Kommentar zum Buch Der erste Brief an die Korinther, Kapitel 7
Vers 1
Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es gut für einen Menschen, keine Frau zu berühren. 1.Kor 7,1
Zwischen den Korinthern und Paulus bestand nicht ein einseitiger Briefverkehr. Sie fragten Paulus vor der Abfassung des ersten Korintherbriefes schriftlich über die Ehebeziehung an. Mit der Erwähnung dieses Schreibens eröffnet Paulus das siebente Kapitel seines Briefes und beginnt mit einer, evtl. für einige, erstaunlichen Aussage. Seine Ausführungen über die Ehebeziehung beginnen damit, dass er in erster Linie gerade mal davon abrät. – Wir fragen uns vielleicht, ob das im Widerspruch zur Schrift steht, wo die Schrift doch bezeugt, dass sich Christus stark um ein Gegenüber einsetzt. Wieso sollten wir denn vom entsprechenden und gottgegebenen Ausdruck des Menschen für Christus und der Gemeinde in erster Linie absehen? „Da stimmt doch etwas nicht!“, mögen sich jetzt einige fragen.
Die Ursache von Paulus‘ Antwort liegt nicht darin, dass es grundsätzlich nicht gut ist, Christus und die Gemeinde als Ehegemeinschaft abzubilden. Die Ehegemeinschaft ist ja auch von Gott gewollt, wie geschrieben steht:
Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. 1.Mose 2,18
Der Mann sehnt sich nach seiner Entsprechung und die Frau danach, dass sie von einem Mann umworben wird. Das ist eine gottgewollte Einrichtung und gottgegebene Dinge sind in ihrer Eigenschaft gut. Wie die Ehe gut ist, war es auch das Gesetz. Das können wir in der Schrift so nachlesen (Rö 7,12). Trotzdem brachte das Gesetz dem Menschen den Tod; ohne Gesetz wusste der Mensch nichts von seiner in ihm wohnenden Bosheit des Fleisches. Als es kam lebte die Bosheit durch die Gebote auf und der Mensch wurde in der Folge als Gesetzesübertreter für schuldig befunden und musste sterben (Rö 7,9ff).
Das Gesetz war gut und heilig, doch für den Menschen unpassend und nicht hilfreich im Blick auf seine Heilung. Es verurteilte nur, obschon es völlig zu Recht geschah. – Wir sehen also, dass gute und heilige Dinge, wegen der Mangelhaftigkeit des Menschen, ihm nicht immer helfen. Manchmal braucht es zwingend eine Distanz zwischen Gut und Böse. Gott kann sich deshalb dem Menschen nur aus sicherer Distanz offenbaren. Bei einer „ungefilterten“ Offenbarung Gottes stirbt ein Mensch sofort (Jes 6,5). Der Mensch kann bei einer Offenbarung Gottes nur in Verbindung mit dem Sühneopfer Christi überleben, welches die Mangelhaftigkeit des Menschen wegnimmt.
Bei der Ehegemeinschaft verhält es sich ähnlich wie beim Gesetz. Die reine Ehegemeinschaft ist praktisch ein zu vollkommenes Bild für den sündigen Menschen, sogar für Christen. Sonst würde Paulus nicht im ersten Vers der Einleitung zu seinen diesbezüglichen Erläuterungen davon abraten. Damit berücksichtigt er die Umstände einer lebenslangen Beziehung von einem Mann und einer Frau, die sich immerfort lieben und füreinander – sollte es nötig sein – sterben sollten; so, wie es Christus in der Beziehung zu seiner Gemeinde vorgelebt hatte. Das ist eine moralische Vorgabe, ähnlich wie bei den Geboten des Gesetzes, die ein Ehepaar auf dem geforderten Niveau nur mangelhaft erfüllt, auch wenn am Anfang der Liebesbeziehung Anderes beteuert wird. Eine reine Ehegemeinschaft ist überhaupt nicht das, was von der Welt reflektiert wird und leider – in den meisten Fällen – auch nicht jenes, was uns Christen, unsere Geschwister, diesbezüglich vorleben. Bleiben wir also beim Grundsatz des Paulus – das sage ich, gleichwohl ich selbst verheiratet bin -, dass es besser ist, keine Ehe einzugehen. – Wir werden in den folgenden Erläuterungen der Schrift das „Warum“ und „Wieso“ noch besser verstehen.
Vers 2
Aber um der Unzucht willen habe jeder seine eigene Frau, und jede habe ihren eigenen Mann. 1.Kor 7,2
Dieser Vers ist sehr, sehr ernüchternd. Der HERR, welcher Mann und Frau als Einheit geschaffen hat (1. Mo 1,27) und dazu möchte, dass sich die Menschen vermehren (1. Mo 1,28), lässt im 1. Kor 7,2 durch den Geist vermitteln, dass es für Christen besser ist, allein zu bleiben. – Weshalb tut er das? Sind wir hier mit einem Widerspruch konfrontiert? – Es ist kein Widerspruch, das liegt auf der Hand. Der HERR widerspricht sich nicht. Mit diesem Vers will uns der HERR, die wir in einem Umwandlungsprozess (Rö 12,2) und Leiden stehen (2. Tim 3,12) zum Ersten vor weiteren Leiden schützen, welche eine Gemeinschaft unter Unvollkommenen hervorbringt (V32.35). Zum Zweiten verdeutlicht er die Tatsache, dass wir im Blick auf das geforderte neutestamentliche Niveau nicht einmal nach seinem Sinn ehefähig sind. Zu schwer ist es eine zickige und unförmig gewordene Ehefrau wie am ersten Tag zu lieben; geschweige denn dann, wenn gleichzeitig eine viel jüngere, attraktivere und ergebenere Bürokollegin offenes Interesse am gebeutelten Ehemann anmeldet. – Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass dieser Test auch in geschlechtlich umgekehrter Form stattfinden kann. – Christus hinterliess uns diesbezüglich ein Beispiel, dass für ewig nicht zu übertreffen ist. Er liebt seine Gemeinde und begehrte nie eine „Frau“ ausserhalb seines vom Vater gegebenen „Gartens“. Auch wenn die Welt attraktiveres bot (Jer 2,11) als ein störrisches Volk wie Israel (Neh 9,29; Jer 5,23) und eine ebensolche Gemeinde, von der bei anzahlmässig sieben nur gerade eine mit Lob ausgezeichnet werden kann (d.i. Philadelphia, Offb 3,7ff), steht der HERR beharrlich zu den Seinen und liebt sie bis ans Ende (Joh 13,1). Dies tut der HERR wohlgemerkt bei solchen, die im Versagen glänzten bzw. glänzen. Wie damals seine Jünger weit unter den Erwartungen blieben (Mt 17,17; Mk 16,14; Sendschreiben in Offb 2,1ff; u.v.a.) bleiben wir heute als Christenheit im Gesamten weit darunter. Der HERR offenbart uns, dass es bis zum Ende des Zeitalters solche geben wird, welche die gerechtfertigten Erwartungen des HERRN nicht erfüllen werden (Mt 18,32; 24,48; 25,26; Lk 19,22; 1. Kor 3,15; u.v.a.m.).
Der HERR steht und stand damals schon zu seiner „Verlobten“, der Gemeinde, auch wenn dabei gesagt werden kann, dass ihm womöglich jede andere „Frau“ weniger Mühe bereitet hätte, sie zu lieben (Mt 11,21). – Damit offenbart uns der HERR Seine Herrlichkeit im Blick auf Seine Moral. Er liebt seine Gemeinde, auch wenn sie Ihn nicht liebt* und weder attraktiv** noch begehrenswert ist (*Offb 2,4; u.v.a.;** sie ist total zerteilt, 1. Kor 1,10, wie die Denominationen heute). Er liebt unbeirrbar die Seinen, die Ihm der Vater gegeben hat, so hässlich sie auch erscheinen mögen. Er nährt und pflegt die Gemeinde bis zum Tod (Eph 5,29).
Im Blick auf das Niveau Christi, welches für die Beziehung von Eheleuten gesteckt wurde, ist es viel, viel besser, nicht zu heiraten. Der Frust im Blick auf die eigene Ehe kann zu gross werden, wenn etwas Erkenntnis für diese Zielmarke und eine Portion nüchterne Selbstkenntnis vorhanden sind. – Damit sage ich nicht, dass ich – selbst verheiratet – meine Frau nicht liebe. Auch nahm ich mir keine fremde Frau für ausserehelichen Verkehr, trotz initiativen und diesbezüglichen Angeboten. – Ich muss aber einräumen, dass ich das Niveau Christi in der Liebe bei weitem nicht erreiche, obschon ich mich danach sehne. Er erfüllt es an mir, ich nicht. Ich schaffe es nicht einmal innerhalb des weit schwächeren Abbildes seiner Gemeinschaft mit uns, der Ehe.
Junge Christen, die, hart ausgedrückt, noch an den Weihnachtsmann bzw. Storch glauben, tun sich vielleicht schwer mit 1. Kor 7,1. Christen, die sich masslos überschätzen, glauben im Ernst daran, dass es ihnen möglich sein wird, Christsein und Ehe in Harmonie verleben zu können. Vielleicht schenkt Ihnen der HERR diesen „Welpen-Schutz“, sodass es ihnen möglich wird, ohne zu merken, dass es nur aus der Gnade des HERRN harmoniert. Als älterer Bruder, und durch die Jahre nüchtern geworden, stimme ich den erfahrenen Männern zu, die damals schon sagten:
Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, so ist es nicht ratsam zu heiraten. Mt 19,10
Kommen wir nach der Erläuterung der Grundlagen zum aktuellen Vers 2, welcher besagt, dass wir trotzdem heiraten sollen, weil wir uns in einer allfälligen Ehelosigkeit ja doch nicht enthalten können. – Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, die zarte Rücksichtnahme des HERRN auf die unbeschreibliche Schwachheit der Seinen? – Wir sollen trotzdem heiraten, damit wir nicht, um des fleischlichen Verlangens wegen, in Unzucht fallen.
Der HERR weiss, dass sich der Ehe nur Menschen enthalten können, denen es gegeben wird (1. Kor 7,7) oder solchen, die für eine Ehelosigkeit in Wahrheit willensmässig stark genug sind (V 37.38) und sich bewusst dafür entscheiden (Mt 19,12). Alle anderen sollen um der Unzucht willen heiraten. Sie sollen heiraten, damit sie nicht in Unzucht, und somit das schlimmere Übel, fallen. – Auf der einen Seite ist das eine sehr demütigende Tatsache. Sie ist aber auch heilsam, weil wir schnell in Überheblichkeit fallen. Viele denken von sich, was für tolle Ehepartner sie doch sind im Blick auf andere, die sich haben scheiden lassen oder in unbefriedigenden Situationen leben. Wir sollen daher unbedingt wissen, dass wir im Blick auf Christi Niveau überhaupt nicht ehefähig sind und, wenn wir eine intakte Ehe führen dürfen, sie nur aufgrund Seiner Gnade intakt ist. Das soll uns vom „hohen Ross“ herunterholen und eine Bereitschaft in uns wecken, für Christen zu beten, die Eheschwierigkeiten haben ohne sie stattdessen als Unfähige abzuurteilen. Wie werden wir beurteilt werden, wenn Christi Massstab an unsere Ehebeziehung gelegt wird? Als ehefähig etwa? Bilden wir uns da ja nichts ein! Amen.
