gelte nur für das judäische Volk; selbst Petrus musste diese Wahrheit eindrücklich vorgeführt bekommen, um die Bereitschaft zu erlangen, Gottes Gnade ungehemmt den Nationen zu verkündigen (Apg 10,13 ff.).

Vers 5

Er kommt nun in eine Stadt Samarias, genannt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Joh 4,5

Der von der religiösen Elite seines eigenen Volkes verworfene Messias kommt zur Stadt Sychar. Es war ein historisch bedingt sehr emotionaler Ort, Jakob gab dort in der Nähe seinem Sohn Josef ein Feld. Doch anstatt sich die Söhne Josef zusammen mit den anderen Nachkommen von Jakob im Land auf Dauer ausbreiten und in der Freude Gottes und seinem Segen leben konnten, gaben sie das ganze Erbe durch ihre Sünden aus der Hand. Zur Zeit Jesu lebten schon seit geraumer Zeit Fremde an diesem geschichtsträchtigen Ort.

Wie musste sich der Messias dort gefühlt haben! Er war einsam, durch das eigene Volk verworfen und jede Wahrnehmung zeugte nur von einer negativen Entwicklung. Die Herrlichkeit Josefs bzw. seiner Nachkommen war gewichen, das Volk war nach Assur deportiert, das Israel verheissene Land war von Fremden bewohnt. Nichts war so, wie es Gott in seiner Freude über Abraham und seine Nachkommen beschlossen hatte, um sie im Frieden und in der Freude in einem sehr fruchtbaren Land wohnen zu lassen. Es herrschte ein Zustand vor, der, im vollen Ausmass erkannt, für jemanden, der Israel liebte, praktisch unerträglich war.

Vers 6

Es war aber dort eine Quelle Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich ohne weiteres an die Quelle nieder. Es war um die sechste Stunde. Joh 4,6

Das gute Werk Jakobs überstand den grossen Verlust, den Niedergang des Volkes. Der Brunnen Jakobs stand noch immer und stillte die Bedürfnisse der dort ansässigen Menschen. Er stillte die Bedürfnisse der Juden sowie später jene der Samariter. Das hat eine symbolische Bedeutung. Es zeigt schattenhaft das Werk Christi. Christus grub ebenfalls einen beständigen „Brunnen“ für sein Volk. Die Quelle Christi überstand auch den selbstverschuldeten Niedergang der jüdischen Nation und stillte danach die Bedürfnisse der Heidenvölker bis auf den heutigen Tag. Wenn Israel wiederhergestellt ist, wird Er den Durst aller Menschen aus allen Volksgruppen in Ewigkeit stillen.

Die Arbeit im Ackerfeld Gottes ist nicht immer nur leicht und erledigt sich auch nicht stets quasi von selbst. Leider wird das an einigen Orten so gelehrt, was aber nicht der Wahrheit entspricht. Unser Vorbild in allen Dingen, Christus, ermüdete selbst auch und brauchte Ruhepausen. Seine Reise war strapaziös gewesen und seine ständige Verwerfung war für seinen seelischen Antrieb bestimmt auch nicht förderlich.

Es war um die sechste Stunde bedeutet, dass es zwölf Uhr mittags war; die Sonne stand am Zenit und die Temperaturen stiegen dem Tageshoch entgegen. Es war nicht die Tageszeit, schwere Arbeiten zu erledigen.

Vers 7

Da kommt eine Frau aus Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Joh 4,7

Wie vorausgehend erwähnt, war es nicht die Zeit, in der heissesten Periode des Tages Wasser zu schöpfen. Doch in ebendieser Stunde kam die Frau, welche Wasser holen und nach Hause tragen wollte. Die Frau kam nicht in der Kühle des Morgens oder des späten Abends zusammen mit den anderen Frauen, denn sie war eine Ehebrecherin, die bereits mit dem sechsten Mann zusammen war. Sie hatte die Männer der anderen Frauen gestohlen. Die betrogenen Frauen hätten sie nie zusammen mit ihnen beim Brunnen geduldet, ohne ihr deutlich zu machen, was sie, gelinde gesagt, für ein Luder sei. Sie hatte Familien zerstört, Kinder wie zu Halbwaisen gemacht und hätte gemäss dem heiligen und guten göttlichen Gesetz (Rö 7,12) schon mindestens fünf Mal gesteinigt werden müssen, denn sie war bereits mit dem sechsten Mann zusammen. – Zu dieser offenkundig vollkommenen Sünderin, sprach Jesus: „Gib mir zu trinken!“ Christus sprach nicht zu ihr: „Weisst du eigentlich, wie sündig du vor Gott bist und was ich dir jetzt dem Gesetz nach antun sollte?“ Christus sprach zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Christus liess sich im Blick auf seinen Auftrag auf Erden weder von den negativen Gefühlen seiner krassen Verwerfung als Schöpfer und Gott seines Volkes beeinflussen. Er musste sehr über all das Böse und die Ablehnung der Menschen verletzt gewesen sein. Diese Frau, die mit ihrem Leben Gott ins Gesicht gespuckt hatte, „fehlte“ Ihm gerade noch, als Er sich müde und geschwächt hingesetzt hatte. Wie leicht wäre uns im selben Kontext ein verächtliches Wort an die Adresse dieser gesellschaftlich völlig rücksichtslosen Frau entfahren!

Doch anstatt sie zu vernichten, löschte Er den „glimmenden Docht“ nicht aus und zerbrach das „geknickte Rohr“ nicht (Jes 42,3). Er sah, dass die Hoffnung für eine allfällige Rettung dieser Frau noch nicht ganz verloren war und stellte seine ganze Enttäuschung über den Niedergang seines Volkes und den Ungehorsam der Nationen beiseite und fokussierte sich auf die Rettung dieser völlig verlorenen Seele. – Lassen Sie mich dabei kurz innehalten und auf seine absolut perfekte und edle Haltung hinweisen! Er ist der allmächtige Gott und der perfekte Mensch! So liebevoll und trotzdem gerecht ist niemand anders! Er sei gelobt in Ewigkeit! Amen.

Mit dem Einstieg: „Gib mir zu trinken!“, weckte Er ihre Aufmerksamkeit bzw. öffnete Er ihr Ohr und sagte ihr, dass sie für Ihn noch wertvoll war. In seiner völligen Erniedrigung gewann Er ihr Vertrauen, denn Vorwürfe hätte sie wohl eher abgeschreckt, obschon sie partout keine Rechte mehr für Gnade besass. Aber sie war von Gott noch nicht aufgegeben. – Die nachfolgenden Begebenheiten zeigen auf, ob sie würdig war, gerettet zu werden oder ob sie mit ihrem folgenden Verhalten ins völlige und endgültige Verderben gestürzt werden sollte. Es kam nur das eine oder das andere in Frage, da Gott kein Allversöhner ist. Wäre Gott Allversöhner, gäbe es die Hölle nicht. Die Liebe Gottes ist in der Tat grenzenlos, sie offenbart sich genau so barmherzig, wie der HERR an dieser Stelle der Sünderin begegnet. Wer aber daraus den Schluss zieht, Gott mache damit seine Gerechtigkeit ungültig, hat die Wahrheit nicht erkannt. Denn es heisst weiterhin im Neuen Testament (und die Schrift kann nicht aufgelöst werden): Wer nicht Busse tut, wird verdammt werden.

Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden. Mk 16,16

Wie dieser Vers in der ewigen Schrift da steht, wird er umgesetzt werden. Der Gedanke der Versöhnung in jedem Fall ist schriftwidrig. Es werden Menschen verloren gehen; Judas ist beispielsweise einer dieser Verlorenen, von dem wir es mit Sicherheit wissen (Mt 26,24; Mk 14,21). Amen.

Vers 8

- Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen. – Joh 4,8

Gott ist dem Sünder, der durch seine Übertretungen vor Ihm überhaupt keine Rechte mehr besitzt, trotzdem noch so gnädig, dass die Offenbarung dieser Sünden zumindest beim ersten Mal im Verborgenen geschieht, zwischen dem Sünder und Gott oder dem Sünder und einem Diener Gottes allein. Das ist die gnadenvolle und herrliche Regel, die wir auch schon aus Mt 18,15 kennen. Es hätten zu dieser Stunde bestimmt nicht alle Jünger zusammen in die Stadt zu gehen brauchen, doch Gott hatte es so in seiner Gnade veranlasst, damit die Sünderin mit ihren Vergehen nicht vor weiteren Anwesenden blossgestellt werde, wie es im folgenden Vers 18 offenkundig wird.

Vers 9

Die samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein Jude bist, von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin? – Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern. – Joh 4,9

Christus hatte durch die Aufforderung: „Gib mir zu trinken!“, das Ohr dieser Frau geöffnet. Er weckte ihr Interesse auf sanfte Art, ohne ihr ihre Vergehen gleich zu Beginn des Gesprächs vorzuhalten, obschon die Frau gemäss Gesetz fünfmal hätte gesteinigt werden sollen. Wohlbemerkt: Die Frau hatte kein einziges Anrecht auf etwaige Rücksichtnahme; fünfmal, die volle Zahl für Verantwortlichkeit, hatte sie todeswürdig gesündigt.

Christus begegnete ihr in einer für Menschen unfassbaren Gnade, mit etwa diesen Gedanken: „Wenn ich einen Funken von Glauben in ihr finden werde, werde ich alle ihre offenen Rechnungen bezahlen und ich weiss heute schon, dass ich allein schon für die Sünden dieser einzigen Frau mein Leben werde lassen müssen, denn die Rechtsforderung des Gesetzes für Ehebrecher (3. Mo 20,10) steht unerbittlich im Raum gegen sie und ohne Blutvergiessen gibt es keine Vergebung (Heb 9,22).“ Seine nachfolgend beschriebene Haltung gegenüber dieser Frau hat nicht nur sie, sondern die Menschheit gerettet, nämlich alle die glauben:

In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen. Wer aber wird sein Geschlecht beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.« Apg 8,33

Seine Erniedrigung rettete uns das Leben. Seine Erniedrigung rettete der Samariterin das Leben. Hätte Er seinen Platz im Himmel nicht verlassen und überhaupt sein ganzes Leben verleugnet, wäre niemandem Gnade wiederfahren. Nur das furchtbare Gericht über die Sünden hätte uns erwartet, dem niemand hätte widerstehen können, denn kein Mensch ist ohne Sünde (Ps 14,3). Die in Apg 8,33 zitierte Stelle aus dem Propheten Jesaja erwähnt bereits Christi Opfer für die Menschen. Lesen wir, was Jesaja sagte:

Aus Drangsal und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über sein Geschlecht nachsinnen? Denn er wurde abgeschnitten vom Lande der Lebendigen. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Jes 53,8

Die Strafe hat Ihn getroffen, weil Er sich freiwillig für uns von ihr hat treffen lassen. Er hätte überhaupt nicht zu sterben brauchen, wie wir es aus der Begebenheit im Garten Gethsemane sehen, wo Er festgenommen wurde. Er hätte mehr als zwölf Legionen bereitstehende Engel zur Verfügung gehabt, welche die Festnahme mehr als nur vereitelt hätten (Mt 26,53). Kein einziger der Schar, die zur Gefangennahme Jesu abgesandt war, wäre bei einem Showdown (Kräftemessen) gegen 12 Legionen Engel am Leben geblieben. Wir erinnern uns: Ein einziger Engel kann es alleine mit 185‘000 Mann aufnehmen, ohne zu Schaden zu kommen (2. Kö 19,35), die Schar bestand höchstens aus 600 Mann, wenn sie zahlenmässig mit einer römischen Schar (Kohorte) vergleichbar war. Persönlich glaube ich, dass es viel weniger Männer waren, was nochmals bekräftigt, das Christus sich von ihnen völlig freiwillig festnehmen liess. Eine Legion umfasste bei den Römern 3‘000 bis 6‘000 Soldaten. Nehmen wir den kleinen Wert, 3‘000 Soldaten für eine Legion. Wenn nun der HERR 12 mal 3‘000 Engel zur Verteidigung zur Verfügung hatte, sind das 36‘000 Engel. Jeder davon hätte 185‘000 Mann vernichten können, ohne einen Kratzer abzubekommen. Somit wären die 36‘000 Engel mit 555‘000‘000 (555 Millionen) Soldaten spielend leicht fertiggeworden. Und der HERR sagte, der Vater hätte Ihm noch mehr stellen können, also mehr als 12 Legionen. Damit können wir uns mit völliger Sicherheit gewiss sein, dass der HERR in der Eigenschaft als Mensch nie in Gefahr war, etwas tun zu müssen, dem Er nicht selbst zugestimmt hatte. In der Eigenschaft als Gott hätte Er nur den Odem (den Geist) zurückziehen müssen, dann wären alle Gegner – ohne die kleinste Kampfhandlung – tot umgefallen.

Christus erniedrigte sich für uns nicht „nur“ soweit, dass Er vom Himmel zur Erde herabstieg. Er erniedrigte sich sogar unter eine fünffache Ehebrecherin, indem Er selbst als Jude zuerst von ihr Wasser annahm, um, wie erwähnt, bei ihr die Neugierde zu wecken bzw. ihr Ohr zu öffnen, damit sie gerettet werden konnte. – Es gibt keinen nur annähernd vergleichbar herrlichen Menschen wie Christus Jesus! Amen!

Vers 10

Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken! so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Joh 4,10

Hier bietet Christus der Frau seine Gnade an, im Bewusstsein, dass Er für die Umsetzung allein dieser wird für fünffache Todsünde büssen müssen. Das Angebot Christi war kein billiges. Es ist im Gleichnis so, wie wenn ein reicher Mann einen armen Menschen auslöst, der durch falsches, jedoch selbstverschuldetes Handeln in grösste Schwierigkeiten geraten ist, da er vorsätzlich zu schnell mit dem Tanklaster seines Arbeitgebers in eine Kurve fuhr. Dabei kippte der Laster, fing Feuer und fackelte das eben neu fertiggestellte Spital eines armen Landstriches nieder, das mit grossen Entbehrungen von der Bevölkerung gebaut wurde. Die Einheimischen sind so aufgebracht, dass sie den leichtsinnigen Unfallverursacher eingesperrt haben, um ihn später gemäss der Forderung des Gesetzes für solch leichtsinnige Vergehen zu Tode zu bringen. Die Lösegeldsumme für diesen Eingesperrten, der so unbesonnen gehandelt hatte, wird sehr hoch angesetzt: Der gesamte Schaden ist zu bezahlen sowie eine Genugtuungssumme, um den Zorn des Gesetzgebers zu beschwichtigen. So schreibt es das lokale Gesetz vor, sonst wird der Mann ohne Gnade hingerichtet werden. Darauf kommt ein reicher Mann und unterzeichnet den Schuldschein des eingesperrten Verbrechers und verspricht, ihn auszulösen, obschon ihn die Forderung alles kosten wird, was er an Besitztümern hat. – Das Unterzeichnen des Schuldscheins kostet den Reichen noch nichts, doch er ist sich voll bewusst, was es heisst, den Schuldschein dann einzulösen. Ohne Unterschrift ist er frei und kann weiter seinen Reichtum geniessen. Mit der Unterschrift besiegelt er das Ende seiner Wohlfahrt.

Mit dem Rettungsangebot Christi an diese Samariterin wusste Christus, dass Er im Garten Gethsemane nicht auf die 12 Legionen Engel wird zurückgreifen dürfen, wenn Er das Angebot zur Rettung für diese Frau aufrechterhalten und damit Wort halten möchte. Das bedeutet: Die Gnade Gottes ist keine billige Gnade! Leider wird sie allzu oft als solche von Christen und sogar ganzen Gemeinden dargestellt! Die weit verbreitete Meinung ist, Gott würde seine Gnade einfach so für alles zur Verfügung stellen und sie ausstreuen, wie ein unendlich reicher Mann seine 10 Euro Scheine überall verteilen könnte. Wer so denkt, hat nicht viel davon verstanden, was Christus für die Gnade aushalten musste! So leichtfertig über die Gnade denkende Menschen tut es gut, nochmals genau durchzulesen, was nur schon vor der Festnahme Christi vor sich ging:

37 Und er nahm den Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit und fing an, betrübt und geängstigt zu werden.
38 Dann spricht er zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir!
39 Und er ging ein wenig weiter und fiel auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber! Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Mt 26,37-39

Christus hatte sehr grosse Angst vor der Begleichung der Rechnung, welche die Menschen in der Ablehnung Gottes, im Leichtsinn und Übermut des Lebens und in vorsätzlicher Bosheit aufsummiert hatten! Er stand aber hin und sagte dem Gesetzgeber, dessen Gesetz vom Menschen völlig gebrochen worden war: Ich übernehme den Schaden, damit die Menschen nicht für den Rest der Zeit im Feuersee schmoren müssen! – Was für eine Liebe und was für eine kostbare Gnade!

Wer nun leichtfertig sündigt, auch wenn er glaubt, das tun zu müssen, weil er seine Umstände als unhaltbar betrachtet, hat wenig vom Leiden Christi verstanden, wenn überhaupt. Ein solcher betrachtet die Gnade Christi als billige Gnade, als Gnade, die Gott einfach so und ohne weiteres verteilen kann. Gott kann alles ohne weiteres tun, doch die Gnade hat Ihn alles gekostet, nämlich das kostbare Leben seines Sohnes. Wäre die Gnade billig, wäre das Verwerfen dieser Gnade nicht unter eine so hohe Strafe gestellt. Nun ist sie es aber, weil eine Missachtung dieser Gnade, z. B. durch wissentliches in Kauf nehmen von Sünde, wie Ehebruch, Inzest und alle weiteren beispielsweise im 3. Mo 18 und vielen anderen Stellen erwähnten Verfehlungen, ein sprichwörtliches und verächtliches Herumtrampeln auf dem Blute Christi darstellt. Lesen wir dazu, was der Heilige Geist im Hebräerbrief zu diesem Thema sagt:

26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig,
27 sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.
28 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin.
29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«
31 Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Hebr 10,26-31

Da stehen genau die gegenteiligen Worte von denen der Beschwichtigung, welche in liberalen Gemeinden Ehebrecherinnen, Ehebrechern und sonst mutwillig sündigenden Geschwistern zugesprochen werden. Und sie stehen in voller Kraft im Neuen Testament. Wehe mutwillig sündigenden Geschwistern, die nicht vom bösen Weg völlig umkehren! Die Gnade Christi ist nicht billig, die Lösegeldsumme ist äussert hoch, gerne erwähne ich es mehrmals aufgrund von vielerorts offensichtlich praktizierten falschen Lehrmeinungen. Auch wer aufgrund dieser grossen Höhe des Lösegeldes „kleine“ Sünden wissentlich in Kauf nimmt (sie werden ja dann wieder vergeben, mag man denken), wurde auch schon vom Bösen verleitet, wie geschrieben steht:

Ja, dass deine Erregung dich nur nicht zum Höhnen anstiftet und die Grösse des Lösegeldes dich nicht verleitet! Hiob 36,18

Lassen Sie uns den wahren Wert der Erlösung erkennen und ihn dankbar in unseren Herzen bewahren! – Lassen Sie mich kurz zusammenfassen: Jesus Christus bietet, wie erwähnt, dieser ehebrecherischen Frau die Erlösung an, wohl wissentlich, dass er stellvertretend für sie wird sterben müssen! Was für eine Gnade! Was für eine kostbare Gnade! Amen.

Vers 11

Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäss, und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn das lebendige Wasser? Joh 4,11

Die Aufmerksamkeit der Frau war da, sie hörte auf die Rede des HERRN und ging auf seine Äusserungen ein. Sie fragte sich, was das für Wasser sei und woher es komme. – Das Vorgehen des HERRN war und ist in jedem Aspekt sehr viel besser, als es die besten weltlichen Lehrer in der Wissensvermittlung bewerkstelligen könnten. Der HERR wusste bei dieser Frau, dass sie sehr schuldbeladen war und sie demgemäss bereits von ihrem Gewissen, welches von Gott kommt, angeklagt wurde. Und der Mensch will besonders in der Öffentlichkeit nicht blossgestellt werden. Hätte Er sie direkt auf die Sünde angesprochen, selbst wenn es in weltlich „guter Art“ gewesen wäre, hätte der Erfolg ausbleiben können. Die Bibel sagt klar aus, dass Ehebrecherinnen keinesfalls ihre Verfehlung zugeben, vielmehr tun sie so, als ob nichts geschehen sei:

So ist der Weg einer ehebrecherischen Frau: Sie isst und wischt ihren Mund und sagt: Ich habe nichts Unrechtes getan! Spr 30,20

Deshalb lenkte der HERR das Interesse zuerst auf sich und sein Angebot, obschon all dies in den Augen der Frau noch rätselhaft erschien. Sie hörte von angebotenem Wasser, konnte es aber nicht fassen, da ihre weltliche Vorstellung sagte, Jesus sei gar nicht imstande, ihr ohne Schöpfgefäss etwas Derartiges anzubieten.

Vers 12

Du bist doch nicht grösser als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank daraus und seine Söhne und sein Vieh? Joh 4,12

Nun begann die Frau von Dingen sprechen, die selber nicht einmal richtig kannte. Sie lebte im Irrglauben und wähnte sich einem Volk zugehörig, das göttliche Verheissungen hatte. Die Verheissungen waren und sind in der Linie von Abraham, Isaak und Jakob. Sie sind nicht in der Linie von Abraham und Ismael, wie viele denken. Auch sind sie nicht den übrigen Nationen gegeben, wie beispielsweise damals den Samaritern. Die Samariterin, die zugab, dass sie keine Jüdin war, nannte trotzdem Jakob ihren Vater und setzte sich damit in die Linie des Volkes, das die Verheissungen Gottes hatte. – Sehen Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, wie sehr man sich selber zum Narren halten kann? Ich kann beispielsweise von mir sagen, ich sei ein US-Amerikaner. Das kann ich mir über Jahre einbilden. In Wahrheit bin ich es aber nicht und habe damit die entsprechende Staatsbürgerschaft und die Vorteile nicht, die darin inkludiert sind. Wenn ich von einer Terrorgruppe entführt werden würde, würde sich das US-Militär nicht explizit um mich wie um einen entführten US-Staatsbürger kümmern. Ich würde wohl nicht – sollte es nötig sein – mit einem gewaltigen Chinook Helikopter, welcher im Begleitschutz von mehreren feuerstarken Apache Hubschraubern heranflöge, und der Hilfe von zu allem entschlossenen Elitesoldaten, aus den Klauen der Terroristen gerettet werden, wie es die Amerikaner mit ihren Staatsbürgern in Notsituationen zu tun pflegen. Ich bin nun mal nicht ein Bürger dieser militärisch sehr starken und stolzen Nation, auch wenn ich es mir über Jahrzehnte einbilden würde, wie erwähnt. Die Samariterin sah sich aber schon als eine von Jakobs Nachfahren, denn sie nannte Jakob ihren Vater. – In eine üblere Situation kann man nicht kommen: Die Samariterin hatte sich vor Gott die Schuld für fünffaches todeswürdiges Vergehen aufgeladen und wähnte sich zu alledem als Nachfahrin Jakobs, in der Linie des Volkes mit Verheissungen! Wie blind und lebendig tot diese Frau doch war! Ihre Verlorenheit und Hoffnungslosigkeit ist nicht mit Worten zu beschreiben! Wenn sie vor der Begegnung mit Jesus Christus gestorben wäre -, was hätte es für ein Erwachen vor Gericht gegeben! Die Flammen der Hölle hätten auf sie gewartet und nicht die Segnungen, welche sie sich eingebildet hatte!

Die hier beschriebene und unsägliche Verblendung ist lägst kein Einzelfall einer Frau der Antike. Auch heute, in der sogenannt aufgeklärten Gesellschaft, trifft man überall auf derart geistlich irregeleitete Menschen. Da sind überall Menschen, die tatsächlich glauben, sie hätten etwas zu gut bei Gott. Oder sie denken, sie kämen ohne weiteres im Gericht gut weg. In Wahrheit sind sie aber durch ihre vielen Verfehlungen nur sündig und vor dem Allmächtigen verurteilt (Kol 3,6), der Richter über die ganze Erde ist.

Wussten Sie, dass der Tag des HERRN furchtbar sein wird? Im Alten Testament wird er so beschrieben:

Siehe, der Tag des HERRN kommt, grausam mit Grimm und Zornglut, um die Erde zur Wüste zu machen; und ihre Sünder wird er von ihr austilgen. Jes 13,9

Im Neuen Testament werden sogar Einzelheiten dazu genannt. Zum Beispiel wird in der Schlacht um Jerusalem, in der die Armeen der Welt gemeinsam gegen das Volk Gottes kämpfen werden (und damit gegen Gott selbst), das Blut bis zum Zaumzeug eines Pferdes reichen und 300 Kilometer weit fliessen. So genau beschreibt die Bibel diese eine Facette der Schlacht (Offb 14,20). Nichts nur annähernd Vergleichbares geschah im zweiten Weltkrieg, der allein schon sehr furchtbar war. Dann werden die Christus ablehnenden Menschen vergebens auf solche warten, die sie vor dem Grimm des Höchsten erretten werden. Sie werden nicht den ohrenbetäubenden aber befreienden Lärm der Chinook Hubschrauberturbinen hören, die US-Staatsbürger aus Terrorcamps in die Freiheit ausfliegen. Sie werden auch nicht die Stimme Michaels hören, des Kampfengels Gottes, der sich im Gegenbild um das erlöste Volk des HERRN kümmert, wenn Hilfe vonnöten ist. Michael stritt um den Leib Moses, als dieser bereits verstorben war, um ihn den Klauen des Satans zu entreissen (Jud 1,9). Erlöste sind sogar im Tode geborgen (Spr 14,32), da sich die Streitmacht des HERRN ihrer annimmt. Sie erinnern sich: Ein Engel siegt ohne Mühe gegen 185‘000 Mann. Die Staatsbürger des Himmels stehen unter dem Schutz einer zigfach stärkeren Armee als irgendein Staatsbürger dieser Welt (2. Kö 6,17). Es ist bei Gott fest beschlossen: Einen unerlösten Menschen erwartet die gerechte Strafe für sein Tun, welche furchtbar sein wird, denn er hat zu all dem Übel, das er getan hat, das Angebot Jesu Christi für Sündenerlass während der Gnadenzeit abgelehnt. Keine Armee der Welt wird ihn dann vor dem Vollzug der Gerechtigkeit bewahren können.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich viele Menschen zu ihrer Sünde noch etwas einbilden und denken, dass am Ende alles gut kommen wird. Das kann geschehen, wenn das Gewissen abgestumpft ist. Ein waches Gewissen klagt den Menschen an und spornt ihn an, nach einem Erlöser zu fragen. Denn jedes noch funktionierende Gewissen meldet dem Besitzer mit Gewissheit: „Du wirst am Ende des Lebens vor Gericht gestellt werden (Rö 1,32).“ Die Frau am Brunnen wartete zwar auf einen Erlöser, der ihr den Weg würde erklären können (Joh 4,25), doch die Verblendung war entweder durch die Einflüsterungen des Teufels oder die eigene Einbildung schon sehr weit vorangeschritten, sodass sie Jakob ihren Vater nannte und sie sich völlig ohne entsprechende Grundlage in der Linie von Menschen mit Verheissungen wähnte.

Liebe Geschwister, lassen Sie uns klare Antworten auf Fragen zur Erlösung und dem kommenden Gericht geben. Mit der halben Wahrheit der Bibel üben wir keine Nächstenliebe unter den Nationen aus, die im Begriff sind, im Irrglauben einzuschlafen. Wir haben uns unsere Errettung in Christus auch nicht selbst erarbeitet! Amen.

Vers 13

Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; Joh 4,13

Jesus beschreibt mit diesem und dem folgenden Vers seine Einladung unbeirrt weiter, obgleich Er nun aufgrund der törichten Rede dieser Frau wieder einen Grund weniger gehabt hätte, ihr überhaupt noch ein Angebot zu machen. Blenden wir zurück: Christus kam im Wissen an diesen geschichtsträchtigen Ort, vom eigenen Volk verworfen zu sein, wo einst Jakob seinem Sohn Josef ein Feld übergeben hatte. Anstatt dass sich die Nachfahren Jakobs, der auch „Israel“ hiess, durch die Nachfolge Gottes zu einer herrlichen Nation entwickelten und das Land besiedelten, wohnten aufgrund der Verfehlungen Israels nun Fremde in ihrem Besitztum. – Das war eine sehr traurige Situation für unseren edlen HERRN! Was Ihm nun gerade noch zum Glück „fehlte“, war diese überaus sündige, fremdländische Frau, die im Besitztum seines Volkes lebte und die mit ihrem Leben Gottes Verordnungen mit Füssen trat und dazu ihr Gewissen, welches sie wegen Ehebruchs mehrfach angeklagt, mit Gewalt zum Schweigen gebracht haben musste. Dann offenbarte sie Ihm zu alldem, in welcher Verblendung sie lebte, indem sie Jakob ihren Vater nannte. – Mit wem war diese Frau zu vergleichen? – Sie ist mit einer Frau zu vergleichen, die, als sie sich nachts auf einem Schiff in sehr verwerflicher Art einen Vorteil verschafft hatte, durch einen Fehltritt über die Reling ins offene Meer fiel, ohne dass es jemand bemerkt hatte. Die Samariterin hatte wie die im Gleichnis nachts ins offene Meer gefallene Frau den sicheren Tod vor Augen und niemand hat ihr noch wirksam helfen können. Ihr Schicksal war besiegelt und sie hatte selbst das Ausmass ihrer Verlorenheit nicht einmal begriffen! Wie ein geblendeter Soldat lief sie dem Maschinengewehrfeuer der feindlichen Linien zu!

Sagen Sie mir bitte, liebe Leserin und lieber Leser, weshalb hätte der edle und unbescholtene Christus die Strafe für fünffachen, willentlichen Ehebruch auf sich nehmen sollen? Gab es rechtlich gesehen eine Verpflichtung? Gab es aus moralischer Sicht einen Grund? Sollte man nicht vielmehr den Guten helfen und die Bösen bestrafen? – Die Gerechtigkeit war verletzt und diese schrie nach dem Vollzug des Rechts!

Doch es gab noch etwas in dieser für die Frau aussichtslosen Situation, nämlich die für Menschen unbegreifliche Liebe Gottes!

Vers 14

wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. Joh 4,14

Was Christus dieser Frau angeboten hatte war einmalig! Er bot ihr die Sättigung eines immer wiederkehrenden Bedürfnisses für alle Ewigkeit an! Durst ist ein Bedürfnis nach Wasser, das im Menschen bekanntlich immer wieder aufkommt. Wenn dieses Bedürfnis nicht gestillt wird, wird der Mangel zur Qual und endet im Tod. Der Reiche im Gleichnis (Lk 16,19 ff.), welcher nicht auf Gottes Gebote achtete, wünschte sich nach dem Tod nur wenige Tropfen Wasser, um sein inzwischen brennendes Bedürfnis zu stillen. Er hatte zu Lebzeiten Gott nicht gesucht und seine Gebote nachweislich verachtet, denn er liess den armen Lazarus elendiglich zugrunde gehen, obschon er aufgrund seines Reichtums hätte helfen können. Lazarus lag vor seinem Haus und war somit sein Nächster, dem aber keine Nächstenliebe widerfahren war (3. Mo 19,18). Das Bedürfnis des Reichen wird deshalb nicht gestillt werden, da er die Bedürfnisse seiner Nächsten nicht gestillt hatte.

Das Angebot Christi an die Adresse dieser Frau war allumfassend, Bibelleser kennen es. Es beinhaltete die Vergebung der grossen Schuld dieser Frau und den freien Eingang ins das Reich Gottes, in dem Christus auf ewig Wasser quellen lässt (Offb 21,6). Der Eingang ins Reich setzt die völlige Erlösung und Erneuerung eines Menschen voraus, da keine Hunde und Zauberer zum Reich Zutritt haben werden. Eingang zu Gott haben nur herrliche Menschen, die das göttliche Leben haben. Die Frau am Brunnen war unzüchtig (Joh 4,18), der Mann, den sie hatte, war nicht ihr Mann. Sie lebte in offensichtlicher Unzucht. Unzüchtige haben keinen Zutritt zu Gott und zu der Stadt Gottes, wie geschrieben steht:

14 Glückselig, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Anrecht am Baum des Lebens haben und durch die Tore in die Stadt hineingehen!
15 Draussen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut. Offb 22,14-15

Die Unzüchtigen sind werden draussen sein, alle, die Übles tun, werden draussen sein. Sie hatten sich zu Lebzeiten im Eigenwillen von Gott entfernt. Sie hatten sich damit von der Quelle, die alle Bedürfnisse stillt, entfernt. Wenn Gott dann für immer zum Menschen kommen und auf Erden wohnen wird, können sie unmöglich dabei sein. Sie werden ohne die Stillung ihrer Bedürfnisse draussen verschmachten, denn sie hatten das Angebot Jesu Christi zu Lebzeiten verworfen, wie erwähnt.

Da nur Menschen mit „gewaschenen Kleidern“ Zugang zu Gott und damit die Quelle, die alle Bedürfnisse stillt, haben werden, bietet Christus dieser Frau am Brunnen dieses Gesamtpaket an. Sie musste es nur im Glauben annehmen. Was für eine herrliche Gnade!

Vers 15

Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich nicht hierher komme, um zu schöpfen. Joh 4,15

Die Frau verlangt auf dieses Angebot Christi hin von diesem Wasser. Ihr Eigenwille in Verbindung mit den Männergeschichten, die sie angezettelt hatte, hatten sie ins Abseits gebracht. Sie musste ihre wiederkehrenden Bedürfnisse unter erschwerten Bedingungen stillen und am heissen Mittag Wasser schöpfen kommen. Das Angebot der Ruhe in Jesus Christus kam ihr gelegen. Das Leben hatte sie zur Einsicht gebracht, dass Eigenwille menschliche Bedürfnisse nicht stillt, sondern sie zu stillen erschwert. Die Sünde gaukelte ihr ein leichteres Leben vor, bekommen hatte sie ein schwereres. In der Erkenntnis dieser Tatsache kam ihr das Angebot des HERRN gerade recht.

Da Gott kein Allversöhner ist, gibt er sein „lebendiges Wasser“ nicht einfach jedem Menschen, er gibt es nur den reumütigen Sündern. Daher musste vor der Erlösung die Sünde noch thematisiert werden, es musste ans Licht kommen, ob die Frau ihre Schande zugab oder nicht, denn nicht reumütigen Menschen wird nachweislich nicht vergeben, wie geschrieben steht:

9 Er sprach aber auch zu einigen, die auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien, und die übrigen verachteten, dieses Gleichnis:
10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner.
11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.
12 Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe.
13 Der Zöllner aber stand weitab und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!
14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Lk 18,9-14

Die Bibel macht kein Geheimnis daraus: Niemand kann sagen, der sich nicht aus dem Eigendünkel bewegen will: „Gott oder Jesus hat mir vergeben!“, es sei denn, dass er sich selbst zum Narren hält. Wer der Busse keine würdige Frucht bringt, also eine völlige Abkehr vom falschen Weg, der hat nicht wirklich Busse getan; seine Busse bleibt ein hohles Lippenbekenntnis.

Bringt nun der Busse würdige Frucht; Mt 3,8

Es genügt bei weitem nicht zu sagen: „Ich habe gestohlen!“, solange man das Gestohlene nicht zurückerstattet. Es genügt bei weitem nicht zu sagen: „Ich habe die Ehe gebrochen!“, ohne vom eingeschlagenen, unzüchtigen Weg umzukehren! – Der Busse muss würdige Frucht folgen, das war die Botschaft Christi an Paulus, die er zu verkündigen hatte.

sondern verkündigte denen in Damaskus zuerst und in Jerusalem und in der ganzen Landschaft von Judäa und den Nationen, Busse zu tun und sich zu Gott zu bekehren, indem sie der Busse würdige Werke vollbrächten. Apg 26,20

In den nachfolgenden Versen werden wir sehen, dass Christus die Sünde der Frau anspricht, und keinesfalls sagt: „Frau, ist schon in Ordnung, meine Gnade ist billig, ich kann sie jedem nachwerfen!“ Wie ich erwähnt habe, heisst es zusammenfassend: Erst nach der Behandlung von Sünden kann die Gnade fliessen, vorher nicht.

Vers 16

Er spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und komm hierher! Joh 4,16

Christus spricht an dieser Stelle die Sünde der Samariterin an. Bevor die Gnade fliessen kann, muss die Sünde behandelt sein, das ist ein Grundsatz. Auch für die Nationen ist das, was Gottes Moral verletzt, Sünde, denn Gott gab den Menschen ein Gewissen, welches an seine Ethik erinnert (Röm 2,15). Wer sein Gewissen übergeht, sündigt in der Regel.

Obschon die Frau aufgrund ihrer todeswürdigen Verfehlungen gar keine Rücksichtnahme verdient hatte, sprach Christus das Problem schonungsvoll und nicht frontal an. Er fragte sie nicht, weshalb sie denn eine Hure sei, sie wusste selber, was sie tat und hatte inzwischen auch erkannt, dass ihr eigener Wille es ihr immer schwieriger machte, ihre Bedürfnisse zu stillen. Mit seiner Rede wollte Christus ihre volle Aufmerksamkeit aufrechterhalten. Er kannte die menschlichen Schutzfunktionen, die manchmal auch ungerechtfertigterweise einsetzen, sei es aus Scham oder (noch) mangelnder Einsicht. Deshalb sprach Christus zu ihr, sie solle ihren Mann holen.

Vor den Menschen konnte die Samariterin ihre Partnerschaft vielleicht erklären, denn Menschen lassen sich ja gerne anlügen; wenn es nicht so wäre, hätten falsche Lehren keine Chancen, wie die so extrem offensichtliche Lüge der Evolutionslehre von Charles Darwin. Die Frau spürte augenscheinlich, dass allfälliges Lügen bei diesem Menschen, der mit ihr sprach, nicht funktionieren würde. Deshalb versuchte sie gar nicht, ihre Partnerschaft mit dem Mann zu erwähnen, den sie tatsächlich hatte, geschweige denn, sie zu erklären, wie wir nachfolgend sehen werden.

Vers 17

Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann; Joh 4,17

Die Frau wusste ganz genau, dass sie diesem Mann, der mit ihr sprach, nichts vormachen konnte. Sie gab sofort zu, keinen Mann zu haben, obschon ihr Eigenwille sie dazu gebracht hatte, eine unerlaubte Beziehung einzugehen. Sie wusste, dass sie vor diesem edlen Mann am Brunnen ihre unzüchtige Beziehung nicht wird glaubwürdig erklären können, selbst wenn sie alles irdisch Erdenkliche getan hatte, die Beziehung nach aussen als in Ordnung darzustellen. Sie konnte das für ihre Zeit Notwendige getan haben, was heutzutage Ehebrecherinnen tun: Sie holen sich einfach einen neuen Trauschein auf dem Standesamt, der die unzüchtige Beziehung legitimieren und den vorsätzlichen Ehebruch zudecken soll. – Wie gesagt, die Menschen lassen sich gerne anlügen und heissen selbst Ehebruch gut, um sich selbst die Türe dazu offen zu lassen. Das Gewissen und Gottes Geist kann man aber nicht täuschen, das wusste auch die Ehebrecherin am Brunnen. Deshalb sagte sie zu Christus: „Ich habe keinen Mann.“ Und wie schon gesagt: Christus, den man nicht täuschen kann, wusste schon alles. Gottes Geist weiss alles, er kennt selbst alle Tiere im Einzelnen (Ps 50,11). Das vor Gott nichts verborgen ist, legte Christus offen. Er bestätigte ihre Aussage und wies damit darauf hin, dass ihre Beziehung vor Gott keinesfalls anerkannt war. Vor Gott hatte sie keinen Mann.

Wenn sie nun vor Gott keinen Mann hatte, aber mit einem Mann zusammen war, als was wurde sie und als was wurde ihre Beziehung von Gott taxiert? – Sie war nichts anderes als eine hurerische Frau und ihre Beziehung war nichts anderes als Unzucht und Ehebruch. Vor Gottes Gesetz wiegt beides so schwer, dass diese Vergehen mit dem Tod geahndet wurden bzw. werden.

Im Alten Testament vollzog das Volk dieses Gericht zeitnah. Im Neuen Testament hat daran nicht viel geändert, ausser dass das Gericht nicht mehr dem Volk gegeben ist und der Vollzug nach hinten, an das Zeitalterende, verlegt worden ist. Gläubige richten heute nicht mehr über Ehebrecher. Gott wird es tun, ohne das Zutun von einer einzigen Menschenhand, und zwar auch dann, wenn das ganze christliche Umfeld des Ehebrechers diese Bosheiten legitimiert hat. Gott wird auch an Menschen Hand anlegen, die Ehebrechern die Hände stärken und sie im Tun der bösen Sache ermutigen! Nur schon Gemeinschaft mit Ehebrechern zu haben, wird von der Bibel als sehr übel gewertet. Für solche Menschen wurde eben dafür ein Teil des 50. Psalms (z. B. Vers 18) geschrieben. Leute, die mit Ehebrechern Gemeinschaft haben, fallen unter das Synonym „Gottloser“ bzw. „Gottlose“.

16 Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: »Was hast du meine Ordnungen herzusagen und nimmst meinen Bund in deinen Mund?
17 Du hast ja die Zucht gehasst und meine Worte hinter dich geworfen.
18 Sahst du einen Dieb, so befreundetest du dich mit ihm, und mit Ehebrechern hattest du Gemeinschaft.
19 Deinen Mund schicktest du los zum Bösen, und deine Zunge spannte Betrug davor.
20 Du sassest da, redetest gegen deinen Bruder, gegen den Sohn deiner Mutter stiessest du Schmähung aus.
21 Das hast du getan, und ich schwieg; du dachtest, ich sei ganz wie du. Ich werde dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen.
22 Merket doch dies, die ihr Gott vergesst, damit ich nicht zerreisse, und keiner kann retten! Ps 50,16-22

Ehebruch ist keine Sache, die man „locker“ betrachten soll. „Nur wer sich selber vernichten will, mag das tun (gemäss Spr 6,32).“ Amen.

Vers 18

denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; hierin hast du wahr geredet. Joh 4,18

Christus offenbart wiederum in eindrücklicher Art, dass Er alles weiss. Er knüpft an die Rede der Frau an und zeigt an, dass Er ihre Aussage als Wahrheit nimmt, dass sie keinen Mann hat. Die Frau wollte zwar damit die illegale Beziehung verheimlichen. Christus hätte sagen können: „Du lügst, wenn du sagst, du habest keinen Mann! Du hast einen Mann, der nicht deiner ist und du lebst in Hurerei!“, das hätte der vollen Wahrheit entsprochen. Doch Christus legte die Sünde im Leben dieser Samariterin auf seine edle und den Menschen wertschätzende Art offen, in dem Er sagte, sie habe die Wahrheit gesagt, als sie äusserte, sie habe keinen Mann. Christus akzeptierte ihre Aussage: „Ich habe keinen Mann!“, als ob sie gesagt hätte: „Ich habe keinen (legalen) Mann!“ – Gewiss ist: Die Sünde muss in jedem Fall behandelt sein. Nicht gerichtete (behandelte) Sünden stellen schwere Hypotheken im Leben eines Menschen dar, sei er Christ oder nicht. Die Sünden dieser Samariterin Sünden mussten vor Christus zur Sprache kommen, denn glückselig sind wir, wenn unsere Sünden durch Gott behandelt und vergeben sind, bevor der Tag des HERRN (der Gerichtstag) anbricht, wie geschrieben steht:

7 »Glückselig die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind!
8 Glückselig der Mann, dem der Herr Sünde nicht zurechnet!« Röm 4,7.8

Mit dieser (schonungsvollen) Offenlegung kam das Gespräch am Brunnen in die entscheidende Phase. Die Frau hatte jetzt die Wahl: Sie konnte ihre Sünde weiter vertuschen, Christus als einen Schnüffler bezeichnen, der sich in Privatangelegenheiten mischt, und künstlich aufgeregt und kopfschüttelnd nach Hause gehen. Damit wäre sie im verlorenen Zustand geblieben. Oder sie konnte zugeben, dass sie sehr sündig war und konnte das angebotene „lebendige Wasser“ annehmen, welches von Christus als Synonym für sein allumfassendes Rettungsangebot verwendet wurde. Damit wäre sie gerettet worden und genesen. – Für welchen Weg hat sich die Frau entschieden?

Vers 19

Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Joh 4,19

Die Frau entscheidet sich richtig. Sie gibt zu, dass alles stimmt, was Jesus über ihr ehebrecherisches Leben gesagt hatte. Sie spricht den Herr respektvoll an und attestiert Ihm, die Wahrheit gesagt zu haben, da sie Ihn als einen Propheten anerkannte, also als jemand, der von Gott her Dinge sehen kann, in die er sonst keine Einsicht gehabt hätte.

Propheten heben sich weit von Wahrsagern ab, da Prophetien von Gott kommen und immer zu 100 Prozent wahr sind. Wahrsager sprechen durch andere Quellen, die bei weitem nicht so zuverlässig sein können, wie Gott. Die Aussagen eines Wahrsagers sind oft nicht eindeutig und allgemein gehalten, wie Horoskope. Die Bibel sagt, dass der Mensch sich von Wahrsagern und Totenbeschwörern unbedingt fern halten soll. Auch soll er nicht selber wahrsagen oder die Toten befragen. Wer es trotzdem tut, sündigt.

Ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben. 3.Mose 19,26b

Ihr sollt euch nicht zu den Totengeistern und zu den Wahrsagern wenden; ihr sollt sie nicht aufsuchen, euch an ihnen unrein zu machen. Ich bin der HERR, euer Gott. 3.Mose 19,31

Diese Verse haben nach wie vor Gültigkeit, auch wenn sie im Alten Testament stehen. Obgleich sich die Art des Gottesdienstes durch das Neue Testament geändert hat, hat sich die Moral Gottes nicht geändert. Heute müssen wir keine alttestamentlichen Opferrituale ausführen, weil Christus das allumfassende Opfer ein für alle Mal dargebracht hat. Aber Diebstahl oder Ehebruch sind nach wie vor Sünden im Neuen Testament, wie sie es schon im Alten Testament waren. Daran hat sich überhaupt nichts geändert. Gott ist immer noch derselbe heute, wie Er es gestern war, wie geschrieben steht.

Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Hebr 13,8

Die Frau am Brunnen gab Jesus mit ihrer Aussage Recht. Damit gibt sie zu, dass sie mit dem sechsten Mann zusammen war, den sie überhaupt nicht hatte haben dürfen, da er nicht ihr Mann war; es verhielt sich in jeder Einzelheit und mit 100-prozentiger Genauigkeit genau so, wie Jesus es gesagt hatte. Damit lag die Sünde der Frau ausgesprochen vor Gott, die Frau versuchte nicht mehr, sie zu verbergen.

Vers 20

Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse. Joh 4,20

Das Gespräch zwischen Jesus und der Samariterin fand in Sychar statt (Joh 4,5). Sychar lag in der Nähe der Berge Ebal und Garizim. Auf dem Berg Garizim wurde der Segen für Israel ausgesprochen, auf dem Berg Ebal wurde der Fluch ausgesprochen. Josua hatte die klare Anweisung (5. Mo 27,4), auf dem Berg Ebal einen Altar zu errichten, was er auch tat, als die Zeit dazu gekommen war (Jos 8,30).

Die Samariterin hatte keinen Bezug zu dem Gott Israels. Sie wusste, dass auf dem Berg einmal echter (von Gott angeordneter) Gottesdienst stattgefunden hatte und sie wusste, dass die Juden sagten, Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten müsse. Damit redete sie von Dingen, die sie nicht wirklich kannte. Sie kannte das Gesetz nicht. Dazu war sie nicht einmal ihrem Gewissen gefolgt, welches auch an die göttliche Moral erinnert, wie zum Beispiel, dass Ehebruch ein Vergehen ist.

Und wieder sprach die Samariterin so, als ob sie durch eine Staatsbürgerschaft bzw. Volkszugehörigkeit gewisse Rechte genösse. Sie sagte, „unsere Väter“ hätten auf diesem Berg angebetet, obschon sie keine Nachfahrin des Volkes Israel war, dessen Vertreter auf dem Berge einen Altar errichtet hatten.

Wie erwähnt, war diese Samariterin nicht nur ihrer Sünden wegen lebendig tot, sie war auch völlig in Irrmeinungen verstrickt. Sie war so tief gesunken, dass sie noch durch reinste Gnade eines liebenden Gottes gerettet werden konnte.

Vers 21

Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Joh 4,21

Jesus offenbart dieser Frau eine neue Tatsache. Das Gesetz und die Propheten gingen bis auf Johannes (Lk 16,16). Von da an brach ein neues Zeitalter an, das Zeitalter des Neuen Testaments. Der Gottesdienst hatte sich geändert, weil das im Alten Testament Schattenhafte der Wirklichkeit weichen musste. Die Tieropfer, welche alle schattenhaft auf das wahre Opfer Christi hindeuteten, wurden überflüssig, weil das wahre Opferlamm Gottes, Christus, auf die Erde gekommen war. Die Verfassung des Reiches Christi wurde kurz darauf in der Bergpredigt (Mt 5-7) verkündigt. In diesem neuen Zeitalter gelten noch höhere moralische Vorschriften (z. B. Mt 5,22.28 u. v. a.). Der Gottesdienst hat sich ebenfalls geändert; Gott kann neu überall, von jedem Ort aus angebetet werden. Gläubige können von nun an Gott an jedem Ort begegnen und Ihm wohlgefälligen Gottesdienst darbringen. – Weshalb ist das möglich? – Weil ein Gläubiger im Neuen Testament durch den Tod und die Auferstehung Christi die Gotteskindschaft durch eine Neugeburt erhält. Diese Neugeburt erklärte der HERR dem Nikodemus (Joh 3). Die Neugeburt geschieht im Geist und macht aus glaubenden Nachfahren von Adam und Eva Brüder bzw. Schwestern Christi (Mt 12,50). Wer den Sohn Gottes aufnimmt, wird durch den Geist neu gezeugt (Joh 1,12; 3,7), und wird damit zu einem Sohn Gottes (Joh 1,12; Röm 8,16; 1. Joh 3,1.2). Als Sohn Gottes hat man den Geist Gottes in sich und damit wird der eigene Leib des Gläubigen zum Tempel Gottes, wie geschrieben steht:

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 1.Kor 3,16

Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.« 2.Kor 6,16b

Da im Neuen Testament die Gläubigen neu die Natur Gottes in sich tragen und damit zu Kindern Gottes geworden sind, ist es nicht verwunderlich, dass der Kleinste im Reich Gottes, also das kleinste Glied der Familie Gottes, grösser ist als Johannes der Täufer, welcher der grösste Nachfahre von Adam und Eva war, der je geboren wurde.

Wahrlich, ich sage euch, unter den von Frauen Geborenen ist kein Grösserer aufgestanden als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist grösser als er. Mt 11,11

Ein Kind Gottes muss jetzt nicht mehr den Tempel in Jerusalem aufsuchen, den Gott früher als seinen Wohnsitz gewählt hatte, denn Gott wohnt fortan im Gläubigen selbst:

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Joh 14,23

Deshalb sagte Jesus dieser Frau, dass man fortan nicht mehr alte Gebetsstätten für wahren Gottesdienst aufsuchen muss. Der Gläubige kann von jedem Ort aus gesetzmässig Gott wohlgefällige Gebete darbringen, da der eigene Leib der von Gott bewohnte Tempel ist, welcher zu rechtmässigem Gottesdienst erforderlich ist (z. B. 5. Mo 12,5).

Vers 22

Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden. Joh 4,22

Die Samariterin hatte im Gespräch geoffenbart, dass sie eigentlich keine Ahnung von Anbetung hatte. Sie kannte Anbetungsstätten lediglich durch Tradition und vom Hörensagen (Joh 4,20). Den Juden war klar, wen sie anbeteten und wie das geschehen soll, auch wenn sich viele von ihnen nicht daran hielten. Das Gesetz (z. B. 3. Mo) und die Verheissungen (1. Mo 22,18) waren den Juden gegeben worden.

Das Heil kommt aus den Juden; dem Stammvater des Volkes Israel wurde die Verheissung gegeben, dass aus seinem Samen jemand kommen wird, der alle Nationen segnen wird, wie geschrieben steht:

Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast. 1.Mose 22,18

Christus, der Retter der Welt, durch den alle Nationen gesegnet werden, musste demnach ein Nachfahre Abrahams sein. Er musste aber nicht nur das sein; Christus musste aus der Linie der Verheissung kommen, das war die Linie über Isaak und Jakob, nicht die Linie über Ismael, den Sohn der Magd Sarahs. Und so kam es auch; Christus ist aus dieser Linie der Verheissung entsprungen, aus der Linie des Volkes Israel, das die Verheissungen besitzt.

Christus sagte dieser Frau, die Israel nicht mehr als herrliches Volk kannte, sondern nur noch als von Römern besetzter jüdischer Überrest, das Heil komme aus den Juden. Das Aufnahmevermögen der Frau berücksichtigend, wählte Christus diese Formulierung. Er sagte nicht, das Heil komme aus Israel, obschon ganz Israel von Abraham abstammt. Die Frau hatte schon genug Mühe, all das Gesagte zu begreifen, sodass Christus nicht über ihr Vokabular bzw. ihr Verständnis hinausging. Deshalb sagte Er, das Heil komme aus den Juden. Genaugenommen verhielt es sich auch so. Ganz Israel hatte die Verheissungen, doch der Retter entsprang dem Stamme Juda.

So wie Christus lehrte, lehren gute Lehrer, die ihre Aufgabe in der Sache sehen. Lehrer, die sich selber gefallen möchten, kommen mit geschwollenen Reden daher. Letzteren ist es egal, ob die zu Belehrenden etwas begreifen oder nicht; für sie ist es die Hauptsache, als Gelehrte, als Wissende wahrgenommen zu werden, um sich in diesem Ruhm zu baden.

Vers 23

Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Joh 4,23

Hier wird Gott neu als Vater dargestellt. Ein Vater hat Kinder. Kinder haben die Natur des Vaters. Die Anbeter müssen also neu über die Natur des Vaters verfügen. Die Kinder Israel verfügten über die gefallene Natur von Adam und Eva. Das war keinesfalls die Natur Gottes. Gott wohnte nicht in ihnen, sondern lediglich unter ihnen, nämlich in der Stiftshütte (2. Mo 40,34) und später im Tempel (1. Kö 8,11). Mit einem Opfer, durch das sie (von Sünde) gereinigt wurden, konnten die Israeliten zu Gott kommen. Dabei stand noch ein Priester dazwischen.

Durch Christi Opfer wurde alles viel besser, einfacher und intimer. Gott wurde vom aussenstehenden, unnahbaren und heiligen Herrscher für den Gläubigen im Neuen Testament zum innewohnenden, gemeinschaftlichen und liebenden Vater. Der Gottesdienst findet nicht mehr ausserhalb in oder zum Tempel hin in Jerusalem an gewissen Daten statt. Der Gottesdienst und die Gemeinschaft mit Gott können jederzeit im Inneren des von Ihm geliebten Kindes stattfinden, da Gott ihm Menschen, der seine Natur besitzt, Wohnung macht. Gott sucht solche Anbeter, es ist also sein Wunsch, dass Menschen neu (durch den Geist Gottes) gezeugt werden und damit die Voraussetzung für Wohnung, Gemeinschaft und Anbetung geschaffen wird. – Er sei dafür gelobt!

Vers 24

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. Joh 4,24

Unser Gott ist abgesondert vom Bösen, völlig rein, heilig und gerecht. Wie das ganze Alte Testament schon geoffenbart hat, darf Fleisch und Blut, der Mensch also, nicht ohne Reinigung vor Gott treten. Erst wenn im Schattenbild eines Opfers Christus zwischen Mensch und Gott stand, konnte Gott damals Anbetung annehmen. Das Schattenbild der Tieropfer deutete auf das geistliche und allumfassende Opfer Christi hin; Christus war und ist geistlich; Er war es auch als Mensch, da Er durch den Geist gezeugt wurde. Da Er aber auch Sohn des Menschen war, hatte Er Fleisch und Blut wie wir, aber ohne jegliche Sünde (Heb 4,15), im Gegensatz zu den übrigen Menschen (Ps 53,4).

Durch seinen Tod und seine Auferstehung öffnete Er den Menschen die vollständige Reinigung von Sünde und noch viel mehr: Er macht aus Gläubigen Kinder Gottes für den Vater. Er macht Menschen zu Kindern Gottes, alle, die nach dem Vorsatz des Vaters berufen sind. So geschieht es heute, wie Er es damals zu tun pflegte. Durch die Gotteskindschaft, welche durch die Zeugung durch den Heiligen Geist erfolgt, wird der Mensch dazu befähigt, Gott direkt anbeten zu dürfen. Wir Gläubigen werden durch die Schrift geradezu vom Heiligen Geist dazu aufgefordert, wie geschrieben steht:

Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe! Hebr 4,16

Wie das im Detail geschehen soll, steht in der folgenden Bibelpassage.

19 Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesu Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum,
20 den er uns eröffnet hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang – das ist durch sein Fleisch –
21 und einen grossen Priester über das Haus Gottes,
22 so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und damit gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Hebr 10,19-22

Obschon wir befähigt sind, als neugeborene Kinder Gottes vor Ihn zu treten, sollen wir dabei keinen alten Unrat mitnehmen. Eine ordentliche Mutter zieht dem Nachwuchs die von Erde verdreckten Hosen bereits aus, bevor diese in den Wohnbereich kommen und durch die saubere Wohnung rennen und alles dreckig machen. Jemand, der als Kind Gottes in Sünde lebt, soll zuerst seine Kleider waschen, sich also von der Sünde verabschieden, bevor er vor Gott tritt. Gott kann selbst für seine Kinder nichts tun, wenn sie voller Unflat vor Ihn kommen. Dann sieht Er sich in seiner Verantwortung als Vater zuerst genötigt, die Kinder in Ordnung zu bringen, bevor es zu gemeinschaftlichen Aktivitäten kommt.

 

Vers 25

Die Frau spricht zu ihm: Ich weiss, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. Joh 4,25

Die Frau, die mindestens fünfmal im sündigen, ehebrecherischen Eigenwillen ihr Leben zu verbessern suchte, hatte in sich doch noch eine kleine Bereitschaft, auf jemanden zu hören, der – von Menschen völlig unabhängig – den rechten Weg verkündigen wird, den alle Menschen beschreiten sollen. Der Eigenwille hatte der Frau nicht den Erfolg gebracht, den sie sich eingebildet hatte. Ihr Eigenwille hatte ihr die Vereinsamung und ein schwereres Leben beschert: Sie musste in der Mittagshitze alleine Wasser schöpfen kommen. Sie war von den anderen Frauen ausgestossen; sie hatte anderen Frauen die Männer „gestohlen“ und damit Familien zerstört und trug den Stempel einer Hure.

Diese Bereitschaft, auf die Rede des kommenden Messias‘ zu hören, rettete ihr das Leben. – Nun war Er da und sie war willig, seine Worte zu befolgen.

Vers 26

Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet. Joh 4,26

Was für eine Gnade! Da gab es Könige (Lk 23,8), die begehrten, Jesus zu sehen und viele andere Menschen! Viele gottesfürchtige Menschen hätten gerne eine Audienz beim grössten König erhalten, was dieser Frau zuteil wurde.

Denn ich sage euch, dass viele Propheten und Könige begehrt haben, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. Lk 10,24

Auch ich würde gerne dem HERRN so begegnen dürfen und würde gerne von Ihm – von Angesicht zu Angesicht – Weisung empfangen. Was für eine ausserordentliche Gnade, die dieser zuchtlosen Frau, zuteil wurde!

Im Ganzen sehen wir, dass der HERR keinen Aufwand scheut, seine Schöpfung zu retten. Gott will auf keinen Fall, dass eine Seele verloren geht! Daher setzt Er Prioritäten: Er geht nicht denen nach, die schon bei Ihm sind, sondern solchen, die noch eine Begegnung mit Ihm benötigen, um zu Ihm zu kommen. Niemand soll denken, wenn seine Nächsten noch nicht glauben, Gott würde sich nicht darum kümmern. Niemand kümmert sich so intensiv wie Gott um verlorene Seelen. Gott will auf keinen Fall, dass Menschen verloren gehen, wie geschrieben steht:

Sage zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR: Wenn ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen! Wenn nicht vielmehr daran, dass der Gottlose von seinem Weg umkehrt und lebt! Hes 33,11a

Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. Jes 55,7

Ich bin Gott sehr dankbar für diese Verse, welche seinen gnädigen Charakter unterstreichen. Er kümmert sich mehr um meine Nächsten und um die Menschen, die mir wertvoll aber selbst noch nicht gläubig sind, als ich es in meinen besten Stunden gekonnt habe. Das ist wohltuend und sehr beruhigend für meine Seele.

Liebe Leserin und lieber Leser! Verzweifeln Sie nicht wegen Menschen, um die Sie sich geistlich bemühen. Gott wirbt noch viel intensiver um sie, wenn es sein muss, sogar mit einer persönlichen Begegnung!

Vers 27

Und darüber kamen seine Jünger und wunderten sich, dass er mit einer Frau redete. Dennoch sagte niemand: Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr? Joh 4,27

Traditionen definieren Erwartungshaltungen. Den Israeliten war es nicht erlaubt, in fremden Völkern aufzugehen (Jos 23,12). Daher mied Israel in der Regel den Kontakt zu anderen Nationen. Die Juden hatten demzufolge zur Zeit Jesu auch keinen Kontakt mit beispielsweise den Samaritern, wie diese Frau im Vers 9 selber bemerkt hatte. Aufgrund dieser Tradition wunderten sich die Jünger über Jesu Gespräch mit der Samariterin. Dass Jesus mit dieser fremdländischen Frau redete, konnten seine Jünger sogar aus zweifacher Sicht nicht verstehen, erstens aus der erwähnten traditionellen und zweitens fehlte ihnen noch die volle Klarheit, dass Gott seine Gnade auch zu den Nationen fliessen lassen wollte, wie es sich auch heute noch verhält.

Vers 28

Die Frau nun liess ihren Wasserkrug stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Leuten: Joh 4,28

Die Begegnung mit dem Messias verändert die Leben der Auserwählten: Die Priorisierung der Vorhaben wird neu definiert. Die irdischen Bedürfnisse zu stillen wird plötzlich zweitrangig, wenn man aus der Quelle Christi hat trinken dürfen. Der Wunsch, dass andere auch zu diesem Glück kommen, wächst und nimmt den Menschen ein. Der gläubige Mensch kommt in den Einklang mit Gottes Willen, der vorgibt, dass alle Menschen in den unversiegbaren Gnadenstrom des göttlichen Segens kommen. Der Wasserkrug wurde der Frau völlig nebensächlich, wie ihr jeder zwischenmenschlicher Zwist nebensächlich wurde. Der Frau, die den anderen Frauen Böses angetan und das Böse danach durch Ausgrenzung geerntet hatte, wurden aufgrund der Begegnung mit dem Messias all diese Umstände klein. Das lebendige Wasser Christi beflügelte sie, augenblicklich vom bösen Weg bzw. dem Weg der Schande hinweg auf den Königsweg zu schwenken.

Vers 29

Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Dieser ist doch nicht etwa der Christus? Joh 4,29

Die ganze Stadt wusste natürlich, was diese Frau getan hatte, dafür hatten die anderen Frauen gesorgt, besonders die betrogenen unter ihnen. Auch zeugten die Bilder der zerstörten Familien jeden Tag von der Rücksichtslosigkeit und Unmoral dieser Frau und der verantwortungslosen Männer, sie sich von ihr hatten verführen lassen. Das Treiben der Samariterin war also stadtbekannt und musste den Einwohnern nicht näher erklärt werden.

Dass ihre Rede viel auslöste, ist unter diesen Umständen völlig klar. Da kommt sie plötzlich in die Stadt hinein und ruft aus, dass ein Fremder alles weiss, was sie getan habe. Beides war in den Ohren ihres Publikums sehr sonderbar, nämlich dass ein Fremder alle ihre Taten kannte und dass die Frau ohne weiteres davon sprach und so locker über das Thema redete, welches sie zur Ausgestossenen hatte werden lassen. Deshalb lag wie ein Geheimnis in ihrer Rede, das die Stadtbewohner aufmerken liess; dieser Fremde musste offensichtlich über etwas verfügen, das sie noch nicht kannten.

Vers 30

Sie gingen zu der Stadt hinaus und kamen zu ihm. Joh 4,30

Ein Fremder, der erstens weissagen kann – Jesus kannte ja offensichtlich alle Taten der Frau – und zweitens der Samariterin solchen Eindruck macht, dass sie ihre Taten vor der Stadtbevölkerung ohne weiteres offenlegt, musste sehr speziell sein. Es erhob sich deshalb die Frage nicht, ob man zu Ihm gehen soll, es war vielmehr klar. Deshalb kamen die Menschen zur Stadt hinaus und kamen zu Ihm.

Vers 31

In der Zwischenzeit baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss! Joh 4,31

Die Jünger wussten, wieviel Zeit seit der letzten Mahlzeit Christi verstrichen war; Er musste der Zeit nach hungrig sein. Ausserdem waren sie auf einer anstrengenden Reise, unterwegs nach Galiläa. Der körperliche Bedarf war höher als beispielsweise an einem Sabbat, einem Ruhetag und da die Jünger mit frischem Reiseproviant zurückgekehrt waren, forderten sie Ihn auf, etwas zu essen.

Vers 32

Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. Joh 4,32

Christus stellt damit ein völlig neues, den Menschen sättigendes Element vor. – Da sollten alle Leser aufmerken! – Es gibt neben der gewöhnlichen Speise noch etwas, das menschliche Bedürfnisse stillen kann. Der natürliche Mensch kennt dieses Element nicht, Bildungsstätten kennen es nicht und auch an Universitäten ist es offensichtlich unbekannt, sonst wäre die gesellschaftliche Entwicklung nicht so, wie sie sich heute präsentiert. Auch in der weltlichen Seelsorge tätige Fachpersonen kennen es nicht, wie leider auch viele christliche Seelsorger wenig bis gar keine Kenntnis davon haben. Christus kannte neben dem irdischen Essen eine zusätzliche für den Menschen bislang unbekannte Speise.

Vers 33

Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gebracht? Joh 4,33

Wie die Jünger gemäss ihrem Wachstumstand damals die Situation zu beurteilen suchten, versuchen nicht wenige Christen heutzutage, die Situation zu beurteilen: Die Möglichkeit Gottes, jederzeit ein Neues schaffen zu können, wird oft nicht miteinbezogen. Man beurteilt leider vielfach nur aufgrund von irdischen Erfahrungswerten. Irdische Erfahrungswerte sind gut, je mehr man davon hat, umso besser ist es. Wird Gottes Eingreifen aber ausgeschlossen, schliesst man den alles entscheidenden Faktor aus. Gott kann Dinge tun, die unnatürlich sind, die nicht wissenschaftlich erklärt werden können. Gott kann die Gestirne anhalten, dass die Sonne zwei Tage lang ununterbrochen scheint, ohne eine Nacht dazwischen (Jos 10,12-14), - sollte das für Ihn eine zu schwere Aufgabe sein? Der natürliche Mensch denkt: Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. – Leider denken sogar auch einige Christen so. Viele trauen dem HERRN nicht wirklich zu, dass Er allmächtig, dass Er völlig souverän ist. Allmächtig zu sein bedeutet, alles tun und lassen zu können, was man sich gerade wünscht. Gott wünschte sich beispielsweise Siege für sein zahlenmässig unterlegenes Volk Israel, gegen dessen Feinde. Die Welt stand seinem Volk mit Heeresverbänden entgegen, die zu bezwingen für Israel nicht möglich waren, ein Heerführer begegnete dem König des Südreiches Asa mit einer Million Mann, das war fast die doppelte Anzahl an Kämpfern gegenüber der Armee Asas (2. Chr 14,8). Trotzdem hatte Gott entschieden, Asa zu helfen. Deshalb siegte Asa auch. Noch viel krasser war die anzahlmässige Unterlegenheit Gideons, der mit nur 300 Mann gegen eine sehr grosse Allianz von Armeen zog. Die Feinde Gideons wurden anzahlmässig so beschrieben: „Und Midian und Amalek und alle Söhne des Ostens waren in das Tal eingefallen wie die Heuschrecken an Menge. Zahllos waren ihre Kamele, wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist, an Menge.“ Durch Gottes Eingreifen war aber auch Gideon siegreich, obschon das Verhältnis 1:400 war. Gideon kämpfte mit 300 Mann gegen 120‘000 feindliche Kämpfer; einem Mann standen also 400 entgegen. Wir sehen also: Gott kann tun und lassen, was Er will.

Gott kann nicht nur im Blick auf kriegerische Auseinandersetzungen tun und lassen, was Er will. Er kann Tote aufwecken, Kranke gesund machen und Frieden zwischen Streithähnen stiften. Er kann sprichwörtlich Berge versetzen; und wenn es so sein müsste, könnte Er einen berühmten Berg in der Schweiz, z. B. das Matterhorn, in das flache Holland versetzen. Wer nicht an Gottes Allmacht glaubt, wird seine Wunder nicht sehen, wie die ungläubigen Nationen keine seiner Wunder sehen. Ein Ungläubiger bleibt in einem völlig eingeschränkten, irdischen Aktionsradius. – Wir Christen sollten geistliche Dimensionen immer in unser Denken miteinbeziehen. Dann wird sich unsere Urteilsbildung nicht nur auf Irdisches stützen, sobald etwas geschieht. Somit werden wir uns bei Ereignissen auch fragen, ob Gott seine Hand im Spiel gehabt habe, ob mehr dahinter stecke als rein irdische Zusammenhänge oder gar der Zufall.

Kommen wir zurück zu Vers: Geistliche Menschen hätten an der Stelle der Jünger irdische Speise überhaupt nicht erwägt, weil dem Menschen irdische Speise offensichtlich ja bekannt ist. Und Christus betonte ja noch, dass die von Ihm erwähnte Speise die Jünger zum Zeitpunkt noch gar nicht gekannt haben konnten. – Was steckt wohl hinter dieser Speise? Gibt es für uns auch eine Möglichkeit, davon zu „kosten“?

Vers 34

Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. Joh 4,34

Den Willen Gottes auszuführen, sättigt, Christus nennt das „Speise“. Die Ausführung des Willens Gottes ist für den Menschen also eine Art der Energiezufuhr, vergleichbar mit der Nahrungsaufnahme.

Das ist ein sehr vielsagender Vers! Es gibt genügend Menschen im Reich Gottes, die sich destruktiv abmühen, also ohne sich dabei zu regenerieren. Die Mühen dieser Menschen werden nicht ausgeglichen, sodass sie am Ende sagen: „Die Arbeit im Reich laugt mich aus!“, obschon Christus gesagt hatte, seine Last sei leicht und sein Joch sei sanft (Mt 11,30). – Wie kann man sich vor auslaugendem Abmühen schützen? – Man schützt sich dagegen, indem man die Arbeit verweigert oder im Willen Gottes bleibt. Da Faulheit keine Option ist (Mt 25,26; Lk 19,22), sollten wir lernen, wie wir dienen sollen. Christus spricht:

Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach! Und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wenn mir jemand dient, so wird der Vater ihn ehren. Joh 12,26

Die Lösung liegt in dieser Aussage: „Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach!“ Wir können im Reich nicht einfach tun, was wir für richtig halten oder nur Aufgaben ausführen, die uns vor Menschen Anerkennung bringen. Wenn wir nach unserem Gutdünken „dienen“, können unsere Kräfte mangels Sättigung durch Gott ins Ungleichgewicht kommen, wenn wir nur ruhmreiche Arbeiten ausführen wollen, die uns vor Menschen Anerkennung bringen, tun wir nicht die ganze Arbeit. Dazu ist, nebenbei bemerkt, unser Gotteslohn dahin, da wir für uns selbst eifern und nicht ungeteilt für Gott (Mt 6,2.5.16). „Wenn mir jemand dient“, bedeutet im Willen des Meisters zu bleiben, den wir bedienen wollen. Wir dienen dem Meister nicht, wenn wir den bereits sauberen oberen Stock seines Hauses wischen, im Keller aber Ratten und Mäuse ihr Unwesen treiben. Um zu wissen, was wirklich zu tun ist, sollten wir deshalb stets nach seinem Willen fragen. Wir sehen im Gleichnis des Unkrauts des Ackers, dass manchmal selbst das Unkraut auszureissen nicht zu jeder Zeit von Ihm gewollt ist. Manchmal ist es angebracht, manchmal richtet man damit sogar Schaden an (Mt 13,28.29); wer sich beim Arbeiten nur auf seine Verstand verlässt, führt bestimmt nicht immer seinen Willen aus; wer nichts tut, ist faul und damit eine Plage. Beides ist verkehrt.

Lassen Sie uns stets im Willen des Vaters dienen, indem wir danach fragen und uns stets danach ausstrecken. Wer Gott sucht, wird Ihn finden (2. Chr 15,2), wer nach seinem Willen fragt, dem wird dafür das Verständnis geöffnet (Jak 1,5). Die Weisheit ruft laut genug; sie kann nicht überhört werden (Spr 1,20; 8,1).

Vers 35

Sagt ihr nicht: Es sind noch vier Monate, und die Ernte kommt? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an! Denn sie sind schon weiss zur Ernte. Joh 4,35

Es ist in der vom Heiligen Geist inspirierten Schrift kein Zufall, dass genau nach den Versen, in denen die göttliche Kraftquelle vorgestellt wird, die Arbeit vorgestellt wird, die im Reich ansteht. Gott befähigt immer, wenn Er anweist. Mit diesen Worten im Vers 35 sagt Christus, dass ein Abwarten der Erntezeit falsch ist, denn die Felder sind weiss zur Ernte. Wer glaubt, dass ihm die Kraft zum Einsammeln fehlt, begebe sich einfach unter den Willen Gottes. Ein solcher wird sich plötzlich unter den Schnittern auf dem Feld befinden, auch wenn er zuvor dachte, dafür nicht geeignet zu sein.

Was ich hier schreibe, schreibe ich nicht einfach so. Ich bin nicht als Berufsschreiber geboren und auch von den Kräften her bin ich eher das Gegenteil eines Joscheb-Baschebet, des Helden Davids (2. Sam 23,8). Ich habe eine gewöhnliche mechanische Ausbildung absolviert und war sehr oft kränklich oder wirklich krank. Daher sagte ich mir früher selbst: Ich kann Gott nicht dienen, da ich nur schon krankheitsbedingt Schwierigkeiten habe, mein eigenes Leben zu bewältigen. Auch sagte ich, ich könne Gottes Wort nicht verbreiten, dafür sei ich ungeeignet. Gott ermahnte und ermutigte mich aber gegen meine Vorstellung immer wieder, es doch zu tun. So begann das Werk bibelkommentare.ch, da ich von Ihm nach und nach die Gnade und Kraft erhielt, sein Wort in die (deutschsprachige) Welt hinauszutragen. Dies entspricht dem biblischen Auftrag. Weil die Felder weiss zur Ernte sind, wäre es sträflich, nichts zu tun und die Arbeit dem Vater und fleissigen Geschwistern zu überlassen! Vielmehr sollten wir den Vater fragen, wo wir mithelfen können. Keiner ist zu klein, zu schwach oder zu einfältig mitzumachen, wenn er Gott in Reinheit dienen will.

Wer im Willen Gottes bleibt, darf von dieser den Menschen regenerierenden Speise essen, von der Christus im Vers 34 spricht. Das ist ein Geheimnis der für Gott arbeitenden Christen, die im Willen des Vaters bleiben. Nur sie verstehen den aktuellen Vers, weil sie täglich in dieser Wirklichkeit stehen und sich von dieser der Welt völlig unbekannten Speise stärken dürfen.

Vers 36

Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit beide, der da sät und der da erntet, sich gemeinsam freuen. Joh 4,36

Im Vers 35 wird uns vorgestellt, dass Arbeit vorhanden ist, die Felder seien weiss. Wer da arbeiten will, hat die Klarheit, dass er sofort loslegen kann, ohne auf irgendetwas warten zu müssen. Und gerade im nächsten Vers, im Vers 36, spricht der HERR bereits vom Lohn, den Er arbeitenden Dienern geben wird. Der Vers 36 beinhaltet eine Verheissung, sie steht in absoluter Form da: Der da erntet, empfängt Lohn. Es steht nicht: Der da erntet, könnte Lohn empfangen oder: Es besteht eine Möglichkeit, dass ein solcher Lohn empfängt. Wer sich in die Arbeit Gottes begibt, empfängt Lohn, das ist ein Gesetz an das sich Gott bindet. Und dabei spielt es keine Rolle, ob jemand am Anfang oder am Ende der Prozesskette der Arbeiten Gottes steht. Der eine sät, der andere erntet und beide freuen sich gemeinsam, denn beide empfangen ihren Lohn. Amen.

Vers 37

Denn hierin ist der Spruch wahr: Ein anderer ist es, der da sät, und ein anderer, der da erntet. Joh 4,37

Im Reich ist es so, dass der HERR die Menschen ihren Talenten entsprechend einsetzt. Die einen können besser unterweisen als andere, dafür können die anderen besser unterstützen und begleiten. Das wird uns im Matthäusevangelium vorgestellt (Mt 25,15). Es verhält sich auf diese Weise, dass jemand sät und es ein anderer ist, der erntet. Wer säen und ernten kann, tut das Richtige, wenn er seinen Meister fragt, was für ihn gerade ansteht, wie es sich für alle Diener geziemt.

Dies sei im Zusammenhang noch am Rande erwähnt: Die Voraussetzung zum Säen und Ernten ist der Wille, im Reich für den Vater, seinem Willen gemäss, dienen zu wollen. An dieser Stelle benutze ich mit Absicht das Wort „dienen“ und nicht das Wort „arbeiten“, da sich der Dienst nach dem Willen dessen richtet, dem man dient. Wer sagt, er habe samstags zu Hause gearbeitet, legt nicht offen, was und wie er gearbeitet hat. Ein solcher kann dem himmlischen Vater gedient oder aber auch für sich selbst gearbeitet haben. In diesem Satz hat es nichts Wertendes, beides ist zur gegebenen Zeit richtig. Die eigenen vier Wände müssen auch unterhalten werden, um darin nicht ein Chaos aufkommen zu lassen. Die Bibel verwendet aber in Bezug auf die Arbeiten im Reich oft das Wort „Dienst“, welches das Arbeiten für den Willen eines Anderen ausdrückt. Wer also im Reich arbeitet, soll sehen, dass seine Arbeiten nach dem Willen dessen sind, der die Aufträge vergibt. Im Reich dient man Gott und verherrlicht sich nicht selbst.

Vers 38

Ich habe euch gesandt zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten. Joh 4,38

Diese Worte sprach Jesus zu seinen Jüngern, bevor die Stadtbewohner zu Ihm hinaus kamen. Im Reich hat und hatte Gott stets Diener, auch schon vor den zwölf Jüngern. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo sie auch in die Arbeiten des Reiches eintreten durften. Es war aber nicht so, dass sie aufgerufen waren, den Dienst grundlegend aufzubauen, da dieser im Blick auf das, was Dienen definiert, längst stand. Christus sagte damit aus, die Jünger wären in die Arbeit (der anderen) eingetreten (um sie fortzuführen).

Bei noch etwas selbstgefälligen Dienern Gottes rückt diese Aussage vieles ins rechte Licht. Nicht sie bauen den Tempel des HERRN alleine, längst haben andere daran gearbeitet; sie sind lediglich in die Arbeiten eingetreten und dürfen ihren Beitrag leisten, sofern sie im Willen des Auftraggebers bleiben.

Vers 39

Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Joh 4,39

Das Zeugnis der Frau war beeindruckend. Wie ich im Kommentar zum Vers 29 erwähnt habe, imponierte das plötzlich unnatürliche Verhalten dieser Frau die Bewohner der Stadt. Anstatt ihre üblen Werke zu verschweigen, sagte sie geradeaus, dass der fremde Mann vor der Stadt alle ihre Taten kannte. Ihr Verhalten war derart eindrucksvoll, dass es unter der Stadtbevölkerung Glauben an die besonderen Fähigkeiten dieses Mannes bzw. an diesen Mann selbst auslöste.

Vers 40

Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Joh 4,40

Christus blieb zwei Tage unter den Heiden, was ein schönes Bild für das Gnadenzeitalter ist. Gott hat sich – nachdem ihn die Juden verworfen hatten – den Nationen zugewandt. Bis heute blieb er auch zwei Tage unter den Heiden, das sind zweitausend Jahre, denn für Gott sind eintausend Jahre wie ein Tag. So steht es geschrieben.

Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. 2.Petr 3,8

Er bleibt auch bei den Nationen – in der Symbolsprache: bei den Samaritern – zwei Tage und nicht mehr, bis Er sich allen offenbart, denn unser Zeitalter neigt sich dem Ende zu. Die Erkenntnisse über die Endzeit, welche sich erst am Ende mehren sollten, sind da (Dan 12,4). Das Geheimnis der siebzig Jahrwochen des Propheten Daniel ist aufgeschlüsselt, die Ereignisse der Endzeit und die Geschehnisse kommenden Grossen Trübsal liegen für Christen offen da. Israel ist wieder eine Nation, voll von Taten; der Zweig des Feigenbaums ist weich geworden (Mt 24,32) und treibt Blätter. Die Liebe unter den Menschen ist erkaltet und falsche Propheten und falsche Lehrer treiben ihr Unwesen mit noch nie dagewesenen (elektronischen) Möglichkeiten der Verbreitung ihrer Lügen. Die Gesetz- und Gottlosigkeit grassiert und die Menschen glauben jeder Lüge, die Gott als Märchenfigur darstellt, wie es beispielsweise die Evolutionslehre von Darwin exemplarisch tut. Es ist alles eingetroffen, was Christus im Matthäusevangelium, Kapitel 24 als Zeichen der Endzeit nennt (Mt 24, 1-14).

Vers 41

Und noch viel mehr Leute glaubten um seines Wortes willen; Joh 4,41

Christus ist eine äusserst bemerkenswerte Person; Er ist Gott, im Fleisch gekommen, voller Gnade und Wahrheit, der siebenmal geläuterte Worte sprach (Ps 12,7). Sein Auftreten war anziehend, überzeugend, aber auch überführend, wie es bei der Samariterin der Fall war. Er kam zum Glück nicht in die Welt, um sie zu richten; Er kam, um sie zu retten. Die heidnischen Samariter glaubten Ihm zu ihrer Rettung, wie auch wir Christen aus den heidnischen Nationen zu unserer Rettung geglaubt haben. – Ihm sei Lob und Dank für sein herrliches Werk! Amen!

Vers 42

und sie sagten zu der Frau: Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist. Joh 4,42

Die Rede der Frau war sehr erstaunlich und überzeugend, wie wir es in den vorausgegangenen Versen gelesen haben, aber Christus persönlich zu treffen und Ihn zu hören, übertraf natürlich alles. Er ist als Mensch der perfekte Abdruck Gottes, Er ist der perfekte Adam. Er kam als Gott zu den Menschen, allmächtig, allwissend, einfach uneingeschränkt souverän, voller Liebe, Gnade und Wahrheit. Das war Herrlichkeit über Herrlichkeit! Lassen Sie mich dazu zwei Verse zitieren:

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. – Joh 1,14

Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn. Joh 2,11

Wer nicht völlig blind und abgestumpft war, sah in einer Begegnung mit Christus vollkommene menschliche Herrlichkeit, obschon Christus seinen äusseren Glanz als König verdeckt hielt. Es gab keinen vergleichbaren Menschen auf der Erde. Man wurde sich gewahr: Wenn nicht Er gekommen war, die Erde zu retten, gab es niemanden mehr, der dazu imstande gewesen wäre.

Vers 43

Nach den zwei Tagen aber zog er von dort weg nach Galiläa; Joh 4,43

Nach zwei Tagen zog Christus nach Galiläa, was im übertragenen Sinn bedeutet, dass Er sein Volk nicht auf ewig verworfen hat. Nach der zweitausendjährigen Periode unter den Nationen wird Er sich wieder zu seinem Volk Israel kehren. Er wird sich über es erbarmen und den Israeliten werden ihre Verbrechen leidtun. Bitter werden sie darüber weinen, dass sie den Sohn Gottes nicht nur verworfen, sondern auf übelste Weise umgebracht haben.

Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem giesse ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint. Sach 12,10

Es ist ungemein tröstlich, dass der HERR sich wieder über Israel erbarmen wird. Wer sich selber kennt und weiss, zu was er im negativen Sinn hinsichtlich Gottes Wort zu tun fähig ist, kann aufgrund dieser im Vers Sach 12,10 dargestellten grossen Gnade in der Hoffnung bleiben, dass Gott ihn – trotz grosser Schuld – dennoch annehmen wird, sofern ihm die Verbrechen wirklich leidtun, wie es bei Israel am Ende der Fall sein wird.

Vers 44

denn Jesus selbst bezeugte, dass ein Prophet im eigenen Vaterland kein Ansehen hat. Joh 4,44

Galiläa war im kleinen Rahmen, das „Vaterland“ Jesu. Er wuchs in Galiläa auf. Seine Vaterstadt, Nazareth, lag in Galiläa (Mt 21,11). Seinen Jüngern sagte Er mit anderen Worten: „Wundert euch nicht, wenn die Menschen nicht auf mich hören werden, selbst in meiner tatsächlichen Eigenschaft als König und Prophet werden sie mich nicht entsprechend wertschätzen.“

Diese Aussage traf bzw. trifft nicht nur bei Ihm zu. Die Worte Jesu beschreiben ein allgemeines Phänomen. Wenn Gott einen Menschen besondere Aufgaben verleiht und ihn damit gross macht, so wird das am wenigsten in der eigenen Familie und von Leuten anerkannt, die diesen Menschen von klein auf kennen. Die Leute sagen sich: „Wir sahen diesen Menschen bei uns ein- und ausgehen; warum sollte ausgerechnet dieser Mensch etwas Besonderes sein?“ Auf diese Weise verwarfen die Kinder Jakobs ihren Bruder Josef, der von Gott die Offenbarung hatte, in der Familie etwas Besonderes zu sein. Die Offenbarung traf ein, vorher wurde er jedoch von den Brüdern wertgeschätzt, wie man Dreck wertschätzt und dementsprechend behandelt. Genauso handelte Israel mit Christus, der aus ihrer Mitte hervorkam: Er wurde für nichts geachtet! Und so geht es vielen Männern Gottes: Man nimmt sie in der eigenen Familie und Umgebung nicht ernst. Kommt aber ein Auswärtiger, wird dieser gehört, selbst wenn er weniger Kenntnis über die Dinge Gottes besitzt als der Einheimische.

Wichtig ist, dass der Mensch Gottes durch die Ablehnung aus den eigenen Reihen den Mut nicht verliert. Deshalb steht diese Unterweisung Christi an dieser Stelle. Nicht der Prophet ist schuld, wenn er unter den Seinen nichts gilt. Das Fehlverhalten liegt klar in der Umgebung des Propheten. – Wenn Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, klare Aufträge Gottes haben, gehen Sie einfach weiter voran, auch wenn Sie von ihren Nächsten abgelehnt werden. Suchen Sie weitere Tätigkeitsgebiete, anstatt die Hände sinken zu lassen. Gott wird sie bestätigen, solange Sie in seinem Willen wandeln. Amen.

Vers 46

Er kam nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war in Kapernaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank war. Joh 4,46

Ein königlicher Beamter aus Kapernaum hatte einen kranken Sohn. Als dieser hörte, dass Jesus zurück nach Galiläa gekommen war, ging dieser nach Kana, in der Hoffnung Jesus zu finden. – Dieser Mann tat genau das einzig Richtige: Er suchte den auf, durch den die ganze Welt wurde. Wer hätte fähiger sein können, etwas Krankes von dem zu heilen, was Er in und auswendig kannte bzw. kennt?

Vers 47

Als dieser gehört hatte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen sei, ging er zu ihm hin und bat, dass er herabkomme und seinen Sohn heile; denn er lag im Sterben. Joh 4,47

Es gibt nicht wenige Menschen, die das nicht getan hätten, auch nicht mit einem sterbenskranken Sohn. Jemand, der in einer gesellschaftlich guter Position lebt, ein Mandat an einer renommierten Universität und dazu ein grosses Einkommen hat, tut sich schwer, um Hilfe bei einer von der Welt ausgestossenen Person zu bitten.

An dieser Stelle verliess ein königlicher Beamter seinen Wohnort, um sich persönlich auf die Suche nach jemandem zu machen, den die Welt hasste. – Das braucht zwar eine gehörige Portion Demut, denn seine Parteikollegen und seine gutsituierten Freunde hätten ihn sehen können, wie er seine schöne Residenz verliess, um diesen umstrittenen und polarisierenden Wanderprediger zu suchen. Und doch tat dieser königliche Beamte dabei nur, was recht und billig war und das Einzige, was wirklich Erfolg versprach: Die Suche nach Gott und seiner Hilfe.

Christus spricht folgende Worte zu diesem Thema:

Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln. Mk 8,38

Was dieser königliche Beamte tat, war keine Heldentat, es war vielmehr nur recht und billig, wie erwähnt. – Was war sein Glanz gegenüber demjenigen Christi? – Er war nichts im Vergleich zu Christus, der ihn geschaffen hatte. Er war lediglich ein Tongefäss, das auf Füllung durch externe Stellen angewiesen war. Christus war und ist hingegen der Töpfer, der Schaffer aller Gefässe und Gott, der Allmächtige. Kein Mensch in hoher Position oder mit einem gut gefüllten Bankkonto soll ich etwas einbilden! Menschen sind gemäss der Heiligen Schrift Tongefässe (Jer 18,6), nicht wie der souveräne Töpfer, der tun und lassen kann, was Er will.

Vers 48

Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben. Joh 4,48

Christus wusste: Mit einem Zeichen waren die Leute zu beeindrucken. Sie glaubten in Galiläa aufgrund der Taten, die sie Christus in Jerusalem haben tun sehen (Vers 45). Und jetzt stand dieser Beamte vor Ihm und zu tun war ein Zeichen, ein Wunder, um das Kind zu retten. Jesus war nicht abgeneigt, in übernatürlicher Weise den Menschen zu helfen, doch es störte Ihn, dass sie nur aufgrund dieser Wunder und Zeichen Glauben an Gott aufzubauen vermochten. Wer nur aufgrund von Zeichen und Wundern glaubt, wird schnell von Christus abfallen, wenn sie ausbleiben, wie das Volk Israel aus nichtigem Grund von David abgefallen war (2. Sam 20,1 ff). Deshalb wollte Christus festen, gesunden Glauben im Menschen sehen.

An dieser Stelle nannte Er das vorherrschende Problem beim Namen und forderte den königlichen Beamten und die Umstehenden etwas heraus. Würde der Glaube dieses Beamten aufgrund dieser Worte, die aus dem Mund eines von der Welt und dem eigenen Volk verworfenen Menschen kamen, verschwinden oder würde er weiter auf Jesus Christus setzen?

Vers 49

Der königliche Beamte spricht zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Joh 4,49

Der königliche Beamte tat genau das Richtige. Er mochte sich gesagt haben: Selbst wenn ich vom HERRN gerügt oder infrage gestellt werde, ist und bleibt Er meine einzige Hoffnung! Ich setze auf Ihn und nur auf Ihn und klammere mich an Ihm fest. Deshalb rechtfertigte er sich nicht vor Christus, sondern hielt unbeirrt an seiner Bitte fest, indem er sprach: „Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!“

Was für eine herrliche Situation! Ein Vater, der die Verantwortung für seine Familie wahrgenommen hatte und dabei das Beste tat, was in jener Situation getan werden konnte! Ungeachtet seiner Stellung in der Welt, nicht beeinflussbar durch den Vorwurf Gottes und beharrlich sich an den Retter der Welt wendend, bat er für seinen Angehörigen! – Mögen wir in allem gegenüber unseren Nächsten auch so handeln, gemäss unserer aufgetragenen Verantwortung. Mögen wir unsere gesellschaftliche Schuldigkeit – auch wenn wir selbst keine Familie haben – jederzeit wahrnehmen! Bitten wir auch fleissig vor Gott für unsere Nächsten! Amen.

Vers 50

Jesus spricht zu ihm: Geh hin! Dein Sohn lebt. Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Joh 4,50

Der königliche Beamte tat in allem, was hier von ihm beschrieben ist, das Richtige. Erstens übernahm er Verantwortung für seine Familie und wollte als Vater etwas für sein krankes Kind tun. Zweitens entschied er sich, Christus um Hilfe zu bitten, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, was dabei andere Leute von ihm denken mochten. Drittens hielt er unbeirrt an Christus fest, auch als dieser den allgemein vorherrschenden Unglauben kritisierte.

Christus liess sich im Herz für diese Situation bewegen und heilte das Kind des königlichen Beamten aus der Ferne. Das Kind lag in Kapernaum, Jesus befand sich in Kana.

Ja, sollte für unseren herrlichen HERRN ein Ding zu schwer sein? – Der HERR sei gepriesen für seine überragende Herrlichkeit! Amen.

Vers 51

Aber schon während er hinabging, kamen ihm seine Knechte entgegen und berichteten, dass sein Junge lebe. Joh 4,51

Schon bevor der königliche Beamte zu Hause angekommen war, wurde ihm berichtet, dass sein Junge geheilt war. Gott liess ihn nicht übermässig lange in Sorge, was die überaus fürsorgliche Gnade des HERRN darstellt. Wie ich schon andernorts erwähnt habe, beschränkt sich Gottes Gnade nicht auf das Allernotwendigste, wie hier beispielsweise auf das Leben dieses kranken Kindes. Gott kam diesem Beamten nicht nur in seinem Anliegen entgegen; Gott schaute auch, dass der Vater des Kindes, der sich in seiner Not an Ihn gewendet hatte, sich nicht übermässig sorgen musste. Es verhielt sich so, wie es der Psalm 119,2 beschreibt, wie geschrieben steht:

Glücklich sind, die seine Zeugnisse bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen. Ps 119,2

Wer den HERRN von ganzem Herzen sucht, ist glücklich zu nennen. Der königliche Beamte suchte den HERRN von ganzem Herzen; ihm war der Weg von Kapernaum nach Kana nicht zu beschwerlich. Das wurde ihm nicht nur mit der Erfüllung seiner Bitte vergolten, Gott ging in diesem Fall weiter in seiner Gnade. Gott bindet sich voll an sein Wort. Der königliche Beamte sollte bereits auf dem Weg nach Hause glücklich sein und nicht erst in Kapernaum von der guten Nachricht der Heilung erlöst werden. – Was für eine herrliche Gnade! Amen.

Vers 52

Er erforschte nun von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden sei; und sie sagten zu ihm: Gestern zur siebten Stunde verliess ihn das Fieber. Joh 4,52

Der HERR kam diesem königlichen Beamten in allem entgegen und heilte den Sohn sofort, genau zum Zeitpunkt, indem Er „Dein Sohn lebt“ gesagt hatte. Der HERR hätte das Kind auch allmählich heilen können, was dann aber auch als Zufallsheilung hätte gewertet werden können. Eine langsame Heilung hätte viel mehr Glauben erfordert, um davon überzeugt zu werden, dass die Heilung tatsächlich und ausschliesslich auf das Wort Christi erfolgt sei. Um es dem königlichen Beamten einfacher zu machen, heilte Christus genau zu dieser Stunde, in der Er dem Vater des Kindes dessen Heilung zugesichert hatte, wie erwähnt. Wie wir nachfolgend sehen werden, führte die herrliche und entgegenkommende Vorgehensweise Christi dazu, dass die ganze Familie den Glauben an Ihn fand und damit auf ewig gerettet worden ist.

Vers 53

Da erkannte der Vater, dass es in jener Stunde war, in der Jesus zu ihm sagte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus. Joh 4,53

Durch die Art und Wirkung der Hilfe Christi wurde das ganz Haus des königlichen Beamten gerettet. – Der HERR sei für seine zuvorkommende Art gelobt! Amen.

Die Schrift sagt:

Er sandte sein Wort und heilte sie, er rettete sie aus ihren Gruben. Ps 107,20

Gottes Wort heilt. Gottes Wort und Christus sind gleichzusetzen. Das Wort ist Christus. Christus ist das Wort. Er ist Gottes Abdruck, Er ist das, was Gott ist. Er ist das, was Gott sagt: „Das Wort war Gott“ (Joh 1,1). Christus sprach zum königlichen Beamten: „Dein Sohn lebt.“ Es war daher völlig klar, dass er heil wurde. Es war völlig klar, dass die Krankheit weichen musste, selbst wenn tausend Dämonen darüber wachten! Denn es steht geschrieben:

Ist mein Wort nicht brennend wie Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert? Jer 23,29

Gottes Wort ist also nicht nur heilend, es ist auch unaufhaltsam und unumkehrbar. Was Gott gesagt hat, ist Er selbst. Wer Gottes Wort zunichtemachen will, müsste Gott töten. Das wurde zwar bereits versucht, sein Volk hat im Bündnis mit der Welt versucht, Christus in den (endgültigen) Tod zu schicken. Dieser erfolgversprechende Versuch schlug jedoch fehl: Christus lebt! Er ist wieder auferstanden! Und ein zweites Mal wird es nicht mehr geben; Er wird sich dem Tode nicht mehr preisgeben. Zukünftig werden sich an Ihm alle, die Ihn anzutasten versuchen – sei es allein oder im Kollektiv – die Zähne ausbeissen. Das zweite Bündnis der Welt gegen den HERRN wird ohne Leiden des HERRN einfach abgeschmettert werden, auch wenn es dabei viel mehr Soldaten mit viel stärkeren Waffen sein werden. Wie ich in anderen Kommentaren schon erwähnt habe, wird das Blut seiner Gegner am Ende dieses Zeitalters bis zum Zaum der Pferde reichen und vom Schlachtplatz dreihundert Kilometer weit weg fliessen (Offb 14,20). Dies sei eine Warnung an alle, die am Ende des Zeitalters zum Krieg gegen die Heilige Stadt Jerusalem ziehen wollen (Jes 13,6; 13,9). Gott, der die (Stärke der) Nationen wie Tropfen am Eimer und wie Staub auf der Waagschale achtet (Jes 40,15), wird sein Wort, das Felsen zerschmettert, gegen seine Feinde aufbieten, das ist Christus. Dieser wiederum wird, völlig entspannt, ohne seinen Arm zu bewegen und lediglich mit dem Hauch seines Mundes, den Anführer und damit notwendigerweise auch den Schutz dieses Anführers, das sind sämtliche bei Jerusalem aufmarschierten Armeen der Welt, vernichten, wie man eine Fliege mit der Klatsche zerquetscht (2. Thess 2,8). So steht es geschrieben und so wird es geschehen. Noch nie traf ein Sprechen Gottes nicht ein! Noch nie wurde ein Sprechen Gottes verhindert! Amen.

Seien Sie sich daher sicher: Wenn Gott Ihnen ein Wort zugesprochen hat, wird sein Sprechen an Sie von keiner Macht im Himmel, auf der Erde oder unter der Erde ungültig gemacht werden. Das sollte jeden Christen trösten, an den gute Worte gerichtet sind. Die Feinde Gottes sollten sich überlegen, ob sie die Warnungen Gottes an ihre Adresse wirklich in den Wind schlagen wollen. Amen.

Vers 54

Dies tat Jesus wieder als zweites Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war. Joh 4,54

Dies war das zweite Zeichen Christi zu Kana in Galiläa. Zuerst verwandelte Er auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein und bei seiner Rückkehr aus Judäa heilte Er von Kana aus das kranke Kind in Kapernaum. – Christus half jedem Mangel ab, selbst dann, wenn sein Eingreifen nicht überlebensnotwendig war, wie beispielsweise beim ersten Mal auf der Hochzeit. Christi Gnade ist nicht nur dazu da, Feuer zu löschen, sie verhilft dem Menschen, der da will, zu einem ruhigen, guten und genussvollen Leben, welches im nächsten Zeitalter zur vollen Entfaltung kommen wird.

Kapitel 5

Vers 1

Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Joh 5,1

Von Gott verordnete Feste, an denen die Israeliten in Jerusalem erscheinen sollten, waren das Passah-, Wochen- und Laubhüttenfest. Andere von Gott verordnete Feste, wie beispielsweise das der Sabbatfeier, durfte der Israelit am jeweiligen Wohnort abhalten. Die Juden hatten auch selber eingeführte Feste, eines davon war das Purimfest (Est 9,25 ff.).

Die Situation war nun diese, dass Christus an einem Fest der Juden hinauf nach Jerusalem ging.

Vers 2

Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der auf hebräisch Betesda genannt wird, der fünf Säulenhallen hat. Joh 5,2

Betesda bedeutet „Haus der Gnade“. Gott schenkte Israel Orte der Gnade, weil die Israeliten die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllen konnten. Sie waren auf Gnade angewiesen. Der Mensch allgemein ist auf Gnade angewiesen. Das Gesetz fordert nämlich den Tod der Sünder. Kein Mensch ist ohne Zielverfehlung vor Gott (= Sünde) und somit des Todes schuldig. Gott schenkte, um die Forderung seines Gesetzes zu erfüllen, aber trotzdem Gnade walten zu lassen, stellvertretende Opfer, die das Leben des Sünders auslösten. Der Sünder, der für seine eigene Verfehlung nach der Forderung des Gesetzes hätte sterben müssen, durfte durch die Gnade Gottes ein reines Tier opfern, um die unbedingte Forderung des Gesetzes zu erfüllen.

Ein weiteres Instrument der göttlichen Gnade war der Teich Betesda in der Königsstadt Jerusalem. Von Zeit zu Zeit bewegte ein Engel das Wasser. Wer dann in den Teich hinabstieg wurde gesund. Leider genügte diese Gnade dem vollkommenen Mangel der Menschen nicht, da eine Bedingung dran hing: Der Mensch musste sich in den Teich begeben können. Völlig gelähmte Menschen konnten dem Geschehen nur zuschauen, ohne je geheilt zu werden.

Die Menschheit musste eine weitere, noch vollkommenere und bedingungslose Gnade erhalten, um gerettet werden zu können. Diese dringend benötigte, vollkommene Gnade begegnete den Menschen in der Person von Jesus Christus. Sie allein war und ist fähig, den ganzen Mangel der Menschheit aufzuheben.

Vers 3

In diesen lag eine Menge Kranker, Blinder, Lahmer, Dürrer. Joh 5,3

Als Israel von Gott berufen wurde, war kein Kranker, kein Strauchelnder unter ihnen, wie geschrieben steht.

Dann führte er sie heraus mit Silber und Gold, und kein Strauchelnder war unter seinen Stämmen. Ps 105,37

Danach, nach jahrhundertelanger Abkehr von Gott lag das Ergebnis vor: Die Kinder Israel waren sehr krank. Die Hallen waren voll von blinden, lahmen, dürren und mit allerlei sonstigen Krankheiten behafteten Menschen. Israel hatte Hurerei mit anderen Göttern getrieben und ihrem Schöpfer damit den Rücken gekehrt. Wie sehr sie Gott verletzt hatten, drückt die Bibel zum Beispiel im Hes 23 aus.

Vers 5

Es war aber ein Mensch dort, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit behaftet war. Joh 5,5

Da lag ein Mensch, der schon 38 Jahre lang mit seiner Krankheit behaftet war. Vor seinen Augen sah er eine göttliche Einrichtung, die Menschen gesund zu machen vermochte (siehe Vers 7), doch er war unfähig, davon zu profitieren. Das ist die Veranschaulichung des Gesetzes, das Leben zu geben vermochte (Rö 10,5), wenn der Mensch es einhielte. Die Menschen waren aber so unfähig, Leben durch das Gesetz zu erlangen, wie dieser Gelähmte unfähig war, rechtzeitig in den Teich zu gelangen, um geheilt zu werden. Für ihn stand nach 38 Jahren, die seine Ohnmacht unmissverständlich bewiesen hatten, fest, dass er nie durch diese Art heil werden konnte. Wie erwähnt, fehlte ihm schlicht die Kraft, die Voraussetzungen für die Heilung zu erbringen.

Gott veranschaulichte Israel länger als 38 mal 38 Jahre, dass der Mensch in sich selbst die Kraft nicht hat, das Richtige zu tun, denn die Zeitspanne zwischen der Gesetzgebung und Christus erstreckte sich etwas über diese 1‘444 Jahre.

Vers 6

Als Jesus diesen daliegen sah und wusste, dass es schon lange Zeit so mit ihm steht, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Joh 5,6

Jesus geht aktiv auf diesen Kranken zu, was sehr herrlich ist. Wir wissen nicht, ob der Kranke von Jesus wusste oder ob er Ihn erkannt hätte. An dieser Stelle sehen wir Christus sich dem Kranken offenbaren, ohne dass der Kranke nach Ihm gefragt hatte. So verhält es sich, wenn wir Gott kennenlernen. Nicht wir waren fähig, Gott zu erkennen, Gott offenbarte sich uns. Auch haben wir nicht wirklich nach Ihm gefragt.

10 wie geschrieben steht: »Da ist kein Gerechter, auch nicht einer;
11 da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Röm 3,10-11

Vor unserer Bekehrung zu Ihm begegnete Er uns in dieser herrlichen Art – obschon auch keiner von uns Gott suchte –, und Er fragte uns ebenfalls: „Willst du gesund werden? Willst du gesund werden von der Krankheit des Teufels, die in deinem Fleisch wuchert und welche dir den sicheren Tod bescheren wird (Rö 6,23)? Willst Du frei werden von dem teuflischen Regime (Eph 2,2), welches dich menschenverachtend versklavt (Gal 4,8) und in der Knechtschaft der Sünde hält, welche dich wiederum Gräueltaten verüben lässt (Rö 6,21)?“ So steht es geschrieben:

Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. Joh 15,16

Der HERR hat uns (aktiv) erwählt; wie hätten wir den HERRN in unserer Blindheit, in unserem Dienst für den Teufel erkennen können? Wir wandelten in einem solch krassen Irrtum, wie die Nationen heute im Irrtum wandeln. Wir dachten gemäss der Lehre des Satans, wir könnten tun und lassen, was wir wollten und alles sei erlaubt. In Wahrheit taten wir aber nichts anderes als seinen Willen, der gegen das Gute gerichtet ist. Wir schmähten damit Gott und halfen aktiv mit, die Menschheit zu vergiften, nach dem Befehl dessen, der ein Menschenmörder ist (Joh 8,44). Doch – Gott sei Dank! – trat plötzlich Christus in unser Leben mit dieser herrlichen Frage: „Willst Du gesund werden?“

Vers 7

Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich werfe; während ich aber komme, steigt ein anderer vor mir hinab. Joh 5,7

Das Wasser des Teiches wurde von Zeit zu Zeit von einem Engel bewegt und der erste, der in das Wasser hinabstieg, wurde gesund. Für diesen Kranken waren die Voraussetzungen zur Heilung ein Ding der Unmöglichkeit. Er brauchte jemanden, der alles Notwendige für ihn tut, jemanden, der ihn einfach so rettet.

In Christus, der die Brücke von Gott zum Menschen schlug, kann Gott den vollen Strom der Gnade fliessen lassen. Unter Gesetz hiess es: Wer es einhält, kommt zum Leben (Rö 10,5). Das Leben kam also durch Eigenleistung. Da die gefallene Menschheit diese Eigenleistung nicht erbringen kann – sie wird durch diesen kranken Menschen verkörpert -, kam sie nicht zum Leben. Vielmehr füllten sich die Säulenhallen mit Kranken, Lahmen und Blinden.

Die Situation schrie nach Gott, nach einem Gott, der nichts mehr vom Volk fordert. Sie schrie nach einem Gott, der den Unvermögenden die Hände entgegensteckt. – Doch wie könnte ein heiliger und völlig gerechter Gott so etwas tun? Die Menschen waren ja nicht nur unvermögend – dieser Mangel hätte schnell behoben werden können -, die Menschen hatten sich zu alledem an diesem Gott schwer versündigt. Sie hatten seine Worte verworfen, mit anderen Göttern herumgehurt und Ihn damit in jeder erdenklichen Art gekränkt und beleidigt. – Was gab es für Ihn noch für einen plausiblen Grund, nicht nur das menschliche Unvermögen aus der Welt zu schaffen, sondern auch noch als Beleidigter die Missetaten des Volkes auszutilgen, die für die Kluft zwischen Gott und Mensch verantwortlich waren? Waren die Menschen für ihre Krankheiten nicht alle vollkommen selber schuld? War es nicht völlig gerecht, dass sie in ihren Sünden dahinschwanden? – Ja, es war völlig gerecht und es ist heute noch völlig gerecht, wenn der Sünder umkommt.

Nun hat Gott neben seiner Gerechtigkeit aber noch eine andere Seite: Er ist Liebe und sehr barmherzig. Diese zwei Seiten Gottes verursachen aber einen scheinbaren Konflikt: Seine Gerechtigkeit ist vollkommen und fordert den Tod eines jeden Sünders. Seine Liebe ist auch vollkommen und fordert vollkommene Barmherzigkeit. Das sind zwei Gegensätze, die sich nicht vertragen und auf den ersten Blick niemals zusammengeführt werden können. Doch nun sagt die Bibel:

Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst. Ps 85,11

Gott allein ist in seiner Herrlichkeit im Stand, die Forderungen des Gesetzes voll einzuhalten und gleichzeitig Gnade walten zu lassen. Der Gerechtigkeit wurde am Kreuz durch Jesus Christus voll Genüge getan, indem Er die Sünden der Welt trug (damit trug Er auch die damit verbundenen Krankheiten). Jeder nun, der an Ihn glaubt, kommt in den Stand eines Toten, seine alte Natur ist mitgekreuzigt (Rö 6,6). Ein Toter ist dem Gesetz gestorben (Rö 7,6). Jeder nun, der an Ihn glaubt, kommt in den Stand eines (ewig) Lebenden (Rö 6,8), ein Gläubiger erhält eine völlig neue Natur, die Natur Gottes (Joh 1,12)!

Vers 8

Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher! Joh 5,8

In der Person von Jesus Christus begegnete Gott den Menschen in völlig bedingungsloser und gnädiger Art. Die Menschen, die sich alle ausnahmslos selbst vor Gott in Sünde gebracht und sich damit den Zorn des Schöpfers zugezogen hatten – sie werden gesamthaft durch diesen Kranken verkörpert -, waren nun durch diese erwähnten, eigenen Wege in einem bedenklichen Zustand und völlig unfähig, sich in eigener Kraft wieder aufzurappeln oder nur schon aus eigener Kraft zur Hilfe Gottes zu gelangen, um sich, in der Symbolsprache ausgedrückt, zur rechten Zeit in den Teich zu werfen. Die Sünde hatte sie alle zuckersüss angelächelt, um nachher ohne Barmherzigkeit zuzuschlagen. Die Sünde kommt nicht in schlechter Verpackung daher, Ehebrecherinnen sind vielversprechend und attraktiv, Lügen geloben Vorteile und Diebstahl einen dickeren Geldbeutel, selbst wenn es sich dabei „nur“ um Unterschlagung handelt, die leider vielerorts als Kavaliersdelikt angesehen wird, wie etwa die Steuerhinterziehung. Wer die Sünde gekostet hat, hat giftige Substanz eingenommen, die den Menschen zerfrisst. Im Mund schmeckt sie süss, für den Körper ist das Gift tödlich. Die Sünde betrügt die Menschen, die Ehebrecherin bringt keinen neuen Schub ins Leben, Lügen bringen am Ende Verdruss und einen schändlichen Namen und Diebstahl bringt einem ebenfalls das Attribut, ein unmoralischer Verbrecher zu sein. Die Sünde betrügt die Menschen, liebe Leserinnen und liebe Leser! Das sage nicht ich, sondern Gott, der Allmächtige, wie geschrieben steht:

sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es »heute« heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde! Hebr 3,13

Kommen wir nach diesem kleinen Exkurs zurück zum Vers 8. Christus tritt in das Leben dieses Kranken und hebt alles auf, was die Gottesferne, der Eigenwillen und die Sünde der Menschheit angetan hatten. Mit seinen Worten heilt Er diesen Menschen einfach, ohne auf seine eigenen Bedürfnisse und Ansprüche Rücksicht zu nehmen, die Liebe, Respekt, Heiligkeit, Dankbarkeit und Gerechtigkeit forderten. Der Mensch war soweit gekommen, dass er Gott ausser dem Eingeständnis der völligen Hilflosigkeit (siehe Joh 5,7) rein gar nichts bringen konnte. – Gelobt sei der HERR für seine Gnade! Amen!

Vers 9

Und sofort wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett auf und ging umher. Es war aber an jenem Tag Sabbat. Joh 5,9

Auf das Wort Christi wurde der Mensch sofort gesund. „Na klar!“, sagen wir beim Lesen, weil es in der Bibel steht. Und doch glauben wir es nicht so selbstverständlich, wie es da steht, sonst würde viele viel mehr Vertrauen in Christus setzen. Durch das Wort Gottes wurden die Welten aus dem nichts geschaffen! Christus ist all diese Macht übergeben.

Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Mt 28,18

Trotz all dieser Tatsachen glaubt selbst sein eigenes Volk nur zögerlich, wenn überhaupt, wie geglaubt werden sollte. Jesus stellte deshalb die folgende Frage, die durch alle Zeitalter ihre Berechtigung hat, ob der Mensch bei seiner Wiederkunft richtig glauben werde:

7 Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und sollte er es bei ihnen lange hinziehen?
8 Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde? Lk 18,7-8

Gott kann nicht nur helfen, wenn wir selbst schon nahe am Ziel sind. Gott kann in den unmöglichsten Situationen so effektiv Einfluss nehmen, dass alles Negative aufgehoben und durch das Gute ersetzt wird. Beim Kranken am Teich dominierte das Negative. Das Gute war für diesen Menschen völlig ausser Reichweite. Für ihn war der helfende Gott nur ein Mythos. Er wusste, dass Gott helfen kann. Immer dann, wenn das Wasser bewegt wurde und wieder jemand, der weniger krank war als er selbst, völlig gesund aus dem Teich stieg. Daran musste dieser Mann ableiten, dass Gott helfen kann, wenn wenig zur völligen Genesung fehlt. Für den Kranken war die Allmacht Gottes nicht mehr real, sondern nur noch etwas, von dem man zwar noch sprach, wie zum Beispiel in der Erinnerung über den Auszug aus Ägypten und die übernatürliche Teilung des Roten Meeres. Das Sprechen über die alten Wunder nützte ihm aber nichts in seiner Situation. Er musste Gottes Kraft in der Gegenwart erfahren können, sonst würde er keine Chance haben.

Gottes volle Kraft hat niemals abgenommen. Sie steht den Gläubigen zur Verfügung, die in der heiligen Absonderung leben, worin Simson mehrheitlich lebte. Als Simson sich der Welt preisgegeben hatte, setzte Gottes übernatürliche Unterstützung bis zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Heiligung aus. Beim völlig verweltlichten Israel hatte sich der heilige Gott, der das Böse nicht anschauen kann, zurückziehen müssen. Israel lebte in der Niederlage und wurde krank und kränker.

Nun zeichnet sich Gott darin aus, dass – obschon es keine Hoffnung mehr für Israel gab, weil die Weltlichkeit Gottes Unterstützung verdrängt hatte – Er sich aller Sünden zum Trotz herabgeneigt hatte, die Sünde auf sich lud und damit jedem völlig Unvermögenden, jedem völlig in der Sünde Verstrickten im Namen Jesu Christi wieder seine volle wiederherstellende Kraft anbieten konnte, wenn der Mensch nur an den Namen des Sohnes glauben würde. Der Sohn ist es, der die durch die Sünde entstandene Kluft zwischen Gott und Mensch aufhebt. Der Sohn ist es, der Gott dem Menschen wieder nahe gebracht hat. Der Sohn war es, der diesem Kranken Gottes Kraft zur sofortigen Heilung hatte fliessen lassen. Der Sohn ist es, welcher der Welt wieder Hoffnung brachte (Mt 4,15.16). Er sei gelobt! Amen.

Vers 10

Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen. Joh 5,10

Die Juden, welche die Heilung nicht gesehen hatten, aber jetzt den Mann umhergehen sahen, erinnerten diesen an die Worte des Gesetzes, dass am Sabbat nicht gearbeitet werden sollte, wie geschrieben steht:

aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore wohnt. 2.Mose 20,10

Christus, der HERR über den Sabbat ist, liess den Mann das Bett am Sabbat nach Hause tragen. – Weshalb ordnete Christus etwas Derartiges an? Förderte diese einzelne Anordnung Christi nicht die Gesetzlosigkeit? Förderte diese Anordnung nicht die Einstellung, Gottes Wort sei nur eine Empfehlung, die nicht zwingend eingehalten werden muss? Ich rede jetzt nach der Weise der Menschen, um etwas für einige Menschen vielleicht noch Unbekanntes zu erörtern. Es ist mir durchaus bewusst, dass Christus nie einen Fehler gemacht hat und alle seine Anordnungen perfekt und herrlich sind. Kommen wir zurück zu der Frage: Weshalb ordnet Christus etwas an, dass den Anschein hat, die Ordnung des Sabbats zu brechen? Christus befahl diesem Mann, das Bett nach Hause zu tragen, um zu zeigen, dass nach dem Willen Gottes die Bedürfnisse des Menschen über den Ansprüchen des Gesetzes stehen, was heisst, dass bei einem dringenden menschlichen Bedürfnis dieses in Ausnahmefällen – trotz einer anderslautenden Verordnung – gestillt werden darf. Diese ausserordentliche Ausserkraftsetzung des Gesetzes kommt in der Bibel nicht oft vor und etabliert für niemanden „Freikarten“, um sich selbst Ausnahmen gegen Christi Worte zu definieren und auszuleben. Die Situation mit den Schaubroten in der Stiftshütte (Mt 12,4), welche nur die Priester essen durften, jedoch einst von David und seinen Männern im Hunger gegessen wurden, war eine solche Ausnahmesituation, wie auch jene, in der die Jünger am Sabbat Ähren abpflückten und assen (Mt 12,1). Innere Lüste und äusserliche Versuchungen stellen keine explizite Not dar und erlauben niemals die Aufhebung der göttlichen Anordnungen!

Diese Ausnahmesituation am Teich zeigt in herrlicher Art, dass Gott Menschen auch entgegen dem Gesetz heilt. Das Gesetz fordert nicht nur den Tod bei groben Vergehen, es setzt auch Gesundheit voraus, dass beispielsweise der Pilgerweg nach Jerusalem zu bewältigen sei. Ein kranker Mensch kann diese Ansprüche noch weniger erfüllen als ein gesunder und kann sich in dieser Hinsicht noch hoffnungsloser fühlen. Christus offenbarte mit der Anordnung, das Bett am Sabbat nach Hause zu tragen, das Er auch am Ruhetag, also am Sabbat, Menschen barmherzig entgegenkommt, wenn Not da ist. Er stellt seine Ansprüche zurück, sogar um bei Bedarf eigenverschuldete Not zu heilen. Christus offenbarte hier einmal mehr sein völlig bedingungsloses Entgegenkommen.

Denken Sie nicht bei Leiden, die offensichtlich durch eine nicht bibeltreue Lebensführung aufgekommen sind, Gott könne oder wolle Ihnen nicht mehr aus der Not helfen. – Wenn Sie zu Ihm zurückkehren, gibt es Hoffnung, wie Israel immer wieder Hoffnung erhalten hatte, wenn es vom Bösen abliess und sich Gott zuwendete (1. Sam 12,20-22).

Vers 11

Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und geh umher. Joh 5,11

Das Wort eines Menschen, der jemanden gesund gemacht hat, hat natürlich beim Geheilten grosses Gewicht. Deshalb tat der Geheilte, was ihm aufgetragen wurde. Christus gab dem Geheilten den Auftrag, das Bett am Sabbat herumzutragen. Christus stellte damit dar, dass Gott die in Sünde gefallene Menschheit, die durch ihren Betrug immer noch ärmer und noch kränker geworden und dadurch noch weniger imstande war, irgendeine Forderung des Gesetzes zu erfüllen, aus reiner Gnade retten will und es auch problemlos tun kann, wie im vorausgehenden Kommentar bereits erwähnt.

Im Übrigen ist noch zu sagen, dass die Gebote von Anfang an zum Schutz des Menschen gegeben worden sind; der Mensch ist nicht zum Zweck erschaffen, wie ein Roboter ein vorgegebenes Programm abzuspulen. Deshalb sagte Christus auch an einer anderer Stelle, die Gebote seien für den Menschen, nicht umgekehrt (Mk 2,27).
Der Mensch wurde nach dem Bilde Gottes geschaffen, um zu zeigen, wie Gott ist. Leider verlor der Mensch den Glanz des vollkommenen Abbildes nach dem Sündenfall. Christus zeigte mit seinem Kommen der Welt wieder in vollkommener Art, wie Gott wirklich ist. Er war in der Eigenschaft als Mensch der perfekte Abdruck Gottes, was der Mensch von Anfang an hätte sein sollen. Doch der Mensch fiel bekanntlich in Sünde. Adam fiel in Sünde. Aus der unheilvollen Verbindung der von Adam geerbten Natur und dem daraus resultierenden eigenem Unvermögen und der konstanten, gerechten Forderung des Gesetzes, ergab sich für den Menschen eine solche Hoffnungslosigkeit und Verlorenheit, welche bei denkenden Menschen eine nicht zu stillende Erwartung nach einem Erlöser aufkommen lassen musste bzw. muss. Die Frau am Brunnen hatte es erkannt (Joh 4,25), wie es auch jeder andere Mensch erkannt hat, der auf den Messias wartet.

Vers 12

Sie fragten ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und geh umher? Joh 5,12  

Das Wunder weckte bei dem Volk natürlich die Neugierde. Deshalb fragten sie: „Wer ist dieser Mensch?“ – Wir Gläubigen wissen, wer dieser Mensch ist. Dieser Mensch ist Gott, im Fleisch gekommen, sein Volk zu besuchen, um es vom Fluch des Gesetzes zu erlösen und von allem zu heilen, an dem es erkrankt war.

Was viele Menschen nicht wissen ist, dass sie krank sind, auch wenn sie gesund sind. Denn wenn sie wirklich gesund wären, müssten sie vor dem gerechten Gott nicht irgendwann sterben. Der völlig gesunde Mensch dürfte vor dem gerechten Gott immer weiterleben, denn das Halten des Willens Gottes schenkt Leben (Rö 10,5). Da der Mensch in Sünde fiel, fiel er aus dem gesunden Zustand in einen kranken, der es ihm verunmöglichte, Gott zu gefallen und das Gesetz zu halten. Die kranke Natur des gefallenen Menschen ist so geschwächt, dass der Mensch das Gesetz nicht halten kann, selbst wenn er es halten wollte (Apg 15,10; Rö 7).

Viele Menschen haben offensichtlich nicht begriffen, dass der allmächtige Gott alles in der Perfektion schafft. Auch der Mensch war perfekt geschaffen, bis zum Punkt, an dem er anfing, dem Teufel Gehör zu schenken. Darauf wurde er mangelbehaftet und krank, um von da an – weit weg vom idealen, gesunden Zustand – zweckentfremdet dahinzuvegetieren. Zweckentfremdet war der Mensch, weil er Gott beinhalten und seine Herrlichkeit ausstrahlen sollte, aber nun das Böse in sich trug und die Charakterzüge dessen trug, dem er Gehör schenkte. Dem Teufel schenkte er Gehör und fing deshalb an, in dessen Manier zu lügen, zu stehlen, den Eltern ungehorsam zu sein, Neid zu hegen, zu morden, die Ehe zu brechen und Gott und sein Wort zu hassen. – Wer nun sagt, auch wenn ein Mediziner keine Krankheit am Individuum feststellt, der natürliche Mensch sei gesund, muss blind sein.

Gott wusste vom wahren Zustand des Menschen und von seinem Unvermögen, sich selbst zu heilen. Seinem liebenden Charakter gemäss erbarmte Er sich über dem Menschen, wurde Fleisch und wohnte unter uns, um uns von diesem schrecklichen Zustand zu erlösen! Er sei gepriesen! Amen.

Vers 13

Der Geheilte aber wusste nicht, wer es war; denn Jesus hatte sich entfernt, weil eine Volksmenge an dem Ort war. Joh 5,13

Der Geheilte konnte nicht angeben, wer ihn geheilt hatte. Er konnte nicht sagen, Jesus, der Sohn Gottes, im Fleisch gekommen, dieser Mann habe ihn geheilt. Er wusste nur, dass jemand ihm grosse Barmherzigkeit entgegengebracht hat.

Uns ging es am Anfang genau gleich. Wir kannten den, der sich zu uns herabgeneigt hatte, nicht wirklich. – Was wussten wir am Tag unserer ersten Begegnung mit Christus über Ihn? Am Tag, an dem Gott uns rief, wussten wir persönlich nicht wirklich viel über Ihn, selbst dann nicht, wenn wir in einem christlichen Haus aufwachsen durften. Wir konnten bis zum Ruf vielleicht von aussen Gottes Taten beobachten, wie Er beispielsweise unseren Eltern geholfen hat. Der Geheilte sah zuvor auch die Taten Gottes, ohne Ihn zu kennen, zum Beispiel, wie Gott durch das bewegte Wasser im Teich Menschen heilte. Erst an dem Tag, an dem wir uns bekehren durften – Er rief uns, nicht wir gingen zu Ihm (Joh 15,16) -, begegnete uns Christus persönlich. Jetzt sind wir angehalten, Ihn immer besser kennen zu lernen, damit wir in der Erkenntnis Gottes nicht Mangel leiden. Gott spricht durch sein Wort folgendes:

17 Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist!
18 Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist,
19 indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt!
20 Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus! Eph 5,17-20

Es gibt auch heute noch im Niedergang des Christentums gute Ausbildner, welche die gesunde Lehre weitergeben. Suchen Sie im Internet auf Youtube.com zum Beispiel nach Tim Conway oder Paul Washer (Stand: November 2016). Diese beiden Prediger verkündigen das Wort Gottes in englischer Sprache, wobei viele ihrer Videos deutsch untertitelt sind.

Ich fordere Sie auf, liebe Leserinnen und liebe Leser, sich die biblischen Wahrheiten zu suchen und anzueignen. Wenn das Wort in Ihrer Gemeinde unzureichend oder verwässert gepredigt wird, so sind Sie hiermit eindringlich aufgerufen, sich im Internet bei guten Lehrern weiterzubilden. Nicht töricht zu sein (Eph 5,17), liegt in Ihrer Eigenverantwortung! Obschon sich auch sehr viele Irrlehrer auf Youtube tummeln, bin ich überzeugt, dass Sie die richtige geistliche Ausbildung und Nahrung finden werden, wenn Sie den HERRN im Gebet aufrichtig darum bitten. Amen.

Vers 14

Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfahre! Joh 5,14

Christus offenbarte sich diesem Menschen ein zweites Mal. Es sollte ihm nicht unbekannt bleiben, wer ihn geheilt hatte. Der Mensch sollte die Gewissheit bekommen, dass das Heil in Christus ist und nicht in von Menschen eingesetzten „Grössen“. Der HERR bestätigt auch, dass Sünde den Menschen vernichtet und die zweite bewusste Wahl für die Sünde mit Sicherheit den realen Albtraum heraufbeschwören würde. Der Mensch geht an der Sünde zugrunde, weil er sich durch den Genuss von verbotenen Dingen vergiftet. Der Mensch geht an der Sünde auch zugrunde, weil Sünde ihn von Gott und all seinem Segen trennt. Und letztendlich geht der Mensch an der Sünde zugrunde, weil die Sünde Gottes Gericht heraufbeschwört. Und noch etwas wird mit diesem Vers bestätigt: Jemand, der Gottes Barmherzigkeit geschmeckt hatte und wieder abfällt, kommt unter ein noch grösseres Unglück, als dasjenige, unter welchem er vorher litt. Das ist ein Prinzip, welches auch für Israel galt:

24 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte und sucht Ruhe; und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich ausgegangen bin.
25 Und wenn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt.
26 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit, böser als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen dort; und das Ende jenes Menschen wird schlimmer als der Anfang. Lk 11,24-26

Am Teich Betesda geschah, dass ein vom Bösen geplagter Mensch vom Schlechten weg kam und durch das Gute geheilt wurde. Verwirft er die gute Quelle, die ihn gesund gemacht hat, wählt er das Schlechte zum zweiten Mal und sagt damit aus, dass er lieber aus der giftigen trinkt. Einem solchen soll seine böse Wahl doppelt anhaften, Gott lässt sich nicht verspotten (Gal 6,7)!

4 Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind
5 und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben
6 und doch abgefallen sind, wieder zur Busse zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.
7 Denn ein Land, das den häufig darauf kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt für diejenigen, um derentwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott;
8 wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbrauchbar und dem Fluch nahe, der am Ende zur Verbrennung führt. Hebr 6,4-8

Die Sachlage ist sehr ernst. Wenn ein Sünder gereinigt wurde, Barmherzigkeit erhalten hat und trotzdem wieder die Sünde, die Verhaltensweise des Teufels, wählt, wird es nicht gut kommen. Die Bibel spricht unverblümt über das, was dann geschehen wird.

26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig,
27 sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.
28 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin.
29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«
31 Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Hebr 10,26-31

Liebe Leserin und lieber Leser! Lassen Sie uns bitte unser Leben in heiliger Gottesfurcht leben. Das Leben ist kein „Game“, es ist kein Spiel, wie es von einigen weltlichen Menschen angesehen wird. Die Sünde ist dringend zu lassen, Christus verlangt das ausdrücklich. Er spricht:

8 Wenn aber deine Hand oder dein Fuss dir Anlass zur Sünde gibt, so hau ihn ab und wirf ihn von dir! Es ist besser für dich, lahm oder als Krüppel in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Händen oder mit zwei Füssen in das ewige Feuer geworfen zu werden.
9 Und wenn dein Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiss es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle des Feuers geworfen zu werden. Mt 18,8-9

Es ist unbedingt zu bedenken, was an dieser Stelle gesagt ist. Christus sagte genau das Gleiche zur Ehebrecherin. Er sprach, dass sie die Sünde fortan lassen solle.

Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr! Joh 8,11b

Gott ist keine Vergebungsmaschine. Er hat Gefühle wie wir. Er hasst die Sünde. Wenn wir die sündige Welt lieben, haben wir Gottes Liebe nicht in uns (1. Joh 2,15). Wir haben jetzt schon viele entsprechende Verse betrachtet. Und die Bibel gibt diesbezüglich noch mehr Warnhinweise für Menschen, die locker mit der Sünde umgehen und denken, unvorsichtiger Umgang mit Sünde und entsprechende Spiele mit dem Feuer lägen drin. Das Thema ist viel zu ernst, ein lockerer Umgang damit ist, wie nachts im Nebel stockbetrunken in einem knapp betankten Kleinflugzeug über eine Grossstadt zu fliegen. Hören wir, was die Bibel weiter dazu sagt:

1 Zu dieser Zeit waren aber einige zugegen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte.
2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten haben?
3 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Busse tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.   
4 Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie tötete: meint ihr, dass sie vor allen Menschen, die in Jerusalem wohnen, Schuldner waren?
5 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Busse tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. Lk 13,1-5

Der Vers 1 im vorausgehenden Text sagt aus, dass Pilatus das Blut der Menschen wie bei Opfertieren hat fliessen lassen; Pilatus hatte die Menschen also umgebracht. Christus lässt durchblicken, dass es jeden der Galiläer hätte treffen können, die Ermordeten waren nicht sündiger als ihre noch lebendigen Volksgenossen. Dasselbe sagt Er über die achtzehn vom herabstürzenden Turm Getöteten. Wer in seinem Leben nicht Busse tut, den kann das Unglück problemlos erreichen. Leichtfertig mit Sünde umgehende Menschen sind wie als für den Tod leicht zu erreichende Menschen markiert. Quasi wahllos darf er sie offensichtlich einsammeln und ins Totenreich befördern. Genau das sagen diese Verse aus, nicht mehr und nicht weniger. – Ziehen Sie sofort ihre Hand zurück, wenn Ihnen bewusst wird, dass sie sündigen. Der HERR wird für sträflich fahrlässige Sünden nicht einstehen, weil sie der Mensch einfach so begangen hat. Und bedenken Sie bitte, ein nachlässiges Wirken im Ackerfeld Gottes und auch sonst, ist ebenfalls eine Schande, man sei dabei ein Bruder des Verderbers. (Spr 18,9).

Wegen der Sünde gab Gott seinen geliebten Sohn dahin. Wer nun denkt, die Gnade Gottes sei billig, schätzt die Situation völlig falsch ein und setzt sein Leben in gleicher Weise aufs Spiel, wie die Wahnsinnigen es beim russischen Roulette tun.

Gott kann jede Sünde bei echter Reue vergeben, sogar Ehebruch und Mord. Solange der Mensch aber Sünde als Kavaliersdelikt betrachtet, ist echtes Reueverständnis nicht vorhanden. Und ohne Reue gibt es keine Vergebung (Lk 18, 9-14). Dem Selbstgerechten im Gleichnis wurde explizit nicht vergeben. Lassen Sie uns nicht im Irrglauben verharren! Amen.

Vers 15

Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht habe. Joh 5,15

Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht habe. Das steht einfach so da. Was einfach so da steht und banal wirkt, ist für Christen sehr vielaussagend. Dieser Mensch stand in der Schule Gottes offensichtlich noch am Anfang und von der Weisheit Gottes war noch viel zu lernen. Und da er nicht in bewusst böser Absicht zu den Juden ging, wird er von der Schrift dafür nicht kritisiert.

Hätte dieser Mann aber Gott gefragt, ob er den Juden sagen soll, dass es Jesus war, der ihn heilte, wäre die Antwort bestimmt negativ ausgefallen. Lassen Sie mich das etwas ausführen: Wer Jude war und etwas von sich hielt, praktizierte damals nach aussen hin das Gesetz. Untereinander versuchte man sich zu gefallen, um in allem mitmachen zu können. Keiner wollte mit einer polarisierenden Äusserung für Gott gesellschaftlich etwas riskieren, um beispielsweise aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden (Joh 9,22; 12,42). Nun war es aber offensichtlich, dass die Juden das Gesetz nur äusserlich praktizierten, mit dem Herzen aber weit weg von Gott waren (Jes 29,13; Mt 15,8). Sonst hätten die wahrhaftigen Männer Gottes sie nicht mit „Otternbrut“ betitelt (Mt 3,7) oder sie als Nachkommen des Teufels (Joh 8,44) bezeichnet.

Wir sollen nur das tun, was mit dem Willen Gottes in völliger Übereinstimmung ist. Mit der Information an die Juden tat ihnen der Geheilte einen Gefallen. Er tat Gottlosen einen Gefallen. Christus tat er damit keinen, er behinderte vielmehr sein Wirken, wie wir es im nachfolgenden Vers sehen werden. Wir sollten uns bei all unserem Wirken fragen, wieso wir dieses oder jenes Vorhaben umsetzen wollen. Wir sollten uns fragen, ob es zur Ehre Gottes ist, ob es zu unserer Ehre ist oder ob es letztendlich gar dem Teufel und seinen Gehilfen zum Gewinn wird. Da wir die Situation meistens nicht im Detail überblicken und damit richtig einschätzen können, verlangt Christus von uns eine äusserst enge Zusammenarbeit. Nicht umsonst spricht Er:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Joh 15,5

Wir können zwar getrennt von Ihm etwas wursteln. Aber wir müssen wissen, dass autonomes, von Gott unabhängiges Wirken kein bleibendes Resultat hervorbringt. Vor Gott wird es wertlos oder gar hinderlich sein, wie der Gang des Geheilten, der aus was für Gründen auch immer glaubte, zu den Juden eilen musste, um ihre noch offene Frage (aus dem Vers 12) zu beantworten.

Vers 16

Und darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte. Joh 5,16

Das Trachten des Geheilten, den Juden zu gefallen und damit die noch offene Frage zu beantworten, wer ihn denn geheilt habe, brachte Christus Verfolgung. Die falsche Vorstellung der Sterndeuter (Mt 2,1), die dem Messias huldigen wollten, Christus aber nach eigenen Überlegungen im Palast des Herodes gesucht hatten, war der Anlass oder zumindest einer der Auslöser für den Kindermord in Bethlehem (Mt 2,3 ff.).

Wir sollten damit die dahinterstehende Lektion lernen: Eigendünkel bringt uns auf Wege des Todes, wie geschrieben steht:

Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber zuletzt sind es Wege des Todes. Spr 14,12; 16,25

All unsere Vorhaben sind mit dem HERRN abzusprechen (Joh 15,5), wenn wir im Christenleben erstens Erfolg haben und wir sein zweitens Werk nicht behindern wollen.

Vers 17

Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. Joh 5,17

Christus sagte den Juden, die Ihm nachstellten, sein Vater würde wirken. Das musste gesagt sein, denn es gab und gibt Menschen, die sagen, Gott sei faul und selbstsüchtig, indem er nichts oder nichts in Bezug auf seine Schöpfung wirken würde, wie geschrieben steht:

In jener Zeit wird es geschehen, dass ich Jerusalem mit Leuchten durchsuche und die Männer heimsuche, die auf ihren Hefen festsitzen, die in ihrem Herzen sagen: Der HERR wirkt nichts Gutes und wirkt nichts Böses. Zef 1,12

Christus wirkte in Übereinstimmung mit seinem Vater und Er wirkte viel. Als Abdruck des Vaters zeigte Er uns, wie sehr Gott sich für die Schöpfung einsetzt und nicht die Ruhe in den Himmeln geniesst. Als seine Jünger sind wir angehalten, nach seinem Vorbild im Reich zu wirken: Wir sollen mit Fleiss und Hingabe wirken. So repräsentieren wir unseren Vater in der korrekten Weise! Amen.

Vers 18

Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte. Joh 5,18

Wie verblendet der religiöse Mensch doch ist! Obschon er das Gesetz nicht einhalten konnte und auf Gnade angewiesen war, vertrat er weiterhin stur die Ansicht, der Mensch sei um der Gebote willen geschaffen worden. Christus sagte hingegen, die Gebote seien um des Menschen willen gegeben, nicht umgekehrt; die Gebote dienten dem Menschen, der Mensch sei nicht für die Gebote geschaffen. Um das zu verdeutlichen, arbeitete Christus auch am Sabbat, wenn es die Not der Menschen erforderte.

Der religiöse, mit Gebräuchen und Riten hantierende Mensch anerkennt den Gott der Bibel nicht. Der Gott der Bibel will keine Religion, sondern Glaube an Christus und Gehorsam. Der religiöse Mensch folgt seinem Gott, dem Teufel, der ihn mit Riten und Gebräuchen, welche die alte Natur stärken, beschäftigt. So wird der religiöse Mensch selbstgerecht und ist noch schlimmer dran als ein weltlicher Mensch, welcher sich einfach durch das Leben kämpft und versucht, das Beste daraus zu machen. Gott musste seinem Volk, das von sich glaubte, in Ordnung zu sein, schlimme Vorwürfe machen. Er musste seinem Volk vorwerfen, schlimmer zu sein als die übrigen Nationen. Die Nationen waren in Sünde, doch sie blieben ihren Göttern treu. Israel war auch in Sünde, fügte aber noch unglaublichen Frevel hinzu. Das Volk Israel verwarf ihren Gott, der ihnen mit Liebe und grosser Macht begegnet war und sie unverdient aus dem Sklavenhaus Ägypten befreit hatte und bevorzugte es, einem Gegenstand aus dem Angebot des Teufels zu dienen, wie geschrieben steht:

8 Die Priester sagten nicht: Wo ist der HERR? Und die das Gesetz handhabten, kannten mich nicht, und die Hirten haben mit mir gebrochen. Die Propheten weissagten im Namen des Baal und sind denen nachgelaufen, die nichts nützen.
9 Darum muss ich weiter mit euch rechten, spricht der HERR. Auch mit euren Kindeskindern muss ich rechten.
10 Fahrt doch hinüber zu den Inseln der Kittäer und seht, sendet nach Kedar und gebt gut acht und seht, ob so etwas dort je geschehen ist!
11 Hat irgendeine Nation die Götter vertauscht? – Und jene sind nicht einmal Götter! Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit vertauscht gegen das, was nichts nützt.   
12 Entsetzt euch darüber, ihr Himmel, und schaudert, erstarrt völlig vor Schreck! spricht der HERR.
13 Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten. Jer 2,8-13

Wen wundert es, dass Israel den fleischgewordenen Gott nicht erkannt hatte? Die Götzen aus der Gefolgschaft des Teufels, denen Israel diente, reizten sie natürlich auch noch gegen den Gesalbten Gottes auf.

Vers 19

Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, ausser was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn. Joh 5,19

Mit dieser Aussage bekräftigte Christus in einem Sinn die Dreieinigkeit Gottes, zumindest in Bezug auf den Vater und den Sohn. Die Gottheit ist sich in allem so einig, dass sie in der Einzahl auftritt, obschon sie sich auch als aus drei Personen bestehend offenbart. Die Einheit ist kompromisslos, keine der drei Personen geht eigene Wege. Das zeigte sich auch deutlich, als der Sohn im Fleisch auf die Erde kam. In seiner Erniedrigung auf der Erde war Er nicht im himmlischen Thronsaal Gottes. Er war auf der Erde, wogegen der Vater im Himmel war. Die Stimme des Vaters erscholl vom Himmel zur Erde, nachdem sein Sohn gerade von Johannes getauft worden war (Mt 3,17). Trotz dieser räumlichen Distanz agierten Vater und Sohn stets als untrennbare Einheit.

Diese Einheit fordert der Sohn von seiner Braut, der Gemeinde. Die Gemeinde soll stets mit dem Sohn verbunden sein, wie die Rebe mit dem Weinstock verbunden ist (Joh 15,4). Sobald die Gemeinde eigene Wege geht, repräsentiert sie die Gottheit nicht mehr so, wie sie es tun sollte und schiesst am Ziel vorbei. Lassen Sie uns wirkliche Nachahmer Christi sein, die von sich sagen können: Der Christ kann nichts von sich selbst tun, ausser was er den Sohn tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso der Christ. Christus spricht: Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein (aus Joh 12,26). Amen.

Vers 20

Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm grössere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert. Joh 5,20

Die Juden hassten den Sohn Gottes, den Gesalbten, wie der König Saul den David hasste, der auch gesalbt war. Da Gott aber den David liebte, gab Er ihm mehr gelingen als allen anderen Knechten Sauls (1. Sam 18,30). Der von Gott abgefallene Saul sah, dass Gott zweifellos mit David war. Er hätte sich zu Lebzeiten noch ihm unterstellen können. So hätte es vielleicht noch Hoffnung für Saul gegeben. Stattdessen wendete sich Saul völlig gegen Gott und brachte am Ende sogar noch Priester des Höchsten um, um damit sein Verderben völlig zu besiegeln.

Christus sprach, dass Er vom Vater noch grössere Werke erhalten werde, damit sie sich darüber wundern. Die Juden würden sich darüber wundern, weil es noch offenbarer werden sollte, dass Gott hinter Christus stehe.

Was Saul im Blick auf Christus im Vorbild getan hatte, vollbrachten die Juden. Anstatt sich aber über Ihn zu freuen, hassten sie Christus. Sie standen in der Gefahr – obschon Gott seinen Wohlgefallen an Christus immer deutlicher öffentlich machte -, den völlig verderbenbringenden Weg Sauls zu beschreiten. Statt auf Christus zu blicken, begannen sie, Ihn mit blindem Hass zu hassen. Sie wollten ihn weghaben, egal wie, selbst wenn Er nur mit einer grausamen Ermordung beseitigt werden könnte. Sie waren voll auf dem Weg Sauls, auf dem Weg der ungerechtfertigten Eifersucht, die nicht einmal davor zurückschreckt, wahre Diener Gottes umzubringen. Sie begannen bewusst die Wege des Todes zu beschreiten, vor denen wir uns unbedingt zurückhalten sollten, denn es steht geschrieben:

Wenn jemand den Herrn nicht liebhat, der sei verflucht! Maranatha! 1.Kor 16,22

Die Juden hassten den HERRN sogar, wie erwähnt. Als Christen sollten wir uns nur schon sehr davor hüten, Vorbehalte gegen Christus in uns aufkommen zu lassen! Amen.

Vers 21

Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Joh 5,21

Die Juden würden sich tatsächlich noch wundern, dann nämlich, wenn sie sähen, wie Christus Tote aufweckt. Das würde offensichtlich machen, dass sie den Vater, den allmächtigen Gott im Himmel in Wirklichkeit hassten, von dem sie sprachen, man solle ihn loben, wie geschrieben steht:

Er aber schwieg und antwortete nichts. Wieder fragte ihn der Hohepriester und spricht zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Mk 14,61

Die Juden sprachen von Gott als vom Hochgelobten, brachten aber dessen Sohn um. Wehe, wer sich so pseudofromm anstellt, aber in Wahrheit ein Widersacher Gottes ist. Gott gibt den Menschen sehr viele Hinweise zu seiner Person und der Person seines Gesalbten. Wehe den Menschen, die es besser wissen und – in einen frommen Mantel eingehüllt – böse Pfade beschreiten.

Kommen wir zurück zum Vers. Christus offenbart im wahren sowie im übertragenen Sinn, dass Er die Werke des Vaters tut. Er werde Tote aufwecken, wie der Vater Tote aufweckt. Das geschah beim Jüngling zu Nain, den Er seiner Mutter wieder lebendig zurückgebracht hatte. Er weckte auch das 12-jährige Mädchen und seinen Freund Lazarus wieder auf. – Im übertragenen Sinn rief Er Menschen, die in ihren Sünden lebendig tot waren, ins wahre und ewige Leben. Das tat er damals wie heute. Ungläubige sind lebendig tot, denn, wenn sie ihren Pfad bis zum Ende gegangen sind, wartet nur der Abgrund darauf, sie zu verschlingen. Ob sie dabei vierzig oder achtzig Jahre alt werden, spielt überhaupt keine Rolle. Auch wenn sie mit achtzig etwas weniger fluchen als mit vierzig, was macht es aus? Ein Toter kann seinen Status nicht ändern, er bleibt gerichtet und gehört dem Tod. Deshalb spricht Christus zu den Berufenen, wenn sie noch etwas unter diesen lebendig toten Menschen verrichten wollen:

Jesus aber spricht zu ihm: Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten begraben! Mt 8,22

Lebendig Tote begraben ihre Toten. Wer durch Christus berufen wird, kommt vom Tod ins Leben, selbst wenn er beim Weckruf Christi lebendig war. – Gelobt sei der HERR!

Vers 22

Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, Joh 5,22

Diese Aussage musste den Juden, die seine Gottheit nicht akzeptierten, völlig zuwider sein. Im vorausgehenden Vers sagt Christus aus, Er würde wie der Vater die gleichen Werke tun. Mit diesem geht er noch weiter; Er offenbart, dass Er für den Menschen extrem wichtige Belange in seiner souveränen Hand hat. Er sagt aus, dass das Gericht seine Sache sei. Das heisst, dass Er, Jesus Christus, entscheidet, wer die Ewigkeit in der Hölle verbringt und damit für immer in den Flammen der Qual schmoren wird. Er sagt nicht nur das aus, Er sagt viel mehr aus, nämlich auch, dass Er allein auch uns, die Christen, richten wird. Damit wird Er auch souverän über den Lohn der Christen entscheiden (Lk 19,17.19.24). Nicht umsonst steht geschrieben:

Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg; denn leicht entbrennt sein Zorn. Glücklich alle, die sich bei ihm bergen! Ps 2,12

und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes*! Offb 6,16

*Mit dem Lamm ist Christus gemeint, weil Er das Opferlamm war, das sich für unsere Schuld hinschlachten liess.

Christus sagt, dass das ganze Gericht Ihm übergeben sei, was wiederum klarstellt, dass niemand an Christus vorbei kommt. Es gibt keine Quote, die an Ihm vorbeikommt. Kein Hindu und kein Moslem kommt an Ihm vorbei, überhaupt kein Mensch, selbst wenn dieser behauptet, mit dem Christentum nie in Berührung gekommen zu sein. Wer mit Christi Willen in Übereinstimmung ist, hat nichts zu befürchten. Zittern sollen die, welche eigene Wege gewählt haben. Die eigenen Wege erforderten den Tod Christi zur Rettung der Menschen. Wer sie wählt oder weiter darauf gehen will, handelt angesichts der Tatsache, dass der Mensch von Christus gerichtet wird, sehr töricht.

Vers 23

damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Joh 5,23

Wohl wissend, dass der Sohn für die Menschen, besonders für die religiösen Menschen, ein Stein des Anstosses sein wird (Rö 9,32), hat der Vater dem Sohn alles übergeben. Der Mensch soll es wissen und den Sohn fürchten wie den Vater. Unser Geschick liegt nämlich ebenso in der Hand des Sohnes, wie es in der Hand des Vaters liegt. Dazu hat Er das ganze Gericht dem Sohn übergeben. Wer sollte sich da nicht auch vor dem Sohn fürchten?

Es heisst: Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht. Wer sagt, er glaube an Gott, aber Christus leugnet, sagt nichts anderes aus, als dass der allmächtige Gott ein Lügner sei, denn Gott hat Ihn gesandt.

Vers 24

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. Joh 5,24

Wer Christi Wort hört und wer an den Vater-Gott glaubt, welcher seinen Sohn, Jesus Christus gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. – Wie herrlich einfach ist doch das Evangelium, die gute Botschaft! Der Mensch ist ja bekanntlich wegen seiner Sünde naturgemäss tot in seinen Vergehen (Eph 2,1; Tit 3,3). Er ist bestimmt für den zweiten Tod, das ist der Feuersee, ein Ort der Qual und der ewigen Trennung von Gott (Offb 20,15). Das ist das Gericht für die Gottlosigkeit und für die schwere Sünde im Menschen.

Wer nun aber die Worte Christi hört und dem glaubt, der Christus gesandt hat, der hat das ewige Leben. Das ist das Evangelium, das jedes Kind versteht. Es liegen viele Wahrheiten darin, worüber Menschen ihr ganzes Leben nachsinnen können. Es musste nämlich sehr viel im Hintergrund durch Jesus Christus geschaffen werden, damit ein verlorener und toter Mensch nur aufgrund von Glauben gerettet und lebendig wird.

Lassen Sie uns über Christus staunen und lassen Sie uns Ihn preisen, der es geschafft hat, für den Menschen aus einer völlig verfahrenen und hoffnungslosen Situation eine Brücke zu Gott zu schlagen.

Gepriesen sei der HERR für sein Werk! Der HERR ist einfach genial! Er ist so mächtig! Er ist so furchtlos! Er ist so liebevoll! Er ist sehr zu fürchten, wie geschrieben steht:

Es fürchte den HERRN die ganze Erde; mögen sich vor ihm scheuen alle Bewohner der Welt! Ps 33,8

Amen.

Vers 25

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. Joh 5,25

Es ist in Wahrheit so krass, wie es dieser Vers darstellt. Was in der Welt als lebendig gilt, ist in Wirklichkeit tot. Menschen, die wir tagtäglich vor Augen haben, sind in Gottes Augen tot. Im Blick auf die Ewigkeit trennt sie nur ein Augenblick vor dem leiblichen Tod, wonach die ewige Verdammnis anfängt. Wir können es anders sehen, wenn wir wollen. Wir liegen dann einfach falsch. Denn die Bibel hat Recht und der Mensch ist ein Lügner (Rö 3,4). Aufrecht zur Arbeit gehende Menschen sowie auch beispielsweise Mütter, die ihre Kinder in die Schule bringen, sind ohne Christus tot in den Augen Gottes. Gott sieht den wirklichen Zustand eines Menschen. Wie kann ein in Sünde verstrickter Mensch, auf den nur das Gericht der Hölle wartet, als „lebendig“ bezeichnet werden, wenn das ewige Todesurteil schon feststeht? Der Vers Johannes 5,24 ist deshalb sehr wichtig für alle Menschen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. Joh 5,24

Als Christus zur Erde gekommen war, hörten die (lebendig) Toten seine Stimme. Seine Worte führen zum Leben. Christus sei gelobt! Amen.

Vers 26

Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst; Joh 5,26

Christus fuhr fort mit seinen Ausführungen über das, was Ihm vom Vater übertragen worden ist. Die Ihn ablehnenden Juden sollten dadurch gewarnt werden. Es ist schlicht eine Tatsache, dass seit jeher die Gottheit völlig eins ist. Wer den auf die Erde abgesandten Teil der Gottheit ablehnte, das ist Jesus Christus, lehnte Gott insgesamt ab. Das gilt auch für heute.

So, wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat der Vater dem Sohn gegeben, Leben in sich selbst zu haben, was bedeutet, dass der Sohn, im Unterschied zum gewöhnlichen und völlig abhängigen Menschen, eigenständiges Leben besitzt. Der gewöhnliche Mensch lebt nur solange, bis Gott seinen Geist zurücknimmt. Dann stirbt der Mensch, ob er will oder nicht. Der Mensch kann seine festgesetzte Lebenszeit nicht verlängern (Lk 12,25.26). Der Mensch verfügt klar nicht über eigenes Leben. Das Leben des Menschen ist von Gott. Christus verfügt über eigenes Leben, bewiesenermassen konnte Ihm niemand das Leben nehmen. Damit Er am Kreuz überhaupt sterben konnte, musste Er seinen Geist offensichtlich selbst übergeben (Joh 19,30), was wiederum beweist, dass Er Vollmacht hat, das Leben zu nehmen oder es zu lassen. Folgendes sollte allen klar sein, die Macht der Welt und des Teufels führte den Tod Christi nicht herbei. Christus liess sein Leben freiwillig, um die Schuld der Menschen zu sühnen, wie geschrieben steht:

Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen. Joh 10,18

Vom Kreuz hätte Er einfach herabsteigen können, das ist ganz offensichtlich. Christus konnte und kann einfach alle Naturgesetze übersteuern, wie Er es mehrfach bewiesen hatte. Er hatte Gewalt über die Elemente der Welt und Gewalt über Leben und Tod. Er ging einfach über das Wasser, beruhigte Wind und See, weckte Tote auf und – wie wir es hier im Vers Johannes 5,26 sehen – hatte bzw. hat Er Leben in sich selbst. Er begab sich völlig freiwillig für uns ans Kreuz, um die Rettung für alle Glaubenden aufzurichten. Er hätte den Zirkus des Teufels und seiner Helfer vom Zeitpunkt des letzten Mahls mit den Aposteln bis zum Kreuz zu jedem frei gewählten Zeitpunkt unterbrechen und all seine Feinde vernichten können. Erstens: In seiner Eigenschaft als Gott hätte Er dem Judas beispielsweise vor dem Verrat das Leben entziehen können. Zweitens: Nach dem Verrat hätte Er den lebenspendenden Geist aus den Pharisäern und ihren Schergen zurückziehen können. Drittens: Es standen mehr als zwölf Legionen Engel bereit, die auf ein Wort hin die Feinde Gottes sofort gestoppt hätten (Mt 26,53). Viertens: Sein völlig eigenständiges Leben, das Er in sich selbst hat, konnte bzw. kann ohne seinen Willen niemand auslöschen.

Wir sehen hierin die grosse Macht und die absolute Herrlichkeit unseres geliebten Herrn Jesus Christus. Er sei gelobt! Amen.

Vers 27

und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. Joh 5,27

Im Vers 22 stellte Christus klar, dass Ihm das Gericht übergeben wurde. Mit diesem Vers unterstreicht Er diese Tatsache. Er beleuchtet sie zusätzlich noch aus einem anderen Winkel. An dieser Stelle erklärt Er, weshalb Ihm das Gericht übergeben wurde. Wir werden nicht von einer anderen Art gerichtet werden, von Kreaturen, die keine Ahnung von unserem Leben haben. Wir werden nicht von Tieren oder von Engeln gerichtet werden. Wir werden glücklicherweise von jemandem gerichtet, der das Menschsein in und auswendig kennt. Unser Richter kennt es nicht aus Büchern. Unser Richter ist einer von uns. Ihm ist das Gericht übergeben worden, weil Er des Menschen Sohn ist, weil Er einer von uns ist. Er wurde nicht neben dem Menschengeschlecht zu einem Menschen gebildet, der keinen Bezug zu uns hat. Er wurde wirklich einer von uns, was sein Stammbaum beweist. Er hat den Stammbaum des Menschen; Er stammt von Adam ab, das bildet der Stammbaum im Lukasevangelium ab (Lk 3,23-38). Er hat den Stammbaum der Könige, das bildet der Stammbaum im Matthäusevangelium ab (Mt 1,1-17). Dort ist festgehalten, dass Er unter anderen ein Nachkomme Davids, Hiskias und Josias ist. Der Stammbaum im Matthäusevangelium macht offenkundig, dass Er ein Nachkomme namhafter Könige ist. Er kennt das Menschsein in und auswendig; Er hat es mit allen Anfechtungen selbst gelebt, wie geschrieben steht:

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Hebr 4,15

Darüber hinaus ist Er derjenige, durch den der Mensch wurde. Er ist der Schöpfer des Menschen. Durch Christus wurden die Welten, die Erde und alles, was auf ihr ist, wie geschrieben steht:

16 Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen;
17 und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn. Kol 1,16-17

Angesichts dieser Tatsachen kann ich nur ausrufen: Gelobt sei Gott, welcher den einzig würdigen Menschen als Richter über die Menschen eingesetzt hat. Er ist ein Richter der von allem weiss, ein Richter, der selbst alles im Leben durchlitten hat und ein Richter, der als Erbauer des Menschen jede einzelne Faser des Menschen kennt! – Christus sei gelobt! Amen.

Vers 28

Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören Joh 5,28

Die Menschen in den Gräbern werden seine Stimme hören. – Was ist das für eine herrliche Aussage! – Kein anderer Gott vermag die Toten zu rufen, sodass sie seine Stimme hören. Die Priester der fremden Götter vermochten ja vor Elia nicht einmal Feuer vom Himmel zu rufen (1. Kö 18,21 ff.). Ihre fremden Götter hätten sich nur mit etwas Feuer manifestieren müssen, also mit etwas, das sogar Menschen anfachen können. Dann wäre ihnen ganz Israel nachgefolgt. Als die Diener der fremden Götter dieses Feuer vor dem ganzen Volk, welches erwartungsvoll zusah, erbaten, ertönte aber kein einziger Laut von der Seite der Götter. Sie konnten ihren ergebenen Dienern kein Feuer darreichen, welche sich vor lauter Hingabe sogar ritzten und in Raserei gerieten. Dadurch wurden alle Priester der Götter, die Israel neben dem Allmächtigen anbetete, vor dem ganzen Volk völlig beschämt. Es verhielt sich tatsächlich so: Ihre Götter konnten nichts, nicht einmal Feuer vom Himmel werfen. – Christus hingegen kann Tote aus den Gräbern rufen! Das sollte uns mehr Mut machen und unseren Glauben stärken. Er vermag wirklich alles. Das Erfüllen der Verheissungen bringt Er ebenfalls zustande! Vertrauen wir deshalb all seinen Worten! Amen.

Vers 29

und hervorkommen werden: die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des Gerichts. Joh 5,29

Die Menschen in den Gräbern werden nicht nur seine Stimme hören. Sie werden aus den Gräbern hervorkommen; ob sie verwest oder verbrannt wurden, stellt für Gott kein Problem dar. Gott lässt einfach die Seele aus dem Hades zurückkehren und den verfallenen Leib wieder aufstehen.

Was ich hier schreibe, ist nichts Neues, es ist schon einmal im kleinen Rahmen geschehen, wie als kleiner Vorgeschmack. So steht es geschrieben:

51 Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke, von oben bis unten; und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen,
52 und die Grüfte öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt;
53 und sie gingen nach seiner Auferweckung aus den Grüften und gingen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Mt 27,51-53

Was kein anderer Gott zu tun vermag, ist für den Allmächtigen eine kleine Aufgabe: Christus wird rufen und die Toten in den Gräbern werden hören und aufstehen, die einen zur Auferstehung des Lebens, die anderen zur Auferstehung des Gerichts. Diese Aussage macht auch deutlich, dass Suizid (= Selbstmord) keine Lösung ist. Vor Gott kann man sich nicht verstecken. Man kann im Leben nicht tun, was man will und dann, wenn man das Gute genossen hat und das Böse kommt, einfach aus dem Leben ausscheiden. Gott ruft nicht nur die Lebenden in den Gerichtssaal, auch die Toten werden ausnahmslos alle vor Ihm erscheinen müssen! Lassen Sie uns deshalb durch aufrichtige Busse im Namen Jesu Christi Frieden schliessen mit Gott. Amen.

Vers 30

Ich kann nichts von mir selbst tun; so wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Joh 5,30

Gepriesen ist der Herr Jesus! Indem Er in keiner Weise seinen eigenen Willen suchte, führte Er den herrlichen Plan des Vaters ohne zu zögern und ohne Vorbehalte vollständig aus. Bei den Menschen verhält es sich oft anders. Es gibt Diener Gottes, die in einigen Punkten mit dem Willen Gottes übereinstimmen. Wenn Gott aber einmal etwas unbequemere Dinge zu tun fordert, führen sie diese nicht aus. Selbst Mose wollte am Anfang den Auftrag Gottes einen Augenblick lang nicht anpacken (2. Mo 4,13). Und der König Jehu tat zwar viel für den HERRN (2. Kö 10:18 ff.), doch ein Hauptübel, der Götzendienst wegen den beiden Kälbern in Bethel und Dan, entfernte er nicht aus Israel (2. Kö 10,29). Hätte er den ganzen Eifer Gottes ausgeführt, müsste Gott diesen Umstand nicht tadelnd erwähnen, wie geschrieben steht:

Aber Jehu achtete nicht darauf, mit seinem ganzen Herzen im Gesetz des HERRN, des Gottes Israels, zu leben. Er wich nicht von den Sünden Jerobeams, der Israel zur Sünde verführt hatte. 2.Kön 10,31

Für uns heisst das: Wir sollten den HERRN beständig suchen. Und weiter sollen wir daraus folgendes annehmen: Selbst wenn ein alter Anlass zur Sünde im Volk vorhanden ist, also einer, der nicht von uns ist, stehen wir in der Verantwortung, dagegen anzukämpfen.

Vers 31

Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Joh 5,31

Das göttliche Gesetz verlangt eine Beglaubigung durch zwei Zeugen (2. Kor 13,1). Obschon jedes Wort Christi zweifelsfrei absolut der Wahrheit entsprach, hielt Er sich selbst an das Gesetz und liess sich durch den himmlischen Vater beglaubigen. Denn Er wusste, dass die Zuhörer ihres schwachen Glaubens wegen diese Beglaubigung brauchten.

Vers 32

Ein anderer ist es, der von mir zeugt, und ich weiss, dass das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. Joh 5,32

Christus weist mit diesem Vers auf das Zeugnis des Vaters hin. Der Vater bezeugte die Sendung seines Sohnes erstens durch das Schriftwort, welches das Kommen Christi schon lange angekündigt hatte (z. B. Jes 7,14), und zweitens durch die göttlichen Zeichen und Wunder, welche ständige Begleiter Jesu Christi waren.

Vers 33

Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben. Joh 5,33

Im Vers Johannes 5,18 wird offenbar, dass die Juden Christus nicht glauben wollten, dass Er der Messias Gottes sei. In den darauffolgenden Versen sehen wir, wie Christus darauf aufbauend erklärt, dass Er und kein anderer in Wahrheit der Christus Gottes ist, welcher der Retter der Menschen ist. Er führt aus, dass Er Tote lebendig machen kann, und zwar (ausnahmslos) alle, die Er lebendig machen will. Dann erklärt Er weiter, dass Ihm das ganze Gericht übergeben ist und dass Gott weder glaubt noch dient, wer Jesus Christus ablehnt, da Christus von Gott kommt.

An dieser Stelle sagt Christus frei übersetzt zu den Juden: „Ihr hattet doch selbst zu Johannes gesandt, um herauszufinden, wer ich sei. Johannes hat euch die Wahrheit über mich gesagt (Joh 1,29). Wenn ihr nun mir nicht glaubt, so habt ihr Johannes auch nicht wirklich geglaubt, obschon ihr wusstet, dass er von Gott gesandt war. Sonst hättet ihr euch nicht von ihm taufen lassen.“

Christi Argumentation war einmal mehr einfach nur exzellent. Er wollte sich damit aber nicht selber gefallen; Er setzte mit seinen Ausführungen alles daran, dem verlorenen Menschen den einzig existenten Weg Gottes zur Rettung aufzuzeigen. Und es gibt nur einen einzigen Weg Gottes zum Heil. Die Aussage, viele Wege würden nach Rom führen, mochte und mag heute noch stimmen. Die Behauptung hingegen, viele Wege würden zu Gott führen, ist eine Lüge des Teufels, der die Menschen vernichten will. Es gibt nämlich nur einen einzigen Weg zu Gott: Der Weg über Jesus Christus, wie geschrieben steht:

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Joh 14,6

Das ewige Wort Gottes, das wie ein Hammer ist, der Felsen zerschmettert (Jer 23,29), dem nichts und niemand widerstehen kann, macht folgende Aussage: Niemand, kein einflussreicher Mann, kein mächtiger König, kein Kommandant einer Atomstreitmacht, kein unendlich reicher Mensch, kein Priester kann durch Einfluss, Macht, Stärke, Geld oder Selbstkasteiung und Religiosität zu Gott kommen, auch dann nicht, wenn der Mensch alles Vorhandene für das Reich Gottes opfern würde. Es gibt nur einen einzigen Weg zu Gott, den Weg über Jesus Christus! Deshalb legte Christus so viel Wert darauf, dass die Juden einsichtig würden, da ansonsten all ihr Wirken absolut vergebens gewesen wäre.

Vers 34

Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem Menschen an, sondern dies sage ich, damit ihr errettet werdet. Joh 5,34

Obschon Johannes der Täufer für Christus zeugte, sagte Christus, dass Ihm dieses Zeugnis nicht genüge. – Die Entscheidung für den richtigen Weg zu Gott auf der Aussage eines Menschen gründen zu lassen, war für Christus zu wenig. In der Entscheidung für den richtigen Lebensweg geht um Tod oder Leben für die Menschen, es geht um Himmel oder Hölle. Das Zeugnis vom himmlischen Vater für Christus war daher viel grösser als dasjenige von anderen Religionsgründern. Bei anderen Religionsgründern zeugte Gott nicht selbst durch Machttaten und Wunder von der Richtigkeit ihrer Lehre. Die Gründer anderer Religionen zeugten selbst für sich, was sie nicht gerade glaubwürdig macht. Sie sprechen zwar von übernatürlichen Ereignissen und Visionen, die sie gehabt haben sollen, jedoch kann das niemand überprüfen.

Deshalb verhielt es sich so: Damit wir glauben können und somit errettet werden, sagte Christus, Er selbst nähme nicht Zeugnis von einem Menschen an. Der allmächtige und einzige Gott zeugte mit nie dagewesenen Machttaten vor den Augen von Tausenden von Menschen für seinen Sohn Jesus, damit jeder Glaubende auf einer unerschütterlichen Basis stehen darf. Das Zeugnis Gottes anzunehmen ist auch viel einfacher, als die unbelegten Behauptungen eines Menschen, selbst wenn es ein Gelehrter ist. Wenn der Allmächtige, der Himmel und Erde gemacht hat, von etwas zeugt, dann ist es einfach Tatsache; sein Zeugnis ist wahr.

Vers 35

Jener war die brennende und scheinende Lampe; ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem Licht fröhlich sein. Joh 5,35

Christus attestierte Johannes ein gutes Zeugnis, Johannes sei die brennende und scheinende Lampe (für Gott) gewesen. Und die Juden hätten in seinem Licht fröhlich sein wollen. – Oft ist es so, dass Menschen gerne im Licht eines für Gott scheinenden Zeugen stehen und etwas von seiner Stellung vor Gott profitieren möchten; es ist gut, einen Propheten unter sich zu haben, denn wohltuendes Göttliches ist dann unter ihnen.

Vers 36

Ich aber habe das Zeugnis, das größer ist als das des Johannes; denn die Werke, die der Vater mir gegeben hat, dass ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat. Joh 5,36

Das Zeugnis für Christus waren die Werke, die vom Auftraggeber stammten. Und der Auftraggeber war kein Geringerer, als der allmächtige Gott selber. Christus hatte also die Beglaubigung Gottes. Dagegen hatte kein Religionsgründer Gottes Beglaubigung. Niemand konnte bzw. kann die Werke Christi und seiner Diener tun. – Weshalb sollte also jemand auf Stimmen hören, welche Gottes Zeugnis nicht haben? Weshalb sollte der Mensch eine Lehre neben dem Evangelium Jesu Christi annehmen? Es gibt absolut keinen Grund und keine Beglaubigung dazu!

Die Gegenspieler Gottes können schon etwas, wie sie bei den ersten Wundern Moses bewiesen hatten. Die ersten beiden Wunder konnten die ägyptischen Wahrsagepriester nachmachen (z. B. 2. Mo 8,3). Als sich der Schwierigkeitsgrad aber etwas erhöhte, mussten sie aufgeben und erkennen, dass Gott bei Mose die Wunder wirkte (2. Mo 8,14). Wie nun Mose durch Gott beglaubigt wurde, wurde Christus durch Gott beglaubigt. Niemand konnte die Werke tun, die Moses tat, weil sie nur durch Gott gewirkt werden konnten. Niemand konnte die Werke tun, die Christus tat, weil sie nur durch Gott gewirkt werden konnten.

Bitte fragen Sie sich einmal, liebe Leserin und lieber Leser: Welcher Religionsgründer öffnete Blinden die Augen? Welcher Religionsgründer machte, das Lahme gehen konnten? Welcher Religionsgründer machte, dass Aussätzige gereinigt wurden? Welcher Religionsgründer machte, dass Taube hören konnten? – Niemand konnte ansatzweise die Wunder tun, die Christi tat. Weshalb sollte man also von Gott nicht beglaubigten Menschen Gehör schenken?

Weil Christus das grösste Zeugnis hatte, dasjenige des allmächtigen Vaters, sollten wir Ihm und all seinen Worten vertrauen. Er ist kein Verführer der Menschen. Christus ist der alleinige Retter! Viele Verführer kamen und kommen in die Welt und es gibt sogar einige, die Übernatürliches können, wie die ägyptischen Wahrsagepriester. Aber niemand kann die Werke des Allmächtigen tun, die Christus tat. All die Tatsachen machen es offensichtlich: Er allein ist der Nachfolge würdig, und nur Er allein! Amen.

Vers 37

Und der Vater, der mich gesandt hat, er selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt weder jemals seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen, Joh 5,37

Man kann den Anfang dieses Verses auch so wiedergeben: „Mit diesen Taten hat der Vater, der mich gesandt hat, selbst für mich ausgesagt.“ – Was ich in den vorausgehenden Kommentaren sagen beleuchten wollte, baut auf diesen Hinweis Christi: Kein anderer Religionsgründer ist von Gott, der die Himmel und die Erde gemacht hat, durch übernatürliche Wunder beglaubigt worden. Nur für Christus hat der Vater ausgesagt, nur für Christus hat der Vater Zeugnis gegeben. Deshalb ist nur Christus allein wirklich glaubwürdig.

Auch konnte Er sagen, dass die Menschen weder seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen haben, wogegen Er selbst, der aus den Himmeln herabgestiegen war, beides kannte. Christus kannte die Gestalt und die Stimme seines Vaters. Wir sollten Ihm daher unser ganzes Vertrauen schenken! Amen.

Vers 38

und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch; denn dem, den er gesandt hat, dem glaubt ihr nicht. Joh 5,38

Wenn der vom Sämann ausgestreute Samen sich nicht festsetzen und Wurzeln schlagen kann, passiert es, dass die Vögel kommen und ihn auffressen. Für solche Menschen wurde das gute Wort Gottes vergeblich gepredigt, wie geschrieben steht:

3 Und er redete vieles in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Siehe, der Sämann ging hinaus zu säen;
4 und indem er säte, fiel einiges an den Weg, und die Vögel kamen und frassen es auf. Mt 13,3.4

Und das ist die Auslegung Christi zu den beiden Versen drei und vier im Gleichnis vom Sämann:

18 Hört ihr nun das Gleichnis vom Sämann:
19 Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reisst weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, bei dem an den Weg gesät ist. Mt 13,18.19

Wer das Wort Gottes, welches von Christus und weiteren von Gott beglaubigten Menschen gepredigt wird, nicht glaubt, hat es nicht bleibend in sich. Es wird vom Bösen weggenommen werden. Ein solcher Mensch kommt in den furchtbaren Zustand, die Chance Gottes zur ewigen Errettung gehört, aber dennoch verworfen zu haben.

Vers 39

Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; Joh 5,39

Die Heilige Schrift ist ein Wegweiser zu Christus. Sie bringt den Menschen zu der Person, die allein ewiges Leben vergeben kann. Viele Menschen glauben wie die Juden damals, ihr selbstgefälliges Leben durch etwas Lesen der Heiligen Schrift in ewiges Leben verwandeln zu können. Durch eine eigene Tat glauben solche Menschen, ewiges Leben zu erben, denn sie sagen sich: Die Heilige Schrift ist von Gott, und wenn ich mich etwas mir ihr beschäftige, wird es am Ende schon für ewiges Leben reichen! – Was für ein Trugschluss und was für eine verblendete Art das doch ist! Diese Vorgehensweise ist so töricht, wie die Vorgehensweise der Israeliten in den Vorbereitungen zu einem Kampf gegen die Philister. Die Israeliten taten einfach irgendetwas, indem sie von göttlichen Dingen nahmen und sich dabei dachten, den Sieg so herbeizwingen zu können:

2 Und die Philister stellten sich Israel gegenüber auf. Und der Kampf breitete sich aus, und Israel wurde von den Philistern geschlagen; und sie erschlugen in den Schlachtreihen auf dem Feld etwa viertausend Mann.
3 Und als das Volk ins Lager zurückkam, sagten die Ältesten von Israel: Warum hat uns der HERR heute vor den Philistern geschlagen? Lasst uns von Silo die Lade des Bundes des HERRN zu uns holen, dass er in unsere Mitte komme und uns aus der Hand unserer Feinde rette!
4 Da sandte das Volk nach Silo. Und man brachte von dort die Lade des Bundes des HERRN der Heerscharen, der über den Cherubim thront. Und die beiden Söhne Elis, Hofni und Pinhas, waren dort bei der Bundeslade Gottes.
5 Und es geschah, als die Lade des Bundes des HERRN ins Lager kam, da jauchzte ganz Israel mit gewaltigem Jauchzen, dass die Erde erdröhnte.
6 Und die Philister hörten das laute Jauchzen und riefen: Was ist das für ein gewaltiges Jauchzen im Lager der Hebräer? Und sie erkannten, dass die Lade des HERRN ins Lager gekommen war. 1.Sam 4,2-6

Israel wandelte offensichtlich wieder einmal nicht auf Gottes Wegen. Sonst wären sie nicht vom Feind geschlagen worden, denn Gott versprach einem gehorsamen Israel den stetigen Sieg, wie wir nachlesen können. Und die Schrift kann nicht aufgelöst werden. Gottes Bedingung für den stetigen Sieg war der folgende Ausspruch: „Wenn ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Gebote haltet und sie tut, ... (3.Mose 26,3)“ Sollte diese Bedingung erfüllt sein, so würde Gott unter anderem Frieden im Land und Sieg über den Feind schenken, wie geschrieben steht:

6 Und ich werde Frieden im Land geben, dass ihr euch niederlegt und es niemand gibt, der euch aufschreckt. Und ich werde die bösen Tiere aus dem Land austilgen, und das Schwert wird nicht durch euer Land gehen.
7 Und ihr werdet euren Feinden nachjagen, und sie werden vor euch durchs Schwert fallen.
8 Fünf von euch werden hundert nachjagen, und hundert von euch werden zehntausend nachjagen, und eure Feinde werden vor euch durchs Schwert fallen. 3.Mose 26,6-8

Nun war es aber zur Zeit des Priesters Eli so, dass Israel vor den Feinden geschlagen wurde. Sie wandelten offensichtlich nicht auf den Wegen Gottes. Da wussten die Ältesten keinen besseren Rat, als sich die Bundeslade Gottes aus Silo ins Heerlager zu holen. Damit hätten sie etwas Göttliches im Lager, das ihnen den Sieg herbeiführen müsste. So war zumindest ihr Glaube, welcher sich offensichtlich total in eine falsche Richtung entwickelt hatte und von grosser Ahnungslosigkeit zeugte (Hos 4,6). Israel sprach: „Mit der Bundelade im Heerlager werden wir siegen!“ Gott hatte aber anders gesprochen: „Wenn ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Gebote haltet und sie tut, …, werdet ihr euren Feinden nachjagen und sie werden vor euch durchs Schwert fallen.“

Ein Irrglaube hilft nie, auch wenn sich der Irrgläubige mit göttlichen Dingen befasst. Wie damals verhält es sich auch heute. Das Christentum liegt im Blick auf die Lehre und die Moral völlig am Boden. Es herrschen Zustände in den Gemeinden, wie in der Welt. An gewissen Orten sind sie noch schlimmer (1. Kor 5,1). In der Welt wird Ehebruch immerhin als „nicht optimal“ taxiert, in christlichen Gemeinden kommt es vor, dass Ehebrechern noch die Hände gestärkt werden. Die Lehre in christlichen Gemeinden ist vielerorts die: Beschäftige Dich mit göttlichen Dingen und es wird in jedem Fall gut kommen. – Was für ein Trugschluss und was für ein Irrglaube! Bibellesen und Beten allein wird Euch, die Ihr an Märchen glaubt, nicht vor dem furchtbaren Gericht Gottes retten, wie Israel nicht vor den Philistern gerettet wurde, obschon die Bundeslade Gottes im Heerlager war. Was uns retten wird, ist folgendes: Die Bibel ist so zu lesen, dass sie uns zur heiligen Person Jesus Christus führt. Dann sind wir angehalten, zu tun, was Christus sagt. Christus heiligt und befähigt uns, rein und unbescholten vor dem Vater zu stehen. Wenn wir aber angesichts dieser Tatsache einfach tun und lassen, was wir wollen und damit die Gebote Christi anfangen zu missachten, dann wehe uns! Dann versiegt für uns die Quelle des reinigenden Blutes Christi! Unsere Sünden werden nicht mehr fortgeschafft, sondern sie zeugen vielmehr bleibend von unserem frevlerischen Tun. Christi Opfer springt nicht in jedem Fall für uns in die Bresche, wie die Prediger heutzutage unbedacht von der Kanzel predigen. Hören Sie auf die vom Heiligen Geist inspirierten Worte, die für Christen gelten, welche tun, was sie wollen und so den Willen Gottes aufheben:

Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, Hebr 10,26

Kein Schlachtopfer bleibt für unsere Sünden übrig, wenn wir mutwillig sündigen! Das ist eine Lehre, die im Alten sowie im Neuen Testament Gültigkeit hat. Bezeichnenderweise steht sie auch im Neuen Testament in dieser vollen Schärfe da; der Hebräerbrief ist ein vollwertiger Teil des Neuen Testaments.

Lassen Sie uns die Schriften nicht zweckentfremden. Die Schrift ist nicht dazu da, uns auf unseren selbstgewählten Wegen zu helfen. Auf einem eigenbrötlerischen Weg hilft uns die Heilige Schrift rein gar nichts, wie die Bundeslade dem Volke Israel in ihrem Kampf gegen die Philister rein gar nichts geholfen hatte. Die Heilige Schrift hilft uns nur, wenn wir sie als Wegweiser zu Christus sehen und wir dann zu Christus kommen und Ihn als HERRN mit einem eigenen Willen anerkennen. Wenn wir Ihm dann gehorchen, werden wir in den Segen Gottes geleitet werden! Das ist der von Gott vorgegebene Weg. Es gibt keinen anderen. Amen.

Vers 40

und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt. Joh 5,40

Erst wenn wir uns zur Person Jesu Christi hinwenden und uns seinem Willen unterordnen, werden wir das wahre Leben bekommen!

Um an den vorausgehenden Kommentar anzuknüpfen: Wir sollten uns nicht einfach irgendwie – nach unserem eigenen Ermessen – mit den Schriften befassen. Wir sollten sie als Wegweiser zu Christus betrachten. Dann sollen wir zu Ihm kommen als zu einer Person, die uns übergeordnet ist und einen eigenen Willen hat. Die Schriften zeugen vom Willen Gottes. Wer die Schrift kennt und dabei Jesus Christus als den HERRN anerkennt, lebt nicht einfach weiter sein Leben, wie vor der Bekehrung mit dem einzigen Unterschied, dass er dazu noch Gemeindestunden besucht. Wer zu Jesus kommt, übergibt dem HERRN das Steuerruder seines Lebens und lebt es nicht nach dem eigenen Willen weiter.

Vers 41

Ich nehme nicht Ehre von Menschen; Joh 5,41

Christus nahm nicht die Ehre von Menschen, da es zweifach nichts gebracht hätte. Erstens ist die Huldigung eines gefallenen Menschen nichts wert und zweitens hätte die Annahme der Ehre den Menschen das Gefühl gegeben, sie seien korrekt unterwegs, ihr Wandel sei in Ordnung. Sie waren aber überhaupt nicht gut unterwegs. Der Mensch ist grundsätzlich schon durch seine böse Natur verurteilt und die Gesinnung der Juden war offensichtlich gegen Gott gerichtet, da sie seinen Abgesandten hassten. – Wie hätte Christus in diesem Kontext Ehre annehmen können!