Vers 3
Der Mann leiste der Frau die <eheliche> Pflicht, ebenso aber auch die Frau dem Mann. 1.Kor 7,3
Mit diesem Vers schwenkt der Fokus von der Frage weg, ob wir heiraten sollen oder nicht. Wir befassen uns hier nicht mehr mit der Thematik, zu heiraten oder ledig zu bleiben. Jetzt geht es um den Gegenstand der Ehe selbst, um ein bereits verheiratetes Paar also.
Dieser Vers sagt aus, dass mit der Ehe ein ganzer Mensch geworden ist, denn der HERR schuf den Menschen als „Mann“ und „Frau“, wie geschrieben steht:
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. 1.Mose 1,27
Das Bild des Menschen ist erst mit der Frau zusammen komplett: „Als Mann und Frau schuf er sie“, steht geschrieben. Der Mensch soll ein Gegenüber, eine Frau haben, welche seine Entsprechung ist.
Bei einem Zusammenfügen von zwei Teilen zu einem Ganzen, einer Skulptur beispielsweise, drückt die Skulptur nur die Gedanken ihres Erbauers aus, solange sie als Ganzes da steht. Werden die Teile wieder für einen allfälligen Transport zerlegt, sagt die Skulptur für die Zeit des Transports nicht das aus, was ihr Schöpfer mit ihr sagen will. Sie ist während dieser Zeit in zwei nicht sehr aussagekräftige Teile zerlegt, welche, einzeln betrachtet, nicht den Wert des Ganzen haben.
Zum Ganzen zusammengefügt, geben die einzelnen Teile ihre Autonomie (Selbständigkeit) auf, damit sie als etwas Neues ganzheitlich auftreten können. Weder der Mann noch die Frau bestehen unnachgiebig auf Rechte, die sie als einzelne Parteien (oder Teile der Skulptur) vor dem Zusammenkommen hatten. Der Mann, sowie auch die Frau, sollen einander die Pflicht erfüllen, die sie, um ein Ganzes zu werden, haben eingehen wollen. Es geht nicht an, dass ein Teil der Skulptur, welche ich als Beispiel zur Veranschaulichung herangezogen habe, besondere Rechte für sich beansprucht. Beide Teile müssen so zusammen bleiben, wie sie der Schöpfer als Ganzes hingestellt hat. Wenn sich ein Teil in die alte Selbständigkeit verabschiedet, ist die Aussagekraft des Bildwerkes (und somit der Ehe) dahin. Die Ehe wird in der Folge nicht mehr abgebildet, vielmehr stellen die zwei zusammengehörenden Personen danach nichts weiter als zwei voneinander unabhängige und selbstbestimmende Individuen dar.
Es ist mir klar, dass in der Praxis vieles neben den geregelten Bahnen abläuft. Es geht sogar so weit, dass sich Eheleute ausgerechnet mit diesem Vers Selbstbestimmungsrechte verschaffen! Die sexsüchtige Partei kann diesen Vers für ihre Autonomie missbrauchen, indem sie die andere Partei über deren Vermögen zum ständigen ehelichen Verkehr zwingt. Gleichwohl gibt es die umgekehrte Situation, indem eine autonom gewordene Partei den Verkehr willentlich gänzlich blockiert. – Im Streben nach dem Erhalt der Einheit geht beides nicht! Die „Skulptur“ stellt nur ihren Zweck richtig dar, wenn einander beide Teile sich – ihrem Vermögen gemäss – dem anderen in einer Selbstaufgabe zugunsten des Ganzen hingeben. Ist ein Teil beschädigt, muss das andere noch mehr stützen und gibt sich somit noch mehr auf. Wer da auf Selbstbestimmungsrechte pocht, hat den Sinn des Ganzen missverstanden. Für selbstbezogene Menschen ist es definitiv besser, alleine zu bleiben. Amen.
Vers 4
Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; ebenso aber verfügt auch der Mann nicht über seinen eigenen Leib, sondern die Frau. 1.Kor 7,4
Dieser Vers ist eine Verdeutlichung des vorangehenden Verses. Er ist nicht so zu verstehen, dass uns damit eine allgemeine Verfügungsgewalt über den Partner übertragen wird.
Damit das Bild der Verschmelzung beider Körper, die Verschmelzung zu einem Fleisch (1. Mo 2,24), intakt bleibt, ist eine Selbstaufgabe notwendig, wie ich es im vorausgehenden Kommentar schon erläutert habe. Dieses Aufgeben der eigenen Autonomie erlaubt den Zugriff des Partners, in korrekter Darstellung der gottgewollten Ehe, auf den eigenen Körper. Für beide Partner ist es in Ordnung, wenn der eine sich Zweisamkeit wünscht. Keine der beiden Parteien hat höhere, eigennützige Prioritäten, die ein Zusammenkommen verhindern könnten. – Dabei ist ganz wichtig zu erwähnen, dass der Zugriff auf den Leib des Partners nie auf einer Grundlage steht, die einen normalen bzw. vernünftigen Tagesablauf des Gegenübers schmälern würde. Dieser Vers wird gerne von Egoisten zitiert, obschon er ihnen überhaupt keine Sonderrechte einräumt! Er ist vielmehr so zu verstehen, dass wir einander so zur Verfügung stehen sollen, wie Christus, um jederzeit ein Geist mit uns zu werden, uns zur Verfügung steht (1. Kor 6,17). Christus fordert von uns auch keine besondere Gemeinschaft mit Ihm, wenn wir beispielsweise als LKW Berufsfahrer den Anhänger rückwärts in eine schmale Gasse manövrieren, während dem sich eine Schlange ungeduldiger Automobilisten bildet, die durch unser Manöver kurz anhalten müssen. So gibt uns dieser Vers nicht die Freiheit unsere Frau zu bedrängen, während dem sie sonntags das Mittagessen für die Kinder zubereitet. Tun wir es trotzdem, versuchen wir eine einseitige Verfügungsgewalt zu bekommen, die uns aber nicht durch die Schrift eingeräumt wird.
Die Schrift steckt einen sehr hohen Massstab für zwei Menschen, die zu einem Fleisch geworden sind. Sie sollen einander jederzeit zur Verfügung stehen, ohne das Zusammenkommen mit Druck einzufordern. Das bedingt ein hohes Mass der Selbstaufgabe, des Vertrauens und der Fähigkeit, Prioritäten richtig zu setzen. Nach dem HERRN steht folglich an oberster Stelle die Bereitschaft, sich dem Partner zur Verfügung zu stellen. Ist die Frau bereit, abends, nachdem die Kinder schlafen und sie sich mit ihrer Lieblingssendung beschenken könnte, sich auf Kosten des Films dem Mann hinzugeben? Oder ist der Mann bereit, am Sonntagnachmittag, auf Kosten des Genusses seiner Lieblingsmannschaft, sich der Frau zu widmen? Stehen da auf beiden Seiten die Prioritäten richtig oder ist beiderseits die Selbstaufgabe nicht soweit gereift, dass beide einander jederzeit zur Verfügung stehen, wie Christus sich fortwährend für seine Braut in Bereitschaft hält? Oder steht Christus uns nur in engen Zeitfenstern, so einmal im Monat, am Montag der ersten Woche, zwischen 08.00 – 10.00 Uhr zur Verfügung, weil er sonst Besseres zu tun hat, als sich um „Würmer“ zu kümmern?
Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, unseren Ehepartnern diese ständige Bereitschaft, füreinander zur Verfügung zu stehen, kommunizieren. Achten wir dabei aber, dass wir uns diesbezüglich keine Rechte einfordern. Es liegt nicht an uns, die wir unsere Partner lieben sollen, egoistisch etwas einzufordern, für das dem Partner die Möglichkeit, Bereitschaft oder schlicht die Reife fehlt. An uns liegt es nicht, den Partner zu erziehen. Darüber angemessen zu diskutieren ist erlaubt, doch folgender Grundsatz bleibt bestehen: Der Töpfer, der die Menschen formt, ist Gott (Rö 9,20).
Vers 5
Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr euch dem Gebet widmet und dann wieder zusammen seid, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. 1.Kor 7,5
Die Haltung der ständigen Bereitschaft, einander zur Verfügung zu stehen, darf nur für Übergeordnetes und zeitlich befristet unterbrochen werden. Dazu muss es in Übereinkunft geschehen. Anschliessend ist das ständige Füreinander wieder angesagt.
Zu diesem Zeitpunkt, nach der Lektüre der Verse, die im Zusammenhang stehen, ist die Aussage dieses Verses sonnenklar, auch der letzte Punkt des nicht Enthalten Könnens. Grundsätzlich sollen wir ja nicht heiraten, da der Prozess der Heiligung und der Anspruch des HERRN uns genügend ausfüllen würden. Da die Gefahr in Unzucht zu fallen aber unserer Schwachheiten wegen sehr gross ist, gesteht der HERR den meisten von uns ein Gegenüber, einen Ehepartner, zu. Diesen Partner bekommen wir unter Anderem genau um der Unzucht wegen, damit wir ihr nicht verfallen. Daher ist es völlig klar, dass der HERR in unserer Ehe keine „Heldentaten der Enthaltung“ sehen möchte. Somit gilt folgende Regelung, wenn wir für eine gewisse Zeit den HERRN intensiver suchen wollen als sonst:
Die Absonderung für den (intensiveren) Gebetsdienst muss in Übereinkunft geschehen und zeitlich befristet sein. Anschliessend tritt die königliche Anweisung sofort wieder in Kraft, stets in grosser Rücksichtnahme füreinander zur Verfügung zu stehen, nach der Art des HERRN, die weder aufdringlich noch fordernd ist (1. Kor 13,4-7).
Vers 6
Dies aber sage ich als Zugeständnis, nicht als Befehl. 1.Kor 7,6
Wie es in der weltlichen Rechtsprechung zwingendes und dispositives (einmalgültiges, auf gegenseitiger Abmachung basierendes) Recht gibt, gibt es neben zwingenden Gebote in der Heiligen Schrift auch Empfehlungen. In der weltlichen Rechtsprechung gilt beispielsweise für den Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer mindestens so und so viele Urlaubstage zu geben. Dieses Mindestmass ist zwingend einzuhalten und darf nicht unterschritten werden. Was darüber geht, mehr Ferien also, ist Gegenstand der Abmachung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nach oben sind die Grenzen, vom Gesetzgeber her gesehen, frei. Paulus‘ Empfehlung für Christen ist, nicht zu heiraten. Wer nicht heiratet sündigt nicht. Wer es trotzdem tut, auch nicht, denn das Sich-Verheiraten oder das Nicht-Verheiraten steht nicht unter zwingendem Gesetz. Der Christ ist frei, es zu tun oder zu lassen. Jedoch gibt es für beide Arten des Zivilstandes zwingendes Recht. Für Unverheiratete gilt zwingend, nicht in Unzucht zu fallen. Für Verheiratete gilt zwingend, die Ehe nicht zu brechen und nicht in Unzucht zu fallen. – Paulus gibt im Bereich des dispositiven Rechts Empfehlungen ab. Als weiser Mensch sagt er weniger Erfahrenen, was der bessere Weg ist, wobei – wie erwähnt – im Bereich der Empfehlungen der zweitbeste auch begangen werden darf, ohne dabei zu sündigen. Klares zwingendes Recht treffen wir im folgenden Vers 10 an. Da geht es nicht um eine Empfehlung, sondern um ein zwingendes Gebot des HERRN. Wer es nicht einhält, fällt sofort in Sünde.
Wer den Unterschied von zwingendem und dispositivem Recht im Reich Gottes erkannt hat, fällt weniger schnell in Zwänge. Es gibt ängstliche oder durch falsche Erziehung fehlgeleitete Christen, die glauben, Gott jede Kleinigkeit fragen zu müssen; ob sie beispielsweise einen Apfel essen dürfen. Sie meinen, es sei relevant, ob sie auf der rechten oder linken Seite des Bettes aufstehen. Es sind arme Schafe des HERRN, die, um gewiss jeden Fehler zu vermeiden, sich einem unmenschlichen Stress aussetzen und sich kaum zu rühren wagen, weil ihnen ein falsches Gottesbild vorschwebt. Sie sehen Gott als lieblosen Tyrannen, der nur darauf wartet, jemanden in Sünde fallen zu sehen, um ihn danach zu bestrafen. – Solche Christen sollen wissen, dass es wenige Paragraphen im zwingenden Recht Gottes gibt. Der HERR liess durch den Geist folgendes niederschreiben:
Denn dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. 1.Joh 5,3
Das Recht im Reich Gottes, die Verfassung, Gesetze und Verordnungen des Reiches, sind mit seiner Hilfe (leicht) zu erfüllen. Ohne seine Unterstützung geht das freilich nicht (Mt 19,25.26).
Vers 7
Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. 1.Kor 7,7
Von Paulus kann gesagt werden, dass er zweifellos wusste, um was es ging im Reich. Er war einer der bestausgebildetsten Menschen des HERRN. Die anderen Apostel verbrachten zwar einige Jahre mit dem Herrn Jesus. Ob sie aber Offenbarungen erhielten, wie sie Paulus hatte, bleibt fraglich. Petrus, Jakobus und Johannes durften zwar mehr sehen als die übrigen; sie waren auf dem Berg der Verklärung (Mt 17), Teilhaber bei der Auferweckung des toten Mädchens (Mk 5,37) und sie durften die Nächsten werden in den Emotionen des HERRN (Mk 14,33), in was ich eine sehr hohe Auszeichnung sehe, wie auch in der Tatsache, dass Johannes die Versorgung von Maria, der Mutter Jesu, übertragen wurde (Joh 19,27). Auch durfte Johannes die Offenbarung niederschreiben, was sehr bezeichnend ist. Jakobus und sein Bruder Johannes, sowie Petrus, hatten eine besondere Stellung unter den Zwölfen, das steht zweifelsfrei fest. Sie symbolisieren die Überwinder, jene Christen, die vor der kommenden grossen Trübsal bewahrt werden, weil sie sich durch ihren Glauben auszeichnen (Lk 21,36 u.v.a.).
Paulus hatte zweifelsfrei auch eine besondere Stellung unter den Aposteln. Er zeichnete sich nicht durch besonderen Unglauben aus, wie Thomas (Joh 20,27). Paulus wurde in den dritten Himmel entrückt (2. Kor 12,2) und hörte dabei Dinge, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht. Seine Offenbarungen waren so ausserordentlich, dass er – trotz des Wissens, dass es sich nicht geziemt, sich zu überheben – von einem Engel geschlagen wurde, um genau das, eine Selbstüberhebung, zu verhindern (2. Kor 12,7). Wenn also jemand fähig ist, Christen betreffs des Weges Gottes zu unterweisen, wer könnte das besser tun als Paulus? – Nicht umsonst liess ihn der HERR so viele Bücher der Schrift, welche den Neuen Weg näher erklären und das Neue Testament ausführlich darlegen, niederschreiben und sie Bestandteile der Bibel werden.
Dieser von Gott hochgeehrte Paulus schreibt in unserem Vers: „Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich … .“ Er wusste, dass es für den Dienst des HERRN oder auch allgemein besser war, so zu sein, wie er, nämlich unverheiratet. Er räumt aber mit dem zweiten Teil des Verses ein, dass es nicht allen in der gleichen Weise gegeben ist, zu sein, wie er war.
Daraus können wir ableiten, dass solche, die durchaus gut alleine leben können, sich nicht um einen Ehepartner bemühen sollten, nur weil heiraten in ihrem Umfeld gerade ein Trend ist oder als besonders statthaft angesehen wird. Andere, die glauben, heiraten zu müssen, sollen sich durch diese Ausführungen des Paulus nicht gänzlich davon abhalten lassen: Sie sollen heiraten, nur im HERRN soll es geschehen. Heiratswillige sollen aber auch im Vorfeld die „Kosten“ dafür überschlagen: Mit einer Heirat gehen sie eine lebenslange Obligation (Verpflichtung) ein, wobei der HERR darauf achtet, dass sie auch gehalten wird. Der Ehepartner ist auch dann zu lieben, wenn er nicht mehr so gesund, begehrenswert und frisch ist wie mit fünfundzwanzig Jahren (Kol 3,19; Tit 2,4). Amen.
Vers 8
Ich sage aber den Unverheirateten und den Witwen: es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 1.Kor 7,8
Paulus bestätigt durch den Geist die Schlussfolgerung aus dem vorangehenden Kommentar. Solche, die durchaus gut alleine leben können, sollen sich nicht um einen Partner bemühen.
Auch wenn diese Verse und Kommentare fast ehefeindlich erscheinen: Gott ist nicht gegen die Ehe, sondern für sie. Ehelosigkeit wird empfohlen, weil wir in unserem Zustand der Schwäche uns möglichst ohne Ballast in die Umwandlung und Leiden des HERRN begeben sollten, welche alle aufrichtigen Christen durchmachen. Jeder Mensch, der zu Gott kommt, wird zu einem schönen Edelstein geschliffen. Das Entfernen der „eitrigen Stellen“ – wer kann von sich sagen, er sei ohne Sünde? – an unserem Körper verursacht Schmerzen. Der Christ ist genügend mit sich selbst beschäftigt, wenn er sich voll dem Prozess der Heiligung hingibt, ohne die niemand den HERRN schauen wird (Heb 12,14). Wenn er zusätzlich zu diesem Prozess noch eine Ehe führt und Kinder hat, was zweifelsfrei eine schöne aber auch sehr verantwortungsvolle Aufgabe ist, kann alles zusammen viel und beschwerlich werden.
Liebe Leserin und lieber Leser! Es ist klar, dass der HERR die Ehe nicht verbietet. Er möchte uns aber keinesfalls überlastet sehen, denn die Heiligung, der Gehorsam und die Erneuerung des Sinnes sind zwingende Voraussetzungen für die Qualifikation, ins Reich eingehen zu dürfen. Wer zusätzlich noch eine Ehe führen will, soll sich einfach im Klaren sein, was das heisst. Die Männer sollen nicht glauben, die Ehe sei ausschliesslich die Erlaubnis für den so sehr begehrten geschlechtlichen Verkehr mit der Frau und die Lösung aller Sehnsüchte. Gleichwohl sollen die Frauen darüber nicht denken, das männliche Gegenüber sei der Prinz ihrer Träume, welcher alles Verlangen nach Geborgenheit und dem Begehrt-Werden stillt. – Liebe Männer, was ist, wenn die Lust Eurer Augen, Eure Angebetete, sich nur einmal in drei Monaten ein Zusammenkommen mit Euch wünscht? Oder wenn sie durch eine Krankheit oder einen Unfall nie mehr „kann“? – Was ist mit Euch Frauen, wenn sich der vermeintliche Prinz als Normalbürger entpuppt, der wenig in der Küche hilft, und Euch das Gefühl gibt, in der Kindererziehung allein gelassen, ausgebeutet und nur körperlich benutzt zu sein? – Die Ehe ist nicht allein eine Spielwiese für körperliches Zusammensein bzw. eine Märcheninsel, die alle Sehnsüchte in Erfüllung gehen lässt!
Paulus will uns durch den Geist des HERRN vor unüberlegten Handlungen schützen, die weitreichende Folgen haben. Die Ehe ist ein Gefäss, das grosse Verantwortlichkeiten nach sich zieht, zusätzliche folgen noch mit Kindern. Denken Sie nur schon an das Zittern und Bangen um die Kinder, wenn sie in der Pubertät die Welt „riechen“. Oder ist es Ihnen egal, wenn die eigene Nachkommenschaft verloren geht? Wie stehen Sie dann im Leben, wenn der Partner völlig anders ist, als vor der Hochzeit eingeschätzt, die Kinder sich nicht so verhalten, wie Sie es wünschen und Sie gleichzeitig unter Schlägen des HERRN leiden, weil Sie sich selbst noch nicht so verhalten im Reich, wie es der Hausherr will (Heb 12,6)? – Aus Erfahrung mit vielen Menschen kann ich es Ihnen heutzutage bezeugen: All diese Dinge können übermenschliche Dimensionen annehmen, in denen Sie sich wünschen, nie auf die Welt gekommen zu sein, wie es sich sehr bekannte Figuren der Schrift gewünscht hatten (Hiob 3; Jer 20,14).
Es liegt mir fern, schwarz zu malen. Es gibt durchaus gute Ehegemeinschaften und vom HERRN gesegnete Familien. Mit diesem Kommentar beabsichtige ich nur schonungslos die Möglichkeiten aufzuzeigen, die durch die berühmte „rosarote Brille“, dem Blick der Verliebten, ausgeblendet werden. – Wenn Sie glauben, nicht ohne Partner leben zu können, sollen Sie besonders in dieser Sache mit dem HERRN arbeiten! Das Leben ist beschwerlich genug; laden Sie sich nicht unnötige Leiden auf! Der HERR weiss am besten, wer zu Ihnen passt! Ausserdem hilft auch der HERR beim Wunsch nach einem Gegenüber, da müssen wir nicht den Weg des Eigendünkels beschreiten, wie geschrieben steht:
Wer eine Frau gefunden, hat Gutes gefunden und hat Wohlgefallen erlangt von dem HERRN. Spr 18,22
Half der HERR nicht persönlich mit, eine Frau für Isaak zu finden (1. Mo 24,12-27)? Der HERR ist für die Ehe, sehr sogar; Er möchte aber nicht, dass wir Illusionen verfallen oder an Überbelastungen zugrunde gehen. Amen.
Gesagt muss an dieser Stelle noch werden, dass sich bereits verheiratete Paare ja nicht aufgrund dieser Verse scheiden lassen sollen! Ehepaare dürfen sich nicht nach pseudofrommer Manier scheiden, mit den Vorwand, dem HERRN danach besser dienen zu können! So absurd das klingt: Es gibt Paare, die solche Beweggründe als Scheidungsgrund angeben! Scheidungen sind nicht gottgewollt und somit Sünde (Mt 19,6)! Sollen wir sündigen, um Gott zu dienen?
Was nun Gott zusammengefügt hat, soll <der> Mensch nicht scheiden. Mk 10,9
Eine Ehe ist eine gegenseitige Verpflichtung für das ganze Leben. Die Verpflichtung erlischt erst mit dem Tod des Gatten bzw. der Ehefrau.