Vers 42

sondern ich kenne euch, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt. Joh 5,42

Christus kannte die Menschen, die Juden, die mit Ihm sprachen. Auf ihre Ehre konnte Er dankend verzichten, auch wenn sie Ihm nach Heilungen oder Auferstehung von Toten huldigten. Er kannte ihre falsche Liebe und ihre Heuchelei. Auch hatte Er Kenntnis davon, dass sie nicht einmal davon zurückschrecken würden, Ihn dem furchtbaren Kreuzestod zu überliefern, trotz all seiner Wohltaten. Obschon sie dem Schein nach Gott dienten, hatten sie nichts von Gottes Liebe in sich.

Wir sollten uns betreffend die Liebe auch prüfen. Wir können eifrige Christen sein, wenn uns die Liebe Gottes fehlt, sind wir nichts, wie geschrieben steht:

Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiss und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. 1.Kor 13,2

So waren die Juden nichts im Blick auf Gott, selbst wenn sie Gott dienten. Sie erfüllten nicht das Werk Gottes, sondern ihr eigenes, welches sie nicht aufgeben wollten, als Gott seinen Sohn sandte und sein Volk zur Umkehr bewegen wollte. Wir sind auch nichts, wenn wir viel Aktivität haben, aber nicht in allem auf Christi Worte hören und Gott und die Geschwister nicht lieben.

Vers 43

Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen. Joh 5,43

Es ist völlig unbegreiflich und doch kommt es immer wieder vor: Die von Gott beglaubigten Menschen werden nicht ernst genommen, solche hingegen, die sich selbst empfehlen, werden angenommen. Mit diesem Sachverhalt musste sich schon Paulus beschäftigen (2. Kor 10,12; 11,13-15). Ich habe nicht herausgefunden, wieso es sich so widernatürlich verhält, es muss einen Zusammenhang mit der vom Teufel verdorbenen Natur des Menschen haben.

Der König David war ein von Gott gesalbter Mann. Er war von Gott als König eingesetzt worden, das war für alle offensichtlich. Wie wenig Israel an die Beglaubigung durch Gott bei David glaubte, mach die folgende, völlig unglaublich erscheinende Begebenheit offenbar:

44 Aber die Männer von Israel antworteten den Männern von Juda und sagten: Ich habe zehn Anteile am König, und auch an David habe ich mehr Anrecht als du. Warum hast du mich verachtet? Ist nicht auch mein Wort das erste gewesen, meinen König zurückzuholen? Aber das Wort der Männer von Juda war härter als das Wort der Männer von Israel.
1 Nun war dort zufällig ein ruchloser Mann; sein Name war Scheba, der Sohn des Bichri, ein Benjaminiter. Der stiess ins Horn und rief: Wir haben keinen Anteil an David! Wir haben kein Erbteil an Isais Sohn! Jeder zu seinen Zelten, Israel!
2 Da zogen alle Männer von Israel von David weg und folgten Scheba nach, dem Sohn des Bichri. Die Männer von Juda aber hingen ihrem König an, vom Jordan bis Jerusalem. 2.Sam 19,44-20,2

Eine wirklich absolut unglaubliche Geschichte: Zuerst streiten sich die Männer von Israel mit denen von Juda, wer mehr Anteile am König David habe. Dann kommt ein zufällig dort stehender Mann, dessen Leben erst noch kein gutes Zeugnis abgab – er war ruchlos – und ruft zur Rebellion gegen die von Gott eingesetzte Autorität (David) auf. Was tun die Männer von Israel darauf, welche vorhin gerade noch mit den Männern aus Juda über die Anteile an David gestritten hatten? Sie tun das Unglaubliche: Sie verwerfen augenblicklich ihren von Gott gesalbten König David und folgen dem Ruchlosen nach! – Liebe Leserinnen und Leser! Wenn es hier nicht so stehen würde und es Jesus nicht im Johannes 5, 43 gesagt hätte, könnte man nicht glauben, dass es so etwas gibt! Doch heute, wo ich älter und erfahrener geworden bin, muss ich aufgrund meiner eigenen Beobachtungen leider selber sagen, dass sich die Menschen durchaus so verhalten. Ich weiss von einigen, die sehr gut mit Christus gestartet sind, bis ein zufällig dastehender Ruchloser Abfall von Gott gepredigt hat. Darauf sind die Nachfolger Christi augenblicklich abgefallen und sind dem Weg der Welt, das ist der Weg des Ruchlosen, gefolgt. Das ist in meinem engsten Umfeld vorgekommen, mehrere Personen haben sich von Christus abgewendet, um den Weg der Welt zu gehen.

Halten Sie sich fern von Leuten, die Abfall von Gott predigen! Amen.

Vers 44

Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? Joh 5,44

Ja, wie ist es möglich zu glauben, wenn Menschen einander gefallen wollen und voneinander Ehre nehmen, doch die Ehre Gottes nicht suchen? Auf diese Weise ist zu glauben schlicht unmöglich!

Wir sollten in allem, was wir tun, nicht die Ehre von Menschen suchen. Es gibt immer noch viele Christen, die leider auf Ehre von Menschen erpicht sind. Gerne hätten solche deshalb – unter dem Vorwand der Nächstenliebe beispielsweise – die Gabe für Heilungen, da ihnen diese hohe Ehre und Aufmerksamkeit bringen würde. Ein solches Trachten ist aber der falsche Ansatz im Wandel mit Gott. Wir sollten vor allem die Ehre Gottes suchen, alles andere kommt danach.

Es sei noch auf folgendes hingewiesen: Wer nur die Ehre Gottes sucht, richtet sich auch inmitten grosser Not nur nach dem HERRN aus. Er wendet sich nicht zuerst diesem oder jenem Problem zu, sondern Gott, der die Aufgaben verteilt. Das ist absolut richtig, denn Gottes Priorisierung ist um Welten besser als unsere eigene. Amen.

Vers 45

Meint nicht, dass ich euch bei dem Vater verklagen werde; da ist einer, der euch verklagt, Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Joh 5,45

Die Juden dachten, sie würden auf Moses Weg wandeln. Mose gab schliesslich das Gesetz und sie behaupteten von sich, das Gesetz übermässig gut zu halten, indem sie nicht nur die Worte Moses halten wollten, sondern noch viele weitere Vorschriften dem Gesetz beifügten. Die Juden hatten zur Zeit Jesu noch viele Überlieferungen ihrer Väter, die sie neben dem Gesetz zu halten pflegten. Damit hielten sie sich für besonders fromm.

Christi Beurteilung ihres Verhaltens war aber niederschmetternd:

5 Ihr aber sagt: Wer zum Vater oder zur Mutter spricht: Eine Opfergabe sei das, was du von mir an Nutzen haben würdest, 6 der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren; und ihr habt so das Wort Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. 7 Heuchler! Treffend hat Jesaja über euch geweissagt, indem er spricht: 8 »Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. 9 Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.« Mt 15,5-9

Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und keiner von euch tut das Gesetz. Was sucht ihr mich zu töten? Joh 7,19

Die Juden hielten sich mit ihrem heuchlerischen Tun überhaupt nicht an die Worte Moses. Christi Urteil darüber war kurz und knapp: „Keiner von euch tut das Gesetz.“ Dieser Mose, auf den sie die Hoffnung gesetzt hatten, würde sie deshalb verklagen.

Nun müssen wir uns fragen, wie wir uns denn in Wahrheit verhalten. Halten wir uns an die Worte Christi, an die Worte der Bergpredigt im Matthäusevangelium, die in den Kapiteln 5 – 7 stehen? Oder halten wir uns nur nach dem äussern Schein danach und wandeln innerlich auf dem Weg der Vergnügungen und der Sünden dieser Welt?

Vers 46

Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Joh 5,46

Moses schrieb von Christus, zum Beispiel an dieser Stelle:

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. 1.Mose 3,15

Christus, der aus dem Samen der Frau, der Jungfrau Maria, hervorkam, zertrat der Schlange, das ist der Teufel, den Kopf, indem Er dem Teufel eine vernichtende Niederlage bescherte. Dies ist aber nicht die einzige Stelle, in der der Mann Moses von Christus geschrieben hatte. Auch an der folgenden Stelle schreibt Moses von Christus:

1 Und der HERR sprach zu Mose und Aaron im Land Ägypten:
2 Dieser Monat soll für euch der Anfangsmonat sein, er sei euch der erste von den Monaten des Jahres!
3 Redet zur ganzen Gemeinde Israel und sagt: Am zehnten dieses Monats, da nehmt euch ein jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, je ein Lamm für das Haus!
4 Wenn aber das Haus für ein Lamm nicht zahlreich genug ist, dann nehme er es mit seinem Nachbarn, der seinem Haus am nächsten wohnt, nach der Zahl der Seelen; nach dem Mass dessen, was jeder isst, sollt ihr ihn auf das Lamm anrechnen.
5 Ein Lamm ohne Fehler, ein männliches, einjähriges, soll es für euch sein; von den Schafen oder von den Ziegen sollt ihr es nehmen.
6 Und ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. Dann soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel zwischen den zwei Abenden schlachten.
7 Und sie sollen von dem Blut nehmen und es an die beiden Türpfosten und die Oberschwelle streichen an den Häusern, in denen sie es essen.
8 Das Fleisch aber sollen sie noch in derselben Nacht essen, am Feuer gebraten, und dazu ungesäuertes Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen.
9 Ihr dürft nichts davon roh oder etwa im Wasser gekocht essen, sondern am Feuer gebraten sollt ihr es essen: seinen Kopf samt seinen Unterschenkeln und Eingeweiden.
10 Und ihr dürft nichts davon bis zum Morgen übriglassen! Was aber davon bis zum Morgen übrigbleibt, sollt ihr mit Feuer verbrennen.
11 So aber sollt ihr es essen: eure Lenden gegürtet, eure Schuhe an euren Füssen und euren Stab in eurer Hand; und ihr sollt es essen in Hast. Ein Passah für den HERRN ist es.
12 Und ich werde in dieser Nacht durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeburt im Land Ägypten erschlagen vom Menschen bis zum Vieh. Auch an allen Göttern Ägyptens werde ich ein Strafgericht vollstrecken, ich, der HERR.
13 Aber das Blut soll für euch zum Zeichen an den Häusern werden, in denen ihr seid. Und wenn ich das Blut sehe, dann werde ich an euch vorübergehen: so wird keine Plage, die Verderben bringt, unter euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage. 2.Mose 12,1-13

Moses schreibt hier von einem fehlerfreien Opferlamm Gottes, welches sterben muss, damit sein Blut an die Türpfosten gestrichen werden kann, um den Verderber draussen zu halten. In der Folge muss es aufgegessen werden. Wer die Bibel kennt, weiss, dass mit diesem Opfer Christus gemeint ist, wie geschrieben steht:

Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits ungesäuert seid! Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet. 1.Kor 5,7

Nun müssen wir wissen, dass die Heilige Schrift geistlich ist und auch so interpretiert werden muss. Die Pharisäer interpretierten sie irdisch, menschlich. Sie sahen einfach das verordnete Opfer und hielten es so und sagten sich: Wir machen es gut, weil wir das von Mose Aufgeschriebene ausführen. Da sie es aber nur aus der menschlich-vernünftigen Warte aus sahen und machten, waren sie blind für die geistliche Bedeutung, wie jeder Christ blind ist, der die Schrift nur nach irdischen Kriterien beurteilt. Nicht umsonst steht geschrieben:

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. 1.Kor 2,14

Der Pharisäer las, was geschrieben stand und setzte es um. Je besser er es nach der Vorschrift umsetzte, desto besser sah er sich in der Position vor Gott. Um noch besser zu werden, fügten sie der Heiligen Schrift selbst noch weitere, menschliche Gebote hinzu, wie das in Mt 15,1 erwähnte Händewaschen vor dem Essen. Irdisch-menschlich gesehen, sah es so aus, als ob die Pharisäer Recht hätten. Wer mit dreckigen Händen isst, bekommt auch unweigerlich etwas von diesem Dreck in seinen Magen. Das tönt aus menschlicher Sicht plausibel. Christus musste dem widersprechen, denn nur schon irdisch-menschlich gesehen wird die Magensäure mit etwas Schmutz locker fertig. In geistlicher Hinsicht war das menschliche Gebot des Händewaschens vor dem Essen auch völlig wertlos, wie Christus weiter ausführte. Denn der Mensch verunreinigt sich nicht durch schmutzige Hände, sondern durch die ausgesprochenen Worte. Die Worte, die wir untereinander austauschen, verunreinigen uns, solange sie nicht geistlicher Natur sind, wie Christus weiter ausführt.

Nachfolgend sehen wir die an die Jünger gerichtete Erklärung, weshalb sich der Mensch nicht durch ungewaschene Hände verunreinigt:

17 Begreift ihr nicht, dass alles, was in den Mund hineingeht, in den Bauch geht und in den Abort ausgeworfen wird?
18 Was aber aus dem Mund herausgeht, kommt aus dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen.
19 Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen;
20 diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen, aber mit ungewaschenen Händen zu essen, verunreinigt den Menschen nicht. Mt 15,17-20

Wie es sich damals mit dem Pharisäern verhielt, verhält es sich heute mit den „hochgeistlichen“ Christen, welche geistliche Dinge irdisch beurteilen und von sich denken, den Willen Gottes damit zu erkennen. Wie die Pharisäer damals mit einem selbst erweiterten Gesetz frömmer als Gott sein wollten, wollen nicht wenige Christen heute frömmer sein als Gott selber. Anstatt die Bergpredigt des HERRN umzusetzen und im Kampf gegen die Sünde der Sünde bis aufs Blut zu widerstehen (Heb 12,4.12-29), achten viele Christen darauf, humanistische Lehrgebote einzuhalten. Gebote also, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. In der Schrift steht das Lamm Gottes im Mittelpunkt, nicht der Mensch. Wer den Mensch in den Mittelpunkt stellt, stellt das Lamm, Christus, unweigerlich auf den zweiten Platz. – Lassen Sie mich dazu ein Beispiel machen, von dem ich aus erster Hand weiss: In einer Gemeinde gab es eine gläubige, aber ehebrecherische Frau. Sie verliess ihren ebenfalls gläubigen Mann und zog aus dem gemeinsamen Zuhause aus. Ihr Mann war nicht perfekt, wie sie selbst nicht perfekt war. Der Mann lebte nicht in einer ihm bewussten, vorsätzlichen Sünde, wie beispielsweise Hurerei, die einen Auszug der Frau gerechtfertigt hätte. Nach dem Auszug stand die Frau situationsbedingt nur mit wenigen Habseligkeiten da. Da bekamen einige Christen Mitleid mit dieser ehebrecherischen Frau und halfen ihr tatkräftig, die eheliche Wohnung zu plündern. Was sie in die Ehe gebracht hatte, wurde hinausgetragen. Ihre Helfer sagten sich: Rechtlich gehört das der Frau und humanistisch gesehen, soll die arme Frau auch wieder eine gut mit Möbeln ausgestattete Wohnung haben. – Das ist doch eine wunderbare Sache, wie die Christen sich für diese arme Frau eingesetzt hatten! – Oder war es doch nicht so toll? Haben diese Christen vielleicht übersehen, dass sie dieser Frau damit die Hände stärkten, die Gebote Gottes weiter mit Füssen zu treten? Haben diese Christen vielleicht übersehen, dass sie damit der Gemeinde suggerierten, Ehebruch sei ein Kavaliersdelikt, Ehebruch sei also nicht so schlimm? Haben diese Christen vielleicht übersehen, dass sie damit die Zäune Gottes zur Unmoral niederrissen? Haben diese Christen vielleicht übersehen, dass sie damit ehebrecherisch Gesinnten den Freipass zur Unmoral sprichwörtlich in die Hand drückten? Haben diese Christen vielleicht übersehen, dass sie mit ihrer weltlich-teuflischen Hilfe diese Frau einem furchtbaren Gericht preisgaben, nämlich dem Gericht, von dem im Hebräer 6,4 ff. und 10,29 ff. die Rede ist? – Für geistlich gesinnte Christen, von denen man bald meinen könnte, sie seien vom Aussterben bedroht, erübrigt sich eine Antwort. Es ist noch festzuhalten, dass nicht „randständige“ Christen dieser Frau halfen, sondern Christen in Leitungsfunktionen ihr die Hände stärkten. Das ist nur ein wahres Beispiel. Dergleichen geschieht viel in der christlichen Landschaft, dass Christen unter den Nationen zum Sprichwort werden.

Lassen Sie mich nachfolgend etwas über eine christliche Gemeinde zitieren. Das ist ein Schreiben, das von Gott an echte Christen gerichtet ist, es ist an die aus dieser Welt (durch Christus) Herausgerufenen gerichtet. Irre ich mich jetzt oder irrt sich gar der Heilige Geist, wenn Er folgendes über den Zustand der Christen (in der letzten Zeit) aussagt:

14 Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt der »Amen«, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:
15 Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiss bist. Ach, dass du kalt oder heiss wärest!
16 Also, weil du lau bist und weder heiss noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.
17 Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weisst, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloss bist,
18 rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weisse Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blösse nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst.
19 Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Busse!
20 Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen, und er mit mir.
21 Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.
22 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Offb 3,14-22

Laodizea bedeutet Volksrecht, Demokratie. In der Gemeinde von Laodizea tat man, was das Volk guthiess, wie es heute in den Gemeinden ist. Wie zur Zeit der Richter in Israel, tut heute jeder, was ihn recht dünkt. Wie die Demokratie heute die Gemeinden beherrscht, war es zur Zeit der Richter:

In jenen Tagen war kein König in Israel. Jeder tat, was recht war in seinen Augen. Ri 21,25

Die Gemeinden sind heute organisiert wie weltliche Vereine, mit Statuten und Vereinsversammlungen, in denen demokratisch über Angelegenheiten befunden wird. Sie sind zu Denominationen (= Benennungen) verkommen. Viele sind ohne jegliche geistliche Kraft, da sie durch viele geduldete Unmoral den HERRN ausgeladen haben. Der HERR steht vor der Türe, Er steht nicht mehr in ihren Versammlungen, wie es der Vers 20 beschreibt. Die Vereinsstatuten dieser christlich angehauchten Vereine stehen über den Heiligen Schriften. Und so werden Beschlüsse nach Menschengeboten gefasst, die als weise angesehen werden, in Wahrheit aber nichtig sind, da sie der geistlichen Beurteilung niemals standhalten.

Liebe Leserinnen und Leser! Fliehen Sie die Unzucht (1. Kor 6,18)! Fliehen Sie dem Götzendienst (1. Kor 10,14). Fliehen Sie vor der Geldliebe (1. Tim 6,11)! Fliehen Sie den jugendlichen Begierden (2. Tim 2,22)! Fliehen Sie die Sünde (Heb 12)! Streben Sie nach der Heiligung, ohne die niemand den HERRN schauen wird! Wir haben keine Freikarte ins Reich! Bedenken Sie bitte, was ich sage. Liederliche Christen werden das Reich nicht erben. Das ist so sonnenklar, wie es in den neutestamentlichen Schriften festgehalten ist. Folgende Worte der Heiligen Schrift kann kein Christ schönreden oder ausser Kraft setzen, sei es auch ein Prediger oder ein Ältester:

9 Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Lustknaben, noch Knabenschänder,
10 noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. 1.Kor 6,9-10

19 Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung,
20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen,
21 Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden. Gal 5,19-21

Denn dies sollt ihr wissen und erkennen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – er ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes. Eph 5,5

Das sind an Christen gerichtete Worte. Wer sie verleugnet, wird Entsprechendes empfangen; ein solcher wird das Reich nicht erben, auch wenn er glaubt und getauft ist. Amen.

Um zurück zum Vers zu kommen: Viele Christen glauben dem nicht, was Gott heute im Sohn redet (Heb 1,1.2), wie die Pharisäer damals den Schriften von Moses nicht geglaubt hatten. So schliessen sich die Christen selbst aus dem Reich aus, wie erwähnt, wie sich die Pharisäer damals aus dem Reich ausgeschlossen hatten:

Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschliesst das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen. Mt 23,13

Wie herrlich widerspruchsfrei die Schrift doch ist! – Lassen Sie sich dadurch ermutigen, wenn Sie den Weg Gottes gehen. Lassen Sie sich dadurch warnen, wenn Sie auf eigenen Wegen gehen! Amen!

Vers 47

Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben? Joh 5,47

Die Pharisäer, Schriftgelehrten und auch die Juden allgemein glaubten Moses Worten nicht, sonst hätten sie den durch Moses angekündigten Christus mit Freuden erwartet und Ihn nach der Identifikation durch die Schriften freudig als den Retter angenommen. Er war der, der in Bethlehem zur Welt gekommen war (Mt 2,5.6), der nach Ägypten fliehen musste (Mt 2,15), der in Nazareth aufgewachsen war (Mt 2,23), und der vom „Prediger in der Wüste“ angekündigt worden war (Mt 3; Joh 1,29), um nur vier markante Punkte aus der Schrift zu nennen. Und zu allem Schriftwort, das sich auf Ihn bezieht, wurde Er zusätzlich mit Zeichen und Wundern durch den Himmlischen Vater als das beglaubigt, was Er war. Trotz all dieser Tatsachen glaubte sein Volk nicht an Ihn.

Wenn nun die religiöse Elite und das Volk nicht einmal der klaren Anleitung der Schrift Glauben schenkte, war es unmöglich, dass sie der geistlichen Rede Christi glauben konnten. Gottes Volk hatte sich durch eigene Meinungen und ihre eigenen Vernünfteleien so weit von Gott entfernt, dass man ihr unglaubliche Gebaren, das vorwiegend in den Evangelien und der Apostelgeschichte festgehalten ist, nicht glauben würde, wenn es nicht durch den Geist schriftlich festgehalten wäre! – Und wenn wir nicht als Zeitgenossen in dieser Zeit leben würden, würden wir die Geschehnisse unter den Christen auch nicht glauben können. Denn viele Christen haben sich, wie Israel damals, weit vom Worte Gottes entfernt, indem sie tun, was sich nicht geziemt. Unmoral und eigene Wege haben in nicht wenigen Versammlungen das Heilige hinausgetrieben. Liebe Leserin und lieber Leser Wenn Sie sich in einer solchen Versammlung befinden (wie zum Beispiel die Versammlung in Laodizea, Offb 3,14 ff.), welche partout nicht Busse tun und im Feuer geläutertes Gold kaufen will, fragen Sie Gott ernsthaft, ob Er Sie nicht zu Brüdern und Schwestern führen will, die in echter Gottesfurcht leben. Spielen Sie nicht den Helden in einer solchen Versammlung, denn das Prinzip ist so: Die faule Frucht steckt die gesunde Frucht an, nicht umgekehrt.

Kapitel 6

Vers 1

Danach ging Jesus weg auf die andere Seite des Sees von Galiläa oder von Tiberias; Joh 6,1

Die an sein Volk gerichteten Worte im Kapitel 5 sprach Christus zu Jerusalem. Den Anlass dazu gab der genesene Mann, den Christus beim Teich Betesda in Jerusalem geheilt hatte. Nachdem Christus die Worte vollendet hatte, ging Er von dort weg auf die andere Seite des Sees von Galiläa, den wir auch als See Genezareth kennen. Tiberias liegt ungefähr in der Mitte der Westseite des Sees. Von Jerusalem bis zu jenem Ort liegen grob geschätzt 180 km.

Vers 2

und es folgte ihm eine grosse Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Joh 6,2

Obwohl die religiöse Elite und viele Juden mit ihr nicht an seine herrliche Person glaubten, war Christus nur schon aufgrund der Krankenheilungen die Sensation. So folgten Ihm viele nach, sei es aus Neugierde, Eigennutz, Sensationslust oder was auch immer gewesen, um ihn nachher – trotz all seiner Wohltaten – in Jerusalem vor Pilatus ans Kreuz zu schreien. Wirklich an das geglaubt, was Er war und sagte, haben offensichtlich wenige. So ist es auch heute. Es gibt sehr viele Bekenner, die Ihm aus Neugierde, Eigennutz oder was auch immer folgen. Wirklich an das glauben, was Er ist und heute noch redet, tun wenige.

Vers 3

Jesus aber ging hinauf auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Joh 6,3

Jesus ging hinauf, auf den dort am See Genezareth liegenden Berg und setzte sich mit seinen Jüngern. Auf dem Berg waren Christus und seine Jünger abgesondert vom Treiben der Menschen. Die Regel ist, dass unten im Tal die Beschäftigungen des Lebens laufen, denen wir zweifelsfrei auch nachzugehen haben. Von Zeit zu Zeit sollten wir uns von ihnen lösen und an einen ruhigen Ort kommen, wo die Gemeinschaft mit Gott ungestört möglich ist. Auf einem Berg ist das sehr viel leichter möglich als unten im Tal. Das sagt uns aus, dass wir um zu beten täglich ein leeres Zimmer aufsuchen sollen und wenn es nur das Bad ist, wo wir vor Gott zur Ruhe kommen können. Ich empfehle dazu ein frühes Aufstehen (auch am Wochenende), wenn alles noch ruhig ist, um Gott in dieser Stille zu begegnen. Dann sollten wir die Türe hinter uns abschliessen und die Gemeinschaft mit dem Vater im Gebet suchen, wie geschrieben steht:

Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. Mt 6,6

Amen.

Vers 4

Es war aber das Passah nahe, das Fest der Juden. Joh 6,4

Das Passahfest war ein von Gott für sein Volk verordnetes Fest. Es war ein sehr hoher Feiertag, für die Menschen nach meiner Überzeugung der höchste, da dieses Fest die Erlösung durch das Lamm Gottes, Christus, das geschlachtet wurde, symbolisiert. Für die Christen wurden die Feste oder Gedenkrituale Israels nicht in dieser Art, wie das Passah, übernommen, doch das Passah wurde in Form des Abendmahls, ein Gedenken an den Tod des Lammes Gottes, Christus, übernommen, was sehr bezeichnend ist. Leider verkam damals das Fest Gottes für die Menschen zu einem reinen Fest der Juden, weil sie den Weinberg Gottes zur Selbstverwirklichung benutzten (Mt 21,33 ff). Als Gott seine Knechte in den Weinberg schickte, offenbarten Sie ihre böse Haltung, wie geschrieben steht:

33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste ausser Landes.34 Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen. 35 Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie. 36 Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso. 37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! 38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen! 39 Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Mt 21,33-39

Israel beanspruchte den Weinberg Gottes für sich allein, sie wollten Gott keine Früchte zurückgeben. Die Feste Gottes verkamen zu ihren eigenen Festen, ohne den HERRN dabei miteinzubeziehen. Deshalb steht: „Es war aber das Passah nahe, das Fest der Juden.“ Wie alarmierend das hier steht! Stellen Sie sich die Situation vor, wenn es heissen würde: „Sonntags ist Gottesdienst, das Fest der Christen!“ Stellen Sie sich vor, wie es ist, „Gottesdienst“ zu feiern, ohne Gott in der Mitte zu haben, was in vielen Kirchen bereits der Fall ist. Weil viele Christen das Reich der Himmel für sich allein beanspruchen, um darin aufzugehen und sich selbst zu verwirklichen, haben sie Gott hinausgedrängt. Gott steht in der letzten Zeit vor der Türe der Gemeindeversammlungen und ist nicht mehr unter den Geschwistern, auch wenn es heisst, Er sei mitten unter ihnen. Der Vers Matthäus 18,20 bezieht sich auf Christen, die sich zu Ihm hin versammeln; er bezieht sich nicht auf Christen, die ihr eigenes Fest unter dem Decknamen „Gottesdienst“ feiern. Prophetisch sagt der Geist voraus, dass sich in der letzten Zeit Gemeinden demokratisch organisieren (Laodizea = Volksrecht) werden, was heute mehrheitlich der Fall ist, auch in den Freikirchen. Die Statuten der Kirche haben höheres Gewicht als die Bibel, wie beispielsweise die wiedereingeführte Hierarchie – die Bibel lehnt im Neuen Testament die Hierarchie ab (Mt 23,8-10) – oder das Verdrängen des Abendmahls und der Erwachsenentaufe, welche von Christus verordnet hat und unbedingt auszuführen sind (Lk 22,19; Mt 28,19).

Vers 5

Als nun Jesus die Augen aufhob und sah, dass eine grosse Volksmenge zu ihm kommt, spricht er zu Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, dass diese essen? Joh 6,5

Jeder Glaube wird geprüft, damit der Glaube der Christen einmal erwiesenermassen als herrlich dargestellt werden kann, wie geschrieben steht:

damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi; 1.Petr 1,7

Christus, der alles vermag, wollte sehen, was Philippus angesichts der Situation sagte, in der sich Gott selbst, der Schöpfer des Universums, in der Person von Jesus Christus, befand. Wie Philippus‘ Innerstes geprüft wurde, werden wir auch getestet. Was sagen wir angesichts von Schwierigkeiten? Können unmöglich erscheinende Situationen unserer Ansicht nach mit Christus gemeistert werden oder hat unser Glaube enge Grenzen?

Wir können aufgrund Philippus‘ Antwort ungefähr vermuten, wo Philippus zu diesem Zeitpunkt stand. Durch die Apostelgeschichte wissen wir, dass Philippus später dem HERRN gut gedient hatte (z. B. Apg 8,6).

Vers 6

Dies sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Joh 6,6

Christus ist vollwertiger Mensch (Gal 4,4 u. v. a.). Christus ist vollwertiger Gott (Joh 1,1 u. v. a.). Als Mensch kannte Er die Bedürfnisse der Menschen, als Gott kannte Er keine Grenzen, diese Bedürfnisse zu stillen. Mit der Frage an Philippus im vorausgehenden Vers sollte offenbar werden, wie Philippus die Situation als Jünger Christi einschätzte. Sah er die uneingeschränkte Macht Christi bereits oder dachte er noch in den engen Grenzen der Menschen?

Vers 7

Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. Joh 6,7

Hier rechnete Philippus dem HERRN vor, dass bereits ein kleines Vermögen für fünftausend Leute nicht ausreicht, damit jeder auch nur ein wenig Brot bekomme. Philippus war ein erwachsener Mann, der sich im Leben auskannte. An seiner Einschätzung gibt es nichts zu zweifeln; er kannte die damaligen Brotpreise und Begebenheiten bestens.

Die Schrift überliefert nicht mehr von den Gedanken des Philippus; sie stellt die Sache neutral dar. Ob er damals schon an das kommende Wunder glauben konnte, ist nicht überliefert. Gott stellt schliesslich niemanden unnötig bloss. Wie ich im vorletzten Kommentar erwähnt habe, diente ja Philippus später dem HERRN willig.

Ich möchte an dieser Stelle auf die Worte Christi hinweisen, dass wir voll Vertrauen auf Ihn werden sollen, wie die Kinder. Ein fünfjähriger Sohn an der Hand des Vaters zweifelt nicht an seiner Versorgung und kennt keine Grenzen des Vaters. Der Vater ist für ihn ein Held, jemand, der mit allen Schwierigkeiten seiner kleinen Welt fertig wird. Die Bibel sagt, dass wir unbedingt auch einen solchen Glauben entwickeln sollen:

und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen. Mt 18,3

Kinder glauben alles, was ihnen die Eltern erzählen. Erwachsene Menschen kennen im Gegensatz zu Kindern die menschlichen Grenzen. Philippus wusste genau, was es kosten würde, Brot für die versammelten Menschen zu kaufen. Wenn damals in der Kasse nicht so viel Geld lag und oder die Bäcker in dieser Gegend ohne entsprechende Vorausbestellung gar nicht so viele Brote auf einmal liefern konnten, wusste man ganz genau, dass ohne ein Wunder Gottes die Verpflegung der Menge unmöglich sein wird.

Wir Christen denken menschlich. Ob wir im Berufsleben stehen oder einen Haushalt führen, sind wir ständig mit Grenzen konfrontiert. Wir können nicht mehr ausgeben, als wir verdienen und wir können nicht grössere Schritte machen, als es unsere Beinlänge erlaubt. All diese Dinge sind wahr und bestätigen sich täglich. Christus ist aber nicht zufrieden, wenn das unsere alleinige Wahrnehmung ist. Diese Wahrnehmung ist auf das Reich Gottes gemünzt, völlig ungenügend, denn sie wird sagen, dass das Gesetz des Reiches der Himmel unmöglich zu halten ist (Bergpredigt, Mt 5-7). Denn schon das weniger anspruchsvolle Gesetz Moses konnte Israel nicht halten, wie sollte denn das Gesetz Christi eingehalten werden können? Das ist für den Menschen schlicht unmöglich, was Christus selbst bestätigt:

25 Als aber die Jünger es hörten, gerieten sie ganz ausser sich und sagten: Wer kann dann errettet werden?
26 Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich. Mt 19,25-26

An seiner Hand ist es jedoch möglich, diese hohen Anforderungen zu erfüllen. Das von Ihm erhaltene neue Leben in uns kann beispielsweise nicht sündigen (1. Joh 5,18). Christus kann fünftausend Menschen einfach speisen, ohne fremde Hilfe! Er ist allmächtig! Wir sollen das glauben, wie ein Kind, das die Grenzen der Menschen noch nicht kennt. Wir sollen es glauben, weil wir die die Grenzen Gottes nicht kennen. Er hat keine Grenzen, wie die Bibel (Eph 3,20) und das durch Ihn geschaffene Universum uns täglich bestätigen. Amen!

Vers 8

Einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, spricht zu ihm: Joh 6,8

Eine Interaktion mit Christus zu haben ist immer gut. Sprechen Sie mit Christus, seien Sie Ihm ein Gesprächspartner. Er gab sein Leben als Mensch für Menschen, nicht für stumme Tiere. Sagen Sie Ihm Dank, denn Dank gebührt Ihm. Er ist keine Maschine, die einfach ein Werk vollbracht hat. Er hat Gefühle, Er litt sehr für uns! Sein unseretwegen erfahrenes Leid können und sollen wir Ihm heute mit Danksagung vergelten (Eph 5,20)!

Vers 9

Es ist ein kleiner Junge hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat. Aber was ist dies unter so viele? Joh 6,9

Andreas meldet Christus, dass ein kleiner Junge etwas Essen dabei hat. Und die menschliche Vernunft sagte ihm, dass das niemals für fünftausend Menschen ausreicht. – Nun ist es absolut korrekt, dass fünf Brote und zwei Fische (Mt 14,17) niemals ausreichen, fünftausend Menschen zu speisen. Die Frage an den Glauben ist nun, ob etwas Unmögliches möglich wird, wenn Gott inmitten des Lagers steht. Die Bibel verlangt von uns nicht, abergläubisch zu werden. Wenn Gott die Wunder nicht wirkt, gelten die vorherrschenden Gesetze – auch für uns. Wir können im Kopfstand etwas herbeiwünschen, es wird nicht einfach so kommen. Die Aussage der Bibel ist, dass erst alles möglich ist, wenn Gott in die Situation kommt. Gott kann alle vorherrschenden Gesetze aufheben. Er vermag alles. Daher war es klar – Gott stand in der Person von Jesus Christus inmitten des Geschehens -, dass die Verpflegung der Menschenmenge nicht ausbleiben würde, auch wenn fast nichts an Essen vorhanden war.

Interessant ist auch, dass ein in der Gesellschaft noch unbedeutender Mensch, ein kleiner Junge, etwas zu essen dabei hatte. Nicht ein Hohepriester aus Jerusalem reichte etwas dar; die Menge sollte im Nachhinein nicht glauben, seine Frömmigkeit habe ein Wunder bewirkt. Auch sollten wir Christen, die wir überwiegend keine grossen Namen in der Welt haben, uns nicht als zu gar nichts nütze einschätzen. Um etwas vorzugreifen: Wenn wir im Reich arbeiten und daraus etwas Weniges auszuteilen haben, kann der HERR es derart vervielfältigen, dass für alle genügend vorhanden ist, seien es fünf-, fünfzig- oder fünfhunderttausend Menschen, die davon etwas bedürfen. Das Wenige des kleinen Jungen speiste am Ende fünftausend Menschen. Geben Sie das Wenige weiter, das Sie haben, sei es geistlicher Art oder vom überschüssigen Geld. Es kann für viele Menschen ein Segen sein. Und bedenken Sie bitte: Alles was Sie säen, werden Sie später ernten. Wer spärlich sät, wird wenig ernten, er viel sät, wird auch viel ernten (2. Kor 9,6). Amen.

Vers 10

Jesus sprach: Macht, dass die Leute sich lagern! Es war aber viel Gras an dem Ort. Es lagerten sich nun die Männer, an Zahl etwa fünftausend. Joh 6,10

Der HERR begegnet jeweils dem Menschen, wie es der Mensch als solches benötigt. Diesem Vorbild sollten wir in allem folgen. Hungrige Menschen speiste Er, kranke heilte Er. In allem liess er die Lehre Gottes nicht auf der Strecke. Jesus war in allem völlig ausgewogen und trotzdem radikal. Jesus war in allem völlig radikal und trotzdem ausgewogen. – Was will ich damit ausdrücken? – Damit will ich sagen, dass wir uns nicht hinter dem Wort „ausgewogen“ verstecken sollen, um damit die radikale Lehre auf der Strecke lassen sollen, die in vielen Gesichtspunkten schwarz / weiss ist. Es gibt den Himmel und die Hölle. Entweder wird das Ende des Menschen schwarz oder es wird weiss. Entweder wird der Mensch gerettet oder er geht verloren. Wir sollen aber auch Kranken und Bedürftigen nicht symbolisch mit der Bibel auf den Kopf schlagen. Wir sollen nicht nur radikal sein. Wir sollen ihnen mit Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft begegnen ohne aber dabei unser Salz zu verlieren. Es gibt kein Ansehen der Person. Wenn ein Kranker und Bedürftiger den HERRN bis zum Ende verwirft, gelten keine mildernden Umstände. Im Endgericht zählt, ob man Christus hat oder nicht hat oder ob man zumindest eine positive Begegnung mit Ihm hatte (siehe Mt 25,32.33, Gericht über die Nationen). Es gibt nur einen einzigen Weg zu Gott, die Schrift kann nicht aufgelöst werden, wie geschrieben steht:

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Joh 14,6

Der Weg Christi war ein Meisterstück, ein Weg, den wir nur zusammen mit Ihm schaffen. Jesus ging wie auf einer Rasiermesserklinge. So schmal war sein Grat, damit Er in allem brillieren konnte. Auf uns alleine gestellt sind wir viel zu schnell zu radikal, zu wenig radikal, zu unbarmherzig oder zu „barmherzig“ (= zu humanistisch, zu weich). Deshalb sage ich nochmals: Jesus war in allem völlig ausgewogen und trotzdem radikal. Jesus war in allem völlig radikal und trotzdem ausgewogen. Amen.

Vers 11

Jesus aber nahm die Brote, und als er gedankt hatte, teilte er sie denen aus, die da lagerten; ebenso auch von den Fischen, soviel sie wollten. Joh 6,11

Schriftgemäss war der Mund Christi stets voller Dank (Eph 5,20; Kol 3,17; 1. Thess 5,18). Nach dem Dank für die Speise teilte Er die fünf Gerstenbrote und die zwei Fische unter die fünftausend Menschen aus. Und dabei teilte Er so aus, dass es nicht eine Brotkrume und ein Fischmolekül für den Einzelnen gab, Er teilte so viel aus, wie sie wollten. Wer grossen Hunger hatte und nach viel verlangte, erhielt die Menge, wonach er begehrte. Wer nach weniger verlangte, dem reichte der HERR seine Portion dar. Die praktische Belehrung darin ist: Beim HERRN muss niemand Hunger leiden oder rationiert essen. Die geistliche Belehrung ist: Auch im Geistlichen ist Gott reich für alle. Es hat genügend von seinem Geist, genügend für alle, wie geschrieben steht:

33 Wer sein Zeugnis angenommen hat, der hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn er gibt den Geist nicht nach Mass. Joh 3,33-34

Der HERR ist reich für alle, die Ihn anrufen – ohne von seinem Reichtum abzumessen! Er gab, soviel sie wollten! Amen.

Vers 12

Als sie aber gesättigt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übriggebliebenen Brocken, damit nichts umkomme! Joh 6,12

Vorausgehend sei nochmals auf einen bereits erwähnten Umstand hingewiesen: Die durch Gottes Macht vervielfältigten Brote und Fische, welche den Ursprung im Wenigen des kleinen Jungen hatten, zeigt eine weitere geistliche Belehrung, auf die ich schon einmal hingedeutet habe. Gott arbeitet nicht durch die Kraft des Fleisches. Menschen, die von sich denken, sie seien etwas, bleiben aussen vor. Schwache Menschen, die von sich wissen, unmündig vor Gott zu sein, kommen im Reich voran, denn den Demütigen gibt Gott Gnade und den Hochmütigen widersteht Er (1. Petr 5,5).

Kommen wir zum aktuellen Vers: Obschon der HERR all die Speise nochmals hätte verdoppeln und verdreifachen können, lebte Er uns eine ressourcenschonende Haltung vor. Die Botschaft ist: Von Gott dargereichtes Gut soll nicht gedankenlos verschwendet werden.

Vers 13

Sie sammelten nun und füllten zwölf Handkörbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, welche denen, die gegessen hatten, übrigblieben. Joh 6,13

Dieser Vers beweist, dass Christus mehr ausgeteilt hatte, als die Menschen zu essen vermochten. Nicht drei, nicht sechs und nicht neun Körbe blieben übrig, es blieb ein volles himmlisches Mass übrig, was eine sehr schöne Darstellung der Grosszügigkeit des HERRN ist.

Vers 14

Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll. Joh 6,14

Durch die Äusserlichkeiten oberflächlich überzeugt, sprachen die Leute, Christus sei der, der in die Welt kommen soll. – Der Mensch ist sehr auf das ausgerichtet, was er sieht, was grundsätzlich nicht negativ ist. Gott hat sich durch das Sichtbare geoffenbart, wie geschrieben steht:

18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten,
19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart.
20 Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien;
21 weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Röm 1,18-21

Der Mensch ist völlig ohne Entschuldigung, weil er das von Gott Geschaffene ständig vor seinen Augen hat. Die Schöpfung, die Sonne und der Mond, die Welt mit ihren Bergen und Seen und allem, was darauf ist und das Meer und alles was darin ist, zeugen von Gott, der sich alles erdacht und geschaffen hat.

Nach der übernatürlichen Speisung der Fünftausend waren diese überzeugt, Christus sei der von Gott Gesandte, der in die Welt kommen soll. Aber wenige Zeit später schrie das Gros der Juden Christus ans Kreuz; diejenigen brachten Ihn ans Kreuz, die alle durch Ihn nur Gutes empfangen hatten.

Wie konnte sich die positive Überzeugung der Menschen vor Pilatus in Jerusalem derart zum Schlechten wenden? – Die ganz genauen Gründe kenne ich nicht. Ich kenne die üble, verdorbene Natur des Menschen durch die Offenbarung der Schrift (Mk 7,21). Ich kenne die überaus krasse und sehr negativ behaftete Unberechenbarkeit der Menschen durch die Offenbarung der Schrift (2. Sam 19,42 – 20,2). Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Menschen, die von einer Person nur Gutes empfangen haben, sie am Ende trotzdem „dem Messer ausliefern“. Die durch David geretteten Bewohner von Keila hätten das Gleiche auch getan, wie es Gott dem David eröffnet hatte (1. Sam 23,12).

Menschen können heute von sich behaupten, Christus am meisten zu lieben und morgen begehen sie trotzdem Ehebruch und wälzen sich im Kot der Hurerei und der Internetpornographie. Wie extrem wankelmütig der Mensch doch ist! – Lassen Sie uns nicht so handeln! Lassen Sie uns Christus mutig bekennen (Lk 12,8.9) und uns an unserem Bekenntnis bis zum Schluss festhalten (Heb 4,14; 10,23)! Amen!

Vers 15

Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein. Joh 6,15

Der HERR liess wegen mehreren Faktoren nicht zu, dass das Volk Ihn zum König machte. Erstens wusste Er, dass viele nur oberflächlich an Ihm hingen, zweitens war die Zeit noch nicht gekommen, die Menschen zu richten. Schliesslich ist es die Verantwortung eines Königs, Gericht zu halten, denn ein Thron steht fest durch Gerechtigkeit (Spr 16,12). Christus hätte als amtierender König alle Ungerechtigkeit richten müssen, was zum Zeitpunkt ohne vollbrachtes Erlösungswerk für die Menschen und selbst für seine Jünger schlecht herausgekommen wäre.

Vers 16

Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger hinab an den See; Joh 6,16

Die Jünger Christi gingen nicht eigenmächtig hinab an den See. Der HERR hatte sie dazu angewiesen. Sie sollten ans jenseitige Ufer fahren, wie geschrieben steht:

Und sogleich nötigte er die Jünger, in das Boot zu steigen und ihm an das jenseitige Ufer vorauszufahren, bis er die Volksmengen entlassen habe. Mt 14,22

Wieder einmal möchte ich betonen, dass es sehr wichtig ist, die Stimme Gottes zu hören. Wer einfach macht, was er für richtig hält, ohne den Auftrag Gottes zu kennen, liegt meistens falsch (Spr 14,12; 16,25). Die Jünger waren angehalten, in die Gegend von Kapernaum bzw. Betsaida zu fahren, das sind Ortschaften welche im Norden, bei der Einmündung des Jordanflusses liegen. Wären die Jünger nach Süden gefahren, nach Kinneret beispielsweise, hätten sie ihren Bestimmungsort verpasst. Anstatt mit dem HERRN im Norden das Werk voranzutreiben, wären sie alleine im Süden gestanden und hätten kein ewiges, beständiges Werk vollbringen können, denn getrennt von Ihm kann der Jünger nichts tun (Joh 15,5). Christus spricht:

Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach! Und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wenn mir jemand dient, so wird der Vater ihn ehren. Joh 12,26

Wenn mir Christus sagen würde, ich solle mein Schreiben einstellen und mein Tätigkeitsgebiet im Reich verlagern, so würde ich es (hoffentlich immer!) sofort tun. Bibelkommentare.ch ist nicht mein Werk. Und die daraus entstandenen Bücher, die man bei epubli.de oder amazon.de kaufen kann, sind nicht dazu da, mein Einkommen zu sichern. Ich gehe einer weltlichen, normalen Arbeit nach, wie es die meisten Menschen tun und belaste keine Gemeinde, um von ihr Lohn zu nehmen, wie auch Paulus mit seinen eigenen Händen für sein Auskommen sorgte, wie geschrieben steht:

7 Denn ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll; denn wir haben unter euch nicht unordentlich gelebt,
8 noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um keinem von euch beschwerlich zu fallen. 2.Thess 3,7.8

Meine Schriften sind nur als Bibelverständnishilfen gedacht, um den Leser näher zu Christus zu führen. Deshalb habe ich auf dem Buchdeckel einen Hinweis zur Webseite, auf der alles kostenlos nachgelesen werden kann. Der Leser soll vor dem Kauf des Buches entscheiden können, ob er die Erklärungen im Internet kostenfrei nachlesen oder ob er lieber das Buch kaufen will. Weil es Menschen gibt, die ein richtiges Buch in der Hand halten wollen, habe ich meine Erklärungen zur Bibel in den Handel gebracht. Das war der Grund für die Publikation; ich brachte sie nicht in den Handel, um mir ein Denkmal zu schaffen. Ich will dort stehen, wo sich Christus gerade aufhält. Und diese Verhaltensweise möchte ich jedem Diener des HERRN ans Herz legen! Amen.

Vers 17

und sie stiegen in das Boot und fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen; Joh 6,17

Nach der Speisung der Fünftausend gab es für die Jünger nicht zuerst einen entspannenden Abend vor dem Fernseher. Christus nötigte die Jünger, noch in der Nacht über den See zu setzen (Mt 14,22). Christus ist kein Sklaventreiber; Er ist ein hervorragender Feldherr. Wir befinden uns schliesslich nicht im Friedenszustand mit dem Fürsten dieser Welt, dem Teufel. Wir befinden uns im Krieg, nicht im Krieg gegen andere Menschen, wie einige Individuen anderer Religionsgemeinschaften glauben. Der Allmächtige hält uns an, die Nächsten zu lieben und sie nicht mit automatischen Waffen niederzustrecken. Aber offensichtlich ist, dass wir uns im Krieg, im geistlichen Krieg befinden, wie geschrieben steht:

Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. 2.Tim 2,4

Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt. Eph 6,12

Wie zu dienen ist, sollten wir nicht von der westlichen, vielerorts verweichlichten Gesellschaft kopieren. Wir sollten aus dem Worte Gottes lernen, was Christus von seinen Dienern erwartet. Dazu steht geschrieben:

7 Wer aber von euch, der einen Sklaven hat, der pflügt oder hütet, wird zu ihm, wenn er vom Feld hereinkommt, sagen: Komm und leg dich sogleich zu Tisch?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Richte zu, was ich zu Abend essen soll, und gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?
9 Dankt er etwa dem Sklaven, dass er das Befohlene getan hat? Ich meine nicht.
10 So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. Lk 17,7-10

Diese Stelle aus dem 17. Kapitel des Lukasevangeliums wird vielerorts nicht ernst genommen, obschon uns Paulus all das vorlebte und uns das perfekte Beispiel eines fleissigen Dieners gab. Doch heute sagen wir uns, da genügend Wohlstand vorhanden ist, mit dem wir uns Vieles kaufen können: „Ab so und so vielen Gottesdienstbesuchern stellen wir einen Pastor an. So können wir weiter Fernsehabende geniessen, ohne die Schriften neben unserer Arbeit für die Sonntagspredigt studieren zu müssen. Der Pastor soll für uns diese Arbeit erledigen und auch er soll ein gemütliches Leben haben. Tagsüber soll er die Predigt vorbereiten und die Alten und Kranken besuchen gehen, abends soll er auch seinen „wohlverdienten“ Feierabend geniessen.“

Ich glaube nicht, dass ich Lk 17, 7-10 weiter ausführen muss. Die Worte sind sehr deutlich und einfach zu verstehen. Im Kriegszustand auf der faulen Haut zu liegen steht keinem gut, je nach Situation ist es sogar ein Verbrechen. Ein von der Gemeinde angestellter Pastor kann nicht leisten, was die fünfzig Gemeindeglieder zu leisten haben. Dem Menschenmörder, dem Teufel, sind so viele Seelen abzuringen wie nur möglich! Dabei sollen wir nicht blind in die Luft schlagen, sondern Christi Anweisungen befolgen. Das Neue Testament spricht von Arbeit, nicht von einem lockeren Leben, es geht um Enthaltsamkeit in allem, um maximalen Einsatz im Reich, um den richtigen Kampf, das Zurückbinden der alten Gelüste und den Wohlgefallen an der neuen Natur, die wir von Christus erhalten haben. Es geht besonders auch um folgenden Text:

24 Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt!
25 Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
26 Ich laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der in die Luft schlägt;
27 sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde. 1.Kor 9,24-27

Wer das Gleichnis mit den Pfunden im 19. Kapitel des Lukasevangeliums ignoriert, muss am Ende nicht überrascht sein, wenn er das Ziel nicht annähernd erreicht hat und vor dem Richterstuhl Christi mit harten Vorwürfen konfrontiert wird. Das ganze Neue Testament lehrt den vollen Einsatz, den ein Christ zu leisten hat. Und dieser Einsatz für Christus hat überhaupt nichts mit Werksgerechtigkeit zu tun. Wer auf die Stimme Christi hört, tut, was Er sagt. Ein solcher tut nicht tote, nichtsnutzige Werke, um sich den Himmel zu verdienen, was völlig absurd wäre, da wir aus Gnade gerettet sind und nicht durch Werke (Rö 5,1).

Auch aus diesen Gründen liess Christus, der seine Jünger ebenfalls auf gute Leistung trainierte, die Zwölf nicht erst vor Ort übernachten. Es gab viel zu tun, sie sollten deshalb noch zur selben Nachtstunde mit dem Boot in Richtung Norden abfahren.

Vers 18

und der See wurde aufgewühlt, da ein starker Wind wehte. Joh 6,18

Wir haben es bestimmt schon alle erlebt: Wenn wir im wahren Auftrag Christi, nicht in unserem eigenen Auftrag, unterwegs sind, stellen sich plötzlich Schwierigkeiten ein. – Was ist im geistlichen Krieg anderes zu erwarten? Wegen Mühsalen sollten wir nicht irritiert sein, Schwierigkeiten sind kein Zeichen dafür, dass Christus den Auftrag zurückgezogen hätte. Unser perfekter HERR sagt nicht wie ein wetterwendischer Vorgesetzter einmal „Hü“ und einmal „Hott“. Wenn Christus sagt: „Geh!“, sollen wir gehen und nicht nach wenigen Metern zurückblicken und erneut fragen. Wenn Christus sagt: „Geh morgen!“, sollten wir nicht im Übereifer heute schon gehen. Christus weiss, was Er sagt und wozu Er es sagt. Er hat das ganze Geschehen auf der Erde stets im Überblick. Er kennt das Schlachtfeld und die Aufstellungen des Feindes auf dieser Erde besser als jeder Oberbefehlshaber einer noch so mächtigen Nation. Wir sollten gehen, wenn zu gehen ist, wir sollten warten, wenn zu warten ist. Nur sehr törichte und vermessene Kämpfer verlassen den Schützengraben ohne die Anweisung der Kommandozentrale, welche laufend Informationen der Aufklärer erhält und damit den Gesamtüberblick hat. Und nur törichte Kämpfer lassen das Funkgerät zur Zentrale ausgeschaltet und schauen Fernsehen, wenn draussen ihre Kameraden in anderen Frontabschnitten vom Feind unter Feuer genommen werden. Paulus klärt Timotheus über das Grundverhalten auf, indem er sagt: „Kämpfe!“

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen! 1.Tim 6,12

Was in einer Kampftruppe nie geschieht, ist heute leider in vielen Gemeinden die Tagesordnung: Man stellt einen Pastor an, der die ganze Arbeit tun soll, damit man abends ungestört Fernsehen kann und nicht Gemeindediensten nachgehen muss. Der Pastorendienst ist nicht schlecht, ich verurteile ihn nicht, wie könnte ich auch? Der Heilige Geist setzt selber Hirten (= Pastoren) ein (Eph 4,11). Aber es ist völlig falsch, Pastoren in der Art der Landeskirchen zu ernennen, um ihnen die Arbeit, die durch die Gemeinde zu erledigen wäre, aufzuhalsen. Ein Pastor ersetzt die Arbeit der fünfzig oder hundert restlichen Geschwistern nicht. Was in Wahrheit zu tun ist, kann ein Mann alleine unmöglich leisten; er kann nicht die Arbeit von fünfzig oder hundert Menschen erledigen. Stellen Sie sich vor, eine Gemeinde stellt einen Pastor mit einem Pensum von 100% an. Sagen wir, dieser ist sehr fleissig und arbeitet 10 Stunden pro Tag. Die Gemeinde hat fünfzig erwachsene Mitglieder, die alle berufstätig sind. Wenn diese Mitglieder nur eine Stunde pro Tag ins Reich investieren, leisten sie zusammen fünfzig Arbeitsstunden pro Tag, also fünfmal mehr, als der fleissige Vollzeitmitarbeiter im Alleingang schafft. – Was will ich damit sagen? – Damit will ich sagen, dass in Gemeinden, die Vollzeitmitarbeiter angestellt haben, die Mitglieder keinesfalls der Arbeit im Reich entbunden sind. Wenn sie sich sagen: „Wir haben ja jetzt jemanden angestellt, der die Aufgaben in der Gemeinde erledigt!“, und dabei anfangen, die Arbeit des Reiches niederzulegen und sich mit unnützen Dingen abgeben, muss ich fragen: „Ist das Christus gegenüber nicht sehr verletzend, der sehr viel mehr für uns aufgegeben hat und sich heute noch Freuden enthält (Mk 14,25), bis Er alle definitiv bei sich hat?“ Wenn die Gemeindeglieder wegen der Vollzeitmitarbeiter ihre Arbeit niederlegen, geht sehr viel Leistung verloren, die keinesfalls mit noch mehr Vollzeitmitarbeitern aufgefangen werden kann. Und wenn alle Mitglieder dieser fünfzigköpfigen Gemeinde beispielsweise anderthalb Stunden im Reich arbeiten würden, ergäbe das schon fünfundsiebzig Stunden pro Tag. Für die gleiche Leistung müsste diese Gemeinde bereits acht Vollzeitmitarbeiter anstellen, was normalerweise eine fünfzigköpfige Gemeinde finanziell nicht stemmen kann. Bedenken wir: Die Felder sind weiss zur Ernte (Joh 4,35), und der Arbeiter sind wenige (Mt 9,37). Lassen Sie uns fleissig sein und die Arbeit nicht anderen aufhalsen.

Kommen wir zurück zum Vers: Nicht selten beginnt ein Auftrag Christi mit Gegenwind. Daher ist wichtig für uns zu wissen, dass wir tatsächlich beauftragt sind. Im Ungewissen ist man nicht so mutig wie jemand, der die Gewissheit hat, dass er im Auftrage Christi agiert. Ich weise deshalb nochmals auf die Wichtigkeit hin, die Stimme Gottes zu hören. All das vorausgehend Geschriebene steht auf dieser Voraussetzung. Wir sollen keinesfalls einfach irgendetwas (Eigenes) tun. Wir sollten keine Projekte anreissen, um uns ein Denkmal zu setzen.

Lassen Sie mich kurz resümieren, es passt alles zusammen: Das Neue Testament lehrt, dass wir fleissig sein sollen. Christus offenbarte uns auch, dass es für viel Arbeit wenige Arbeiter gibt. Auch sagt Christus klar, dass wir nach getaner Arbeit nicht erst für uns sorgen sollen; wir sollten fragen, ob noch etwas im Reich ansteht (Lk 17,7-10). Meine Erfahrung ist, dass meistens noch ein kleiner Auftrag zu erledigen ist, wenn ich nach erfüllter weltlicher Arbeit danach frage. All das korrespondiert mit dem Kontext des Neuen Testaments. Christus sagt nicht plötzlich entgegen der Schrift, weil sich die Gesellschaft verändert habe, gäbe es heute in der zivilisierten Welt weniger Aufträge im Reich.

Wichtig zu wissen ist auch, dass ein Auftrag im Reich bei weitem nicht immer zwingend ein Evangeliums- oder Lehrdienst sein muss. Die Hingabe zu den eigenen Hausgenossen ist ebenfalls vom HERRN gewollt. Das Familienleben ist kein Selbstläufer. Wir sollten unsere Hausgenossen auch gut pflegen (1. Tim 5,8). Manchmal spüre ich einen leichten Druck vom HERRN, wenn ich im Arbeitszimmer sitze, währendem ein Kind nach Hause kommt: Ich soll in die Küche gehen und für die nach Hause kommenden Mitglieder der Familie da sein, obschon meine Sprösslinge praktisch schon erwachsen sind. Der Dienst in der Familie ist ein wertvoller Dienst, wie es andere Dienste im Reich sind, weil er ebenso vom HERRN gewollt ist.

Ohne alle möglichen Dienste hier aufzuzählen, bin ich mir sicher, dass Sie in enger Zusammenarbeit mit dem HERRN ihre Aufgaben im Reich finden werden! Amen.

Mir ist durch die Schrift, die eigene Erfahrung und den Geist dreifach gesichert bewusst, dass trotz dieser biblischen Transparenz – Christus ist transparent und nicht unberechenbar – es Menschen unter uns gibt, die sagen: „Das hier Dargestellte ist alles gut und schön, es entspricht aber nicht unserer draussen gelebten Realität. Deshalb ist es nur eine schöne Theorie, deren Umsetzung ein Wunschtraum bleiben wird.“ – Solchen Menschen sei gesagt, dass die Kriterien beim Richterstuhl, vor dem alle Christen werden erscheinen müssen, nicht die Statuten der Freien Evangelischen Gemeinde sein werden. Auch die Statuten der Landeskirchen, der Heilsarmee, Gemeinde für Christen, Gemeinde für Urchristen und wie sich die Denominationen alle nennen, werden im Gericht ohne Wert sein. Vor dem Richterstuhl wird anhand der Bibel völlig transparent geurteilt werden. Wenn nun jemand glaubt, nicht mehr nach den biblischen Prinzipien leben zu können, weil diese nicht in seine Gemeinde passen würden, hat nicht die Bibel ein Problem, sondern dessen Gemeinde und er mit ihr, wenn er deren Werte höher achtet, als die biblischen Werte.

Vers 19

Als sie nun etwa fünfundzwanzig oder dreissig Stadien gerudert waren, sehen sie Jesus auf dem See dahergehen und nahe an das Boot herankommen, und sie fürchteten sich. Joh 6,19

Die Jünger waren ungefähr fünf Kilometer weit gerudert, als sie Jesus auf dem See dahergehen sahen. Selbst für sie war das eine völlig ungewöhnliche Situation; sie rechneten nicht damit, dass ihr HERR auf dem Wasser zu ihnen kommen könnte. Sie fürchteten sich, da sie glaubten, die Erscheinung sei ein Gespenst, wie es die Evangelisten Matthäus und Markus festgehalten haben.

Die Beschreibung dieser Begebenheit ist sehr tröstlich, weil sie aussagt, dass für den Menschen Christus – Ihm stand kein weiteres Boot zur Verfügung – der stürmische See kein unüberwindliches Hindernis war. Ohne irdisches Hilfsmittel konnte Er den Jüngern zu Hilfe zu kommen. Der Gottesmensch kann durch Glauben irdische Gesetzmässigkeiten übersteuern, wie geschrieben steht:

Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen. Lk 17,6

Dass es sich so verhält, bewies Christus mehrfach auf eindrückliche Weise, auch mit diesem Gang über den See. Dazu sagt uns diese Textstelle, dass Christus die Not der Jünger überhaupt nicht egal war, Er unternahm alles, um ihnen rechtzeitig zu Hilfe zu kommen. Ein Fussmarsch um den See hätte länger gedauert und die Hilfe verzögert. Christus setzte alles daran, das Wort Gottes umzusetzen. Ein Gerechter soll nie verlassen sein, wie geschrieben steht:

Ich war jung und bin auch alt geworden, doch nie sah ich einen Gerechten verlassen, noch seine Nachkommen um Brot betteln; Ps 37,25

Die Jünger mochten sich im Auftrage Christi verlassen gefühlt haben. Christus befahl ja ihre Überfahrt. Sie hatten alles richtig gemacht und waren dabei in Bedrängnis gekommen. Das war Christus nicht egal; Er beeilte sich, zu ihnen zu kommen, egal wie und was der Teufel auch immer für Hindernisse in den Weg stellte. – Der HERR sei gelobt! Amen!

Vers 20

Er aber spricht zu ihnen: Ich bin es, fürchtet euch nicht! Joh 6,20

Christus begegnet denen, die in seinem Willen sind – die Jünger fuhren auf sein Geheiss los -, immer mit grosser Gnade und Barmherzigkeit. Sofort gab Er sich ihnen zu erkennen und beruhigte sie, die durch Wind und Wellen und besonders durch die ungewohnte Erscheinung in Furcht versetzt waren.

Auf diese Art begegnet Er nicht allen Menschen, auch Christen kann Er ganz anders begegnen, wenn es sein muss. Christus ist nicht der Hampelmann der Menschen. Als Petrus Ihm humanistisch eingestellt vor die Füsse trat, schalt Er ihn schonungslos, wie geschrieben steht:

22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem er sagte: Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren.
23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist. Mt 16,22-23

In der heutigen Zeit denken viele Menschen, auch viele Christen, Gott sei der gutmütige, fast etwas einfältige Greis, den man auf Karikaturen mit weissem Bart sieht und Christus sei sein alles notorisch schönmalender Sohn, der mit aufgesetzter Blümchenbrille stets lächelnd umhergeht, quasi wie ein Sektenguru. Die Weltmenschen und leider auch einige Christen haben ein schrecklich verzerrtes Bild von Gott, sonst würden sie sich völlig anders verhalten. In ihrer Fantasie sehen sie sich nach dem Tod vor einem senilen, lächelnden Gott stehen, neben dem ein Blümchen-Christus sitzt, ebenfalls lächelnd und immer nur wohlwollend. – An dieser Stelle sei gesagt, wie erwähnt, dass der seinen echten Dienern gegenüber sehr barmherzige HERR auch ganz anders kann. Christus kann tatsächlich Menschen, ohne Besitztum und weitere Hoffnung, in die Hölle fahren lassen. Ein Humanist würde es vielleicht so ausdrücken, was Christus am Ende mit bösen, gottlosen Menschen macht: „Er hat die völlig wehrlose, nackte Schar der armen Seelen von Frauen und Männern, die ihm gänzlich ausgeliefert war, einfach nehmen und auf ewig in den Feuersee werfen lassen, wo sie Tag und Nacht ohne jegliche Hoffnung auf Linderung und ohne Hoffnung auf einen guten Ausgang für alle Ewigkeiten gequält werden!“ – Der Humanist würde dabei natürlich verschweigen, dass die in die Hölle verdammte Schar der Seelen auf Erden jedes völlig unverdiente Gnadenangebot des HERRN mehrfach verworfen und mit Füssen getreten hatten. Auch würde ein humanistischer Gutmensch im Bericht unterschlagen, dass die in die Hölle geworfenen Seelen vor einem völlig gerechten und allwissenden Gericht gestanden hatten und dass sie während ihrer uneingeschränkten Wirkungszeit auf Erden selbstsüchtig, rücksichtslos und böse gehandelt hatten, gleich der Handlungen der Seelen, die vor der Sintflut lebten. Über diese liess der Geist Gottes folgendes festhalten:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. 1.Mose 6,5

Der Mensch ist auch heute so böse wie damals, der allgemeine Zustand ist so böse, dass es nicht einmal angebracht ist, die so extreme und offensichtliche Verblendung der Humanisten und der „Aufgeklärten“ zu belächeln. Wie kann man über verblendete Menschen spotten, welche die Ewigkeit vielleicht in der Hölle verbringen werden? – Mir entlockt in Anbetracht der Verwerfung Christi und des kommenden Gerichts die Meinung von Gutmenschen und das Weltbild der „Aufgeklärten“ auf jeden Fall kein Schmunzeln. Auch kann ich ihre Phrasen wie: „Es chunnt scho guet!“, was schweizerdeutsch ausgedrückt ist und übersetzt heisst: „Es kommt schon gut!“, nicht mehr hören, da die Bibel offenbart, dass es für die gottlosen Nationen nicht gut kommt. Auch liederliche und ehebrecherische Christen wird ein hartes Gericht treffen, wie wir es bei den faulen Knechten im Matthäus- und im Lukasevangelium nachlesen können (Mt 25,26; Lk 19,26).

Vers 21

Sie wollten ihn nun in das Boot nehmen, und sogleich war das Boot am Land, wohin sie fuhren. Joh 6,21

Christus war da und die Situation sofort im Lot. Er ist der, der die Welt überwunden hat. Er hat den Fürsten dieser Welt überwunden. Deshalb sollten wir uns, die wir Ihm angehören, nicht fürchten. Er ist stärker als die Welt, die Er überwunden hat, wie geschrieben steht:

Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden. Joh 16,33

Und dieser Christus, dem die Welt mit ihren Elementen im Kampf nicht widerstehen konnte, steht voll zu seinen Leuten. Das ist seine Aussage:

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir;
28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist grösser als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.
30 Ich und der Vater sind eins. Joh 10,27-30

Wir würden von der Welt gefressen werden; was hätten wir für eine Chance gegen den Fürsten dieser Welt und seine Armeen? Wir sind nun aber in Sicherheit, da Christus sich als wahrer Hirte, nicht als Mietling (Joh 10,12), zu seinen Jüngern stellt. Er hat es geschafft, die Welt zu überwinden. Und der Vater, der uns Christen in die Hand Jesu gegeben hat, ist grösser alle und steht auch zu uns, da Christus und der Vater eins sind. Wenn Christus für uns ist, ist auch der Vater für uns; wenn der Vater für uns ist, ist auch Christus für uns. – Was können wir dazu sagen? – Nichts passt besser als diese Feststellung:

Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Röm 8,31

Gelobt ist der HERR! Amen!

Vers 22

Am folgenden Tag sah die Volksmenge, die jenseits des Sees stand, dass dort kein anderes Boot war, als nur eines, und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen, sondern seine Jünger allein weggefahren waren. Joh 6,22

Die Volksmenge erkannte an den Umständen, dass die Wege dieses Christus unbegreiflich waren. Sie hatten erkannt: Die Jünger waren bei stürmischem See ohne Christus losgefahren. Sie mochten sich gedacht haben: „Ein Mann alleine wäre den Wellen wohl nicht Herr geworden; wie ist dieser Christus von hier weggekommen?“

An dieser Stelle sei gesagt, dass die Wege Gottes nicht zu ergründen sind. Paulus rief diesbezüglich aus:

O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! Röm 11,33

Wer hätte gedacht, dass Christus seinen Jüngern zu Fuss über den See nachgehen werde? Wer kann die Wege Gottes voraussehen? Wer kann Gottes Gedanken berechnen? Wer versteht die Komplexität seines Tuns? Gott spricht:

Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Jes 55,9

Manchmal können wir in Situationen kommen, in denen all unser Abwägen sagt, dass aufgrund von Erfahrungswerten, der Stärke des Gegners oder der gegebenen Umstände es keinen guten Ausgang geben kann. Unser Abwägen nimmt die bekannten physikalischen, sozialen und medizinischen Grenzen als unverrückbare Komponenten und zieht daraus menschliche Schlüsse. Die Tatsache ist aber, dass Gott keine Grenzen kennt. Der Mensch sagt: Ein Mann alleine kann den stürmischen See nicht bezwingen. Er muss den Landweg nehmen. Christus, der keine Grenzen kennt, geht hingegen einfach zu Fuss über das tobende Wasser.

Josuas bittere Erfahrung, die Schlacht gegen die kleine Stadt Ai, welche übersetzt „Trümmerstätte“ hiess, zu verlieren, nahm ihm jeden weiteren Mut. Er warf sich klagend vor dem HERRN nieder und sein Glaube an ein weiteres siegreiches Vorankommen war weg (Jos 7,7). Er sah keine Möglichkeit mehr, zukünftig wieder erfolgreich im Kampf zu sein, wenn schon eine kleine Stadt Gottes Volk in die Knie zu zwingen vermochte. – Gott musste Josua darüber aufklären, dass Er sich bei Unreinheit und Ungehorsam vom Volk abwendet. Nach der Bereinigung des Lagers war Israel sofort wieder siegreich, was bedeutet, dass Erfahrungswerte in unserem Auftrag nichts gelten und uns nicht blockieren sollten. Auch durfte Josua, als er um die Verlängerung eines Kriegstages betete, lernen, dass Gott die stärksten physikalischen Gesetze aufheben kann: Gott hielt den Lauf der Gestirne an, um auf die Bitte seines Knechtes die Tageslänge zu verdoppeln, wie geschrieben steht:

12 Damals redete Josua zum HERRN, und zwar an dem Tag, als der HERR die Amoriter vor den Söhnen Israel dahingab, und sagte vor den Augen Israels: Sonne, stehe still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon!
13 Da stand die Sonne still, und der Mond blieb stehen, bis das Volk sich an seinen Feinden gerächt hatte. Ist das nicht geschrieben im Buch Jaschar? Die Sonne blieb stehen mitten am Himmel und beeilte sich nicht unterzugehen, ungefähr einen ganzen Tag lang.
14 Und es war kein Tag wie dieser, weder vorher noch danach, dass der HERR so auf die Stimme eines Menschen gehört hätte; denn der HERR kämpfte für Israel. Jos 10,12-14

Auch soziale Grenzen, kann der HERR, selbst wenn sie als unverrückbar gelten, aufheben, ohne den Feind töten zu müssen. Der HERR kann Frieden einführen, wo dies unmöglich zu sein scheint, wie geschrieben steht:

Wenn der HERR an den Wegen eines Mannes Wohlgefallen hat, lässt er selbst seine Feinde mit ihm Frieden machen. Spr 16,7

Der HERR führte beispielsweise wieder Frieden zwischen dem von Jakob betrogenen Esau und Jakob ein. – Dies kann man vielleicht noch mit menschlichem Grossmut zu erklären versuchen. Nicht mehr erklärbar ist die Tatsache, dass die von Gott persönlich zur Feindin erklärten Moabiterin Rut Frieden mit Gottes Volk schliessen durfte, weil Gott an ihren Wegen Wohlgefallen gefunden hatte. Wir erinnern uns: Weil Moab sich an Israel versündigt hatte, wurde es von Gott auf ewig verflucht. Nicht einmal ein Nachkomme nach der zehnten Generation erhielt von Gott die Erlaubnis, in sein gesegnetes Volk Israel aufgenommen zu werden, wie geschrieben steht:

Ein Ammoniter oder Moabiter darf nicht in die Versammlung des HERRN kommen; auch die zehnte Generation von ihnen darf nicht in die Versammlung des HERRN kommen, für ewig; 5.Mose 23,4

Und trotzdem – was für eine Herrlichkeit und was für eine Gnade! – durfte die Moabiterin Rut in die Versammlung des HERRN kommen! Und sie durfte nicht nur das; sie durfte – was für eine Herrlichkeit! – sogar in die Linie des Christus kommen, weil sie ihre Wünsche zugunsten des HERRN völlig aufgegeben hatte (Rut 3,9.10). Sie hatte nicht nur ihre Abstammung verleugnet, sie gab sich und ihre Wünsche selbst auf und heiratete nicht nach eigenem Verlangen, sondern nach der Vorgabe des HERRN liess sie sich verheiraten. Aufgrund Ruts wunderbaren Entscheidungen bekam der HERR Wohlgefallen an ihren Wegen. Der HERR liess sie mit ihren Feinden Frieden schliessen und nahm sie, wegen ihrer völligen Hingabe und zur Bestätigung seiner unendlichen Gnade, wie erwähnt in die Linie des Christus auf. Rut gebar ihrem Mann Boas den Obed, den Grossvater von David; Obed zeugte Isai, Isai zeugte David, den Vorfahren Jesu Christi (Rut 4,21.22).

Die Aussage der Bibel in Bezug auf Schranken ist kurz zusammengefasst: Der Wandel mit Gott untersteht keinen Grenzen, alles ist dem Glaubenden möglich, wie geschrieben steht:

Jesus aber sprach zu ihm: Wenn du das kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich. Mk 9,23

Der HERR sei gepriesen für seine tröstenden Ausführungen! Amen!

Vers 23

Es kamen aber andere Boote aus Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen, nachdem der Herr gedankt hatte. Joh 6,23

Die Speisung der Fünftausend blieb natürlich nicht ohne Wirkung. Schnell erzählte sich herum, was geschehen war. So kamen die Menschen aus nahegelegenen Orten, um Jesus zu suchen.

In diesem Vers ist die Erwähnung unbedingt zu beachten, dass der Menge das Brot dargereicht wurde, nachdem der HERR gedankt hatte. Darin liegt eine grosse Belehrung. Johannes schrieb nichts Unnötiges auf, es gab dermassen viel aufzuschreiben, dass sich Johannes auf das Wesentliche konzentrieren musste (Joh 21,25). Die Erwähnung ist deshalb von grosser Bedeutung, dass der HERR dem Vater im Himmel gedankt hatte. Jesus ist uns schliesslich in allem ein Vorbild; Er machte uns vor, wie wir uns zu verhalten haben.

Gott gegenüber ist grosse Dankbarkeit angebracht. Gott ging uns nach, als wir noch Feinde waren und wir mit unserem fleischlichen Verhalten unser Urteil zur Verdammung längst heraufbeschworen hatten. Wir haben Gott alles Gute, das wir haben, zu verdanken, denn ein Mensch kann sich nichts nehmen, ausser es ist ihm vom Himmel gegeben (Joh 3,27). Kein Mensch kann sagen: „Weil ich fleissig war, erhielt ich guten Lohn und konnte mir dieses und jenes selbst erarbeiten.“ Denn wenn derselbe Mensch in ein Krisengebiet hineingeboren worden wäre, müsste er nur schon darum ringen, um täglich ohne Zwischenfall das benötigte Wasser aus dem entfernten Brunnen zu seinen Angehörigen zu tragen. Doch nun, da ihn Gott in ein gesegnetes Gebiet hat kommen lassen, sagt dieser Mensch: „Ich habe mir dies und jenes selbst erarbeitet und schulde niemandem Dank!“ – Menschen, die so denken, sollten lernen, dass wir als Kreaturen dem Schöpfer Dankbarkeit schulden. Eine der ersten Grundhaltungen, die wir uns aneignen sollten, ist, Ihm gegenüber dankbar zu sein. Amen.

Vers 24

Da nun die Volksmenge sah, dass Jesus nicht dort war, noch seine Jünger, stiegen sie in die Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus. Joh 6,24

Die übernatürliche Speisung des Volkes war natürlich sehr beeindruckend. Deshalb war es nichts Grosses, dass die Menschen, die jenseits des Sees standen, Jesus über den See nach Kapernaum folgten. – Trotz des Eifers des Volkes, Jesus nachzugehen, wissen wir, wie das Volk Jesus vor Pilatus in Jerusalem ans Kreuz geschrien hat. Es verhielt sich bei Jesus am Ende, wie im alttestamentlichen Schattenbild: Die Schrift offenbart uns darin, dass die Bürger von Keila den gerechten David, der ihre Stadt gerettet hatte, dem Saul ausgeliefert hätten (1. Sam 23,12).

Der HERR kennt den extremen Wankelmut der Menschen. Deshalb vertraute Er sich in seinem Wandel auf Erden niemandem an, wie geschrieben steht:

24 Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte
25 und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war. Joh 2,24-25

Wie hätte unser herrlicher HERR sich jemandem anvertrauen sollen? Hätte Er sich jemanden anvertrauen sollen, der Ihn nachher fallen lässt und im Anschluss vor bösen Menschen verleugnet? – Niemals! So etwas steht unserem herrlichen HERRN nicht an. Es ist schon traurig genug, dass viele seiner Erkauften, denen Er sich geoffenbart hat, nur in einer sehr schwachen Art zu Ihm stehen.

Vers 25

Und als sie ihn jenseits des Sees gefunden hatten, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hierhergekommen? Joh 6,25

Die Volksmenge fragte Ihn, wann Er hierhergekommen sei. Sie hatten keine Ahnung davon, wie Er nach Kapernaum gekommen war. Jesus liess die Frage offen, wie wir nachfolgend sehen, denn Er wollte ihren Fokus nicht auf das Wunder des über das Wasser Gehens richten. Das Volk sollte ihm nicht aufgrund von Wundern nachfolgen. Das Volk sollte erkennen, dass die wahre Speise nur bei Gott und seinem Sohn zu finden ist. Amen.

Vers 26

Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid. Joh 6,26

Die Speisung der Fünftausend war ein vorbereitender Akt für seine Rede über die wahre Speise und den wahren Trank, die Christus in der Synagoge zu Kapernaum hielt (Joh 6,59). Nachdem das Volk auf der anderen Seeseite gegessen hatte, entliess Er sie und ging der Menge nach Kapernaum voraus. Dort fanden sie Ihn wieder. Und ohne es zu wissen, befanden sie sich in einem gut vorbereiteten Zustand: Sie kamen nicht aus purer Sensationslust, sie waren gekommen, weil ihr Hunger durch Christi Wirken auf herrliche Weise gestillt worden war. Mit anderen Worten ausgedrückt, konnte Christus bei dieser Gelegenheit den Samen des Wortes Gottes auf gut vorbereiteten Boden aussäen.

Vers 27

Wirket nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben, die der Sohn des Menschen euch geben wird! Denn diesen hat der Vater, Gott, beglaubigt. Joh 6,27

Das Volk ist dem HERRN aufgrund der auf übernatürliche Art erhaltenen Speise nach Kapernaum gefolgt, wie wir es aus dem vorausgehenden Vers 26 wissen. An dieser Stelle sagt der HERR, dass die Menschen für diese übernatürliche Speise wirken sollen. Sie sollen nicht für die vergängliche Speise wirken.

Das sind sehr starke Worte und ich frage mich ernsthaft, wer sie so 1:1 in seinem Leben umsetzt. Ich frage mich wirklich ernsthaft, wer den Glauben an diese Worte zur vollen Umsetzung aufbringt. – Lassen Sie mich kurz erklären, wieso ich mir diese Fragen stelle:

Der gläubige Mensch hat grundsätzlich zwei grosse Aufgaben: Er muss erstens für seinen Lebensunterhalt sorgen und für den seiner anvertrauten Menschen, wie geschrieben steht:

Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dies: wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen. 2.Thess 3,10

Zweitens soll sich der Mensch um das Reich Gottes sorgen, wie geschrieben steht:

31 So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen?
32 Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr dies alles benötigt.
33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
34 So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug. Mt 6,31-34

Ich habe absichtlich die menschliche Reihenfolge gewählt, zuerst die Sicherung des weltlichen Unterhalts, danach die Interessen des Reiches. Christus kehrt die Prioritäten um: Wir sollen nicht für die irdische Speise wirken, sondern zuerst für die Interessen des Reiches. Der Bedarf für den weltlichen Unterhalt würde uns bei dieser Lebensführung von Gott hinzugefügt werden.

In Zeiten der Not, sei es in einer schwierigen Wirtschaftslage oder bei anhaltender schwacher Gesundheit, hält der Mensch die Ressourcen in der Regel zusammen, sodass sie mindestens für den irdischen Unterhalt ausreichen sollten, da der Arbeitsplatz unbedingt gehalten werden will. Wenn nach der Arbeit keine Ressourcen für das Reich Gottes übrigbleiben, wird dieses zurückgestellt. Dies sollte aber nicht so sein. Der Mensch soll in jedem Fall das Reich priorisieren, für den Lebensunterhalt seiner Arbeiter hat sich Gott mit dem Vers Matthäus 6,33 verantwortlich gemacht. Glückselig ist der Mensch, der das glaubt und umsetzt. Amen.

Vers 28

Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, damit wir die Werke Gottes wirken? Joh 6,28

Christus sagte, der Mensch soll für die Speise wirken, die nicht vergeht, die bleibt in das ewige Leben, die der Sohn des Menschen darreicht. Christus sagte damit aus, dass das Volk noch etwas anderes tun sollte, als sich nur den Lebensunterhalt zu sichern. Das Volk sollte noch etwas anderes machen, als nur für die Speise zu sorgen, die vergeht. Das Volk hörte die Aufforderung Christi und stellte die Frage so, wie sie es verstanden hatten. Sie fragten sich, was sie denn tun sollten, um die Werke Gottes zu wirken; was zu tun sei, um den Willen Gottes zu halten.

Vers 29

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Joh 6,29

Christus antwortete den Israeliten, die nach den Werken Gottes fragten, um sie zu wirken, sie sollen an den glauben, den Gott gesandt hat. Das Halten des Gesetzes hat sie durch all die Jahrhunderte hindurch nicht retten können, obschon das Gesetz gut ist und von Gott gegeben war. Es lag nicht am Gesetz, dass es den Israeliten nicht zur Rettung verhalf, es liegt an der Unfähigkeit des Menschen, das Gesetz zu halten. Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch gerechtfertigt, wie geschrieben steht:

aber da wir wissen, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Christus Jesus, haben wir auch an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt werden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird. Gal 2,16

Das Werk Gottes zu wirken bedeutet, die eigene Gerechtigkeit beiseite zu setzen und an die Gerechtigkeit zu Glauben, die Gott uns darreicht: Das ist die Gerechtigkeit in seinem Sohn, Jesus Christus.

Vers 30

Da sprachen sie zu ihm: Was tust du nun für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Joh 6,30

Die Frage nach einem Zeichen ist bei dieser Volksmenge besser zu verstehen und zu akzeptieren als das Begehren nach einem Zeichen der bösen* Pharisäer (*Mt 12,34), die von vielen übernatürlichen Heilungen wussten, aber Gott bewusst nicht gehorchen wollten (Mt 21,38).

Den (übernatürlichen) Zeichen sind nicht zu viel Gewicht beizumessen, auch wenn die Frage danach aus menschlicher Sicht zu verstehen ist. Der Mensch möchte Zeichen sehen, weil er sonst denkt, nicht glauben zu können. Viele Menschen haben zur Zeit Jesu Zeichen gesehen und haben doch nicht geglaubt.

Auch wir sollten nicht krampfhaft nach Zeichen trachten, um damit andere überzeugen zu können, denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“! Der Glaube macht die Menschen selig, nicht das Schauen von Zeichen, wie geschrieben steht:

Siehe, die verdiente Strafe für den, der nicht aufrichtig ist! Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. Hab 2,4

Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: »Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.« Röm 1,17

Und der Glaube kommt in den meisten Fällen durch die Predigt. In unserem Wirken für das Reich sollten wir diesen Grundsatz nie aus dem Fokus verlieren.

Vers 31

Unsere Väter assen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: »Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen.« Joh 6,31

Die Menge wies Jesus, noch unter dem Eindruck der übernatürlichen Speisung der Fünftausend, auf die überlieferte übernatürliche Speisung des Volkes Gottes in der Wüste hin. – Wir erinnern uns, dass Gott das Volk Israel in der Wüste auf übernatürliche Art mit Speise am Leben erhalten hatte. Er liess das Manna vom Himmel auf die Erde regnen, welches für alle, Männer, Frauen und Kinder ausreichte. Das Manna wurde auch das Brot der Starken genannt und es war reichlich vorhanden, bis zur Sättigung, wie geschrieben steht:

Ein jeder ass Brot der Starken. Speise sandte er ihnen bis zur Sättigung. Ps 78,25

Die Wüste bringt bekanntlich keine Speise hervor. Deshalb schenkte Gott dieses Himmelsbrot bis zur Eroberung des Landes Kanaan. Nach der Landnahme konnte das Volk die Speise des verheissenen, guten Landes essen. Im Land war wieder überreichlich Speise vorhanden, denn das von Gott Dargereichte ist gut; das Land Kanaan war ein Land, das von Milch und Honig überfloss (2. Mo 3,8).

Alle bekannten Vorkommnisse, in denen Gott seinem Volk auf übernatürliche Art Speise dargereicht hatte (2. Mo 16,15; Mt 14,14 ff.; Mt 15,29 ff.), sind Schattenbilder auf die wahre Speise Gottes, die geistlich und in Jesus Christus selbst zu finden ist.

Es ist wichtig, dass wir uns nach der wahren Speise ausstrecken, was nachfolgend noch näher ausgeführt wird, denn sie ist das wahre Brot der Starken! Amen.

Vers 32

Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Joh 6,32

Das Manna, das während der Zeit Moses vom Himmel herabkam, war das Schattenbild des wahrhaftigen Brotes, wie bereits erwähnt. Christus sagte damit aus, dass sich das Volk nicht das Manna aus der Zeit Moses zurückwünschen sollte, welches zwar übernatürlich, aber doch nur ein schwacher Abglanz der Wirklichkeit war. Das Volk sollte sich nach dem wahren Brot ausstrecken, welches der Vater in seinem Sohn vom Himmel her darreicht. – Um etwas vorzugreifen: Alle anderen Speisen stillen den Hunger nur temporär, für eine gewisse Zeit, Christus stillt unser Bedürfnis und Begehr für immer. Amen.

Vers 33

Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt. Joh 6,33

Jesus machte kein Geheimnis daraus: Er ist das Brot des Lebens. Er kam vom Himmel herab, wie geschrieben steht:

Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. Joh 3,13

Er gibt der Welt das Leben:

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluß haben. Joh 10,10

Christus ist das wahre Brot Gottes! Amen.

Vers 34

Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit dieses Brot! Joh 6,34

Die Volksmenge sprach nun, als sie von einem Brot hörte, das vom Himmel herabkommt und die Fähigkeit hat, der Welt das Leben zu geben: „Herr, gib uns allezeit dieses Brot!“

Hören wir das nicht selbst so oft unter uns Christen? Hören wir nicht oft, wie Brüder und Schwestern lautstark beteuern, Christus würde ihnen genügen und sie würden sich nach Ihm sehnen? Hören wir nicht oft das Begehren nach diesem „Brot“? – Zweifelsfrei hören wird das oft! Und wenn die Sehnsucht nach Christus echt ist, ist das auch eine sehr schöne Sache.

Leider meinen es viele Christen nicht so, wie sie es aussprechen. Das lehrt uns dieser Text, das lehrt uns Johannes 6. Denn am Ende dieses Kapitels, nachdem Christus alle Worte betreffend seine Person und der Notwendigkeit, Ihn in uns aufzunehmen, vollendet hatte, verliessen Ihn viele seiner Nachfolger, wie geschrieben steht:

Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Joh 6,66

Viele von denen verliessen Ihn schon nach weniger als einer Stunde, die zuvor ausriefen, der HERR solle ihnen von diesem Brot geben, das vom Himmel kommt und der Welt das Leben gibt. Sie verliessen Ihn, obschon sie vorher ausgerufen hatten, dieses Brot „allezeit“ haben zu wollen.

Ein nüchterner und wacher Christ, der den HERRN wirklich liebt, weiss vom Wankelmut der Brüder und Schwestern. Einem solchen ist auch aufgetragen, die Hände nicht vorschnell aufzulegen (auch bei augenscheinlichem Bedarf). Vorsicht ist geboten, wie Paulus dem Timotheus schreibt:

Die Hände lege niemand schnell auf, und habe nicht teil an fremden Sünden! Bewahre dich selbst rein! 1.Tim 5,22

Vor vielen Jahren ging ich eine Frau besuchen, der es augenscheinlich schlecht ging. Der äusserliche Anschein hätte Mitleid erwecken können. Ich spürte aber deutlich in mir, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung war. Ein Mitleid hätte normalerweise aufkommen sollen, um für sie zu beten und ihr bei Bedarf die Hände zur Stärkung bzw. Heilung durch den HERRN aufzulegen. Das Gefühl in mir blieb aber hartnäckig, dass ich dies jetzt unmöglich tun konnte. Im Verlauf des Gesprächs, nachdem sie immer wieder ihr Elend in den Vordergrund gestellt hatte, kam heraus, dass sie sich absichtlich vom Mann getrennt hatte, also willentlich und ohne Wunsch zur Wiederherstellung ihrer Ehe, obschon ihr Mann geradezu um die Rettung der Ehe bettelte, dessen Wunsch sich voll mit dem Gebot unseres HERRN deckt (1. Kor 7,11). Heute lebt diese Frau mit einem anderen Mann zusammen, der nicht ihr erster Mann ist, den sie einst vor Gottes Angesicht geheiratet hatte; sie hat sich also voll gegen den HERRN durchgesetzt (Jer 3,5; 8,5).

Wenn ich nicht auf den Geist gehört und ich dieser Frau gehätschelt und ihr betend Unterstützung dargereicht hätte, so wäre ich Teilhaber fremder Sünden geworden. Johannes 6 lehrt uns neben dem Hauptthema, dass Christus das wahre Brot für die Menschen ist auch, dass sich viele Brüder und Schwestern unter uns viel frömmer geben, als sie in Wirklichkeit sind. Deshalb ist Vorsicht geboten. Wir sollen uns nicht vorschnell vor „fremde Karren“ spannen lassen und zu ziehen mithelfen. Wir sollen zweifelsfrei sehr hilfsbereit sein und im Sinne der Nächstenliebe niemandem die Unterstützung entziehen. Aber zuerst sollen wir unbedingt die Situation mit dem HERRN besprechen, der alles weiss (Jos 9,14). Wir sollten in Zweifelsfällen um den Karren herumgehen und wenn möglich den Grund herausfinden, weshalb er im Schlamm steckengeblieben ist. Danach soll unsere Hilfe anlaufen. Vielleicht ist ja, statt Hilfe zu leisten, vielmehr scharfe Zurechtweisung angebracht! Vorschnelle Hilfe kann uns Teilhaber von fremden Sünden werden lassen. Stellen Sie sich vor, ein Dieb, der auf der Flucht ist, steht bei Ihnen vor der Türe und weint, er habe kein Bett, um sich hinlegen zu können. Wenn sie einen solchen in „christlicher Nächstenliebe“ aufnehmen, dann bewahren Sie ihn vor der gerechten Strafe, weil ihn die Polizei so nicht finden kann. Wenn er letztendlich doch geschnappt wird, stehen Sie mitschuldig da, weil Sie einem Übeltäter geholfen haben, wenn auch unwissentlich.

Vers 35

Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten. Joh 6,35

Das Himmelsbrot und jede andere übernatürliche Speise waren lediglich Schattenbilder auf Christus; Christus ist die Wirklichkeit! An dieser Stelle sagt Er es unverschlüsselt und frei heraus: „Ich bin das Brot des Lebens!“ Damit weiss jeder, wo dieses Brot zu bekommen ist; es ist in seiner Person zu bekommen!

Wie Brot das Bedürfnis nach Nahrung stillt, stillt Christus die Bedürfnisse der Menschen. Christus stillt nicht lediglich den Hunger, Christus stillt jedes Bedürfnis. Das mag nun sehr fromm tönen, es entspricht aber absolut der Wahrheit. Nur Er konnte unseren Bedarf nach Versöhnung und Frieden mit Gott stillen, in dem Er durch sein Opfer Frieden herstellte. Sein Opfer umfasst noch viel mehr: Er brachte uns die Sohnschaft, welche noch mehr beinhaltet, als wir uns überhaupt vorstellen können.

Wer als Christ sagt, Christus genüge ihm nicht, der kennt Christus nicht. Die Welt bietet uns im Vergleich mit dem, was uns Christus bietet, nicht mehr als eine einmalige und dazu vergängliche Speise. Wer die Welt Christus gegenüber bevorzugt, gleicht dem Esau, der die Erbschaft Gottes für eine einzige vergängliche Speise verkauft und somit verachtet hatte.

Lassen Sie uns einmal darüber nachdenken, was wir in Christus haben und lassen Sie uns, falls nötig, Busse darüber tun, sollten wir Ihn zugunsten anderer Dinge aus dem Mittelpunkt unseres Lebens verdrängt haben.

Im Blick auf Satan hat Christus erreicht, dass durch seinen Tod Satan hinausgeworfen und seine Macht, die Menschen gefangen zu nehmen und zu verführen, wie der Teufel mit Adam und Eva verfahren war, gebrochen wurde.

Im Blick auf Gott hat Christus erreicht, dass Gottes Barmherzigkeit und Liebe zu uns fliessen kann. Vorher war der Mensch mit Gottes Gerechtigkeit konfrontiert, die den Tod der Sünder forderte, was alle Menschen vor grosse Probleme stellte, da keiner die Kraft hat, Gottes Gesetz zu halten (Gal 3,10.11).

Im Blick auf die Menschen hat Christus das Problem der Sünde (unsere alte Natur) und das Problem der Sünden (das Produkt der alten Natur) erledigt. Dazu gibt Er uns als Weizenkorn, das in die Erde gefallen ist, um zu sterben, seine eigene Natur, damit wir auch zu Weizenkörnern werden (Joh 12,24).

Im Blick auf die Gemeinde hat sich Christus für sie hingegeben, damit sie am Ende heilig und tadellos sei, ohne Flecken und Runzel, also perfekt vor Gott stehen darf (Eph 5,25). – Es gäbe darüber noch sehr viel mehr zu schreiben. Gewiss ist, je tiefer man in die Materie eintaucht, dass man desto mehr gewahr wird, dass Christus die Lösung für jedes Problem und Bedürfnis eines Menschen ist. Und Er ist noch viel mehr als das. Es ist zweifelsfrei so: Christus ist das wahre Brot des Menschen. Alles andere, auch das Manna, das Brot der Starken, waren nur schwache Abbilder von dem, was Christus ist.

Glückselig sind die Menschen, die Ihn annehmen! Amen!

Vers 36

Aber ich habe euch gesagt, dass ihr mich auch gesehen habt und nicht glaubt. Joh 6,36

Christus machte den Menschen klar, dass Er Kenntnis davon hat, dass sie nicht glauben werden. Ihre ablehnende Reaktion kam für Ihn nicht überraschend. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die meisten seiner Auserwählten im Gegensatz glauben, ohne Ihn je gesehen zu haben. Wer nicht glaubt, den kann man auch mit Gottes leibhaftiger Anwesenheit nicht überzeugen. Wie es unter den Juden viele ungläubige Volksgenossen gab, gibt es heute unter ihnen sowie den übrigen Nationen viele ungläubige Menschen. Beide Menschengruppen haben Gottes Werke jeden Tag vor Augen, die Schöpfung mit all ihrer Herrlichkeit, und doch glauben sie nicht an den Schöpfer. Eine traurige Tatsache ist, dass die nicht auserwählten Menschen auch nicht glauben würden, wenn ein Paulus oder gar Christus persönlich unter ihnen lebte, was die Rede Abrahams deutlich vor Augen führt:

27 Er sprach aber: Ich bitte dich nun, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters sendest,
28 denn ich habe fünf Brüder, dass er ihnen eindringlich Zeugnis ablege, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen!
29 Abraham aber spricht: Sie haben Mose und die Propheten. Mögen sie die hören!
30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie Busse tun.
31 Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht. Lk 16,27-31

Die Hartnäckigkeit, Gott nicht glauben zu wollen, ist fast nicht zu erfassen und doch sie ist allgegenwärtig, wie heute verhielt es sich damals: Trotz der Anwesenheit Christi und seiner vielen Zeichen und Wunder glaubten viele hartnäckig nicht an Ihn.

Vers 37

Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen; Joh 6,37

Auch wenn der Vater souverän ist und alles lenkt, hat der Mensch in gewissen Bereichen Entscheidungskompetenz. Deshalb wird der Mensch nach seinen Werken gerichtet werden. Das bedeutet, dass er verantwortlich ist und, wie erwähnt, Entscheidungsbefugnis hat. Wir Menschen können also entscheiden, ob wir uns nach dem Guten oder nach dem Bösen ausstrecken wollen und erhalten die Quittung dementsprechend (Offb 22,11.12). Beim Volk Gottes wird glücklicherweise vieles durch Christus abgefangen, solange der Mensch Gottes in Lauterkeit zu Christus kommt. Aber auch das Ausstrecken nach Christus hängt an einer Entscheidung und ist Willenssache.

Keinem einzigen Menschen ist es aber gegeben, eigenmächtig zu Christus zu kommen und sich damit die Errettung zu „holen“, sei es gewaltsam oder mit List. Über den Zutritt zu seinem Sohn entscheidet der Vater absolut souverän, damit es bösen Menschen unmöglich ist, die Rettung zu erlangen, auch wenn sie begriffen hätten, dass diese ausschliesslich in Jesus allein zu bekommen ist. Diese Souveränität demonstrierte der Vater sofort nach dem Sündenfall, indem Er den Weg zum Baum des Lebens für den sündig gewordenen Menschen absperrte. Gott riegelte den Weg zum Baum des Lebens derart sicher ab, dass es für den Menschen absolut unmöglich wurde, zum Baum zu gelangen, der das Leben gibt, welcher Christus symbolisiert (1. Mo 3,22). Gott liess den Weg zu diesem Baum des Lebens durch Cherubim und der „Flamme des zuckenden Schwertes“ bewachen.

Auf diesem Grundsatz fusst auch diese Bibelstelle:

denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.« Mt 13,15

Das Volk war böse geworden, deshalb nahm ihnen Gott die Erkenntnis weg, damit sie sich nicht in ihrem bösen Zustand hätten bekehren können. Sonst hätte sie Gott heilen müssen, obschon ihre Haltung unlauter war.

Johannes 6,37 sagt unmissverständlich, dass nur Menschen zu Christus kommen können, denen Gott die unüberwindbare Schranke zum „Baum des Lebens“, das ist Christus, öffnet. Wer Christus hat finden dürfen, hat Ihn ausschliesslich wegen Gottes Vorsatz und Willen finden dürfen (Eph 1,4.5). Er hat Ihn nicht aus sich selbst gefunden, weil, wie erwähnt, der Weg zu Christus, aufgrund der Bosheit der Menschen, gewöhnlich abgeriegelt und durch „Cherubim“ und durch die „Flamme des zuckenden Schwertes“ gesichert ist. Wer zu Christus hat passieren dürfen, soll Gott für seine ihm widerfahrene Gnade loben!

Und das ist unser Trost: Christus akzeptiert die souveräne und gesicherte Wahl des Vaters voll und ganz und stösst die Menschen nicht von sich, die an den Cherubim und an der Flamme des zuckenden Schwertes vorbei zu ihm geführt werden. Amen.

Vers 38

denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Joh 6,38

Mit dieser Aussage haben wir die Sicherheit, dass Christus nie gegen die Heiligen Schriften, die den Willen Gottes abbilden, handelt bzw. handeln wird. Wir können uns in allem auf das Wort Gottes verlassen, auch wenn das, was wir vor Augen haben, uns genau das Gegenteil zu suggerieren versucht. Es wird in jedem Fall so kommen, wie es in der Heiligen Schrift steht. Lassen Sie mich dazu ein Beispiel machen: Die Reiche Israel (Nordreich) und Juda (Südreich) wurden von ihren Feinden komplett zerstört und die Heiligtümer Gottes niedergerissen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Juden folgendes dachten und sagten, als die letzte Bastion, die Stadt Jerusalem, kurz vor dem Fall stand:

Hast du nicht gesehen, was dieses Volk redet, indem es sagt: Die beiden Geschlechter, die der HERR erwählt hatte, die hat er verworfen! – und wie sie mein Volk schmähen, dass es vor ihnen keine Nation mehr sei? Jer 33,24

Die Juden sagten untereinander, dass Gott die beiden Geschlechter (das Nord- und das Südreich) verworfen habe. Dies entsprach aber nicht der Tatsache, weil Gott sein Volk nie aufgibt! Das gilt auch für uns! Selbst wenn wir denken, die Verheissungen Gottes zählen vielleicht für alle anderen, aber für uns nicht mehr, wenn in unserm Leben alles niedergerissen zu sein scheint oder es gar in Wahrheit niedergerissen ist. Wenn unser Leben aussieht, wie die Nation Israel damals, die nicht mehr als Nation wahrgenommen werden konnte, sollen wir nicht denken, Christus würde uns fallen lassen. Wie Gott Israel nicht aufgegeben hat, obschon Er Israel als böse einstufen musste, wird Er uns auch nicht aufgeben! Über Israel liess Er sogar noch vor der Deportation verkündigen:

25 So spricht der HERR: Wenn mein Bund mit dem Tag und der Nacht nicht mehr besteht, wenn ich die Ordnungen des Himmels und der Erde nicht festgesetzt habe, 26 dann werde ich auch die Nachkommen Jakobs und meines Knechtes David verwerfen, dass ich nicht mehr von seinen Nachkommen Herrscher nehme über die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Denn ich werde ihr Geschick wenden und mich über sie erbarmen. Jer 33,25-26

Damit sagte Gott kurz vor der totalen Zerstreuung Israels und Judas aus, dass Er sein Volk nie aufgeben werde. Die Tatsache, dass Israels als sichtbare Nation aufhörte zu existieren, tat dieser Aussage des Ewigen keinen Abbruch und schmälerte sein Wort in keinem Punkt. Was Gott sich vornimmt, zieht Er in jedem Fall durch. Israel blieb seine Nation, selbst wenn sie von der Welt nicht mehr als das wahrgenommen wurde. Und heute wissen wir, dass Israel seit dem 14. Mai 1948 wieder eine wahrnehmbare Nation ist. Und Israel wird in Ewigkeit nicht verworfen werden, ansonsten hätte Gott die Welt nicht erschaffen (V 25).

Das alles sollte uns die Sicherheit erkennen lassen, die wir Christus haben. Sein Volk wird nie aufgegeben werden (Joh 10,28). – Der HERR sei gelobt! Amen.

Vers 39

Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. Joh 6,39

Wie vorausgehend erwähnt, ist es der Wille Gottes, dass Christus nichts vom anvertrauten Gut verliert; Gott will, dass keine Seele verloren geht. Das sagte Christus den Menschen, die Ihn noch nicht so gut kannten, damit sie eine Sicherheit hätten. Christus bekräftigte das auch im 10. Kapitel, wie wir nachlesen können:

und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Joh 10,28

Anhänger irgendwelcher Religionen sollen wissen: Der Gott der Bibel gibt seine Ehre keinem anderen Gott. Wenn es einen anderen wahren Gott gäbe, hätte dieser den Gott der Bibel zum Schweigen gebracht oder hätte zumindest dessen Pläne vereitelt, die er teilweise Jahrhunderte zuvor offengelegt hat. Ein anderer Gott hätte ja Jahrhunderte hindurch Zeit gehabt, die Pläne des Gottes der Bibel zu durchkreuzen. – Nun ist es aber so, dass kein anderer Gott irgendein Vorhaben des Gottes der Bibel bzw. des Christus hat durchkreuzen können. – Das sollte zum Nachdenken anregen. Es ist zu überlegen, auf welcher Seite man steht. Beim Showdown, beim Kräftemessen zwischen den Göttern auf dem Berg Karmel stand der Prophet des HERRN, Elia, alleine gegen Hundertschaften von Priestern anderer Götter. Die Abmachung war: Der Gott, der Feuer vom Himmel kommen lässt, um das zubereitete Opfer anzunehmen, der ist der wahre Gott. Elia und die Priester der anderen Götter richteten je ein Opfer zu, wobei Elia den Priestern der andern Götter den Vorrang liess und sich dabei sogar erdreistete, ihren Glauben an Götter, die keine sind, zu verspotten, wie geschrieben steht:

27 Als es Mittag wurde, machte sich Elija über sie lustig. »Ihr müsst lauter rufen!« spottete er. »Er ist doch ein Gott! Vielleicht denkt er gerade nach, oder er musste dringend mal weg oder ist auf Reisen gegangen. Vielleicht hält er gerade seinen Mittagsschlaf. Ihr müsst ihn aufwecken!«
28 Sie schrien immer lauter und ritzten sich nach ihrem Brauch die Haut mit Schwertern und Speeren, dass das Blut an ihnen herabfloss;
29 sie führten sich wie Irrsinnige auf. So trieben sie es die ganze Zeit bis zu der Stunde, in der das Abendopfer vorbereitet wird. Aber alles blieb still, kein Echo kam, keine Antwort. 1.Kön 18,27-29

Der Gott der Bibel, der niemandem sonst die Ehre gibt (Jes 42,8), die Gott allein gebührt, verhinderte, dass ein anderer „Gott“ die Menschen verführen konnte. Der Gott der Bibel gestattete in diesem Kräftemessen der Götter keinem anderen „Gott“, das durch seine Priester angerichtete Opfer anzunehmen. Deshalb war kein Laut da und kein Echo kam, als die Priester der fremden Götter ihren Gott anriefen.

Nach diesen Begebenheiten rief Elia den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs an; Er rief den Gott der Bibel an und darauf geschah folgendes:

36 Zur Stunde des Abendopfers trat Elija vor den Altar und rief: »HERR, du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs! Alle sollen heute erfahren, dass du Gott bist in Israel und ich dein Diener, der dies alles in deinem Auftrag getan hat.
37 Höre mich, HERR, erhöre mich! Dieses Volk soll erkennen, dass du, HERR, allein Gott bist und dass du sie wieder auf den rechten Weg zurückbringen willst.«
38 Da liess der HERR Feuer herabfallen. Es verzehrte nicht nur das Opfertier und die Holzscheite, sondern auch die Steine, die Erde ringsum und das Wasser im Graben.
39 Als das Volk das sah, warfen sich alle zu Boden und riefen: »Der HERR allein ist Gott, der HERR allein ist Gott!« 1.Kön 18,36-39

Ich hoffe, dass Sie alle, liebe Leserinnen und liebe Leser, den einzigen Gott anbeten, der sagt, dass es neben Ihm keine anderen Götter gibt, wie geschrieben steht:

Du sollst keine andern Götter haben neben mir. 2.Mose 20,3

Ihr sollt neben mir keine Götter aus Silber machen, auch Götter aus Gold sollt ihr euch nicht machen. 2.Mose 20,23

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. 5.Mose 5,7

Gepriesen sei Christus, der die (wahren) Christen angenommen hat, niemand der Seinen verliert und sie aufwecken wird am letzten Tag! Amen.

Vers 40

Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Joh 6,40

Jemand, der dem Sohn Gottes glaubt und dadurch ewiges Leben erhält, indem er die Wiedergeburt (Joh 3) erfahren darf, wird am letzten Tag auferweckt werden. Das bedeutet, dass Christus einen solchen aus dem Schlaf der Toten rufen wird, wenn Er auf diese Erde zurückkommt. Verstorbene Christen werden zusammen mit denjenigen, die bei Christi Wiederkunft noch leben, zu Ihm entrückt werden. Das setzt voraus, dass die verstorbenen Christen auferweckt werden, was auch nach dem Wort geschehen wird, wie geschrieben steht:

15 Mit einem Wort des Herrn sage ich euch: Die Brüder und Schwestern, die schon gestorben sind, werden gegenüber uns, die beim Kommen des Herrn noch am Leben sind, nicht benachteiligt sein.
16 Wenn Gottes Befehl ergeht, der oberste Engel ruft und die himmlische Posaune ertönt, wird Christus, der Herr, selbst vom Himmel kommen. Zuerst werden dann alle, die im Vertrauen auf ihn gestorben sind, aus dem Grab auferstehen.
17 Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen auf Wolken in die Luft gehoben und dem Herrn entgegengeführt werden, um ihn zu empfangen. Dann werden wir für immer mit ihm zusammensein. 1.Thess 4,15-17

Die im HERRN Entschlafenen, die Verstorbenen, die gläubig waren, werden vor dem 1000-jährigen Reich auferweckt werden. Das Totenreich muss sie am Tag, an dem sie von Christus gerufen werden, herausgeben. Es wird aber nicht das ganze Totenreich geleert werden, denn diejenigen, die nicht zum Volke Gottes gehören, werden noch nicht gerufen und somit nicht mit den im HERRN Entschlafenen aufstehen. Die im Unglauben Gestorbenen sind bestimmt für das Gericht vor dem Grossen Weissen Thron, welches erst nach dem 1000-jährigen Reich abgehalten wird.

4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.
5 Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung.
6 Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre. Offb 20,4-6

Von all diesen Dingen hat die Freunde Jesus Kenntnis, weil Jesus Wert darauf legte, die Menschen mit dem Worte Gottes vertraut zu machen, besonders die, welche Ihm angehörten, wie beispielsweise die Geschwister Martha, Maria und Lazarus.

Marta spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag. Joh 11,24

Wir sollten es unserem Meister gleichtun und sollten das Wort Gottes predigen, besonders den Hausgenossen, damit der Mensch richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet, wie geschrieben steht:

16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet. 2.Tim 3,16-17

Lassen Sie uns befleissigt sein, das Wort Gottes zu verbreiten, besonders unter den Hausgenossen und in der Gemeinde! Amen.

Vers 41

Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; Joh 6,41

Wie sich der Mensch von Anfang an, gegen Gott und gegen seine Diener gestellt hatte, stellten sich die Juden in der gleichen, üblen Gewohnheit gegen Gott.

Wir müssen aufpassen, dass wir es ihnen nicht gleich tun. Auch als Christen stehen wir in der Gefahr, nicht alle Quellen in Christus zu sehen. So kann es leicht vorkommen, dass wir Ihm deshalb nicht ausnahmslos in allem nachfolgen. Christus ist unsere Quelle, unser Anfang, unser Leben, unser Friedensstifter (zwischen Gott und Mensch), unser Energiespender, Er ist unsere Nahrung, Er ist unser wahres Brot. Christus ist unser ein und alles. Der Mensch tut nicht gut, der Christus nicht als das sieht, was Er tatsächlich ist und Ihm nur die Ehre eines fernen Bekannten gibt, obschon Er die Quelle ist, die alle Bedürfnisse des Menschen stillt; Christus ist das Brot des Lebens.

Die Menschen werden einst sagen, wenn sie es alle selber erkannt haben:

Und singend und den Reigen tanzend werden sie sagen: Alle meine Quellen sind in dir! Ps 87,7

Keine andere Quelle kann uns nur etwas nur annähernd Gleichwertiges bringen! Das muss uns unbedingt bewusst sein. Nicht Geld, das Fitnessabo, die Wunschmusik, Entspannung nach der Art X oder nach der Art Y bringen uns das wahre Glück im Leben! Das wahre und anhaltende Glück im Leben bringt uns ausschliesslich Christus! Glückselig ist, wer das begreift und anwendet. Schnell ist der Mensch im Götzendienst. Wir wissen, dass Geldliebe, also Habsucht grundsätzlich, Götzendienst ist (Eph 5,5), weil man dann auf irdische Güter vertraut und nicht allein auf Christus. Wer glaubt, dieses und jenes für sein Glück tun zu müssen, ohne sein Glück allein in Christus zu sehen, - dient ein solcher nicht anderen Quellen und anderen Göttern, wenn er glaubt, es sei unabdingbar?

Bei grossen Prüfungen kann der Mensch glauben, Gottes Wort müsse in diesem sehr speziellen Fall ignoriert werden. Lassen Sie mich ein Beispiel machen: Zur Zeit Jeremias, nach der Eroberung von Jerusalem durch Nebukadnezar, dachte Johanan, nachdem Ismael den durch die Besatzungsmacht eingesetzten Gedalja ermordet hatte, die Übriggebliebenen Judäer müssten jetzt vor der Rache der Chaldäer nach Ägypten fliehen, obschon Gott seinem Volk den Weg nach Ägypten grundsätzlich verboten hatte. Johanan dachte so, um sein Leben zu retten, weil die Umstände fast danach schrien. Er war am Punkt angelangt, der ihn glauben machte, der Weg Gottes könne jetzt nicht mehr eingehalten werden, obschon der bewährte und durch die Erfüllungen beglaubigte Prophet Jeremia dieses Vorhaben durch das Wort des HERRN als gottlos taxierte (Jer 42). – Schnell sucht der Mensch in grosser Bedrängnis Hilfe in der Welt, ohne etwas auf Gott zu warten. Christus kann jedem Bedürfnis begegnen, wirklich jedem, Ihm ist alle Gewalt gegeben. Lassen Sie uns daher auch in der Bedrängnis etwas durch die Bibel sagen. Christus spricht:

Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Mt 11,28

David hatte auf der Flucht vor Saul in der Höhe keine Möglichkeit, sich krankschreiben zu lassen, wie wir heute viele Möglichkeiten haben, Bedrängnissen auszuweichen und so nicht lernen, solange zum HERRN zu schreien, bis Er antwortet. Lassen Sie uns darin üben, Bedrängnisse mit dem HERRN zu teilen. Dann wird es für uns selbstverständlich, allezeit im Gebet zu sein, und wir werden diese Übung nicht in der Grossen Trübsal lernen müssen, wie geschrieben steht:

Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr imstande seid, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen! Lk 21,36

Lassen Sie uns füreinander beten und einander tatkräftig, nicht mit leeren Worten, helfen, Bedrängnisse mit der Hilfe Christi durchzustehen! Amen.

Vers 42

und sie sprachen: Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie sagt denn dieser: Ich bin aus dem Himmel herabgekommen? Joh 6,42

Unser Blick auf die Umstände blockiert unseren Blick auf das Unsichtbare, wie der Blick der Juden auf die Eltern Christi den HERRN als gewöhnlicher Mensch erscheinen liessen. Wer im HERRN nur den Sohn Marias und Josephs sieht, wird mit jedem Problem zu entsprechenden Experten rennen, statt sein Flehen vor Christus zu bringen, dem alle Macht übergeben ist. Ein solcher liest und kennt vielleicht die Trostworte des HERRN, wie den Vers, den ich auch schon vorausgehend zitiert habe:

Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Mt 11,28

Wir können uns fragen, ob jemand, der für jedes Problem eine irdische Lösung bereitstehen hat, den Glauben aufbringen kann, dass Jesus Christus allein die Lösung für alle Bedürfnisse eines Menschen ist. Irgendwann reissen alle menschlichen Stricke, spätestens in der kommenden, dreieinhalbjährigen Trübsalszeit. Wer dann krank ist, kann nicht zum Arzt, weil das Bezahlsystem satanisch sein wird (Offb 13,16.17). Es wird Christen geben, die diese Zeit durchmachen müssen (Offb 12,17). Christen wird es nicht erlaubt sein, das Bezahlsystem des Teufels zu benützen (Offb 14,9.10). Die Nahrung wird also nicht mehr einfach im Supermarkt besorgt werden können. Wer in jener Zeit ein Bedürfnis hat, wird spätestens dann lernen müssen, seine Bedürfnisse bei Gott und nirgendwo sonst gestillt zu bekommen. Er wird das Alphabet durchbuchstabieren müssen, dass Gott der Vater der Christen ist, der die Verantwortung auf sich genommen hat, sie zu versorgen.

8 Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird geöffnet werden.
9 Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird?
10 Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben?
11 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten! Mt 7,8-11

Lassen Sie uns den Glauben an diese Worte trainieren, bevor böse Zeiten kommen. In bösen Zeiten etwas zu lernen, ist sehr viel schwerer.

Vers 43

Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander! Joh 6,43

Die Juden murrten, wie ihre Väter in der Wüste gemurrt hatten und durch Schlangen gezüchtigt werden mussten (4. Mo 21,4 ff.). – Wir sollen auf keinen Fall murren! Die Juden hätten auf keinen Fall murren sollen. Juden sowie Christen sind auserwähltes Volk Gottes mit herrlichen Verheissungen. Wir haben einen Erlöser, der für uns starb, als wir noch Gesetzesbrecher waren und den Tod verdient hatten. Wir haben den Allmächtigen auf unserer Seite, der nur das Beste für uns will. Wenn wir anfangen zu murren ist das eine sehr üble Sache; dann haben wir überhaupt keine Wertschätzung für das, was Gott für uns vorgesehen hat. Murren zeugt von Unglauben. Wir können uns sicher sein, dass Murrende sich ein Gericht heraufbeschwören.

Vers 44

Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Joh 6,44

Manche Christen glauben, sie hätten sich für Christus entschieden. In Wahrheit ist es umgekehrt. Ein Christ ist vor Grundlegung der Welt auserwählt, wie geschrieben steht:

wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, Eph 1,4

Und wiederum heisst es:

Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. Joh 15,16

Unwürdige Menschen können nicht zu Christus kommen, Gott verschliesst solchen die notwendige Erkenntnis (Mt 13,15).

Vers 45

Es steht in den Propheten geschrieben: »Und sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Jeder, der von dem Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir. Joh 6,45

Die von Christus erwähnte Stelle steht imPropheten Jesaja:

Und alle deine Kinder werden von dem HERRN gelehrt, und der Friede deiner Kinder wird gross sein. Jes 54,13

Damit ein jemand Christ werden kann, braucht es das Ziehen des Vaters. Der Vater zieht Betreffenden aus der Umgebung des Verderbens, aus der Umgebung der Finsternis (Apg 26,18). Danach unterweist der Vater den Menschen, dass das Heil in Christus ist, damit der Mensch zu Christus kommt und in seinem Namen – das ist der einzige Name unter den Himmel, der zu retten vermag – gerettet wird (Apg 4,12).

Gott, der sich selber der Vater seiner Kinder nennt, gab uns nicht utopische Vorschriften, die Er selbst nicht einhält. Der Vater macht uns vielmehr alles vor. Er unterweist seine Kinder, wie Er uns Väter angehalten hat, unsere Kinder zu unterweisen, wie geschrieben steht:

Und ihr sollt sie eure Kinder lehren, indem ihr davon redet, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. 5.Mose 11,19

Kommt, ihr Söhne, hört mir zu: die Furcht des HERRN will ich euch lehren. Ps 34,12

Eltern tun gut, wenn sie ihre Kinder in der Furcht des HERRN unterweisen.

Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich und horcht auf die Worte meines Mundes! Spr 7,24

Wer seine Kinder liebt, unterweist sie nicht nur in der irdischen Weisheit. Ein solcher legt ihnen die Worte Gottes ans Herz, damit es Ihnen ewig gut geht. Amen.

Vers 46

Nicht dass jemand den Vater gesehen hat, ausser dem, der von Gott ist, dieser hat den Vater gesehen. Joh 6,46

Damit sagt Christus aus, dass Er den Vater gesehen hat. – Christus war seit jeher beim Vater. Die Schöpfung wurde durch Ihn, der Vater schuf alles durch seinen Sohn, wie geschrieben steht:

hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat; Hebr 1,2

Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen; Kol 1,16

Der Sohn war schon immer beim Vater. Christus war, bevor Abraham war, was ich schon oft erwähnt habe.

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Joh 8,58

In der Eigenschaft als Gott ist Christus unerschaffen und seit jeher beim Vater. Er besprach sich mit dem Vater, als es um die Erschaffung der Menschen ging, daher steht nicht in der Einzahl: „Ich will den Menschen erschaffen.“ Es steht in der Mehrzahl, wie geschrieben steht:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! 1.Mose 1,26

Wenn jemand den Vater gesehen hat, und wenn jemand den Vater kennt, dann ist es in Wahrheit der Christus, der gelobt ist in Ewigkeit! Amen.

Vers 47

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, hat ewiges Leben. Joh 6,47

Es heisst, der Vater ziehe die Menschen (Vers 44). Weil niemand in das Herz des Vaters sehen kann, gibt der HERR mit diesem Vers einen Indikator, was es für das ewige Leben braucht: Es braucht Glaube. Der Mensch wird durch den Glauben gerechtfertigt, nicht durch Werke. Der Mensch soll an die Worte Gottes glauben; Gottes Wort ist Christus (Joh 1,1.14); Christus war das, was Er sagte. Mit diesem Vers beruhigt der HERR Menschen, welche sich verunsichert fühlen und nicht wissen, ob sie von Vater gezogen und von Christus angenommen sind. – Glauben Sie an Gottes Sohn, Jesus Christus, der die Sünde der Welt getragen hat (Joh 1,29)!

Vers 48

Ich bin das Brot des Lebens. Joh 6,48

Christus sagte es schon im Vers 35, dass Er das Brot des Lebens sei. Christus ist das Brot Gottes, das jedes menschliche Bedürfnis stillt, wie geschrieben steht:

wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. Joh 4,14

Christus reicht uns Speise und Trank dar, welche alle unsere Bedürfnisse stillen. Das sagt Er im Johannes 4. Im Johannes 6 eröffnet Er uns, dass Er selbst dieses Brot ist. Auch im Propheten Jesaja steht, dass der HERR den Bedürfnissen der Menschen begegnen wird:

Sie werden nicht hungern und nicht dürsten, und weder Wüstenglut noch Sonne wird sie treffen. Denn ihr Erbarmer wird sie leiten und wird sie zu Wasserquellen führen. Jes 49,10

Um diesen Vers umzusetzen, legte Gott die Grundlage in Jesus Christus, der gelobt ist in Ewigkeit. Die von Gott Geführten haben somit nicht zu hungern und nicht zu dürsten. Im zukünftigen Friedensreich, im 1000-jährigen Reich wird diese Verheissung für alle sichtbar umgesetzt werden.

16 Sie werden nicht mehr hungern, auch werden sie nicht mehr dürsten, noch wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut;
17 denn das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie hüten und sie leiten zu Wasserquellen des Lebens, und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen. Offb 7,16-17

Es wird in jedem Fall so kommen, wie es Jesaja angekündigt und Johannes bezeugt hat! Vertrauen Sie diesen Predigern. Noahs Zeitgenossen haben der Predigt Noahs nicht geglaubt und sind deshalb alle umgekommen. – Nur in Christus werden die Bedürfnisse des Menschen gestillt! Vertrauen Sie der Heiligen Schrift, vertrauen Sie Christus in allem und kommen Sie in den unvergleichlichen Segen Gottes, der den Ursprung in Christus hat! Amen.

Vers 49

Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben. Joh 6,49

Das Manna kam auch vom Himmel und war aussergewöhnliches, übernatürliches Brot. Trotzdem starben die Menschen, obschon sie diese besondere Speise zur Nahrung hatten. – Weshalb verhielt es sich so? – Das Manna war nur ein Schattenbild auf Christus und hatte demzufolge nicht die Kraft, die Christus hat. Es war ein Schattenbild, weil es vom Himmel kam und den Menschen sättigte. Es hatte Eigenschaften wie Christus, war aber nicht Christus selber. Es beinhaltete alle Stoffe, die der Mensch zum Leben benötigt. Wer davon ass, benötigte keine Ergänzungsnahrung, selbst wenn er jahrelang ausschliesslich Manna ass, wie es bei Israel in der Wüste der Fall war.

Wer Christus zu seiner Speise macht, benötigt auch keine „Ergänzungsnahrung“. Christus beinhaltet alles, was ein Mensch zum Leben braucht, selbst wenn sich dieser Mensch ausschliesslich mit Christus beschäftigt und nicht ergänzenden Ausgleich in Zeitungen, im Fernsehen oder sonstigen Dingen der Welt sucht.

Vers 50

Dies aber ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe. Joh 6,50

Die Israeliten, die das Manna gegessen hatten, sind gestorben. Christusgläubige Menschen, also solche, die das wahre Manna (Christus) gekostet haben, sterben zwar auch, aber nicht so wie Israel damals. Ein christusgläubiger Mensch hat das neue Leben in sich, das nicht sterben kann. Beim Tod seines Leibes fährt seine Seele zwar auch in das Totenreich, den Hades. Der Hades kann diese aber wegen der göttlichen Natur nicht für immer zurückhalten; er muss diese Seele eines Tages wieder ins Leben entlassen. Deshalb sagt Christus, dass ein Christ nicht stirbt. Der leibliche Tod eines Christen ist in den Augen Gottes lediglich ein Einschlafen. Und wer schläft, wacht auch bald wieder auf. Ganz anders sieht es bei Menschen aus, die nicht von Christus gekostet haben. Diese sind in Gottes Augen bereits tot, auch wenn sie noch am Leben sind, wie geschrieben steht:

Jesus aber spricht zu ihm: Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten begraben! Mt 8,22

Bei dieser Stelle ging es um jemanden, der vor dem Dienst für Christus seinen verstorbenen Vater begraben wollte. Christus sagt ihm mit anderen Worten: „All die Ungläubigen um diesen Verstorbenen sind auch tot.“ – Wieso sind die Lebenden ohne Christus bereits zu Lebzeiten tot in Gottes Augen? – Weil ihr Urteil schon steht. Gott ist nicht an eine Zeit gebunden. Ein 20-jähriger Verlorener ist genauso verloren, wie ein 60-jähriger Verlorener. Ob ein solcher leiblich lebt oder tot ist, spielt keine Rolle: Sein Urteil steht bereits, wie erwähnt. Ein Ungläubiger ist nicht im Besitze des göttlichen Lebens, das keine Macht der Welt aufhalten kann. Der Ungläubige steht in sehr grosser Gefahr, von den Lebendigen weg, an einem sehr üblen Ort verwahrt zu werden – für immer.

Und sie werden hinausgehen und sich die Leichen der Menschen ansehen, die mit mir gebrochen haben. Denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht verlöschen, und sie werden ein Abscheu sein für alles Fleisch. Jes 66,24

Im Propheten Jesaja wird wieder ein Wort verwendet, das nur bei Toten verwendet wird: Die mit Gott gebrochen haben, werden als Leichen bezeichnet; bereits Jesaja sprach also von in Gottes Augen für immer Toten. Diese werden – entgegen unserem Verständnis von Leichen – ihre Strafe spüren (ihr Wurm wird nicht sterben) und die Strafe wird anhaltend sein (ihr Feuer wird nicht verlöschen).

Jeder Mensch tut sehr gut, wenn er zu Christus kommt, um dieses Leben zu bekommen! Amen!

Vers 51

Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Joh 6,51

Christus ist als Schöpfer und Urheber des Menschen (Heb 1,2) auch der, der jedem Bedürfnis eines Menschen begegnen kann. Was Christus hier vorstellt, sehen leider auch einige aus dem Volke Gottes nicht. Es gibt solche unter uns, die tatsächlich glauben, sie müssten für ihr Wohl unbedingt noch dieses oder jenes haben, wobei sie doch mit Christus schon alles haben. Und die Anschauung der Welt ist: Der Mensch lebe durch viele Faktoren; er brauche ein vielfältiges System, um ausgeglichen leben zu können. Leider dachte auch das Volk Gottes so. In der Wüste sehnte es sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens; Israel dachte, das Himmelsbrot, das Manna, sei zu einseitig.

Die Aussage der Schrift ist aber: Die Welt und ihre jetzige Gestalt vergeht (1. Kor 7,31), das Wort Gottes (Christus) bleibt in Ewigkeit (Jes 40,8). Dies bedeutet so viel, dass jeder, der mit dieser Welt verknüpft ist und auf sie hofft, seine Hoffnung auf etwas Vergängliches gesetzt hat. Wer auf Christus setzt, setzt auf das einzig ewig Beständige! Und Christus bietet sich den Menschen an, was eine unbeschreibliche Gnade ist! Christus bietet den Menschen unvergängliches, ewiges Leben an!

Vers 52

Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Joh 6,52

Was Christus hier den Juden anbot, war und ist das Höchste, was ein Mensch überhaupt empfangen kann. Ein Mensch kann von anderen Menschen schöne Dinge empfangen, wie im Extremfall beispielsweise ein Haus oder einen Luxuswagen. Nach spätestens 100 Jahren hat dies für den Empfänger jedoch keinen Wert mehr, da er dann weder das Haus bewohnen noch das Auto fahren kann. Vielmehr vermodern seine Gebeine im Grab.

Neben der Vielfalt der Angebote dieser Welt bot Christus dem Menschen ein absolut einzigartiges Angebot an, Er sagte: „Ich biete Euch das Leben an, das ich habe: Es ist unzerstörbar und besteht in Ewigkeit.“ Im Vergleich zur Welt sind alle ihre Herrlichkeiten vergänglich, wie Dreck. Und man merkt schon als 50-jähriger Mann, dass gar nicht mehr alle Angebote der Welt ohne weiteres genutzt werden können, ohne Lesehilfe beispielsweise. Nach weiteren 50 Jahren ist es sowieso klar: Die Welt konnte vielleicht kurze Freuden liefern, ein schönes Nachtessen auf dem Schiff oder ein rauschendes Fest im Schlosspark. All diese Freuden halfen dem Menschen aber nicht wirklich, wenn er am Ende in der Holzkiste liegt und unter die Erde verscharrt wird. All die hochstehende Medizin aller Universitätsspitäler zusammen, konnte ebenfalls nicht verhindern, dass am Ende das Herz aufgehört hat, zu schlagen und der Leib zu verwesen begann. All die besuchten, schönen Konzerte, die vielen Freunde, das Geld, das schöne Auto, all die irdischen Dinge konnten nicht verhindern, dass der Mensch immer wieder „durstig“ wurde, und wieder „trinken“ musste. Der Trank der Welt gab dem Menschen zwar eine kurzfristige Befriedigung, wegen der kurzen Dauer und der geringen Nachhaltigkeit, konnte er den Menschen aber nicht retten. Am Ende starb der Mensch doch und verwest im Grab.

Das Leben Christi, das Er an dieser Stelle anbietet ist völlig anders! Es hat nichts mit den Dingen dieser Welt gemein! Wer Christi Brot isst und seinen Trank trinkt, erhält unzerstörbares, ewiges Leben. Sein Trank lässt den Menschen nicht mehr dürsten und seine Speise lässt den Menschen nicht mehr hungern!

Die Juden beschäftigten sich nun damit, ob Christus nun wirklich aufgegessen werden muss und störten sich an seinen Worten.

Christus musste natürlich nicht so aufgegessen werden, wie Kannibalen Menschen aufessen. Und doch muss Christus wie Nahrung aufgenommen werden, wenn man das angebotene, herrliche Leben haben will. Mit dem Lesen der Bibel nimmt man die Worte Christi in sich auf. Christus ist selber das Wort Gottes (Joh 1,1.14). Dieses Wort besteht in Ewigkeit, es veraltet nicht, wie unser Leib veraltet. Das Wort nährt uns und der Glaube an Ihn rechtfertigt uns und setzt sein Leben in uns frei. Wir werden von neuem geboren und haben fortan unzerstörbares Leben in uns. Das ist etwas, was die ganze Welt nirgendwo bieten kann. Kein Ärzteteam kann solches bieten. Superreiche Menschen, die sich alles auf der Welt kaufen können, können das Leben Jesu nicht kaufen. Sie sterben einmal und vermodern. Christen erhalten dieses Leben durch den Glauben an Ihn (Röm 10) umsonst. Die alte irdische Hülle der Christen zerfällt zwar auch einmal. Wenn das geschieht ist der Christ aber nicht ohne Hoffnung, denn der Tod kann jemanden, der göttliches Leben besitzt, nicht für immer zurückhalten. Bei natürlichen Menschen kann das durchaus geschehen, man sieht sie für immer im sogenannten Zweiten Tod, das ist der Feuersee, umgangssprachlich die Hölle, schmoren. Einem wahren Christen, der vom Angebot Christi Gebrauch macht, kann das nicht widerfahren, denn Christi Angebot ist sehr viel herrlicher, als alles, was die Welt bieten kann. Das Angebot der Welt endet sowieso einmal im Tod, ganz egal, bei welchen „Regalen“ sich der Mensch bedient hat. Das Angebot Christi führt in das ewige Leben! Was für eine Herrlichkeit!

Vers 53

Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Joh 6,53

Der HERR doppelt mit diesem Vers nach. Er ist so aufzunehmen, wie Speise und Trank aufzunehmen sind. Speise und Trank werden vom menschlichen Körper völlig verinnerlicht, Christus muss völlig verinnerlicht werden. Wer die Bibel nur als philosophische Richtschnur bzw. Empfehlung nimmt, kommt nicht ans Ziel. Ein solcher erhält das Leben Christi nicht. Wer das Leben Christi nicht erhält, hat kein wahres Leben in sich selbst.

Vers 54

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag; Joh 6,54

Christus spricht an dieser Stelle auch von seinem Tod. Vom Blut getrenntes Fleisch bedeutet Tod. Christus musste sterben, um das neue Leben freizusetzen, das Er allein uns anbieten kann – kein anderer Religionsführer kann es anbieten.

Wer sein Angebot annimmt, bekommt dieses ewige Leben und der HERR wird uns am letzten Tag aufwecken, sollten wir gestorben sein. Wie erwähnt, schlafen Christen in seinen Augen nur ein, wenn sie sterben, da sie ewiges Leben in sich haben. Sie können unmöglich im Tod bleiben.

Vers 55

denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. Joh 6,55

Sein vom Blut getrenntes Fleisch, sein Tod, ist für uns sehr wichtig. Menschen, die glauben, Gott etwas darreichen zu können und die Notwendigkeit nicht sehen, dass sich der Mensch mit dem Tod Christi eins machen muss, werden ihr Leben lang Gott wertlose Opfer opfern, wie es Kain getan hatte. Menschen, die wie Kain etwas von ihren Früchten nehmen und Gott darbringen, können vor Gott niemals Anerkennung finden.

Christi Tod ist sehr wichtig. Wäre Christus nicht gestorben, hätte Er allein bleiben müssen, kein Mensch wäre gerettet worden. In seinem Tod liegt das Geheimnis. Christus spricht:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Joh 12,24

Wir haben gesehen, dass der natürliche Mensch nicht mit Christus zusammen bleiben kann; das Weizenkorn bliebe trotzdem allein. Der Mensch war ohne Lösung, und eine solche wäre ausgeblieben, wenn Christus im Garten Gethsemane entschieden hätte, ohne zu sterben, zurück zum Vater zu gehen. Der Mensch hätte dann weiter eifrig die Opfer Kains (eigene Früchte) Gott darbringen können, ein Erfolg wäre aber ausgeblieben und das Urteil des Todes nicht gewichen. Wäre Christus nicht gestorben, wäre auch die Hoffnung Abels zuschanden geworden, der mit dem Gott dargebrachten Opfer aus seiner Herde diesen notwendigen Tod schattenhaft angedeutet hatte.

Christi Tod ist für uns wahre Speise und wahrer Trank, weil nur sein Tod allein Leben für uns bedeutet. Wer an Ihn glaubt, dessen unheilbare Natur stirbt. Für einen Gläubigen wird das ebenfalls wirksam, was mit Christus auf Golgatha geschah: Die Natur des Gläubigen wird beendet, wie Christus am Kreuz sein menschliches Leben beendete. Der Gläubige wird eins gemacht mit dem Tod Christi, damit er auf der anderen Seite das neu freigesetzte, geistliche Leben empfängt. Das sündige, irdische Leben stirbt im Gläubigen, das heilige Leben Gottes gebiert einen neuen Menschen, einen weiteren Sohn Gottes. Diese Tatsache ist so gewaltig, wie sie da steht. Wir werden einst sein, wie der Sohn Gottes, Jesus, weil unser neues Leben den Ursprung im selben Gott hat, aus dem Jesus zum wahren Menschen wurde.

Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. 1.Joh 3,2

Hören wir, was Paulus im Römerbrief dazu sagt:

1 Was folgt nun daraus? Sollen wir ruhig weitersündigen, damit die Gnade sich noch mächtiger entfalten kann?
2 Unmöglich! Die Sünde hat kein Anrecht mehr an uns, für sie sind wir tot - wie könnten wir dann noch weiter in der Sünde leben?
3 Ihr müsst euch doch darüber im klaren sein, was bei der Taufe mit euch geschehen ist. Wir alle, die »in Jesus Christus hinein« getauft wurden, sind damit in seinen Tod hineingetauft, ja hineingetaucht worden.
4 Durch diese Taufe wurden wir auch zusammen mit ihm begraben. Und wie Christus durch die Lebensmacht Gottes, des Vaters, vom Tod auferweckt wurde, so ist uns ein neues Leben geschenkt worden, in dem wir nun auch leben sollen.
5 Denn wenn wir mit seinem Tod verbunden wurden, dann werden wir auch mit seiner Auferstehung verbunden sein. Röm 6,1-5

Der Gläubige soll sich im Klaren darüber sein, dass er durch die Taufe in den Tod Christi „hineingetaucht“ wurde. Das gänzliche Untertauchen in der biblischen Taufe* zeigt symbolisch, dass der Gläubige, der sich taufen lässt, völlig mit dem für ihn notwendigen Tod Christi verwachsen ist. Die Taufe zeigt, dass unser unheilbares Fleisch völlig beendet ist; der Leib ist vom Scheitel bis zur Zehe beendet, tot.

Der Tod Christi ist die Lösung für den Menschen. Sein Tod ist die Lösung für uns! Wenn wir davon ständig kosten, leben wir ein Leben in der Selbstverleugnung (wir halten uns für tot, unsere alte Natur ist tot) und gewinnen dadurch immer mehr vom durch Christi Auferstehung freigesetzten, geistlichen Leben.

*Kleinkinder mit etwas Wasser zu bestreichen hat nichts mit der Bibel zu tun. Dieses Ritual wurde vom Menschen eingeführt, um Kirchgänger an ihre kirchliche Institution zu binden. Vor Gott ist dieser Brauch völlig wertlos.

Vers 56

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Joh 6,56

Wenn das Fleisch vom Blut getrennt wird, bedeutet das den Tod, wie vorausgehend bereits erwähnt. Wer völlig mit dem Tod Christi verwachsen ist, hält sich der Sünde für tot (Rö 6, 1-4).Ein solcher Mensch wandelt nicht mehr der alten Natur gemäss, ein solcher wandelt gemäss der neuen Natur (Rö 6,4).

Es ist wichtig für uns, dass wir unsere alte Natur verleugnen, wie Rut ihre alte Abstammung vom Moab verleugnet hatte, um mit Noomi nach Israel zu ziehen (Rut 1,16). Die Moabiter waren dermassen unter dem Zorn Gottes, dass es ihnen auf ewig nicht erlaubt war, in die Versammlung Gottes zu kommen (5. Mo 23,4). Unser alter Mensch ist ebenso verurteilt, Fleisch und Blut ist es nicht erlaubt, das Reich zu erben (1. Kor 15,50). Durch die totale Verleugnung ihrer Abstammung durfte Rut trotzdem in die Versammlung Israels ziehen. Durch die totale Verleugnung unserer alten Natur, die nur sündigen kann (Rö 7,18.19), haben wir Zutritt in die Versammlung der Christen. Wir sollen nichts von uns selbst halten, wir sollen uns in allen Dingen an Christus orientieren.

In der totalen Selbstverleugnung gab sich Christus dem Vater völlig hin, bis zum Tod am Kreuz. Er, der keiner Sünde bezichtigt werden konnte, gab das Leben in Fleisch und Blut auf, das er von Maria, seiner Mutter erhalten hatte. Wir sollten diesem Beispiel folgen. Wer mit seinem Tod verwachsen ist, wird es auch mit seiner Auferstehung sein (Rö 6,5).

Vers 57

Wie der lebendige Vater mich gesandt hat, und ich lebe um des Vaters willen, so auch, wer mich isst, der wird auch leben um meinetwillen. Joh 6,57

Christus lebte um des Vaters willen auf der Erde. Er war völlig für den Vater und lebte auch dementsprechend. Das Leben, das Er in der Eigenschaft als Mensch in sich hatte, hatte Er vom Vater erhalten; der Vater hatte Ihn gezeugt (Heb 1,5). Weil der Vater es wollte, hatte Er als Mensch Leben in sich*.

Wer Christus völlig in sich aufnimmt, wird auch dieses Leben in sich haben. Amen.

*In der Eigenschaft als Gott hatte Er seit jeher das unzerstörbare, göttliche Leben in sich.

Vers 58

Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Nicht wie die Väter assen und starben; wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. Joh 6,58

Christus gab uns Riten (Sakramente), die uns symbolisch an einer Wirklichkeit teilhaben lassen, wie zum Beispiel die Taufe und das Abendmahl. Beide Riten versinnbildlichen den Tod des HERRN. Über die Taufe ist unter anderem geschrieben:

3 Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?
4 So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Röm 6,3.4

Die Taufe lässt uns symbolisch an der Wirklichkeit teilhaben, dass unser alter Mensch gestorben ist. Zuvor hatte das Gesetz Anrechte auf unser Leben (Rö 7,1), das Gesetz stellte Forderungen, die wir unmöglich erfüllen konnten (Apg 15,10). Wer sich nun taufen lässt, ist verwachsen mit dem tatsächlich eingetretenen Tod des Christus. Christus war tot und fuhr für eine Zeit in den Hades, den Aufbewahrungsort der Toten. Sein Leib, den Josef von Arimathäa von Pilatus erbat, war leblos, Christi Tod war Tatsache! Wer gläubig wird, zeigt mit der biblischen Erwachsenentaufe (z. B. Apg 8,12), dass er dem Gesetz gestorben ist. Ein gläubiger, getaufter Mensch ist ein Freigelassener des HERRN, die Kraft der Sünde, welche durch das Gesetz Macht über den Menschen hatte, ist damit völlig gebrochen, da der Mensch in Christus der Sünde gegenüber tot ist. Das ist eine herrliche und sehr wichtige Wahrheit, die auf das wahre Leben hindeutet.

Deshalb sagt Christus, dass sein Fleisch und sein Blut gegessen und getrunken werden soll; der Mensch soll völlig mit seinem Tod verwachsen sein, um damit der Sünde nicht mehr zu dienen. Es bleibt aber nicht beim Tod. Christus ist am dritten Tag aus den Toten auferstanden. Wer nun völlig in Christus ist, ist nicht nur dem Alten (der Sünde) gestorben, - ein solcher Mensch lebt, weil Christus lebt (Rö 6,4)! Deshalb heisst es: „Wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit!“ – Gelobt sei der HERR für seine Gnade! Amen.

Vers 59

Dies sprach er, als er in der Synagoge zu Kapernaum lehrte. Joh 6,59

Es muss nicht betont werden, wie wichtig und wertvoll diese Belehrungen sind. Wir müssen Christi Fleisch essen und sein Blut trinken. Vom Blut getrenntes Fleisch bedeutet Tod. Wir müssen völlig verwachsen mit dem Tod Christi. Wenn Christus selbst sein perfektes Leben in den Tod gab, wieviel mehr sollen wir mit diesem Tod verwachsen sein! – Was bedeutet mit dem Tod Christi verwachsen sein? – Bedeutet es, dass wir unser Leben im Kloster fristen oder gar Suizid begehen sollen? Nein, unsere Seele muss weiterleben, um mit dem Tod Christi verwachsen zu können. Sie muss lernen, die alte Natur und ihre Begierden zu verleugnen, um Christus zu gewinnen. Ein Mensch, der ins Kloster geht, verleugnet sein altes Leben quasi auch, doch was für einen Nutzen hat er, wenn er Christus nicht gewinnt? Ein solcher wird entweder hochmütig (er denkt: ich habe mehr Disziplin als andere) oder er wird griesgrämig, weil er sieht, dass es ihn nicht besser, sondern nur unglücklich macht. Wir sollen nicht besser werden (das Fleisch nützt nichts, wir sollen gehorsamer werden, um Christus zu gewinnen, Joh 6,63). Wir sollen Unreines nicht anrühren (Welt, vieles in den Medien).Unser alter Zustand, sei er gut oder böse, muss zum Gehorsam gegenüber dem Worte Gottes aufgegeben werden. Im Gehorsam gegenüber Christus wirken wir die Werke Gottes.
Nicht unsere Seele muss sterben, sie muss Christus aufnehmen, wie erwähnt. Unsere Natur, welche sündig ist, muss sterben, sei sie gut oder böse, das Fleisch nützt nichts, wie erwähnt. Das Fleisch ist das Einfallstor des Teufels im Leben des Menschen. Achten wir deshalb darauf, mit Christi Tod verwachsen zu sein, damit wir mit seiner Auferstehung ebenfalls verwachsen sind (Rö 6,5)! Amen!

Vers 60

Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören? Joh 6,60

Die völlige Selbstaufgabe, das Verwachsen mit dem Tod Christi, um mit seinem neuen Leben verwachsen zu sein, lehnen nicht wenige Personen aus dem Volke Gottes ab. Bei Israel konnte man beobachten, dass sie zwar bereit waren, einige von Gott geforderte Dinge zu tun. Sie wollten aber weiterhin für sich autonom, im Eigendünkel und fern vom Willen Gottes bleiben, was ihnen von den Propheten vorgehalten werden musste. Jesaja hielt beispielsweise fest:

9 Denn ein widerspenstiges Volk ist es, verlogene Söhne, Söhne, die das Gesetz des HERRN nicht hören wollen,
10 die zu den Sehern sagen: Seht nicht! und zu den Schauenden: Schaut uns nicht das Richtige! Sagt uns Schmeicheleien! Schaut uns Täuschungen!
11 Weicht ab vom Weg, biegt ab vom Pfad! Lasst uns in Ruhe mit dem Heiligen Israels! Jes 30,9-11

Wie es im Alten Testament war, verhielt es sich auch im Neuen Testament zur Zeit Jesu. Und heute sind die Zustände in keinem Punkt besser. Sehr viele unter uns Christen tun und lassen, was sie wollen, ohne in der Heiligen Schrift nach dem Willen Gottes zu forschen. Nicht Gott bestimmt heute den Weg der Gemeinde; heute bestimmt das Volk den Weg der Gemeinde, ohne nach dem Willen Christi zu fragen. Die Endzeitliche Gemeinde wird schön durch die Gemeinde in Laodizea dargestellt. Laodizea bedeutet vielsagend „Volksrecht“, „Demokratie“. Die Programmhefte der Gemeinden zeugen zwar von sehr vielen Aktivitäten. Trotz alledem kommt diese Gemeinde in der Beurteilung Christi sehr schlecht weg. Christus muss sie gar aus dem Mund speien (Offb 3,16). – Liebe Geschwister im HERRN! Beteiligen Sie sich nicht an fremden Sünden! Halten Sie sich unbedingt fern von Unmoral und halten Sie sich fern von denen, die sie ausüben! Amen.

Vers 61

Da aber Jesus bei sich selbst wusste, dass seine Jünger hierüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch dies? Joh 6,61

Nicht nur dem erweiterten Kreis der Zuhörerschaft war die Rede Christi ein Ärgernis. Sogar seine Jünger, die schon viel von der Herrlichkeit Gottes hatten sehen dürfen, stiessen sich an ihr. – Es ist nun aber eine Tatsache, dass Fleisch und Blut das Reich nicht erben können (1. Kor 15,50). Der Mensch Gottes, der das Reich erben will, muss seine alte Natur völlig aufgeben, um die neue in Christus zu gewinnen. Diese Anforderungen sind zwar für den alten Menschen sehr demütigend, aber für das Reich zwingend notwendig.

Leider sind heutzutage Selbstaufgabe und Leiden unter Christen nicht mehr populär. Weltliche Einflüsse wie Humanismus und Selbstverwirklichung haben längst Einzug in die Gemeinden gehalten. Deshalb denken viele von uns, Christus müsse sein Volk in diesen Dingen unterstützen und man wundert sich, wenn Er es nicht tut. – Christus unterstützt den Christen in der Umsetzung des Wortes Gottes; Er unterstützt den Christen nicht in der Umsetzung weltlicher Philosophien oder weltlicher Ideen. Amen.

Vers 62

Wenn ihr nun den Sohn des Menschen dahin auffahren seht, wo er vorher war? Joh 6,62

Christus fragte seine Jünger, ob sie an seiner Rede über die wahre Speise und den wahren Trank Anstoss genommen hätten und was sei, wenn sie Christus dahin auffahren sähen, wo Er vorher war. – Konnten seine Jünger diese Tatsachen ertragen, von denen Christus sprach, oder war ihnen dieser Weg zu demütigend? Christus verlangt die volle Selbstverleugnung und das Hintenanstellen von allen anderen Dingen ausserhalb seiner Person. Er verlangt sogar das Hintenanstellen (im richtigen Sinn*) von Vater und Mutter (Mt 10,37), wenn es um seine Belange geht. – Würden das seine Jünger verstehen oder würden sie seinen Anspruch wenigstens begreifen, wenn sie es mit eigenen Augen sehen können, dass Gott seinen Sohn in die Himmel aufnimmt und sich alle Lehre betreffend Christi himmlischer Abstammung vor ihren Augen bewahrheitet? Wäre dann alles, was Christus verlangt, nicht mehr zu viel in ihren Augen? – Wie steht es um uns? Glauben wir den Worten Christi? Glauben wir sie auch, obschon wir Christus nicht sehen? Für uns ist es wichtig zu wissen, dass das Wort Gottes kein Empfehlungsschreiben ist. Das Wort Gottes ist der Weg, der in die Freiheit führt. Wer das Wort Gottes ignoriert, handelt töricht (Mt 7,26).

*Die Pharisäer wollten den Anspruch Gottes im falschen Sinn übertreffen und sahen es als richtig an, die Gabe, die den Eltern zugestanden wäre, in den Tempel fliessen zu lassen. Obschon das sehr fromm aussah, wurde es von Christus scharf kritisiert und als Vernachlässigung der Verantwortung gegenüber Verwandten und Bruch des Wortes Gottes bewertet (Mt 15,5.6).

Vers 63

Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; Joh 6,63

Was vor Gott Bestand hat, wird durch den Geist gewirkt. Das Fleisch (die alte Natur des Menschen) nützt im Blick auf das Reich rein gar nichts. Alle „guten“ Ideen des Fleisches sind vor Gott absolut nutzlos. Das Geschichte mit Israel machte es deutlich: Selbst wenn das Fleisch in die Absonderung genommen wird, selbst wenn das Fleisch mit Gott unterwegs ist und selbst wenn dem Fleisch Gottes Wort gegeben ist, - es bringt rein gar nichts. Das Fleisch ist durch und durch verdorben; Israel konnte ohne beständige Opfer vor Gott nicht bestehen. Am Ende war Israel im Bilde der Feigenbaum, der voller Blätter (= Taten) aber trotzdem ohne Frucht war. Dieser Feigenbaum wurde durch Jesus auf ewig verflucht, nie wieder sollte jemand Frucht daran suchen! Damit verfluchte der HERR das Fleisch auf ewig (Mt 21,19). Wenige Zeit später starb Jesus am Kreuz für die Menschen, die alle ihre Natur im Fleische haben (und somit eine verfluchte Natur haben), um für jeden, der da will, die geistliche Natur freizusetzen. Damit setzte Christus eine Natur frei, die Gott wohlgefällig ist, das ist eine Natur, die nicht sündigen kann* (1. Joh 5,18).

Wer nicht an den Worten, die Christus zu uns geredet hat, festhält, liegt in seinem Tun daneben. Die Worte Christi sind Geist und Leben! Wer ausserhalb dieser Richtschnur etwas tut, sei es noch so gross und sozial, baut sich ein Werk, das am Ende verbrennen wird (1. Kor 3). – Lassen Sie uns auf das achten, was wir tun! Amen.

*Die geistliche Natur im Christen sündigt nicht. Ein Christ, der sündigt, lässt sich noch von seiner alten Natur und von unvollkommenem Denken leiten bzw. verführen. Christen, die sündigen, sollten aktiv die Gemeinschaft mit Christus suchen. Johannes schreibt im ersten seiner Briefe (1. Joh 3,6), dass jemand, der in Ihm bliebe, nicht sündigen würde. Das steht in der Heiligen Schrift Gottes, die nicht aufgelöst werden kann und ewig ist.

Vers 64

aber es sind einige unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wusste von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn überliefern würde. Joh 6,64

Christus wusste in seiner Souveränität alles. Er wusste wer glaubte und wer nicht; Er war der fleischgewordene Gott persönlich. Es verhielt sich keinesfalls so, dass die Macht des Widersachers Ihn vor unbekannte Schwierigkeiten stellte. Das Geschick der Welt liegt wie ein offenes Buch vor Gott, das Er jederzeit und völlig nach Belieben umschreiben kann.

Vers 65

Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben. Joh 6,65

Im Vers 37 sagt der HERR, dass der Vater seine Auswahl unter Menschen Christus, seinem Sohn, zuführt. Und im Vers 44 erklärt Christus, dass es bei der Auswahl des Vaters allein bleibt, dass niemand sonst zu Ihm kommen kann. Hierin sehen wir die Souveränität Gottes. Wir Christen sind alle vom Vater gewollt (zum Glück!). Das sollte uns ruhig machen, wir kamen nicht aufgrund von eigenem Drängen in die Nähe Christi, der Vater hat uns auserwählt und zu Christus geführt. Und Christus stösst niemanden zurück, der vom Vater ausgewählt wurde. – Gepriesen sei der HERR! Amen.

Vers 66

Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Joh 6,66

Die Rede Christi trennte die Spreu vom Weizen. Christus fordert die volle Nachfolge, die Verschmelzung mit seinem Tod und die Verschmelzung mit seiner Auferstehung (Rö 6,4). Sein Leib und sein Blut muss völlig verinnerlicht werden.

Leider wollen viele ein bisschen von Christus aber zeitgleich die Welt nicht aufgeben, was nicht geht. Die Forderung Christi löste aus, dass viele von Christus weggingen. So, wie es damals war, würde es sich auch heute verhalten: Wenn der ganze Christus gepredigt werden würde, auch die Seite von Christus, die am Kreuz die alte Natur gänzlich in den Tod gab, würden sich die Gemeinden dezimieren. Viele Mitläufer würden weggehen, weil sie nicht bereit sind, sich völlig zu verleugnen und nur noch aus dem neuen Leben Kraft zu schöpfen.

Vers 67

Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr etwa auch weggehen? Joh 6,67

Christus wusste alles; Er kannte die Tragweite seiner Rede und wusste, dass sogar seine engsten Jünger damit Mühe hatten (V 61).

Christus stellte sich den Tatsachen immer und verkroch sich nicht irgendwo mit der Hoffnung, dass sich die Situation von alleine zum Positiven wende. Christus ist ein herrlicher Anführer, ein Feldherr, dem seine Nachfolger vertrauen können und stets wissen, woran sie sind. Was Er sagt, ist Er selbst und Er kann sich selbst nicht verleugnen (2. Tim 2,13).

Vers 68

Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; Joh 6,68

Obschon die Jünger anfänglich über die Worte Christi murrten (V 61), musste Petrus eingestehen: „Herr, zu wem sollten wir gehen?“ – Wir sollten uns nicht frömmer sehen, als wir es tatsächlich sind. Es gibt Verse in der Heiligen Schrift, die besagen, dass es auf dem schmalen Weg Christi zumindest gefühlsmässig nicht immer nur herrlich ist. Wir sollen unser Heil nicht nur im Reigentanz, sondern mit Furcht und Zittern bewirken, steht beispielsweise:

Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur wie in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern! Phil 2,12

Die Gemeinde in Korinth wusste am Ende, was dieser Vers bedeutet. Die im 2. Korintherbrief, Kapitel 7, Vers 15 gemachte Feststellung bestätigt dies. Die Korinther empfingen in ihrem Gehorsam den Titus mit Furcht und Zittern, nicht mit ausgelassenen Halleluja-Rufen. Im Kampf gegen das Fleisch und gegen die Sünde kommen viele Trübsale auf uns, die wir überhaupt nicht als angenehm empfinden werden. Wenn wir dann merken, dass wir mit dem Tod Christi verwachsen müssen und ausschliesslich in seinem neuen Leben wandeln und die Welt und ihre Lust lassen sollten, werden wir vielleicht nach Alternativen zum christlichen Weg suchen. Auf die Frage Christi, ob wir auch weggehen wollen, werden wir dann – sollten wir noch klar im Kopf sein – antworten: „HERR, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ Amen!

Vers 69

und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist. Joh 6,69

Die Jünger hatten erkannt, wer Jesus war. Der Vater hatte es ihnen geoffenbart (Mt 16,17). Für sie war es deshalb klar, dass ein Weggehen keinesfalls eine Alternative war.

Wie es für die Jünger damals war, so ist es auch heute. Wir Christen sollten unseren Platz nie verlassen, auch wenn die Umstände schlecht werden. Wohin sollen wir denn gehen? Sollen wir in die sündige und dunkle Welt zurück? Oder sollen wir, wie Israel nach der Deportation, in Babel bleiben, währendem einige Rückkehrer in Jerusalem den Altar aufrichten? Das Wort der Propheten (Sacharja, Haggai) war in Jerusalem, wie auch der Gottesdienst in Jerusalem war. Der Gottesdienst fand nicht in Babel statt. – Lassen Sie uns unseren Platz beim HERRN nie verlassen! Amen.

Vers 70

Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel. Joh 6,70

Gleich nach dem Bekenntnis des Petrus, sie hätten geglaubt und erkannt, dass Christus der Heilige Gottes sei, entlarvte Christus das Böse unter ihnen: Einer sei ein Teufel. Damit war der berufene Apostel Judas Iskariot gemeint. Auch dieser wurde durch Jesus Christus in diesen Stand berufen. – Wie ernst diese Warnung in diesem Worten doch ist! – Ist es nicht so, dass einige, die zu Teufel mutieren, im Vorfeld eine herrliche Berufung hatten? War nicht der Satan selbst vor Gott mit einer sehr hohen Aufgabe betraut, bevor er in Sünde fiel? Über ihn steht geschrieben:

11 Und das Wort des HERRN geschah zu mir so:
12 Menschensohn, erhebe ein Klagelied über den König von Tyrus und sage ihm: So spricht der Herr, HERR: Du warst das vollendete Siegel, voller Weisheit und vollkommen an Schönheit,
13 du warst in Eden, dem Garten Gottes; aus Edelsteinen jeder Art war deine Decke: Karneol, Topas und Jaspis, Türkis, Onyx und Jade, Saphir, Rubin und Smaragd; und Arbeit in Gold waren deine Ohrringe und deine Perlen an dir; am Tag, als du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet.
14 Du warst ein mit ausgebreiteten Flügeln schirmender Cherub, und ich hatte dich dazu gemacht; du warst auf Gottes heiligem Berg, mitten unter feurigen Steinen gingst du einher.
15 Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, als du geschaffen wurdest, bis sich Unrecht an dir fand.
16 Durch die Menge deines Handels fülltest du dein Inneres mit Gewalttat und sündigtest. Und ich verstiess dich vom Berg Gottes und trieb dich ins Verderben, du schirmender Cherub, aus der Mitte der feurigen Steine. Hes 28,11-16

Wie erwähnt, wissen wir, dass der berufene Apostel, Judas Iskariot, der Gegenstand von Joh 6,70 war. Er war derjenige, der den HERRN später an die religiöse Elite verraten hatte. Er war der, der den Stein zur Kreuzigung Jesu ins Rollen gebracht hatte. Vom berufenen Apostel mit einer herrlichen, vor ihm liegenden Zukunft, welche Herrschaft in Verbindung mit Jesus Christus bedeutete, folgte er dem Ur-Teufel und wurde selber ein Teufel.

Mir wird als Autor dieser Zeilen bei diesen Belehrungen der Heiligen Schrift selbst ganz mulmig. Deshalb bete ich zum HERRN: „Geliebter HERR! Lass uns bitte nie stolz und überheblich werden! Lass bitte nicht zu, dass wir unseren Platz jemals verlassen! Lass uns bitte unserer Berufung treu sein! Viele Brüder und Schwestern haben gut angefangen und standen am Ende ihrer Laufbahn trotzdem an einem unguten Platz, nach dem Beispiel Salomos (1. Kö 11,4-6). Hilf uns bitte, damit wir unseren Lauf gemäss unserer Berufung gut abschliessen dürfen! Amen!“

Vers 71

Er sprach aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot; denn dieser sollte ihn überliefern, einer von den Zwölfen. Joh 6,71

Christus sprach von Judas Iskariot, seinem Verräter. Judas war von Gott für etwas vom Grössten berufen. Seine Geldgier brachte ihn jedoch ins gegnerische Lager und liess ihn zum Feind Christi mutieren. Sein Eigenwille und seine Lust nach den Begehrlichkeiten dieser Welt liessen ihn das Recht vergessen und den Unschuldigen an die offensichtlich bösen Pharisäer verkaufen. – Lassen Sie uns die Finger vom Bösen fernhalten! Lassen Sie uns nicht denken, der Weg zum Heil sei ein Selbstläufer! Es ist allerdings eine Tatsache, dass es Gott ist, der das Werk in uns vollendet (Phil 1,6). Und doch ist unsere Mitarbeit gefordert (Phil 1,9). Es liegt nicht an uns allein, ins Reich zu kommen, es liegt an Gott. Und trotz des nachfolgenden Verses, den leider auch Arbeitsscheue anführen mögen, dass Gott in uns das Wollen und das Vollbringen wirkt, ist von uns eine Mitarbeit verlangt, wie erwähnt.

Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Phil 2,13

Es ist offensichtlich: Wir sollen im Reich treu und fleissig sein (Mt 25,14 ff; Lk 19,11 ff). Wir sollen unseren Lauf sogar als Wettlauf sehen (Heb 12,1). Dabei sollen wir regelkonform kämpfen (2 Tim 2,5). – Bei vielen Christen kann ich das Befolgen dieser neutestamentlichen Anweisungen nicht erkennen; viele Irrlehren haben ihr Werk getan und animieren zur Faulheit. Ich bin glücklicherweise nicht ein Richter meiner Brüder und Schwestern; ich kann nur immer wieder auf die Notwendigkeit der Mitarbeit hinweisen und kann nur davor warnen, in den Zustand der endzeitlichen Gemeine Laodizea zu fallen, um sich damit einen Riesenverlust einzufahren (1 Kor 3,15). Der Zustand von Laodizea wurde von Selbstzufriedenheit (ich bin in Ordnung, du bist in Ordnung, Offb 3,17a) dominiert, wie es sich heutzutage in der christlichen Landschaft präsentiert. Vorzeitig zu sagen: „Ich habe es geschafft; mir liegt der Siegeskranz bereit!“, ist völlig antibiblisch. Wenn selbst der unermüdliche Arbeiter Christi, der Apostel Paulus, bis fast zum Schluss nicht wusste, ob er es zur besonderen Auferstehung geschafft hat und ob ihm der Siegeskranz bereitliegt (Phil 3,13.14), können wir uns noch viel weniger zurücklehnen! Da die Lehre, die Erbschaft stehe uns in jedem Fall zu, falsch ist, sollten wir uns betreffend die Erbschaft an der Heiligen Schrift orientieren und schriftgemäss in die Arbeit des Reiches eintreten! Fragen Sie den Vater, wo ihr Platz im Arbeitsfeld ist. In einem grossen Haus gibt es für jeden etwas zu tun!

Gott ist ein gerechter Gott. Der Fleissige wird belohnt, dem Faulen wird selbst das ihm zugemessene wieder genommen werden (Lk 19,24 u. a.). Was ich hier schreibe, hat nichts mit dem Verlust der Errettung zu tun, die auf der Grundlage des Werkes Christi steht. Was ich hier schreibe hat mit der Erbschaft zu tun. Amen.

Kapitel 7

Vers 1

Und danach zog Jesus in Galiläa umher; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil die Juden ihn zu töten suchten. Joh 7,1

Nach dieser herrlichen Rede zog Christus in Galiläa umher. – Er hatte es nicht nötig, sich unnötig im Gebiet von Juda unter Mördersöhnen aufzuhalten. So mied Er dieses Gebiet vorderhand. Die Vorfahren der Juden hatten schon die Propheten Gottes auf dem Gewissen und deren Söhne trachteten nun Ihm nach dem Leben (Mt 23,31).

Nun ist es so, dass wir es Ihm in allem gleichtun sollen. Wir sollen uns beispielsweise keinesfalls unnötig mit Widerspenstigen beschäftigen, um dabei die übrigen der guten Herde des HERRN zu vernachlässigen. Widerspenstige sind nach höchstens zweimaliger(!) Ermahnung abzuweisen, wie geschrieben steht.

Einen sektiererischen Menschen weise nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung ab, Tit 3,10

Dies steht voll im Gegensatz zum heute praktizierten Humanismus in den Gemeinden Gottes. Fehlbare werden „gekuschelt“ und man verschwendet viel zu viel Kraft für Menschen, die längst entschieden haben, die gesunde Lehre nicht hören zu wollen. Deren Anwesenheit bindet viele Ressourcen, welche dann für die echten Bedürfnisse der Heiligen nicht mehr vorhanden sind. Christus beschäftigte sich nicht unnötig mit entschiedenen Widersachern. Vielmehr mied er sogar ihr Gebiet.

Die Botschaft ist: Wie Christus sich nicht in der Nähe von Menschen, welche die gesunde Lehre nicht hören wollten, aufgehalten hatte, sollen wir uns auch nicht in der Nähe solcher aufhalten. Sie schaden uns und der Gemeinde nur.

Vers 2

Es war aber nahe das Fest der Juden, die Laubhütten. Joh 7,2

Es war die Zeit um das Laubhüttenfest. Das Fest der Laubhütten war Israel von Gott durch Mose gegeben worden.

Rede zu den Söhnen Israel: Am fünfzehnten Tag dieses siebten Monats ist das Fest der Laubhütten sieben Tage für den HERRN. 3.Mose 23,34

Alle Einheimischen hatten während dieses Festes in Laubhütten zu wohnen (3. Mo 23,42). Es war ein Erinnerungsfest für die nachkommenden Generationen, zu zeigen, dass Gott Israel beim Auszug aus Ägypten hat in Laubhütten wohnen lassen, dass Israel lange Zeit in Hütten wohnte, bevor es im verheissenen Land sesshaft werden durfte*. Zeitlich war es also um den siebenten Monat des Jahres. Leider wurde dieses angeordnete Fest zwischen den Tagen Josuas und der Zeit Nehemias nicht gefeiert, nicht einmal unter David und Salomo wurde es gefeiert (Neh 8,17).

*Lassen Sie mich an dieser Stelle etwas anmerken: Von den Menschen wird vieles als selbstverständlich angesehen, wie zum Beispiel das Wohnen in festen Häusern in sicherer Umgebung. Menschen, die in Komfort und Sicherheit aufgewachsen sind, stehen in Gefahr, die Dankbarkeit für ihren Wohlstand zu verlieren. Sie denken: Er war immer da und wir haben ein Anrecht darauf. - Wohlfahrt animiert den gefallenen Menschen, sich nach noch mehr angeblichen Freiheiten und falschen Idealen auszustrecken. Der Mensch driftet dann ab in Humanismus (der Mensch steht im Mittelpunkt), Sexismus (jeder darf mit jeder oder gar jedem und umgekehrt) und in Götzenverehrung (geschaffene Dinge wie Geld und Gesundheit sind wichtiger als der unerschaffene Gott, Rö 1,23).

Vers 3

Es sprachen nun seine Brüder zu ihm: Zieh von hier fort und geh nach Judäa, dass auch deine Jünger deine Werke sehen, die du tust! Joh 7,3

Die leiblichen Brüder des HERRN, also die weiteren Kinder von Josef und Maria, wollten Jesus mit einem weltlichen, weisen Rat erklären, wie Er seinen Bekanntheitsgrad steigern könnte. Er sollte sich nicht unter dem Mischvolk in Galiläa aufhalten, sondern Er sollte in das jüdisch dominierte Gebiet ziehen, damit seine (herrlichen) Werke unter den Juden offenbar würden. Ihr Rat war, einfach ausgedrückt: Willst du unter deinem Volk bekannt werden, so ziehe unter dein Volk und wirke dort! Die Werbung für Gott muss die angestrebte Zielgruppe erreichen! – Seine Brüder wussten nicht, was für ein geistlicher Kampf tobte; sie dachten weltlich, da sie zum Zeitpunkt nicht glaubten. Sie konnten nicht wissen, dass die Juden, dem Satan folgend, Christus umbringen wollten, obgleich Er nur Gutes tat.

Christus trat nicht auf ihre Ratschläge ein; der Ratschlag eines weltlichen Menschen an ein geistgeführtes Kind Gottes trifft den Kernpunkt meistens nicht. Das geistgeführte Kind Gottes kommt durch die weise Führung des Geistes in Umstände, die der weltliche Beobachter nur mit weltlicher Weisheit beurteilen kann. Der Weltliche kann nicht sehen, was für geistliche Kämpfe im Hintergrund geführt werden. Der Weltliche ist sogar selber verführt, wie soll ein solcher raten können?

Damit will ich nicht sagen, dass Christen jeden Ratschlag von weltlichen Menschen abtun sollen. Gläubige Kinder sollen beispielsweise im Allgemeinen auf die Ratschläge ihrer ungläubigen Eltern hören. Der HERR, welcher will, dass wir unsere Eltern ehren, gestattet nur in Ausnahmefällen und ausgeprägter Gottlosigkeit der Eltern ein Ignorieren ihrer Weisung (z. B. der Vater animiert den volljährig gewordenen Sohn zum Besuch eines Bordells, um „Mann“ zu werden. – Solche Beispiele gibt es tatsächlich, sie sind nicht von mir erdacht oder an den Haaren herbeigezogen).

Vers 4

Denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht dabei selbst öffentlich bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt! Joh 7,4

Ratschläge der Ungläubigen kommen plausibel und nicht selten im Befehlston daher, wie in diesem Vers 4. Solche Belehrungen brachten schon manchen Christen ins Straucheln oder ihren Dienst ins Stocken.

Wir müssen es uns eingestehen: Die Ungläubigen sind nicht dumm, wir sehen an ihren Werken, was sie alles zustande bringen: Grosse Bauwerke, schöne Autos, zweckmässige und ausgeklügelte Eisenbahninfrastruktur und die hochstehende Medizin zeugen von ihrer Kunstfertigkeit und ihrem logischen Denken, um nur wenige Dinge zu nennen. Und der Mensch nimmt gerne Ratschläge von erfolgreichen Menschen an. Der erfolgreiche Mensch scheint ja zu wissen, wie man gut lebt.

Wir Christen müssen uns in puncto Klugheit nichts vormachen, der HERR liess selber durch den Geist verlauten, dass Gott das Niedere aus der Welt ausgesucht hat:

26 Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind;
27 sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache.
28 Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache,
29 dass sich vor Gott kein Fleisch rühme. 1.Kor 1,26-29

Christen sollen nicht hoch von sich denken; dem Fleisch nach müssen die meisten im Vergleich zu den Weisen aus den Nationen weit zurückstehen. Ich habe in meiner Lebenszeit wirklich sehr edle Menschen aus den Nationen kennen lernen dürfen, die ethisch sehr hohe Standards verfolgen und grosse Dinge zu tun vermögen. In den Gemeinden findet man derartige Menschen eher selten, es sei denn, die Gemeindeglieder lassen sich durch den Geist Gottes umwandeln und lassen sich durch Ihn leiten. Dann ist es möglich, die Besten aus den Nationen zu überflügeln, wenigstens in moralischer Hinsicht. Das kann aber nur aus der neuen, starken Natur des Christus geschehen. Dem Fleische nach brillieren die wenigsten von uns im Vergleich mit den Ungläubigen, wie erwähnt; die Bibel irrt sich nie, auch nicht im Blick auf 1. Kor 1, 26-29.

Wenn uns nun ein angesehener Mensch aus den Nationen etwas rät oder gar im Befehlston etwas dringend empfiehlt, sollten wir vorsichtig sein. Unser reicher (und erfolgreiche) Onkel, der Nachbar mit dem exklusiven Haus, unser Arzt oder unser Psychiater können uns weltlich sehr plausible Dinge ans Herz legen, für die wir je nach Situation sehr empfänglich sein können. Der Ratschlag eines Weltmenschen oder eines weltlichen Fachmanns kann gut sein und kann uns helfen, beispielsweise wenn uns ein erfahrener Automobilfachmann beim Autokauf berät, wenn wir von Autos keine Ahnung haben. Der Automobilfachmann wird Ihnen einen 4x4 empfehlen, wenn Sie an einem abgelegenen Ort wohnen, wohin nur eine unbefestigte Strasse führt. Die Annahme eines solchen Ratschlages ist in dieser Situation sehr sinnvoll; es ist ein guter Ratschlag. Wenn Ihnen aber ein Psychiater mit anderen Worten rät, Sie sollen Ihren Dienst im HERRN reduzieren oder gar niederlegen, da dieser Sie in einer allfällig aktuellen Überforderung unglücklich mache, müssen Sie aufpassen, da Leiden zum Umwandlungsprogramm des Christen gehören. Eine Flucht daraus kann ein Niederlegen des Auftrages Christi bedeuten, was ich auf keinen Fall wegen der anderslautenden Aussagen der Schrift empfehlen kann. Der HERR, der uns führt, soll sagen, wann wir uns auszuruhen haben und wann nicht. Der HERR ist kein Sklaventreiber, er liess seine Jünger auch von Zeit zu Zeit ruhen (Mk 6,31). Wir Christen befinden uns auf einem schmalen Pfad, auf dem wir uns nach der Leitung des Geistes ausstrecken sollen. Ein stets geistgeleiteter Christ tut den ganzen Willen Gottes, nicht ein eifriger, methodisch veranlagter oder ein rein gewissenhafter Christ tut unbedingt den Willen Gottes.

Nebenbei ist zu erwähnen: Wenn ein Christ mit dem Leben nicht mehr klar kommt, soll er sich vertrauensvoll an seinen himmlischen Vater wenden. Wenn ihm das noch zu abstrakt ist und er noch Mühe hat mit dem Vertrauen, soll er sich an die Gemeinde wenden, die er sehen kann. Irgendjemand aus der Gemeinde wird von Gott eine Weisung für den Suchenden erhalten, weil dieser sich im Vertrauen zu Gott gewendet hat. Gott belohnt ein Vertrauen in seine allmächtige Person. David vertraute in seiner Bedrängnis Gott, - wen hatte David noch ausser dem HERRN auf der Flucht vor Saul, der mit dem Landesheer nach ihm fahndete? Er schrie zu Gott und wurde vor der Gefahr durch Saul errettet, bis keine Gefahr mehr von Saul ausging.

2 Mit meiner Stimme schreie ich um Hilfe zum HERRN, mit meiner Stimme flehe ich zum HERRN.
3 Ich schütte mein Anliegen vor ihm aus, meine Not erzähle ich vor ihm.
4 Als mein Geist in mir ermattete, da kanntest du meinen Pfad. Auf dem Weg, den ich wandle, haben sie mir heimlich eine Schlinge gelegt.
5 Schau zur Rechten und sieh: ich habe ja niemanden, der etwas von mir wissen will. Verlorengegangen ist mir jede Zuflucht, niemand fragt nach meiner Seele.
6 Zu dir habe ich um Hilfe geschrieen, HERR! Ich habe gesagt: Du bist meine Zuflucht, mein Teil im Land der Lebendigen.
7 Horche auf mein Schreien, denn ich bin sehr schwach. Errette mich vor meinen Verfolgern, denn sie sind mir zu mächtig!
8 Führe aus dem Gefängnis heraus meine Seele, damit ich deinen Namen preise! Die Gerechten werden mich umringen, wenn du mir wohlgetan hast. Ps 142,2-8

Kommen wir zurück zum Vers: Christus war souverän, auch gegenüber den Ratschlägen der Ungläubigen, wie wir sehen werden. Der Geist, der uns leiten sollte, ist auch souverän. Wenn wir uns führen lassen, werden wir nur die wirklich hilfreichen Ratschläge annehmen. Was uns hinderlich wäre, werden wir dann ablehnen, wie Christus den Ratschlag seiner ungläubigen Brüder abgelehnt hatte, wie wir nachfolgend sehen.

Vers 5

Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn. Joh 7,5

Die leiblichen Brüder von Christus hiessen Jakobus, Joses, Judas und Simon. Ausserdem hatte Er auch leibliche Schwestern (Mk 6,3). Was mit ihnen allen in geistlicher Sicht am Ende geworden ist, kann ich nicht sagen. An dieser Stelle muss Christus ihnen noch als Ungläubigen begegnen. Sie glaubten nicht an Ihn, wie sie es hätten tun sollen. Sie sahen zwar seine Zeichen, die sie ja im Vers 4 anerkannten, doch sie sahen Christus nicht als den von Gott eingesetzten Retter der Welt. Deshalb antwortet Christus ihnen im folgenden Vers ihrem Stand gemäss.

Vers 6

Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. Joh 7,6

Die Zeit der Ungläubigen ist jetzt. Jetzt können sie noch tun und lassen, was sie wollen, denn die Zeit der Welt, des Unglaubens und des Bösen ist jetzt. Die Zeit der Ungläubigen war zur Zeit Noahs auch da, solange Noah die Arche baute. Die Ungläubigen heirateten und liessen sich verheiraten, sie genossen mit anderen Worten ein unbeschwertes Leben, währendem der gläubige Noah schuftete und eine riesige, ca. 130 m lange Arche baute, welche ihn und seine Familie am Ende rettete, wogegen alle anderen Menschen im Gericht Gottes ertranken.

Die Zeit der Gottlosen ist jetzt, jetzt regiert der Fürst dieser Welt über die Erde, dessen Gesetz lautet: „Tue was du willst; alles ist erlaubt!“ Damit reisst er alle Schutzzäune Gottes nieder und lässt die Menschen ungehindert in ihrer Unmoral und Sünde in den Abgrund stürzen. Sie werden im kommenden Gericht umkommen, wie die Zeitgenossen Noahs umgekommen waren. Wir Christen wissen: Unsere Zeit ist noch nicht da. Wir geniessen jetzt nicht die Welt, wir bauen uns vielmehr im Wandel mit Christus und im Gehorsam gegenüber seinen Worten unsere Arche, die uns im kommenden Gericht bewahren wird. Unsere Zeit kommt danach, wenn wir mit Christus verherrlicht sein werden! Amen.

Sind Sie Christ? – Dann meiden Sie die Welt und ihren bösen Charakter. Die Welt liegt im Bösen (Gal 1,4). Wer die Welt liebt, verachtet Gott (1. Joh 2,15; siehe auch Mt 6,24).

Vers 7

Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber hasst sie, weil ich von ihr zeuge, dass ihre Werke böse sind. Joh 7,7

Die Brüder Jesu empfahlen Ihm, sich in Judäa zu zeigen. Doch Christus ging ja eben nicht nach Judäa, weil ihn die Juden umbringen wollten (Joh 7,1). Im Vers 7 erklärt Christus diesen Umstand: Die leiblichen Brüder von Christus wurden von der Welt nicht verfolgt, da sie Kinder dieser Welt waren. Sie waren ihr gleichförmig. Christus zeugte aber gegen die Welt. Er handelte ganz und gar nicht nach ihrem Charakter. Er ist rein und heilig, wogegen die Welt unrein und verdorben ist. Durch seinen andersartigen Wandel und den Ruf zur Busse verurteilte Christus diese Welt als böse und gottlos und konstatierte, dass die Menschen es ebenfalls waren (und heute noch sind, z. B. Mk 7,20-23).

Vers 8

Geht ihr hinauf zu diesem Fest! Ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest; denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt. Joh 7,8

Im Blick auf das bevorstehende Laubhüttenfest, sagte Jesus zu seinen Brüdern: „Geht ihr hinauf zu diesem Fest!“ – Es war schliesslich ihre Zeit, die Zeit der Ungläubigen, die sich damit brüsten oder sich damit beruhigen, ein Fest Gottes zu feiern, das ja nicht einmal ihre grossen Vorväter schriftgemäss gefeiert hatten. Damit dachten viele Juden, etwas Gutes und Göttliches zu tun, obschon sie gleichzeitig den von Gott Gesandten ablehnten.

Auf diese Weise betrügen sich die ungläubigen Namenschristen, welche im Ausüben von Ritualen von sich denken, gläubig zu sein und Gott zu gefallen. Beim näheren Hinschauen sind sie jedoch nur so, wie es die Brüder Christi im ungläubigen Zustand waren. Namenschristen sind nichts anderes als Heiden. Sie glauben nicht, wie die Heiden. Sie sind der Welt gleichförmig, wie die Heiden. Sie vollbringen irgendwelche wertlose Rituale, von denen sie sich einen Nutzen vor Gott erhoffen, wie die Heiden. Namenschristen glauben Gott und seinem Wort nicht, wie die Heiden, sonst würden sie Christus, der einzige von Gott beglaubigte Erlöser, für sich nicht ablehnen, wie Ihn die Heiden für sich ablehnen und wie Ihn die leiblichen Brüder für sich ablehnten.