Vers 9
Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten, denn es ist besser, zu heiraten als <vor Verlangen> zu brennen. 1.Kor 7,9
Mit diesem Vers spricht Paulus eine Empfehlung aus. Wie wir wissen, gehören Empfehlungen nicht zu den zwingenden Geboten, wie die über das Töten, Lügen oder das Ehebrechen. Paulus spricht hier über einen besseren Weg, der über einem anderen, immer noch gangbaren, steht.
In der heutigen Zeit des totalen Individualismus und sehr starken Ich-Bezugs gelten Empfehlungen nicht mehr viel. Stehen sie mit einem eigenen Wunsch im Widerspruch, werden sie sehr schnell abgetan. Die Menschen sind Weisen gegenüber geworden wie Kleinkinder, die jetzt, sofort und unmittelbar ihre Schokolade essen wollen, fünf Minuten vor dem gesunden Mittagessen. Erst wenn sie fett und durch den Vitaminmangel krank geworden sind, räumen sie eine kleine Möglichkeit ein, der Ernährungsberater hätte mit der Empfehlung zur gesunden Ernährung vielleicht doch Recht gehabt.
An dieser Stelle gibt uns ein Weiser, Paulus, durch den Geist des Allmächtigen, welcher der Ursprung der Weisheit ist, Ratschläge. Wir tun gut daran, sie zu beherzigen, wie die Königin von Saba damals gut tat, sich die Weisheit Salomos zu Gemüte zu führen. Der HERR wertschätzt das Hören auf die göttliche Weisheit:
Eine Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen, denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, mehr als Salomo ist hier. Mt 12,42
Unser Vers besagt, dass Christen, die glauben, heiraten zu müssen, heiraten sollen. Es würde ihnen nichts bringen, wenn sie sich selbst vornehmen, in dieser Sache um des HERRN willen stark sein zu wollen und sie in der Folge das in ihnen brennende Verlangen nach einem Partner einfach unterdrücken. Jemandem, dem es nicht gegeben ist, allein zu sein, ist nicht stark genug, aus eigenem Willen unverheiratet zu bleiben. Eine solche Person wird ihr Leben lang mit dem Verlangen zu kämpfen haben. Daher sollen solche Menschen ob solcher Verse der göttlichen Empfehlung aufmerken, nicht die Helden spielen und heiraten. Sie sollen die demütigende Tatsache einfach hinnehmen, dass sie, wenn sie es nicht tun, vor Verlangen brennen und immer wieder mit der Gefahr konfrontiert sein werden, in Unzucht zu fallen. Amen.
Vers 10
Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau sich nicht vom Mann scheiden lassen soll 1.Kor 7,10
Mit diesem Vers schwenkt das Wort weg vom Wahlrecht. Das Wahlrecht erlaubt, wie der Name schon sagt, zu wählen. Es gibt im Leben eine Auswahl von Wegen, die wir gehen können: Optimale und zweitrangige, wobei letztere aber immer noch vom HERRN toleriert werden. Daneben gibt es Rahmengebote, die von allen zwingend eingehalten werden müssen. Bricht man sie, fällt man in Sünde.
Paulus macht an dieser Stelle deutlich, dass er an dieser Stelle vom Wahlgebot (V6) wegschwenkt. Dieser Vers beschreibt absolut zwingendes Recht. Der HERR gebietet, dass sich eine Frau nicht vom Mann scheiden lassen soll. Dazu gibt es nichts weiter zu schreiben, wie es da steht, ist es zu befolgen. Dass es auch für den Mann gilt, ist durch bereits zitierte Verse bekannt (Mk 10,9). Die alttestamentliche Möglichkeit, um sich scheiden lassen zu „dürfen“, wurde im Neuen Testament gänzlich aufgehoben und als letzte Möglichkeit, wegen unserer Bosheit, für damals als „geduldet“ taxiert (Mt 19,8). Die Möglichkeit zur Scheidung gab es jedoch weder vor dem Gesetz, noch im Zeitalter danach. Ein Zurückgehen zum Gesetz, vor allem darum, um sich die Freiheit zur Scheidung zu nehmen, kann als doppelt törichte Handlung bezeichnet werden. Erstens ist es grundsätzlich töricht, zum Gesetz zurückzukehren (Gal 3,1.2). Zweitens war die Ehe von Anfang an eine Gemeinschaft fürs Leben, vor dem Gesetz, während dem Gesetz und danach, wie wir aus dem erwähnten Vers (Mt 19,8) sehen. Der Scheidebrief offenbart uns nur die Härte der Herzen unter Mitgliedern des Volkes Gottes! Menschen, die es von Herzen besser machen sollten als die Nationen, greifen danach, um zu zeigen, wie hart ihre Herzen – trotz göttlicher Begleitung – sind! Wie demütigend und traurig ist diese Tatsache doch für Gottes Volk! Auch heute, im Neuen Testament, beschäftigen sich verheiratete Christen mit Gedanken über eine erwogene Scheidung. Was heute im Verborgenen, in Gedanken, abgeht, machte der „erlaubte“ Scheidebrief im Alten Testament offenbar: Die Härte des Herzens, welche nicht einer der Eigenschaften Christi entspricht. – Der HERR erlässt hier ein Gebot gegen die Scheidung! Amen.
Vers 11
- wenn sie aber doch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann – und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse. 1.Kor 7,11
Der Mann hat sich ebenso nicht von der Frau scheiden zu lassen, wie es der Frau explizit nicht gestattet ist. Interessant an dieser Stelle ist, dass der HERR keine weiteren Kompromisse offen hält, selbst nicht um unserer Schwachheit wegen. Die Möglichkeit zur Ehe lässt er um der Unzucht willen offen. Hat jemand geheiratet, sich aber später vom Ehepartner getrennt, gibt es keine weiteren Zugeständnisse des HERRN. Getrennte oder geschiedene Paare dürfen sich nicht mit neuen Partnern zusammen tun. Im geschiedenen Stand ist die einzige Möglichkeit zur Zweisamkeit für Mann und Frau die Rückkehr zum Ehepartner. – So altertümlich oder „eng“ das in den Augen einiger klingen mag: Niemand soll sich deswegen bei mir beschweren!, es ist ein Gebot des HERRN! Amen! – Wie wir wissen sind die Gebote nicht gegen den Menschen sondern für ihn. Mit den göttlichen Geboten wird er in Bahnen geführt, die optimal für individuelles Leben bzw. kollektives Zusammensein sind.
Die Ehe ist dem Verlangen des Fleisches übergeordnet. Es ist daher nicht statthaft, als geschiedener Partner, um des Verlangens willen, einen anderen zu heiraten. Wie ich in meinen Schriften schon oft erwähnt habe, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, weiss ich auch aus Erfahrung, dass es Ehen gibt, in denen ein Partner um Leib und Leben fürchten muss. Ich sage nicht, dass der HERR verlangt, dass jemand um der Ehe willen sein Leben lassen soll. Flüchtet ein solcher Partner vor der rabiaten Partei, soll er aus Respekt vor der Ehe alleine bleiben. – Hurt die eine Partei, so ist die andere nicht mehr gebunden, sie ist frei, sich wieder zu verheiraten. Ein Hurer bzw. eine Hure bricht die Ehe mehrmals vorsätzlich; der andere Partner ist dabei nicht mehr durch ein Band der Ehe gebunden. Er darf sich wieder verheiraten (Mt 5,32). Der HERR bindet uns nicht an jegliche Willkür der Menschen.
Vers 12
Den übrigen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und sie willigt ein, bei ihm zu wohnen, so entlasse er sie nicht. 1.Kor 7,12
Paulus gibt uns als geistlicher Mensch folgende Weisung: Wenn ein Christ eine ungläubige Partnerin hat, der es nichts ausmacht, dass ihr Partner Christ ist und er als solcher leben möchte, ist es ihm nicht gestattet, die Frau mit dem Vorwand, sie sei nicht gläubig, zu entlassen. Es ist ihm überhaupt nicht gestattet, sich von ihr zu scheiden. Diese Weisung gilt auch für Christinnen, wie es aus den Versen 13 und 15 ersichtlich ist. Sind sie mit einem ungläubigen Mann verheiratet, der sich nicht von ihnen trennen will, so dürfen sie ihn nicht entlassen.
Ich glaube nicht, dass ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass für einen gläubigen, unverheirateten Menschen, der heiraten will, ausschliesslich ein gläubiger Partner in Frage kommt. Wir haben uns nicht willentlich mit den Nationen zu vermischen! Ausserdem ist es sehr schwer, eine Ehe zwischen Partnern mit völlig unterschiedlichen Zielen zu führen! – Wie soll das gehen, wenn der eine auf das Irdische setzt, währenddessen die andere Partei auf das Himmlische sieht? Solche Gemeinschaften gleichen einer Firma, deren Abteilungen nicht nach dem Ziel der Geschäftsleitung arbeiten. Die Geschäftsleitung hat beispielsweise beschlossen, in ihrer Branche in Sachen Qualität die Marktführerschaft zu übernehmen. Die Einkaufsabteilung kauft jedoch, entgegen der Vision der Direktion, nach dem Ziel ein, das jeweils billigste Produkt zu ergattern, nach der Vision der Kostenführerschaft. – Die Alleingänge der jeweiligen Abteilungen verunmöglichen es dieser Firma, sich zu positionieren. Sie wird sich weder in der Kostenführerschaft noch als Messlatte für Qualität positionieren können und einfach ein durchschnittlicher Hersteller unter vielen in ihrer Branche bleiben.
Irren wir uns nicht, liebe Leserinnen und Leser! Soweit, dass ein Partner gläubig ist und der andere nicht, darf es nur kommen, indem sich jemand unter zwei ungläubigen und bereits verheirateten Parteien zum HERRN wendet! Niemals soll befürwortet werden, dass Christen Ungläubige heiraten! Als ältere Geschwister tragen wir Verantwortung für unsere Jugend! Wir sollen es nicht billigen, wenn junge Menschen aus unseren Reihen ungläubige Partner suchen! Eine Ehe kann ohnehin schwer sein, wie wir jetzt wissen; sollen wir tatenlos mitansehen, wenn sich unsere Jugend mit praktisch unlösbaren Aufgaben befasst? – Es ist mir klar, dass wir dabei auf Granit beissen können, vor allem dann, wenn wir bereits ineinander verliebte Menschen diesbezüglich ermahnen wollen. Deshalb ist es wichtig, dass wir unseren Nachwuchs hierüber unterweisen, bevor die Partnersuche beginnt. Amen.
Vers 13
Und eine Frau, die einen ungläubigen Mann hat, und der willigt ein, bei ihr zu wohnen, entlasse den Mann nicht. 1.Kor 7,13
Der vorausgegangene Kommentar zum Vers 12 gilt in der gleichen Weise, wie bereits erwähnt, für diesen Vers 13. Was für den Christ gilt, gilt auch für die Christin. Der ungläubige Teil in einer Ehe darf nicht aufgrund seines Unglaubens entlassen werden. Die Ehe ist mit allen Mitteln zu schützen. – Wieso die Ehe in dieser besonderen und sehr schwierigen Form mit allen Mitteln zu schützen ist, entzieht sich meinem jetzigen Kenntnisstand. Schliesslich ist eine solche Ehe von aussen gesehen nicht förderlich für den gläubigen Teil. Und wer weiss schon, ob nur durch das Zusammenbleiben, das dem gläubigen Teil sehr viel abverlangen kann, der ungläubige Partner gerettet wird (V16)? Der HERR, der alles vermag, hat doch für Ungläubige andere und einfachere Möglichkeiten! – Erklären kann ich mir es momentan nur durch die Aussage des „Bildes“ der Ehe und um der Kinder wegen, welche eine Ehe in der Regel hervorbringt. Der nachfolgende Vers geht darauf noch näher ein.
Aus dieser Passage der Heiligen Schrift geht einmal mehr hervor, wie sehr der HERR Wert auf eine intakte Ehe legt. Eine Ehe darf nur der Tod scheiden oder aufgrund von Hurerei (fortwährender Ehebruch) zu Lebzeiten aufgelöst werden (Mt 5,32; 19,9). – In meinen Augen ist es daher kein Wunder, dass der Satan die Menschen gerade bezüglich der Ehe anhält, sie als praktisch wertlos zu betrachten. Und die bösen Mühen des Feindes und seiner Gefolgschaft scheinen bereits ebensolche verwerflichen Früchte zu bringen: Viele im Konkubinat lebende Menschen und andere sagen geringschätzig über die Ehe, sie sei nur ein auf dem Papier bestätigtes Konkubinat, was einer sehr bösen Aussage gleichkommt. Diese Auffassung über die Ehe ist Lichtjahre von jener Gottes entfernt! Heutige Paare geben ihrem Zusammensein nicht einen Bruchteil des Wertes, welcher Gott einem sich gefundenen und geschlechtlich zusammengekommenem Paar (Mann und Frau*) gibt. Die Hälfte – und bald sind es schon mehr – der geschlossenen Ehen werden wieder geschieden. Satan und seine Gehilfen wollen der Menschheit mit aller Kraft weis machen, dass Gott mit der Ehe etwas geschaffen hat, das nur ein romantischer Wunsch, aber total realitätsfremd ist.
Was wollen Sie mit Ihrer Ehe zeigen bzw. unterstützen, liebe Leserin und lieber Leser? Unterstützen Sie damit den beleidigenden Vorstoss Satans oder halten Sie sie in Ehren nach dem Sinne Gottes? Nehmen Sie es sich als hohes Ziel vor, ihren Partner zu lieben (Eph 5,28; Tit 2,4), - es wird Ihnen so viel leichter fallen, eine gottgefällige Ehe zu führen! Amen.
*Homosexuelle Partnerschaften gelten vor Gott nicht als Ehegemeinschaft. Sie sind vielmehr von Gott verworfen und stellen Sünden im gleichen Schweregrad dar, wie Gotteslästerung und Mord (3. Mo 18,23; 20,13!; Rö 1,26-28). Der Vers im 3. Mo 20,13 setzt den Schweregrad der Sünde. Jede Sünde ist zwar ein gleicher Verstoss im Blick auf die reine Übertretung des Gesetzes. Das Stehlen eines Kaugummis im Supermarkt ist eine Gesetzesübertretung, wie es das vorsätzliche Morden ist. Der Schweregrad ist aber nicht derselbe vor dem Gesetzgeber. Gott ahndet Diebstahl nicht in derselben Weise wie Mord. Nicht einmal die ungläubigen Nationen machen solches. – Die unterschiedlichen Schweregrade der Übertretungen müssen zwingend auch in der Schriftauslegung berücksichtigt werden. In der Schrift wird unter anderem zwischen Todsünden und weniger schwer wiegenden Sünden unterschieden. Homosexualität ist in den Augen Gottes eine sehr schwer wiegende Sünde, sie fällt in die Kategorie „Todsünde“, wie Mord, Gotteslästerung, Ehebruch, Verführung zum Abfall und Sodomie. Diese Aufzählung ist nicht abschliessend. In der Zeit des Neuen Testaments, in der wir leben, muss bei praktizierter Homosexualität, wie bei allen Sünden, die im Alten Testament mit der Todesstrafe geahndet wurden, immer ein Gemeindeausschluss erfolgen, sofern der oder die Betroffenen nach zwingend erfolgten zwei Ermahnungen (siehe Mt 18,15-17) sich nicht zum HERRN zurückwenden und die ausgeübte Sünde in Zukunft unterlassen. – Wer glaubt, diese Weisung gehe zu weit, ist immer noch stark vom weltlichen Humanismus durchdrungen. Solche Christen sollen wissen: Der Geist Gottes geht in der Verurteilung dieser Vergehen noch weiter, indem er durch Johannes niederschreiben lässt, dass für Menschen, die Todsünden vollbringen, nicht einmal zum Gebet animiert werden soll (1. Joh 5,16)!
Vers 14
Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig. 1.Kor 7,14
Gott ist heilig. Er ist ausgesondert (vom Bösen, Unreinen) und absolut fleckenlos. – Dieser Vers sagt aus, dass der gläubige Partner in der Ehe den ungläubigen fähig macht, eine legitime und reine Ehe vor Gott zu führen. Die Reinheit des gläubigen Teils hat eine so kräftige und reinigende Wirkung, dass sie die Unreinheit überflügelt, sodass selbst die Kinder heilig sind. Die reinigende Wirkung des gläubigen Teils hat also eine solche Kraft, dass der ungläubige Partner geheiligt ist und die Kinder heilig sind! – Das ist sehr, sehr eindrucksvoll, weil es sonst in der Regel umgekehrt der Fall ist. Gewöhnlich ist die Regel jene der Natur, dass „der faule Apfel den gesunden ansteckt.“ So verhält es sich einfach, wie geschrieben steht:
Tote Fliegen lassen das Öl des Salbenmischers stinken und gären. Ein wenig Torheit hat mehr Gewicht als Weisheit <und> Ehre. – Pred 10,1
So verhält es sich auch in den Dingen Gottes unter den Menschen:
11 So spricht der HERR der Heerscharen: Bitte doch die Priester um Weisung über folgendes: 12 Wenn jemand heiliges Fleisch im Zipfel seines Kleides trägt und mit seinem Zipfel Brot oder Gekochtes oder Wein oder Öl oder irgendeine Speise berührt, wird das <dadurch> heilig? Und die Priester antworteten und sprachen: Nein.
13 Darauf sagte Haggai: Wenn jemand, der sich an einer Leiche verunreinigt hat, dies alles berührt, wird es <dadurch> unrein? Und die Priester antworteten und sprachen: Es wird unrein. 14 Da antwortete Haggai und sprach: So ist dieses Volk und so diese Nation vor mir, spricht der HERR, und so ist alles Tun ihrer Hände. Und wo sie etwas <als Opfer> darbringen, unrein ist es! Hag 2,11-14
Brot, Gekochtes, Wein, Öl oder sonst irgendeine Speise werden durch die Berührung mit heiligem Fleisch nicht automatisch auch heilig. Umgekehrt schon; ein unreiner Mensch verunreinigte alles, was er berührte im Alten Testament. Ein unreines Volk brachte somit unreine Opfer dar vor dem HERRN. So verhält es sich in geistlicher Sicht auch heute: das Gebet des Gottlosen ist Gott ein Gräuel!
In der Ehe lässt der HERR grossartige Gnade wirken: Damit der gläubige Partner nicht auf verlorenem Posten steht und durch den ungläubigen Teil verunreinigt wird, hob der HERR dieses Prinzip auf und kehrte es um. Damit schuf der HERR die Grundlage, dass eine Ehe fortgeführt werden kann, wenn bei zwei ungläubigen Partnern einer zum HERRN findet.
Dieses Geheiligt-Werden ist nicht gleichzusetzen mit Errettet-Werden. Das sehen wir im folgenden Vers 16. Der ungläubige Partner ist damit nicht vor dem kommenden Zorn errettet. Er ist „nur“ in die Lage gebracht, dass er die Ehe mit dem gläubigen und gänzlich gereinigten Partner weiterführen darf, ohne vom HERRN verzehrt zu werden, der im gläubig gewordenen Wohnung gemacht hat. Auch die Kinder von Ehepaaren, bei denen mindestens ein Teil gläubig ist, geniessen bereits Vorrechte. Sie dürfen als für Gott ausgesonderte Menschen, also heilig, aufwachsen. Von der Entscheidung, für oder gegen Gott zu sein, sind natürlich auch sie nicht ausgenommen. Diese muss jeder Mensch in der Selbstverantwortung fällen, da ist niemand ausgenommen, ganz egal, wie er aufgewachsen ist bzw. was für Eltern er hatte. Amen.
Vers 15
Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so scheide er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen <Fällen> nicht gebunden; zum Frieden hat uns Gott doch berufen. 1.Kor 7,15
Wenn sich der Ungläubige Teil des Ehepaares scheiden will, so soll er es tun. Gott bindet die gläubige Partei, obschon die Ehe sehr wichtig ist, nicht an jegliche Willkür. Deshalb steht auch so einfach da, dass, wenn der ungläubige Partner gehen will, er das „einfach so“ tun kann, quasi, dass es niemandem (auch Gott) etwas ausmacht. Das „einfach so“ steht nicht im Sinne da, es sei dem HERRN einfach egal; es steht dafür da, dass der gläubige Ehepartner nicht daran verzweifeln soll. Der gläubige Partner ist aber nicht Drohungen oder Reizungen der anderen Partei ausgeliefert, die darauf hinauslaufen, mit einer Scheidung zu drohen. Eine angedrohte Scheidung soll für den gläubigen Teil nicht ein Druckmittel darstellen: Vom HERRN her ist der Gläubige frei, sich wieder zu verheiraten, wenn der Ungläubige meint, er fahre mit einer Scheidung besser im Leben. Der Bruder oder die Schwester ist in einem solchen Fall nicht weiter an Ehepflichten gebunden.
Vers 16
Denn was weisst du, Frau, ob du den Mann erretten wirst? Oder was weisst du, Mann, ob du die Frau erretten wirst? 1.Kor 7,16
Dieser Vers soll uns von dem Irrglauben befreien, mit allen Mitteln eine Form (z.B. die Ehe) wahren zu wollen, indem wir dabei glauben, wir seien für die Errettung einer anderen Person voll verantwortlich. Es ist und bleibt offen bei Ehepaaren, in denen ein Teil gläubig ist und der andere nicht, ob sich die andere „Hälfte“ erretten lassen will (gläubig wird) oder nicht. Wir dürfen uns deren Errettung nicht zur selbstauferlegten und schweren Lebensaufgabe machen, auch wenn es nach aussen sehr edel erscheint. Ist der andere Partner sein Leben lang nicht bereit, Christus anzunehmen, dann haben wir, wenn wir es trotzdem tun, unser Leben in der Illusion, jemanden erretten zu können, gelebt und müssen dann am Ende merken, dass wir – statt wirkungsvollen Aufgaben nachgegangen zu sein – unser Leben für nichts verschwendet haben.
Diese Verse geben uns Christen nicht die Freiheit, uns von ungläubigen Partnern scheiden zu lassen; sie sagen nur aus, dass, wenn sich der ungläubige Teil scheiden lassen will, er es halt tun soll. Wir sollen erstens daran nicht verzweifeln und zweitens sind wir im Nachhinein nicht weiter an das Ehegelübde gebunden; „zum Frieden hat uns Gott doch berufen“, nicht zur Sklaverei. Amen.