Christus fügte dem noch hinzu, dass seine Zeit noch nicht erfüllt wäre. Es war noch die Zeit der Welt, es war noch die Zeit des Unglaubens.

Vers 9

Nachdem er dies gesagt hatte, blieb er selbst in Galiläa. Joh 7,9

Christus liess der Welt vorerst ihren Lauf. Es musste offengelegt werden, dass sein Volk und die Welt Christus nicht erkannt hatten. Lieber folgten die Menschen Traditionen und Gebräuchen anstatt Gott, der in ihnen hätte erkannt werden sollen.

Das Gesetz und die Propheten deuteten bis auf Johannes (Mt 11,13), welcher auf den fleischgewordenen Gott, die Erfüllung von allem hinwies. Damit war die Aufgabe des Gesetzes erfüllt. Doch leider erkannten die Menschen die Zeitalterwende nicht. Im Beurteilen des Kleinen waren sie gut, für das Grosse waren sie hingegen blind (Mt 16,3).

Vers 10

Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren, da ging auch er hinauf zum Fest, nicht öffentlich, sondern wie im Verborgenen. Joh 7,10

Wie hätte Christi Mitleid den Irrlauf seines Volkes im Dunkeln mitansehen können? – So veranlasste sein Herz, dass Er im Vorborgenen doch noch zum Fest ging. Da sein Volk Ihn nicht öffentlich anerkannt hatte, konnte Er nicht öffentlich zum Fest gehen. Seine Liebe zu seinem Volk zog Ihn zu seiner auserwählten Schöpfung; vielleicht konnte Er dort noch ein paar Herzen für sich gewinnen und sie damit auch vor dem Bösen bewahren!

Vers 11

Die Juden nun suchten ihn auf dem Fest und sprachen: Wo ist jener? Joh 7,11

Von Christi Taten wurde natürlich gesprochen, sie konnten nicht unerwähnt bleiben; keiner konnte die Zeichen tun, die Christus tat. Er weckte Tote auf, Lahme gingen, Blinde wurden sehend und Taube hörend.

Gleichwohl viel von Ihm gesprochen wurde, lehnte Ihn das Volk grundsätzlich ab. Es lehnte Ihn nicht ab als Wohltäter, es lehnte Ihn als Gott und als König ab, wie es uns im vorausgehenden Kapitel vorgeführt wurde. Als König hat Christus einen Anspruch und Rechte am Volk. Diese Dinge wollten Sie nicht oder nicht in der geforderten Form – Recht und Gesetz gehen vom König aus – akzeptieren. Am Ende vom Kapitel 6 sehen wir, dass auf seine Ausführungen hin Ihn sogar seine Nachfolger verliessen. Obschon Christus prominent war, war Er doch vom Volk abgelehnt.

Vers 12

Und viel Gemurmel war über ihn unter den Volksmengen; die einen sagten: Er ist gut; andere sagten: Nein, sondern er verführt die Volksmenge. Joh 7,12

Wie die Juden damals verführt waren, sind es die Christen heute. Der Mangel an Erkenntnis ist heute so gravierend wie damals. Das Volk Gottes kommt um an Mangel an Erkenntnis, wie geschrieben steht:

Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Hos 4,6a

Viele Christen hören auf Menschen, die im eigenen Auftrag und ihren Wünschen gemäss reden; sie hören nicht mehr auf Personen, die das reine Wort im Auftrage Gottes predigen. Viele aus dem Volk kennen den Christus der Bibel damit nicht wirklich und leben mit einem völlig verzerrten Bild vom Heiland. Demzufolge sagen auch heute falsch unterrichtete Menschen und solche, die sich selber gefallen, von aufrichtigen Wortverkündigern: „Sie verführen die Volksmenge!“ – Wie tief ist das Christenvolk doch gesunken! Zum Ehebrecher sagen sie: „Iss mit uns am Tisch!“, und zum abgesonderten, heiligen Diener Gottes sprechen sie: „Er soll schweigen, er verführt und ängstigt die Menschen!“ So, wie sie übel von Christus gesprochen hatten, sprechen die Menschen heute übel von seinen wahrhaftigen Dienern.

Immerhin sprachen damals einige Juden: „Er ist gut!“ Jene, die gut von Ihm sprachen, anerkannten wenigstens seine Wohltaten, die Er dem undankbaren Volk schenkte. Die Frage, ob die Befürworter seine wahre Identität und seinen Charakter kannten, bleibt jedoch offen.

Vers 13

Niemand jedoch sprach öffentlich von ihm aus Furcht vor den Juden. Joh 7,13

Dieser Vers zeigt die damals vorherrschende, krasse Ablehnung der Juden gegenüber Christus auf. Die leiblichen Brüder Christi waren wirklich sehr unsensibel im Blick auf diesen hohen Grad der Ablehnung in Judäa; sie mussten damals schon von humanistischen Elementen beeinflusst gewesen sein, und nach dem Motto „Leben und leben lassen“ gedacht haben (Joh 7,3). Dass die Menschen, so gut sie auch sein wollen, von der geistlichen Welt bis zur blinden Vernichtungswut gegen Diener Gottes aufgereizt werden können, entzog sich offensichtlich ihrer Kenntnis. – Wie viele wahre und wohltätige Christen werden grundlos verfolgt, wogegen offensichtlich böse Zeitgenossen im betroffenen Gebiet unbehelligt bleiben. Die Welt liebt das ihre, das Böse. Sie kann und will das Göttliche nicht ertragen!

Doch sogar unter dem Volke Gottes haben von der Welt abgesonderte Diener einen schweren Stand. Ein wahrer Diener Gottes spürt diese Ablehnung unter dem Volke Gottes nur zu gut. Das reine Wort Gottes, das dieser Diener predigt, stösst bei Christen, die schöne Systeme pflegen, auf teilweise sehr heftigen Widerstand. Das Wort Gottes ist gegen Vernünfteleien und Menschengebote. Das Neue Testament ist gegen die Demokratie (= Volksrecht) und gegen die Hierarchie (= Rangordnung) in den Gemeinden. Menschen, die das reine Wort predigen, versucht man in Systemen, die Menschen die Möglichkeit geben, sich zu profilieren, schnell ins Abseits zu drängen.

Wer nur Christus als den HERRN und die Notwendigkeit des Ablegens der eigenen Wichtigkeit predigt, spricht die Worte Gottes aus. Doch damit zerstört er das heutige Denken über eine Kirche, die keine ist* und bedroht damit die vor Gott illegalen Machtbereiche der religiösen Elite, nämlich die der Priester, Pastoren, Prediger, Gemeindeleiter sowie die der sogenannten Kirchenpflege, welche in einigen Systemen diese Posten vergibt.

Brüder, welche das reine Wort predigen, werden von aufrichtigen Nachfolgern zwar geschätzt, aber viele dieser guten Nachfolger haben leider Mühe, sich auch öffentlich zu ihnen zu stellen. Wer sich öffentlich zu ihnen stellt, fällt auch in die Ungnade der religiösen Elite, welche etwas von sich hält und welche ihren Machtbereich nicht völlig dem Christus übergeben will. Damit gerät der wahre Nachfolger in die Isolation, die viele für Christus nicht in Kauf nehmen wollen. Wenn diese Isolation um Christi Willen aber ansteht, dann lassen Sie uns das „Lager“ verlassen (Heb 13,13), wie es die Schrift sagt.

*Weder das Kirchengebäude, die Denomination noch irgendein System macht die Kirche aus, den wahren Leib Jesu Christi. Die christusgläubigen Menschen allein sind der Leib Christi.

Vers 14

Als es aber schon um die Mitte des Festes war, ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. Joh 7,14

Um die Mitte des Festes ging Christus doch noch hinauf in den Tempel, um die Menschen den Willen Gottes zu lehren. Christus kam also aus dem für Ihn sichereren Gebiet Galiläa nach Jerusalem in Juda, sozusagen in die „Höhle des Löwen“, in den Haupteinflussbereich der Juden, die Ihm nach dem Leben trachteten. Dieses Vorgehen Christi steht den natürlichen menschlichen Gepflogenheiten entgegen. Jeder Mensch vermeidet Lebensgefahr, soweit es in seiner Macht steht. Christus nahm sie um der verlorenen Menschen willen voll in Kauf, um noch möglichst vielen den Weg des Lebens darzulegen, indem Er das Wort Gottes lehrte, denn das Wort Gottes bringt den hörenden Menschen zum Punkt, an dem er vor Gott stehen sollte.

16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet. 2.Tim 3,16-17

Durch die Belehrung der Schrift sollte der Mensch den Weg zum Leben finden und der Hölle entkommen. – Um diese lebensrettenden Worte zu übermitteln, achtete Christus sein Leben nicht; um des Wohles der Menschen willen, riskierte Er es. Er sei dafür gepriesen! Hätte Er diesen Weg nicht beschritten und wäre Er einfach in der herrlichen und sicheren Zone beim Vater geblieben, so hätte uns der Teufel „gefressen“. Wir hätten unsere Ewigkeit dort verbracht, wo er sie selbst verbringen wird: Im Feuer- und Schwefelsee, in dem man Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit gepeinigt wird (Offb 20,10).

Nun ist es aber so, dass Christi Verlust unser Reichtum geworden ist! Durch seinen erlittenen Schaden, durch seine Entbehrungen, fern vom guten Platz beim Vater, ist uns Heil wiederfahren! Er sei dafür gepriesen! Amen.

Vers 15

Da wunderten sich die Juden und sagten: Wie besitzt dieser Gelehrsamkeit, da er doch nicht gelernt hat? Joh 7,15

Wer sich für Gott und sein Wort nicht öffnet, bleibt blind, wie es die Wissenschaftler sind, die an Märchen wie den Urknall glauben. Die Weisheit der Welt über den Weg des Menschen ist die reinste Verführung, welche sich immer wieder korrigiert und doch grundsätzlich falsch ist. Ungelehrte hingegen, die sich mit Gottes Aussprüchen befassen, sind schon weiter in die Wahrheit eingeführt als weltliche Gelehrte, selbst wenn erstere noch nicht viel von Gottes Gedanken erfasst haben. Nur schon Gott als solches zu anerkennen, ist Weisheit; das ist grössere Weisheit als das ökonomische Verständnis der Welt, welches die massgebenden hintergründigen Einflussfaktoren, wie Gott und den Teufel ausklammert. Wenn Gott Stolze erniedrigt, beispielsweise ein schillerndes Unternehmen, wundern sich die Ökonomen über das negative Ergebnis, weil im betroffenen Unternehmen alles nach Schulbuch richtig gemacht wurde. Wenn der Teufel seinen Leuten Gelingen gibt, wundern sich die Ökonomen wieder, weil beispielsweise jemand Erfolg haben kann, obschon er sich viele betriebswirtschaftliche Patzer erlaubt oder gar trotz krimineller Machenschaften unbehelligt wächst.

Kommen wir zurück zum Vers: Christus ist einerseits Gott selber. In seiner Eigenschaft als vollwertiger Mensch wandte Er sich als unser Vorbild stets an den Vater, bei dem alle Weisheit ist. Wer mit Weisen umgeht, wird bekanntlich weise (Spr 13,20). Wer mit sehr Weisen umgeht, kann noch weiser werden. Die Königin von Saba geriet ausser sich über die grosse Weisheit Salomos (1.Kö 10,5). Wer mit Gott umgeht, erhält auch Göttliches (und von dieser beispiellosen Weisheit). Wenn wundert es in diesem Kontext, dass Christus selbst in der Eigenschaft als Mensch, der im Vergleich nur eine Ausbildung zum Zimmermann genossen hatte (Mk 6,3), eine derartige Gelehrsamkeit besass, die jene der jüdischen Akademiker weit übertraf?

Wollen Sie weise werden? – Weisheit fängt mit Gottesfurcht an (Spr 1,7; 9,10). Lesen Sie die Bibel, das Wort Gottes und bleiben Sie im Dialog mit Gott! Sie werden lernen, den Weg des Menschen zu verstehen und werden am Ende begreifen, was die Akademiker dieser Welt nicht zu fassen vermögen!

Vers 16

Da antwortete ihnen Jesus und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat. Joh 7,16

Christus verkündigte ausschliesslich das, was Er vom Vater vernommen gehabt hatte. Obschon Er das Wort selber ist – Er ist das, was Er sagte (Joh 1,1) -, stellt Er mit dieser Stelle als unser Vorbild und Sohn des Vaters klar, dass wir Christen wie Söhne zum Vater gehen sollen, um Weisung zu erhalten. Wir sollen nicht aus eigenem Gutdünken heraus handeln, sonst handeln wir humanistisch, gutmenschlich, wie die Nationen es tun.

Lassen Sie sich nicht verführen und glauben Sie nicht sofort, Sie hätten christlich und im Auftrag des Vaters gehandelt, wenn sie etwas getan haben, das in ihren Augen gut war. Viele Christen lassen sich dadurch verführen. Die Nationen (die Ungläubigen) tun auch viel Gutes. Ich weiss von einem Arzt, der sein ganzes Leben massiv eingeschränkt hatte, um den Rest seines Einkommens den Armen zu spenden. Ich selbst arbeite mit einer Person zusammen, die sich Armen und Kranken nicht entzieht und vielen eine grosse Stütze ist. Einen grossen Teil ihrer Freizeit stellt sie anderen zur Verfügung. Diese Person ist ganz klar ungläubig und bekennt ihren Unglauben auch auf Anfrage und erklärt deutlich, dass sie mit dem Christentum rein gar nichts am Hut habe. Sie hilft aber Benachteiligten mehr als es wohl einige Christen tun, welche jede ihrer „Wohltaten“ als ausserordentliche Leistung bewerten.

Wir sollen uns nicht verführen lassen und denken, mit eigenen „guten“ Werken würden wir den Wohlgefallen beim Vater erlangen. Es ist gut und heilsam zu wissen, dass einige unserer ungläubigen Zeitgenossen freiwillig und aus eigenem Antrieb mehr Fürsorge für andere aufbringen, als wir es aus unserem eigenen Antrieb zu tun vermögen. Das lässt uns demütig bleiben und lässt die Notwendigkeit gross werden, dass wir uns auf die Werke des Vaters konzentrieren und jene Werke tun und wir uns nicht mit eigenen, gutgemeinten Werken blenden und im Glauben lassen sollen, wir würden richtig handeln. Meistens stehen unsere (humanistischen) eigenen Werke sogar weit hinter denen der Ungläubigen.

Wir sollen wie Christus handeln, der stets Weisung beim Vater erbeten und damit die Werke des Vaters gewirkt hatte und, wie erwähnt, nicht nach eigenem Gutdünken vorangehen, wie von unserem Vorbild geschrieben steht:

Ich aber habe das Zeugnis, das grösser ist als das des Johannes; denn die Werke, die der Vater mir gegeben hat, dass ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat. Joh 5,36

Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Joh 9,4

Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe ich euch von meinem Vater gezeigt. Für welches Werk unter ihnen steinigt ihr mich? Joh 10,32

Lassen Sie uns die Werke des Vaters wirken! Lassen Sie uns unserem Vorläufer in allem nachfolgen! Amen.

Vers 17

Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede. Joh 7,17

Wenn jemand den Willen Gottes tun will, erkennt ein solcher, ob die Lehre, die er hört, aus Gott ist oder nicht. Damit ist gesagt: Aufrichtige Christen erkennen an der weitergegebenen Lehre, ob sie von Gott ist oder nicht. Sie erkennen, ob der Verkündiger der Schrift Gottes Worte weitergibt oder nicht. Aufrichtige Christen erkennen, ob der Prediger die Menschen zu Gott führen oder ob er sie nur um sich scharen will.

Wer hingegen mit echter Lehre konfrontiert wird und dabei von einer Wolke von Zweifeln umhüllt bleibt, ist für Gottes Dinge nur oberflächlich interessiert.

Wie entlasten doch dieser Vers ist! Als ich diesen Vers nicht kannte, liess ich mich im Eifer für Gottes Sache aufreiben. Ständige Zweifler wollte ich mit immer tiefer gehenden Erklärungen davon überzeugen, endlich den Weg Gottes zu beschreiten. – Sie können erahnen, wie viel Energie ich damit sinnlos verpuffte und dadurch der Verzweiflung nahe kam. Denn der Vers sagt mit anderen Worten aus, dass jemand, der den Willen nicht tun will, nicht erkennt, ob die Worte von Gott sind oder nicht. Das heisst, dass einem ewigen Zweifler seine Skepsis nicht wegzubringen ist, selbst wenn dieser Person Jesus Christus persönlich die Bibel erklären würde.

Wie klar werden dann die folgenden Worte der Bibel:

Einen sektiererischen Menschen weise nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung ab, Tit 3,10

Wir sollten nie klüger sein wollen als Gott. Gott, der die Bibel inspiriert hat, sagt, dass jemand, der dem biblischen Wort nicht gehorchen will, das ist ein Sektierer, nach zweimaliger Ermahnung abzuweisen sei. Einem solchen ist wegen seiner persönlichen Einstellung verwehrt zu erkennen, ob die Schrift wahr ist. Da können Sie tun und lassen, was sie wollen, es bleibt ihm solange verwehrt, bis er sich vor Gott demütigt, was meiner Erfahrung gemäss leider selten der Fall ist. Wenn Sie eine solche Person besonders lieben, weil sie vielleicht mit ihr verwandt sind, sollten Sie das Schriftwort im Titusbrief (Tit 3.10) trotzdem beherzigen. Es wird Sie vor sehr viel vergeblicher „Liebesmühe“ und Zielverfehlung bewahren. Jemanden, der durch seine Haltung die Erkenntnis der Wahrheit durch Gott verborgen bleibt, können Sie nicht mit besonderer Anstrengung doch noch von der Wahrheit überzeugen. Denn die Heilige Schrift ist nicht zu übersteuern, auch wenn Sie das in besonderen Situationen wünschen würden. Es gibt Situationen, in denen man das vielleicht wünscht, wie beispielsweise wenn die eigenen Kinder abfallen und sich zu Verbrechern gesellen würden. Die Bibel spricht dann von einer unbedingt geforderten Absonderung, welche betroffene Eltern nur zu gerne übersteuern wollen.

Wer die Schrift übersteuert, weil ihm die Anweisung zu hart vorkommt, „blutet“ jedoch am Ende aus. Ein solcher investiert voll in eine von Anfang an verlorene Sache, welche durch die Schrift von Anfang an als verloren deklariert ist. Ich wiederhole mich: Wer das zu übersteuern sucht, selbst wenn es sehr gut gemeint ist und der Wunsch, die verlorene Person zu retten dahinter steht, wird am Ende völlig am Boden liegen und sogar in Gefahr stehen, dem HERRN Vorwürfe zu machen, weil er sich für die Sache Gottes eingesetzt habe und nun kraftlos daliegt. Ein solcher ist verführt und unwirksam, weil er sich echten Hörern verweigert hat, um seine ganze Energie an ewigen Zweiflern zu verschwenden.

Die Bibel sagt, dass wir nach den Regeln und nicht nach eigenem Wunschdenken kämpfen sollen.

Wenn aber auch jemand am Wettkampf teilnimmt, so erhält er nicht den Siegeskranz, er habe denn gesetzmäßig gekämpft. 2.Tim 2,5

Wer sich zwar wie ein Wettkämpfer investiert, sich aber aus menschlichen Gründen nicht voll an die Spielregeln hält, wird disqualifiziert werden. Sein solcher scheidet trotz grösster Anstrengungen aus, selbst wenn seine Leistung einzigartig ist und er – auch wenn er die regelwidrige Abkürzung nicht genommen hätte – vom Zweitplatzierten ganz offensichtlich nicht hätte eingeholt werden können.

Lassen Sie uns deshalb in allem nach Gottes Willen fragen und darin bleiben, auch wenn uns die Gegenseite suggeriert, dass wir uns anders (z. B. humanistisch, schriftwidrig) verhalten oder anders (z. B. in einem anderen Tätigkeitsgebiet) investieren sollten. 

Vers 18

Wer aus sich selbst redet, sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm. Joh 7,18

Nicht einmal Christus, der es wert ist, Ehre zu bekommen, suchte als unser Vorbild seine eigene Ehre. Wenn unser Vorbild so handelte, steht es uns noch viel weniger an, eigene Ehre zu suchen! Wer seine eigene Ehre sucht, ist nicht wahrhaftig, Ungerechtigkeit ist in ihm.

Wer seine eigene Ehre sucht, hat nicht verstanden, was passiert ist. Kein Mensch kann sich rühmen und daher kann kein Mensch regelkonform eigene Ehre suchen. Alle haben gesündigt und kamen damit vor Gott in Ungnade. Nur weil Gott Gnade hat walten lassen, durften Gläubige zur Rechtfertigung kommen. Dies trifft auf jeden Menschen zu. – Wo bleibt nun die Ehre für den Einzelnen? Wer kann sich rühmen?

Nur schon wer den Gedanken hegt, er sei doch aufgrund dieser oder jener Werke etwas, hat nicht begriffen, dass Erlöste zu danken und nicht Stolz zu hegen haben.

Vers 19

Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und keiner von euch tut das Gesetz. Was sucht ihr mich zu töten? Joh 7,19

Christus konfrontierte die Juden mit ihrer eigenen, vermeintlichen Richtschnur, die sie von Moses erhalten hatten. Dann wies Er sie darauf hin, dass sie allesamt diese Leitplanke, auf die sie sich beriefen, ignorierten und fragte gleichzeitig nach dem Grund ihrer Mordabsichten, die, wie ihr allgemeines Tun, voll gegen das Gesetz gerichtet waren.

Die Juden waren der Selbstgerechtigkeit verfallen. Hätten sie in Wahrheit anerkannt, dass sie nicht imstande waren, das Gesetz, die Richtschnur Gottes, zu halten, hätten sie eine demütige und bussfertige Haltung an den Tag gelegt. Nun waren sie aber selbstgerecht und infolge dieser völlig falschen Haltung vor Gott verurteilt. Selbstgerechtigkeit schliesst die Notwendigkeit von Christi Opfer aus. Christi Opfer war aber notwendig; wäre es nicht unbedingt notwendig gewesen, wäre Er nie und nimmer ans Kreuz gegangen, quasi zum Spass, wie wir es aus seinen angstvollen Worten wissen:

37 Und er nahm den Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit und fing an, betrübt und geängstigt zu werden.
38 Dann spricht er zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir!
39 Und er ging ein wenig weiter und fiel auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber! Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Mt 26,37-39

Da der Mensch sehr offensichtlich das Opfer Christi dringend benötigt, ist er in seiner Autonomie verurteilt. Ein autonomer, in der Unabhängigkeit Gottes agierender Mensch frevelt und zieht sich Gottes Gericht zu, selbst wenn der äusserliche Ausdruck das nicht augenscheinlich bestätigt. – Stärken Sie selbständig funktionierenden Menschen nie ihre Phantasie, sie täten das Richtige, sonst bestärken Sie sie in ihrem bösen Tun. Sie würden ihnen damit helfen, den Weg zum Evangelium des Christus versperren. Amen.

Vers 20

Die Volksmenge antwortete: Du hast einen Dämon. Wer sucht dich zu töten? Joh 7,20

Ach, wie betrügen wir uns, wie betrügt sich der Mensch selber! Der Mensch denkt tatsächlich – im vollen Gegensatz zur Heiligen Schrift -, er sei gut! Und der Mensch denkt zudem, vor allem wir im Westen, dass er seinen Nächsten liebt oder ihm zumindest nie etwas zuleide täte. – Wenn dann ein bibeltreuer Prediger aufträte und sagen würde: „Der Mensch ist grundsätzlich durch und durch böse und keine heile Stelle ist im Blick auf die Wahrheit und die Liebe, also im Blick auf Gott, an ihm!“, wäre die Antwort der Zuhörerschaft: „Du spinnst vollkommen!“ – So weit hat uns die böse Lehre der Verherrlichung des Menschen gebracht! Sie suggeriert, der Mensch sei gut oder habe zumindest einen guten Kern. Die Folgerung daraus ist, dass der Mensch keinen Erlöser braucht.

Die Wahrheit ist, dass der Mensch durch und durch böse ist (Mt 15,19) und es in seiner Natur liegt, das Göttliche zu verfolgen (Gal 5,17). Die Juden, die Jesus in seiner Frage an sie, weshalb sie Ihn zu töten suchten, lächerlich machen wollten, waren ja offensichtlich seine Mörder, Gesellen des Teufels. Sie waren nicht nur die Gesellen des Teufels, sie wurden sogar als seine Kinder betitelt, wie geschrieben steht:

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Joh 8,44

Wenn der natürliche Mensch nur wüsste, was tatsächlich in ihm steckt! Wenn er nur wüsste, dass die Sünde in ihm sein Antrieb ist und das Endergebnis unzählige Sünden sind (Rö 7,14.15.18; usw.)! Dann wäre er nicht stolz und eitel, sondern würde seine Natur verabscheuen und Gott um eine neue Natur bitten. Wie böse die Natur des Menschen ist, zeigt folgende Begebenheit: Trotz sehr eingehenden Prüfungen durch die Obersten der Juden und durch die Machthaber der Welt, bringt sie es fertig, einen völlig unschuldigen Menschen eiskalt umzubringen. So haben sie den Sohn Gottes umgebracht.

Kommen wir zurück zum Vers: Auf diese rüpelhafte Weise wurde der HERR durch Menschen verurteilt, welche die Aussage Christi an dieser Stelle in völliger Blindheit vehement und mit einer sehr krassen Beschuldigung zurückwiesen.

Vers 21

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein Werk habe ich getan, und ihr alle verwundert euch deswegen. Joh 7,21

Aus Neid hassten die Juden Christus (Mt 27,18; Mk 15,10). Er war vom Vater durch Zeichen und Wunder beglaubigt, sie nicht. Sie lebten vielmehr in der Niederlage; sogar ihr Land war durch die Römer militärisch besetzt. Sie lebten unter Beschämung und Zucht. Trotz all dieser offensichtlichen Zeichen und Resultate ihres fehlbaren Wandels, dachten sie immer noch viel zu hoch von sich. Sie achteten nicht demütig darauf, was Gott tun würde, sondern sie verurteilten Gottes Werk, welches Er durch seinen Sohn wirkte. Sie verurteilten den Sohn, weil Er am Sabbat Menschen gesund machte und überlegten sich nicht, weshalb sie in der völligen Niederlage lebten. Das Buch der Richter schrie die Wahrheit und ihre Ermahnung geradezu heraus, dass die Niederlage durch eigene, gottlose Wege erfolgt und dass demgegenüber der Segen Gottes von einem heiligen Leben abhängt (Spr 1,20). Wie erwähnt, war Christus durch Gott beglaubigt und gesegnet. Er konnte Segen weitergeben. Sie konnten es nicht. Anstatt der Ursache auf den Grund zu gehen, hassten sie Ihn grundlos auf den Tod.

Liebe Geschwister! Lassen Sie uns nicht dieselben Fehler begehen, in welchen die Juden damals wandelten! Und lassen Sie uns auch nicht nach dem Splitter im Auge des Bruders Ausschau halten (Mt 7,3). Lassen Sie uns von Christus lernen! Er lebte in der Heiligung Gottes und war damit durch den Vater beglaubigt und gesegnet. Damit brachte Er den Segen zum Volk. In unserer Heiligung beglaubigt uns der Vater auch, dass wir wahrhaftig sind. Dann werden wir unseren Brüdern und Schwestern zum Segen, das ist eine Verheissung (Joh 7,38).

Vers 22

Mose gab euch die Beschneidung – nicht dass sie von Mose sei, sondern von den Vätern – und am Sabbat beschneidet ihr einen Menschen. Joh 7,22

Jesus wusste, mehr als die Volksmenge selbst, was als Aufhänger ihres Hasses gegen Ihn angeführt werden wird: Seine Krankenheilungen am Sabbat. Weil die Juden dem reinen Menschen Jesus nichts wirklich vorwerfen konnten, suchten sie nach Vorwänden. Im Umstand, dass Jesus am Sabbat heilte, glaubten sie einen gefunden zu haben. Sie argumentierten, dass – gemäss Gesetz – am Sabbat nicht gearbeitet werden dürfe und Jesus demnach mit seinen Heilungen am Sabbat das Sabbatgebot gebrochen habe.

Der heilige und allwissende HERR, der sich vor den Juden überhaupt nicht zu rechtfertigen brauchte, tat es dennoch, um den glimmenden Docht nicht auszulöschen und das geknickte Rohr nicht zu brechen (Jes 42,3). Er rechtfertigte sich um der Schwachen willen, nämlich um jener willen, die seine absolute Reinheit und seine vollkommene Göttlichkeit noch nicht erkannt hatten. Diese sollten die notwendige Aufklärung bekommen, damit sie nicht auch vom bösen Wahn seiner Verfolger mitgerissen würden.

Vers 23

Wenn ein Mensch die Beschneidung am Sabbat empfängt, damit das Gesetz Moses nicht aufgehoben wird, wieso zürnt ihr mir, dass ich einen ganzen Menschen gesund gemacht habe am Sabbat? Joh 7,23

Die Beschneidung wurde durch Mose lediglich ins Gesetz eingebunden. Sie wurde nicht durch Mose neu eingeführt, sie kam von den Urvätern. Dies war das Zeichen des Bundes, den Gott mit Abraham schloss.

9 Und Gott sprach zu Abraham: Und du, du sollst meinen Bund halten, du und deine Nachkommen nach dir, durch ihre Generationen!
10 Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt, zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir: alles, was männlich ist, soll bei euch beschnitten werden;
11 und zwar sollt ihr am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden! Das wird das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch.
12 Im Alter von acht Tagen soll alles, was männlich ist, bei euch beschnitten werden, durch eure Generationen, der im Haus geborene und der von irgendeinem Fremden für Geld gekaufte Sklave, der nicht von deiner Nachkommenschaft ist;
13 beschnitten werden muss, der in deinem Haus geborene und der für dein Geld gekaufte Sklave! Und mein Bund an eurem Fleisch soll ein ewiger Bund sein.
14 Ein unbeschnittener Männlicher aber, der am Fleisch seiner Vorhaut nicht beschnitten ist, diese Seele soll ausgerottet werden aus ihrem Volk; meinen Bund hat er ungültig gemacht! 1.Mose 17,9-14

Abraham erhielt bereits von Gott die Beschneidung. Mose machte sie lediglich zum festen Bestandteil im Gesetz. Die Beschneidung musste am achten Tag unbedingt vollzogen werden, was der 14. Vers im 1. Mose 17 klar und deutlich macht. Wenn ein Israelit zur Welt kam und sein achter Tag, der Tag seiner Beschneidung, auf einen Sabbat fiel, musste derjenige, der die Beschneidung vornahm, an einem Sabbat arbeiten, obschon die Arbeit am Sabbat auf den Tod strikt verboten war (4. Mo 15,32 ff). Der Dienst am Menschen hatte aber offensichtlich Vorrang, denn mit der Arbeit des Beschneidens und des Opferns am Sabbat wurde der Sabbat nicht gebrochen (Mt 12,5). Die Lehre daraus hatten die Juden nicht sehen können, nämlich dass die Liebe zu Gott, welche den Gottesdienst inkludiert und die Liebe zum Menschen, welche jede Hilfeleistung inkludiert, im Gesetz enthalten sind. Dies wird aus folgendem Text klar:

36 Lehrer, welches ist das grösste Gebot im Gesetz?
37 Er aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.«
38 Dies ist das grösste und erste Gebot.
39 Das zweite aber ist ihm gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«
40 An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Mt 22,36-40

Sie wandten das Gesetz menschenfeindlich an. Sie hätten einen Menschen, der am Sabbat Hilfe benötigt hätte, lieber sterben lassen, um sich im Halten des Gesetzes zu rühmen, wie geschrieben steht:

30 Jesus aber nahm das Wort und sprach: Ein Mensch ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter Räuber, die ihn auch auszogen und ihm Schläge versetzten und weggingen und ihn halbtot liegenliessen.
31 Zufällig aber ging ein Priester jenen Weg hinab; und als er ihn sah, ging er an der entgegengesetzten Seite vorüber.
32 Ebenso aber kam auch ein Levit, der an den Ort gelangte, und er sah ihn und ging an der entgegengesetzten Seite vorüber.
33 Aber ein Samariter, der auf der Reise war, kam zu ihm hin; und als er ihn sah, wurde er innerlich bewegt;
34 und er trat hinzu und verband seine Wunden und goss Öl und Wein darauf; und er setzte ihn auf sein eigenes Tier und führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn.   
35 Und am folgenden Morgen zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt und sprach: Trage Sorge für ihn! Und was du noch dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.
36 Was meinst du, wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter die Räuber gefallen war?
37 Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm übte. Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin und handle du ebenso! Lk 10,30-37

Der Priester und der Levit, Israeliten, die sich am besten mit dem Gesetz auskannten, entzogen dem Bedürftigen die Hilfeleistung, da er in ihren Händen hätte sterben können und sie sich somit gemäss Gesetz an einer Leiche verunreinigt hätten. Der Priester und der Levit wollten dem HERRN fleischlich jederzeit zur Verfügung stehen. Durch eine allfällige Verunreinigung an einer Leiche hätten sie ihren Gottesdienst sieben Tage aussetzen müssen (4. Mo 19,11). Im religiösen Wahn dachten sie im Sinne Gottes zu handeln, indem sie den Hilfsbedürftigen lieber hätten sterben lassen, statt sich der Gefahr auszusetzen, sich zu verunreinigen. Der Buchstabe stand für die Juden über dem Leben. Hätte Christus so gehandelt, hätte Er die Menschheit sterben und in die Hölle fahren lassen. Der Samariter, der das Gesetz am wenigsten gut kannte, tat genau das Richtige (und hielt das Gesetz Gottes besser als die religiöse Elite), indem er im Sinne Gottes menschenfreundlich handelte und wie Christus dem Bedürftigen zugute keine Rücksicht auf sich selber nahm.

Mit diesem Argument wollte Christus den Juden schön aufzeigen, dass die Bedürfnisse des Menschen über dem Buchstaben des Gesetzes stehen, wie es dieser Vers beweist.

Vers 24

Richtet nicht nach dem Schein, sondern richtet das gerechte Gericht. Joh 7,24

Wie vorausgehend erwähnt, hielten die Juden das Gesetz nur dem Schein nach, aber nicht im Sinne Gottes, des Gesetzgebers. Das Irdische war ihnen wichtiger als das Göttliche, deshalb werteten sie den Tempelschatz höher als den Tempel selbst und die Gabe höher, als den Altar. Was in der Welt einen Wert hatte, setzten sie über das, was vor Gott den höheren Wert hatte, wie geschrieben steht:

16 Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden.
17 Narren und Blinde! Was ist denn grösser, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?
18 Und: Wenn jemand bei dem Altar schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, so ist er gebunden.
19 Blinde! Was ist denn grösser, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt? Mt 23,16-19

Da sie so grundlegende Dinge nicht begreifen konnten, konnten sie auch nicht sehen, dass der Dienst am Menschen über demjenigen des Buchstabens stand. Sie konnten also nicht sehen, dass das Gesetz nicht dazu geschaffen war, einen bedürftigen Menschen zurückzustossen und somit Heilungen am Sabbat von Gott nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht waren.

Vers 25

Es sagten nun einige von den Bewohnern Jerusalems: Ist das nicht der, den sie zu töten suchen? Joh 7,25

Mit dieser Aussage der Bewohner von Jerusalem stopfte Gott den Juden ihr böses Maul. Am Ende verhilft Gott der Wahrheit in jedem Fall zum Sieg! Die Juden hatten Jesus in heuchlerischer und böser Art unterstellt, Er habe einen Dämon, weil Er sie fragte, warum sie Ihn zu töten suchten (Joh 7,20). Sie hatten darauf heftig das Gegenteil behauptet, obschon sie Ihn tatsächlich umbringen wollten.

Der Mensch soll wissen: Die Wahrheit wird in jedem Fall ans Licht kommen. Dafür verbürgt sich Gott mit seinem Wort. Der Klügste soll sich dabei nichts vormachen. Selbst wenn die Lüge eines Menschen durch die Zeit und den Tod von Mitwissern entschwunden ist, wird sie Gott hervorsuchen und auf den Tisch und somit zur Sprache bringen, wie geschrieben steht:

Was da ist, war längst, und was sein wird, ist längst gewesen; und Gott sucht das Entschwundene wieder hervor. Pred 3,15

Deshalb prophezeite Christus:

2 Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts verborgen, was nicht erkannt werden wird;
3 deswegen wird alles, was ihr in der Finsternis gesprochen haben werdet, im Licht gehört werden, und was ihr ins Ohr gesprochen haben werdet in den Kammern, wird auf den Dächern ausgerufen werden. Lk 12,2-3

Selbst die perfekte Lüge wird dem Menschen ins Gericht folgen. Alles Unbereinigte wird vor Gericht zur Sprache kommen. Diese Tatsache ist sicherer als der Fortbestand des Weltalls, da sie Bestandteil der Heiligen Schrift ist (Mt 5,18). Gott, der gerechte Richter, verpflichtet sich nur schon aufgrund seiner Gerechtigkeit, alles auf den Tisch zu bringen. Dies macht der Heilige Geist im Timotheusbrief nochmals deutlich:

Von manchen Menschen sind die Sünden vorher offenbar und gehen voraus zum Gericht, manchen aber folgen sie auch nach. 1.Tim 5,24

Es sei dem Sünder, auch demjenigen, der ein Meister des Vertuschens ist, deutlich gesagt, dass ihm all seine Sünden, auch seine perfekten Lügen, ins Gericht nachfolgen werden, selbst wenn ihm weder Fahnder noch Forensiker* je auf die Schliche hätten kommen können. Gott, der von jedem kleinsten Detail Kenntnis hat, wird zur relevanten Stunde auch alle vertuschten Sünden des Menschen auf dem Gerichtspult ausgebreitet haben. Sein Gericht wird absolut gerecht sein, ohne jeglichen Makel.

*Ein Forensiker sichert kriminalistisch bedeutsame Spuren.

Vers 26

Und siehe, er redet öffentlich, und sie sagen ihm nichts. Haben etwa die Obersten wahrhaftig erkannt, dass dieser der Christus ist? Joh 7,26

In diesem und im nächsten Vers denken die Bewohner von Jerusalem laut vor sich hin, sie drücken ihre Gedanken in Worten aus. Sie fragen sich, ob die Obersten in Ihm den wahren Christus sähen, da sie Ihn gewähren liessen. Das war der erste Gedanke in Form einer Frage, der in ihrem Kopf war. Im nächsten Vers offenbaren sie sich aber betreffend ihr Wissen über Christus als Schriftunkundige, wie wir nachfolgend lesen können.

Vers 27

Diesen aber kennen wir, woher er ist; wenn aber der Christus kommt, so weiss niemand, woher er ist. Joh 7,27

Mit dieser Aussage offenbarten sich die Bewohner von Jerusalem als Nichtkenner der Worte und somit der Gedanken Gottes. Christus selbst, sein Geburtsort, sein Aufenthalt in Ägypten, seine Heimatstadt Nazareth wurden im Alten Testament sehr wohl angekündigt. Die Juden hätten wenigstens von den wichtigsten Dingen Kenntnis gehabt, hätten sie sich mit Gottes Gedanken auseinandergesetzt. Ausserdem hatten sie auch genügend Zeit, seine Mutter Maria über die übernatürliche Empfängnis zu befragen, was ein weiterer Punkt der Prophezeiungen über Ihn festgehalten ist.

Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen. Jes 7,14, siehe auch Mt 1,23

Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. Mi 5,1

Als Israel jung war, gewann ich es lieb, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Hos 11,1

und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: »Er wird Nazoräer genannt werden.« Mt 2,23

Als über Jesus gemunkelt wurde, er sei der Christus, hätten die Juden das also sofort überprüfen können. Die Juden hätten seine Mutter über die Empfängnis, den Geburtsort, die Flucht vor Herodes nach Ägypten und seiner Stadt, in der Er aufgewachsen war, fragen können. – Weil die Bewohner von Jerusalem, wie auch viele Juden, die Schriften nicht kannten, behaupteten sie einfach irgendetwas, nämlich, dass man nicht wüsste, woher der Christus käme. So verhält es sich auch heute in den Gemeinden. Weil der Christ im Allgemeinen das Wort Gottes nicht gut kennt, wird unter unsereiner einfach angenommen, behauptet und vermutet. Der deshalb verlorene Segen geht bereits ins uferlose. – Kommen wir zurück zu den Ereignissen zur Zeit Jesu: Christus war zu all den Prophezeiungen auch noch von Gott durch Zeichen und Wunder beglaubigt, was das Interesse an seiner Person hätte aufkommen lassen.

Ich aber habe das Zeugnis, das grösser ist als das des Johannes; denn die Werke, die der Vater mir gegeben hat, dass ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat. Joh 5,36

In Jes 35,4 -6 wird dazu vorausgesagt, dass Gott persönlich kommen würde. Dann würden den Blinden die Augen aufgetan werden und Lahme würden gehen können. Und in der Person von Jesus Christus kam Gott selber auf die Erde, denn das Kind, das geboren werden würde, würde den Namen „Vater der Ewigkeit“ tragen (Jes 9,5). Jesus Christus war und ist ewiger Gott und vollkommener Mensch zugleich!

Für interessierte Juden wäre es anhand aller Tatsachen nicht schwer gewesen, Ihn anhand der Schriften als den verheissenen Messias zu identifizieren. Dass sie es nicht taten, zeugt von Interesselosigkeit am wertvollsten Gegenstand Gottes. – Fragen wir uns einmal, weshalb wir vom Wort Gottes, das Wort Gottes ist Christus selbst (Joh 1,1), so wenig wissen und warum wir in Meinungen, Annahmen und Behauptungen aufgehen, anstatt die korrekte Weisung der Schrift zu kennen.

Vers 28

Jesus nun rief im Tempel, lehrte und sprach: Ihr kennt mich und wisst auch, woher ich bin; und ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, den ihr nicht kennt. Joh 7,28

Die Juden waren verurteilt, weil sie in ihrer Verantwortung, ihren Gott kennenzulernen, völlig versagt hatten. Trotz alledem begegnet ihnen der HERR noch nicht mit Gericht. Geduldig erklärt Er unmissverständlich und mit lauter Stimme – Jesus rief im Tempel -, dass Er von Gott aus gekommen war.

Nun ist es so, dass der Mensch irgendwann die Dinge Gottes begreifen und umsetzen sollte, daher schrieb ich vorausgehend, dass Er noch nicht mit Gericht kam. Das Gericht wird für notorisch Halsstarrige kommen; es wird auch über die Abtrünnigen aus dem Volke Gottes hereinbrechen. Dies ist ganz gewiss.

Die von Gott immer wieder erzeigte Gnade löst bei einigen unter uns eine sehr gefährliche Haltung aus. Sie glauben und lehren (!), Gott würde seine Gnade auch immer walten lassen, selbst wenn der Mensch seinen fleischlichen Begierden fortwährend nachgibt, welche wir durch die göttliche Anweisung klar zu lassen haben (Rö 6,1.15.19; Gal 5,13; 2. Petr 2,11). Wer die Gnade Gottes als Freipass zu sündigen betrachtet, kann sich eines sehr harten Gerichtes sicher sein!

Nun, dann könnten wir auch gleich sagen: »Tun wir doch Böses, damit Gutes dabei herauskommt!« Einige verleumden mich und unterstellen mir solche Grundsätze. Sie werden der verdienten Strafe nicht entgehen! Röm 3,8

Eine der krassesten Aussagen unter Christen, ich habe sie schon einmal erwähnt, ist folgende Redensart: „Das oder jenes ist nicht heilsnotwendig!“ Damit sagt der Christ aus, dass quasi „nur“ der Glaube an Christus zählt, den ganzen Rest, wie die Heiligung, die Absonderung für Gott, die Gottesanbetung, die Fürbitte, den Gehorsam und alles andere, was die Nachfolge ausmacht, könne man unbeachtet lassen! Das ist eine sehr, sehr böse Feststellung, die sich unter uns Christen etabliert hat! Menschen (auch Christen), die von Gott beglaubigten Bibellehrern angesichts der Gnade Gottes, die sie lehren, falsche Grundsätze unterstellen, wie z. B. sie würden Wasser predigen und Wein trinken, werden der verdienten Strafe nicht entgehen, denn diese verführen durch ihren ausschweifenden Wandel die Gemeinde zum Abfall. Und Menschen (auch Christen), welche die Gnade Gottes benutzen, um Böses zu tun, um dem gnädigen Gott eine „Gelegenheit“ zu geben, wieder vergeben zu „dürfen“, werden der verdienten Strafe ebenfalls mit Sicherheit nicht entgehen. Amen!

Vers 29

Ich kenne ihn, weil ich von ihm bin und er mich gesandt hat. Joh 7,29

Christus kannte seinen Vater im Gegensatz zu den Juden. Hätten die Juden Gott gekannt, hätten sie nicht seinen Abgesandten verfolgt.

In diesem Vers ist noch eine Perle verborgen: Christus sagte, dass Er vom Vater gesandt worden sei. Christus sagte nicht, dass Er vom Vater geschaffen sei, um dieses oder jenes zu tun. Das ist ein grosser Unterschied. Moses wurde für seine grosse Aufgabe geboren. Abraham wurde für seine sehr schöne Aufgabe geboren, auch Isaak und Jakob. Aber Christus wurde gesandt, vom Thronsaal im Himmel wurde Er zur Erde gesandt. Das unterstreicht nochmals die Tatsache, dass Christus schon immer war und dass Er beim Vater war. Denn es heisst: Er kam vom Vater. Er kam nicht irgendwoher. Christus kam vom Vater. Deshalb kannte Er denjenigen, dessen Stimme vom Himmel her redete und sprach (Lk 9,35): „Dieser ist mein auserwählter Sohn, ihn hört!“ 

Vers 30

Da suchten sie ihn zu greifen; und niemand legte die Hand an ihn, weil seine Stunde noch nicht gekommen war. Joh 7,30

Der Mensch kann sich manchmal in einer völlig ausweglosen Lage wiederfinden. Wenn die von Gott festgesetzte Stunde aber noch nicht da ist, eröffnet sich immer ein Ausweg. Eine solche Situation kennen wir aus der Begebenheit mit Christus in der Ortschaft Nazareth, als Ihn die wütende Menge vom Berg, auf dem die Stadt erbaut war, hinabstürzen wollte. Da die Stunde noch nicht da war, geschah das Unglaubliche, etwas in der Tat Übernatürliches. – Wie kann sich ein Einzelner vor dem Willen einer Volksmenge schützen, die ihn bereits in ihrer Gewalt hat? – Christus konnte es, wie geschrieben steht, weil Er nicht gekommen war, um von einem Berg hinabgestürzt zu werden:

28 Und alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie dies hörten.
29 Und sie standen auf und stiessen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so hinabzustürzen.
30 Er aber schritt durch ihre Mitte hindurch und ging weg. Lk 4,28-30

Nun ist es so, dass wir Christen einen Auftrag Gottes erhalten haben, wie wir es an vielen Stellen nachlesen können (z. B. Mt 25,14.15; Lk 19,12.13; Rö 12,4-8; 1. Kor, Kapitel 12 und 14; Gal 3,5a; Eph 2,10; Phil 1,27; Kol 1,10; 1. Thess 1,9; 2. Thess 1,11; 1. Tim 1,18; 2,1; 2. Tim 1,6; Tit 2; Phlm 1,21; Heb 2,1; Jak 1,22; 1. Petr 1,13-16; 2. Petr 1,5-10; 1. Joh 1,6: 2. Joh 1,4; 3. Joh 1,3; Jud 1,3; Offb 22,11; u. v. a.). Der Teufel will uns an der Ausführung dieses Auftrages hindern. Durch solche Aktionen, wie diejenige der Nazarener, will der Teufel, dass der Mut, Gottes Auftrag zu wirken, sinkt und die Arbeiten dafür niedergelegt werden, wie im Bilde beim Bau des zweiten Tempels, als der Widerstand gross wurde (Neh 4,5).

Die Ausführung unseres göttlichen Auftrages soll zum Stillstand kommen, das ist eines der obersten Ziele der Widersacher. Nun müssen wir aber wissen, dass unsere Gegner nichts ausrichten können, solange uns Gott den Weg offen hält. Gott kann den Weg auch offen halten, wenn es völlig unmöglich erscheint, wie damals, als der Mob Christus vom Berg hinunterstürzen wollte. Daher sollten wir uns den folgenden Merksatz beibringen:

Niemand kann uns in der Ausführung des göttlichen Auftrages stoppen, solange Gott die Türe offen hält.

Noch viel besser ist es, wenn wir uns diesen Vers einprägen:

Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Röm 8,31

Wenn sich das Böse gegen uns erhebt oder sich die die Ohnmacht in uns meldet, sollten wir aufgrund dieser Belehrungen den Mut nie sinken lassen. In diese Erfahrung kam selbst der grosse Apostel Paulus:

8 Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Massen beschwert waren und über unsere Kraft, so dass wir auch am Leben verzagten
9 und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müssten sterben. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt,
10 der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird. Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten. 2.Kor 1,8-10

Lassen Sie uns den Auftrag Gottes trotz aller Widerstände ausführen! Lassen Sie uns in der Heiligung, der Absonderung für Gott leben und lassen Sie uns gegenüber unseren Nächsten Liebe üben! Amen!

Vers 31

Viele aber von der Volksmenge glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommt, wird er wohl mehr Zeichen tun als die, welche dieser getan hat? Joh 7,31

Viele aus der Volksmenge glaubten an Ihn. Sie wussten aber nicht wirklich, mit wem sie es zu tun hatten, denn sie sahen in Ihm noch nicht, dass Er der Christus war und kein anderer. Aber immerhin konnte sie der Heilige Geist zum rettenden Glauben an Ihn überführen. Sie glaubten in Unwissenheit an den Richtigen. – Bei uns verhielt es sich wohl nicht viel grossartiger. Was wussten wir von Ihm in unseren ersten Tagen des Glaubens? Kannten wir die alttestamentliche Prophetie, die auf Ihn verwies? Wussten wir, dass Jesus Christus zweifellos Gott selbst ist? Wussten wir, dass die Welt durch Ihn wurde und Er alles zusammenhält (Kol 1,16.17)? Wussten wir von Anfang an, dass Er vollkommener Gott und vollkommener Mensch ist? Ich kannte Christus nicht, als ich mich vor 28 Jahren zum Glauben an Ihn bekannte. Es war das Werk des Heiligen Geistes, nicht meine Klugheit, dass ich auf Anhieb zum einzig wahren Glauben habe finden dürfen.

Kommen wir zurück zum Vers: Viele aus der Volksmenge glaubten an Ihn und doch liessen sie noch die Möglichkeit offen, Er wäre nicht der Christus den Israel erwartete. Ihr Glaube war sehr zart und noch sehr wackelig. Wie erwähnt, haben wir so alle oder zumindest die meisten von uns angefangen. Gott sei Dank für seine fortwährende Arbeit in uns, dass unser anfänglich zarter Glaube allmählich fest werden durfte und uns die herrliche Person Jesus Christus nach und nach geoffenbart worden ist.

Vers 32

Die Pharisäer hörten die Volksmenge dies über ihn murmeln; und die Pharisäer und die Hohenpriester sandten Diener, dass sie ihn griffen. Joh 7,32

In Vers 30 „suchten“ sie Ihn zu greifen, sie lauerten auf eine Gelegenheit dazu, doch sie fanden keine, weil seine Stunde noch nicht da war. Jetzt setzt die Gewalt des Widersachers noch einen drauf: Sie suchten die Gelegenheit nicht nur, sie handelten einfach. Sie sandten Diener mit einem klaren Befehl: Greift diesen Menschen und setzt ihn in unseren Gewahrsam!

Liebe Leserinnen und liebe Leser! – Wir können versichert sein, dass, wenn die von Gott festgesetzte Stunde nicht da ist, ein ganzes Land einen einzelnen zur Festnahme bestimmten Mann mit all seinen Streitkräften erfolglos suchen würde. So konnte Saul den David, der ein Schatten auf Christus war, nicht festnehmen, obschon er ihn mit der ganzen Armee suchte, welche ihm ja freilich zur Verfügung stand.

Es kam dann, wie es kommen musste. Auch dieser Anschlag auf Christus schlug fehl, wie es uns die nachfolgenden Verse 44, 45 und 46 eindrücklich schildern. Gott entscheidet in jedem Fall, was auf der Erde abgeht und was nicht. An Gott kommt niemand vorbei, auch nicht, wer Befehlsgewalt hat. Diese Tatsache sollten wir uns merken, sie gilt auch für unsere Leben! Im Positiven können wir beruhigt sein und unsere göttlichen Aufträge unbehelligt ausführen. Selbst bei erheblichen Schwierigkeiten können wir versichert sein, dass uns Gott Gelingen gibt. Wir sollen aber auch wissen, dass uns nichts gelingen wird, wenn wir uns seinen Aufträgen entziehen. Wir glauben zwar, etwas „Befehlsgewalt“ über unser Leben zu haben und selbst entscheiden zu können, zu tun und zu lassen, was wir möchten. Wenn Gott mit unseren Vorhaben aber nicht einverstanden ist, können wir unser ganzes Vermögen für ein Projekt ausgeben und es wird doch nicht zustande kommen.

Vers 33

Da sprach Jesus: Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch, und ich gehe hin zu dem, der mich gesandt hat. Joh 7,33

Christus war gekommen, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen (Joh 1,29) und den ganzen Fluch aller Sünden auf sich zu laden (Mt 26,28). Doch Er war nicht nur unser Sünd- und unser Übertretungsopfer am Kreuz. Er wird nicht nur als Lamm dargestellt. Er ist beispielsweise auch das Weizenkorn (Joh 12,24), welches viele Weizenkörner hervorbringt, was bedeutet, dass Er sein göttliches Leben den Christen weitergibt.

Es sei darauf hingewiesen, dass Christus auf die Erde kam, um einige Sachen, die aus dem Ruder gelaufen waren, wieder in die Schöpfungsordnung zu bringen. Er bestimmte sein Schicksal, nicht der Teufel war bestimmend. Er sprach im Voraus davon, dass Er von der Erde erhöht sein werde und dass Er zurück zum Vater gehe. Er war niemals Spielball des Geschicks, wie erwähnt. Er kam bewusst, um am Kreuz das grosse Werk zu vollbringen. Er ging freiwillig ans Kreuz, Er war nicht dazu gezwungen (Mt 26,53).

Mit nachfolgendem Link gelangen Sie auf Wunsch zu einem Schulungsvideo, in dem die Hauptpunkte erklärt werden, welche Christus am Kreuz herbeigeführt hat: https://www.youtube.com/watch?v=4WKMKSCntN8

Vers 34

Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. Joh 7,34

Diese Worte, die unser HERR im Tempel vor dem Volk lehrte, sagte Er auch zu den Pharisäern bei einer anderen Gelegenheit (Joh 8,21). Auch richtete Er sie an seine Jünger (Joh 13,33). Auch wenn die Botschaft dreimal die gleiche war, passte Er den Ton der jeweiligen Situation an. Den Jüngern gab Er darauf ein sehr schönes, familiäres Gebot mit (Joh 13.34), den Ungläubigen drohte Er demgegenüber an, dass sie in ihren (unbereinigten) Sünden sterben werden, was im Eintrittsfall natürlich sehr tragische Folgen nach sich gezogen hätte (Joh 8,24).

Christus war im Begriff, zum Vater zurückzukehren, woher Er gekommen war. Die Botschaft war dreimal die gleiche: Die allgemeine Volksmenge konnte nicht dorthin gelangen, wohin Er im Begriff war, zu gehen (Joh 7,34). Die ungläubigen Pharisäer konnten nicht dorthin gelangen, wohin Er im Begriff war, zu gehen (Joh 8,21). Seine Jünger konnten auch nicht dorthin gelangen, wohin Er im Begriff war, zu gehen (Joh 13,33). Auch wenn seine Jünger einmal dorthin gelangen werden, war dies noch in sehr weiter Ferne, viele Dinge mussten zuvor noch passieren – sie mussten zuerst noch sterben und müssen heute noch im Totenreich auf die Auferstehung warten -, dass die Aussage an sie ebenfalls völlig angemessen war; um nicht falsche Erwartungen zu wecken. Die Jünger sollten auch wissen, dass sie Christus nicht einfach unmittelbar zum Vater würden folgen können.

Vers 35

Es sprachen nun die Juden zueinander: Wohin will dieser gehen, dass wir ihn nicht finden sollen? Will er etwa in die Zerstreuung der Griechen gehen und die Griechen lehren? Joh 7,35

Hätten sich die Juden mehr für Gottes Worte interessiert, hätten sie diese Frage nicht gestellt. Christus selbst sprach ja davon, dass Er sterben müsse und deutete sogar an, mit welcher Art von Tod dies geschehen würde, wie geschrieben steht:

32 Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
33 Dies aber sagte er, um anzudeuten, welches Todes er sterben sollte. Joh 12,32-33

Auch die Propheten hatten es bereits vorhergesagt, Daniel schrieb vom Tod des Gesalbten Gottes:

Und nach den 62 Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und wird keine Hilfe finden. Und das Volk eines kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, und sein Ende ist in einer Überflutung; und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlossene Verwüstungen. Dan 9,26

Jesaja schrieb vom Tod des Gesalbten Gottes:

1 Wer hat unserer Verkündigung geglaubt? An wem ist der Arm des HERRN offenbar geworden? –  
2 Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten.
3 Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet.
4 Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.
5 Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.
6 Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der HERR liess ihn treffen unser aller Schuld. –
7 Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. –
8 Aus Drangsal und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über sein Geschlecht nachsinnen? Denn er wurde abgeschnitten vom Lande der Lebendigen. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen.
9 Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab, aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist. Jes 53,1-9

David schrieb vom Tod des Gesalbten Gottes (z. B. von Ereignissen am Kreuz):

Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los. Ps 22,19

Und sie gaben mir zur Speise Gift, und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig. Ps 69,22

Sacharia hielt fest, dass sie Gott durchbohren* werden (*wer durchbohrt wird, ist dem Tod geweiht):

Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem giesse ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint. Sach 12,10

Durch die Propheten war offensichtlich, dass Gott geringgeschätzt*, verworfen und umgebracht werden wird (*sein von Menschen eingestufter Preis: 30 Silberlinge, Sach 11,12.13). Soviel wurde dem Judas für den Gottesverrat angeboten, mehr war Gott in den Augen seines Volkes nicht wert (Mt 26,15).

Kommen wir zurück zum Vers: Die Juden glänzten im Unwissen und erkannten den nicht, der sie erschaffen hatte und bereitstand, sie aus der Gewalt des Teufels zu retten. – Liebe Leserinnen und Leser! Glänzen wir auch mit Unwissen über die Dinge unseres Vaters oder kennen wir Ihn und sein Wort? Lassen Sie uns in der Liebe zu seinem Wort und zu Ihm täglich zunehmen! Amen. 

Vers 36

Was ist das für ein Wort, das er sprach: Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und: Wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen? Joh 7,36

Das Wort Christi beschäftigte die Juden zwar einen Augenblick, aber leider zu wenig intensiv. – Bei uns sollte es sich anders verhalten. Seine Person sollte uns interessieren und sein Wort sollte unser täglicher Lesestoff sein. Christus ist unergründlich und sein Wort unerschöpflich; wir können unser Leben lang von Ihm lernen. Und obschon Christus grundsätzlich unergründlich ist, wird erwartet, dass wir ihn kennen lernen. Die Bibel sagt, dass Er sich den Seinen fass- und berechenbar gibt; das dritte Kapitel des Epheserbriefes spricht von der völlig realistischen Möglichkeit, die Länge, Breite, Höhe und Tiefe Christi mit allen Heiligen ergründen zu können:

17 dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid,
18 damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist,
19 und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes. Eph 3,17-19

Den Ungläubigen und Verdrehten ist es verwehrt, Ihn kennenlernen zu dürfen; ihnen gibt Er sich nicht fassbar zu erkennen, wie geschrieben steht:

Gegen den Reinen zeigst du dich rein, gegen den Verkehrten aber verdreht. 2.Sam 22,27

Ich danke meinem Gott, dass Er sich mir geoffenbart hat und dass ich das Heil in Christus habe ergreifen dürfen und dass Christus selbst der Versammlung und mir schon viele Facetten seiner herrlichen Person aufgezeigt hat. Und Er beliess es nicht nur dabei; Er gab uns zusätzlich den besonderen Segen, dass wir sein Wort öffentlich bekanntmachen dürfen.

Vers 37

An dem letzten, dem grossen Tag des Festes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! Joh 7,37

Gott gebot durch Moses für den achten Tag des Laubhüttenfestes eine Festversammlung (3. Mo 23,36). An eben diesem letzten Tag des Festes, es durften wie am ersten Tag keine Arbeiten verrichtet werden, war die Aufmerksamkeit des Volkes grösser als in den vorausgehenden, geschäftigeren Tagen. Bei dieser Gelegenheit rief der HERR stehend seine Gnade für sein Volk aus. Christus verkündigte das Heil nicht verdeckt unter vorgehaltener Hand. Jeder hatte die Möglichkeit, Ihn zu sehen und zu hören und damit Kenntnis vom rettenden Angebot Gottes.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass Christus selbst der fleischgewordene, ewige Gott ist. Denn nur Gott kann einem Volk und einfach jedem, der da will, eine unerschöpfliche Quelle anbieten, kein Mensch kann das tun. Schwerreiche Menschen können zwar auch vielen Menschen helfen, wenn sie wollen, aber niemand kann eine unversiegbare Quelle anbieten, die den Durst eines jeden, der da will, stillt und in die Ewigkeit hinein quillt.

Vers 38

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen. Joh 7,38

Der Mensch ist ein irdenes Gefäss (2. Kor 4,7). Als solches kann er sich mit Gott füllen oder er kann sich demgegenüber mit der Welt füllen. Mit was der Mensch gefüllt ist, das beherrscht ihn und beeinflusst seine Umwelt in verschiedenen Graden, je nach Position, in welcher der Mensch steht, denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund:

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Mt 12,34b

Betrachten wir zwei Beispiele: Dem Alkohol ergeben Eltern beeinflussen ihre Umwelt im höchsten Grade negativ. Gott im biblischen, korrekten Sinn ergebene Eltern beeinflussen ihre Umwelt im höchsten Grade positiv. Nicht wer sich auf irgendeinen Gott beruft, ist ein Segen für die Umwelt. Es gibt viele Fanatiker, die im eigenen Sinn etwas glauben, diese sind nicht gemeint. Dieser Vers sagt klar, dass nur Menschen, die so glauben, wie die Heilige Schrift, die Bibel, sagt, zum Segen für die Umwelt werden. Im Alten Testament funktionierte das bereits. Obschon das Alte Testament lediglich vorschattete, was im Neuen Testament durch Christus Wirklichkeit wurde, war bereits dieser schattenhafte Dienst sehr erhaben: David war ein Segen für das Volk in all seinen Tagen, in denen er sich auf den HERRN stützte, er führte sein Volk von Sieg zu Sieg. Elia war ein Segen für die Frau, die ihn aufnahm (1. Kö 17,21-24). Elisa war ein Segen für die Frau, die ihm eine Herberge bereitet hatte (2. Kö 4,32-36). Für das Neue Testament, die Zeitperiode, welche die Wirklichkeit einführte, gilt:

Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgiessen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen. Joel 3,1

Was Joel voraussagte, traf bei der tatsächlichen Ausgiessung des Geistes ein (Apg 2), was Petrus dann den Umstehenden kurz darauf näher erklärte (Apg 2,16 ff.). Seit diesen Ereignissen gilt für alle Christen das, was früher nur durch wenige Auserwählte (z. B. Elia und Elisa) vorgeschattet wurde. So konnten die Apostel und unsere geistlichen Vorfahren durch den Geist sehr viel mehr leisten als die Heiligen des Alten Testaments, welche nur punktuell Gottes Taten wirken konnten.

Dieser Vers ist – er steht im ewigen Wort – ein beständiger Grundsatz im Universum: Wer an Christus glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen. Beachten wir, den Ausdruck „Ströme lebendigen Wassers“. Es steht nicht „Rinnsale lebendigen Wassers“. Auch steht nicht „Bäche lebendigen Wassers“, was schon sehr viel besser als „Rinnsale“ wäre, denn ein Bach liefert ein Mehrfaches an Wasser als ein Rinnsal. Der ewige Gott liess aber das Wort „Ströme“ niederschreiben, was bedeutet, dass sehr viel Gutes von Menschen kommt, die so glauben, wie es in der Bibel steht. Selbst dem grossen Paulus wurde durch Philemon, welcher der Schrift glaubte, „viel“ Freude und „viel“ Trost zuteil (Phlm 1,7). Dies ist eine sehr erfreuliche Nachricht, denn das sagt aus, dass jeder Mensch, der ein Segen für andere sein will, sich einfach an die Bibel halten soll. Wenn der Mensch echt glaubt, was in der Schrift steht und demzufolge danach handelt, wird er zum Segen für viele. Er wird wie ein Strom, der aus den Wassern mehrerer Flüsse entsteht, der praktisch unerschöpflich ist.

Wer das als zu hoch für einen gewöhnlichen Menschen betrachtet, macht die Aussage Gottes ungültig. Es steht unbeugsam:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen. Joh 7,38

Dieses Wort gilt für Männer und Frauen.

Vers 39

Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war. Joh 7,39

Dieser Vers hilft uns besser zu verstehen, wie es möglich ist, dass so viel Gutes aus uns fliessen kann. Die Aussage ist: Nur durch den Geist Gottes können Ströme lebendigen Wassers aus dem Leibe eines Menschen fliessen.

Normalerweise ist der Mensch ja nur auf sich selbst bedacht und denkt (auch kapazitätsbedingt) höchstens nur ein wenig für die anderen, was einem Rinnsal von Hilfeleistungen gleichkommt. Ausserdem kann man bei Eigenleistung des Menschen nicht von Wirkungen des Geistes sprechen, wofür der Ausdruck „lebendiges (fliessendes) Wasser“ steht.

Der Mensch hat enge Grenzen. Er benötigt täglich für Erholung und seinen Broterwerb viel Zeit, sodass augenscheinlich für die anderen nicht mehr viel übrig bleibt. Nun ist es so, dass ein Gläubiger, der sich durch den Geist leiten lässt, der Schrift so glaubt, wie sie sagt. Ein solcher Mensch hat die Wiedergeburt erlebt, liess sich in aller Regel taufen und empfing den Heiligen Geist. Dieser heilige Geist Gottes ist bekanntlich unerschöpflich. Er ist die dritte Person in der Gottheit und Gott hat keine Grenzen. Durch diesen im Menschen wohnenden, grenzenlosen Geist ist es auf nicht erklärbare Weise möglich, dass aus dem sehr begrenzten Menschen, welcher aus seinen eigenen natürlichen Ressourcen höchstens Rinnsale von Hilfeleistungen weitergeben kann, Ströme lebendigen Wassers fliessen. Ein solcher Mensch ist sehr viel reicher an Segen als ein sich aufopfernder, weltlicher Mensch, der den Geist nicht hat, selbst wenn der weltliche Mensch mental stärker zu sein scheint. Der natürliche Mensch kann mit seinen Grenzen die Wirkungen des unbegrenzten Geist Gottes unmöglich überflügeln.

Liebe Geschwister! Lassen wir uns durch den Geist Gottes leiten und gebrauchen! Dies sollte unser tägliches Gebet sein! Amen.

Vers 40

Einige nun aus der Volksmenge sagten, als sie diese Worte hörten: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. Joh 7,40

Einige aus der Volksmenge fingen an, aufgrund der wahren und von Gott durch Zeichen und Wundern beglaubigten Aussagen Christi, an Ihn zu glauben. – Wie hätte es anders sein können? Christus tat Blinden die Augen auf und liess Taube hören. Auf Ihn wiesen alle Prophetien betreffend den verheissenen Messias. Er kam aus Bethlehem in Juda. Er wurde durch eine Jungfrau geboren. Er wurde (nach der Flucht wegen dem Kindermord durch Herodes) aus Ägypten gerufen. Er wuchs in Nazareth auf. – Damit nenne ich nur einige Prophetien, die auf Ihn zutreffen. Er war und ist der von Gott verheissene Messias. Glückselig waren die Menschen, die damals an Ihn glaubten. Glückselig sind die Menschen, die heute zum Glauben an Ihn kommen! Nur durch Ihn erhält der Mensch die Vergebung der Sünden und nur durch Ihn kann der Mensch der Hölle entrinnen! Amen!

Vers 41

Andere sagten: Dieser ist der Christus. Andere aber sagten: Der Christus kommt doch nicht aus Galiläa? Joh 7,41

An dieser Stelle wird sehr schön offenbar, wie fatal Unkenntnis betreffend das Wort Gottes sein kann. Weil sich offensichtlich viele Juden nicht in den Schriften auskannten – selbst die Pharisäer hatten grobe Wissenslücken – konnten viele den Christus nicht als solchen erkennen. Lesen wir nachfolgend, was die Pharisäer in sehr übler und selbstherrlicher Art dachten und von sich gaben.

44 Einige aber von ihnen wollten ihn greifen, aber keiner legte die Hände an ihn.
45 Es kamen nun die Diener zu den Hohenpriestern und Pharisäern, und diese sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht?
46 Die Diener antworteten: Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.
47 Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr denn auch verführt?
48 Hat wohl jemand von den Obersten an ihn geglaubt, oder von den Pharisäern?
49 Diese Volksmenge aber, die das Gesetz nicht kennt, sie ist verflucht!
50 Nikodemus, der früher zu ihm gekommen war und einer von ihnen war, spricht zu ihnen:
51 Richtet denn unser Gesetz den Menschen, ehe es vorher von ihm selbst gehört und erkannt hat, was er tut?
52 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du etwa auch aus Galiläa? Forsche und sieh, dass aus Galiläa kein Prophet aufsteht!
53 Und jeder ging in sein Haus. Joh 7,44-53

Selbstherrlich und von sich voll überzeugt sprachen die Pharisäer zu Nikodemus im übertragenen Sinn: „Zwei plus Zwei ergibt als Resultat die Zahl Neun!“, was in Wahrheit komplett falsch ist. Sie sprachen nämlich: „Forsche nach und sieh, dass aus Galiläa kein Prophet aufsteht (Joh 7,52b)!“ In ihrer irrigen Meinung lagen sie komplett falsch, wie erwähnt, weil der Prophet Jona aus der Gegend kam, von der die Pharisäer fest behaupteten, dass dort kein Prophet aufstehen würde. Jona kam aber aus Galiläa, nämlich aus Gat-Hefer (2. Kö 14,25), das im Gebiet von Galiläa lag. Ausserdem wuchs unser HERR gemäss der göttlichen Prophetie in der Stadt Nazareth auf, welche ebenfalls im Gebiet von Galiläa liegt (Mt 2,23).

Wie es damals war, verhält es sich leider auch heute. Wie die jüdische Elite damals irrte und fatale Irrlehren unter dem Volk etablierte, irrt sich heute die christliche Elite und etabliert fatale Irrlehren unter dem Volke Gottes. Viele Priester, Pastoren, Prediger, Gemeindeleiter und Älteste behaupten einfach mit grosser Überzeugung steif und fest irgendetwas, und das Volk glaubt ihnen, weil sie sich als Experten und Wissende preisen und als sogenannte Kleriker über dem Volke schweben, obschon Jesus eine Hierarchie im neuen Testament hasst, was Er zur Deutlichmachung in der Schrift nicht nur einmal, sondern zweimal hintereinander erwähnt (Nikolaiten = Menschen, die über dem Volk schweben, Volkssieger, siehe Offb 2,6.15).

Wenn die Kleriker, also die meisten der heutigen Priester, Pastoren, Prediger und Gemeindeleiter, wenigstens die Wahrheit weitergäben! Dann würde das Übel der neu eingeführten, bösen Hierarchie, welche im Neuen Testament sehr offensichtlich strikt untersagt ist (siehe auch Mt 23,9), nicht so schwer wiegen. Aber die, welche von sich sagen, sie sähen, sind selbst blind wie die Pharisäer damals und führen das Volk in die Irre. Denn das meiste, was sie fest behaupten, stimmt im Lichte der Heiligen Schrift in etwa so, wie das Resultat Neun, bei einer Rechenaufgabe, die Zwei plus Zwei lautet. Wäre es anders, so wäre das Christentum ein Zeugnis in dieser Welt. Nun ist es aber eine zersplitterte Gruppierung, in der Beobachter nicht viel Gutes sehen können, vor allem keine Einheit. Statt Verlorene anzuziehen, hat die Christenheit eher eine abstossende Wirkung auf Aussenstehende und ist voll übelster Skandale. Von Kinderschändung, sexueller Unmoral, Ehebruch und dergleichen hört man viel und vieles davon ist wahr und durch Zeugen bestätigt.

Liebe Leserinnen und liebe Leser! Glauben Sie keinesfalls alles, was geredet wird. Vieles wird in völliger Unkenntnis der Schrift gesprochen und sogar fest behauptet! – Lesen Sie selbst viel in der Bibel und bitten Sie Gott, dass Er Sie seine Worte verstehen lässt. Amen.

Vers 42

Hat nicht die Schrift gesagt: Aus der Nachkommenschaft Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, wo David war, kommt der Christus? Joh 7,42

„Richtig und nochmals richtig!“, hätte man damals auf diese Frage antworten können. Doch es fehlte dem Volk noch das folgende Puzzleteil der prophetischen Überlieferungen:

und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: »Er wird Nazoräer genannt werden.« Mt 2,23

Durch die Propheten war geredet, dass Christus „Nazoräer“ genannt werden würde. – Das Volk begnügte sich leider mit wenig und lückenhaften Informationen über Christus, und die Verantwortlichen, die Priester und die Leviten, denen der Gottesdienst anvertraut war, waren selber im Tanach (= Schriften des Alten Testaments) nicht (mehr) sattelfest (Joh 7,52). Dies führte zu Wissenslücken, die nicht hätten vorhanden sein dürfen.

Gott kreidet uns nicht an, wenn wir allgemeines optionales Wissen nicht kennen. Es gibt so viele Wissenschaften, für die unser Leben zu kurz ist, um alle zu erforschen, wenn wir allein an die Kunst denken, einen wahren italienischen Espresso Kaffee zuzubereiten, der genau so schmeckt, wie an der ersten Autobahnraststätte jenseits der Schweizer Grenze.

Die einen Erkenntnisse sind wichtiger sind als andere. Das eine Wissen ist oder war nur temporär aktuell (z. B. Technik der Dampflokomotiven), anderes Wissen bleibt in Ewigkeit dasselbe (z. B. Wissen über den Gott der Bibel und die Menschwerdung Jesu Christi). Zweifelsfrei ist der dreieine Gott und Jesus Christus als Retter der Menschen das Wichtigste überhaupt. Der Mensch sollte sich für das Wichtigste am meisten interessieren, mehr als für seine Altersvorsorge oder die nächste Feriendestination. – Leider verhält es sich aber nicht so und dadurch haben sich viele Wissenslücken in Bezug auf Gott gebildet. Diese Wissenslücken sind von Gott nicht akzeptiert, denn das Volk geht dadurch in die Irre, wie geschrieben steht:

Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Hos 4,6a

Durch Neid, Unkenntnis der Schrift und Gleichgültigkeit kam es, dass Christus von seinem Volk nicht als das akzeptiert bzw. erkannt wurde, obschon sich viele Prophetien während seiner Wirkungszeit vor aller Augen erfüllten. Der ebenfalls prophetisch angekündigte Johannes der Täufer (Jes 40,3) wies genauso unmissverständlich auf Christus hin. Das Volk war aber in einem solch schlechten Zustand, dass es den Retter ermordete, statt Ihn anzunehmen!

Wie es damals war, verhält es sich heute: In Bezug auf die Weisungen Gottes Unwissende sind für den Teufel leichte Beute (1. Petr 5,8), der herumgeht, um Menschen zu verschlingen. Sie haben keine Waffe, mit der sie kontern könnten (Eph 6,17). – Lassen Sie uns das Studium der Schriften nicht vernachlässigen, die Bibel hilft uns, den rechten Weg zu beschreiten (2. Tim 3,17), um nicht auch in die Irre zu gehen!

Vers 43

Es entstand nun seinetwegen eine Spaltung in der Volksmenge. Joh 7,43

Christus versöhnt die Welt mit Gott, dazu ist Er gekommen. Jedem, der da will, kann durch Busse und Umkehr vom rettenden Angebot Christi Gebrauch machen. Gott legt mit Christus aber zwei Wege vor, den Weg des Lebens und den Weg des Todes, wobei die Botschaft unbeweglich bleibt. So kann man sagen: „Die Bibel ist herrlich für die, welche glauben!“, oder: „Die Bibel ist schrecklich für die, welche das Angebot Christi verwerfen!“ Die Bibel ist passt sich in ihrer Aussage nicht der Einzelperson an. Wer Böses tut, wird gerichtet werden, für eine solche Person wird es dann nicht doch irgendwie noch für den Eintritt in das Reich Gottes ausreichen. Die Frohe Botschaft entzweit dadurch die Welt, sie trennt die Spreu vom Weizen. Wer sie nicht annehmen will, nimmt sie nicht oder als „Drohbotschaft“ wahr. Für wahre Gläubige ist das Evangelium das, was das Wort bedeutet: Es ist die „Gute Nachricht“ oder die „Frohe Botschaft“!

Da Christus von dieser aufkommenden Spaltung wusste, sprach Er:

51 Denkt ihr, dass ich gekommen sei, Frieden auf der Erde zu geben? Nein, sage ich euch, sondern vielmehr Entzweiung.
52 Denn es werden von nun an fünf in einem Haus entzweit sein; drei mit zweien und zwei mit dreien;
53 es werden entzweit sein Vater mit Sohn und Sohn mit Vater, Mutter mit der Tochter und Tochter mit der Mutter, Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter und Schwiegertochter mit der Schwiegermutter. Lk 12,51-53

Lassen Sie uns nie den Fehler machen, um des Friedens willen mit der Verkündigung zurückzuhalten, um nicht zu polarisieren und um nicht mögliche Spaltungen heraufzubeschwören. Wir sollten es trotzdem tun, das Evangelium muss auf der ganzen Welt gepredigt werden. Die Verbreitung des Evangeliums gehört zu unserem Auftrag (Mk 16,15).

Vers 44

Einige aber von ihnen wollten ihn greifen, aber keiner legte die Hände an ihn. Joh 7,44

Wir erinnern uns an den Vers 32, der beschreibt, dass die Pharisäer Diener ausgesandt hatten, um Ihn zu greifen. Und doch legte keiner Hände an Ihn. Und wir erinnern uns auch an die Stelle, die beschreibt, wie der Mob Christus vor der Zeit vom Berg, auf dem Nazareth erbaut worden war, hinabstürzen wollte (Lk 4,28-30). Auch da ging Christus einfach durch die aufgebrachte Menge hindurch. – Wenn für etwas die Zeit noch nicht gekommen ist, vereitelt Gott das Zustandekommen einfach, auch dann, wenn viele Menschen oder Hohepriester mit ihrer ganzen Macht die Durchsetzung erzwingen wollen; der Arm Gottes ist nicht zu kurz, um zu verhindern, was nicht geschehen soll.

Vers 45

Es kamen nun die Diener zu den Hohenpriestern und Pharisäern, und diese sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? Joh 7,45

An dieser Stelle vereitelte Gott die Festnahme Christi auf eine äusserlich nicht sichtbare Weise. Er machte, dass die Rede Christi einen derartigen Eindruck bei den Knechten der Hohenpriester hinterliess, dass sie ihre Hände nicht an Christus legten, wie es im nachfolgenden Vers ersichtlich ist.

Gott kann auf zehntausend Arten unterstützend oder vereitelnd eingreifen. Und dies muss nicht in offensichtlicher, in einer für alle sichtbaren Art geschehen. Den Angriff auf Jerusalem zur Zeit Hiskias vereitelte Gott voll offensiv, nämlich unter Anwendung von Gewalt, indem Er das Heer des Assyrers gänzlich vernichten liess (Jes 37,36). In den meisten Fällen geschieht das göttliche Eingreifen jedoch in einer für andere nicht sichtbaren Art. Denn es steht geschrieben:

Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen, die Ehre der Könige aber, eine Sache zu erforschen. Spr 25,2

Die Macht der Könige bringt ihnen Ehre, indem sie diese einsetzen, um noch unerforschte Dinge ans Tageslicht zu befördern. Gottes Ehre hingegen ist, die ganze Welt zu beeinflussen, ohne dass dies jemand merkt. Für uns Gläubige gilt: Unser himmlischer Vater schaut zu uns, auch wenn wir äusserlich davon nichts sehen können. Wir tun uns vielleicht schwer, das zu glauben, da wir uns nur in Umständen sehen und unser Geschick dasselbe zu sein scheint, wie jenes der Ungläubigen. Schliesslich kann es sogar Zeiten geben, in denen es uns schlechter geht, als unseren ungläubigen Kollegen oder Nachbarn, welche sich nicht um die Heiligung, die Absonderung für Gott, interessieren. Das hebt aber die Tatsache nicht auf, dass sich Gott um uns kümmert, wie geschrieben steht:

26 Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel wertvoller als sie?
27 Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen?
28 Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht.
29 Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen.
30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen?
31 So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen?
32 Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiss, dass ihr dies alles benötigt.
33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden. Mt 6,26-33

Selbst wenn nichts von Gottes Fürsorge sichtbar ist, bleibt es doch eine in Stein gemeisselte Tatsache: Er kümmert sich um seine Kinder! Amen.

Vers 46

Die Diener antworteten: Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch. Joh 7,46

Wie bereits angedeutet, wirkte die Rede Christi mächtig auf die Herzen der Menschen. Er ist das, was er sagte. Die Menschen reden gerne und viel; sie sind jedoch nicht das, was sie zu sein behaupten. Langjährige Mitarbeiter von Betrieben kennen das: Da wird die Belegschaft in regelmässigen Abständen zusammengerufen und die Geschäftsleitung spricht von Erfolg, guter Strategie, offenen Ohren gegenüber Mitarbeitern und davon, dass die Mitarbeiter das wertvollste Gut sind. – Das sind alles schöne Worte und zum Teil sind solche Aussagen wahr, wenn sie für sich alleingestellt im Raum stehen. Aber aus dem Mund eines gefallenen Menschen kommen solche Aussagen im Publikum wie die blanke Verhöhnung der Untergebenen an. Die Mitarbeiter sind wertvolles Gut, das es zu pflegen gilt, das ist nicht gelogen. Doch die Menschen, die diese Worte aussprechen, sind grösstenteils gar nicht würdig, in dieser Art zu reden, wie sie es tun, weil sie selbst das nicht sind oder leisten, was sie vorgeben oder glauben, sagen zu müssen. Christus hingegen ist tatsächlich das, was Er sagte, auch dann, wenn Er mit Worten noch höher griff, als kühne oder gar verwegene Menschen es zu tun wagen. Er sagte zum Beispiel:

Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Mt 11,28

Solche Worte kann nicht einmal der Präsident der grössten und stärksten Nation von sich geben, ohne viel zu weit zu gehen. Selbst wenn einer über ein Land mit über 300 Millionen Einwohnern regiert -, wer kann sagen, dass jedermann, der mühselig und beladen sei, zu ihm kommen und er ihm Ruhe geben könne? So etwas kann nur Christus sagen, der selbst eine unversiegbare Quelle ist!

Ja, Christi Reden machten Eindruck, Er war und ist das, was Er sagte: Er kann jedem einzelnen Menschen Ruhe geben, jedem, der da will. Er sprach in Vollmacht, nämlich in der Vollmacht, alles ausführen zu können, was Er sagte, wie geschrieben steht:

denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten. Mt 7,29

Christus war, wie bereits mehrfach erwähnt, der fleischgewordene Gott. Gott sprach und es war da. Christus spricht und kann dabei alles halten, was Er sagt. – Wenn wundert es? Er sprach und die Wellen legten sich (Mk 4,39). Und nur schon auf seinen Befehl an die Aussätzigen, sich dem Priester zu zeigen, was in jenem Fall eine vorgängige Reinigung voraussetzte, musste die sehr böse Krankheit weichen. Die Aussätzigen wurden auf dem Weg zum Priester von der Krankheit gesund (Lk 17,14), um dem Priester das Zeugnis Gottes ablegen zu können. Der Allmächtige muss sich für eine solche Kleinigkeit nicht vor der Krankheit aufstellen, Kraft sammeln und dann scharf gebieten: „Krankheit, weiche von diesen Menschen!“ Christus sagte nur: „Zeigt euch dem Priester!“, was vollkommen ausreichte, dass die sehr schlimme Krankheit alles aufgeben musste, worauf sie sich fest gekrallt hatte. Das Kräfteverhältnis zwischen Gott und allen Krankheiten oder zwischen Gott und der geballten Kraft des Bösen ist nicht zu umschreiben. Gott kann durch seine unumschränkte Macht in jedem Fall und zu jeder Zeit und an jedem Ort einfach tun und lassen, was Er will. Durch Christi Tat gilt das auch für jede Rechtskonstellation. Wir haben einen Ankläger vor Gott, das ist der Teufel. Dieser will Gott an seine Gerechtigkeit erinnern, um Gottes Handlungsfähigkeit oder Barmherzigkeit gegenüber seinem Volk einzuschränken. Christi Tat hat diesen „Hebel“ des Teufels aber unwirksam gemacht, weil Er Gottes Gerechtigkeit in allen Punkten befriedigt hat. Damit kann Gott jederzeit die andere Seite seiner Natur, welche durchaus fundamental von Gerechtigkeit geprägt ist, freisetzen, das ist seine Barmherzigkeit. Gott kann also unumschränkte Barmherzigkeit walten lassen, auch dann, wenn man dafür noch nicht wirklich würdig ist. Christus setzt sich als wirksamer Anwalt für seine Brüder und Schwestern ein (1. Joh 2,1). Er hat ihren Mangel getragen und Gottes Gerechtigkeit in allen Punkten befriedigt.

Dies alles bedeutet nicht, dass wir Christen uns gehen lassen dürfen, dies sagt aus, dass wir uns nicht verdammen sollen, wenn wir unsere Mangelhaftigkeit sehen. Wir dürfen in der Tat Christi ruhig bleiben. Leider hat sich eine Lehre unter Christen etabliert, die von „Anrechten des Teufels“ spricht. Diese Lehre besagt, dass der Teufel bei Fehlverhalten von Christen Anrechte bekommt, sie zu bestimmten Graden zu beherrschen und zu behindern. Wenn das so wäre, wären wir alle immer noch unter der Fuchtel des Teufels, weil wir oft fehlen und gemäss dieser Lehre dem Teufel jeden Tag Anrechte auf unser Leben vergäben. Diese Betrachtungsweise ist aber nicht zulässig und kann nicht durch 1. Kor 5,5 etabliert werden. Christen, die wirklich dem Satan übergeben werden, sind solche, die vorsätzlich (= willentlich) schwer sündigen und damit Christus verspotten und sinnbildlich wieder kreuzigen (Heb 6,6). – Christen, die Gott hingegen nicht verletzen wollen, freilich aber im Blick auf Gott unvollkommen sind, sind unter Gnade. Eph 2,7 sagt aus, dass diese Gnade fortlaufend ist. Die Stelle bezieht sich nicht auf die Gnade der Errettung bei unserer Bekehrung. Die Gnade in Eph 2,7 spricht von einer fortlaufenden Gnade, die besagt, dass Gott unseren Fehlern weiterhin mit Gnade begegnet und Er darauf nicht mit der Vergabe von Anrechten an den Teufel antwortet. – Fragen wir uns: Entspricht das seiner Natur, dass er schwache Kinder bei jeder Gelegenheit einem unbarmherzigen und gewalttätigen Menschenmörder übergibt und ihm damit „Anrechte“ über seine Hausgenossen verleiht? – Wer solches lehrt, lehrt nicht das, was die Heilige Schrift sagt. Ein solcher Mensch hat den himmlischen Vater nicht wirklich erkannt.

Vers 47

Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr denn auch verführt? Joh 7,47

Ach, die armen Pharisäer! Ihre Blindheit, das ist die Blindheit der Religion, die Blindheit der Selbstgerechtigkeit, ist nicht in Worte zu fassen. Da kommt Gott, genau wie durch die Schriften angekündigt und mit einem Vorläufer, der Ihn ausruft, das war Johannes der Täufer, auf die Erde und tut selbst Dinge, die früher nie auf Erden geschehen waren und die Pharisäer warfen Menschen vor, die von Christus beeindruckt waren, sie seien verführt! – Was für eine Finsternis herrschte da in dieser religiösen Elite, die sich als fromm und sehend ausgab! Dunkelste und schwärzeste Nacht beherrschte diese rechthaberischen (Joh 7,52) und habsüchtigen (Lk 16,14) und ihrem Vater, dem Teufel ergebene Herzen (Joh 8,44)!

Vers 48

Hat wohl jemand von den Obersten an ihn geglaubt, oder von den Pharisäern? Joh 7,48

Natürlich haben auch einige von den Obersten und von den Pharisäern an Ihn geglaubt, zum Beispiel der Synagogenvorsteher mit dem verstorbenen Kind (Mk 5,22 ff.). Auch Paulus kam als Pharisäer später auch zum Glauben an Ihn (Phil 3,5). Es steht geschrieben:

Dennoch aber glaubten auch von den Obersten viele an ihn; doch wegen der Pharisäer bekannten sie ihn nicht, damit sie nicht aus der Synagoge ausgeschlossen würden; Joh 12,42

Um zurück zum Vers Joh 7,48 zu kommen: Aussagen dieser erlogenen Art sind typisch, um eigene Interessen und Ideale zu verteidigen. Man nimmt eine Menschengruppe, von der man annehmen kann, dass sie mehrheitlich gleichgesinnt ist und sagt von ihr, dass sämtliche Personen darin so denken, wie man selber denkt. Damit stellt man lügnerisch andersdenkenden Personen eine zahlenmässig grössere Interessengemeinschaft vor, als es tatsächlich der Wahrheit entspricht. Man sagt lieber zu Andersdenkenden: „Alle sind gegen diesen Vorschlag!“, anstatt gründlich zu recherchieren und vorsichtig zu bleiben. Auf diese Art funktioniert der gefallene Mensch. In der Politik kann man solche Vorgehensweisen sehr oft beobachten. Der Mensch ist eben unvollkommen und sündig und schreckt selbst vor weitreichenden Lügen nicht zurück.

Wichtig zu sehen ist die Tatsache, dass Gott dem Eigenwillen der Menschen zuvorkommt. Er lässt in seiner Verantwortung die Zügel nicht schleifen und übergibt nichts dem Zufall. Aus diesem Grund ist festgehalten, dass die im Johannesevangelium erwähnte Verstockung von Gott kam. Gott sah die Bosheit dieser Menschen und verstockte sie, dass ihnen keine Heilung wiederfuhr (Joh 12,40). Sie waren nicht würdig, geheilt zu werden. Grundsätzlich ist kein Mensch würdig, geheilt zu werden, aber Gott kommt Menschen trotzdem in seiner Barmherzigkeit entgegen, wenn Er eine Bereitschaft feststellen kann, dass sich der Mensch vor Gott demütigen wird. Das Gros der religiösen Elite war aber nicht bereit, vor Gott Eingeständnisse zu machen. Deshalb verstockte Gott ihr Herz und hielt ihnen die Heilung verborgen.

Im Weiteren gibt es Menschen, die denken, sie seien an der vordersten Front. Die Wahrheit ist aber, dass Gott Jahrtausende vor der Geburt eines jeden Individuums schon weiss, wie und für was es sich auf den Ruf Gottes entscheiden wird. Entsprechend stellt Gott die Weichen des Lebens der Menschen. Dazu muss gesagt werden – sollte jetzt jemand denken, einige würden Chancen zur Errettung haben und andere nicht: Gott setzt nicht kaltblütig seine Gerechtigkeit durch. Um diese Seite seiner Natur nicht zu verletzen, opferte Er sich selbst am Kreuz auf Golgatha. Damit eröffnete Er allen Menschen den Weg der Gnade, denn sein Herz will den Menschen gewinnen; es will ihn nicht verdammen, wie geschrieben steht:

Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, HERR, nicht vielmehr daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt? Hes 18,23

Gott will die Menschen gewinnen; Er will sie nicht verdammen, wie erwähnt. Doch Gott wäre nicht der Allmächtige, wenn Er stolzen und unbussfertigen Menschen nachrennen müsste und wenn diese Ihm eine Nasenlänge voraus wären. Deshalb ist längst alles geregelt, bevor der Mensch aufsteht und sich aufmacht. Amen.

Vers 49

Diese Volksmenge aber, die das Gesetz nicht kennt, sie ist verflucht! Joh 7,49

Dieser Vers eröffnet dem allgemeinen Bibelleser die in den Herzen der religiösen Elite wohnhaft gewesene Bosheit. Gottesmännern war sie bereits im Vorfeld bekannt, wie zum Beispiel Johannes dem Täufer:

Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? Mt 3,7

Auch Christus, dem fleischgewordenen Gott, war selbstverständlich bewusst, was die Pharisäer in ihren Herzen hegten:

Otternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Mt 12,34

Es war die religiöse Elite, die sich einen Platz anmasste, der viel zu hoch war für sie, die das Gesetz teilweise selbst nicht richtig kannte (Joh 7,52) und die es teilweise bewusst zu ihrem Vorteil falsch anwendete, indem sie den Sohn erkannte, um sich dann seiner bewusst und in bösester Art zu entledigen, wie geschrieben steht:

Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen! Mt 21,38

Die Pharisäer scherten sich einen Dreck um ihre Volksgenossen und wiederspiegelten in keinem Punkt die Nächstenliebe, welche Gott bereits durch das Gesetz geboten hatte. Sie betrachteten die Volksmenge als verflucht, anstatt für sie zu beten und zu flehen (Jes 59,16), wie es angenehm vor Gott gewesen wäre und wie es Christus getan hat (Jes 53,12) und es heute noch tut (Rö 8,34; Heb 7,25).

Beobachten Sie die geistliche Elite heute, liebe Leserinnen und Leser! Verhält es sich heute anders?

Vers 50

Nikodemus, der früher zu ihm gekommen war und einer von ihnen war, spricht zu ihnen: Joh 7,50

In dieser denkwürdigen Situation der Offenlegung des Bösen im Herzen der geistlichen Elite tritt Nikodemus, der bei Nacht Jesus aufgesucht hatte (Joh 3), auf den Plan. Er gehörte auch der Partei der Pharisäer an. Er sah, dass seine Parteikollegen zu weit gingen, ohne das Gesetz zu beachten, auf das sie sich beriefen. Da bringt er einen Einwand für den HERRN, wie wir nachfolgend lesen.

Vers 51

Richtet denn unser Gesetz den Menschen, ehe es vorher von ihm selbst gehört und erkannt hat, was er tut? Joh 7,51

Nikodemus hatte Recht. Das Gesetz forderte explizit eine genaue Prüfung einer Angelegenheit, die man glaubte, beurteilen zu müssen. Und die Sache mit Christus, musste genau beurteilt werden, denn Christus führte mit der Bergpredigt (Mt 5-7) ein neues, höhergestelltes Gesetz ein. Es war klar zu beurteilen, ob Christus von Gott gesandt war oder nicht. Mose gebot dem Volk:

16 Und ich gebot euren Richtern in jener Zeit: Hört die Streitsachen zwischen euren Brüdern und richtet gerecht zwischen einem Mann und seinem Bruder und dem Fremden bei ihm!
17 Ihr sollt im Gericht nicht die Person ansehen; den Kleinen wie den Grossen sollt ihr hören. Ihr sollt euch vor niemandem fürchten, denn das Gericht ist Gottes Sache. Die Sache aber, die zu schwer für euch ist, bringt vor mich, dass ich sie höre!
18 So gebot ich euch in jener Zeit all die Dinge, die ihr tun solltet. 5.Mose 1,16-18

Der Mensch Gottes ist aufgefordert unbedingt gerecht zu richten. Die Person sollte man dabei nicht ansehen, was bedeutet, dass persönliche Faktoren wie Sympathie oder Antipathie absolut keine Rolle spielen dürfen. – Die Pharisäer versagten in diesen Punkten vollkommen. Auf gesetzwidrige Weise hatten sie Ihn längst im Herzen verurteilt, weil sie Jesus aufgrund seiner ausserordentlichen Fähigkeiten beneideten (Mt 27,18; Mk 15,10). Dazu kam, dass sie völlig widerrechtlich Anspruch auf Besitztum des Weinberges Gottes erhoben (Mk 12,7), obschon sie lediglich Pächter* waren.

*In der Tatsche, dass sie nur Pächter waren, sehen wir wiederum, wie Gott sich nicht verspotten lässt. Gott versprach Abraham das Land Israel zum Besitztum. Die Söhne Abrahams waren also tatsächlich Erben, nicht nur Pächter. Wer den Sohn Gottes aber verwirft, hat sich selbst schon vom Erbe zum Pächter degradiert. Wenn es zur Erbschaft kommt, wird ein solcher vom Erbe ausgeschlossen werden. Darin sind sehr tiefe Wahrheiten betreffend die Erbschaft enthalten (1. Kor 3 u. v. a.), welche ich bereits in anderen Kommentaren ausführlich beschrieben habe, zum Beispiel in den Erklärungen zum 1. Korintherbrief (Kapitel 3,8 ff) oder in den Erklärungen zum Hebräerbrief (Kap 3,7 – 4,11).

Vers 52

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du etwa auch aus Galiläa? Forsche und sieh, dass aus Galiläa kein Prophet aufsteht! Joh 7,52

Mit dieser Aussage wird untermauert, was Christus am Charakter der Pharisäer längst offengelegt hatte: Sie waren sehr böse (Mt 12,34) und dazu überheblich! Sie glaubten, diese Frage nicht mehr in den Schriften erörtern zu müssen, da ihnen längst alles klar sei. Christus kreidete ihnen an, dass sie sagten, sie würden „sehen“, sie hätten den Durchblick, obschon sie sich in Wahrheit völlig schriftwidrig verhielten (Joh 9,41). In ihrem selbstgerechten Wahn glaubten sie sich in göttlichen Dingen so sicher zu sein, dass sie Dinge fest behaupteten, die sie erwiesenermassen nicht kannten. Auch stellte sich ihre Behauptung in diesem Vers als komplett falsch heraus: Im Gebiet von Galiläa war bereits ein Prophet aufgestanden: Der Prophet Jona, der aus Gat-Hefer war, das in diesem Gebiet lag. Dazu wuchs Christus in der Stadt Nazareth auf, ebenfalls einem Ort in Galiläa. Christus war in seinen vielen Eigenschaften auch ein Prophet, denn Er legte Zukünftiges offen (z. B. Lk 16,19 ff.).

Beobachten Sie die geistliche Elite heute, liebe Leserinnen und Leser! Verhält es sich heute anders? Nicht nur die Führerschaft der endzeitlichen Gemeinde glaubt alles zu wissen, das Gros der Mitglieder denkt auch so. In der Beurteilung der Schrift wird das voll bestätigt; die endzeitliche Gemeinde spricht: „Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts (Offb 3,17a).“ Damit haben wir bereits die Antwort auf die Frage, ob es sich heute anders verhält. Amen.

Vers 53

Und jeder ging in sein Haus. Joh 7,53

Mit diesem Vers schliesst das siebente Kapitel im Johannesevangelium. Was für ein Abschluss, der die Gleichgültigkeit und die Selbstgerechtigkeit dieser Führer nochmals herausstreicht! Jeder der Pharisäer hatte ein Haus, in dem er seinem Leben nachging und dabei darauf achtete, dass dieses so gut wie möglich verlief (Mt 23,4 ff.). Für den fleischgewordenen Gott in der Person von Jesus Christus hatten sie gar nichts übrig ausser ihrem blinden Hass und ihre Mordabsichten!

Was denken Sie zur obligaten Frage, ob es sich heute anders verhält in Gemeinden, die den Ehebruch und weitere böse Dinge salonfähig gemacht haben? Zittern die Leiter und die Mitglieder darin vor dem Worte Gottes (Jes 66,2), das solche Machenschaften aufs Schärfste verurteilt? Lieben diese Menschen den HERRN, indem sie sein Wort in allem zieren? Was wird Christus bei seiner Wiederkunft, wenn die Gnadenzeit ihr Ende gefunden hat, diesen Gemeinden sagen? Wird Er zu den Einzelnen sagen: „Recht so, du guter Knecht, dass du mein Wort mit Füssen getreten hast, geh in die Freude deines Herrn!“, oder wird Er bei seiner Wiederkunft sein Wort durchsetzen? Was denken Sie, liebe Leserin und lieber Leser?

Kapitel 8

Vers 1

Jesus aber ging nach dem Ölberg. Joh 8,1

Im Gegensatz zu den Pharisäern hatte Christus keinen Platz, sein Haupt hinzulegen. Sogar die Tiere hatten es in dieser Hinsicht besser als Christus, denn diese hatten einen Ruheort, wie Er selber sagte:

Und Jesus spricht zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege. Mt 8,20

Christus hatte zwar offensichtlich eine Unterkunft in Kapernaum. Nachdem Er in Nazareth aufgewachsen war, zog Er nach der Überlieferung der Heiligen Schrift nach Kapernaum (Mt 4,13). Der Auftrag Gottes und die Verfolgung der Welt liessen es aber regelmässig nicht zu, dass Er sich in seine vier Wände zurückziehen konnte; Er hatte während seines Dienstes in Wahrheit keinen Platz, wo Er das Haupt hinlegen konnte. Die Not der Welt und der Hass des Teufels und seiner Gehilfen verunmöglichtem Ihm ein ruhiges Leben. Die Not der Welt erforderte, dass Er den Menschen nachging, die seine Hilfe benötigten; der Hass des Teufels und seiner Gehilfen bereiteten Ihm Versuchung (Heb 4,15) und Leid (Lk 4,29; Joh 7,30). Wie hätte Er in dieser Zeit abends nach Hause gehen können, um den Feierabend zu geniessen, wie die Pharisäer es taten und wie es die Welt tut, deren Zeit noch kurz andauert.

Unser Vater belastet uns nicht zeitlebens so, wie der Sohn belastet wurde, wir sind aber auch dringend angehalten, wachsam nicht faul zu sein. Die Not der heutigen Zeit schreit zum Himmel, wer da zurücklehnen und die Welt geniessen kann, hat die Zeichen der Zeit und das Schriftwort nicht verstanden. Christi Anordnung, abends noch etwas weiterzuarbeiten (Lk 17,7-10), geschah mitunter auch aufgrund der grossen Not in der Welt und aufgrund der wenigen, die sich als Arbeiter Gott zur Verfügung stellen. Die Ernte ist bekanntlich gross und der Arbeiter sind wenige (Mt 9,37). 

Vers 2

Frühmorgens aber kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. Joh 8,2

Jesus kam wieder in den Tempel, ist in diesem Vers gesagt. Beachten Sie bitte das Wort „wieder“, welches auf einen regelmässigen Gang ins Heilige Gottes (und zum Dienst an Gott und den Menschen) hindeutet. Dies tat Er frühmorgens. Es war eine der Hauptaufgaben Christi, das Volk zu lehren, und dies hatte in erster Priorität zu geschehen, nämlich frühmorgens und wiederkehrend. Christus setzte alles daran, dass sein Volk Leben hat und nicht aus Mangel an Erkenntnis des Weges Gottes umkommt. – Mögen wir dieselbe Gesinnung in uns tragen!

Mangel an Erkenntnis der Worte Gottes, der Worte des Lebens, lassen das Volk in die Irre gehen und umkommen.

Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Hos 4,6a

Leider gibt es noch viele unter uns, welche die Notwendigkeit nicht sehen, frühmorgens in der Bibel zu lesen oder, symbolisch gesprochen, die Worte Gottes zu essen. Die Worte Gottes dienen zur Unterweisung (2. Tim 3,16), aber auch explizit zur Speise, wie uns das Manna, das auch Himmelsbrot genannt wird, es in der Wüstenwanderung des Volkes Israel vorschattete. Das Manna war ein Symbol auf Christus, es schattete die Wirklichkeit, die wahre Speise vor. Das Manna kam vom Himmel herab und diente dem Volke Gottes zur tatsächlichen Speise (Ps 78,24). Später kam Christus vom Himmel herab und reichte sich selbst den Menschen als geistliche Speise dar (Joh 6,33.35.51).

Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes (Joh 1,14). Mit dem Lesen der Heiligen Schrift tun wir zwei Dinge: Wir lernen den Weg Gottes und speisen uns zugleich. Wenn wir nur das irdische Brot vom Bäcker zu uns nehmen, werden wir, geistlich gesehen, an Vitaminmangel erkranken. Dann wird uns der Weg Gottes fremd bleiben und unser innerer Mensch wird verkümmern.

Vers 3

Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte Joh 8,3

Die Schriftgelehrten und die Pharisäer stellten eine Frau in die Mitte, die offensichtlich ein todeswürdiges Vergehen begangen hatte. Sie dachten bestimmt, der HERR müsse ihnen für einmal Recht geben, da ihre „Beute“, die sie in die Mitte gestellt hatten, durch das von Gott gegebene mosaische Gesetz tatsächlich verurteilt war. Das Gesetz verurteilte diese Frau nicht nur zu einer Strafe, das Gesetz forderte sogar ihren Tod (3. Mo 20,10).

Christus war jetzt in einer Situation, in der die von Ihm als sehr böse taxierten Pharisäer von Ihm forderten, Recht zu haben. Und das Delikt der Frau war, wie erwähnt, tatsächlich so gravierend, dass ihr Blut vom Gesetz, welches die Wirklichkeit vorschattete, gefordert wurde.

Etwas kann man aber an dieser Stelle schon vorwegnehmen. Es zeigte sich auch in dieser Begebenheit wieder, dass sich die Juden im Grunde nicht um die Einhaltung des Gesetzes kümmerten (Joh 7,19). Das Gesetz sollte ihnen dienen, sie wollten nicht Gott durch das Gesetz dienen, so übel waren sie eingestellt. Es ging vor allem bei den Pharisäern lediglich darum, sich mit äusserlicher Schau fromm zu stellen (Mt 23,5). Wären sie wirklich um die Einhaltung des Gesetzes bekümmert gewesen, hätten sie es auch im vollen Umfang einhalten wollen und hätten demnach den Ehebrecher auch gebracht. Sie brachten jedoch nur die schuldige Frau als Gegenstand, der ihrer Rechtfertigung und ihrer angeblichen Frömmigkeit dienen sollte. Der Verdacht liegt sogar nahe, dass sie den Ehebrecher nicht bringen konnten, weil er einer von ihnen war. – Der Gedanke ist überhaupt nicht abwegig, denn Christus bestätigt höchstpersönlich, dass ihr Vater der Teufel war und sie die Werke ihres Vaters taten, wie geschrieben steht:

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Joh 8,44

Der Teufel tut alles, was wider Gottes Willen ist. Seine Kinder, die seine Werke tun, wirken somit auch antigöttlich. Was unter ihren Taten fromm scheint, tun sie nur, um vor Menschen zu prahlen. Sie sind wie übertünchte Gräber, die von aussen schön erscheinen, innen aber voller Unrat sind (Mt 23,27). Wären sie in Wahrheit wegen des Gesetzbruches bekümmert gewesen und hätten sie das Böse aus Israel ausrotten wollen, so hätten sie den Ehebrecher auch gebracht, wie das Gesetz es forderte, wie ich es auch schon erwähnt habe. Die Frau sei ja beim Ehebruch ergriffen worden, so musste der Ehebrecher auch vor Ort gewesen sein.

Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, müssen der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden. 3.Mose 20,10

Unser herrlicher HERR wusste natürlich von dem bösen Spiel, das sie spielten und begegnete ihnen so, wie es der Situation angemessen war. Dabei verletzte Er auch das Gesetz in keinem Punkt, wie wir es sehen werden. – Wer konnte oder kann heute in einer so herrlichen Art Gericht halten? Nur unser HERR kann das! Er sei gelobt!

Vers 4

und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Joh 8,4

Die Pharisäer sprechen den HERRN bei dieser Begebenheit mit „Lehrer“ an. – Kennt denn die Bosheit der Menschen keine Grenzen? – Offensichtlich nicht! Obschon sie den HERRN derart verabscheuten, dass sie Ihn am Ende ans Kreuz schrien, sollte Er ihnen hier in der Eigenschaft als Lehrer antworten. Sie, welche den Lehrstuhl Moses für sich beanspruchten (Mt 23,2), sprachen Jesus heuchlerisch als „Lehrer“ an und gaben damit vor, sich Ihm lehrmässig zu unterordnen, obschon sie in Wahrheit seine Lehre in keinem Punkt anerkannten.

Wie oft musste ich selbst ähnlich aufgesetzte Bosheit erleben! Da kommen in der Gemeinde Menschen, die ausschliesslich nach ihren eigenen Regeln leben wollen, heuchlerisch zu Dir, der Du ausschliesslich auf das Wort Gottes bauen willst, machen ihre Worte süss und wollen etwas von Dir wissen. – Dazu kann ich nur warnend sagen: Wenn das geschieht, traue ihnen auf gar keinen Fall! Denn hätten sie wirklich ein Herz für den HERRN, hätten sie vorher schon auf bibeltreue Lehrer gehört. Wenn sie vorher nicht hörten und Dir dann plötzlich z. B. mit ehrvollen Titeln wie „Lehrer“ schmeicheln, oder wenn sie mit Phrasen kommen wie: „Wir wissen, dass du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und dich um niemand kümmerst, denn du siehst nicht auf die Person der Menschen!“, wie sie Jesus in Mt 22,16 versucht hatten, dann sollst Du Dich umso mehr vor diesen Menschen hüten, mehr als je zuvor! – Bedenken Sie, liebe Leserin und lieber Leser, was ich sage, es dient Ihrem Wohl! Denn es sind nicht meine selbst erdachten Worte, es sind die Warnungen Gottes, wie sie an sehr vielen Stellen festgehalten sind (siehe u. a. in 1. Sam 18,17; Neh 6,2; Jer 12,6). Auch das Buch der Weisheiten Gottes lässt dieses wichtige Thema nicht aus, in den Sprüchen steht:

25 Wenn er seine Stimme lieblich macht, traue ihm nicht! Denn sieben Greuel sind in seinem Herzen.
26 Mag sich der Hass verbergen in Täuschung, seine Bosheit wird doch in der Versammlung enthüllt werden. Spr 26,25.26

Diese sehr deutlichen Warnungen dürfen in keinem Fall und nicht in der geringsten Form abgeschwächt werden! Passen Sie auf, liebe Leserinnen und liebe Leser, um in solche Situationen nicht ins Unglück zu fallen! Die sieben Gräuel (sieben ist eine Vollzahl, die Gräuel sind vollständig, es fehlt keiner) sind da, sie wohnen tatsächlich in den Herzen dieser Menschen!

Wenn Sie im Eintrittsfall den Ernst der Lage verniedlichen, so verwerfen Sie die Warnungen Gottes, und Sie werden Ihren Gegnern zur Beute werden, welche Gottes Richtlinien in ihren Herzen verleugnen. Nehmen Sie Christus in allen Dingen als Vorbild; Er fiel nie auf Heuchelei herein, denn Er hielt sich immer an das Heilige Wort, das den Menschen zum Guten dient. Als schlechtes Beispiel sehen wir den König Joasch von Juda. Durch solche glatten Worte seiner Oberen fiel er ab und wurde einer von denen, die sieben Gräuel in sich haben. Joasch mutierte vom frommen Mann zum bösen Mörder, der sogar den Sohn seines Wohltäters umbringen liess (2. Chr 24,17 ff.).

Wer glaubt, er habe so viel Widerstandskraft in sich, dass er sich nicht strikt an die Weisung Gottes halten muss, wird fallen. Das ist so sicher, wie die Existenz dieser Zeilen.

Vers 5

In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du? Joh 8,5

Korrekt führten die Pharisäer und Schriftgelehrten die Forderung des Gesetzes in Bezug auf die Frau an. – Als Ankläger waren sie aber bereits verurteilt, weil sie den Ehebrecher nicht auch gebracht hatten. Dies hätte möglich sein müssen, denn die Frau wurde bekanntlich auf frischer Tat ergriffen (siehe Vers 4).

Die ganze Situation zeigt einmal mehr auf, dass viele religiöse Menschen die geistlichen Vorgaben nur dazu verwenden, sich gut darzustellen, aber im Grunde nicht an der Einhaltung interessiert sind. Gottes Gesetz war für die damalige geistliche Elite nur das Mittel zum Zweck, sich über das Volk zu erheben. In ihrem Verhalten war sie aber völlig verurteilt, weil ihre Werke von ihrer Bosheit und ihrem Desinteresse in Bezug auf Gottes Willen zeugten.

Vers 6

Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Joh 8,6

Dieser Vers sagt klar aus, dass es den Anklägern nicht darum ging, Gott zu gefallen und sein Gesetz in Ehren zu halten, wie bereits in vorausgehenden Kommentaren angeführt. Auch wollten sie Christus nicht ehren, obschon sie Ihn mit „Lehrer“ angesprochen hatten. Es ging den Pharisäern und Schriftgelehrten lediglich darum, unseren heiligen HERRN zu versuchen, damit sie etwas hätten, um Ihn anzuklagen! Das bestätigt der Heilige Geist mit dieser Stelle.

Jesus bückt sich in dieser sehr üblen Situation nieder und schreibt auf die Erde. Die Situation war übel, weil Ehebruch unter dem Volk war. Todeswürdige, grobe Delikte wurden vor den Augen Gottes verübt, auch von denjenigen aus dem Volk, die Ihn nicht aktiv verfolgten. Das ganze Volk war moralisch in einem sehr bedenklichen Zustand. Und dann standen diejenigen da, die in berechnender und sehr bösen Absicht nach dem Leben Jesu trachteten und dabei das Gesetz Gottes mit ihrem Mund anführten, was ihnen nicht zustand. Für die Pharisäer und Schriftgelehrten galt damals, wie es heute für diejenigen gilt, die böse sind, aber Gottes Wort zitieren:

16 Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: »Was hast du meine Ordnungen herzusagen und nimmst meinen Bund in deinen Mund?
17 Du hast ja die Zucht gehasst und meine Worte hinter dich geworfen.
18 Sahst du einen Dieb, so befreundetest du dich mit ihm, und mit Ehebrechern hattest du Gemeinschaft.
19 Deinen Mund schicktest du los zum Bösen, und deine Zunge spannte Betrug davor.
20 Du sassest da, redetest gegen deinen Bruder, gegen den Sohn deiner Mutter stiessest du Schmähung aus.
21 Das hast du getan, und ich schwieg; du dachtest, ich sei ganz wie du. Ich werde dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen.
22 Merket doch dies, die ihr Gott vergesst, damit ich nicht zerreisse, und keiner kann retten! Ps 50,16-22

Es wird viel darüber spekuliert, was Christus wohl in die Erde geschrieben habe. Um der Bosheit bzw. der Arglist der Pharisäer und Schriftgelehrten zu begegnen, hat Er vielleicht einfach aber treffend geschrieben: „Wo ist der Ehebrecher?“, der ja nach dem Gesetz des Mose auch hätte gebracht werden sollen. Damit wären die Ankläger als völlig mangelhafte Richter und liederliche Arbeiter im Umgang mit Gottes heiligem Wort entlarvt gewesen.

Mir ist nicht bekannt, was Christus wirklich auf die Erde geschrieben hat; im oft als Parallelstelle angeführten Vers aus Jer 17,13 kann ich keine Erklärung sehen. Auch will ich mich nicht spekulativ auf eine Erklärung festlegen, die sich dann, weil sie eben nicht mit der Heiligen Schrift bewiesen werden kann, als falsch herausstellt. Sie sollten es in der Bibellehre mich gleichtun, liebe Leserinnen und liebe Leser. Lehren Sie nie etwas, wenn Sie das Gesagte nicht beweisen können. Das Wohl der Seelen ist an das Wort gebunden. Wer mit dem Worte Gottes ungenau arbeitet und anfängt Dinge zu behaupten, die nicht beweisbar sind, nimmt voll in Kauf, dass Seelen aufgrund falscher Wegweisung Schaden nehmen. Leider gibt es viele solche „Arbeiter“. Der HERR möge mich mein Leben lang vor unseriöser Arbeit in seiner Verwaltung bewahren! Amen.

Vers 7

Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. Joh 8,7

Da stand nun die Frau, die klar schuldig war, sie war schliesslich auf frischer Tat ertappt worden. Und da standen auch die als vom HERRN persönlich als sehr böse taxierten Pharisäer und Schriftgelehrten, die das Gesetz nur zu ihrem eigenen Wohl im Mund führten. Und da stand der vollkommene Herr Jesus, der fleischgewordene Gott persönlich*. In seiner herrlichen Eigenschaft als absolut souveräner HERR, sagte Er einen einzigen Satz und erledigte damit zwei Dinge.

1. Er beschämte die üblen Ankläger und löste die Versammlung auf.
2. Er sprach die Frau frei.

Nun gibt es aber doch ein vermeintliches Problem. – Wie konnte Er die Frau freisprechen, wo sie doch schuldig war? Das göttliche Gesetz forderte ja ihren und des Ehebrechers Tod! Und Gott hat nie sein eigenes Gesetz verletzt! – Christus konnte sie von der Steinigung frei sprechen, weil Er gekommen war, die Schuld der Sünder zu tragen. Er kam als Lamm Gottes auf diese Welt, welches die Sünde dieser Welt wegnimmt, auch die Sünde dieser Ehebrecherin, der es angesichts des Todes hat bewusst werden müssen, wie schwerwiegend ihr Vergehen war. Indem Er diese Frau frei liess, hatte Er seinen eigenen Tod als Stellvertreter der Menschen besiegelt. Denn für diese Sünde musste zwingend Blut fliessen, ansonsten wäre die Gerechtigkeit Gottes verletzt worden. Gott stünde als ungerechter Richter da, wenn diese Frau freigekommen wäre, ohne dass ein Ausgleich für das Böse bereit gestanden hätte. Dieser Ausgleich war Christi Leben. Dieses herrliche Leben gab Er für Sie und für mich, wie auch für diese Frau. Er gab es für sündige und damit unwürdige Menschen! Deshalb sei Er gepriesen in Ewigkeit! Amen!

*Um den Punkt der Gottheit Christi ein für allemal durch die Heilige Schrift zu beweisen, sei folgender Vers angeführt:

Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. Joh 1,3

Engel oder Menschen, welche die Gottheit Christi leugnen, wie es die sogenannten „Zeugen Jehovas“ tun, sind mit diesem Vers definitiv als Irrlehrer überführt. Die „Zeugen Jehovas“ behaupten, Christus sei eine Schöpfung, Christus sei nicht der ewige Gott, der weder Anfang noch Ende hat. Johannes 1,3 sagt aber unzweideutig aus, dass keine Schöpfung ohne das Wort wurde. Johannes 1,1 sagt zusammen mit Johannes 1,14 aus, dass das Wort Gottes und Christus identisch sind. Das Wort war Gott. Und das Wort wurde Fleisch. Johannes 1,3 sagt aus, dass rein gar nichts Geschaffenes ohne das Wort wurde. Auch nicht die allererste Schöpfung wurde ohne das Wort. Das bedeutet, dass auch die allererste Schöpfung nicht ohne Christus wurde. Damit drückt die Heilige Schrift aus, dass Gott ausnahmslos alles, das Er ins Dasein gerufen hat, durch Christus geschaffen hat. Alles, das also geschaffen wurde, wurde durch Christus geschaffen. Demzufolge kann Christus nicht ein Teil der Schöpfung sein.

Dass die Schöpfung durch Christus wurde, ist ja durch mehrere Stellen geoffenbart (z. B. Heb 1,2). Im Kolosserbrief ist es so beschrieben:

15 Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung.
16 Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen;
17 und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn. Kol 1,15-17

Fassen wir kurz zusammen: Johannes 1,3 sagt klar aus, dass von allen geschaffenen Dingen (himmlische Wesen, Universum, Welt, Tiere, Menschen) nicht ein einziges ohne dieses Wort, ohne Christus, wurde, denn es heisst: „Ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.“ Somit kann Christus unmöglich ein geschaffenes Wesen sein, Christus ist der ewige Gott! Lassen Sie sich da nicht von Irrlehrern verwirren, die einen anderen Christus predigen und selbst am wahren Erlöser vorbei ins Verderben rennen, um an eigene, nutzlose Ideen zu glauben!

Vers 8

Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde. Joh 8,8

Nach seinem die Frau erlösenden Satz vollendete Er die in die Erde geschriebenen Worte, welche, zusammen mit seinem Ausspruch im Vers 7, wer ohne Sünde sei, solle den ersten Stein werfen, einen solchen Einfluss auf die versammelte Menge hatten, dass sich diese von alleine und völlig widerstandslos auflöste. So ist und wirkt unser herrlicher HERR, hier in einer Situation, in der tatsächliche Sünde (in diesem Fall: Ehebruch) und ein böser Mob (in diesem Fall: Pharisäer und Schriftgelehrte) eine unmögliche Lage aufkommen liessen! Die Tatsache war: Die Ehebrecher und die Pharisäer wären chancenlos gewesen, hätte das Endgericht gerade in jenen Augenblicken angefangen.

Die Anwesenheit unseres herrlichen HERRN bewirkte aber folgendes: Die Sünde, Bosheit und Heuchelei, welche diese Versammlung in geballter Form in sich trug, wurde von Christus abgefangen, ohne dass Gottes verzehrendes Feuer im Grimm vom Himmel fahren musste, um seine Gerechtigkeit zu befriedigen. Christus reichte der Frau Zeit dar, um ihr sündiges Leben zu überdenken und um Busse zu tun. Christus reichte den Pharisäern und Schriftgelehrten Zeit dar, um ihre stolze und heuchlerische Einstellung zu überdenken und um Busse zu tun. Mit seinem hier geplanten und später tatsächlicher erfolgten Tod am Kreuz gab Christus den Menschen zusätzliche Zeit, da Er damit dem Vater den völligen Ausgleich für jede Sünde schaffte. Die Situation war wegen Christi Bereitschaft, den Menschen die Erlösung zu schaffen, folgendermassen: Der Vater musste nicht dreinfahren, um seine verletzte Gerechtigkeit zu befriedigen, weil Christus für jeden Menschen in Kürze am Kreuze bezahlen würde. Der Vater konnte somit weiter abwarten, ob nicht etwa, zum Beispiel auf die Predigt des Petrus hin (Apg 2,14 ff.), die Pharisäer und Schriftgelehrten doch noch Busse täten. Und tatsächlich hatte die Gerechtigkeit des Vaters zur Zeit jener Predigt des Petrus an Pfingsten den vollen Ausgleich bereits erhalten, Christus hatte sein äusserst leidvolles Werk vollbracht.

Auf dieselbe Weise war Christi Werk in unseren Leben wirksam. Wir kamen als Sünder zur Welt. Die in uns wohnende Sünde liess uns Gott auf vielerlei Weise betrüben, indem wir seine Gebote immer und immer wieder übertraten. Christi Tat bewirkte auch bei uns, dass Gott mit dem Gericht zuwarten konnte, denn aufgrund seiner Tat am Kreuz von Golgatha kann der Vater das Gericht an jedem Menschen vorübergehen lassen, der an den Namen von Jesus Christus glaubt (Röm 10). Dieser Gnadenbereich den uns Christus geschaffen hat, rettet unser Leben (Rö 5,9); Christus ist wie eine Arche, die alle am Leben bleiben lässt, die vor dem über die ganze Welt kommenden Gericht in sie hineinflüchten, was bedeutet, sich in Christus zu verbergen.

Vers 9

Als sie aber dies hörten, gingen sie einer nach dem anderen hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand. Joh 8,9

Lassen Sie mich aufgrund dieses Verses auf ein allgemeines Problem hinweisen: Die Älteren sollten in der Regel weiser sein als die Jungen, denn sie haben mehr Lebenserfahrung (siehe auch: 1. Kö 12,6 ff, die Torheit Rehabeams im Rat der Jungen). Die Älteren verliessen den Ort auf die Rede Christi zuerst, sie wussten besser als die Jüngeren, wie schnell der Mensch in Sünde gerät. – Sobald einer denkt, er lebe gut, liegt er nicht selten schon daneben. Die Bibel spricht an vielen Stellen von der Gefahr, schnell zu fallen, wie zum Beispiel im Galaterbrief (Gal 6,1b) oder im Philipperbrief (Phil 2,12), um nur sehr wenige Beispiele zu nennen. Ein vielzitierter Vers ist auch folgender:

Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle. 1.Kor 10,12

Leider lassen unsere heutigen Gemeindesysteme nicht mehr gross zu, dass die Jungen gesellschaftsgerecht von den Alten lernen. Die Jungen sind unter Jungen, die Alten abgesondert in ihrem Gefäss und das ganze wird von Geschwistern im mittleren Alter geleitet, die irgendwie allen gerecht werden wollen. Aufgegleist werden dann Seniorennachmittage für die Alten und Jugendgruppen für die Jungen.

Damit erreicht man vielleicht eine gute Unterhaltungsmaschinerie, aber nicht das, was der HERR mit der Gemeinde bezweckt. Eine Gemeinde sollte von geisterfüllten, langjährigen Christen geleitet werden. Der Heilige Geist spricht nicht umsonst in Erwähnung der Gemeindeleitung vom „Rat der Ältesten“. Die Worte „Brüderrat“ oder gar (ein gemischter) „Geschwisterrat“ sind eigene, schriftwidrige Erfindungen, welche eingeführt wurden, dass es dem Namen nach passend wird, wenn junge Männer oder Frauen die Geschicke der Gemeinde leiten. Eine 35-jährige Frau stünde in einem „Rat der Ältesten“ wie ein bunter Vogel völlig deplatziert im Raum. Das durch Menschen erfundene Gefäss „Geschwisterrat“ suggeriert dieser Frau aber die gewünschte Legitimation, wie das ebenfalls von Menschen erfundene Gefäss „Brüderrat“ es jungen Männern suggeriert.

Liebe Leserinnen und Leser! Noch nie führte eine Abweichung vom Worte Gottes zum Erfolg, nirgendwo können wir aus den Geschichtsbüchern der Bibel solches entnehmen! Ich frage mich, wieso es in der christlichen Landschaft trotzdem danach aussieht, als ob Wettbewerbe liefen, wie man das Leben oder die Gemeinde anders gestalten könne, als es die Schrift sagt.

Vers 10

Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Joh 8,10

Die Frau stand schlussendlich allein vor Jesus. Die Ankläger waren weg. Jesus beschäftigte sich nun persönlich mit dieser Seele, die nicht das Gesetz der Pharisäer und der Schriftgelehrten gebrochen hatte. Die Frau hatte die Weisung des Allmächtigen gebrochen, das Gesetz Gottes, der sich in der Gestalt des Menschensohnes gerade vor ihr aufrichtete.

Jesus Christus war ohne Flecken und Runzel, völlig sündlos und rein. Er allein war und ist würdig, Gericht zu halten. Das Gesetz forderte unmissverständlich den Tod dieser Frau, was kein gerechter Richter negieren konnte. Jesus ist gerecht und Er ist der Richter dieser Welt. Wenn Er nun diese Frau nicht zu Tode brachte, musste, gemäss Gesetz, ein gleichwertiger Stellvertreter zu Tode kommen, denn, wie erwähnt, war der Tatbestand des todeswürdigen Ehebruches erfüllt.

Liebe Leserinnen und Leser! Es muss uns allen klar sein, dass es hier nicht um ein Spiel ging, wie es in der Welt gespielt wird. Die Welt ist ungerecht. Bei den einen schauen die Richter weg, andere verurteilen sie (zu) hart und das bei gleichen Vergehen. Gott spielt aber keine solchen Spiele. Entweder musste diese Frau zu Tode kommen oder ein Stellvertreter musste zu Tode kommen, das waren die Fakten. Der HERR durfte als gerechter Richter die Frau auf keinen Fall einfach wieder in die Freiheit entlassen, um damit die Rechtsforderung des Gesetzes selbst mit Füssen zu treten. Deshalb sage ich nochmals: Entweder musste Er ihr die todbringenden Steine an den Kopf werfen oder Er musste dafür sorgen, dass ein sündloser Stellvertreter an ihrer statt sein Leben lässt. Der Stellvertreter musste zwingend sündlos sein, um als Stellvertreter agieren zu können; ein sündenbeladener Mensch ist sowieso schon seiner eigenen Sünde wegen gerichtet; ein sündenbeladener Mensch hat nichts, mit dem er andere vor Gott auslösen könnte.

Vers 11

Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr! Joh 8,11

Wie Gott dem Abraham einen Stellvertreter an Isaaks Stelle ersehen hatte (1. Mo 28,13), ersah Gott einen Stellvertreter für diese Frau. Gott ersah einen Stellvertreter, welchen die Schuld dieser Frau treffen sollte, denn die Rechtsforderung des Gesetzes konnte unmöglich aufgehoben werden. Die Sünde war da, die Frau war in todeswürdige Schuld gefallen (3. Mo 20,10).

Da es keinen anderen sündlosen und völlig reinen Menschen ausserhalb Christus gab, der als stellvertretendes Opfer für die Sünden dieser Frau und die der Menschheit hätte sterben können, bekräftigte Christus mit der Freilassung dieser Frau sein eigenes Todesurteil. – Das waren die Tatsachen und die Fakten: Als gerechter Richter dieser Welt (Joh 5,22) hatte Christus hiermit eine Frau entlassen, die des Todes schuldig war. Dies hätte Er niemals tun können, wenn nicht ein Plan bestanden hätte, welcher der noch unbefriedigten Forderung des Gesetzes doch noch einen Ausgleich verschaffen würde.

Wenn ein Räuber einem Menschen eine Million Euro stiehlt, das Geld in seinen Lüsten verprasst und anschliessend vom Richter freigesprochen wird, ist die Forderung des Bestohlenen nicht ausgeglichen. Sie besteht weiterhin. Sie ist erst ausgeglichen, wenn der verantwortliche Richter, der den Räuber unversehrt in die Freiheit entlassen hat, selber zum Geldbeutel greift und die geraubte Summe bezahlt. – Genau dies tat Christus. Die Frau verletzte das Gebot des Gesetzes „Du sollst nicht ehebrechen“. Die Strafe dafür war nicht nur, eine Million Euro zahlen zu müssen, die Strafe dafür war der Tod. Der Richter, der sie freigelassen hat, musste demnach an ihre Stelle treten und in diesem Fall auch viel mehr tun, als „nur“ eine Million Euro auszugleichen; der Richter hatte mit der Freilassung dieser Frau sein eigenes Leben verwirkt. Kurz gesagt: Wer die Ehe bricht, verwirkt sein Leben. Spricht der Richter den Ehebrecher frei, verwirkt der Richter sein Leben.

Da Christus an unserer statt gelitten hat, sollten wir die Sünde hassen. Gott ist ein Gott der Ordnung. Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit. Im Reich Gottes herrscht Gerechtigkeit. In der Welt herrscht Ungerechtigkeit. Und da im Reiche Gottes die Sünde keinen Platz hat und dermassen antigöttlich und böse ist, sollten wir uns, wie erwähnt, dringendst davor fernhalten. Die Leiden Christi, die auch unserer Sünde wegen auf Ihn gekommen sind, waren schrecklich! Wenn wir also mit Sünde liederlich umgehen, achten wir das vergossene Blut Christi geringschätzig, dann ist es billig in unseren Augen und wir pflegen die gleiche Haltung wie die Pharisäer damals, welche in ihrem abscheulichen Stolz Christi Wert auf kümmerliche 30 Silberlinge festsetzten.

Christus ist durch sein Werk nachweislich der edelste Mensch, der einzige, der keine Sünde kannte! Dazu ist Er der fleischgewordene Gott! Er ist der wertvollste Schatz für den Vater! Somit ist es auch völlig nachvollziehbar, dass die Bibel bei fortwährender, mutwilliger Sünde kein Pardon kennt, sondern davon spricht, dass Christus bei willentlicher und fortwährender Übertretung nicht mehr als Opfer einspringen wird. Die Bibel nimmt im Hebräerbrief Bezug auf die Opfer, die im Alten Testament symbolisch für Christus standen und spricht davon, dass kein „Schlachtopfer“ übrig sein wird (das derartige Sünden tilgt) und dass unbussfertige, vorsätzliche Sünder in ein sehr böses Gericht kommen werden, wie geschrieben steht:

26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig,
27 sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird. Hebr 10,26-27

Wir Christen haben die Erkenntnis der Wahrheit empfangen. Wenn wir später trotzdem mutwillig in ein sündiges Leben zurückkehren, wird für unseren Frevel kein reinigendes Blut bereitstehen, welches wir mit der Rückkehr in die Unreinheit mit Füssen getreten haben (Heb 10,29).

Damit kommen wir zur Betrachtung des zweiten Teiles dieses Verses. Christus spricht zu der Frau: „Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Diese deutliche Aufforderung korrespondiert völlig mit dem Vers 26 im Hebräerbrief. Die Frau hatte ihr verwirktes Leben zurückerhalten. Dafür musste Christus sein Leben auf schlimmste Art und Weise lassen. Wie erwähnt ist es nun so, dass die Gnade Gottes keinesfalls billig ist. Christi Leben ist kostbar, sehr kostbar. Wer nach einer erhaltenen Begnadigung selbstherrlich ins alte Leben zurückfällt, wird keine weitere Begnadigung erhalten, Christus springt für bösen, vorsätzlichen Mutwillen der Menschen nicht immer wieder ein, es bleibt also kein Schlachtopfer mehr übrig, die Sünde wird nicht getilgt werden.

Vielleicht stösst diese Betrachtung christlichen Gutmenschen etwas sauer auf, die so etwas wie eine Allversöhnungslehre pflegen. Die Bibel ist aber klar zum Thema mutwillige Sünde. Wenn Gottes Kinder sich darüber nicht im Klaren sind, liegt das Problem bei ihnen, nicht bei Gottes Wort. Amen.

Vers 12

Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. Joh 8,12

Wie herrlich diese Rede Christi doch ist! Nur schon mit der Entlassung dieser Frau hat Er auf herrlichste Art bewiesen, dass Er gekommen war, die Menschen zu retten, unabhängig davon, wie tief sie in der Sünde verstrickt* oder von Satan bereits gebunden waren (Lk 13,16).

Etwas sei hier festgestellt: Jeder Mensch, sei er noch so weise und mit noch so herrlichen Projekten beschäftigt: Wer Christus nicht nachfolgt, wandelt in der Finsternis! Das ist ein Fakt; wer das nicht glaubt, verwirft Gottes Wort. Nur wer Ihm nachfolgt – das Bekenntnis allein genügt nicht, die Rede ist von aktiver Nachfolge -, wird das Licht des Lebens haben.

*In der Apostelgeschichte (Apg 2,36-38) wird deutlich, dass der HERR sogar seinen Mördern nochmals eine Chance gibt, Busse zu tun. Egal, wie gross die Sünde vor der Bekehrung war, das Leben des HERRN reicht zum Lösegeld für jeden, der da will. Nur soll er danach nicht wieder zur Sünde zurückkehren, wie ein Hund zu seinem Gespei zurückkehrt (2. Petr 2,22).

Vers 13

Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du zeugst von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. Joh 8,13

Die absolut herrliche Langmut Gottes ist auch im Blick auf die Pharisäer sehr deutlich zu erkennen. Wir würden auffällig böse Menschen, die uns nur Probleme bescherten, nach einigen Kommunikationsversuchen viel schneller aufgeben, als Gott es tut. Schnell würden wir uns von Bösen zurückziehen, wenn offenbar wäre, dass sie im Unrecht sind und sie unseren Geschäften nur schaden wollen, um auf unsere Kosten möglichst viel zu profitieren.

Die Pharisäer handelten auf übelste Art. Sie unterstellten Jesus, Er würde sich der Kraft der Dämonen bedienen (Mt 12,24). Sie bezichtigen Ihn in der aktuellen Bibelstelle, in Joh 8,13, der Lüge. Sie versuchten Ihn fortwährend zur Weissglut zu reizen (Mk 14,65; Mt 27,40). Sie waren das, was Christus von ihnen sagte: Kinder des Teufels (Joh 8,44).

Gott verschloss seinen Beleidigern den Weg zur Rettung aber nicht sofort. Wie oben beschrieben, liess Er ihn sehr viel länger offen, als die Menschen es tun würden. Gott gab ihnen Zeit, sehr viel Zeit, um Busse tun zu können. Sogar nach seiner Ermordung liess Er seine rettende Türe noch offen; in der Pfingstrede des Petrus wurde ihnen noch einmal das Heil in Christus angeboten. Petri Worte waren an das Haus Israel gerichtet, welches moralisch zum Mörder Christi degeneriert war (Apg 2,36b).

Was können wir dazu sagen? – Die (rettende) Langmut Gottes ist ein weiterer herrlicher Wesenszug unseres HERRN! Gott ist nur schon aufgrund seiner ausserordentlichen Langmut sehr zu preisen! Je älter ein Christ wird, desto mehr weiss er die Langmut Gottes zu schätzen, da ihm seine Erfahrung sehr viel von ihr in Erinnerung ruft, z. B. wie oft Christus die Anschläge seines Herzens immer wieder vergeben hat. – Der HERR sei für seine Langmut gelobt! Amen.

Vers 14

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiss, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. Joh 8,14

Jesus wusste, woher Er kam und wohin Er geht. Die Pharisäer wussten von sich selbst nicht einmal, woher sie kamen und wohin sie gingen. Die Ursprünge der Menschheit kannten sie nur aus den Überlieferungen; sie waren bei der Erschaffung des Menschengeschlechts nicht persönlich dabei. – Die ganze Schöpfung wurde durch Christus. Christus war nicht nur dabei, Er kennt als Werkmeister mehr davon, als jedes Geschöpf. Alles wurde durch Ihn selbst. Diese wahren Tatsachen hätte Er den Pharisäern um die Ohren schlagen können. Er hätte damit in keinem Punkt übertrieben.

Aber Christus hielt sich zurück. Er sagte ihnen zwar, wie verkehrt sie waren, es blieb ihnen vor Ihm keine Grund, sich zu rühmen (Spr 26,5). Christus nützte aber seine totale Überlegenheit nicht aus, um sie verbal zu vernichten. Obschon Er ihren Irrtum und ihre Bosheit klar beim Namen nannte, signalisierte Er in seiner Art, dass Reumütige bis zu seiner Wiederkunft, selbst solche aus ihren Reihen, noch immer eine Chance für das Heil haben würden. – Reumütige aus ihren Reihen hätten nicht mehr an eine mögliche Vergebung dessen glauben können, den sie ans Kreuz schlagen liessen, wenn Er sie als völlig hoffnungslose Fälle bezeichnet hätte.

Dies sollte uns eine Lektion sein und lässt uns die Worte Christi noch verständlicher werden, dass wir nicht vor der Zeit richten sollen. Wir sollen keine finalen Namen austeilen, wie „Trottel“ oder gar „Narr“, wie geschrieben steht:

Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr! der Hölle des Feuers verfallen sein wird. Mt 5,22

Was für die eigenen Reihen gilt, ist auch gegenüber den Menschen aus den Nationen gefordert. Wir sollen unsere Nächsten lieben und für unsere Verfolger beten, auch dann, wenn unser alter Mensch unsere Peiniger in die Hölle wünscht. Wir sind dem alten Menschen keine Rechenschaft mehr schuldig und sollen uns befleissigen, anderen Menschen den Weg aus ihrer Gefangenschaft der Sünde zu Christus hin zu weisen. So, wie wir als Sünder den Weg haben finden dürfen, sollen wir ihn anderen offenhalten, bis der HERR zurückkommt. Amen.

Vers 15

Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. Joh 8,15

Die Pharisäer richteten nach „dem Fleisch“, sie richteten gemäss der verdorbenen menschlichen Natur. Was Jesus an dieser Stelle von den Pharisäern sagte, bestätigten sie im Scheinprozess vor dem Hohen Rat gegen Ihn: Sie richteten willkürlich, böswillig und ungerecht, um ihre egoistischen Interessen zu wahren (Mt 26,57 ff.). Christus richtete hingegen niemanden. Obschon Er der einzige von Gott autorisierte Richter dieser Welt ist, legte Er sein Recht, zu richten, vorerst zur Seite, damit die Menschen eine Chance bekämen, der Hölle zu entfliehen. Der Mensch ist bekanntlich sündig. Kein einziger kann von sich sagen, er habe nicht gesündigt, wie geschrieben steht:

Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Ps 14,3

Zu jener Zeit richtete Christus niemanden, wie Er heute noch mit dem Gericht zurückhält. Hätte Christus damals seinen Thron bestiegen, als es das Volk erwartet hatte (Lk 19,38), hätte Er als König Gericht halten müssen. Dann hätten nicht einmal seine Jünger eine Chance auf Leben gehabt, sie hatten ja auch gesündigt, wie alle anderen Menschen. – Gepriesen sei der HERR, dass Er zuerst die Erlösung schuf und danach den Menschen sehr viel Zeit liess, diese Erlösung zu finden. Gepriesen sei Er, dass Er seitdem 2000 Jahre mit der Thronbesteigung zugewartet hat, damit noch jeder, der da will, sich zu ihm wenden und damit gerettet werden kann. 

Vers 16

Wenn ich aber auch richte, so ist mein Gericht wahr, weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. Joh 8,16

Christus wird einmal richten; Er ist der Richter dieser Welt. Er richtet alle* Christen auf dem Richterstuhl sitzend (2. Kor 5,10) vor dem Anbruch des 1000-jährigen Reiches. Er richtet die Menschen aus den Nationen, die nach der Zeit der Drangsal noch am Leben sind, beim Anbruch des 1000-jährigen Reiches (Mt 25,31 ff.). Er richtet die Verstorbenen aus den Nationen nach dem 1000-jährigen Reich (Offb 20,11).

Damit eine Angelegenheit vor Gericht als glaubwürdig anerkannt wurde, musste sie von mindestens zwei Zeugen bestätigt werden (5. Mo 19,15). – Auch Christus hält sich an diese Regel des doppelten Zeugnisses. Er ist nicht allein. Er und der Vater, die in der Aussage völlig einig sind, sind zwei. Und Gott ist in der Vollzahl drei, nämlich der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Somit ist Ihr Zeugnis wahr.

*Die lebenden und die verstorbenen Christen erscheinen gleichzeitig vor dem Richterstuhl (1. Thess 4,16.17)

Vers 17

Aber auch in eurem Gesetz steht geschrieben, dass das Zeugnis zweier Menschen wahr ist. Joh 8,17

Christus nannte das Gesetz Gottes, welches die Pharisäer in ihren Mündern führten, „euer Gesetz“. Das ist bezeichnend. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wendeten es an, wie sie wollten, nicht so, wie es von Gott angeordnet war. Das sieht man durch die Evangelien bestätigt. Im Prozess gegen Christus wäre Er, in der wahrhaftigen Prüfung durch das Gesetz, als völlig unschuldig erfunden worden. Er hat das Gesetz in allen Punkten eingehalten. Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben aus dem Gesetz Gottes ihr eigenes (böses) Gesetz gemacht, um Ihn zu Tode zu bringen, um nur ein Beispiel zu nennen. Sie wandten „ihr“ Gesetz an, indem sie die Schrift und das Recht so beugten, bis es „passte“, um ihren Begierden folgen zu konnten.

Heute beobachten wir wieder dieselbe Taktik der Menschen: Auf die gleiche Weise wird das Wort Gottes wieder zum Wort der Menschen, zum Wort der Pfingstgemeinde, der FEG, der Methodisten und so weiter. Das Wort Gottes wird zum Wort der Gemeindebesucher abgeändert, damit aller Eigenwille in den Versammlungen Einzug halten kann. Nur mit dem abgeänderten Wort Gottes, mit dem Wort der Menschen, kann das Böse in den Gemeinden Fuss fassen. Das wahre Wort Gottes sondert das Böse unter den Heiligen aus.

Vers 18

Ich bin es, der von mir selbst zeugt, und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt von mir. Joh 8,18

Jesus zeugt zusammen mit dem Vater für die Wahrheit, wie vorausgehend bereits erwähnt. Die Gottheit hält sich selbst an das Gesetz und bringt die erforderlichen zwei Personen auf, die benötigt werden, um eine Sache als zuverlässig zu bestätigen.

Unser heiliger Gott, der es in keinem Punkt nötig hätte, sich zu erklären, zeichnet sich als exzellentes Vorbild aus: Er macht alles selbst vor, was dem Menschen auf dem heiligen Pfad gut tut und hilft.

Vers 19

Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich gekannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater gekannt haben. Joh 8,19

Der maximale Verblendungsgrad der Pharisäer wird mit dieser Stelle einmal mehr offengelegt. Der fleischgewordene Sohn, welcher vom Vater-Gott gesandt war, stand vor ihnen und sie, die von sich behaupteten, das Gesetz zu kennen, erkannten den nicht, welcher das Zentrum aller Worte Gottes war und ist.

Ach, hätten die Pharisäer doch nie von sich behauptet, sie würden sehen! In Wirklichkeit waren sie blind und tappten völlig im Dunkeln. Weil sie aber behaupteten, zu sehen und sie sich auf Moses Lehrstuhl (Mt 23,12) gesetzt hatten, um als „Wissende“ sogar das Volk zu unterweisen – obschon sie selbst nicht einmal den vielfach angekündigten Christus erkannten -, machten sie sich schuldig, wie es ihnen der HERR vorwerfen musste:

Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: Wir sehen. Daher bleibt eure Sünde. Joh 9,41

Wie konnten sie den Vater, welcher seinen Sohn gesandt hatte, gekannt haben, wenn sie als selbst deklarierte „Sehende“ nicht einmal imstande waren, den Sohn zu erkennen, auf den der Tanach (= Altes Testament) mit allen möglichen Sinnbildern hinwies? Darin stand viel von Gott und seinem Hirten der Völker. Dazu kam noch Johannes der Täufer, der Christi Ankunft lautstark und effektiv ausrief (Lk 7,29)! – Was ging schief bei der religiösen Elite? – Sie hatten eine eigene Vorstellung von der Verwaltung des Reiches. Sie benutzten die Schriften, um gross herauszukommen. Längst hatten sie daraus ihr eigenes Gesetz gebastelt. Deshalb warf ihnen der HERR vor, sie würden ein eigenes Gesetz haben, was sehr bezeichnend war (Joh 8,17; 10,34). Wie tief war doch die damalige religiöse Elite gesunken! Und wie viele Parallelen dazu sehen wir in der heutigen Zeit, in der viele wieder eigene Lehren mit Weglassungen, illegalen Änderungen und Hinzufügungen gebastelt haben! Wie den damaligen geistlichen Führern ein schweres Gericht angekündigt war (Mt 23,33), wird es mit all den „modernen“, geistlichen Führern und ihren Nachahmern im Gericht nicht gut kommen, wenn sie nicht Busse tun!

Vers 20

Diese Worte redete er in der Schatzkammer, als er im Tempel lehrte; und niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. Joh 8,20

Wie herrlich und gnädig doch unser HERR ist! Er setzte alles daran, dass der Mensch so zu leben lernt, wie es ihm am besten bekommt. Die Sünde verdirbt den Menschen und verstrickt ihn ins Unglück; der Pfad Gottes führt hingegen bergaufwärts in die Freiheit. Er führt aus dem Sündenpfuhl in die Gegenwart Gottes hinein.

Wir Menschen sollten es Jesus auch im Blick auf die Unterweisung gleichtun. Wir sollten unsere Kinder und die uns anvertrauten Menschen im Recht Gottes und in seiner Gnade in Jesus Christus unterweisen, damit es ihnen und uns wohl gehen wird. Es ist der Wunsch Gottes, dass wir uns, unsere Kinder und unsere Angehörigen im Weg Gottes unterweisen. Dies war schon ein Gebot und grosses Thema im Alten Testament, wie wir sehen:

Denn ich habe ihn erkannt, damit er seinen Söhnen und seinem Haus nach ihm befehle, dass sie den Weg des HERRN bewahren, Gerechtigkeit und Recht zu üben, damit der HERR auf Abraham kommen lasse, was er über ihn geredet hat. 1.Mose 18,19

An dem Tag, an dem du vor dem HERRN, deinem Gott, am Horeb standest, als der HERR zu mir sprach: »Versammle mir das Volk, dass ich sie meine Worte hören lasse, die sie lernen sollen, um mich zu fürchten all die Tage, solange sie auf dem Erdboden leben und die sie ihre Kinder lehren sollen!«, 5.Mose 4,10

Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. 5.Mose 6,7

Und ihr sollt sie eure Kinder lehren, indem ihr davon redet, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. 5.Mose 11,19

Im Neuen Testament hat sich nichts geändert, auch wenn der Gottesdienst nicht mehr in der gleichen Art praktiziert werden soll. Gottes Moral und seine Ordnungen bleiben genau dieselben. Wir sehen, dass sie im Neuen Testament noch sehr viel höher gewichtet werden. Folgendes ist gesagt:

1 Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten,
2 hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat; Hebr 1,1.2

Im Alten Testament redete Gott durch die Propheten zum Volk. Im Neuen Testament redet Er persönlich durch Jesus Christus zu uns. Wer im Alten Bund das Gebot verwarf, das (nur) durch die Propheten geredet worden war, kam schon unter harte Gerichte, wieviel schlimmer ist es, wenn wir das direkte Sprechen Gottes vernachlässigen, wie geschrieben steht:

28 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin.
29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Hebr 10,28-29

Meine Absicht ist nicht, mit diesen Versen Furcht einzuflössen, ich möchte damit zur gebotenen Vorsicht aufrufen! Wenn der niedrigere, alttestamentliche Dienst schon sehr ernst zu nehmen war, wieviel mehr ist derjenige im Neue Testament zu beachten! Wenn der Mensch im Alten Testament schon derart zur Unterweisung der Kinder angehalten war, wieviel mehr sind wir es im Neuen Testament!

Kommen wir noch zum letzten Teil des Verses: Weshalb niemand seine Hand an Jesus legen konnte, da seine Zeit noch nicht gekommen war, ist im Kommentar zu Johannes Kapitel 7, Vers 30 näher erläutert. Wenn die von Gott festgesetzte Zeit nicht da ist, kann der Mensch so viele Versuche starten, jemanden zu stoppen, wie er will, es wird ihm niemals gelingen.

Vers 21

Er sprach nun wieder zu ihnen: Ich gehe hin, und ihr werdet mich suchen und werdet in eurer Sünde sterben; wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen. Joh 8,21

Mit „ihr werdet mich suchen und werdet in eurer Sünde sterben“, spricht der HERR ernsthafte Worte zu Menschen, die in Jesus nur eine interessante, wenn auch für sie umstrittene Figur sahen. Jesus war für die Menschen gut genug, wenn sie krank waren. Seine göttliche Macht sollte zur Entfaltung kommen, um ihnen ihre Toten zurückzugeben (Mk 5,22 ff.) oder um Kranke zu heilen (Mk 10,51 ff.). Wenn Er aber anfing, vom Gehorsam gegenüber Gott und der Heiligung zu sprechen und ihre Lehren als nichtsnutzige Menschengebote deklarierte, was natürlich völlig der Wahrheit entsprach, fingen sie an, vor Wut zu schäumen und sich gegen Ihn zusammenzurotten. – Viele derart gelagerte Menschen gibt es auch heute. Sie sagen, Gott solle gefälligst ihre Krankheiten und Nöte wegmachen. Doch um die von Gott in der Bibel etablierten Leitlinien scheren sich diese Menschen weiterhin keinen Deut. Das sind Menschen, die den souveränen Gott auf das Niveau eines Wunschautomaten herabstufen, der auf Knopfdruck tunlichst Problemlösungen produzieren soll. Wenn Er sie nicht prompt liefert, wie die Menschen es wollen, verfluchen sie Ihn oder machen Ihm zumindest Vorwürfe, Er wäre unbarmherzig und hart. So funktionieren sehr viele Menschen. Anstatt dem lieben Gott dankbar zu dienen, der für die böse Menschheit sein Liebstes, das ist Jesus Christus, geopfert hatte, fluchen, ignorieren und verspotten Ihn die Menschen und machen Ihm, wie erwähnt, schwere Vorwürfe, wenn Er nicht sofort helfend in ihr gottloses Leben eingreift, sobald sie danach verlangen. Solche Menschen sollen sich diese Worte zu Herzen nehmen: „Ihr werdet mich suchen und werdet in eurer (unbereinigten) Sünde sterben.“ Mögen sie allen, die noch so übel von Gott denken, zur Busse und zur Umkehr dienen!

Weitere Ergänzungen, siehe auch Kommentar zu Johannes Kapitel 7, Vers 34: Dass niemand dorthin gelangen konnte, wohin Er zu gehen im Begriff war, sagte Jesus mehrmals und an verschiedene Personengruppen. Er sprach die Worte zu den Pharisäern bzw. den Juden. Auch richtete Er sie an seine Jünger (Joh 13,33). Gleichwohl die Botschaft dreimal die gleiche war, passte Er den Ton der jeweiligen Situation an. Den Jüngern gab Er darauf ein sehr schönes, familiäres Gebot mit (Joh 13,34), den Ungläubigen drohte Er demgegenüber an, dass sie in ihren (unbereinigten) Sünden sterben werden, was im Eintrittsfall – ohne zwischenzeitlich erfolgte Bekehrung zu Gott – natürlich sehr tragische Folgen nach sich gezogen hätte (Joh 8,24).

Christus war im Begriff, zum Vater zurückzukehren, woher Er gekommen war. Die Botschaft war dreimal die gleiche: Die allgemeine Volksmenge konnte nicht dorthin gelangen, wohin Er im Begriff war, zu gehen (Joh 7,34). Die ungläubigen Pharisäer konnten nicht dorthin gelangen, wohin Er im Begriff war, zu gehen (Joh 8,21). Seine Jünger konnten auch nicht dorthin gelangen, wohin Er im Begriff war, zu gehen (Joh 13,33). Auch wenn seine Jünger einmal dorthin gelangen werden, war dies noch in sehr weiter Ferne, viele Dinge mussten zuvor noch passieren – sie mussten zuerst noch sterben und müssen heute noch im Totenreich auf die Auferstehung warten -, sodass die Aussage an sie ebenfalls völlig angemessen war; um nicht falsche Erwartungen zu wecken. Die Jünger sollten auch wissen, dass sie Christus nicht einfach unmittelbar zum Vater würden folgen können.

Vers 22

Da sagten die Juden: Er will sich doch nicht selbst töten, dass er spricht: Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen? Joh 8,22

Die Juden dachten und interpretierten so, weil sie Gott nicht kannten. – Es war und ist heute noch offensichtlich: Der religiöse Mensch hat keine bis wenig Ahnung von Gott. Zwar führt er Gottes Worte in seinem Mund, weiss aber nicht wirklich etwas von Gottes Moral, noch von Gottes Wegen. Kommt ein Problem auf den religiösen Menschen zu, handelt er meistens doch nur wie ein Ungläubiger. So handelten und interpretierten auch die Juden (und ganz Israel). Dies sieht man in ihrer Aussage im Vers. Auch bei kriegerischen Ereignissen handelten sie nicht wie Gottes Volk, sondern eben oft so, wie die Heiden. Sie stützten sich auf Verbündete, auf andere Nationen, die Holz und Stein dienten (Hes 20,32), anstatt auf ihren Gott zu vertrauen, der im Gegensatz zu Holz und Stein wirklich hätte helfen können und es heute noch kann. Dazu beraubten sie Gottes Tempel und gaben Gottes Schätze für ihre unheiligen Allianzen mit den Heiden dahin (z. B. 1. Kö 15,18 ff.)!

Wie läuft es heute unter Gottes Volk, den Christen? – Ist manchmal nicht genau die gleiche Haltung unter uns erkennbar? Erscheinen nicht einigen unter uns weltliche Sicherheiten, wie die irdischen Gerichte, die Altersvorsorge und die Ärzte als vertrauenswürdiger und effizienter als der allmächtige Gott und sein herrlicher Sohn, Jesus Christus? Berauben wir nicht auch Gott, wenn wir unser übriggebliebenes Geld, welches Gott in unsere Verwaltung gegeben hat und nach seiner Gnade Bedürftigen und für gute Werke bereitstünde, in die Hände der Heiden geben, um von ihnen Hilfe zu bekommen? – Wir sollten vorsichtig sein, damit wir beim Bibellesen das schlechte Handeln Israels und Judas nicht vorschnell verurteilen und gleichzeitig aber die genau gleichen, üblen Fehler begehen!

Vers 23

Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von dem, was unten ist, ich bin von dem, was oben ist; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Joh 8,23

Beachten Sie bitte hier den strengeren Ton der Rede Jesu, liebe Leserinnen und Leser. Der fleischgewordene Gott sprach jeweils sanft und lieblich zu Ihm zugewandten Menschen. Zu Unbelehrbaren war sein Ton forscher, wie an dieser Stelle, in der Er unmissverständlich benennt, was Sache ist. – Seine Reden waren in allem völlig rein. Sie waren nicht durch gefallene menschliche Gefühle geprägt. Selbst wenn der HERR forsch redete, tat Er das immer noch durch seine Gnade: Der von sich überzeugte Irrende wurde damit mit Nachdruck über seine Schieflage in Kenntnis gesetzt. Der HERR gab in seiner herrlichen Art selbst denen noch eine Chance, die von anderen Menschen aufgrund ihres Starrsinns bereits als hoffnungslose Fälle beiseite gesetzt worden wären.

Wie gehen wir mit unserer Umwelt um? Distanzieren wir uns einfach von Geschwistern, die von sich und ihrer Meinung überzeugt sind, obschon sie sich nicht der Aussage der Bibel deckt? Sind wir froh, wenn wir uns nur kurz mit solchen befassen müssen? Unterlassen wir bei ihnen – um unserer Ruhe willen – die Unterweisung, die bei solchen Menschen einer Konfrontation gleichkäme, um pseudofromm den „Frieden“ zu wahren? Wenn wir betreffend den Weg Gottes uns wegen einigen selbstherrlichen Zeitgenossen beeindrucken oder gar einschüchtern lassen, ist das falsch. Es ist falsch, die Unterweisung im Weg Gottes zu schmälern oder zu verwässern, weil sonst einige Menschen „brüskiert“ wären. – Sollen sie sich doch gekränkt fühlen! Nur die Wahrheit wird sie retten! – Wäre es denn statthaft, sie in ihrem Irrtum zu belassen? Wäre das Bruderliebe, jemanden um unseres Friedens willen im Irrtum zu lassen, welcher ihm ein hartes Gericht bescheren wird? – Ganz sicher nicht! Jesus tat das nicht! Und wenn unser Meister und Vorbild den Weg Gottes in anderer Art lehrte, sollen wir es Ihm gleichtun! Lassen Sie uns auch den von sich überzeugten Geschwistern die biblische Wahrheit mit festen, bestimmten Worten sagen. Lassen Sie uns solchen die biblische Wahrheit mit Nachdruck sagen! Amen.

Vers 24

Daher sagte ich euch, dass ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, dass ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben. Joh 8,24

Wie oben erwähnt, sprach Christus Klartext mit denen, die von sich und anderen Wahrheiten überzeugt waren. Christus musste solchen Menschen sagen, dass sie die falsche Abstammung hatten (Joh 8:44a) und ihre Ideologie von völlig falscher Seite kam (Joh 8:44b).

Nun ist es so, dass wir inmitten von Menschen wohnen, die fest von der Ideologie bestimmt sind, die ihren Begierden entspricht. Die Bibel ist in ihren Augen ein Märchenbuch. Was zählt ist, was sie sehen und das, was ihrem Bauch gut tut. Dazu kommt, dass nicht wenige dieser die Bibel ablehnenden Weltmenschen um uns herum Erfolg in ihrem Leben haben. Und gerade dieser Erfolg macht sie im Festhalten ihrer Lebensweisheiten noch kühner. Einige von ihnen spotten den Christen, indem sie sagen: „Wo ist denn nun euer Jesus, von dem ihr sagt, Er komme wieder?“

Sie wissen nicht, dass Christus seine Wiederkunft verzögert, um noch möglichst viele Menschen nicht verloren geben zu müssen, wie geschrieben steht:

Der Herr verzögert nicht die Verheissung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Busse kommen. 2.Petr 3,9

Paulus musste bei seiner Weiterreise nach Mazedonien den Timotheus in Ephesus zurücklassen, damit dieser den von sich überzeugten Menschen – es gibt sie auch unter uns Christen – die Wahrheit mit Nachdruck darlegen konnte (1. Tim 1,3-5), wie es Christus als unser Vorläufer unter den Juden getan hatte.

Es gab auch in Ephesus völlig von sich überzeugte Menschen, welche nicht am reinen Wort Gottes festhielten, sondern Fabeln folgten. Timotheus sollte diesen Menschen widerstehen, damit sie mit ihrer Philosophie nicht weiteren Schaden unter den Christen würden anrichten können. Es gab in Ephesus immerhin schon einige, die einen unguten Weg eingeschlagen hatten.

6 Davon sind einige abgeirrt und haben sich leerem Geschwätz zugewandt.
7 Sie wollen Gesetzeslehrer sein und verstehen nichts, weder was sie sagen noch was sie fest behaupten. 1.Tim 1,6-7

Es geht hier nicht um ängstliche oder vorsichtige Menschen. Die Situation war also diese: Christus hatte viel mit selbstbewussten, von sich überzeugten Menschen zu tun, denen Er mit Nachdruck sagen musste, wie sehr sie irrten. Timotheus wurde mit der gleichen Aufgabe in Ephesus zurückgelassen, damit er denen widerstand, die fest Dinge behaupteten, welche sie selbst gar nicht verstanden (1. Tim 1,7).

Leider ist es so, dass gerade derart selbstbewusste und erfolgreiche Menschen, sehr viele verführen können. Die Bibel warnt seit Jahrtausenden vor solchen Individuen:

2 Ich aber – fast wären meine Füße ausgeglitten, beinahe hätten gewankt meine Schritte.
3 Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah.
4 Denn keine Qualen haben sie bei ihrem Tod, und wohlgenährt ist ihr Leib.
5 In der Mühsal der Menschheit sind sie nicht, und sie werden nicht wie die anderen Menschen geplagt.
6 Deshalb umgibt sie Hochmut wie ein Halsgeschmeide, Gewalttat umhüllt sie wie ein Gewand.
7 Es tritt aus dem Fett heraus ihr Auge; sie fahren daher in den Einbildungen des Herzens.
8 Sie höhnen und reden in Bosheit Bedrückendes, von oben herab reden sie.
9 Sie setzen in den Himmel ihren Mund, und ihre Zunge ergeht sich auf der Erde.
10 Deshalb wendet sich hierher sein Volk, denn Wasser in Fülle wird bei ihnen geschlürft. Ps 73,2-10

Wenn wir das Wohlergehen dieser gottlosen Menschen anschauen, wundert es uns nicht, dass sich das Volk zu ihnen hinwendet. Jeder will einen Teil ihres „Kuchens“, einen Teil ihrer Wohlfahrt. Selbst der Psalmist, der die Worte Gottes mit diesen Versen niederschrieb, strauchelte fast bei ihrem Anblick (Ps 73,2). Diese Menschen sind es, die ein leichtes Spiel haben, das Volk auf ihre Seite zu ziehen.

Was in der Welt funktioniert, klappt leider auch in den Gemeinden. Es sind die gutsituierten Menschen in unseren Gemeinden, welche in der Welt gute Posten bekleiden. Es sind die Direktoren, die Bereichs- oder Teamleiter, Männer und Frauen, von denen die Welt sagt, sie hätten viel erreicht. Sie leiten aus ihrem Erfolg ab, ihre Lebensweisheit sei die richtige und ihre Art der Interpretation der Bibel läge völlig im Willen Gottes. Sie haben leichtes Spiel, innerhalb der Gemeinde leitende Positionen zu bekleiden, das Volk sieht im Erfolg dieser Leute auch den Erfolg für die Gemeinde Gottes.

Paulus, der alles im Lichte Gottes beurteilte, kam jedoch zum gleichen Schluss in Bezug auf diese Menschen wie Jesus in Bezug auf die selbstherrlichen Juden schlussfolgerte:

Sie wollen Gesetzeslehrer sein und verstehen nichts, weder was sie sagen noch was sie fest behaupten. 1.Tim 1,7

Liebe Leserinnen und Leser! Sehen Sie sich doch einmal um in den Gemeinden Gottes. Wohin haben die aktuellen Leiter bzw. die von Gott von Anfang an nicht dazu autorisierten Leiterinnen die Gemeinden geführt? – Die Gemeinde wurde zu Laodizea (= Volksrecht, Demokratie). Sie wurde von Christus abgekoppelt und ist unter rein menschlicher Führung (Demokratie). Unzucht und Ehebruch und jede Unreinheit haben triumphierend Einzug in das Heiligtum Gottes, das ist die Gemeinde (sein Haus) gehalten. Gottes Aktivität ist kaum noch darin spürbar, wie zur Zeit Elis, dessen Söhne schändlich am Heiligtum gewütet haben, wie geschrieben steht:

Und der Junge Samuel diente dem HERRN vor Eli. Und das Wort des HERRN war selten in jenen Tagen; ein Gesicht war nicht häufig. 1.Sam 3,1

Gott hatte wegen der schändlichen Untreue des Hauses Elis Unglück über Eli und seine Nachkommen beschlossen und hatte sich bereits einen neuen Diener erkoren: Samuel. Das Haus Elis ging dem Verderben entgegen, währendem Samuel von Gott aufgebaut wurde. Genau so verhält es sich heute: Das Gericht über die Verführer ist längst beschlossen und Gott hat sich anstelle der selbstherrlichen „Diener“ der Gemeinde andere auserkoren, solche die vor dem Worte Gottes zittern. Auf diesen ruht der Blick Gottes (Jes 66,2). Amen.

Vers 25

Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du? Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das, was ich auch zu euch rede. Joh 8,25

Christus antwortete nicht immer so, wie wir Christen den Heiden auf Glaubensfragen antworten. An Christi Stelle hätten wir wohl geantwortet: „Ja, ich bin Christus, der allen die Sünden vergibt, die an Ihn glauben!“ Wir platzen schnell mit allem heraus. Auf diese Weise laufen wir Gefahr, unsere Perlen vor die Schweine zu werfen. Das ist nicht immer notwendig, vor allem dann nicht, wenn Spötter vor Ort sind.

Christus sagte, Er sei das, was Er zu ihnen redet. Die Gottesfürchtigen hatten damit die Gelegenheit, Ihn zu erkennen, die Spötter hatten keine Ahnung von was Er sprach und hatten keinen Anlass zum Spott. – Wie herrlich und perfekt Er doch jeder Situation begegnete!

Vers 26

Vieles habe ich über euch zu reden und zu richten, aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig; und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt. Joh 8,26

Die Juden gaben Christus sehr viele Gründe, über sie zu reden und sie zu richten. Er war ohne Sünde; sie hingegen zeugten mit all ihren Taten von der in ihnen wohnenden Sünde. Deshalb gaben sie viel zu reden und liessen tausend Gründe aufkommen, um Gericht zu halten, wie erwähnt. Der Vater, der Christus gesandt hatte, hält aber seine Zusagen; Er blieb und bleibt bei seinem Plan des Heils, trotz der vielen üblen Taten der Menschen. Weil Gott wahrhaftig ist, zog Er in Christus seinen Vorsatz durch, die Welt zu retten und sie aus den Klauen des Teufels zu befreien, ohne sich durch die vom Teufel aufgereizten Personen zu unbedachten Handlungen hinreissen zu lassen.*

Und der Mensch Jesus Christus, der zugleich der allmächtige Gott war, ordnete sich auch in seiner Eigenschaft als Mensch vollständig dem Willen Gottes unter. – Wie sollen wir uns verhalten? – Wir sollten es unserem Vorbild und Lehrer gleich tun! Unsere Umgebung gibt viel zu reden. Die Sünde grassiert und die Menschen werden immer zügel- und gottloser. Darüber zu reden und zwischen Gut und Böse zu beurteilen gäbe es viel. Aber auch wir sollen uns unter den Willen des Wahrhaftigen begeben und das Richten unterlassen. Das Richten ist Jesus Christus vorbehalten. Auch das Reden über die üblen Taten unserer Zeitgenossen bringt nichts. Und Er hält damit zurück, bis Er wiederkommt, damit noch möglichst viele die Rettung in seinem Namen ergreifen können. Wie Jesus sich als Mensch unter den Willen Gottes setzte, sollen wir Menschen uns unter den Willen Gottes setzen. Damit behindern wir das herrliche Erlösungswerk nicht, durch das wir selbst der Hölle entronnen sind.

Ich weiss aus eigener Erfahrung sehr wohl, dass das korrekte Verhalten nicht immer einfach ist. Eine Masche des Teufels ist es, andere Personen gegen uns aufzureizen. Diese gehen dann rücksichtslos mit uns um, wie sie böse mit Jesus umgesprungen waren. Des Teufels Vorgehen hat zum Ziel, dass der Christ die Fassung verliert und anfängt zu richten. Das ist eine alte Masche. Durch die Verfehlung des Christen wird Gottes Zeugnis in den Dreck gezogen, was zur Folge hat, dass Ungläubige den christlichen Weg heuchlerisch finden, da sie dann in den Christen sehen, dass sie etwas predigen, was sie selber nicht halten. Dazu kommt, dass die Verfehlung des Christen durch Gott wieder korrigiert werden muss. Der Christ kann durch sein Fehlverhalten unter die Zucht Gottes kommen, wie Israel wegen Bileam unter Zucht kam, welcher dem Balak geraten hatte, Israel eine Falle zu stellen (Offb 2,14). Ein Unglück wird dem anderen folgen.

Unser Test kann sehr subtil am Montagmorgen kommen. Vielleicht werden wir nur in einer Sache falsch verstanden und deswegen vom Nachbarn angeschnauzt. Statt ihm böse zu wollen hatten wir bis zur Stunde vielmehr für ihn gebetet! Und nun bellt er uns sogar an! Gutes wird mit Schlechtem vergolten. Wie ungerecht das doch ist! Und wie leicht in solchen Situationen doch der Wunsch aufkommt, sich von einer solchen Person zu distanzieren, wenn auch nur zum Selbstschutz. Ich rede nicht einmal vom Wunsch, die Übeltäter vor Gericht zu zerren, und wenn dieses nur eine vorgesetzte Instanz im Geschäft wäre.

Was ist also zu tun, wenn wir durch Menschen zum Zorn gereizt werden? – Wir sollten im Zorn vorerst gar nichts tun, denn im Zorn werden wir falsch handeln, wie geschrieben steht:

19 Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn!
20 Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Jak 1,19-20

Wie sollen wir uns weiter verhalten, sollen wir etwa aus der Situation rennen? – Auch zu dieser Frage gibt uns das Wort eine Wegweisung:

Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Untergewand nicht! Lk 6,29

Ich kann in der Heiligen Schrift an keiner Stelle herauslesen, dass wir uns von den Menschen abkapseln sollen. Und wir sollen auf keinen Fall in gleicher Weise zurückschlagen. Christus entzog sich den Juden nicht und sagte nicht, Er würde sich nach diesen Kränkungen nur noch mit den Jüngern abgeben. Jesus entzog sich den Menschen nicht, obschon sie Anlass zu vieler Rede und gar zum Richten gaben. Dies tat Christus nicht, obschon Er allesamt hätte verdammen können. Das Recht war voll auf seiner Seite. Und sie hörten nicht auf, Ihn zu plagen, bis Er am Kreuz die Augen schloss. Aber, wie im Vers erwähnt, unterstellte Er sich dem Willen des Vaters, der noch 2000 Jahre Zeit zur Busse geben wollte, damit alle zur Rettung gelangen können. – Lassen Sie uns die gleiche Haltung haben! Lassen wir uns nicht zum Zorn reizen und zu Handlungen verführen, die Gottes Langmut vor der undankbaren Menschheit verzerrt darstellen.

*In Versen wie im 2. Mo 32,10 sieht man, dass Gott die gleichen Gefühle hat wie wir, die wir nach seinem Bild geschaffen wurden. Aber Gott wäre nicht Gott, wenn Er sich im Zorn zu unbedachten Handlungen hinreissen liesse. Alles, was Er tut, ist wohl bedacht.

Vers 27

Sie erkannten nicht, dass er von dem Vater zu ihnen sprach. Joh 8,27

Auch wenn der Vers 27 vermittelt, dass die Zuhörerschaft nicht erkannt hatte, von wem Christus sprach, ist das Folgende die Wahrheit: Christus war und ist unumstritten der beste Lehrer überhaupt! Er vermittelte Wissen auf geheimnisvolle aber sehr herrliche Weise, sodass unter anderem niemals Perlen vor die Schweine kamen. Spöttern lieferte Er keine „Nahrung“ und seine Lehre war stets so dosiert, dass sie bei jedem Anlass exakt den vorhandenen Bedürfnissen entsprach.

Christus kann überdies Wissen vorbereitend vermitteln. Er legte bei passenden Gelegenheiten eine zunächst noch unverständliche Basis, welche dann später mithilfe aufkommender Ereignisse zu einem ganzheitlichen Verständnis führte. Im nachfolgenden Vers wird das deutlich. Dass nur Gott auf diese Weise Wissen vermitteln kann, liegt auf der Hand. Denn nur Er kann nach dem Legen von Grundlagen die Umstände so führen, dass sie zur Veranschaulichung des Gesagten werden. Kein irdischer Lehrer kann nach einer Lektion zur weiteren Veranschaulichung des Lerninhaltes Einfluss auf die Lebensumstände seiner Auszubildenden nehmen. – Jesus Christus kann das. Wie herrlich ist doch unser HERR! Amen.

Vers 28

Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des Menschen erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts von mir selbst tue, sondern wie der Vater mich gelehrt hat, das rede ich. Joh 8,28

Christus kündigte damit an, was ich im vorausgehenden Kommentar erwähnt habe: Christus kann Wissen vorbereitend vermitteln. Christus sagt mit diesem Vers, dass seine Zuhörer die Worte erst im Zusammenhang mit dem kommenden Ereignis verstehen werden: Wenn sie Ihn werden am Kreuze hängen sehen, werden sie erkennen, dass Christus nicht seinen (menschlichen) Willen getan hat, um sein Leben zu retten, sondern den göttlichen; Er hing am Kreuz, um andere Leben zu retten! Der HERR sei gelobt!

Noch einmal möchte ich erwähnen, dass Er in der Lage ist, seine Worte so weiterzugeben, dass sie am Ende nur von denen verstanden werden, die dazu als würdig erachtet werden (Joh 12,40). Spötter kommen nie zur Erkenntnis der Wahrheit, obschon Er zu allen denselben Inhalt gesprochen hat.

Vers 29

Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue. Joh 8,29

Es ist eine Verheissung in der Bibel, dass sich Gott denen naht, die sich Ihm nahen. Auf diese Verheissung baute Christus in seiner Eigenschaft als vollwertiger Mensch. Und es kam so, wie es mit jeder Verheissung der Heiligen Schrift kommt: Sie trifft zu 100% ein, ohne den kleinsten Abstrich. Eine dem Vers 29 entsprechende Verheissung finden wir im vom Heiligen Geist inspirierten Brief des Jakobus:

Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen! Jak 4,8

Lassen Sie uns Gott nahen! Zu diesem Zweck ist konsequenterweise mit der Sünde zu brechen. Daher sollen wir uns symbolisch die Hände säubern; schmutzige Hände stehen als Sinnbild für Hände, die Ungutes schaffen, die Sünde vollbringen, die mit der Computermaus schlechte Seiten anklicken, als Beispiel. Unser Herz, damit ist unsere Mitte, der Sitz unserer Gedanken und Gesinnung, soll auch gereinigt werden. Unmöglich können wir uns Gott mit schlechten oder unreinen Gedanken nähern! Unmöglich können wir uns Gott mit schlechter oder unlauterer Gesinnung nähern! Wie soll Er uns da entgegenkommen? Was soll Er uns dann darreichen? – Lassen Sie uns das Ihm wohlgefällige tun! Amen.

Vers 30

Als er dies redete, glaubten viele an ihn. Joh 8,30

Ein weltlicher Wahlhelfer eines Präsidentschaftskandidaten würde nicht auf diese Weise für seinen Kandidaten werben, wie es Jesus für die Wahrheit tat. Christus erreichte mit seinen andersartigen, herrlichen Reden und seiner perfekten Lehre das Ziel: Am Ende glaubten viele an Ihn. Am Anfang erschien die Rede der Zuhörerschaft zwar unverständlich. Am Ende durften die Menschen aber, die der Vater seinem Sohn anvertrauen wollte (Joh 6,37), gläubig werden.

Vers 31

Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; Joh 8,31

Christus gab den gläubig gewordenen Juden sofort Unterweisung mit auf den Weg. Kein Jünger Christi muss bzw. soll ohne Anleitung bleiben. Christus sprach von der Notwendigkeit, in seinem Wort zu bleiben. Wer wahrhaft sein Jünger sein wollte, sollte in der Lehre Christi bleiben. – Lassen Sie uns alle in der Lehre Christi bleiben! Amen!

Vers 32

und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Joh 8,32

Wahrhaftige Jünger des HERRN, also solche, die in seinem Wort bleiben, werden die Wahrheit erkennen. Und diese Wahrheit wird den Jünger frei machen. Der Jünger wird frei von irdischer Philosophie und falscher Gotteserkenntnis, welche zu vielen unnötigen Taten führen. Diese Erkenntnis macht den ganzen Menschen frei; er braucht nicht mehr falschen Idealen nachzueifern.

Weltmenschen, die Gott nicht kennen, verschwenden ihr ganzes Leben mit nichtigen Dingen. Sie sehen in Gott den Versorger nicht und rennen beispielsweise dem Diktat des Geldes hinterher. Und da sie in den sehr kurzen Zeit des Erdenlebens ihre Erfüllung suchen, brauchen sie noch mehr Geld, damit sie schön und gut wohnen und bequem zur Arbeit fahren können. In ihrem Leben ist alles auf die sehr kurze Zeitspanne ausgerichtet, auf fünfzig oder sechzig Jahre, wenn man ab zwanzig Lebensjahren an zählt.

Sehende, von Gott frei gemachte Christen lassen sich im Erdenleben ausbilden (1. Petr. 2,2) und im Denken umwandeln (Lk 24,45; Röm 7,25; 12,2; 14,5; 1. Kor 1,10; Eph 4,23; Phil 4,7; 2. Thess 2,2). Sie erlernen die Haushaltung Gottes und das Vertrauen in Jesus Christus, um im nächsten Zeitalter bereit und fähig zu sein, die Verwaltung dieser Erde anzutreten (Offb 3,21). Wahre Christen verschwenden als königliche Priester (1. Petr 2,9) ihr Leben nicht mit nichtigen Dingen (Spr 12,11), mit denen die Menschen, die ihnen nachjagen, den Versorger verleugnen (Mt 6,32). Wahre Christen sind frei von den Zwängen der Nationen, welche die Heiden glauben, für ihr Wohl tun zu müssen. Jakobus schreibt:

Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein. Jak 1,25

Das Gesetz Christi ist auch das Gesetz der Freiheit. Und diese wahre Freiheit ist unbezahlbar. Das Leben in Gott, das frei von irdischen Zwängen ist, frei von den Zwängen, denen sich die Heiden unterwerfen, ist unbezahlbar. Amen.

Vers 33

Sie antworteten ihm: Wir sind Abrahams Nachkommenschaft und sind nie jemandes Sklaven gewesen. Wie sagst du: Ihr sollt frei werden? Joh 8,33

Die Juden waren in mehrfacher Hinsicht versklavt. Weder natürlich noch geistlich waren sie frei. Natürlich waren sie unter dem Diktat der Römer, welche ihr Land besetzt hielten. Geistlich dienten sie dem Teufel; sie dienten dem Menschenmörder, nicht dem die Menschen freimachenden Gott, welcher sie aus Ägypten erlöst hatte. Wem die Juden dienten bzw. wessen Lüsten sie folgten etabliert der fleischgewordene Gott, Jesus Christus, noch im selben Kapitel 8, im Vers 44.

Ihre Selbstherrlichkeit und die Selbstbestimmung, welche eine Gottesunabhängigkeit voraussetzt, liess die Juden vollständig der Wahrheit gegenüber erblinden: Trotz zweifacher Versklavung sagten sie: „Wir sind nie jemandes Sklaven gewesen!“ – Ihre Verblendung hatte den überhaupt maximalen Höhepunkt erreicht. Die Wahrheit war ihnen vollständig abhandengekommen. Die Dunkelheit war absolut, in die sie sich in der Abwendung von Gott manövriert hatten.

Was wir hier lesen, ist das konsequente Ergebnis eines gottesfernen Wandels. Er endet in der totalen Unwissenheit. Der vom Menschen selbstgewählte Gottesersatz, der Teufel, ist klug genug, die ihm folgenden Menschen im Wahn zu lassen, es sei alles in Ordnung und der Lebensüberblick und die Freiheit seien nach wie vor da, obgleich dem wirklich sehenden Beobachter im ersten Augenblick klar wird, dass bei Menschen in der Abwendung von Gott eine zweifache Versklavung und dunkle Nacht vorherrschen.