Vers 17
Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er; und so verordne ich es in allen Gemeinden. 1.Kor 7,17
Die folgenden acht Verse, diesen eingeschlossen, habe ich lange nicht verstanden. Das grösste Fragezeichen hatte ich beim Vers 21. Die meisten Bibelübersetzungen sagen dazu, Paulus habe sich dort „verkürzt“ ausgedrückt, dass der Sinn nicht eindeutig herauszulesen ist. Es könne das eine, aber auch genau das Gegenteil bedeuten, ist die Konklusion der Übersetzer.
So habe ich den hier erklärten Sachverhalt zu verstehen versucht, indem ich nach den Grundregeln zum Verständnis der Schrift die Aussage mit dem Kontext des Kapitels des Buches und der gesamten Schrift zu verstehen suchte. – Doch widmen wir uns jetzt dem Eingangsvers dieser Textpassage, welche über den Stand des Christen spricht. „Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er; und so verordne ich es in allen Gemeinden.“ Damit haben wir eine allgemein und für alle Christen verbindliche Aussage; sie gilt für alle Gemeinden. Ob jemand als Jude (in der Beschneidung) oder als Heide (als Unbeschnittener) berufen wird, spielt keine Rolle, er soll in dem Stand bleiben. Was bedeutet das konkret auf unsere Gesellschaft gemünzt? Werde ich als Auszubildender geboren, soll ich mein Leben lang Lehrling bleiben? Oder muss ich meiner Branche, in der ich wo ich Christ wurde arbeitete, ein Leben lang treu bleiben? – Ich meine nicht. Gott ist sehr für die Entwicklung eines Menschen. Er möchte, dass wir während unseres Lebens den Sinn völlig umwandeln, sodass wir Ihm, Christus, gleich werden. Wir haben uns in der sozialen Kompetenz, überhaupt in unserem ganzen Sein, während unseres Lebens viel mehr zu steigern, als in jeder Ausbildung, die uns die Welt anbieten kann. Das Vorher (ungläubiger Mensch) und das Nachher (fertig gereifter Christ) unterscheidet sich wie Tag und Nacht, es sind zwei völlig gegensätzliche Dinge in denen wir es, mit der Hilfe des HERRN, von der einen Seite zur anderen schaffen sollten.
Wir können also sagen, dass der HERR nicht gegen Persönlichkeitsentwicklung ist, vielmehr befürwortet und fördert er sie sehr (Spr 23,19). Der HERR spricht hier also nicht gegen eine Entwicklung; doch in was, ist denn hier gemeint, sollen wir bleiben? – Wir sollen in dem bleiben, „wie der HERR einem jeden zugeteilt hat, wie der HERR einen jeden berufen hat.“ Unsere Berufung kann eine „zum König“ sein, auch wenn wir noch am „Schafe hüten“ sind, um es am Beispiel von David zu veranschaulichen. David war zum Königtum über Israel berufen, dass wusste man längt im Voraus (1. Sam 23,17). An diese Berufung glaubte David nicht immer; während die Bedrängnis (zu) stark wurde, fing er an, daran zu zweifeln und glaubte an frühzeitigen Tod anstelle ihrer Erfüllung (1. Sam 27). David glaubte nicht mehr an die Erfüllung seiner Berufung, liess sie fahren und lief zu den Philistern über, um sein Leben zu retten. Er verliess sein „Beschnitten-Sein“, also unter allen Umständen ein Israelit unter Israeliten zu sein, und ging unter die „Unbeschnittenen“. – Menschen sind Weltmeister im Verdrängen und dem Ausweichen zu Ersatzhandlungen. Plötzlich, wenn im zugeteilten Bereich eine unangenehme Aufgabe ansteht, erinnert man sich daran, dass doch der Frühlingsputz ansteht, welcher zwar auch nicht angenehm zu erledigen ist. Im Blick auf die anstehende Aufgabe ist er aber um einiges leichter zu bewerkstelligen. Die einen sehen in sehr unangenehmen Aufgaben auch das Ende eines Lebensabschnittes und schreiben sich bei einem Lehrgang ein, um etwas völlig Neues anzureissen und das andere unerledigt zu lassen mit der Entschuldigung, eine „höhere“ Aufgabe anpacken zu müssen.
Liebe Leserinnen und Leser! Lassen Sie uns nicht in Ersatzhandlungen flüchten oder in Bereiche zu wechseln, in denen uns unsere Umwelt gerne sähe, aber nicht Gottes Plan entsprechen, uns aber vordergründig leichter zu fallen scheinen! Bleiben wir in der Berufung, in der wir berufen worden sind. Und: Wir dürfen uns darin vom Lernenden zum Meister entwickeln. Amen.
Vers 18
Ist jemand beschnitten berufen worden, so bleibe er bei der Beschneidung; ist jemand unbeschnitten berufen worden, so lasse er sich nicht beschneiden. 1.Kor 7,18
Im Textzusammenhang gesehen, sehen wir an dieser Stelle immer wieder das Element der Entlastung. Christen müssen nicht zu weiss-ich-nicht-was Menschen mutieren. Es gibt Geschwister, die glauben nur Einfluss zu haben, wenn sie sich in die Landesregierung wählen lassen und tun alles dafür, dorthin zu gelangen. Andere glauben, sie müssten unbedingt einen akademischen Grad erreichen, um etwas als Christen zu sagen zu haben, je nachdem, was gerade im Umfeld „angesagt“ ist. – So denkende Menschen haben Gottes Aufnahme ins Reich missverstanden, ansonsten wären alle Christen in den Gefängnissen dieser Welt nicht mit denselben Chancen gesegnet, dem Vater zu gefallen und im Reich zu dienen, wie diejenigen haben, die frei sind.
Ein Christ soll auch nicht danach trachten, Jude zu werden. Als gläubiger Jude ist er nicht mehr vor dem HERRN, wie er als Gläubiger aus den Nationen darstellt, wie geschrieben steht:
Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern <der> durch Liebe wirksame Glaube. Gal 5,6
Israel orientierte Freikirchen machen teilweise – leider kann ich es nicht anders nennen – ein grosses Theater um die jüdische Abstammung und ihrer alttestamentlichen Lehre. Und wenn sich ein Jude zum Glauben bekehrt, geben sie ihm einen speziellen Namen, wie beispielsweise „Messianischer Jude“. – Ich frage mich ernsthaft, was dieser Unsinn soll und ob in solchen Gemeinden die Bibel ernsthaft gelesen wird. Steht denn nicht ausdrücklich geschrieben, dass die jüdische Abstammung, die Abstammung nach dem Fleisch, im Gegensatz zur Abstammung nach dem Geist, wie nichts ist? Steht das nur in meiner Bibel so ausdrücklich geschrieben?
16 Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir <ihn> doch jetzt nicht mehr <so>.
17 Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2.Kor 5,16-17
15 Denn weder Beschneidung noch Unbeschnittensein gilt etwas, sondern eine neue Schöpfung.
16 Und so viele dieser Richtschnur folgen werden, Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes!
17 In Zukunft mache mir keiner Mühe! Denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leib. Gal 6,15-17
Der Drang, zurück zum Gesetz zu gehen und die jüdischen Bräuche als gross zu werten, welche zweifelsfrei während der gegebenen Zeit (von Moses bis zu Johannes dem Täufer; Lk 16,16) absolute Berechtigung hatten, ist heute in Israel orientierten Gemeinden leider wieder hoch. Dort hat man nicht erkannt, dass Christen dem Gesetz gestorben sind. Wird ein Jude Christ, stirbt er dem Gesetz und auch damit allen Traditionen und Bräuchen seiner Väter. Er wird zu einem reinen Christen und nicht zu einer besonderen Art, welche den Namen „Messianischer Jude“ trägt. Paulus sagt von seinen Vorzügen, die er als Benjaminiter, Pharisäer und - nach dem Gesetz - Untadeliger hatte, dass er sie für „Dreck“ hält! Wieso wird dieser „Dreck“ heute denn wieder speziell erwähnt und als „messianisch“ betitelt? Was ist da schief gelaufen?
3 Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen,
4 obwohl auch ich Vertrauen auf Fleisch haben <könnte>. Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch vertrauen <zu können> – ich noch mehr:
5 Beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebräer von Hebräern; dem Gesetz nach ein Pharisäer;
6 dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde; der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden.
7 Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten;
8 ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Grösse der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüsst habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne Phil 3,3-8
Sollen wir uns immer, wenn es eine Möglichkeit gibt, die Tat Christi zu schmälern und der irdischen Abstammung Auftrieb zu geben, einklinken und im Sinnlosen und Bösen mitmachen? – Spreche ich jetzt gegen Israel bzw. die Juden? – Nein, ich wertschätze Gottes irdisches Volk sehr, so, wie ich das himmlische wertschätze! Ich bin lediglich gegen die Vermischung zweier Lehren, die Gott ebenfalls trennt. Das Gesetz galt bis zur Zeit Johannes‘ des Täufers. Danach löste es der HERR ab und verkündigte die neue Verfassung, jene des Reiches der Himmel (Mt 5-7). Das neue Gesetz forderte auch eine neue Priesterschaft, die alte ist vergangen (Heb 7,12). Wir leben nicht in einem Zeitalter, wo beides nebeneinander her geht, das Gesetz und die Gnade, Leviten und Priester nach der Ordnung des Melchisedek. Ansonsten wäre der Galaterbrief fehl am Platz in der Bibel. – Wieso schaffen Christen heute denn eine dritte Spezies, neben aaronitischen und geistlichen Priestern (Juden bzw. Christen), die „Messianischen Juden“? – Diese Bezeichnung ist eine Torheit, welche Verwirrung und, unter Christen, eine Vermischung mit dem Judentum schafft. Es stellt „neuer Wein in alte Schläuche“ dar. Wie gut das geht, können wir in der Schrift, die in dieser Angelegenheit wohl nicht konsultiert wurde, nachlesen (Mt 9,17).
Vers 19
Die Beschneidung ist nichts, und das Unbeschnittensein ist nichts, sondern das Halten der Gebote Gottes. 1.Kor 7,19
Mit diesem Vers bringt es Paulus auf den Punkt. Der Stand des Menschen ist völlig unwichtig im Blick auf das Reich! Es ist sehr von Bedeutung, sich dessen bewusst zu sein; das kann Sie, liebe Leserin und lieber Leser, vor vielen Leerläufen bewahren. Wenn Sie sich zum HERRN bekehren, müssen Sie nicht Klischees entsprechen und beispielsweise in die Mission gehen. Auch sollten Sie nicht danach trachten, in der Politik Fuss zu fassen, um so dem HERRN wirkungsvoller dienen zu können, wie einige Unwissende glauben. – Wer hält „das Heft“ in der Hand, wir oder der Allmächtige, der ganze Länder zur Einöde werden lassen kann? – Auch können wir uns nicht durch eigene Leistungen im Reich empor arbeiten, wie wiederum andere denken. Der HERR ist der, der uns berief, der uns fähig macht, welcher uns mit allem Nötigen versorgt und unsere Geschicke steuert! Was, liebe Leserin und lieber Leser, möchten Sie dem HERRN bringen? Oder in welcher Sache möchten Sie Ihm zu Hilfe eilen?
Wo warst du, als ich die Erde gründete? Teile es mit, wenn du Einsicht kennst! Hiob 38,4
Wo waren wir Menschen, als Gott die Erde gründete? Was für eine Hilfe könnten wir Ihm sein? Bedenken wir, dass wir morgens nur aufstehen, weil er seinen Geist nicht zurückzieht (Hiob 34,14.15). Wenn wir nun nur schon auf Ihn angewiesen sind, um zu sein, mit was wollen wir Ihm zu Hilfe eilen? – Gott helfen zu müssen, sind lächerliche Gedanken!
5 Wer hat ihre Masse bestimmt, wenn du es kennst? Oder wer hat über ihr die Messschnur ausgespannt?
6 Worauf sind ihre Sockel eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt,
7 als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?
8 Wer hat das Meer mit Türen verschlossen, als es hervorbrach, dem Mutterschoss entquoll,
9 als ich Gewölk zu seinem Gewand machte und Wolkendunkel zu seinen Windeln
10 und ich ihm meine Grenze zog und Riegel und Türen einsetzte
11 und sprach: Bis hierher kommst du und nicht weiter, und hier soll aufhören der Stolz deiner Wellen?
12 Hast du einmal in deinem Leben dem Morgen geboten? Hast du die Morgenröte ihre Stätte wissen lassen,
13 damit sie die Enden der Erde erfasse, so dass die Gottlosen von ihr abgeschüttelt werden?
14 Sie verwandelt sich wie Siegelton, und alles steht da wie ein Kleid;
15 und den Gottlosen wird ihr Licht entzogen, und der erhobene Arm wird zerbrochen.
16 Bist du gekommen bis zu den Quellen des Meeres, und hast du den Urgrund der Tiefe durchwandelt?
17 Sind dir die Tore des Todes aufgedeckt worden, und hast du die Tore der Finsternis gesehen?
18 Hast du auf die Breiten der Erde geachtet? Teile es <mir> mit, wenn du das alles erkannt hast!
Hiob 38,5-18
Unser Stand in der Welt ist nichts in Bezug auf das Reich, wir können als Präsident eines Landes oder als Gefangener in einer Zelle dem HERRN gar nichts bieten. Deshalb ist unser Stand so unwichtig! Wir können Ihm weder durch Tat, geschweige denn durch Rat helfen. Oder wollen wir auf die nachfolgende Aufforderung Gottes erwidern: „Ja, Gott, wir wissen, wie du handeln sollst?“ – Gibt es für Menschen, die so antworten wollen, noch eine gesteigerte Form der Selbstüberschätzung?
Gürte doch wie ein Mann deine Lenden! Dann will ich dich fragen, und du sollst mich belehren! Hiob 38,3
Wer Gott gefallen will, soll seine Gebote halten. Er soll Gott Recht geben, dass er die Erlösung in Christus braucht. Danach soll er zu Christus kommen und fortan mit Ihm in Demut wandeln. Dieser Wandel schliesst das Tun der Werke, die von Anfang an geschaffen worden sind, mit ein (Eph 2,10). Es sind nicht eigene Werke bzw. Änderungen des Standes gefragt, sondern das Halten der Gebote Gottes. Wenn wir das befolgen, sind wir auf dem rechten Weg. Wer meint, eigene Wege gehen zu müssen, geht in die Irre (Spr 14,12). Amen.
Vers 20
Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen worden ist. 1.Kor 7,20
Der HERR will nicht, dass wir aufgrund unserer Bekehrung Standesänderungen vornehmen. Eine Änderung unseres Denkens hat freilich stattzufinden. Im unbekehrten Zustand denkt und fühlt der Mensch nach dem Sinn der Welt. Ein bekehrter und wiedergeborener Mensch wächst im Denken des HERRN. Ein solcher soll in Christus wachsen um Ihm ähnlich werden (Eph 4,13-15).
Beim Stand heisst der Grundsatz, dass wir darin bleiben sollen. Nur wenn der HERR eine Standesänderung verlangt, ist eine solche erforderlich. Der HERR kann aufgrund seiner Gnade jemanden, der für den Dienst oder auch so eine Frau benötigt, ihm eine schenken, dass er vom Stand, ledig zu sein, in den Stand eines Verheirateten wechselt. Auch kann in Ausnahmefällen jemand, der beauftragt ist unter Juden zu arbeiten, vom Unbeschnittensein in die Beschneidung wechseln, wie Timotheus (Apg 16,3). Bei Timotheus erforderte es nach Paulus‘ Einschätzung eine Beschneidung, um der Schwachheit der Juden willen. Im Gegensatz zu Timotheus beschnitt er aber Titus nicht, obwohl er ein Grieche war und Paulus mit ihm ins jüdische Zentrum, Jerusalem, reiste (Gal 2,3). – Daraus ist zu ersehen, dass eine Standesänderung nur bei zwingender Erfordernis notwendig werden kann. Ansonsten gilt der Grundsatz, im Stand zu bleiben, in dem ein Christ berufen worden ist. Niemand ist frömmer, wenn er aufgrund der Bekehrung den Stand wechselt. Auch hier geht das Halten der Gebote Gottes hierarchisch vor. Wenn Gott im Blick auf den Stand nichts sagt, ist er auch nicht zu ändern. Auf Eigendünkel basierte Änderungen sind pseudofromm, unnötig und sogar, im Blick auf diesen Vers, rebellischer Art.
Vers 21
Bist du als Sklave berufen worden, so lass es dich nicht kümmern; wenn du aber auch frei werden kannst, mach um so lieber Gebrauch davon! 1.Kor 7,21
Wie unwichtig der weltliche Stand ist, sehen wir auch in diesem Vers. Paulus schreibt den Korinthern, dass es sie, falls sie im Sklavenstand sind, nicht kümmern soll. Niemand soll Gedanken an eine Standesänderung verschwenden. Wenn eine Standesänderung möglich wird und Gott eine solche bahnt, kann, wie wir betrachtet haben, gewechselt werden.
In erster Linie soll niemand meinen durch eine Standesänderung Gott besser dienen zu können. Wir wissen, dass Gott Menschenhilfe nicht nötig hat. Zweitens wissen wir, dass jeder innerhalb seiner Möglichkeiten getestet wird. Von jemandem, dem viel gegeben ist, wird desto mehr gefordert werden und umgekehrt (Lk 12,48). Wird jemand als einflussreicher Mensch berufen, so muss dessen Dienst am HERRN viel mehr abwerfen als der Dienst eines Sklaven, welcher praktisch keine Möglichkeiten hat, für den HERRN etwas zu bewegen. Vor Gott ist aber keiner im Vor- bzw. Nachteil. Der Einflussreiche kann Gott in keiner Sache helfen, wie auch der Sklave nicht, denn alle Dinge wirkt Gott! – Wer das weiss, glückselig ist er!
Gott braucht für sein Werk die Hilfe des Menschen nicht. Er bindet uns zwar ein, damit Er uns, ohne dass wir es verdienen, in seiner Freizügigkeit zusätzlichen Lohn auszahlen kann. Dieser Lohn wird uns gemäss der Möglichkeiten, die wir haben, ausbezahlt. Einfach gesagt bekommt der, der alles gegeben hat, mehr als jener, der nur Teile seiner Habe investiert, ganz gleich, ob Millionen oder nur einige fast wertlose Geldstücke geflossen sind (Mk 12,42-44). Der Stand spielt überhaupt keine Rolle, ob Sie Sklave oder Milliardär sind. Die Bibel sagt nur, dass Sie als Armer die besseren Karten haben (Mt 19,24). Am Ende geht die Welt sowieso – trotz aller Bemühungen der Christen – in den Eimer. Der Abfall wird gross sein und der Antichrist angebetet werden. Es liegt nicht an uns, die Welt zu retten, sie wird verloren gehen. An uns liegt es, die Gebote Gottes zu halten. Wenn wir unsere Aufgaben des Zeugnisses erfüllt haben, werden wir weggenommen bzw. entrückt. Danach richtet Gott die Erde mit furchtbaren Gerichten und läutet im Anschluss das Tausendjährige Reich ein. – Gott wird mit dem Bösen völlig allein und absolut souverän fertig.
Sehen Sie worauf ich hinaus will? – Auch wenn Gott souverän ist, heisst das nicht, dass wir nichts tun sollen (Lk 19,17). Gott treu sein und sein Wort halten; das sind die uns übertragenen Aufgaben, an denen wir fleissig dran bleiben sollen. Wir sollen unsere Energie nicht mit unnützen Dingen verschwenden, indem wir nach nutzlosen Standesänderungen trachten in der irren Meinung, Gott damit besser dienen oder gar helfen zu können. Gott will uns mit dieser Passage der Schrift vor unnötiger Belastung und Zeitverschwendung bewahren. Er möchte nicht, dass wir fruchtlos umherschweifen und uns für nichts abmühen!
Vers 22
Denn der als Sklave im Herrn Berufene ist ein Freigelassener des Herrn; ebenso ist der als Freier Berufene ein Sklave Christi. 1.Kor 7,22
Nochmals wird es uns sehr deutlich vor die Augen geführt, dass der weltliche Stand für die Nachfolge nicht von Bedeutung ist. Ein erretteter Sklave zeigt einen wunderbaren Aspekt des Werkes Christi, wie auch ein erretteter freier Mensch einen anderen Gesichtspunkt zeigt. Damit weist Paulus auf die Tatsache, dass beide Stände gleich von Bedeutung sind. Der Stand des Freien zeigt eine Facette der Erlösung in Christus -, jener des Sklaven aber auch, wenn nicht eine noch herrlichere. Am Beispiel des Sklaven kann der Geist visualisieren, dass ein solcher, der im Leben ausschliesslich unter fremder Herrschaft steht, durch die Tat Christi aus den beherrschenden Banden Satans, des Todes und des Gesetzes in die Freiheit gerettet wurde. Anhand des Beispiels vom Freien, zeigt uns der Geist, dass wir uns als solche nicht dem Eigendünkel (dem eigenen Dafürhalten) verschreiben sollten; denn nicht wir haben uns erkauft, sondern Christus. Somit gehören wir nicht uns, sondern dem HERRN.
Vers 23
Ihr seid um einen Preis erkauft. Werdet nicht Sklaven von Menschen! 1.Kor 7,23
Auf den ersten Blick passt dieser Vers nicht in den Zusammenhang. Weshalb steht gerade an dieser Stelle geschrieben, dass wir nicht Sklaven von Menschen werden sollen? Geht es im Zusammenhang nicht um den Stand, in dem wir bleiben sollen? – Freilich geht es um den Stand, doch dieser Vers behandelt einen zentralen Punkt, weshalb der Mensch trotzdem nach einer Standesänderung trachten kann: Vielfach ist es rein um der Umgebung, um anderer Menschen willen. Nicht selten ist es die Umgebung, die einem suggeriert, was gerade angesagt ist.