Vers 34

Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave. Joh 8,34

Der Wandel des natürlichen Menschen ist grundsätzlich und ausnahmslos sündig. Der Mensch erbte die Natur Adams, welcher mit dem Sündenfall seine menschliche Natur verdorben hatte. Da wir aus seiner Linie abstammen, gibt es gibt keinen einzigen Menschen, ausserhalb von Jesus Christus allein, der nicht durch einen gefallenen Mann gezeugt worden ist. Deshalb funktioniert jeder so, wie der Urvater. Es gibt keinen, der nicht „die Sünde tut“. Über den natürlichen Menschen steht deshalb geschrieben:

Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Ps 14,3

10 wie geschrieben steht: »Da ist kein Gerechter, auch nicht einer;
11 da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht.
12 Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.« Röm 3,10-12

Mit dem Sündenfall kam die Menschheit in die Sklaverei der Sünde hinein. Die Sünde kam in die Welt, um Sünden zu produzieren. Paulus beschreibt den natürlichen Menschen folgendermassen, der Gottes Gesetz als gut wahrnimmt, es aber durch die innewohnende Sünde nicht halten kann:

18 Denn ich weiss, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht.
19 Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
20 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
21 Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist.
22 Denn ich habe nach dem inneren Menschen Wohlgefallen am Gesetz Gottes.
23 Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
24 Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes? – Röm 7,18-24

Paulus musste feststellen, dass dieses Gesetz voll wirksam ist. Der natürliche Mensch sündigt und ist Sklave der Sünde. Der wiedergeborene Mensch, welcher die Natur Gottes besitzt, ist diesem Prozess des sündigen Müssens nicht mehr unterworfen. Seine neue Natur, die göttliche Natur, kann gar nicht sündigen, wie es Johannes schreibt:

Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. 1.Joh 3,9

Wenn Christen sündigen, tun sie das nie aus der neuen Natur heraus. Christen sündigen, wenn sie ihre alte, sündige Natur nicht im Tode halten und wieder anfangen, deren Lüsten nachzugehen (Röm 6,11; Gal 2,19). Damit begeben sie sich wieder weg von der Freiheit in Christus, zurück in die Sklaverei der Sünde, welche zum Ausruf führt: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?“ Wenn wir zurück ins alte Leben fallen, fallen wir zurück in die Sklaverei der Sünde. – Lassen Sie uns im Dienste Christi bleiben, dem wir aus dem neuen Leben heraus dienen! 

Vers 35

Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer. Joh 8,35

Israel stand im zweifachen Sklavendienst. Israel hatte sich aus der Linie des verheissenen Sohnes Isaak entfernt, um sich in die Linie Ismaels, des Sohnes einer Magd, einzugliedern. Israel wurde vom Sohn des Hauses zum Sklaven (Gal 4,25). Ein bereits grosses Übel war die Unterjochung als Nation unter das römische Reich. Dies wäre nie über sie gekommen, wenn sie als Söhne in der göttlichen Verwaltung des Hauses geblieben wären. Israel war zum Kopf, zum Haupt bestimmt. Israel war nicht zum Schwanz, zur letzten Nation bestimmt. Ihre eignen Wege brachten sie aber sinnbildlich vom hellen Berggipfel in die nebligen Sümpfe des Tales. Israel war kollektiv, als Nation unterjocht.

Das noch grössere Übel war ihre Unterjochung unter das Fleisch und die Sünde, was jeden Einzelnen im engen Sinn betraf. Menschen einer unterjochten Nation haben immer noch die Möglichkeit, ein gutes Leben zu führen. Aber ein der Sünde versklavter Mensch ist ein Gefangener.

Ihren fleischlichen Lüsten folgend, wurden sie zu einer im wörtlichen und im geistlichen Sinne ehebrecherischen Nation. Sie hatten viel Ehebruch unter sich und brachen auch die heilige Bindung zum Schöpfer, die in ihrer Art der Ehe gleicht: Ihre Auflösung war ein todeswürdiges Vergehen!

Als zweifache Sklaven standen sie da vor dem HERRN und sagten blind und umgeben vom Nebel der Talsümpfe: „Wir sind nie jemandes Sklave gewesen!“

Können wir den damaligen Zustand Israels auf den Zustand der Gemeinde anwenden? – Ja, leider! Die endzeitliche Gemeinde ist ebenfalls in einem sehr schlimmen Zustand. Sie dümpelt auch in nebligen Sümpfen des Tales vor sich hin. Sie heisst Laodizea, was übersetzt Volksrecht, Demokratie heisst. Die Meinungen des Einzelnen stehen über dem Worte Gottes. Die Christen in Laodizea sagen in derselben Blindheit, wie die Juden damals: „Wir sehen! Wir sind in Ordnung!“ Diese Blindheit lässt nicht zu, dass sie ihren Zustand im göttlichen Licht sehen. Christus muss Laodizea deshalb vorhalten:

15 Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiss bist. Ach, dass du kalt oder heiss wärest!
16 Also, weil du lau bist und weder heiss noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.
17 Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weisst, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloss bist,
18 rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weisse Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blösse nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst. Offb 3,15-18

Können Sie die Parallelen erkennen, liebe Leserinnen und liebe Leser? Die totale Blindheit in der endzeitlichen Gemeinde* entspricht exakt jener der Israeliten, welche die augenscheinliche doppelte Versklavung nicht erkennen konnten. Wie sie ihren Zustand nicht im Licht der Wahrheit sahen, sehen die Christen unserer (letzten) Tage ihren wahren Zustand nicht. Ihre Wahrnehmung steht diametral, in maximaler Distanz zur Beurteilung Gottes.

*Laodizea ist eine der sieben in der Offenbarung erwähnten Gemeinden. Da die Offenbarung ein prophetisches Buch ist, sind die sieben Sendschreiben an die sieben damals tatsächlich existierenden Gemeinden auch als kirchengeschichtliche Entwicklung zu verstehen, welche sie exakt abbilden. In einem Kurzabriss kann man sagen: Ephesus war die Gemeinde zur Zeit der letzten Apostel. Smyrna ist die Gemeinde, welche das nachfolgende Zeitalter der Verfolgung bis zur Wende unter Kaiser Konstantin abbildet. Pergamon zeigt die Zeit, in der das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde. Kirche und Staat vermengen sich. Thyatira steht für die aufgekommene römische Kirche, mit ihrer Götzen- und Heiligenverehrung. Sardes bildet die Zeit der Reformation ab, welche nicht ganz vollendet wurde (die illegale Hierarchie wurde nicht abgeschafft). Philadelphia (= Bruderliebe) kam im 19. Jahrhundert auf. Für den HERRN brennende Christen brachten die Wahrheiten der Bibel wieder ans Tageslicht. Was auf die herrliche Zeit von Philadelphia folgte, kennen wir: Es folgte Laodizea (= Demokratie). Laodizea ist weder kalt noch heiss. Die Menschen darin dünken sich reich und glauben, sie wüssten alles. In der Beurteilung des HERRN kommt Laodizea sehr schlecht weg. Laodizea steht für den heute hauptsächlich vorherrschenden Zustand unter den evangelikalen Christen.

Vers 36

Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein. Joh 8,36

Jesus Christus, der Sohn, hat allein die Fähigkeit, Menschen frei zu machen. Er kann den Menschen vom Fluch der alten, sündigen Natur befreien, was sonst niemand kann. Er kann den Menschen durch die Wiedergeburt das Recht geben, Kinder Gottes heissen zu dürfen, was kein anderer Gott zu tun vermag. Er kann jeden Menschen vollständig heilen, was kein anderer Gott je zu tun vermochte. Als Er auf die Erde kam, mussten alle Krankheiten weichen. Er bewies seine Macht und Güte, indem er jede einzelne Person des Volkes, das Ihm nachging, heilte; niemand blieb krank zurück (Mt 4,24; 8,16; 9,35; 12,15). Keine Art der Krankheiten oder der Gebrechen waren für Jesus zu schwer oder zu heftig, um sie nicht vertreiben zu können. Dazu musste Er nicht einmal kämpfen, Er sprach lediglich ein Wort, und die Krankheiten, die Gebrechen oder gar die Dämonen, welche Besitz von Menschen ergriffen hatten, mussten ausnahmslos weichen. All das vermochte kein anderer Gott in der Vorzeit, obschon Israel vielen anderen Göttern gedient hatte. Es ist die Wahrheit:

Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein. Joh 8,36

Christus hat seine Güte, Kraft und Macht damit noch einmal bewiesen, obschon sie seit jeher im Gemachten sichtbar ist. Jesus Christus ist der einzige, der Menschen wirklich frei machen kann! Amen.

Vers 37

Ich weiss, dass ihr Abrahams Nachkommen seid; aber ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort nicht Raum in euch findet. Joh 8,37

Christus anerkennt zwar die Abstammung von Abraham nach dem Fleische. Die Juden waren tatsächlich Nachkommen von Abraham. Zwei Verse später spricht Er ihnen die Linie von Abraham aber ab (Vers 39). – Wie ist das zu verstehen? – Dem Fleische nach waren sie Nachkommen Abrahams, Abraham war ihr biologischer Vorvater. Da die Juden aber keineswegs die Gesinnung Abrahams vertraten, rechnete Christus ihnen diese Vaterschaft nicht zu, denn wahre Kinder Abrahams glauben Gott und suchen Ihn nicht zu töten. Gemäss der Bibel ist niemand ein wahrer Nachkomme Abrahams, der nicht dieselbe Gesinnung hat, wie sie Abraham hatte (Vers 44).

Gott macht hingegen solche zu Kindern Abrahams, die keine biologische Abstammung von Abraham vorweisen können, weil das Fleisch nichts nützt und in dieser Hinsicht nur der Glaube zählt. Alle Gläubigen aus den Nationen werden wie die Gläubigen aus der Beschneidung als Kinder Abrahams gerechnet, wie geschrieben steht:

12 und Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die aus der Beschneidung sind, sondern auch derer, die in den Fussspuren des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er unbeschnitten war.
13 Denn nicht durch Gesetz wurde Abraham oder seiner Nachkommenschaft die Verheissung zuteil, dass er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubensgerechtigkeit.   
14 Wenn nämlich die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichte gemacht und die Verheissung aufgehoben.   
15 Denn das Gesetz bewirkt Zorn; aber wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung.
16 Darum ist es aus Glauben, dass es nach Gnade gehe, damit die Verheissung der ganzen Nachkommenschaft sicher sei, nicht allein der vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist,
17 - wie geschrieben steht: »Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt« – vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre;
18 der gegen Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen werde, nach dem, was gesagt ist: »So soll deine Nachkommenschaft sein.« Röm 4,12-18

Wie erwähnt, gilt: Gott hat Abraham, welcher ein sehr herrliches Glaubenszeugnis auf dem Berg Morija (1. Mo 22) abgelegt hat, zum Vater aller Glaubenden gesetzt. Wer nur biologisch von ihm abstammt, aber seine Gesinnung nicht teilt, wird nicht als ein Kind des Glaubens gerechnet (Vers 44).

Vers 38

Ich rede, was ich bei dem Vater gesehen habe; auch ihr nun tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Joh 8,38

Hier begann Jesus klipp und klar darzustellen, wessen Geistes die Juden waren. Er machte deutlich, wer der Vater ihrer Gedanken war. Diesen „Vater“ der Juden, das war der Teufel, nennt Er im Vers 44 beim Namen.

Unser Lehrer und Vorbild, der Herr Jesus, sprach salzgewürzte, Verderben hemmende Reden, wie es auch an dieser Stelle herrlich dargestellt ist. Jener, der uns lehrte, keine unnötigen Worte zu reden, sprach selbst keine leeren Worte.

Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts; Mt 12,36

Jener, der uns lehrte, Aussprüche Gottes zu vermitteln, vermittelte selber nur die Aussprüche Gottes, seines Vaters.

Wenn jemand redet, so rede er es als Aussprüche Gottes; Petr 4,11a

Lassen Sie uns als seine Nachfolger es Ihm gleichtun. Hohles und leeres Geschwätz steht uns nicht an. Zweideutige und salzlose Rede steht uns nicht an. Salz ist dem Verderben gegenüber nicht neutral; Salz stoppt Verderben. Hohle Rede fördert hingegen das Verderben. Christus liess die Juden nicht im Irrtum. Nach der Begegnung mit Ihm wussten sie genau, wo sie standen und hatten damit die Gelegenheit, sich neu zu orientieren, weg von der Philosophie des Teufels zum wahrhaftigen Worte Gottes, hin zu Christus. Wir sollten unsere Mitmenschen, besonders die Geschwister, auch nicht im Irrtum lassen. Es ist längst nicht alles richtig, was die Masse glaubt. In der Regel ist es genau umgekehrt: Korrekt ist, was die kleine Schar der wirklich gottesfürchtigen Jünger glaubt.

Wer von Gott unterrichtet ist, aber die Mitmenschen im Irrtum lässt, ist ihnen gegenüber ziemlich gleichgültig. Einem solchen ist offensichtlich egal, wenn sie in Unkenntnis umkommen. Unkenntnis lässt das Volk umkommen, wie geschrieben steht:

Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Hos 4,6a

Lassen Sie uns der klaren Lehre zuwenden, sei es im Hören oder im Lehren. Lassen Sie uns das Richtige tun! Amen!

Vers 39

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Jesus spricht zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so würdet ihr die Werke Abrahams tun; Joh 8,39

Bereits in diesem unmittelbar nachfolgenden Vers sprach der HERR den Juden die Nachkommenschaft von Abraham ab, welche Er im vorausgehenden dem Fleische nach anerkannt hatte. Sie stammten biologisch tatsächlich von Abraham ab. Vor dem HERRN zählt aber nicht die Nachkommenschaft nach dem Fleisch, sonst hätte z. B. Paulus viel von sich halten können. Er wertschätzte aber seine perfekte Nachkommenschaft nach dem Fleisch so sehr wie Dreck, um in Christus gefunden zu werden. Seinen eigenen Namen achtete Paulus nicht der Rede wert, um in Christi Namen erfunden zu werden, wie geschrieben steht:

7 Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten;
8 ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne   
9 und in ihm gefunden werde – indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens –,
10 um ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde,   
11 ob ich irgendwie hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten. Phil 3,7-11

Wir tun gut, wenn wir von uns weg auf Christus blicken. Christus ist der perfekte Mensch, wogegen wir mangelhaft sind. Daher möchte auch ich nur in Christus gefunden werden; ich möchte nicht in meinem eigenen Namen auftreten. Amen.

Vers 40

jetzt aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe; das hat Abraham nicht getan. Joh 8,40

Jesus stellt den Juden ungeschminkt ihre Absicht vor: Sie hegten damals schon den Wunsch, Ihn zu beseitigen. Er musste aus ihren Augen verschwinden, selbst wenn das nur mit einem üblen Mord an einem Unschuldigen umgesetzt werden konnte. Den Wunsch, Ihn umzubringen hegten sie, obschon Er nur die Wahrheit Gottes zu den Menschen brachte, denn Christus redete nicht aus sich selbst heraus (Joh 8,38; 15,15). Weiter führte Christus aus, dass Abraham nie mit derart niederträchtigen Absichten auf göttliche Impulse reagiert hatte, wie sie die Juden im Schilde führten. Damit machte Er ihnen klar, dass ihre Gesinnung in maximaler Entfernung zu derjenigen Abrahams stand, auf den sie sich beriefen und von dem sie sagten, er sei ihr Vater.

Vers 41

Ihr tut die Werke eures Vaters. Sie sprachen nun zu ihm: Wir sind nicht durch Hurerei geboren; wir haben einen Vater, Gott. Joh 8,41

Hier spricht der HERR von einem anderen Vater der Juden, nachdem Er ihnen die Vaterschaft Abrahams abgesprochen hatte. Die Juden wussten nicht, worauf es hinauslief, aber sie begannen sich bereits zu verteidigen. Sie argumentierten, Abraham müsse ihr Vater sein, sie seien nicht durch Hurerei geboren. Sie sahen immer noch auf die Linie nach dem Fleisch, Christus sprach hingegen von der Vaterschaft nach dem Geist.

Vers 42

Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn ich bin auch nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Joh 8,42

Jesus argumentierte logisch. Dies musste auch den Juden einleuchten: Wenn sie den Vater nannten, der Jesus gesandt hatte, so hätten sie Jesus lieben müssen. Dann hätten sie erkannt, dass die Sendung Christi Gottes Wille war. Wenn ihr Vater aber nicht der Vater Jesu war, ist es einleuchtend, dass sie die Sendung Jesu und sein Werk nicht verstanden und gar ablehnten. Christus betont nochmals, dass Er nicht von sich aus gekommen war, sondern dass sein Vater, Gott, Ihn gesandt hatte.

Vers 43

Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Joh 8,43

Die erste Frage ist natürlich nur eine rhetorische. Christus stellte diese Frage einleitend, um die Juden gedanklich zu seinem Punkt zu bringen. – Warum konnten Sie seine Sprache nicht verstehen? – Weil sie das Wort Christi nicht hören konnten, sagt der Vers aus. Mit „hören“ ist an dieser Stelle „verstehen“ gemeint. Die Juden konnten zwar Christus sprechen hören. Sie hatten Ihm ja auch bereits schon geantwortet, wie beispielsweise im Vers 41. Christus sagte damit aus, dass die Juden seine Worte zwar hören aber das Verständnis dazu nicht aufbringen konnten. Den Grund dazu offenbart Er im nachfolgenden Vers.

Vers 44

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Joh 8,44

Die Gesinnung der Pharisäer und der Juden war diejenige des Teufels, des Fürsten dieser Welt, in dessen Reich sie gerne und nach seinen Regeln lebten. Weil der Teufel vor ihnen war und sie ihm folgten, nennt ihn Jesus ihren Vater. Christus beschreibt weiter die Eigenschaften ihres Vaters, dem sie folgten, damit sie hierüber völlige Klarheit bekamen: Sie folgten dem Menschenmörder schlechthin, der völlig abseits der Wahrheit steht. Sie folgten einem Schwerstverbrecher, der nur Lüge redet, weil – wie Christus ausführt – keine Wahrheit in ihm ist. Was er als Vater den Kindern mitgeben kann, ist von seinem Eigenen, zum einen die Lüge, dessen Vater er sogar persönlich ist.

Wie hätten die Juden die Worte Christi verstehen können? Sie hatten die Philosophie ihres Vaters, des Teufels angenommen, eine Philosophie die Lüge und Mord verherrlicht. Sie waren so an die Lüge und den über Leichen gehenden Egoismus gewöhnt, dass ihnen die Worte der völlig entgegengesetzten Lehre Christi wie Kauderwelsch, wie Unsinn vorkommen mussten. Dazu kam, dass sie den Weg des Teufels bejahten und sich nicht dagegen wehrten. Sie freuten sich nicht darüber, dass in der Person Jesu jemand kam, welche die Wahrheit verkündigte und heilsame Worte sprach. Das war der Grund, wieso sie die Sprache Christi nicht verstehen konnten.

Wir müssen uns im Klaren sein, dass Jesus diese maximal mögliche Negativbewertung nicht augenscheinlich hurerischen Gottlosen attestierte. Jesus sagte das den Menschen seines Volkes, die sich als religiös zu sein ausgaben. Es waren nicht die gleichgültigen Menschen aus dem Volk, die sich mit Jesus befassten, denn die in Bezug auf Gott gleichgültigen Menschen halten sich nicht bei religiösen Kultstätten oder –figuren auf. Auch war Gleichgültigen das religiöse „Gärtchen“ der Juden, besonders das der Pharisäer und Schriftgelehrten, weitgehend egal. Wir sehen also, dass die religiöse Klasse mit dieser maximalen Negativbewertung „ausgezeichnet“ wurde.

Was früher für den Menschen galt, gilt auch heute noch. Die menschliche Natur hat sich nicht verändert; der Mensch verwendet nur andere Farben seiner Kleidung, die jeweils dem Geist seiner Zeit entsprechen. Auch heute sollten wir auf der Hut sein, besonders dann, wenn sich Menschen als fromm zu sein deklarieren. Zur Schau gestellte Frömmigkeit ist schon in der leichtesten Form höchst verdächtig. Sie hat nichts mit wahrer Gottesfurcht zu tun, denn sie vermittelt nach aussen: „Leute seht her, wie ich fromm wandle!“, was im krassen Gegensatz zum Verhalten von Menschen steht, welche sich wahrhaftig vor Gottes Wort fürchten und davor zittern*. Solche würden sich vor Gott bei ihrem Leben nicht wagen, solche Maskeraden abzuhalten!

*Gemäss Jesaja 66 befinden sich die wahrhaft Gottesfürchtigen in der Gunst des Höchsten, wie geschrieben steht: „Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort (Jes 66,2b).“ Gottesfurcht vorschützende Personen sind hingegen Heuchler, welche die Menschen blenden und sich selbst betrügen. 

Vers 45

Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. Joh 8,45

Genau weil der Herr Jesus die Wahrheit sagte, glaubten die von ihrem Vater, dem Teufel geprägten Menschen seine Worte nicht. Die teuflischen Lebensphilosophien stehen im krassen Gegensatz zur Wahrheit Gottes. Das Leben der Zuhörerschaft Christi basierte auf der Philosophie des Vaters der Lüge, welcher die Welt völlig prägt. Die Wahrheit ist nicht im Fürsten dieser Welt, sie ist bei Satan nicht zu finden. Die Weltmenschen und die religiösen Menschen, die den Lebensweisheiten des Teufels folgen, wissen nicht, in welchem Irrtum sie wandeln und in welcher Gefahr sie schweben.

Ein Leitsatz des Teufels, den wir überall von den Menschen umgesetzt sehen, ist: „Alles ist erlaubt, man muss sich keinesfalls an (Gottes) Gebote halten. Der Mensch soll jetzt Spass haben, morgen ist er tot.“ Menschen, die so leben, wähnen sich in Freiheit; sie sehen nicht, dass sie sich – ohne die gesunden Leitplanken Gottes – in ihrer Selbstsucht vernichten, indem sie Familien zugrunde richten, ungeborene Kinder ermorden und jede böse Tat ausführen, wie der Apostel durch den Heiligen Geist ausführt:

17 Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes;
18 sie sind verfinstert am Verstand, fremd dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens;
19 sie, die abgestumpft sind, haben sich selbst der Ausschweifung hingegeben, zum Ausüben jeder Unreinheit mit Gier. Eph 4,17-19

Lassen Sie uns niemals an der Wahrheit der Bibel zweifeln. Lassen Sie uns nie am Worte Gottes zweifeln, auch wenn eine Philosophie der Nationen, in deren Mitte wir leben, für uns noch so plausibel erscheint. Sie steht im krassen Gegensatz zum Worte Gottes, selbst wenn es nicht immer so augenscheinlich ist. Lassen Sie uns den Versen im Epheserbrief glauben: Die Nationen wandeln mit einem verfinsterten Verstand. – Ein verfinsterter Verstand bedeutet nicht, dass sie nicht Grosses in der Welt vollbringen können. Sie können beispielsweise Flugzeuge bauen, was Intelligenz und Kunstfertigkeit beweist. Die Nationen sind verfinstert im Blick auf Gott, sein Reich und seinen Sohn. Ihre Intelligenz nützt ihnen nichts im Blick auf die Ewigkeit, ihre Wege sind verdorben und bringen sie unter böse Gerichte. Die Nationen sind betreffend die Gedanken Gottes verfinstert, sie sehen nicht, dass Gott von allen Seiten erkennbar ist, der sich durch seine Werke, die Schöpfung geoffenbart hat. Weil sie das Wesentliche nicht sehen können, klassifiziert die Bibel ihren Verstand als verfinstert, denn das wirklich Grosse ist bei Gott; es steht nicht in einem Flugzeughangar. Amen.

Vers 46

Wer von euch überführt mich einer Sünde? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Joh 8,46

Die Juden konnten Christus keiner einzigen Sünde überführen. Trotzdem wollten sie Ihn töten. Sie waren völlig in sich verurteilt und augenscheinlich mörderisch, wie ihr Vater, der Teufel, da sie Christus ohne jeglichen Grund umbringen wollten.

Auf diese Weise funktionieren die Nationen, besonders die religiösen Menschen unter ihnen. Wer sie mit Gottes Wort konfrontiert, kommt auf ihre „Schwarze Liste“. Wenn es die Staatsordnung zulässt, werden Verkündiger der Worte Gottes von andersgläubigen Fundamentalisten umgebracht. Lässt es die Staatsordnung nicht zu, werden die Diener Gottes verhöhnt. Wenn die Möglichkeit für die Ermordung von Christen nicht besteht, hetzt der Teufel seine Nachfolger zur Christenverachtung auf. Aus Gottes Sicht ist das Belächeln, die Verachtung einer anderen Person Sünde, die geahndet werden wird (Spr 11,12). Und die – ach! – so humanistischen, lieben und aufgeklärten Zeitgenossen belächeln Christen sehr als zurückgebliebene, einfältige Individualisten. Damit beweisen sie nochmals ihre Abstammung, von woher sie die Bosheit geerbt haben. Johannes spricht ganz klar von zwei Personengruppen auf diesem Planeten, den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels, wie geschrieben steht:

Hieran sind offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Jeder, der nicht Gerechtigkeit tut, ist nicht aus Gott, und wer nicht seinen Bruder liebt. 1.Joh 3,10

Ich zitiere dazu nochmals die Rede Jesu Christi, welche Er an seine Widersacher richtete:

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Joh 8,44a

Liebe Christin und lieber Christ! Lassen Sie sich nicht irre machen und glauben sie den Widersachern, den Christen gehässig eingestellten Menschen nicht, wenn sie freundlich mit Ihnen reden. Wenn sie die Stimme lieblich machen, sollten Sie wissen:

24 Mit seinen Lippen verstellt sich der Gehässige, aber in seinem Innern hegt er Betrug.
25 Wenn er seine Stimme lieblich macht, traue ihm nicht! Denn sieben Greuel sind in seinem Herzen. Spr 26,24-25

Genau in dieser heuchlerisch-lieben Art dementierten die Juden vor Jesus ihre Mordabsichten (Joh 7,20), welche sie aber später in ihrem blinden Wahn vor dem Machthaber Pilatus lautstark und gnadenlos herausschrien (Mt 27,1; 27,23).

Diese klaren Ansagen bzw. Klassifizierungen von Menschen durch die Bibel sollten uns veranlassen, (mehr) für unsere ungläubigen Zeitgenossen zu beten. Es ist nicht einfach eine neutrale Sache, unter dem Zorn Gottes zu sein und als „Kind des Teufels“ einmal vor Gott erscheinen zu müssen. Wir wurden schliesslich auch aus reiner Gnade errettet, es war nicht unser Verdienst. Daher tun wir gut, wenn wir für unsere ungläubigen Zeitgenossen um die gleiche Gnade bitten. Amen.

Vers 47

Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid. Joh 8,47

Der Herr Jesus gibt damit die Lösung zur Frage, wieso Menschen die Worte Gottes nicht hören (und somit auch nicht verstehen): „Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.“

Geht es Ihnen nicht manchmal auch so? Sie reden absolut logische und für jeden normal denkenden Menschen fassbare Dinge, von welchen die Heilige Schrift spricht. Ihre Zuhörerschaft drückt dazu aber anstelle eines bejahenden Kopfnickens nur Unverständnis aus. Dies kann vor allem für junge Christen sehr irritierend sein. Es ist, wie wenn man das Grün einer fruchtbaren Wiese beschreibt, welche von den Umstehenden aber offensichtlich als violett wahrgenommen wird.

Solche Diskussionen haben mich früher als Botschafter Gottes sehr entmutigt. Wenn man als Gott dienender Christ die herrliche Botschaft des Schöpfers verkündigt und dabei die Erfahrung macht, als ob man deutsch sprechende Menschen in chinesischer Sprache anspricht, also totalem Unverständnis begegnet, ist das nicht gerade aufbauend.

Die Ausbildung Christi beseitigt unsere Fragezeichen glücklicherweise nach und nach. Menschen, die unsere geistliche Sprache nicht verstehen, können sie nicht verstehen. In der Funksprache des Militärs könnte man diesen Umstand so ausdrücken: Unser Sprachchiffrierer verschlüsselt geistlich, jener unserer ungläubigen Zuhörerschaft dechiffriert weltlich. Die geistliche Botschaft kann nicht von weltlich gesinnter Zuhörerschaft verstanden werden, wie die Schrift sagt:

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. 1.Kor 2,14

Für natürliche Menschen ist die Sprache Gottes nichts anderes als Torheit. Sie können den Inhalt nicht verstehen.

Aus diesen Begebenheiten und aus diesen Worten Christi im angeführten Vers sehe ich die grosse Gnade Gottes, die Menschen widerfährt, wenn ihnen der Geist Gottes trotzdem Verständnis gibt. Menschen, die ursprünglich Kinder des Teufels waren, verstehen dann plötzlich den Ruf Gottes, was im Grunde völlig widernatürlich ist; es ist nicht natürlich, dass jemand ohne Übersetzer eine ihm völlig unbekannte Fremdsprache verstehen kann.

Vers 48

Die Juden antworteten und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, dass du ein Samariter bist und einen Dämon hast? Joh 8,48

Diese Aussage der Juden beweist den Wahrheitsgehalt der Rede Christi im vorausgehenden Vers 47: Die Juden hatten rein gar nichts verstanden. Sie urteilten gemäss dem Prinzip der Lüge, welcher sie folgten. Die Wahrheit ist: Jesus war der wirklich wahre Jude*; Er war nicht mit Sünden behaftet, wie die übrigen. Zweitens wurde Jesus als Mensch durch den Heiligen Geist (Lk 1,35) und auf Ihm war der Heilige Geist (Mt 3,16). Die an die Lüge des Teufels gewöhnten Juden sagten entgegen der Wahrheit: Er würde lediglich und damit ohne Beziehung auf die Verheissungen Gottes zum Mischvolk (Samariter) gehören, welches durch die Assyrier in das Land Israel umgesiedelt wurde und zweitens sagten sie, Er, welcher durch den Geist gezeugt war und den Geist auf sich hatte, habe einen Dämon! – Derart dreist, unverfroren und unsäglich verlogen sind der Teufel und alle, die ihm glauben!

*Luk 3,33, der Sohn des Stammesvaters Juda, siehe auch Mt 1,3

Vers 49

Jesus antwortete: Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr verunehrt mich. Joh 8,49

Jesus Christus entgegnete sinngemäss: „Was ihr behauptet, ist erstens nicht wahr und zweitens verachtet bzw. beschimpft ihr mich.“ – Christus hatte es nicht nötig, überhaupt etwas zu antworten. Als unerschaffener Erbauer der Welt wusste Er sowieso alles viel besser als die Schöpfung, die später entstanden war. Er war in allen Dingen völlig klar, wogegen seine Gegner verblendet waren. – Wieso antwortete Er den Juden trotzdem? Wieso winkte Er nicht einfach ab und ging von dannen? Waren es seiner Bemühungen nicht mehr als genug? Waren da nicht zu viel an unqualifizierten Behauptungen und sehr groben Beleidigungen seitens des Volkes gegenüber dem Allwissenden? – Diese Frage würden wir mit einem Ja beantworten. Auch ein exzellenter irdischer Fachlehrer würde nicht so lange mit Möchtegern-Experten diskutieren, die völlig verständnislos, überheblich und dazu sehr beleidigend sind. Christus wandte aber weiter Geduld an, weil Er nicht will, dass ein einziger Mensch verloren geht (Hes 18,23).

Der exzellente himmlische Fachlehrer Jesus Christus wollte seine sich verselbständigte Schöpfung nicht ohne weiteres aufgeben, was für diese eine Preisgabe zum Verderben bedeutet hätte. Christus kam, um seine Schöpfung zu retten, nicht um sie zu verderben. Deshalb antworte Er den Juden auch noch auf die unsäglich freche und törichte Behauptung, Er habe einen Dämon. Christus liess die nicht wahrheitsgetreue Feststellung nicht stehen. Er stellte sie richtig. Kein Umstehender sollte aufgrund einer allfällig unerwiderten Falschaussage der Juden die Lüge als glaubwürdig vorgestellt bekommen. Deshalb stellte Christus den tatsächlichen Sachverhalt klar, auch wenn die Situation sehr böse war. Er liess die Lüge nicht stehen, auch dann nicht, wenn seine Person sehr angegriffen war.

Damit bewies Er einmal mehr seine Herrlichkeit. Er gab dem Teufel, dem Vater der Lüge, keinen Raum. In seiner Gegenwart sollte niemand verführt werden; das liess Er nicht zu. – Wir sollten auch so handeln, liebe Leserinnen und liebe Leser, auch dann, wenn wir uns persönlich angegriffen fühlen! Wenn uns jemand verunehrt, obschon wir für die Wahrheit stehen, sollten wir uns nicht verabschieden, ohne nochmals ernst auf die Wahrheit hinzuweisen. Wir sollten nicht vorschnell sagen: „Gut, das ist von mir aus Eure Wahrheit, belassen wir es (um des Friedens willen) so!“ Mit einer derartigen Antwort wären die Widersacher gestärkt und diejenigen, welche die Wahrheit suchen, könnten glauben, dass mehrere Varianten zum Heil richtig wären, obschon ja nur ein einziger Weg in Wahrheit richtig und rettend ist. Nur der Weg im Sohn Jesus Christus ist der wahre und lebensrettende Pfad zum Leben! Christus leitete seine Jünger an, auch bei völliger Ablehnung mit Nachdruck für die Wahrheit zu stehen, wie geschrieben steht:

10 In welche Stadt ihr aber gekommen seid, und sie nehmen euch nicht auf, da geht hinaus auf ihre Strassen und sprecht:
11 Auch den Staub, der uns aus eurer Stadt an den Füssen hängt, schütteln wir gegen euch ab; doch dies wisst, dass das Reich Gottes nahe gekommen ist. Lk 10,10-11

Auch wenn die Jünger schon definitiv verworfen sein sollten, hatten sie den Auftrag, die Wahrheit nochmals festzumachen. Sie sollten keinesfalls beleidigt weggehen oder gar das sofortige Gericht herbeiwünschen (Lk 9,54.55), denn einer solchen Stadt oder solchen Menschen, welche die ausgestreckte Hand des HERRN verwerfen, droht ein derart extremes Gericht, dass es den Jüngern bzw. uns auf jeden Fall sehr leid tun sollte! Im Blick auf die kommende Abrechnung ist also unser verletzter Stolz absolut zu vernachlässigen!

Lassen Sie uns klar und mit Nachdruck kommunizieren, was Sache ist, auch wenn gegen uns geredet wird oder wir gar klar verworfen werden! Die Tatsache, dass es neben dem Reich Gottes auch eine ewige Hölle für Gottesverächter gibt, ist viel zu ernst!

Vers 50

Ich aber suche nicht meine Ehre: Es ist einer, der sie sucht und der richtet. Joh 8,50

Christus stellt mit dieser Aussage klar, dass Er keineswegs so dachte und handelte, wie die Juden über Ihn dachten. Die Juden selbst handelten egoistisch, besonders die Pharisäer, welche ausdrücklich ihre eigene Ehre suchten (Mt 23,6.7).

Christus baut die Wahrheit über seine Haltung noch weiter aus, obschon Er das überhaupt nicht nötig hatte, besonders nicht vor Menschen, die von niederen Beweggründen angetrieben und dazu sehr beleidigend waren, wie im vorausgehenden Kommentar ausführlich erwähnt. Christus sagte in den letzten zwei Versen frei übersetzt: „Ich stelle richtig: Ich habe keinen Dämon! Ihr seid mir gegenüber sehr beleidigend! Ich funktioniere nicht wie ihr; meine Beweggründe sind nicht von Ehrsucht getrieben! Gott sucht seine Ehre! Gott wird richten!“

Liebe Leserinnen und Leser! Lassen Sie es uns auch so halten, wie es uns Christus vorgemacht hat! Lassen Sie uns nicht vom geraden Weg Gottes abweichen, den Er uns angewiesen hat! Lassen Sie uns auch dann nicht abweichen, wenn wir beschimpft werden, „Samariter“ zu sein (= nicht zum Volke Gottes zugehörig). Lassen Sie uns auch dann nicht zurückziehen, wenn wir beschimpft werden, einen Dämon zu haben (= unsere Motivation sei teuflisch). Lassen Sie uns auch ohne zurückzuziehen auf dem geraden Weg Gottes bleiben, wenn uns unterstellt wird, wir würden nur unsere Ehre suchen (= unsere Motivation sei, gross herauszukommen). Lassen Sie uns alles in der Weise Christi ausführen, indem wir nichts anderes als nur den Willen Gottes befolgen. Amen.

Vers 51

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit. Joh 8,51

Christus blieb hartnäckig beim Klarstellen der Wahrheit, wie wir es in den vorausgehenden Versen eindrücklich gesehen haben. Christus stellte klar, obschon dem herrlichen HERRN ausgereifte Bosheit entgegenstand. Er beliess es nicht nur beim Richtigstellen, Er ging noch weiter und setzte seine Ausführungen fort, trotz der widerwärtigen Lage.

In einer Menschenansammlung können sich – auch wenn die Menge Gift, Galle und Kot auswirft – Personen aufhalten, die potentiell gläubig werden könnten. Dem Teufel kommt das böse Geschrei eines Mobs zugute, um jede Entscheidung einer Person, sich Gott zu nähern, im Keim zu ersticken. Christus beeindruckten solche Situationen aber gar nicht. Er blieb einfach zielstrebig und völlig dem Vater hingegeben im vom Vater vorgegebenen Plan, ohne links oder rechts auszuweichen. Er lehrt, stellt klar und führt sogar noch weiter aus. Das Letztere sehen wir in diesem Vers. Nach dem Zurechtrücken der Tatsachen, lehrt Er frei übersetzt: „Wenn jemand meine Worte bewahren wird – nicht die Worte und Lehren der demokratischen Gemeinden, welche menschliche Meinungen als gottgegebene Lehren etablieren –, wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit.“ Die Verheissung hängt also am reinen Wort Christi, an seinem Wort. Sie hängt nicht an menschlichen Meinungen, denen man lediglich einen frommen Umhang verpasst.

Alles wird so kommen, wie Er gesagt hat. Und wir werden nur seine Verheissungen erlangen, wenn wir sein Wort bewahren werden. Niemand kommt auf dem eigenen Weg zu den Verheissungen Gottes. – Gelobt sei Christus, dass Er, trotz des bösen Widerstandes, seine Lehren weiter ausgeführt und nicht zurückgezogen hat! Amen.

Vers 52

Die Juden sprachen nun zu ihm: Jetzt erkennen wir, dass du einen Dämon hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sagst: Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den Tod nicht schmecken in Ewigkeit. Joh 8,52

Die Juden waren durch ihre gesetzwidrige Haltung völlig verurteilt, sie realisierten in ihrer Verblendung aber nichts davon. Sie waren verurteilt, weil sie das Gesetz durch ihre Lieblosigkeit brachen, welches Nächstenliebe forderte. Im Frömmigkeitswahn gefielen sich die Juden aber, andersdenkenden Leuten sofort ein dämonisches bzw. teuflisches Vorgehen zu unterstellen. Dies hatte rein gar nichts mit der im Gesetz geforderten Nächstenliebe zu tun. Daher waren die Juden durch ihr Verhalten völlig verurteilt. Hätten sie Nächstenliebe geübt, so hätten sie Jesu Vorgehen gründlich überprüft, um nicht einen Gottesmenschen als Kind des Teufels, als dämonisch besessen zu bezeichnen.

Mit dem Hintergrund der verstorbenen Propheten verstanden sie die Rede Jesu nicht, und hatten nicht erkannt, dass Gott durch die seit jeher geplante Auferstehung ein Gott der Lebenden ist. Gott überlässt den Menschen keinesfalls dem Feind. Der Tod ist auch ein Feind Gottes (1. Kor 15,26). Die Juden unterstellten Gott, Er sei ein Gott der Toten, was ihren Unverstand nochmals deutlich macht. Christus kam schliesslich, um die ganze Macht der Finsternis zu brechen, nicht nur Teile davon. Christus schlug nicht nur eine Bresche in die Stadtmauer des Bösen, um es etwas zu schwächen. Wer es noch nicht begriffen hat: Christus ist wie eine Nuklearwaffe, die im Zentrum des Bösen gezündet wurde. Er hat den Feind damit aufgerieben, völlig vernichtet. Und nicht nur der Kopf der Schlange (= Teufel) wurde zermalmt (1. Mo 3,15). Seine ganze Gefolgschaft ist am Ende. Auch der Tod muss alle Menschen freigeben und wird selbst in die Hölle, den Feuersee geworfen, wie geschrieben steht:

Als letzter Feind wird der Tod weggetan. 1.Kor 15,26

Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Offb 20,14

Zum Zeichen, dass es völlig aus ist mit dem Totenreich, da Gott ein Gott der Lebenden ist, wird das ganze Totenreich (= Hades [Bezeichnung im AT: Scheol]) zusammen mit dem Tod selbst in den Feuersee geworfen werden. Es ist völlig aus mit dem Feinde, es gibt keine vereinzelten, noch nicht eingenommenen Bastionen der Finsternis, welche Christus nicht besiegt hätte. Am Ende wird säuberlich aufgeräumt werden. Der Feind, sein Gefolge und alles, was an ihn erinnern könnte, wird sorgfältig gesammelt und gesamthaft im Feuersee entsorgt werden. Jedes Ärgernis wird aus Gottes Machtbereich entfernt werden. Und Gottes Machtbereich umfasst alles; es wird keinen Platz mehr für Ärgernisse geben! Der Gottesmensch wird somit in die Verheissung aus diesem Vers eintreten; er wird den Tod nicht schmecken in Ewigkeit!

Um zum ersten Teil des Verses zurückzukehren: Die Juden wussten nicht, mit wem sie es da zu tun hatten. Im frommen Wahn glaubten sie, Christus dämonische Besessenheit attestieren zu müssen. – Was für eine unaussprechliche Haltung! Lassen Sie uns nie vorschnell und in einer pseudofrommen Haltung gegen Gottesmenschen stehen! Lassen Sie uns unsere Haltung und überhaupt jeden Sachverhalt im Lichte Christi prüfen und unseren Nächsten grundsätzlich wohlwollend begegnen!

Vers 53

Bist du etwa grösser als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Joh 8,53

Für die Juden war Abraham der Grösste, der Vater der Nation, auch wenn sie seine Gesinnung für Gott nicht teilten. Dieser war ja bekanntlich auch gestorben, wie die Propheten. Und nun stand Jesus vor ihnen, der nicht wie ein gewöhnlicher Mensch sprach. Er redete Worte, die es auszusprechen nur Gott zusteht. Welcher Mensch – der Mensch ist bekanntlich nur ein Hauch, der schnell vergeht – kann und darf sich als Lebensspender bezeichnen, wie es Christus tat? Dies konnte ja nicht einmal Abraham tun, einer der Grössten, den sie kannten. Selbst Abraham lebte kein übernatürliches Leben und starb, wie es dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben. Sein Sohn Isaak kam zwar in besonderer Art zur Welt und war zweifelsfrei ein Zeichen des Himmels, doch das qualifizierte Abraham noch lange nicht, zu sprechen, wie Jesus es tat. Dieser Umstand verwirrte die Juden. Deshalb fragten sie Ihn, für wen Er sich ausgebe.

Vers 54

Jesus antwortete: Wenn ich mich selbst ehre, so ist meine Ehre nichts; mein Vater ist es, der mich ehrt, von dem ihr sagt: Er ist unser Gott. Joh 8,54

Auf die Frage, für wen Er sich ausgebe, gibt Christus die entsprechende Antwort. Er stellt sich als der Sohn des Gottes vor, von dem die Juden vorgaben, sie würden diesen Gott als ihren Gott anerkennen (was sie in Wahrheit aber nicht taten).

Christus war (und ist natürlich immer noch) der Sohn Gottes, des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs. Christus ist der unerschaffene Sohn, durch den alles wurde. Es gibt nichts Geschaffenes im Universum, das nicht durch Ihn wurde (Joh 1,3). Da es ohne Ihn nichts Geschaffenes gibt, das überhaupt wurde, muss Er zwingend unerschaffen sein; das ewige Wort Gottes sagt es so. Christus kann somit nicht die erste Schöpfung sein, wie einige sagen, da es, wie erwähnt, nichts Geschaffenes gibt, das nicht durch Ihn wurde. Christus ist Teil der allmächtigen und unerschaffenen Gottheit. Christus ist ewiger Gott, wie der Vater und der Heilige Geist. Aus diesem Grunde konnte Er Dinge sagen, von denen zu sprechen es nur Gott allein zusteht. Er sprach von ewigem Leben, das durch Ihn komme. So etwas hätte Abraham nie von sich geben können, auch die grössten unter den Propheten nicht. Christus kann aber von diesem ewigen Leben sprechen, weil Er Gott ist, der über uneingeschränkte Macht verfügt. Er sei gepriesen! Amen.

Anbei möchte ich für anders gelehrte Menschen noch etwas bemerken: Der Himmlische Vater liess all die Schöpfung durch Christus werden, um sicherzustellen, dass der rechte Gott vom Menschen geehrt wird. Deshalb ist es falsch wenn man sagt, es sei egal, ob man dem Schöpfergott den Namen Allah, Jehova oder Elohay Elohim (der Gott über den Göttern, 5. Mo 10,17) gäbe, es wäre doch alles dasselbe. Nicht alle Bezeichnungen stimmen für den Gott, der die Himmel und die Erde geschaffen hat. Der einzige Name Gottes, der den Menschen zu ihrem Heil gegeben ist, ist der Name Jesus Christus, wie geschrieben steht:

10 so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kund: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten – in diesem Namen steht dieser gesund vor euch.
11 Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verachtet, der zum Eckstein geworden ist.
12 Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen. Apg 4,10-12

Achte darauf, oh Mensch, auf welchen Namen Du Dein Leben gesetzt hast! – Ich setze all meine Hoffnung auf Jesus Christus, der die Macht hat, mich vor allen Nöten zu retten. Er wird mich in sein unerschütterliches und ewiges Reich hineinretten! Amen!

Vers 55

Und ihr habt ihn nicht erkannt, ich aber kenne ihn; und wenn ich sagte: Ich kenne ihn nicht, so würde ich euch gleich sein: ein Lügner. Aber ich kenne ihn, und ich bewahre sein Wort. Joh 8,55

Christus blieb voll bei der Wahrheit, selbst wenn Er mit dieser Rede nicht wenige der Umstehenden brüskierte. Sie waren in der Eigenschaft als Gottesverehrer Lügner, während Er in der Wahrheit war. Als einziger und wahrhaftiger Erlöser konnte Er sie keineswegs im Irrtum über seine Person lassen; den Menschen ist kein anderer Erlöser gegeben.

Einige Christen könnten an dieser Stelle sagen: „Diese Rede gefällt uns, man muss den Ungläubigen den Mund stopfen! Nur die härtesten Worte sind gut genug!“ Bei solchen Feststellungen sollte nie ausser Acht gelassen werden, dass Christus immer angemessen sprach. Er löschte den glimmenden Doch nicht aus und das geknickte Rohr zerbrach Er nicht. Er gab nicht immer so zurück, wie im aktuellen Vers Joh 8,55. Deshalb kann aus dieser Rede nicht eine allgemeine Härte für die Verkündigung des Wortes Gottes abgeleitet werden. Wenn Härte notwendig war, wendete Christus diese an. Wenn Sanftheit vonnöten war, trat Christus sanft auf. Er hatte beispielsweise als Sohn keinesfalls die Tempelsteuer zu entrichten (Mt 17,26). Um der Schwachheit der Tempeldiener willen (Mt 17,27), wies Er den Petrus an, sie trotzdem zu bezahlen. Als fleischgewordener, ewiger Gott fuhr Er die Einnehmer des Doppeldrachmens nicht hart an und bezichtigte sie nicht hart der vollständigen Kurzsichtigkeit. Um ihnen keinen Anstoss in ihrem Kleinglauben zu geben, liess Er durch Petrus vielmehr die Tempelsteuer entrichten. Auch sie sollten ihre Zeit bekommen, ein vollständiges Bild von Christus zu erhalten. – Lassen Sie unsere Rede auch stets der Situation angemessen sein. Amen.

Vers 56

Abraham, euer Vater, jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Joh 8,56

Mit dieser Aussage sagte Christus den Juden, dass sie sich keinesfalls dem Vater der Nation gemäss verhielten. Abraham wurde der Tag Christi angekündigt und dieser jubelte darüber. Als er den Tag Christi sah, freute er sich. Die Juden waren im Blick auf Abraham ganz anders, obschon sie sich auf Abraham beriefen. Anstatt sich über Christus zu freuen und über seine Gegenwart zu jubeln, beschimpften sie Ihn als Samariter, als nicht dem Volk Gottes zugehörig und im Dienste des Teufels zu stehen, indem sie Ihm dämonische Besessenheit anlasteten. Was für eine Gesinnung in der überschwänglichen Gnade, die damals der Nation widerfuhr! Wie würden sich andere freuen, wenn sie mit Christus am selben Tisch sitzen dürften, wie die Juden damals es hätten tun können! Doch anstatt die einmalige, in der Menschheit völlig ausserordentliche Gelegenheit zu nutzen, beleidigten sie Ihn auf das Äusserste. - Was war das doch für eine unmögliche Situation! 

Vers 57

Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Joh 8,57

Die Bibel sagt, die Weisheit schreie auf den Plätzen (Spr 1,20). Die Weisheit Gottes macht sich derart auffällig bemerkbar, dass sie niemand leugnen kann. Die Schöpfung zeugt jeden Tag von Gottes Kraft, seinem unsichtbaren Wesen und seiner Göttlichkeit (Rö 1,20). Und doch gibt es unvernünftige Menschen, die Bibel nennt sie Tore, die behaupten, es gäbe keinen Gott. Davon kommen nicht wenige aus akademischen Kreisen. Es steht geschrieben:

Der Tor spricht in seinem Herzen: »Es ist kein Gott!« Sie haben Verderben angerichtet, sie tun abscheuliche Taten; da ist keiner, der Gutes tut. Ps 14,1

„Sie tun abscheuliche Taten“, heisst es. Und wenn wir nur daran denken, was Darwin angerichtet hat! Er bot genau diesen törichten Gottesleugnern ihr gefundenes Fressen! – Fest steht aber: Der Mensch ist ohne Entschuldigung vor Gott. Wenn der Tag des HERRN, der Tag des Gerichts kommt, wird mit den Gottesleugnern abgerechnet, die alle und ausnahmslos wissen, dass es Gott gibt und dass sie Ihm einst Rechenschaft abgeben müssen (Rö 1,32).

Die Ideologie der Atheisten ist ein Märchen. Die Bibel sagt, es gäbe keine wirklichen sogenannte „Freidenker“, jeder Mensch wüsste, dass er einst vor Gott Rechenschaft abgeben muss. Amen. – Als ich in der Kommunikation mit Menschen wählen musste, wem ich mein Vertrauen schenken soll, dem Atheisten der mir glaubwürdig erklären wollte, dass er nicht glauben könne, oder dem Worte Gottes, das sagt, jeder Mensch wüsste von Gott, so habe ich mich für den Glauben an die Bibel entschieden. Seitdem nehme ich bekennenden Atheisten ihre Aussagen, sie könnten nicht an Gott glauben, nicht mehr ab, da das Licht der Bibel ihre Beteuerungen als Lügen entlarvt. In Wahrheit wollen sie nur nicht glauben, um weiter ihre eigenen gottlosen Wege zu beschreiten und um sich nicht unter die Hand Gottes zu begeben. – Die Entscheidung, Atheist sein zu wollen, ist dumm. Ich zitiere nochmals die Bibel. An anderer Stelle steht bezeichnenderweise ein weiteres Mal genau dasselbe:

Der Tor spricht in seinem Herzen: »Es ist kein Gott!« Sie haben Verderben angerichtet und abscheuliches Unrecht geübt; da ist keiner, der Gutes tut. Ps 53,2

Die Juden verhielten sich leider wie bekennende Atheisten. Die Weisheit in all ihren Schriften schrie: „Dies ist der Christus, der ewige Gott in der Person des Retters!“ Und dennoch blickten sie ungläubig auf Ihn und sagten (frei übersetzt): „Wir sehen in dir nur einen weitgehend gewöhnlichen und wohl dämonisch besessenen Menschen (Joh 7,20; 8,48). Wie kann es denn sein, dass du mit weniger als fünfzig Jahren Abraham gesehen hast?“

Vers 58

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Joh 8,58

Christus sagte den Juden von sich, was nur Gott von sich sagen kann. Dies sagte Er, obschon seine Rede bei den Juden verworfen war, die Christus mit „Samariter“ betitelten und Ihm dämonische Besessenheit anlasteten. Trotz geringer Hoffnung auf Aufnahme der Worte sprach Christus, was Sache war. Er liess sich nicht durch die praktisch hoffnungslose Situation irritieren (*Joh 12,37.38).

Ein Engel hätte vielleicht sagen können: „Ich war bereits vor Abraham (geschaffen worden).“ Christus konnte sagen: „Ehe Abraham war, bin ich.“ Er ist der „Ich bin“, der keinen Anfang hat, was nur ein unerschaffener Gott von sich sagen kann. Geschöpfe müssen sagen, sie seien am Tag X geschaffen worden.

Wie Christus handelte, sollen wir es ebenso handhaben; Er ist unser Meister. Wir sollen tun, was uns durch das Wort vorgegeben ist, selbst wenn jede Situation dagegen „schreit“. Letztlich erzählte mir eine Schwester, sie habe auf dem Herzen gehabt, nach der Gemeindestunde Geschwister einzuladen, um sie zu bewirten. Sie wollte also tun, wonach wir alle trachten sollten, wie mehrmals geschrieben steht:

an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach Gastfreundschaft trachtet! Röm 12,13

Die Gastfreundschaft vergesst nicht! Denn dadurch haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt. Hebr 13,2

Seid gastfrei gegeneinander ohne Murren! 1.Petr 4,9

Ihre Einladung wurde aber von den Geladenen generell abgelehnt, ohne Interesse an einem alternativen Datum. Dieser Vorfall entmutigte die Schwester, welche die Einladung ausgesprochen hatte, es ohne weiteres wieder zu tun. Es ging ihr wie mir, wenn ich mit einem vom HERRN entzündeten Feuer Verlorene vor mir sehe, mein Herz durch den Geist Christi für diese Menschen ergriffen wird und meine Hand in die Tasche langt, um eine Evangeliumsschrift hervorzuholen, ihnen darreicht und das Gegenüber dankend ablehnt.

Nach mehreren solchen Enttäuschungen sind wir geneigt, die Dienste niederzulegen. – Das sollten wir aber auf gar keinen Fall tun! Für den HERRN arbeiten zu dürfen ist ein extremes, sehr erhabenes Vorrecht! Dieses ist keinesfalls gering zu schätzen! Wenn die im Glauben angesprochenen Menschen ablehnen, liegt das Problem bei ihnen und nicht bei uns! Lassen Sie uns ohne Ablenkung in allen Dingen vorangehen, welche im Wort verankert sind! Lassen Sie uns einfach weitermachen! Dem Evangeliums- und Lehrdienst soll keinen Abbruch getan werden, selbst wenn der Widerstand sehr gross wird. Nach Gastfreiheit soll weiterhin getrachtet werden, auch wenn die Absagen viel werden! Was soll es denn? Wir wollen dem HERRN, unserem Auftraggeber gefallen, wir wollen nicht durch undankbare Menschen entmutigt werden! Amen.

Vers 59

Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus. Joh 8,59

Jesus wusste genau, dass seine Rede verworfen war, und trotzdem hielt Er sie nicht zurück. Der Mensch muss die Wahrheit vorgestellt bekommen, sonst hat er keine Gelegenheit, sie zu ergreifen, denn der Glaube kommt vom Hören (Rö 10,14-17). Christus schenkte klaren Wein ein: Weder Johannes der Täufer noch sonst irgendwer war der Christus. Auch kein zukünftig Geborener hätte Christus sein können, denn ER war der Gesalbte Gottes, der da war und der ist und der sein wird in Ewigkeit! Amen!

Unser Dienst der Verkündigung ist niemals wirkungslos: Er dient seinem Zweck, entweder zur Errettung und dem Aufbau oder dem Gericht. Welche Ihn annahmen, bekamen das Recht, Kinder Gottes zu heissen, welche Ihn verwarfen erhielten das Gericht vorgestellt, wie geschrieben steht:

so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; Joh 1,12

14 Und wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird – geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen!
15 Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Land von Sodom und Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt. Mt 10,14-15

Daraus lernen wir: Das Wort Gottes verfehlt seine Wirkung nie. Wir sind angehalten, es zu predigen, unabhängig von der Art des Echos unseres Rufes. – Lassen Sie es uns einfach tun, wie es uns Christus, trotz härtestem Widerstand, vorgemacht hat! Amen.

Kapitel 9

Vers 1

Und als er vorüberging, sah er einen Menschen, blind von Geburt. Joh 9,1

Im Vorbeigehen sah der HERR einen blinden Menschen, was eine für uns sehr aufschlussreiche Diskussion zwischen seinen Jüngern und Ihm auslöste. Der Gegenstand ist ein kranker Mensch, der Jesus nicht nachgelaufen war. Gott kam in der Person von Christus selbst an ihm vorbei, was wir eine zufällige Begegnung nennen würden. Fragen betreffend diese Situation kommen schnell auf:

- Wie reagiert Christus auf bedürftige Menschen, wenn ein solcher am Wegrand sitzt?
- Ist zwingend Fehlverhalten im Blick auf Gott (Sünde) oder im Blick auf die beste Pflege unseres Leibes die Ursache von Krankheit?

In den nachfolgenden Versen werden wir an die Antworten auf unsere Fragen geführt.

Vers 2

Und seine Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? Joh 9,2

Für die Jünger war klar, dass der Mann aufgrund von Sünde blind war. Und diese Annahme war durchaus berechtigt, denn ein Leben in der Einhaltung des Gesetzes, versprach Gottes irdischem Volk Segen (siehe 3. Mo 26). Und mit Blindheit geschlagen zu werden, konnte keinesfalls mit Gottes Segen in Verbindung gebracht werden. Deshalb zogen die Jünger den Schluss, dass das fehlende Augenlicht dieses Mannes mit Sünde verbunden war, welche den Fluch brachte. Und da dieser Mann von Geburt an blind war, schlossen sie die Sünde seiner Eltern mit in die Frage ein, die sie Christus stellten. Das Alte Testament spricht ja auch von Sünde, die Menschen bis in die vierte Generationen belasten kann (2. Mo 34,7). Aufgrund dieser alttestamentlichen Schriften, war die Frage der Jünger völlig berechtigt.

Ob sie in ihrer Annahme richtig lagen, offenbart uns die Antwort Christi. – Und um es vorwegzunehmen: Sie lagen in ihrer (quasi biblisch begründeten) Annahme falsch! – Das ist eine sehr wichtige Belehrung für uns. Wir sollen nicht vorschnell im Etablieren von Lehren sein! Auch wenn wir biblische Indizien für unsere Deutung finden, sollten wir den HERRN immer auch noch in die Lösungsfindung mit einbinden. Wir sollen Ihn also auch dann um Hilfe in unserem Wortstudium bitten, wenn alles logisch und klar erscheint. Die Gedanken Gottes sind so viel höher als die unseren, sodass mindestens der Ausdruck „grobfahrlässig“ als Beschreibung zu einer von Christus unabhängigen Bibelauslegung passend ist.

Vers 3

Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden. Joh 9,3

Die Antwort Christi ist verblüffend und vermehrt die möglichen Begründungen für Krankheiten um einen weiteren Punkt. Nicht nur eigene Sünde oder Fehlverhalten von Vorfahren können die Ursache für Krankheiten sein. In Falle dieses Blindgeborenen lag der Grund an einem ganz anderen Ort. – Wer hätte an die von Christus vorgestellte Ursache geglaubt? – Der Blindgeborene war blind, damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden! Gott wollte seine Kraft an diesem Menschen erzeigen, dazu wurde er blind geboren.

Oft sind wir Christen viel zu schnell in der Problemanalyse. Wenn ein Mensch mit einem Gebrechen in die Gemeinde kommt, suchen wir schnell nach möglichen Ursachen, was nicht falsch ist. Falsch ist aber, wenn diese nicht in der Zusammenarbeit mit Jesus Christus gesucht werden. Ausserhalb von Christus bleibt man im eigenen, engen Kreis des Vorstellungsvermögens und sucht Lösungen in dem Wenigen, das man kennt. Würde man Christus fragen, hätte man Zugriff zum Ganzen, weit über das Geringe hinaus, das einem bekannt ist.

Gerade in diesem Gebiet von Krankheiten und Gebrechen ist durch unseriöse Arbeit viel zusätzliches Leid entstanden. Es gibt nämlich tatsächlich Brüder und Schwestern unter uns, die behaupten, ein Christ dürfe grundsätzlich keine Gebrechen haben, sonst würde mit ihm etwas im geistlichen Bereich nicht stimmen. Mit solchen Aussagen wurden nicht wenige treue Nachfolger mutlos gemacht. Ein Mensch, dem „Sünde“ nachgesagt wird, obschon er nicht gesündigt hat, wird verleumdet, was nicht eine kleine Sache ist. Da sollte der Christ vorsichtig sein. Einige unter uns plagen damit wissentlich oder unwissentlich Mitgeschwister, die unbescholten sind, indem sie ihnen nachsagen, Sünde zu haben, die in Wahrheit gar nicht vorhanden ist. Solches wird vom HERRN keinesfalls toleriert; der HERR thematisiert diesen Missstand bereits im Alten Testament. Wir dürfen nicht jemanden etwas anlasten, wenn es in Wahrheit nichts anzulasten gibt.

Weil ihr das Herz des Gerechten mit Lüge verzagt macht, obwohl ich ihm doch keinen Schmerz zugefügt habe, und weil ihr die Hände des Gottlosen stärkt, damit er nicht von seinem bösen Weg umkehrt, sich am Leben zu erhalten, Hes 13,22

Nicht jedes Gebrechen hat seine Ursache in der Sünde! Wer einem Gerechten, der durch irgendeine andere Ursache krank geworden ist, ein sündiges Leben unterstellt, wie es die Freunde Hiobs bei Hiob getan hatten, handelt nicht gut.

Vers 4

Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Joh 9,4

Dieser Vers sagt aus, dass man den von Gott erhaltenen Auftrag nicht hinausschieben soll. Es gibt eine Periode, in der gearbeitet werden kann und es gibt eine Periode, in der es zu spät ist. Nirgends ist die Rede, von einer zweiten Periode, nach der Nacht, in der wieder gewirkt werden kann. Dies korrespondiert mit den biblischen Zeitabschnitten. Wir Lebendigen sind im Zeitalter der Gnade geboren und als Christen wurden wir von Gott mit einem Auftrag betraut. Die Zeit für diesen Auftrag ist jetzt. Je älter wir werden und je mehr die Kraft schwindet, desto mehr davon sollte erledigt sein. Wenn wir sterben oder Jesus zu unseren Lebzeiten wiederkommt, ist die Zeit abgelaufen. Wenn wir gestorben sind, können wir nicht mehr unter den Lebenden wirken und wenn Jesus wiederkommt hat der Tag des HERRN bereits begonnen, dann haben die Gerichte dieser Welt schon angefangen. Während des Tages des HERRN kann niemand an göttlichen Aufträgen wirken. Es wird Nacht in dieser Welt, wenn der „Tag des HERRN“ anbricht. Der Tag des HERRN ist ein Tag des Gewölks (Hes 30,3), des Wolkendunkels (Hes 34,12). Es wird eine furchtbare Zeit sein. Das Zeitalter der Gnade wendet sich dann zum Zeitalter des Tausendjährigen Reiches.

Für die allgemeine Menschheit ist das eine Sache, für Beauftragte Gottes eine andere. Für die allgemeine Menschheit ist dann die Zeit der Gnade vorüber, der Tag der Abrechnung ist angebrochen. Für Beauftragte Gottes ist dann die Zeit, ihren Auftrag gut zu Ende zu bringen, ebenfalls vorüber; sie müssen dann mit dem, was sie haben, vor dem Richterstuhl Christi antreten. Wer den Auftrag vollendet hat, wird Lob empfangen, wer ihn nicht oder nur teilweise ausgeführt hat, wird ohne gute Argumente dastehen, denn Gott vergibt seine Aufträge so, dass jeder genügend Zeit hat, sie zu erledigen.

 

Vers 5

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Joh 9,5

Solange Christus in der Welt ist, scheint Licht in der Dunkelheit. Matthäus spricht von der eingetroffenen Prophezeiung über Christus, welche Jesaja prophezeit hatte (Jes 9,1):

Das Volk, das in Finsternis sass, hat ein grosses Licht gesehen, und denen, die im Land und Schatten des Todes sassen, ist Licht aufgegangen. Mt 4,16

Wie wir wissen, ist Christus zwischenzeitlich zum Vater aufgefahren. Er überliess damit aber die Welt nicht einfach ihrem Schicksal. Er überliess sie nicht dem Dunkel der teuflischen Verführung und der satanischen Herrschaft. Bis zur Vollendung des Zeitalters lässt Er seine Gemeinde als Zeugnis in der Welt. Die Gemeinde ist sein Leib (Kol 1,24). Damit ist Er in den Heiligen immer noch anwesend. Das Licht Gottes scheint also weiter in der Welt, was auch bestätigt ist, wie Christus selbst sagte:

Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein. Mt 5,14

Wir, die wir in Christus sind, zeugen also wie erwähnt weiterhin einzeln oder als Gemeinde (Offb 1,20) als Lichter für Gott, wie es Christus getan hatte. Das ist ein herrliches, uns anvertrautes Vorrecht!

Vers 6

Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und bereitete einen Teig aus dem Speichel und strich den Teig auf seine Augen; Joh 9,6

An dieser Stelle fing Christus an, sich mit dem Menschen, der zur Verherrlichung Gottes blind geboren wurde, zu beschäftigen. Wir lesen nichts von einer an Christus gerichtete Bitte des Blinden. Wir lesen nur, was die Ursache der Krankheit war und wie sich Christus ihm in der Folge gnädig zuwandte.

Christus wählte mit diesem Teig eine spezielle Methode zur Heilung dieses Menschen. Er hätte einfach ein Wort sprechen können, was zur Heilung völlig ausreichend gewesen wäre. Das Universum entstand durch Gottes Wort, Er gebot und es stand da. Tote standen auf durch Gottes Wort, Christus gebot dem verstorbenen Jüngling von Nain, und er stand aus den Toten auf (Lk 7,14). Christus sprach und die Augen des blinden Bartimäus wurden sogleich geöffnet (Mk 10,52). Ein Sprechen Gottes reicht in jeder Situation völlig aus, um jeden Missstand augenblicklich in Ordnung zu bringen. – Wenn Christus eine andere Methode wählt, ist das bezeichnend. Es sagt uns, dass es manchmal für eine einfache Sache notwendig ist, einen Umweg zu beschreiten. Hier wählte Jesus, anstatt einfach der Krankheit zu gebieten, den Umweg über diese Prozedur mit dem Teig.

Nicht selten führt uns Gott durch einen längeren Prozess der Umwandlung oder der Wiederherstellung, anstatt uns einfach in einem Augenblick durch ein Wort zu befreien bzw. zu heilen. Wählt Gott für einen Prozess einen längeren Weg, hat das nie mit (negativer) Willkür zu tun. Er lässt niemals ein Kind Gottes, das Ihn liebt, unnötig leiden. Alle Dinge dienen zum Guten, heisst es. Somit ist gesagt, dass jede Minute eines länger andauernden Prozesses dem Betroffenen zum Heil mitwirkt (Rö 8,28); Gott weiss genau, was Er tut und was vonnöten ist. Amen.

Vers 7

und er sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich in dem Teich Siloah! was übersetzt wird: Gesandter. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend. Joh 9,7

Der Blindgeborene kam nicht blind zur Welt, damit Jesus Christus an ihm zeigen konnte, dass Er auf jede Weise heilen kann. Nur zu diesem Zweck hätte der Mann nicht jahrelang blind sein müssen. Die Belehrung, die der HERR mit diesem Mann abgibt, geht sehr viel weiter und tiefer. Die Heilung dieses Menschen steht symbolisch für den Weg eines Christen.

Wenn wir zum Glauben kommen, wird unser Geist erneuert. Wir werden wiedergeboren, das Leben Gottes wird durch den Geist Gottes in uns gezeugt. Wir erhalten Gottes Leben durch die Geburt in seine Familie, wie es der HERR dem Nikodemus im Johannesevangelium, Kapitel 3, eindrücklich erklärt. Die Feststellung, dass die Kindschaft durch Geburt und nicht durch eine Gabe zustande kommt, macht zusammen mit jener im 1. Korintherbrief, Kapitel 3, Vers 15, unumstösslich klar, dass auch ein unweiser Christ in jedem Fall gerettet wird, wenn es auch bei jenem in unrühmlicher Art geschieht.

Diese beiden von Gott gegebenen Fakten machen klar, dass ein Christ die Kindschaft nicht verlieren kann. Ein Christ kann hingegen die ganze Erbschaft Gottes verlieren, dafür steht das Beispiel von Esau, der sein Erstgeburtsrecht für eine sehr geringe irdische Sache, eine gewöhnliche und einmalige Mahlzeit, verspielte. Das Erstgeburtsrecht zu haben bedeutete im Alten Testament, als Inhaber einen grösseren Anteil des Familienerbes zu erhalten. Im Neuen Testament bedeutet ein biblisch illegaler, kurzzeitiger, irdischer Genuss den Verlust des von Gott bereitgestellten Erbes. Das ist die neutestamentliche Deutung des Verlustes von Esau. Ein Christ, der den Genuss der sündigen Welt nicht lassen will, wird nicht als würdig erachtet werden, das Erbe unseres himmlischen Vaters zu erlangen. Ruben war der erstgeborene seines Vaters Jakob, welcher später den Namen Israel erhielt. Rubens Erstgeburtsrecht wurde ihm aber von seinem Vater Israel aberkannt, weil er seinen fleischlichen Trieb nicht zügeln konnte. Was er hatte, genügte ihm offensichtlich nicht, er nahm sich sogar die Frau seines Vaters. Durch den durch Unenthaltsamkeit entstandenen illegalen Akt verlor er sein Erstgeburtsrecht. Dafür zeugt die ewige Schrift im 1. Buch Mose, Kapitel 49, mit den Versen 3 und 4. Unmissverständlich steht dort: „Du sollst keinen Vorrang haben.“ Weil er seine Lust nicht im erlaubten Rahmen halten konnte, verlor er den Vorrang des Erstgeborenen.

Die Wahrheit ist in Bezug auf den Weg des Menschen, dass der Geist eines zum Glauben gekommenen Menschen in einem Nu erneuert wird, die Zeugung erfolgt schnell, wie es sich bei der natürlichen Zeugung verhält. Nicht so schnell wird unsere Seele umgewandelt, welche unseren Willen, den Verstand und die Gefühle umfasst. Die Seele muss vom weltlichen Gedankengut gereinigt werden und sie muss himmlisches Denken annehmen. In der Regel ist das ein lebenslanger Prozess, der ausschliesslich mit der Hilfe des HERRN gemeistert werden kann. Petrus nennt diesen Prozess, den Prozess zur „Errettung der Seele“:

und so erlangt ihr das Ziel eures Glaubens: die Rettung der Seelen. 1.Petr 1,9

Das Ziel eines Gläubigen ist durch die Schrift klar formuliert. Wir sollten es kennen und uns danach ausstrecken, damit wir nicht einfach irgendwas tun; wir sollten unsere Marschrichtung kennen. Unser Ziel ist die Umwandlung unseres Willens und Denkens, die Umwandlung unserer Gefühle und unseres Verstandes. Wir sollen von der Kindschaft, die in den Anfängen nur Milch verträgt (1. Kor 3,2; 1. Petr 2,2), zur vollen Mannesreife kommen (Eph 4,13).

Zur Erlangung dieses Zieles muss der HERR nicht selten andere Methoden anwenden als augenblickliche Hilfe. Mit sofort ausgeräumten Schwierigkeiten lernen wir praktisch nichts Tiefgehendes. Der HERR würde mit immer blitzartig eintreffenden Wunscherfüllungen in unseren Augen zum Status eines Wunscherfüllungsautomaten hinabsinken. Unsere Hinwendung zu Ihm stünde dann auf dünnem Eis; würde ein Problem nicht rasch beseitigt werden, so würden wir auf der Gefühls-, Verstandes-, und Willensebene beginnen, an Ihm zu zweifeln. Die Gefühle würden sagen: „Er liebt uns doch nicht so sehr, weil Er das Problem nicht sofort für uns löst!“ Der Verstand würde sagen: „Er ist vielleicht nicht so allmächtig, wie es die Bibel sagt, sonst würde doch ein Wort von Ihm genügen, das Problem zu lösen!“ Und der Wille würde sagen: „Ich weiss nicht, ob ich einem solchen Führer nachfolgen möchte, seine Problemlösungen dauern mir zu lange!“

Mit den Gedanken, die ich hier lediglich im Konjunktiv, in der Möglichkeitsform skizziert habe, haben wir in der Realität tatsächlich und oft zu kämpfen. Aus unserer Natur heraus sind wir nicht besser als die Israeliten, welche fest behaupteten, ihren König zu lieben, aber bei der nächsten und völlig unbedeutenden Gelegenheit von ihm abfielen (2. Sam 19,44 – 20,2). So behaupten wir auch, Jesus Christus zu lieben, doch unsere Taten zeugen manchmal genau vom Gegenteil. Sie zeugen vom Gegenteil, wenn sie nicht mit den Worten Christi (z. B. jenen in der Bergpredigt, Mt 5-7) übereinstimmen. Wer seinen Bruder nicht liebt oder wer lüstern nach fremdem Fleisch Ausschau hält, liebt Gott nicht. Da macht die Bibel unmissverständliche Aussagen. Nur wer den Willen Christi tut, kann von sich sagen, er liebe Ihn.

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; Joh 14,21a

Wer nach Hause kommt und sich sogleich in den Feierabend begibt -, tut ein solcher den ganzen Willen Christi? Christus will, dass auch abends zuerst die Arbeit im Reich abgeschlossen wird, bevor man sich dem Feierabend hingibt, wie es im Lukasevangelium eindrücklich und unmissverständlich geschrieben steht (Lk 17,7-9). – Ach, wie viele von uns tun sich schwer im täglichen Dienst und sehen es schon als zu mühsam an, einmal die Woche etwas Kleines aus der Bibel zusammenzutragen. Dabei steht viel Arbeit an im Reich! Die Kinder sollten täglich geistliche Nahrung erhalten, der Teufel stellt über alle Kanäle jederzeit giftige „Speise“ bereit, welche unsere anvertrauten Geschwister verunreinigt. Als ältere Geschwister, Eltern, Diakone, Älteste und überhaupt als Priester Gottes – diesen Status haben wir alle (1. Petr 2,9; Offb 1,6) – sollten wir uns auch täglich um die Anliegen und Bedürfnisse unserer Mitgeschwister kümmern! Die Bedürfnisse sind da! Die Frage ist, ob auch willige Arbeiter da sind, die den Willen des HERRN voll annehmen und umsetzen wollen.

Kommen wir zurück zum Vers: Unsere Heilung und die Umwandlung der Seele geschehen in der Regel nicht in einem Augenblick. Die Umwandlung der Seele kann ein Leben lang andauern. Sie erfordert das Vertrauen eines Blinden, der das vor ihm liegende Gebiet noch nicht sieht, in das er vom HERRN gesendet wird. Der Gläubige macht sich auf, auf das Wort des HERRN hin; er geht nicht in eine unbestimmte Richtung, er geht zum definierten Ziel, sinnbildlich geht er zum Teich Siloah. Der Gläubige geht in die Richtung, die er vom HERRN empfangen hat. Unterwegs richtet er sich immer wieder danach aus, zu diesem Ziel hin. Das Ziel ist und bleibt dasselbe, wie er im Anfang empfangen hat. Das Ziel ändert sich nicht durch Eingebungen von Menschen, denen er auf dem Weg begegnet. Das Ziel ändert sich nicht durch Träume, die des Nachts in ihm aufkommen. Das Ziel ändert sich nicht durch mögliche negative Gefühle. Das Ziel bleibt für den Gläubigen, der es noch nicht sehen kann, immer dasselbe.

Für diese grosse Vision und Belehrung steht dieser blinde Mann. Sein Leben und sein Leiden sprechen Bände, die für uns von grösster Wichtigkeit sind. Am Ende, nach dem Befolgen der Worte Christi, steht er als geheilter Mann da. Er steht als Monument für jemanden, der durch das beharrliche Befolgen des Wortes Gottes zum Ziel gekommen ist. Er steht als Denkmal für einen Menschen, der auf das Geheiss Christi als nicht Sehender einen beschwerlichen Weg unter die Füsse genommen und dafür das Heil gefunden hat. – Gelobt sei der HERR für diese Darstellung! Amen!

Vers 8

Die Nachbarn nun und die, die ihn früher gesehen hatten, dass er ein Bettler war, sprachen: Ist dieser nicht der, der da sass und bettelte? Joh 9,8

Die Heilung dieses Menschen konnte natürlich nicht verborgen bleiben. Als Blinder konnte er nicht wie Sehende selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Er war von den Almosen der Vorübergehenden abhängig. Seiner Umgebung war der Blinde somit als Bettler bekannt. Es war also kein Wunder, dass sich seine Heilung schnell herumsprach. Neu wurde er als Sehender erkannt, was ein nie dagewesenes Wunder bedeutete. Im Alten Testament geschahen schon auch vereinzelt Wunder. Und diese waren nicht unbedeutend. Tote wurden ihren Müttern wieder zurückgegeben (2. Kö 4,32 ff.) und auch Feuer konnte vom Himmel gerufen werden (1. Kö 18,21 ff.). Aber ich kenne keine alttestamentliche Bibelstelle, welche von davon berichtet, dass Blinden je die Augen aufgetan wurde. Es scheint offensichtlich zu sein, dass diese Art von Wunder lediglich dem ewigen Gott vorbehalten war. Jesaja schrieb:

4 Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, da ist euer Gott, Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten.
5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Jes 35,4-5

Wenn Er selbst kommen wird, werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. – Wir wissen, dass der Allmächtige selbst in der Person von Jesus Christus auf die Erde gekommen war und diese Zeichen gewirkt hat. Christus sendet mit dieser Wahrheit zu Johannes dem Täufer ins Gefängnis, als dieser zu zweifeln angefangen hatte. Christus liess ihm mitteilen, dass Er jener sei, von dem Jesaja gesprochen hatte. Christus war der, der Taube hörend machte und Blinde sehend: Christus war der allmächtige Gott, der sich durch den Rufenden in der Wüste, damit ist Johannes gemeint (Mt 3,3), hatte ankündigen lassen, wie geschrieben steht:

Denn dieser ist der, von dem durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: »Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade!« Mt 3,3

Der Sachverhalt ist so wichtig, dass es nicht oftmals genug erwähnt werden kann: Diese Stelle aus dem Propheten Jesaja macht klar, dass der „Rufende in der Wüste“ den Allmächtigen ankündigen wird. Und wen hatte sie in der Erfüllung der Prophetie angekündigt? Johannes kündigte Jesus Christus an! – Jesus Christus ist also der allmächtige Gott und Er ist wahrer Mensch! Und Er tat die Wunder, von denen Gott sprach, Er würde sie tun! – Er sei gelobt! Vertrauen Sie Jesus Christus in allem! Er wird’s wohl machen (Ps 37,5).

Vers 9

Einige sagten: Er ist es; andere sagten: Nein, sondern er ist ihm ähnlich; er sagte: Ich bin es. Joh 9,9

Ein noch nie dagewesenes Wunder ist schwer zu glauben. Deshalb sagten einige sinngemäss: „Er sieht aus wie der blinde Bettler, ist es aber nicht. Er ist ihm lediglich ähnlich.“ Aber der durch Christi Werk Sehende bestätigte selber: „Ich bin es.“

Lassen Sie uns auch die Wahrheit mit Nachdruck bekennen, sollten Zweifel an einem Werk Gottes aufkommen. Das Werk Gottes geschieht in erster Linie, um Menschen durch den Glauben zu retten. Die kurze Zeit unserer 70 – 80 Lebensjahre sollten wir Gott zur Verfügung stellen, der verordnet hat, das Evangelium durch Menschen zu verkündigen. Es wird nicht durch Engel verkündigt; wir Menschen sind dazu berufen. Zur Erinnerung: Kornelius erscheinen zwar Engel zur Wegweisung. Sie brachten ihm aber nicht das Evangelium, sondern sagten lediglich, wen er rufen sollte, um es zu hören. Sie wiesen ihn an, einen willigen Knecht Christi zu rufen, von dem offenbar war, dass er es tun wird. – Wie sieht es mit unserer Bereitschaft zur Verkündigung aus? Tragen wir die ganze vom Heiligen Geist definierte Ausrüstung? Sind wir beschuht mit der Bereitschaft, das Evangelium, die gute Botschaft zu verkündigen? Diese Bereitschaft ist ein Bestandteil der vom Heiligen Geist definierten Ausrüstung (nachfolgend im Vers 15), wie geschrieben steht:

10 Schliesslich: Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke!
11 Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt!
12 Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt.
13 Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen bleiben könnt!
14 So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit
15 und beschuht an den Füssen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens!
16 Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt!
17 Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort!
18 Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen Eph 6,10-18

Lassen Sie es uns dem Geheilten gleichtun, wenn es darum geht, für Christus zu zeugen! Lassen Sie uns dann sagen: „Ich bin Christi Zeuge! Ich bin durch sein Blut gerettet worden!“

Vers 10

Sie sprachen nun zu ihm: Wie sind denn deine Augen geöffnet worden? Joh 9,10

An dieser und den nachfolgenden Stellen wird uns mitgeteilt, wie der Geheilte selbständig Zeugnis für Christus ablegte; Christus war offensichtlich nicht mehr vor Ort. Nachdem der ehemals blinde Mann gefragt worden war, wie seine Heilung abgelaufen sei, antworte dieser nicht mit einer auf Sensation getrimmten Antwort, wie wir sehen werden.

Ganz anders funktionieren viele Christen von heute. Sensationen werden immer wieder heraufbeschwört, auch wenn sie meistens ausbleiben. Heute werden unter anderem sogenannte „Heilungsgottesdienste“ im grossen Stil aufgezogen. Selbst wenn darin wenig bis gar keine Heilungen geschehen, werden diese Gottesdienste weiterhin so benannt. – Dies sollte nicht so sein, denn damit wird unser Gott verzerrt wahrgenommen. In eigenmächtig agierenden Gemeinden handelt Er nicht so, wie es die Menschen erwarten. Für Beobachter sind solche Gottesdienste das reinste Theater, viel Lärm um nichts. Intern wird dazu viel Hoffnung geweckt, um dann grosse Enttäuschungen aufkommen zu lassen.

In der Laodizea-Gemeinde steht der HERR vor der Türe. Eine Laodizea-Gemeinde ist eine demokratisch geführte Gemeinde, welche dem heute leider vorherrschenden Zustand im Christentum entspricht. Der HERR ist nicht mit Menschen, die nach eigenem Gutdünken Gottesdienste zelebrieren. Wird ein selbst benannter Heilungsgottesdienst zelebriert, ist es kein Wunder, wenn wenig bis gar nichts passiert, wenn keine Heilungen verzeichnet werden können. Christus heilt nicht zwingend dann, wenn wir unsere Gottesdienste besonders benennen. Christus heilte diesen Blindgeborenen plötzlich, ohne jegliche bzw. besondere Vorbereitungen seitens der Menschen. Es wurde nicht zuvor ein unter Grossaufmachung zelebrierter Heilungssabbat angekündigt, an dem dieser Blindgeborene vorgeführt und nach dem Gebet eines Rabbiners von Gott geheilt werden sollte. Die Heilung geschah hier völlig ohne das Zutun der Menschen. Gott erbarmte sich in der Person von Jesus Christus im Vorübergehen über diesen Menschen.

Damit sage ich nicht, dass wir Kranke nicht zu Gott bringen dürfen. Was die Helfer für einen Glauben bewiesen hatten, als sie das Dach abdeckten und den Lahmen in den Raum hinunter liessen, wo Jesus war, wird durch die Schrift lobend erwähnt (Lk 5,19 ff.). Es ist immer gut, wenn wir mit allem zu Jesus gehen. Wenn wir dabei aber wollen, dass Gott uns erhört, müssen Unreinheit und Eigendünkel weichen. Amen.

Vers 11

Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heisst, bereitete einen Teig und salbte meine Augen damit und sprach zu mir: Geh hin nach Siloah und wasche dich! Als ich aber hinging und mich wusch, wurde ich sehend. Joh 9,11

Die Erklärung des Geheilten einfach und klar. Sie enthält keine Weglassungen und keine Zusätze. – Genau auf diese Art sollen wir für Christus zeugen. Wir sollen nicht eigene „kluge“ Worte zu denen Gottes hinzufügen. Christus verlangt das nicht von uns; unser Zeugnis soll einfach der Wahrheit entsprechen.

Diese einfache und völlig einleuchtende Belehrung muss erwähnt werden, denn wenn sie klar wäre, müsste der HERR betreffend sein Wort nicht vor Zusätzen und Weglassungen warnen, wie bezeichnenderweise oft geschrieben steht:

Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete! 5.Mose 4,2

Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun. Du sollst zu ihm nichts hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen. 5.Mose 13,1

So spricht der HERR: Tritt in den Vorhof des Hauses des HERRN und zu allen Städten Judas, die kommen, um im Haus des HERRN anzubeten, rede all die Worte, die ich dir geboten habe, zu ihnen zu reden; lass kein Wort weg! Jer 26,2

5 Alle Rede Gottes ist geläutert. Ein Schild ist er denen, die bei ihm ihre Zuflucht suchen.
6 Füge zu seinen Worten nichts hinzu, damit er dich nicht überführt und du als Lügner dastehst! Spr 30,5-6

18 Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind;
19 und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist. Offb 22,18-19

Anhand der Häufigkeit dieser Ermahnung erwähne ich es nochmals: Unser Zeugnis für Christus soll weder durch Zusätze noch durch Weglassungen verfälscht werden. Amen!

Vers 12

Da sprachen sie zu ihm: Wo ist jener? Er sagt: Ich weiss es nicht. Joh 9,12

Interessant, dass der Heilige Geist auch diese Frage und Antwort niederschreiben liess, wo doch Johannes nur das Nötigste der Begebenheiten um Jesus Christus aufgeschrieben hat (Joh 21,25). Es gab so viel Stoff zur Wiedergabe, dass sich Johannes wirklich nur auf das Wesentlichste beschränken musste. Aus diesem Grund sollten wir uns ernstlich fragen, weshalb dieser Vers da steht und was uns Gott damit sagen will.

Auf die Frage, wo denn diese für das Leben des Blinden wichtigste Person war, antwortete der Geheilte wahrheitsgemäss: „Ich weiss es nicht.“, was ihn etwas weniger interessant machte. Er war als Geheilter zwar noch immer eine Sensation, doch wäre er noch interessanter gewesen, wenn er Jesu Aufenthaltsort hätte angeben können.

Der Geheilte machte nicht mehr aus sich, als angemessen war. Gott hatte an ihm ein Wunder getan, das ihn in eine gewisse Stellung hob: Er zeugte in einmaliger Weise für Gott, der auf die Erde gekommen war, um die Werke zu wirken, die ausschliesslich Gott vorbehalten waren (siehe Kommentar zu Vers 8). – Wir sollen ebenso handeln, wie der Geheilte handelte. Gott gibt jedem von uns eine gewisse Stellung, um für Ihn zu zeugen. Diese Stellung erreicht eine gewisse Stufe, nicht mehr und nicht weniger. Wir sollen uns nicht über diese Stufe stellen und anfangen Dinge über Gott sagen zu wollen, die wir nicht kennen. Wenn etwas, z. B. eine Frage von Menschen, über unseren Wissensbereich hinausgeht, so sollen wir sagen: „Ich weiss es nicht.“ Aber wir sollen unser Wissen über Gott auch nicht unter einen Scheffel, unter einen Kübel stellen. Wenn wir zu etwas befragt werden, das wir beantworten können, so sollen wir den Tatsachen gemäss antworten. Dann sollen wir nichts von den uns bekannten Worten Christi wegnehmen, wie es uns der Geheilte vorgemacht hat, indem er wahrheitsgetreu wiedergab, wie Christus mit ihm verfahren war und was er selber zu seiner Genesung beisteuern musste. Amen.

Vers 13

Sie führen ihn, den einst Blinden, zu den Pharisäern. Joh 9,13

Die Juden interessierte es darauf, was die religiöse Elite zu dieser Heilung sagen würde. – Das war keine gute Entscheidung. Wir wissen durch das Lesen der Schrift, dass dabei nichts Gutes herauskommen konnte, denn die Pharisäer waren böse und damit antigöttlich eingestellt. Die Pharisäer waren vor Gott überhaupt nicht in Ordnung. Sie gaben vor, besonders fromm zu sein, verfehlten mit ihren Handlungen aber jegliche Ziele Gottes (Mt 23,13 ff.). Das Volk hatte mit ihnen keine guten Führer.

Lassen Sie bitte auf uns achten, dass wir unser Leben zum Wohle des Volkes Gottes einsetzen. Lassen Sie uns bitte darauf achten, dass wir Begebenheiten in unserem Leben im Lichte des Wortes Gottes und im Gebet beurteilen. Wenn wir sie vor Menschen bringen, sind wir oft willkürlichen Meinungen ausgesetzt, welche auf Annahmen, Unwissen oder gar Neid und Missgunst stehen. Es ist heute immer noch schwierig Menschen zu treffen, die einem den reinen Weg Gottes weisen können, wie es damals schwierig war. Es ist allgemein schwer, einen zuverlässigen Menschen zu finden, wie geschrieben steht:

Die meisten Menschen rufen ihre eigene Frömmigkeit aus; aber einen zuverlässigen Mann, wer findet ihn? Spr 20,6

Jeder dünkt sich fromm. Wer das von sich selber zu sein glaubt und seine Frömmigkeit vor sich ausruft, ist nicht weise. Meistens ist dann nicht viel davon vorhanden. Ein Selbstvergleich ist in biblischen Dingen immer töricht, wie Paulus schreibt:

Denn wir wagen nicht, uns gewissen Leuten von denen, die sich selbst empfehlen, beizuzählen oder gleichzustellen; aber da sie sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen, sind sie unverständig. 2.Kor 10,12

Paulus sagt damit aus, dass Menschen, die sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen, unverständig handeln. Wenn später der göttliche Massstab an sie gelegt wird, versagen die meisten wie ein schlaffer Bogen (Hos 7,16). So versagte das Nordreich Israel insgesamt in einem Test zur Zeit Davids. Beachten wir diese Begebenheit im Blick auf uns genau, sie zeigt, dass bei den allermeisten, die vorgeben, Gott zu lieben, in Wahrheit nur leere Worthülsen vorhanden sind, die keinesfalls mit der Realität korrespondieren. Viele, die also sagen, sie liebten Gott, lieben ihn gar nicht wirklich. Betrachten wir nun zu dieser wichtigen Belehrung eine Begebenheit aus der Bibel. David kehrte aus seiner Verwerfung zurück, welche durch seinen Sohn Absalom aufgekommen war. Da fingen die Männer Israels mit den Männern aus Juda zu streiten an. Jede Partei behauptete, den König David mehr zu lieben als die andere Partei. Kurz darauf offenbarte eine einfache göttliche Prüfung den Wahrheitsgehalt der Worte von den Männern Israels: Obschon die Israeliten lautstark 10 Anteile des Königs für sich beanspruchen wollten, verwarfen diese einen Augenblick später ihren für sie ach so wichtigen König – ohne jeglichen triftigen Grund. Sie verwarfen ihren König, der Israel die Siege gebracht hatte, wegen eines unbekannten, gottlosen Mannes der rein zufällig dort stand. Er zettelte nicht einmal einen von langer Hand geplanten Anschlag an. Er stand rein zufällig dort und glaubte, Abfall von David ausrufen zu müssen. Er war der Test für die Beteuerungen der Männer Israels. Und Israel zeigte mit dem darauffolgenden, so leicht erfolgten Abfall vom König David, dass ihre Worte hohl und leer, völlig gehaltlos gewesen waren, denn sie folgten augenblicklich einem unbekannten und offensichtlich gottlosen Mann. So und nicht anders sah es in Wirklichkeit in ihrem Herzen aus. Obschon niemand wusste, ob der gottlose Aufrührer gut zum Volk sein werde, folgte ihm Israel augenblicklich! Der Aufrührer war nicht von Gott gesalbt, David hingegen schon. David war bekannt und seine Treue zum Volk war bewiesen. – Hören wir, wie die Schrift diese äusserst traurige Begebenheit schildert:

41 Und der König ging weiter nach Gilgal, und Kimham ging mit ihm hinüber. Und das ganze Volk von Juda und auch die Hälfte des Volkes von Israel führte den König hinüber.
42 Und siehe, alle Männer von Israel kamen zum König und sagten zum König: Warum haben unsere Brüder, die Männer von Juda, dich gestohlen und den König und sein Haus und alle Männer Davids mit ihm über den Jordan geführt?
43 Da antworteten alle Männer von Juda den Männern von Israel: Weil der König mir nähersteht! Warum bist du denn über diese Sache erzürnt? Haben wir vom König etwa irgend etwas aufgegessen, oder hat er uns irgendein Geschenk gemacht?
44 Aber die Männer von Israel antworteten den Männern von Juda und sagten: Ich habe zehn Anteile am König, und auch an David habe ich mehr Anrecht als du. Warum hast du mich verachtet? Ist nicht auch mein Wort das erste gewesen, meinen König zurückzuholen? Aber das Wort der Männer von Juda war härter als das Wort der Männer von Israel.
1 Nun war dort zufällig ein ruchloser Mann; sein Name war Scheba, der Sohn des Bichri, ein Benjaminiter. Der stiess ins Horn und rief: Wir haben keinen Anteil an David! Wir haben kein Erbteil an Isais Sohn! Jeder zu seinen Zelten, Israel!
2 Da zogen alle Männer von Israel von David weg und folgten Scheba nach, dem Sohn des Bichri. Die Männer von Juda aber hingen ihrem König an, vom Jordan bis Jerusalem. 2.Sam 19,41-20,2

Wie damals verhält es sich heute. Die Taten der Christen sind nicht im Einklang mit den ausgesprochenen Beteuerungen. Jeder gibt vor, den HERRN zu lieben, isst aber am selben Tisch mit Ehebrechern, welche das Wort Gottes verwerfen, es sogar vorsätzlich verwerfen! Der HERR, den sie zu lieben vorgeben, will aber keine Gemeinschaft mit Bösen in seinem Volk sehen; sie ist Ihm ein Gräuel (1. Kor 5)! Weil sich das neutestamentliche Volk, seine Gemeinde aber trotzdem so verhält, sehen wir, dass sich die Geschichte wiederholt, trotz aller Warnungen. Die Bibel warnt uns ausdrücklich vor Rückfällen, wie zweimal hintereinander geschrieben steht:

Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach Bösem gierig sind, wie jene gierig waren. 1.Kor 10,6

Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist. 1.Kor 10,11

Wir sollen uns durch die alttestamentlichen Begebenheiten warnen lassen! – In Wahrheit verhallen die Worte in der christlichen Landschaft bei der Mehrheit leider völlig unerhört. Man beteuert, den HERRN zu lieben, tut aber trotzdem Dinge, die Er hasst. Man baut hierarchisch geführt Gemeinden, benennt sie mit Namen und macht sie zu weltlichen und demokratisch geführten Vereinen. Pornografie, Unzucht und Ehebruch und Lieblosigkeiten mutierten von biblisch taxierten Kapitalverbrechen zu Kavaliersdelikten. Verwerfliche Selbstsucht, Humanismus und Eigenwille dominieren das Verhalten der Seelen. Die Gemeinde Laodizea (= Demokratie), die Erbärmliche (Offb 3,17), grüsst bald aus jedem Dorf und jeder Stadt, als Symbol für den heutigen allgemeinen Zustand aus der Offenbarung, Kapitel drei. – Wehe den Christen, die diesen Zustand gutheissen und sich darin wohl fühlen! Wehe den Christen, die sagen, alles sei in Ordnung! Die biblische Prüfung für die Liebe zum HERRN ist diese: Wer den Willen des HERRN tut, der ist es, der den HERRN liebt, wie ich in früheren Kommentaren schon erwähnt habe:

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; Joh 14,21a

Wer vorgibt, Gott zu lieben, seine Gebote aber nicht hält, ist ein Lügner! Amen, wahrlich, so ist es! Prüfen wir uns selbst: Jeder von uns Christen gibt vor, den HERRN zu lieben. Beurteilen wir doch unsere Taten beim Lesen der Schrift: Wenden wir uns täglich nach vollbrachtem Tagewerk noch der Arbeit im Reich zu (Lk 17,7 ff.) oder gucken wir abends in die (TV-) Röhre? Stimmen unsere Taten mit den Worten Gottes überein? Falls ja, glückselig sind wir! Falls nein, betrügen wir uns selbst und stellen uns unter das Gericht, das Heuchlern bereitet ist! Amen!

Vers 14

Es war aber Sabbat, als Jesus den Teig bereitete und seine Augen öffnete. Joh 9,14

An dieser Stelle ist es wichtig zu betrachten, wie Gottes Wort angewendet werden muss. – Gottes Wort ist verknüpft mit Ihm selbst; es kann nicht von der Person Jesus Christus getrennt werden, wie geschrieben steht:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Joh 1,1

Wer Gottes Wort liest, liest die Gedanken Gottes selbst, ein solcher setzt sich direkt mit dem Wesen Gottes auseinander. Gottes Wort ist nicht eine Bedienungsanleitung für beispielsweise eine Maschine, die der Konstrukteur zur korrekten Bedienung seines Gerätes verfasst hat. Eine Bedienungsanleitung besteht aus Buchstaben, die kein Leben enthalten. Sie leiten den Nutzer der erwähnten Maschine zur korrekten Bedienung an – und das ist alles. Um Schäden am Gerät zu vermeiden, muss die Anleitung strikt eingehalten werden. Wer die Anleitung nicht befolgt, verkürzt die Lebensdauer der Maschine. Wir reden hier von schwarz / weiss, von Erfolg bei sachgemässer Bedienung und von Misserfolg bei nichtsachgemässer Bedienung.

Mit dem Worte Gottes kann nicht verfahren werden, wie mit einer leblosen Bedienungsanleitung. Hinter der Heiligen Schrift muss zwingend die lebendige Person Gottes gesehen werden. Der Umgang mit der Schrift ist nicht schwarz / weiss; die Schrift spricht so, wie eine vollkommen liebende, grenzenlos gnädige und absolut gerechte, herrliche, in jedem Punkt perfekte und königliche Person spricht. – Wie ist das zu verstehen? – Gott ist gnädig und gerecht. Zuerst bietet Er seine Gnade an, welche durch die Tat Christ möglich wurde. Wer diese verwirft, kommt im gerechten Gericht um, das Gott in seiner Eigenschaft als grosser König abhalten wird. Man kann also nicht nur alle Verse der Gnade nehmen und daraus die tote Lehre der Allversöhnung nehmen. Man kann aber auch nicht daraus ausschliesslich die Verse des Gerichtes anführen und damit alle Hoffnung der Menschen nehmen. Die gesunde und variable Berücksichtigung von beidem im Worte Gottes ist korrekt, nämlich, dass das Schwergewicht (= mehr Gnade oder mehr Gericht) sich – analog dem menschlichen Verhalten – ständig ändern kann, ist korrekt. Jemand, der gut unterwegs ist und viel Gnade erwarten kann, kommt unter den Zorn Gottes, wenn er abfällt. Zuerst kann dieser viele Verse auf sich beziehen, die von Gnade sprechen, im Ungleichgewicht zu den wenigen des Gerichts, die im guten Zustand auf ihn passen. Nach der negativen Wende ist es umgekehrt. Dann ist er verurteilt, das Gericht passt zu ihm, praktisch keine Verse der Gnade haben für einen solchen noch Gültigkeit, wie geschrieben steht:

Wenn aber ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut nach all den Greueln, die der Gottlose verübt hat – tut er es, sollte er leben? –: An all seine gerechten Taten, die er getan hat, soll nicht gedacht werden. Wegen seiner Untreue, die er begangen, und wegen seiner Sünde, die er getan hat, ihretwegen soll er sterben. Hes 18,24

Die Juden und Pharisäer, welche die Schrift als tote Bedienungsanleitung betrachteten – sie wollten nicht zur lebendigen Person kommen, die hinter der Schrift steht (Joh 5,39.40) – konstruierten sich aus dem Schriftwort etliche tote (Lehr-) Konstrukte, deren strikte Befolgung sie als besonders frommen Lebenswandel betrachteten. Aus Christi Sicht waren die selbstgebastelten Lehren der Pharisäer, welche ihren Angaben gemäss auf dem Worte Gottes fussen sollten, nichts anderes als wertlose Menschengebote, wie geschrieben steht:

Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.« Mt 15,9

Betrachten wir ihre Auslegung des Sabbatgebotes, das in Wahrheit sehr streng einzuhalten war. Die Bibel sagt:

Haltet also den Sabbat, denn heilig ist er euch. Wer ihn entweiht, muss getötet werden, ja, jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, eine solche Seele soll aus der Mitte seiner Völker ausgerottet werden. 2.Mose 31,14

Der Sabbat war strikt arbeitsfrei zu halten. Wer am Sabbat arbeitete, wurde sogar auf Gottes Geheiss getötet:

32 Und als die Söhne Israel in der Wüste waren, da fanden sie einen Mann, der am Sabbattag Holz auflas.
33 Und die ihn gefunden hatten, wie er Holz auflas, brachten ihn zu Mose und zu Aaron und zu der ganzen Gemeinde.
34 Und sie legten ihn in Gewahrsam, denn es war nicht genau bestimmt, was mit ihm getan werden sollte.
35 Da sprach der HERR zu Mose: Der Mann soll unbedingt getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn ausserhalb des Lagers steinigen.
36 Da führte ihn die ganze Gemeinde vor das Lager hinaus, und sie steinigten ihn, dass er starb, so wie der HERR dem Mose geboten hatte. 4.Mose 15,32-36

Wer nun das Wort als tote Anleitung betrachtet, wird jeden am Sabbat arbeitenden Menschen scharf verurteilen, auch wenn dieser Menschen heilt. Ärzte arbeiten ja auch, wenn sie wirken. Die Begebenheit mit dem Mann, der am Sabbat Holz auflas, lässt jeden Bibelleser vermuten, dass jegliches Wirken am Sabbat strengstens untersagt ist. Das liegt am nächsten und scheint völlig klar zu sein, wie es klar schien, dass beim Blindgeborenen sein Schicksal aus der Sünde seiner Eltern resultierte. Wie die Jünger beim Blindgeborenen falsch lagen, lagen die Pharisäer und Schriftgelehrten mit der Auslegung des Sabbatgebotes falsch. Wer Gottes Wesen nicht kennt, liegt in der Bibelauslegung schnell daneben, wie heutzutage auch durchaus gebildete Leute unter uns lehren, Christen würden alle (auch die, welche sich nicht korrekt verhalten würden) vor der Grossen Trübsal entrückt werden, da schriftgemäss das Meiste darauf hindeute. Damit werden der Faul- und Laschheit Türen und Tore geöffnet. Man sagt sich: Es wird so oder anders gut kommen! Es deutet zwar viel auf eine Entrückung vor der Grossen Trübsal hin, wie beim Sabbatgebot das Arbeiten am Sabbat unmöglich erschien. Und doch arbeitete Jesus am Sabbat, weil das Wohl eines Menschen über der Sabbatleitplanke steht. Eine Leitplanke dient dazu, auf der sicheren Seite zu bleiben, fällt aber jemand, ohne die Leitplanke vorsätzlich zu ignorieren, ist der Mensch angehalten, trotzdem zu helfen, wie geschrieben steht:

Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch, dessen Sohn oder Ochse in einen Brunnen fällt, zieht ihn nicht sogleich heraus am Tag des Sabbats? Lk 14,5

Wenn der Sohn eines Pharisäers am Sabbat in den Brunnen gefallen wäre, so wäre selbst der Pharisäer gerannt, um ihn irgendwie wieder heraufzuholen, auch wenn das den ganzen Tag Schwerstarbeit bedeutet hätte. Aber Christus verurteilten die Pharisäer, wenn Er am Sabbat sein Volk aus üblen Lagen befreite. Wir sehen: Rein vom Buchstaben her beurteilt, müsste man sagen: Am Sabbat ist ausnahmslos jegliche Arbeit unter Androhung der Todesstrafe strengstens untersagt, wenn darin schon das Auflesen von Holz den Tod fordert! Wenn man aber eine seine Kinder liebende Person als Gesetzgeber des Sabbats sieht, sind Hilfeleistungen in grossen Notlagen auf jeden Fall gestattet; sie sind sogar gewollt!

Nach dem Buchstaben geurteilt, werden gemäss 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 4 Vers 16 und 17 die Gläubigen entrückt werden. In der Offenbarung werden sie als Gesamtheit entrückt in den 24 Ältesten gesehen. Zusammen mit dem Versprechen an eine (einzige) Gemeinde in den Sendschreiben, vor der Grossen Trübsal bewahrt zu werden, kann der Schluss aus dem Buchstaben gezogen werden, dass alle Gläubigen zwingend vor der Grossen Trübsal entrückt werden. Wenn man aber die gerechte Person hinter den Schriften miteinbezieht, so sehen wir, dass die besondere Auferstehung der Erstlinge, nach der selbst Paulus trachten musste, niemals für Gläubige ist, die zwar gemäss 1. Korintherbrief, Kapitel 3 Vers 15 errettet werden, aber so, wie durchs Feuer, da sie nur Werke hervorbrachten, die im Gericht keinen Bestand haben. Jene unter uns, deren Wandel nicht Christus gemäss ist, wird die Person hinter den Schriften nicht gleich behandeln, wie jene, die ihr Leben für Christus gewagt haben. Niemals werden alle gleich behandelt werden!

Erklären Sie die Bibel nur immer zusammen dem Blick auf das Wesen Gottes! Wenn Sie sie wie eine Bedienungsanleitung lesen und so auslegen, ist die Gefahr der Falschinterpretation gross, auch wenn die Puzzlestücke klug aneinandergereiht wurden! Amen!

Vers 15

Nun fragten ihn wieder auch die Pharisäer, wie er sehend geworden sei. Er aber sprach zu ihnen: Er legte Teig auf meine Augen, und ich wusch mich, und ich sehe. Joh 9,15

Bei den Pharisäern angekommen, zeugte der ehemals Blinde wieder für Christus als Gott. Dies tat er korrekt: Ohne Hinzufügung und ohne Weglassung. Die Pharisäer, welche für sich beanspruchten, die Heiligen Schriften zu kennen, welche sagten, sie sähen (Joh 9,41), womit sie meinten, den Willen Gottes zu kennen, hatten nun nochmals die wiederholte Chance, in Christus den Allmächtigen zu sehen. Denn eingetroffen war das folgende Schriftwort, das ich auch schon erwähnt habe:

4 Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, da ist euer Gott, Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten.
5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Jes 35,4-5

Sinngemäss heisst es: Wenn Er (Gott) selbst kommt, wird Er euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. – Gott kündigte damit seine Ankunft an. Der Rufende in der Wüste (Jes 40,3) würde Ihm vorausgehen, welcher Johannes der Täufer war (Joh 1,23), was bedeutet, dass Johannes in Wahrheit dem Allmächtigen vorausging. Johannes ging Jesus voran, welcher folglich der Allmächtige sein musste, was Er auch war. Die Pharisäer hatten jetzt die einzigartige Gelegenheit, aufgrund des Zeugnisses des Blindgeborenen mithilfe ihrer Schriftkenntnis zu erkennen, dass Gott in der Person von Jesus Christus inmitten des Volkes wandelte.

Vers 16

Da sprachen einige von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht. Andere sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es war Zwiespalt unter ihnen. Joh 9,16

Mit der ersten Aussage der Pharisäer wären wir wieder beim Thema „toter Buchstabe“ oder „lebendiges Wort“, wie im Kommentar zum Vers 14 erklärt. Wenn Gottes Wort wie eine tote Bedienungsanleitung gelesen wird, wenn die Person, die hinter dem Wort steht, nicht miteinbezogen wird, dann bekommt man zwangsläufig ein Durcheinander. Menschen können unmöglich an die Wahrheit glauben, wenn sie in der Schrift nur eine tote Anleitung sehen, hinter der niemand steht. Es ist nämlich an einen lebendigen Gott zu glauben, nicht an einen solchen, der sich nicht bewegen kann, der wie eine Bedienungsanleitung mit toten Buchstaben völlig gleich bleibt, unabhängig von dynamischen Situationen. Ich wiederhole mich: Wer das Sabbatgebot aus der Bibel nimmt, als wäre es wie eine tote Bedienungsanleitung, kommt zum Schluss, dass am Sabbat nie, in gar keinem Fall ein Mensch arbeiten darf, auch dann nicht, wenn seine Liebsten in den Brunnen fallen und zu ertrinken drohen. Ein solcher Mensch kommt auch zum Schluss, dass beim Blindgeborenen zwingend Sünde im Spiel gewesen sein muss, denn das Wort spricht von Segen bei gutem Wandel und von Fluch bei schlechtem Wandel. Daraus schliessen viele, dass zumindest der Wandel der Vorfahren des Blindgeborenen schlecht gewesen sein musste, ohne die weiteren Optionen zu sehen, die sich ein lebendiger Gott offen halten kann.

Nur wer die Person des lebendigen Gottes hinter dem Schriftwort sieht, kann erkennen, dass der Sabbat u. a. als Leitplanke gegeben war, damit sich der Mensch ausruht und sich seines Gottes erfreut, statt zu arbeiten. Dass es selbstverständlich ist zu helfen, wenn eine Notsituation am Sabbat aufkommt, ist dann völlig klar. Und dass eine Blindgeburt nicht ausschliesslich von Sünde abhängen muss, dass sich Gott weitere Gründe vorbehalten kann, ist dann auch klar. Der Leser, der einen lebendigen Gott hinter dem Schriftwort sieht, ist ausserdem auch viel vorsichtiger im Fassen eines Urteils, als jemand, der glaubt, er sei schriftkundig.

Kommen wir zurück zum Vers: Es verwundert nicht, dass die Pharisäer ein Problem mit dem Verständnis der Situation hatten. Einige von ihnen sahen nicht, dass das Wohl eines Menschen über dem Sabbatgebot stand. Sie sahen nicht, dass der lebendige Gott will, dass es dem Menschen gut geht. Jene, die im Urteilen etwas vorsichtiger waren, räumten wenigstens ein, dass Gott nicht Wunder durch sündige Menschen wirken würde. Diese Gruppe der Pharisäer stand der Wahrheit etwas näher.

Vers 17

Sie sagen nun wieder zu dem Blinden: Was sagst du von ihm, weil er deine Augen geöffnet hat? Er aber sprach: Er ist ein Prophet. Joh 9,17

Eine gute Methode, sich einen Überblick zu verschaffen, ist erst mal die Zeugen zu befragen, die das Geschehen verfolgt oder gar miterlebt haben. Dies taten die Pharisäer in den vorausgehenden Versen. An dieser Stelle fragten sie ihn über seine Meinung über Jesus. – Der Geheilte sah in Jesus einen Propheten. Aus den Überlieferungen war bekannt, dass einige der Propheten auch Wunder tun konnten. Moses, der grosse Prophet, tat Wunder. Von Samuel lesen wir diesbezüglich nicht viel, doch auch Er konnte durch Anrufen des HERRN verwüstendes Unwetter herbeirufen (1. Sam 12,17). Elia und Elisa taten grosse Zeichen und Wunder und daher war die Vermutung nahe, dass Jesus auch mindestens ein Prophet sein musste. Und Christus war tatsächlich ein Prophet, Er war dazu noch viel mehr. Er war und ist (seit jeher) der Sohn, von dem geschrieben ist:

Denn zu welchem der Engel hat er jemals gesagt: »Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt«? und wiederum: »Ich werde ihm Vater und er wird mir Sohn sein«? Hebr 1,5

Der Geheilte hatte Recht, Christus war ein Prophet. Aber, wie wir wissen, war Er als der allmächtige Gott noch viel mehr als das. Amen.

Vers 18

Es glaubten nun die Juden nicht von ihm, dass er blind war und sehend geworden, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war. Joh 9,18

Es ist gesund, eine gewisse Vorsicht bei angeblichen Sensationen walten zu lassen. Anfänglich mussten die Juden zumindest noch an die Heilung geglaubt haben, sonst hätten sie den Geheilten nicht zu den Pharisäern gebracht. Aber was danach geschah, was in diesem Vers beschrieben ist, ist einfach nur zu typisch für den Menschen, in dem nichts Gutes zu finden ist. Das Gute wird lieber verworfen, um dann jeden Schwachsinn ohne weiteres anzunehmen. – Ist es nicht so? – Viele Menschen glauben jeden Schwachsinn, wenn aber der Finger Gottes hinter einer Sache steckt, weigern sie sich hartnäckig, zu glauben. Den herrlichen Schöpfer nahm und nimmt man auch heute nicht an, der kommende Antichrist wird hingegen von der Welt angenommen werden. Lieber glaubt der Mensch jeder aufkommenden Strömung oder allgemein dem Weltgeist der sogenannten Aufklärung. Heute weiss man, dass die Erde keine Scheibe ist. Die Satelliten im All liefern uns jeden Tag mehr Wissen, von dem der Mensch glaubt, einst seine Herkunft ableiten zu können. Die Aufklärung hat aber nicht geholfen, Gott zu erkennen, der alles geschaffen hat. All dies erforscht heute der Mensch, doch er negiert dabei den, der hinter all den Dingen steht und macht sich damit mehr und mehr zum Narren. Der Mensch spricht: „Ich weiss schon!“, und offenbart damit eine Ignoranz, die im gleichen Verhältnis zu den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gewachsen ist. Die Bibel beschreibt diese gottlosen Menschen so:

20 Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben.
21 Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert.
22 Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden Röm 1,20-22

Gott ist im Gemachten erkennbar, seine Werke zeugen von Ihm. Der Mensch studiert zwar die Werke Gottes, Ihn selbst verleugnen sie aber. Wie hat er sich doch zum Narren gemacht! Amen.

Vers 19

und sie fragten sie und sprachen: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren? Wieso ist er nun sehend? Joh 9,19

Der Umstand, dass die Juden den Blindgeborenen nach seiner Heilung zu den Pharisäern gebracht hatten, zeigt uns, dass sie anfänglich an die übernatürliche Heilung geglaubt hatten. Sonst hätten sie sich davor gefürchtet, die damalige religiöse Elite mit etwas Nichtigem zu bemühen. Diese war sehr zu fürchten, sie war hart und biblisch erwiesen böse. Der schnell verflogene Glaube der Juden zeigt in erschreckender Weise auf, wie der Mensch grundsätzlich antigöttlich eingestellt ist.

Wie schnell kann doch das innewohnende Böse des Menschen eine zarte, durch den Glauben aufgekommene Pflanze wieder ausreissen. – Machen wir uns da bloss nichts vor. Uns wird hier in der westlichen Welt suggeriert, der Mensch sei gut. Der Mensch wähnt sich durch die humanistische Lehre gut zu sein. Niemand aus den Nationen würde von sich sagen, er sei so, wie die Bibel den Menschen beschreibt. Lesen wir, wieviel Gutes zur Zeit Noahs im Menschen steckte. Bitte betrachten Sie im folgenden Text, ob dieser zulässt, dass überhaupt etwas Gutes im Menschen steckt, wenigstens ein Prozent oder allerwenigstens ein halbes Prozent:

5 Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.
6 Und es reute den HERRN, dass er den Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es bekümmerte ihn in sein Herz hinein.
7 Und der HERR sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens auslöschen, vom Menschen bis zum Vieh, bis zu den kriechenden Tieren und bis zu den Vögeln des Himmels; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. 1.Mose 6,5-7

Der Vers 5 im Text, der den Zustand des Menschen beschreibt, sagt aus, dass alles Sinnen des menschlichen Herzens nur böse war. Es war nicht nur den halben Tag lang böse und die andere Tageshälfte lang gut. Es war den ganzen Tag lang, also zu jeder Zeit böse. Lesen wir den Vers nochmals genau:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. 1. Mose 6,5

Nach dieser Feststellung Gottes vernichtete Er die Erde und die Bewohner darauf durch die Sintflut. Folgendes ist heute sehr zu beachten: Wie der Mensch damals war, so ist er auch heute. Da müssen wir uns gar nichts vorgaukeln lassen. Das Neue Testament, das unsere Zeit bis zur Wiederkunft Christi abdeckt, welches uns heute gilt, beschreibt die Natur des Menschen immer noch in derselben Weise, wie geschrieben steht:

Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Mt 15,19

Nun kennen Sie vielleicht ungläubige Menschen, die sich äusserlich vorbildlich verhalten, die äusserlich den Schein abgeben, diese Aussage der Bibel würde auf sie nicht zutreffen. Diese Menschen sagen Ihnen natürlich nicht, dass sie im Verborgenen fremdem Fleisch nachlaufen oder sexuelle Entgleisungen gutheissen. Sie sagen Ihnen selbstverständlich nicht, dass sie Gott lästern. Vor Ihnen reden sie nur gut und schmücken sich mit Phrasen über die Wertschätzung des Menschen, die in weltlichen Kaderschulen gelehrt werden, die aber von der Weltelite, welche diese Schulen durchlaufen haben, keinesfalls befolgt werden. Sie nehmen sogar biblische Wahrheiten in ihren Mund, dass man beispielsweise nicht schlecht übereinander reden soll.

Was sollen wir nun von solchen Gutmenschen halten? Sollen wir ihr Verhalten als Vorbild nehmen und versuchen es nachzuahmen oder sollen wir uns strikt nur an die Bibel halten? – Ich empfehle uns wärmstens, uns nur an die Bibel zu halten. Denn das Verhalten der Gutmenschen ist reine Heuchelei im Blick auf Gott. Die Gutmenschen sind nur schon allein durch die Tatsache ihrer Gottesleugnung völlig verurteilt, weil sie Gott als Schöpfer verleugnen, der sich durch seine Werke vor aller Augen geoffenbart hat, die jede Stunde geschaut werden können, wie die Bibel sagt. Damit zitiere ich nochmals eine kürzlich schon erwähnte Passage. Aufgrund der Aktualität halte ich es aber für notwendig:

18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten,
19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart.
20 Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien;
21 weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Röm 1,18-21

Trotz der Tatsache also, dass Gott in den Werken geschaut wird, verleugnen Ihn die Menschen und geben Ihm zumindest nicht die Ehre, die Ihm allein zusteht, auch die ganz „lieben“ unter uns. Damit disqualifiziert sich jeder Mensch als Gerechter und damit ist jeder Mensch völlig verurteilt vor Gott, dem Richter aller. Amen.

Kommen wir zurück zum Vers. Die im Glauben an das Gute völlig überforderten Juden hakten jetzt bei den Eltern des Blindgeborenen nach, damit diese ihren Unglauben bestätigen sollten. Doch es kam anders, denn der Blindgeborene war gemäss der Aussage Christi zum Zeugnis Gottes blind geboren, und er war nun sehend. Die Juden sollten sich dabei wundern. Der Blindgeborene war, wie erwähnt, dafür da, um die Augen der Juden für Gott zu öffnen.

Vers 20

Seine Eltern antworteten und sprachen: Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde; Joh 9,20

Dem Unglauben der Juden entgegen bestätigten die Eltern, dass dieser ihr Sohn sei und dass dieser blind auf die Welt gekommen war.

Der Blindgeborene war zur Verherrlichung Gottes blind geboren, wie Christus gesagt hatte. Er war da, zum Zeugnis für die Juden, damit diese die Werke Gottes sähen. – Wie gnädig doch Gott, unser Vater ist! – Er wusste von der absoluten Halsstarrigkeit der Menschen. Er wusste von der ganzen und völlig ausgereiften Bosheit der Menschen. Und trotzdem reihte Er mit Johannes dem Täufer als Vorläufer und all den Wundern Christi Zeichen an Zeichen, um die Menschen von seiner Güte zu überzeugen, in der Absicht, sie zur Umkehr zu bringen und sie damit zur Rettung zu gewinnen.

Wir Christen wissen, dass in unserem Fleisch weiterhin nichts Gutes wohnt (Rö 7,24)! Würden wir es gewähren lassen, so würden wir leben wie die Ungläubigen: In totaler Unreinheit und Schuld vor Gott. Das muss uns bewusst sein, wir sollten die Reinigung unserer Sünden keinesfalls vergessen (2. Petr 1,9)! Wir benötigten die gleiche Errettung und das gleiche Erbarmen, wie es die Unbekehrten aus den Nationen nötig haben. Dieses Wissen sollte uns ihnen gegenüber demütig bleiben lassen. Wir sollten ihnen auch in Geduld und der gütigen Absicht des Vaters begegnen. 

Vers 21

wie er aber jetzt sieht, wissen wir nicht, oder wer seine Augen geöffnet hat, wissen wir nicht. Fragt ihn! Er ist mündig, er wird selbst über sich reden. Joh 9,21

Das Zeugnis der Eltern war klar: Ihr Sohn war blind und nun war er sehend.

Die Ursache, dass sich die Eltern gegenüber den Pharisäern derart vom Heiler ihres Sohnes distanzierten und so unwissend taten, war in der Furcht vor ihnen begründet, wie wir im nächsten Vers sehen werden. Es war und ist offensichtlich, dass die religiöse Elite gegen den war, den sie zu verehren angaben. Sie waren nicht für, sie waren gegen Gott, sonst hätten sie Christus nicht verfolgt. Wie die heutige religiöse Elite den Glauben an Gott nur mit den Lippen bekennt, aber überhaupt nicht tut, was Gott will, verhielt es sich damals. Wer gut von wirklich gottesfürchtigen Menschen sprach, riskierte, bei der bösen religiösen Elite in Ungnade zu fallen. Ich wiederhole mich: Wie es damals war, so ist es heute: Wer die ganze Bibel ernst nimmt, wird in den eigenen Reihen als „religiöser Fanatiker“ bezeichnet und verlacht.

Vers 22

Dies sagten seine Eltern, weil sie die Juden fürchteten; denn die Juden waren schon übereingekommen, dass, wenn jemand ihn als Christus bekennen würde, er aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollte. Joh 9,22

Beim Lesen dieses Verses denken wir vielleicht, dass sich das Volk Gottes damals wirklich böse verhalten hatte. Und Unkundige oder Neulinge unter uns mögen sich dabei sagen: Zum Glück sind wir heute alle für und nicht gegen Christus! Ältere und bibelkundigere Christen haben hingegen längst gemerkt, dass sich heute die Geschichte lediglich wiederholt; die Bosheit und Ablehnung gegen Christus haben dieselben Dimensionen angenommen, wie sie damals vorherrschten. Ich weiss aus erster Hand, dass man wie damals auch heute viele Menschen, die sich zu Christus bekennen, aus der Gemeinschaft wirft. Dies geschieht sogar in den Freikirchen, die sich selbst als – ach! – so bibeltreu sehen! Wer die Heiligen Schriften als absolut wahr betrachtet, den darin enthaltenen Segen aber auch die enthaltenen eindringlichen Warnungen predigt, wird bequemen und / oder faulen Christen zum Dorn im Auge. Diese wollen ihre Ruhe weiter geniessen und sich von ihren sogenannten Wohlstandspredigern weiter berieseln lassen, die jeden Sonntag predigen, alles sei gut und alles komme gut. In den Gemeinschaften wollen die Menschen nur von Frieden hören, auch wenn kein Friede da ist oder zumindest grosse Vorsicht geboten wäre, ihn zu wahren. So haben sich die heutigen Christen viele eigene, nicht von Gott gesandte Lehrer aufgehäuft, die genau das predigen, was das Volk hören will, wie geschrieben steht:

3 Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt;
4 und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. 2.Tim 4,3-4

Damit hat sich das Volk Gottes zu den Fabeln hingewendet, um aus Mangel an Erkenntnis umzukommen, wie geschrieben steht:

Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Hos 4,6a

Die heutigen Lehrer sprechen nur von Friede, auch wenn das Gericht vor der Türe steht, wie damals, als von Friede die Rede war, als Nebukadnezar, der König von Babel im Begriff war, Jerusalem einzunehmen und es samt dem Tempel des HERRN zu verbrennen, wie geschrieben steht:

Kein Unglück wird über uns kommen, Schwert und Hunger werden wir nicht sehen. Jer 5,12b

und sie heilen den Bruch der Tochter meines Volkes oberflächlich und sagen: Friede, Friede! – und da ist doch kein Friede. Jer 6,14

Und den Bruch der Tochter meines Volkes heilen sie oberflächlich, indem sie sagen: Friede, Friede! – und da ist doch kein Friede. Jer 8,11

Fegte nicht das sehr schlimme Gericht über all diese, die von Frieden geredet, daran geglaubt hatten und Jeremia, den Propheten Gottes verworfen hatten? Ich kann es angesichts des sehr schlechten Zustandes des Christentums nicht oft genug wiederholen: Wie die Anführer des Volkes mit nichtigen Predigten es damals ins Unglück leiteten, leiten es heute die Anführer des Volkes ins Unglück. Wie damals wird Friede und Sicherheit, Wohlstand, Gesundheit und angeblich vorhandenes Glück gepredigt. Von Heiligung für Gott, von Gottesfurcht und einem nüchternen Wandel, einer Erwachsenentaufe, die nicht fakultativ ist, einem allgemeinen Priestertum, von viel anstehender Arbeit im Reich, hört man je länger je weniger, obschon das alltäglich zu verrichtende Dinge wären, die Taufe ausgenommen, welche einmal, durch vollständiges Untertauchen, am Gläubigen – nicht am Kleinkind – zu vollziehen ist. Auch das Feiern des Abendmahls ist nicht fakultativ.

Obschon die Weisheit auf den Plätzen schreit, sie flüstert nicht (Spr 1,20), hört der Mensch nicht. Und die Geschichte wiederholt sich für alle offensichtlich, wie erwähnt: Bereits die zweite Generation des Auszugs aus Ägypten war nicht mehr beschnitten, was in der Übertragung auf uns, nicht getauft zu sein bedeutet. Wie man sich damals nicht um Gottes Anordnungen geschert hatte, so schert man sich auch nicht mehr darum. Heute lehren Schönwetterprediger: Wer sich taufen will, soll das tun, wer dazu nicht „bereit“ sei, soll es lassen, im Endeffekt spiele es keine Rolle, ob man getauft ist oder nicht, die Taufe sei nicht heilsnotwendig. – Solch schauderhafte Dinge hört man heute! Damit wird die herrliche Richtschnur Gottes von Menschen zum Empfehlungsschreiben abgewertet, was keinesfalls ohne Konsequenzen bleiben wird. Amen.

Vers 23

Deswegen sagten seine Eltern: Er ist mündig, fragt ihn! Joh 9,23

Aus Angst, aus der Synagoge geworfen zu werden, distanzierten sich die Eltern des Blindgeborenen von dem, der gekommen war, ihr eigenes Kind zu heilen. Die Angst, aus der Synagoge geworfen zu werden, welche von christusfeindlichen Menschen dominiert wurde, war also stärker als das Bekenntnis und die Hinwendung zum Messias Gottes, der im Gegensatz zu der bösen religiösen Elite voll Liebe, Reinheit und Güte war. Auch ist Er zukünftig die wichtigste Person überhaupt. Gottlose werden vergehen, Er wird hingegen der universale Herrscher werden. Den Mächtigen dieser Welt wird der Herrschaftsbereich weggenommen und Christus wird nicht mehr alles mit sich machen lassen, wie ein Lamm alles mit sich machen lässt, Er wird sein Reich antreten, das Er vom Vater empfangen hat, auch wenn es die Mächtigen der Welt nicht freiwillig abgeben, wie geschrieben steht:

11 Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weisses Pferd, und der darauf sass, heisst Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit.
12 Seine Augen aber sind eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst;
13 und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heisst: Das Wort Gottes.
14 Und die Kriegsheere, die im Himmel sind, folgten ihm auf weissen Pferden, bekleidet mit weisser, reiner Leinwand.
15 Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlage; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen.
16 Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.
17 Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen, und er rief mit lauter Stimme und sprach zu allen Vögeln, die hoch oben am Himmel fliegen: Kommt her, versammelt euch zum grossen Mahl Gottes,
18 damit ihr Fleisch von Königen fresst und Fleisch von Obersten und Fleisch von Mächtigen und Fleisch von Pferden und von denen, die darauf sitzen, und Fleisch von allen, sowohl von Freien als auch Sklaven, sowohl von Kleinen als auch Grossen! Offb 19,11-18

Kommen wir zurück zum Verhalten der Eltern des Blindgeborenen: Ein Zurückweichen, eine Abwendung von Christus wegen Menschen, die Ihn hassen, ist gar nicht heldenhaft. – Wie stehen wir zu Ihm, der das Wort Gottes ist (Joh 1,1; 1,14)? – Ein furchtloses Bekenntnis zu dem, der sich zu uns herabgeneigt hat, ist weit besser als ein Bekenntnis zu Leitern, die Christus, damit ist auch sein Wort gemeint, nicht ernst nehmen. Ein Bekenntnis zu Christus ist auch weit besser, wenn wir deswegen aus der Gemeinschaft von solchen ausgeschlossen werden, die Gottesfurcht nur mit den Lippen bekennen. Amen!

Vers 24

Sie riefen nun zum zweiten Mal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Joh 9,24

Es gibt gewisse Menschen, die lieber bei ihrem selbstgebastelten Weltbild bleiben, anstatt sich vor Gott zu demütigen, um dann wahre Lehre anzunehmen. Im eigenen Weltbild verharrend, wollen diese vermeintliche Freiheiten gewahrt sehen. So hielten die Pharisäer an ihrer Autonomie fest, wie am Weinberg Gottes, den sie gewalttätig an sich gerissen hatten und Gott nicht zurückgeben wollten (Mt 21,33 ff.).

Dieser Blindgeborene war blind, damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden (Joh 9,3). Gott offenbarte sich durch das Öffnen der Augen dieses Blinden als Gott in der Person von Jesus Christus; das war ein Wunder, welches – wie das Öffnen der Ohren von Tauben, das Heilen von Lahmen und Lösen der Zunge der Stummen – zu den Wundern zählte, die sich Gott für sich und seinen Leib (= die Gemeinde) vorbehalten hat, wie in vorausgehenden Kommentaren erwähnt. Hierzu steht geschrieben:

4 Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, da ist euer Gott, Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten.
5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet.
6 Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jauchzen wird die Zunge des Stummen. Denn in der Wüste brechen Wasser hervor und Bäche in der Steppe. Jes 35,4-6

Gott persönlich hatte sich in der Person von Jesus Christus am Blindgeborenen geoffenbart. Aber die Pharisäer wagten zu behaupten, Jesus, der fleischgewordene Gott sei ein Sünder, weil Er am Sabbat heilte und sagten: „Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.“ – Was können wir daraus lernen? – Wir sehen, wie schnell der autonome Mensch, der die Bibel so liest, als wäre sie ein totes Buch, maximal daneben liegen kann.

Das damalige Phänomen lebt heute leider in vielen selbsternannten Bibellehrern weiter: Sie lehren üble Dinge, weil sie nicht zu Christus gehen, um von Ihm ausgebildet zu werden. Sie halten sich selbst für klug genug, die Schrift richtig zu interpretieren und glauben, sie dann sogar – von Ihm autorisiert – lehren zu dürfen! – Wehe den Führern, die Gottes Volk in die Irre leiten! Amen!

Vers 25

Da antwortete er: Ob er ein Sünder ist, weiss ich nicht; eins weiss ich, dass ich blind war und jetzt sehe. Joh 9,25

Der Blindgeborene wurde nach dieser noch sehr zaghaften Aussage über Christus, je länger er mit der halsstarrigen religiösen Elite diskutierte, desto klarer und entschiedener für Christus. Am Anfang liess er sich noch von der Übermacht der Bösen beeindrucken und sagte: „Ob Er ein Sünder ist, weiss ich nicht …“, später sagte der Blindgeborene aber entschieden: „Von Anbeginn hat man nicht gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet habe. Wenn dieser nicht von Gott wäre, so könnte er nichts tun (Joh 9,32-33).“ Und er sagte auch, dass er sich wundere, dass die Pharisäer nur Moses kannten, der nicht dieselbe Macht über Krankheiten hatte, wie dieser Jesus, der etwas noch nie Dagewesenes getan hatte.

Wie diesem Blindgeborenen geht es vielen von uns. Plötzlich begegnet uns der HERR in unserem Leben. Später kommen wir in Kontakt mit der Kirche, die heute in der Mehrheit von Leitern dominiert wird, die Christus bzw. sein Wort in letzter Konsequenz ablehnen. Da ist man anfänglich verwirrt, dass solche im Reich das Sagen haben und weicht vor ihrem selbstherrlichen Auftreten zuerst noch etwas zurück. Dann aber, wenn man ihre Selbstherrlichkeit durchschaut und Christus besser kennen gelernt und damit die Übersicht gewonnen hat, kann man diesen Menschen sehr kühn entgegentreten und sie sogar mit ihren eigenen Worten schlagen, wie wir in den nachfolgenden Versen sehen werden. Die Pharisäer beriefen sich auf Moses und sagten, von Christus wüssten sie nicht, woher er komme. Der Blindgeborene verspottete sie wegen dieser Aussage und drückte sein Erstaunen aus (Vers 30), dass sie von jemandem, der grösseres als Moses tun konnte, nicht wussten, woher er komme.

Lassen Sie uns Christus ohne Scheu bekennen. Und lassen Sie uns, soweit Sie die Berufung haben, diesen – ach! – so klugen Führern den totalen Irrtum, ihr diametral von der Bibel abweichendes Denken vor Augen führen. Die Pharisäer glaubten, sie dienten Gott. Dabei entpuppten sie sich vor Pilatus in Wahrheit als Gottesmörder. Die heutigen Kirchenführer – auch die in freien Gemeinden! – glauben, sie würden Gott dienen. Wenn sie dies in Wahrheit täten, wäre die Gemeinde nicht zu Laodizea, zu einer nackten und blinden Gemeinschaft, die Christus vor die Türe verbannt hat, verkommen (Offb 3). Laodizea ist der letzte Zustand der Gemeinde, es gibt keinen weiteren mehr vor der Wiederkunft Christi. Vergessen Sie, was die Leute über noch kommende Erweckungen sagen. Die Gemeinde ist voll durchsäuert vom Schlechten, wie es Christus vor 2‘000 Jahren vorausgesagt hat (Mt 13,33). Oder haben Sie in ihrer sogenannten Denomination keine Ehescheidung, Unzucht unter der Jugend (auch immer mehr unter den Alten), eine von Christus nicht gewollten Hierarchie und andere schlechte Dinge, wie die Verachtung oder mindestens die Geringschätzung des Abendmahls und der Taufe, die nicht gemäss der Schrift geahndet werden? Lassen Sie uns die Augen öffnen und sehen und erkennen, wohin uns die religiöse Elite geführt hat! Wer darin mitmacht, wird die Plagen erhalten, welche die religiöse Elite erhalten wird. Wer sich vom Bösen fernhält, wird den Segen erhalten, der für die treuen Mitarbeiter bestimmt ist. Amen.

Vers 26

Und sie sprachen wieder zu ihm: Was hat er dir getan? Wie öffnete er deine Augen? Joh 9,26

Die Pharisäer waren mit dieser Heilung überfordert. Bis zu diesem Tag stimmte für sie alles in ihrer Welt. Sie gaben sich als besonders fromme Jünger Moses aus. Das genügte ihnen, und sie glaubten Gottes Rechtsforderungen zu genügen oder wohl gar zu übertreffen. Wir können nirgend etwas davon lesen, dass sie auf den Trost Israels warteten, was die Erkenntnis des eigenen Unvermögens vorausgesetzt hätte, welche sie ganz offensichtlich nicht hatten. Im Gegensatz zu den Pharisäern wartete Simeon auf den Erlöser, wie geschrieben steht:

Und siehe, es war in Jerusalem ein Mensch, mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und der Heilige Geist war auf ihm. Lk 2,25

Die Vorstellung der Pharisäer von Gott dümpelte auf einem sehr tiefen Niveau. Sie sehnten sich nicht nach mehr, wie beispielsweise nach einer freien und gesunden Nation. Israel war damals von den Römern besetzt und wies viele kranke Menschen auf. Wo Jesus hinkam, wurden Kranke, Besessene oder zu früh Verstorbene (z. B. Jüngling von Nain, Tochter des Synagogenvorstehers) zu Ihm gebracht.

Christus war in den Augen der Pharisäer leider nur mehr eine Bedrohung statt der Erlöser. Sie erkannten, dass Christus etwas konnte, das sie nicht konnten. Dies weckte in ihnen den Neid und die Missgunst, anstatt Freude über das durch Ihn geschehene Heil. In derselben Weise bekämpfen heute die Kirchenführer geistliche Menschen, die das Wohl der Geschwister suchen und die durch die Unterweisung Christi das Wort Gottes besser auszulegen verstehen, als sie und viele Gelehrte, die an einer Universität waren.

Vers 27

Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es nochmals hören? Wollt ihr etwa auch seine Jünger werden? Joh 9,27

In diesem üblen Verhör der Pharisäer erstarkte der Blindgeborene immer mehr und begann, der religiösen Elite die Stirn zu bieten. – Weshalb sollte er vor solchen kuschen, die seinen Wohltäter verunglimpften? Wieso sollte er vor denen kuschen, die nur Moses kannten, und von dem, der über Moses steht (Heb 3,1-3), keine Ahnung zu haben schienen? Wieso sollte er vor denen kuschen, die sich als Weise ausgaben, sich hier aber dumm stellten und bereits Mitgeteiltes immer wieder hören wollten, weil ihnen die Annahme der offensichtlichen Heilung so schwer fiel?

Wir sollten uns am Blindgeborenen ein Beispiel nehmen. Wer vor Menschen zurückweicht und vor solch derart übel gelagerten Personen den HERRN verleugnet, der über Moses, über Aaron und über den Engeln steht, der wird von Christus verleugnet werden, wenn dieser in Herrlichkeit kommen und seine Treuen abholen wird.

Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln. Mk 8,38

So steht es geschrieben und so wird es auch kommen. Amen!

Vers 28

Sie schmähten ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Moses Jünger. Joh 9,28

Die Pharisäer schmückten sich mit Moses, dem Manne Gottes. Dies gab ihnen einen äusserlich frommen Schein, denn Moses war – im Gegensatz zu ihnen – wirklich ein Mann Gottes. Aber es blieb beim äusserlichen Schein der Frömmigkeit, denn sie funktionierten überhaupt nicht nach ihrem angeblichen Vorbild. Sie funktionierten vielmehr wie Moses Widersacher, welche ihn sogar steinigen wollten (2. Mo 17,4) und widerholt gegen ihn murrten (4. Mo 14,4; 17,6; 20,2). Wie das Volk damals Mose umbringen oder zumindest aus der Funktion drängen wollte (4. Mo 14,4), stellten sie Christus in derselben Weise nach; sie hoben Steine auf, um sie auf Ihn zu werfen (Joh 8,59), auch wollte das Volk Ihn in den Tod stürzen (Lk 4,29). Die Geschichte wiederholte lediglich: Wie das Volk in der Wüste Mose oft nicht akzeptieren wollte, wollten die Juden Christus nur akzeptieren, wenn Not am Manne war. Für sie war Er nur gut genug, um zu heilen; als Führer wollte man Ihn nicht haben.

Wie steht es um uns? – Fangen wir an, gegen Ihn zu murren, wenn nicht alles läuft, wie wir es gerne hätten? Fangen wir an, gegen Ihn zu murren, wenn unsere Gebete nicht sofort beantwortet werden? Lieben wir Ihn nur mit Vorbehalten oder lieben wir Ihn bedingungslos?

Vers 29

Wir wissen, dass Gott zu Mose geredet hat; von diesem aber wissen wir nicht, woher er ist. Joh 9,29

Sie wussten, dass Gott zu Mose geredet hatte, was auch zweifellos der Fall war. Sie hatten aber nicht erkannt, was Gott zu Mose geredet hatte. Denn Gott hat seinen Christus im Alten Testament angekündigt, auch bereits in den Büchern des Mose. Mose sprach also von Christus, was die Pharisäer aber nicht erkannt hatten. Und Christus bestätigte selbst, dass Moses von Ihm gesprochen hat:

Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf. Lk 24,27

Schon sehr früh, schon im ersten Buch und im ersten Kapitel der Schrift, das ist das 1. Buch Mose, wurde offenbar gemacht, dass Gott nicht eins, sondern mindestens zwei oder mehr ist. Damit legte Gott den Boden für die Offenbarung, dass Er selbst auf die Erde kommen und zugleich im Himmel sein kann. Dies offenbarte Gott, als Er sich mit sich selbst beraten hatte. Mose beschrieb es so:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! 1.Mose 1,26a

Das Wort „lasst“, welches mehrere Personen innerhalb der Gottheit anzeigt – es steht in der Mehrzahl – legt die Grundlage, dass der kommende Erlöser auf der Erde durchaus auch Gott selbst sein kann, was Christus auch war. Die später von Mose erwähnte Tatsache, dass Gott den in Sünde (= Übertretung) gefallenen Menschen in Tierfelle kleidete, ohne ihn selbst zu verdammen, deutet auf die herrliche Tatsache, dass sich Gott von Anfang die Möglichkeit mit einem Stellvertreter ersehen hatte, der für den Menschen die Strafe für die Sünde tragen wird: Tiere mussten an des Menschen statt sterben, um die Blösse des Menschen zu bedecken (1. Mo 3,21). Auch erwähnte Mose den „Samen der Frau“ bereits in den ersten Kapiteln des ersten Buches Moses, welcher der Schlange (= Teufel) den Kopf zermalmen werden würde (1. Mo 3,15), was am Kreuz von Golgatha geschehen war. Die Schlange würde Ihm zwar die Ferse zermalmen, Er würde ihr aber den Kopf zermalmen. Christus litt zwar einiges wegen der Schlage, sie biss Ihm, symbolisch ausgedrückt, in die Ferse. Christus zertrat dieser Schlange aber den Kopf, was auch in der Bildsprache für einen unheilbaren Schlag steht. Ein Tier mit einem zerdrückten Kopf kommt nicht wieder zurück ins Leben. Das Leben ist damit für immer ausgehaucht. Eine zermalmte Ferse ist demgegenüber keine Wunde zum Tod.

Wie erwähnt kündigte Moses bereits in den ersten Kapiteln an, dass Christus als Mensch kommen und die Schlange, welche die Menschheit zu Fall brachte, vernichten würde. Diese prophetischen Worte sind indessen exakt so eingetroffen, wie vorausgesagt. Christus hat den Teufel und seine ganze Macht gebrochen! Er sei gepriesen! Amen.

Vers 30

Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Hierbei ist es doch erstaunlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist, und er hat doch meine Augen geöffnet. Joh 9,30

Ja, das war wirklich sehr erstaunlich, dass die Pharisäer so taten, als ob sie nicht wüssten, woher Christus war. Als Herodes fragte, aus welchem Gebiet der Retter Israels käme, wussten sie interessanterweise genauestens Bescheid, wie geschrieben steht:

1 Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen:
2 Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.
3 Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt und ganz Jerusalem mit ihm;
4 und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle.
5 Sie aber sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht durch den Propheten geschrieben:
6 »Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel hüten wird.« Mt 2,1-6

Christus sagte den Pharisäern mit dem Gleichnis der Weingärtner geradeheraus (Mt 21,38), weshalb sie Heuchler waren. Im Gleichnis macht Er klar, dass sie im Grunde wussten, wer Er war: Der Sohn des Besitzers. – Die Pharisäer schützten Unwissenheit vor, um Gott nicht das zu geben, was Ihm gehört. Wer so handelt, zieht sich Verderben zu.

Der Blindgeborene, der für Christus zeugte, war wie die Weisheit Gottes, die auf den Plätzen schreit (Spr 1,20) und wie die Stimme Gottes, die sich – um den Menschen zu warnen – jeweils früh aufmacht und sendet (2. Chr 36,15; Jer 7,25; 25,4; 26,5; 35,15).

Gott warnt stets frühzeitig, niemand soll beim (furchtbaren) kommenden Gericht sagen: „Es ist ungerecht.“ Auch soll niemand sagen: „Ich habe davon nichts gewusst.“ Amen.

Vers 31

Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er. Joh 9,31

Der Blindgeborene, jemand, der keine Schreib- und Leseausbildung genossen hatte, legte vor den Gelehrten für Gott Zeugnis ab. Er sagte Ihnen, wie es sich im Reich Gottes verhält: Gott unterstützte den Sünder ganz bestimmt nicht mit übernatürlichen Zeichen und Wundern! Dies sagte er mit der Aussage: „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört“, was sich voll mit der Heiligen Schrift deckt, wie geschrieben steht:

Wer sein Ohr abwendet vom Hören des Gesetzes, dessen Gebet sogar ist ein Greuel. Spr 28,9

Das Gebet dessen ist ein Gräuel, der die Worte Gottes verwirft. Gott hört nicht auf Sünder, die sich nicht um seinen Willen scheren. Dies bestätigt der Prophet Jeremia mit dieser Textstelle:

10 So spricht der HERR zu diesem Volk: Umherzuschweifen, so liebten sie es, sie hielten ihre Füsse nicht zurück. Und der HERR hat kein Gefallen an ihnen: nun wird er an ihre Missetaten denken und ihre Sünden heimsuchen. –
11 Und der HERR sprach zu mir: Bitte nicht für dieses Volk zum Guten!
12 Wenn sie fasten, werde ich nicht auf ihr Flehen hören. Und wenn sie Brandopfer und Speisopfer opfern, werde ich kein Gefallen an ihnen haben; sondern ich werde sie durch das Schwert und durch den Hunger und durch die Pest vernichten. Jer 14,10-12

Das Volk Israel handelte mehrheitlich verderblich, was im Neuen Testament bestätigt wird, sie waren nach Bösem gierig (1. Kor 10,6.11). Dies hatte zur Folge, dass der HERR frei übersetzt sagte: „Ich werde nicht auf ihr Gebet hören; ich werde auch dann nicht hören, wenn sie dabei fasten und ich werde auch dann nicht hören, wenn sie mir Opfer bringen!“ – Wir sehen daraus, dass Widerspenstigkeit gegen Gott jeglichen Gottesdienst mehr als wirkungslos werden lässt. Widerspenstigkeit lässt Gottesdienst sogar zur Sünde werden, wie uns der Vers 9 aus dem 28. Kapitel der Sprüche sagt. Und schon Samuel bezeichnete Widerspenstigkeit als Sünde zum Tode, in der Gleichheit wie Zauberei, Abgötterei und Götzendienst.

Denn Widerspenstigkeit ist eine Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. 1.Sam 15,23a

Dies musste der Sehende den blinden Pharisäern sagen, welche trotz der sichtbaren göttlichen Vollmacht Christi und trotz des ebenfalls sichtbaren Wohlwollens des Vaters blind für Gottes Sprechen waren.

Vers 32

Von Anbeginn hat man nicht gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet habe. Joh 9,32

Obschon dieser Mensch blind war, musste er regelmässiger Gottesdienstbesucher gewesen sein, um unter das Wort Gottes zu kommen, denn er kannte Gottes Wort. Er war zwar blind, aber er war nicht blind im Blick auf Gott, denn mit dieser Aussage offenbarte Er, dass er die Schrift soweit kannte, um Antworten auf entscheidende Fragen zu haben.

Wer die Schrift soweit kannte, dass er zur Zeit Christi sagen konnte – damals war das Alte Testament abgeschlossen -, man fände in keiner Schriftstelle einen Hinweis, dass einem Blinden je die Augen aufgetan wurden, der kannte die Schrift wohl schon überdurchschnittlich gut. Ein solcher hatte Antworten auf viele Lebensfragen. Deshalb hatte der Blindgeborene auch keine Mühe, sofort an den Sohn des Menschen zu glauben, als sich ihm dieser als solcher zu erkennen gab (Vers 36).

In der Schrift war Gott unter anderem als „der Sohn der Menschen“ angekündigt, der Christus musste Sohn einer Jungfrau (Jes 7,14), also Sohn eines Menschen sein; Er durfte nicht einfach vom Himmel „fallen“ oder plötzlich in Erscheinung treten, ohne dass man seine Herkunft hätte nachforschen können. Dies hätte Scharlatanen Türen und Tore geöffnet. In weiser Voraussicht kündigte sich Gott in nachvollziehbarer Weise an. Als Er kam, war Er zweifelsfrei zu identifizieren: Er musste in Bethlehem zur Welt kommen (Mi 5,1). Er musste Sohn einer Jungfrau sein, wie erwähnt. Er musste sich in Ägypten aufgehalten haben (Mt 2,14.15). Er musste in Nazareth aufwachsen (Mt 2,23). Er musste durch einen „Rufenden in der Wüste“ angekündigt werden (Jes 40,3; Mt 3,3). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend. Sie hätte aber völlig ausgereicht, dass Gott suchende Juden den Messias als solchen hätten einwandfrei identifizieren können.

Mit einer guten Schriftkenntnis hätte zur Zeit Jesu also niemand Mühe haben müssen, den HERRN zu erkennen. Allfällige letzte Zweifel hätten spätestens nach dem gewaltigen und lautstarken Auftritt Johannes des Täufers weichen müssen. – Interessant war der Vergleich zwischen dem tatsächlich Blinden und den sehenden Pharisäern. Geistlich betrachtet, sah der Blinde und die Pharisäer waren blind, sogar noch mehr als das. Christus gegenüber waren sie nicht nur blind sondern auch taub, wie viele aus den Juden. 

Vers 33

Wenn dieser nicht von Gott wäre, so könnte er nichts tun. Joh 9,33

Der Blindgeborene sprach in Weisheit: Alle Macht ist bei Gott und alles Gute kommt von oben, wie geschrieben steht:

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten. Jak 1,17

Es gibt auch der Gegenseite, dem Satan dienende Menschen, die Übernatürliches tun können (2. Mo 7,11), die Gegenseite kann aber nichts Gutes und keinesfalls solch grossen Machttaten wirken (2. Mo 8,14.15), wie sie von Christus gewirkt wurden.

Der Blindgeborene kannte Gott um ein Mehrfaches besser als die Pharisäer, die bestimmt mehr Schriftstellen hätten zitieren können als er. – Wir sehen an dieser Stelle nochmals sehr deutlich, worauf es ankommt: Der Mensch ist angehalten, Gott zu lieben, Ihn als Person zu erkennen und seinem Willen zu folgen, damit es ihm gut geht. Der Mensch ist nicht angehalten, das Göttliche zu nehmen und sich damit aufzublähen, wie die Pharisäer es zu tun pflegten.

Im nachfolgenden Vers sehen wir, wie die – ach – so gescheiten Pharisäer mit der Wahrheit, die ihnen der Blindgeborene darstellte, umgegangen sind. Und dabei müssen wir uns heute rein gar nichts vormachen. Selbstsüchtige, böse Menschen gab es nicht nur damals. Es gibt sie auch heute. Der Humanismus, der in die Gemeinden vorgedrungen ist, erlaubt aber nicht mehr, dies zu thematisieren. Der Grundglaube ist: Alle Christen seien lieb, was aber überhaupt nicht stimmt. Wer den Willen Gottes tut, liebt Christus (Joh 14,21), wer ihn nicht tut, liebt Christus nicht. Schauen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, in der christlichen Landschaft um. Wer tut Christi Willen noch, ohne sich mit „plausiblen“ Ausreden davon zu verabschieden? Würde der Wille noch getan werden, würde vieles nicht so im Argen liegen.

Wir sollten von Folgendem überzeugt sein: Vor dem Richterstuhl wird Christi Wort das Mass aller Dinge sein. Die plausibelsten Ausreden der Menschen, wieso sie das Schriftwort nicht umgesetzt hätten, werden völlig nutzlos sein. Amen!

Vers 34

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren, und du lehrst uns? Und sie warfen ihn hinaus. Joh 9,34

Dieser Vers zeigt, dass sich Menschen, die sich einer Elite zugehörig sehen, nichts von aus ihrer Sicht tiefergestellten Menschen annehmen. – Sie hätten aber gut getan, etwas vom Blindgeborenen anzunehmen, denn er hatte viel mehr geistliche Weitsicht als sie.

Aus dieser Begebenheit ist zu erkennen, dass Menschen, die in der Gesellschaft am Rande stehen, im Blick auf Gott durchaus sehr verständig sein können. Genau solche Menschen können zu äusserst wertvollen Mitgliedern in der Gemeinde werden. Wir tun daher gut, wenn wir nicht aufgrund von Äusserlichkeiten Menschen kategorisieren.

Vers 35

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgeworfen hatten; und als er ihn fand, sprach er: Glaubst du an den Sohn des Menschen? Joh 9,35

Alle männlichen Erdenbürger sind im Grundsatz Söhne der Menschen, alle werden durch Frauen geboren und sind Söhne ihrer Eltern, wie die weiblichen ihre Töchter sind; dies war seit jeher so, seit Adam und Eva. Doch es gibt nur einen einzigen wahren, unbeschädigten, sündlosen und das Böse überwindenden Sohn der Menschen. Dieser wurde bereits im ersten Buch der Bibel angekündigt:

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. 1.Mose 3,15

Dieser angekündigte „Same“ der Frau, ihr Nachkomme also, ein spezieller, von Gott verheissener Nachkomme, ein von Gott verheissener „Sohn des Menschen“, werde der Sohn des Menschen sein, auf den die Welt hoffen darf, denn das ist der Sohn des Menschen, der das Böse überwinden und der Schlange den Kopf zertreten wird. Christus fragte den Blindgeborenen, ob er an diesen Sohn des Menschen glaube. Christus fragte, ob der Blindgeborene an die Verheissung Gottes über den wahren Sohn des Menschen glaube.

Der Blindgeborene war nicht erstaunt über diese Frage, wie wir im folgenden Vers sehen. Er war verständig. Er hatte viel mehr geistliche Einsicht als die Pharisäer. – An dieser Stelle ist wieder einmal zu erwähnen, dass es sich heute nicht anders als damals verhält. Aufgrund meiner Beobachtungen und Erfahrungen sowie vielen Gesprächen weiss ich aus erster Hand, dass die religiöse Elite vielerorts völlig unbiblisch agiert. Auch in den Freikirchen bewegt man sich fernab der Worte Christi. Dagegen hören von der religiösen Elite nicht beachtete Geschwister die Stimme des HERRN in Wahrheit.

Vers 36

Er antwortete und sprach: Und wer ist es, Herr, dass ich an ihn glaube? Joh 9,36

Der Blindgeborene war nicht erstaunt über die Frage Christi; er war nicht unwissend über den kommenden Retter. Er stellte Christus keine Rückfragen, wen oder was Er mit „Sohn des Menschen“ meine. Der Blindgeborene wollte nur wissen, wer der Sohn des Menschen sei, damit er an den Richtigen glaube. Wie erwähnt setzte das eine profunde geistliche Sicht beim Blindgeborenen voraus, von welcher bei den Pharisäern nicht viel vorhanden war.

Vers 37

Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es. Joh 9,37

Christus offenbart sich an dieser Stelle als der verheissene Sohn des Menschen. Anhand der im nächsten Vers beschriebenen Reaktion des Blindgeborenen werden wir sofort sehen, ob er verstanden hatte.

Vers 38

Er aber sprach: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder. Joh 9,38

Wer die Schrift kannte, brauchte keine weiteren Erklärungen, wenn derjenige, der Blinden die Augen öffnen konnte, sich als der Sohn des Menschen vorstellte. Dann wurde bestätigt, was man ohnehin schon ahnen konnte, dass Gott persönlich die Menschheit besucht hat. Denn die Wunder der Heilung von Blinden, Tauben und Lahmen, für welche zu tun sich Gott selbst verbürgt hatte (Jes 35,4-6), folgten Christus auf Schritt und Tritt, wie ich in vorausgehenden Kommentaren bereits erwähnt habe. Zu alldem war ein „Sohn der Menschen“ vorausgesagt, ein Samen der Frau, welcher der Schlange den Kopf zertreten würde, mitwelchem auf Christus, den Gesalbten Gottes, hingewiesen wurde.

Der Blindgeborene hatte also seinen Heiland gefunden. Der Blindgeborene hatte Gott gefunden. – Was ist das doch für eine erquickende Textstelle, welche neben der beschriebenen Dunkelheit des Stolzes und der Selbstüberhebung der Pharisäer und dem gleichen Gehabe der Juden so hell leuchtet und Trost spendet. Es gibt also doch noch Lohn für den Gerechten, wie geschrieben steht:

Und der Mensch soll sagen: Es gibt doch Lohn für den Gerechten; es gibt doch einen Gott, der auf Erden richtet. Ps 58,12

In der extremen Gottesablehnung der Menschen – sie ist heute ebenso ausgeprägt wie damals -, könnte man manchmal als Diener Gottes die Hoffnung (auf gerettete Seelen oder auf die eigene Bewahrung) ebenso verlieren, wie sie David in seiner Verwerfung kurzzeitig in Bezug auf die Bewahrung verloren hatte (1. Sam 27,1). Wenn einem Gott in einer derartigen Situation Früchte der Arbeit zeigt, - wie ist das dann erquickend! Amen.

Vers 39

Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden. Joh 9,39

Christus sagte im Blick auf den Kontrast zwischen den Pharisäern und dem Blindgeborenen, Er sei zum Gericht in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sähen und die Sehenden blind würden. Die sehenden Pharisäer wurden in ihrer Ablehnung des Christus zu Blinden, wogegen der durch das Wort Gottes gewirkte Glaube des Blinden ihn – im Zusammenhang mit der Berührung Christi – sehend werden liess. Christus zeigt damit auf, dass die Menschen schon zu ihren Lebzeiten unter Gerichte fallen können. Solche, die Gottes Moral in Bezug auf den ehelichen Verkehr zwischen Mann und Frau verwerfen, werden gemäss der Schrift dahingegeben, dass sie sich selbst gegenseitig schänden (Rö 1,27.28). Andere werden dahingegeben, dass sie völlig nichtigen Dingen nachrennen, selbst wenn sie Theologie oder sonstige Lebensthemen studiert haben, was auch heute auf viele „Weise“ und ihre Hörer zutrifft. Gott ist so mächtig, dass Er Menschen, die sich grosse Einsicht in Bezug auf Lebensfragen erworben haben, erblinden lassen kann. So gab er Menschen wie Nietzsche und Darwin dahin, Fabeln zu folgen und erdachte Märchen zu lehren, welche ihnen von ebenfalls verblendeten Menschen sogar noch abgenommen werden (Aussage Nietzsche: Gott sei tot [= Verhöhnung des Lebendigen, 2. Kö 19,16]; Aussage von Darwin: Der Mensch sei ein Produkt der Evolution, welche folgert, Menschen würden von Affen abstammen [= Negierung der Worte Gottes, 1. Mo 1,27]). Als sehende Menschen erblindeten sie und ihre Nachfolger völlig im Blick auf die Wahrheit, die jedes Kind anhand des Geschaffenen erkennen kann. Und Gott ist so mächtig, dass Er Unmündigen und Blinden die Wahrheit sehen lassen kann. Unmündige und Blinde werden zu Sehenden, wogegen Sehende zu Blinden werden. Wie mächtig und hochgelobt unser herrlicher und souveräner Gott doch ist! Amen!

Vers 40

Einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind? Joh 9,40

Einige der Pharisäer merkten immerhin, dass Christus auch von ihnen sprach, wenn er von „Blinden“ sprach. Denn sie sagten dem Volk, sie wüssten, was Gottes Wille sei, verwarfen gleichzeitig aber die Auswahl Gottes; sie verwarfen Jesus Christus. Die Pharisäer wurden von Christus nicht nur als Blinde bezeichnet, sondern auch als Narren, wie im Mt 23,17 erwähnt.

Narren und Blinde! Was ist denn grösser, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? Mt 23,17

In der folgenden Textstelle sehen wir, wie Pharisäertum bzw. elitäres Gehabe von Gott beurteilt wird; wir sehen, wie Stolz und fleischliches, überhebliches Verhalten in den Augen Gottes eingestuft wird:

13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschliesst das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.
(14)
15 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.
16 Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden.
17 Narren und Blinde! Was ist denn grösser, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?
18 Und: Wenn jemand bei dem Altar schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, so ist er gebunden.
19 Blinde! Was ist denn grösser, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt?
20 Wer nun bei dem Altar schwört, schwört bei ihm und bei allem, was auf ihm ist.
21 Und wer bei dem Tempel schwört, schwört bei ihm und bei dem, der ihn bewohnt.
22 Und wer bei dem Himmel schwört, schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.
23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.
24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt!
25 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äussere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit.
26 Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde.
27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von aussen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind.
28 So scheint auch ihr von aussen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.
29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten und schmückt die Grabmäler der Gerechten
30 und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben.
31 So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben.
32 Und ihr, macht nur das Mass eurer Väter voll!
33 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?
34 Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geisseln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt,
35 damit über euch komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis zu dem Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt.
36 Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen. Mt 23,13-36

Nicht nur Menschen, die „draussen“ sind, wie Nietzsche und Darwin, waren bzw. sind im Blick auf die Wahrheit Gottes verblendet, leider gibt es auch solche, die „drinnen“ sind. Und es sind nicht wenige! Die Pharisäer waren nicht nur „drinnen“, sie waren sogar an der Spitze des Volkes Gottes und lenkten es in Bezug auf den Gottesdienst, welcher fest in ihrer Hand war. Das Volk wusste: Wer sich zu Christus bekennen würde, würde aus der Synagoge ausgeschlossen werden (Joh 9,22).

Wie es damals war, ist es auch heute. Vielerorts sind Gebäude, in denen Gottesdienste abgehalten werden, und christliche Versammlungen fest in den Händen solcher, die von sich sagen, sie seien „sehend“. In der Beurteilung der Heiligen Schrift wird aber schnell klar, dass sie „blind“ sind und Sachlagen falsch beurteilen (Mt 23,16.18) und selbst ihr Wandel nicht dem Willen Gottes entspricht (Mt 23,23). Sie verführen Gottes Volk und verschliessen den Menschen den Zugang ins Reich (Mt 23,13). Wehe ihnen! Wenn sie sich selbst in die Irre leiten, wäre das eine Sache, aber jetzt leiten sie auch andere in die Irre, was noch viel verheerender ist. Ihr Gericht wird deshalb sehr hart ausfallen, wie Johannes und Jesus bezeugen!

Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? Mt 3,7

Soweit die Aussage des Johannes‘. Der HERR doppelt mit diesen Versen nach:

33 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?
34 Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geisseln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt,
35 damit über euch komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis zu dem Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt.
36 Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen. Mt 23,33-36

Es ist keinesfalls so, wie viele denken, dass Gott ein alter, seniler und stets lächelnder Greis ist, der es im Gericht nicht mehr so genau nehmen wird und komplexe Sachverhalte nicht mehr zu analysieren wüsste. Wer das von Gott denkt, hat wohl noch nie die Offenbarung gelesen und die Sintflut (1656 nach Adam) vergessen, welche alle Menschen weggerafft hatte. Die Offenbarung kündigt die schwerste und härteste Zeit der Menschheit an, welcher auch in einem Atombunker nicht zu entfliehen ist. Das ist ein Auszug aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel:

1 Und der fünfte Engel posaunte: und ich sah einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war; und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlund des Abgrundes gegeben.
2 Und er öffnete den Schlund des Abgrundes; und ein Rauch stieg auf aus dem Schlund wie der Rauch eines grossen Ofens, und die Sonne und die Luft wurden von dem Rauch des Schlundes verfinstert.
3 Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor auf die Erde, und es wurde ihnen Macht gegeben, wie die Skorpione der Erde Macht haben.
4 Und es wurde ihnen gesagt, dass sie nicht dem Gras der Erde, auch nicht irgend etwas Grünem, auch nicht irgendeinem Baum Schaden zufügen sollten, sondern den Menschen, die nicht das Siegel Gottes an den Stirnen haben.
5 Und es wurde ihnen der Befehl gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern dass sie fünf Monate gequält würden; und ihre Qual war die Qual eines Skorpions, wenn er einen Menschen sticht.
6 Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen. Offb 9,1-6

Dieser Text beschreibt ein einziges Posaunengericht, von denen es sieben geben wird. Die übrigen Siegel- und Schalengerichte möchte der an Gottes Wort und an den zukünftigen Ereignissen interessierte Leser selber in der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, nachlesen.

Wir tun gut daran, wenn wir nicht in geistlicher Unkenntnis oder Selbstüberhebung in der Weise Laodizeas* sagen: „Wir sehen!“, wenn wir in Wahrheit blind sind. Sonst laden wir uns ein Gericht auf, wie wir auch durch den nachfolgenden Vers gelehrt werden.

*Laodizea (= Volksrecht, Demokratie) spiegelt den erbärmlichen endzeitlichen Allgemeinzustand unter den Christen, der inzwischen die meisten Gemeinden durchdrungen hat. Für die Laodizea-Gemeinde benutzt der HERR Eigenschaftswörter wie „lau“, „nackt“, „blind“ und „bloss“ (Offb 3,14 ff.).

Vers 41

Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: Wir sehen. Daher bleibt eure Sünde. Joh 9,41

Die Gottesbild der Pharisäer war überhaupt nicht in Übereinstimmung mit der tatsächlichen Wahrheit über den Charakter Gottes. Sie lagen in Sachen Einsicht total daneben. Dies war schon schlimm genug; es wäre aber nicht so fatal gewesen, wenn sie Unkenntnis eingeräumt und Gott um Einsicht gebeten hätten. Denn Gott gibt Einsicht denen, die Ihn darum bitten (Jak 1,5).

Ihr Problem war, dass sie sagten, sie würden „sehen“. Sie sagten also, sie würden den Weg Gottes kennen. Sie waren davon so überzeugt, dass sie sich in die Rolle des Lehrers Mose drängten und sich anmassten, das Gottesvolk – ohne entsprechenden Auftrag von Gott wohlgemerkt! – zu unterweisen. Christus beschrieb den Sachverhalt so:

und sprach: Auf Moses Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. Mt 23,2

Sie setzten sich selbst auf Moses Lehrstuhl, sie waren nicht von Gott dazu berufen, wie es die wahrhaftigen Diener Gottes waren und heute noch dazu berufen werden. Gott allein beruft für Dienste, nicht Menschen. – Ihre Sünde blieb aus diesem Grunde, sie konnte nicht behandelt werden, weil sie ihren Irrtum nicht als solchen wahrhaben wollten, obschon sie von Gott durch mächtige Propheten* unmissverständlich verwarnt worden waren.

Auch heute setzen sich in christliche Gemeinden von sich überzeugte Christen durch ihren weltlichen Machteinfluss und ihrer wirtschaftlichen Stärke (= Geld) in Schlüsselpositionen. Sie glauben, weil sie in der Welt (Beruf, Politik) Erfolg haben, seien sie die Richtigen, das himmlische Gottesvolk zu führen. Das geistliche Ergebnis dieser Leiter sehen wir im allgemein vorherrschenden Zustand des Christenvolkes. Es wurde so weltlich, wie seine weltlichen gesinnten Führer. Es wurde zu Laodizea (= Volksrecht, Demokratie), wie der HERR prophezeit hat. Das himmlische Volk agiert nicht mehr himmlisch, es funktioniert nach weltlichen Prinzipien und wurde zu einer demokratisch-eigenständig funktionierenden Organisation. Es funktioniert so, wie beispielsweise ein weltlicher Schiess- oder Turnverein. Die christlichen Benennungen (= Denominationen) haben Statuten, Leitsätze und einen Vereinsvorstand, in dem man den biblischen Ältestenrat sehen will. Wenn auch jüngere Brüder oder Frauen im Vorstand sind, ändert man kurzerhand das biblische Wort von „Ältestenrat“ über „Brüderrat“ zu „Leitungsteam“. Wie beeindruckt der HERR über dieses Gehabe ist (Offb 3,17), habe ich schon mehrfach erwähnt und lasse es an dieser Stelle. Hören Sie nicht auf Ihre Leiter, wenn sie – trotz dieses schriftwidrigen Zustandes sprechen: „Friede und Sicherheit haben wir hier, kein Übel wird uns etwas anhaben können!“

Das Gericht fängt im Hause Gottes an, auch die Christen werden beurteilt (gerichtet) werden. Daraus werden Belohnungen oder Sanktionen erwachsen, wie geschrieben steht:

Und er sprach zu ihm: Recht so, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben. Lk 19,17

47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden;
48 wer ihn aber nicht wusste, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern. Lk 12,47-48

Die Rede ist von einem „Knecht“, nicht von Ungläubigen. Ein „Knecht“ ist im Hause und dort wird das Gericht anfangen, wie geschrieben steht:

Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen? 1.Petr 4,17

*Johannes der Täufer wird von Jesus Christus persönlich als der grösste je von Frauen geborene Mensch bezeichnet (Mt 11,11). Er war grösser als Mose, David und Hiob.

Kapitel 10

Vers 1

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Joh 10,1

Wer nicht den normalen und legalen Weg zum Christenvolk hin beschreitet, ist ein Dieb und ein Räuber. Diese Lehre etablierte der HERR bezeichnenderweise unmittelbar nach der an den Pharisäern geübten Kritik. Sie hängt damit zusammen, wie wir gleich sehen werden. Denn Menschen, wie die Pharisäer es waren, drängen sich auch heute in die Gemeinden hinein.

Der Weg durch die Tür in den Hof der Schafe führt an folgenden Stationen vorbei: Sündenbewusstsein, Demütigung vor Gott, Bitte um Sündenerlass, Annahme des Werkes Gottes. Das Werk Gottes ist sein Sohn. Der Sohn ist die Tür in den Hof. Der Sohn hat den vollen Vorsatz des Vaters gewirkt. Dies wird an dieser Stelle erklärt:

28 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, damit wir die Werke Gottes wirken?
29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Joh 6,28-29

Wer sich nun unter die Herde Gottes begibt, ohne diese Stationen zu durchlaufen, also ohne die demütige Annahme des Herrn Jesus, der geht nicht durch die Tür in den Hof der Schafe. So gehen viele „Theologen“ durch ihre von Menschen ausgestellten Zertifikate und Diplome an Christus vorbei in den Hof der Schafe hinein und wüten als im Blick auf Gott Blinde (sie glauben, sie sähen, wie die Pharisäer es glaubten), um von Gottes Herde für ihren eigenen Hof zu rauben. Denn es ist schmeichelnd mit einem Ehrentitel und als Verantwortlicher für das Seelenheil angesprochen zu werden.

Das verkehrte, schriftwidrige und hierarchisch gegliederte System der Landes- und Freikirchen hat eine illegale Leiter an die Umzäunung des Hofes des HERRN gesetzt: Wie erwähnt, kommt man mit von Lehrinstitutionen ausgestellten Zertifikaten leicht aber völlig gesetzwidrig auf den Hof, ohne durch die Türe, durch Jesus Christus, dorthin zu gelangen. Auf ebenfalls illegalen Wegen drängen sich auch andere „Geistliche“ – bekleidet mit frommen Mäntelchen – unter die Herde Gottes, und rauben von der Herde für ihre Zwecke (Mt 7,15). Der Apostel stellte schon zur Zeit der Urgemeinde folgendes fest:

Ich weiss, dass nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. Apg 20,29

Wehe diesen selbstgefälligen „Führern“, die nicht die Türe benutzt haben und folglich rauben! Wer Gottes Volk antastet, tastet Gottes Augapfel an (Sach 2,12)!

Vers 2

Wer aber durch die Tür hineingeht, ist Hirte der Schafe. Joh 10,2

Ab diesem Vers beginnt sich der HERR in seiner Eigenschaft als Hirte selber zu beschreiben. Die Schafe können erwarten, dass der Hirte den normalen Eingang benützt. Der wahre Hirte steigt nicht über den Zaun. Der wahre Hirte betritt den Hof auf dem Weg, den der Eigentümer dafür vorgesehen hat. Wenn jemand nicht aus der erwarteten Richtung kommt, dürfen wir also wissen, dass es nicht der HERR ist.

Vers 3

Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. Joh 10,3

Der HERR ist die Tür (Vers 7) aber zugleich auch der Hirte (Vers 2). Der Türwächter, der die Aufgabe hat, nur Berechtigte in den „Stall“ Gottes hineinzulassen, lässt natürlich Jesus Christus, den berechtigten Hirten, in den Hof der Schafe.

Die Türe zu bewachen gehört zu den Aufgaben der Knechte Gottes, wie wir es im Markusevangelium sehen. Dort kommt das Wort „Türwächter“ auch vor, wie geschrieben steht:

Wie ein Mensch, der ausser Landes reiste, sein Haus verliess und seinen Knechten die Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter einschärfte, dass er wache, Mk 13,34

Jeder Knecht hat sein Werk, seine bestimmte Aufgabe, wie wir es aus den Gleichnissen der Talente im Matthäusevangelium und der Pfunde im Lukasevangelium kennen. Ein möglicher Auftrag ist, die Türe zu bewachen, was unter anderem ein Teil des Aufseherdienstes eines Ältesten sein kann. Oder aber ein anderer Christ wird mit dieser Aufgabe betraut. Christen sind dafür verantwortlich, dass sich Unberechtigte nicht unter die Herde Gottes mischen. Wir sehen in dieser Veranschaulichung die Verantwortung schön dargestellt, die uns der HERR überträgt. 

Vers 4

Wenn er die eigenen Schafe alle herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Joh 10,4

Christus ist der gute Hirte, wie Er im Psalm 23 beschrieben ist. Anbei ein Ausschnitt daraus:

1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2 Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern.
3 Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.
4 Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fliesst über. Ps 23,1-5

Der HERR geht vor den Schafen her und sie folgen Ihm, weil sie seine Stimme kennen. – Wie herrlich ist es doch, die Stimme des wahren Schafhirten zu kennen und Ihm zu folgen! Denn Er ist ein sehr barmherziger Hirte, wie geschrieben steht:

Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte, die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Gewandbausch tragen, die säugenden Muttertiere wird er fürsorglich leiten. Jes 40,11

Lassen Sie uns diesem Hirten folgen und Ihm auch in Bezug auf seine definitive Wiederkunft zurufen: Komm, Herr Jesus (Offb 22,17)! Amen!

Vers 5

Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. Joh 10,5

Der HERR hat seiner Auswahl glücklicherweise einen Schutzmechanismus gegeben, wie ihn Tiere zu vertrauten Menschen haben. Wie Tiere die Stimme ihres Besitzers kennen, kennt die Auswahl Gottes die Stimme ihres Erlösers! – Das hat der HERR sehr gut eingerichtet! Damit schützt er auch junge oder unkundige, noch nicht bibelfeste Christen vor Verführern. Gottes Auswahl darf einfach der vertrauten Stimme des HERRN folgen!

Vers 6

Diese Bildrede sprach Jesus zu ihnen; sie aber verstanden nicht, was es war, das er zu ihnen redete. Joh 10,6

Mit einer Bildrede konnte Christus geistliche Sachverhalte anhand von bekannten Beispielen einfach erklären. Im Gleichnis von den Weingärtnern offenbart Christus beispielsweise den Pharisäern, dass es Ihm bekannt war, dass sie im Grunde wussten, wer Er war. Sie wollten Gott nämlich auf keinen Fall etwas von ihrem Machtanspruch abgeben. Christus veranschaulichte das so:

33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste ausser Landes.
34 Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen.
35 Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie.
36 Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso.
37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!
38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen!
39 Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Mt 21,33-39

Im Alten Testament gab Gott den Leviten und besonders der priesterlichen Klasse aus dem Hause Aaron die Lehr- und Leitungsfunktion. Sie waren also die Weingärtner im Weinberg Gottes, sie hatten das Sagen. Sie verwalteten den Weinberg in der Folge aber nicht gut und labten sich selbst (z. B. Jer 6,3). Waisen und Witwen halfen sie nicht, die Hauptsache war, dass es ihnen gut ging. Da begann der HERR, Ermahner in den Weinberg zu senden, die den Tribut für Gott, also wieder rechte Gottesfurcht forderten. Die von Gott gesandten Propheten wurden aber nicht gehört und misshandelt (z. B. Jer 38,6). Am Ende sandte Gott seinen eigenen Sohn zu den Weingärtnern, das war der Herr Jesus, der auch von der religiösen Elite den Tribut, die rechte Haltung und die Frucht der Busse für Gott forderte. – Was tat die religiöse Elite? – Sie nahmen Ihn und veranlassten, dass Er getötet wurde.

Mit dem Gleichnis der Weingärtner veranschaulichte der HERR das Gebaren der priesterlichen Klasse gegenüber den von Gott Abgesandten, wie erwähnt. Mit diesem Gleichnis gab der HERR vor seiner Ermordung schon das vollständiges Bild ab und prophezeite detailliert seinen Tod ausserhalb des „Weinberges“, also ausserhalb des Tores von Jerusalem (Heb 13,12).

Und Gott wäre nicht Gott, wenn Er nicht auch seine Bildreden verschlüsseln könnte. Sie standen einerseits zum besseren Verständnis seiner Reden. Andererseits halfen sie, den Inhalt für Unberechtigte zu verschleiern, damit Böse sie nicht verstehen und sich nicht in unberechtigter Weise bekehren konnten, wie geschrieben steht:

13 Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören noch verstehen;
14 und es wird an ihnen die Weissagung Jesajas erfüllt, die lautet: »Mit Gehör werdet ihr hören und doch nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und doch nicht wahrnehmen;
15 denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.« Mt 13,13-15

Der HERR ist absolut souverän. Seine Bildreden helfen also seinen Jüngern, Sachverhalte besser zu verstehen. Seine Bildreden helfen hingegen Unberechtigten in keiner Weise, Sachverhalte zu erkennen. Er ist hoch zu loben! Er ist aber auch ernsthaft zu fürchten (2. Kö 17,39; 2. Kor 5,11)! Er kann tun und lassen, was Er will; niemand konnte Ihm wiederstehen und niemand kann und wird Ihm je widerstehen können. Amen!

Vers 7

Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe. Joh 10,7

Jesus ist die Tür der Schafe. Er ist auch der Hirte der Schafe (Vers 11). Wer ein Schaf auf dem Hof Gottes werden will, muss durch die Türe gehen, ohne Christus kommt niemand legitim ins Reich. Mit der Annahme des Herrn Jesus bekommt der Gläubige die Natur Gottes, was mit der Schafsnatur oder dem Weizenkorn (Joh 12,24) symbolisiert wird. Schafe können sich nicht selber versorgen, sie sind auf gute Hirten angewiesen. Schafe sind nicht bösartig und sie geben Wolle ab. Schafe sind nützliche Tiere. Auch Weizenkörner sind sehr nützlich. Sie dienen zur Nahrung. Sie sind nicht giftig, wie unnützes Unkraut – ein Bild für (unbekehrte) Namenschristen – hingegen giftig ist und verbrannt werden wird.

Wer nicht durch Christus (die Türe) auf den Hof der Schafe kommt, wer also über den Hag klettert, bleibt, was er ist: Ein Dieb und ein Räuber, giftiges Unkraut (Mt 23,25). Unkraut wird gemäss Mt 23,25 bewusst unter den Weizen gesät. Der Teufel schleust bewusst Ungläubige unter die Heiligen, um die reine Atmosphäre zu vergiften. Unbekehrte Menschen können sich ohne Christus unter das Volk Gottes mischen und sich so verhalten, als würden sie dazugehören. Davon gibt es viele. Aber diese Menschen können ihre Natur nicht ablegen. Sie bleiben das, was Heiden unter Gottes Volk sind: Diebe und Räuber. Denn ein Heide hat nur seine vor Gott verurteilte, völlig egoistische Natur, die nur nimmt. Ausserdem ist ein Heide ein Feind Gottes (Kol 1,21). – Und was sucht ein Feind auf dem Hof Gottes? – Er kommt nur, um zu verheeren.

Vers 8

Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Joh 10,8

Christus konnte bei denen, die vor Ihm waren, grundsätzlich gute Hirten ausschliessen, auch wenn Mose und David zu guten Hirten gehören. Da die guten Hirten nur die absolute Ausnahme bildeten und die Regel die bösen Hirten definierten, konnte Christus pauschal alle Hirten vor Ihm als Diebe und Räuber bezeichnen. Man sagt auch, wenn die Belegschaft einer Firma mit 10‘000 Arbeitern nicht kundenfreundlich arbeitet, die ganze Firma arbeite nicht kundenfreundlich, auch wenn in dieser Firma 5 Personen ihre Aufgaben exzellent lösen. Gott konnte angesichts der Tatsachen in Wahrheit den Hirten des Volkes Gottes grundsätzlich kein gutes Zeugnis ausstellen, wie geschrieben steht:

Darum, so spricht der HERR, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und sie vertrieben und habt nicht nach ihnen gesehen. Siehe, ich werde die Bosheit eurer Taten an euch heimsuchen, spricht der HERR. Jer 23,2

Es war (und ist heute noch so) der Grundsatz, dass die Hirten die Herde Gottes nicht gut weiden, wie erwähnt. Christus weidet sie hingegen bestens; Er macht es so gut, wie kein anderer! – Er se