Betriebswirtschaftler und Unternehmensberater sind heute überzeugt, dass die Betriebe von tief hierarchischen Strukturen zu flachen Hierarchien wechseln sollten. Die Firmen müssten, um nachhaltig zu sein und am Markt bestehen zu können, zu gänzlich prozessorientierten Strukturen finden; weg von Aufbauorganisationen, die nach Geschäftseinheiten wie „Einkauf, Produktion, Verkauf und Marketing“ organisiert sind und somit Schnittstellen aufweisen und mit (zu)vielen Verantwortungsträgern aufgeteilt sind. Die Berater fordern eine völlige Reorganisierung der Strukturen bei Firmen mit klassischen Formationen, um am Markt überleben zu können.
Was bei wirtschaftlichen Organisationen Sinn machen kann – der Langzeittest für diese Form steht noch aus -, ist für den Menschen, wenn er Christ wird und durch seine neue Ausrichtung im Normalfall ein anderes Umfeld kommt, nicht folgerichtig im Blick auf den Stand. Auch wenn der HERR hohe Anforderungen und somit eine gänzliche Kehrtwende im Leben eines frischen Jüngers fordert, macht der Geist an dieser Stelle klar, dass eine Standesänderung nicht erfolgen muss.
Wenn wir auf eine allfällig von der Umgebung suggerierte Standesänderung hören, machen wir uns zu Sklaven von Menschen. Wenn der HERR keine Änderung verlangt, sollte unser Umfeld auch keine verlangen. Wir sind um einen Preis erkauft worden. Kein Mensch kann ihn überbieten. Daher ist es nicht statthaft, menschliche Ansichten höher als jene Gottes zu werten! Kurz gefasst kann gesagt werden: Eine Änderung der Gesinnung hat bei gläubig gewordenen Menschen zwingend stattzufinden, eine des Standes nicht. Ohne Änderung der Gesinnung kann niemand vor Gott bestehen, wogegen eine Änderung des Standes irrelevant ist und die Bibel als allgemeine Richtung dazu angibt, im aktuellen Stand zu bleiben.
Vers 24
Worin jeder berufen worden ist, Brüder, darin soll er vor Gott bleiben. 1.Kor 7,24
Der Grundgedanke dieses Verses zieht sich durch das ganze Kapitel: Wir sollen uns nicht durch unnötige Dinge zusätzlich belasten und so vom wahren Gottesdienst abgelenkt werden. Je weiter die Zeit vorrückt und die Gottlosigkeit zunimmt, desto schwieriger wird es sein, reinen Gottesdienst darzubringen. Die psychische Belastung für eine Aufgabe nimmt immer mehr zu, je weniger Akzeptanz sie in unserem Umfeld bekommt. Je weniger anerkannt sie ist, desto aufwändiger und nervenaufreibender ist der Verbleib darin. – Dass es sich so verhält, wie ich hier schreibe, ist leicht darzulegen; dazu muss man nicht Psychologe sein. Es wird daher von Jahr zu Jahr und von Monat zu Monat wichtiger, allen unnötigen Ballast abzuwerfen, damit wir die gestellten Aufgaben gut erfüllen können.
Ein Beispiel, dass unnötiger Ballast den Dienst hindert, ja sogar verhindert, gibt uns das Beispiel mit den Söhnen Zadoks ab.
Den geweihten Priestern <soll es gehören>, den Söhnen Zadoks, die meinen Dienst versehen haben, die, als die Söhne Israel abirrten, nicht abgeirrt sind wie die Leviten abgeirrt sind. Hes 48,11
Die Söhne Zadoks geben uns ein positives Beispiel ab. Sie verliessen den Dienst des HERRN nicht, wie die anderen Leviten, als es mit dem Gottesdienst in Israel bergab ging. Diejenigen, die den Dienst verliessen, hatten zwar – menschlich gesehen – gute, ja sehr gute Gründe. Das Einkommen der Priester war der Dienst am Tempel. Sie durften Teile der Opfergaben vom Volk an den HERRN essen bzw. für sich behalten. Wurde das Volk gottlos, brachte es dem HERRN keine Opfer mehr. Die Priester des HERR verarmten in der Folge und hatten nichts mehr zu essen. Solches geschah auch zur Zeit Nehemias, wie wir nachlesen können:
Und ich erkannte, dass die Anteile für die Leviten nicht gegeben worden waren, so dass die Leviten und die Sänger, die den Dienst taten, davongelaufen waren, jeder auf sein Feld. Neh 13,10
Die Leviten verliessen unter harten Bedingungen den vom HERRN verordneten Dienst und suchten ihr Essen in eigener Regie. Das war eine völlig menschliche Reaktion, die nicht aus abgrundtief bösem Antrieb kam. – Die Söhne Zadoks versahen den Dienst trotzdem, sie hielten am Gebot des HERRN fest, ob die Umstände zur Ausführung hart oder einfach waren. Durch diese Tat qualifizierte sie der HERR als gute Diener und ordinierte sie zu beständigen Priestern, die auch in Zukunft, im dritten Tempel, dem HERRN nahen dürfen, wogegen die Leviten, die den Dienst vernachlässigten, nur noch untergeordnete Dienste ausführen dürfen, wie geschrieben steht:
12 Weil sie ihnen vor ihren Götzen gedient haben und dem Haus Israel ein Anstoss zur Schuld geworden sind, darum habe ich meine Hand <zum Schwur> gegen sie erhoben, spricht der Herr, HERR, dass sie ihre Schuld tragen sollen.
13 Sie sollen mir nicht <mehr> nahen, um mir den Priesterdienst auszuüben und um allen meinen heiligen Dingen, den hochheiligen, zu nahen; sondern sie sollen ihre Schmach und ihre Greuel tragen, die sie verübt haben.
14 Und ich mache sie zu solchen, die den Dienst am Tempelhaus versehen, für alle Arbeiten in ihm und für alles, was darin getan werden muss.
15 Aber die Priester, die Leviten, die Söhne Zadoks, die den Dienst an meinem Heiligtum versehen haben, als die Söhne Israel von mir abirrten, sie sollen mir nahen, um mir zu dienen, und sollen vor mir stehen, um mir das Fett und das Blut darzubringen, spricht der Herr, HERR! Hes 44,12-15
Heute befinden wir uns in derselben Situation wie die Leviten damals. Der reine Dienst am HERRN wird durch sehr viele Eigenmeinungen vernachlässigt. Die Christen denken von sich, sie müssten diese und jene (weltlichen) Dinge noch verrichten, um ihre persönliche und wirtschaftliche Position zu sichern, statt sich angemessen dem Dienst am HERRN zu widmen. Die immer grösser werdende Gottlosigkeit verstärkt diese Abkehr vom Dienst, weil er durch sie immer unpopulärer erscheint und selbst in den Augen des Volkes Gottes zur Aufgabe von realitätsfremden Individualisten verkommt. – Dieser Vernachlässigung des Dienstes widerstanden die Söhne Zadoks und qualifizierten sich vor allen anderen Leviten zu bewährten, Gott wohlgefälligen und privilegierten Dienern, wogegen die anderen Leviten sich durch ihr Verhalten folgenschwer disqualifizierten.
Der HERR ermahnt uns mit dieser Passage, unnötigen Ballast zu vermeiden. Wenn es schwer wird, den Dienst des HERRN ausführen zu können, sind wir froh, wenn wir uns nicht an vielen Dingen beteiligt, nicht viele Mandate und sonstige Verpflichtungen haben. Das Gesagte wird mindestens unterstützt durch die Verse 1,7,15,17-24,26-27,29-35,38,40. Es geht immer wieder um unnötigen Ballast, der vermieden werden sollte. Wir sind jetzt Pilger und Zeugen Gottes. Es ist jetzt nicht die Zeit, um sich häuslich einzurichten und es sich wohl ergehen zu lassen. Unser Reich ist das kommende, nicht der jetzige Zeitlauf. – Wer sich unnötigen Dingen hingibt wird schnell merken, dass der Dienst leidet. Er wird nicht zwei Herren dienen können. Vor allem wird der Dienst am HERRN immer schwerer, wenn einem das Umfeld immer härter zeigt, dass es daran nicht interessiert ist. Welcher Diener möchte schon wie ein Jeremia oder ein Hesekiel der einzige seiner Spezies sein? Allein gelassen, verhöhnt und nicht ernst genommen? Schnell verleitet diese Situation dazu, den Dienst zu vernachlässigen.
Wir wissen jetzt aber in tiefgründiger Art, dass der Dienst und die Qualität der Ausführung niemals den gegebenen Umständen angepasst werden darf. Der Dienst ist nach Vorschrift und Auftrag auszuführen, egal, wie das „Wetter“ ist. Das Haus Gottes soll gebaut werden, bei Sonnenschein, Regen und sogar Sturm. Der Auftrag geht vor. Die Umstände sind irrelevant. Glückselig die Arbeiter, die arbeiten und dabei schlanke Rucksäcke tragen.
Vers 25
Über die Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des Herrn; ich gebe aber eine Meinung als einer, der vom Herrn die Barmherzigkeit empfangen hat, vertrauenswürdig zu sein. 1.Kor 7,25
Paulus wendete sich hier mit Empfehlungen, die völlig im Einklang mit dem Zusammenhang des Kapitels stehen, zu den Unverheirateten. Sie gehen in gänzlicher Harmonie mit der Aussage des Kapitels einher, sich von unnötigem Ballast fern zu halten, wie wir sehen werden (siehe auch Vers 32).
Diese Empfehlungen gab er, wie so oft, nicht mit absoluter apostolischer Autorität ab, die er zweifelsfrei anwenden durfte. Schliesslich hat er mit seinem Leben einen Massstab gesetzt; im übertragenen Sinne predigte er nie Wasser, während er selber Wein trank. Paulus lebte das, was er lehrte (2. Kor 11,22ff). - Er gibt an dieser Stelle Ratschläge ab, wie ein Vater es bei seinen Kindern tut, in zärtlicher und sanfter Weise, ohne zu drohen. Er gibt sie ab als einer, „der vom Herrn die Barmherzigkeit empfangen hat, vertrauenswürdig zu sein.“
Aus dem zweiten Korintherbrief ist ersichtlich, dass Paulus seine Ankunft in Korinth mit Absicht verzögerte, um nicht mit Härte und Gericht erscheinen zu müssen (2. Kor 1,23). Er wandelte nach dem Geiste Gottes, in Seinem Sinne und gewährte seinen zu Unterweisenden eine Bedenkfrist; eine Frist, die es den Angesprochenen ermöglichte, einer harten Durchsetzung der Hausordnung Gottes zu entweichen.
Vers 26
Ich meine nun, dass dies um der gegenwärtigen Not willen gut ist, dass es für einen Menschen gut ist, so zu sein. 1.Kor 7,26
Paulus erwähnt in diesem Vers die damals gegenwärtige Not. Um der Not willen, war es gut, möglichst ohne weiteren Ballast zu sein. Er bezeichnete die damalige Zeit als Zeit der Not für Christen. – Können wir heute zurücklehnen und sagen, was für damals galt, hat heute keine Gültigkeit mehr? Heute dürfen wir schliesslich in Üppigkeit leben, zumindest hier im deutschsprachigen Raum. – Solche Gedanken sind nicht geistlich, denn die Gemeinde ist gerade im deutschsprachigen Raum um der Wohlfahrt und Ablenkung willen eingeschlafen. In Bezug auf die normalen Lebensumstände haben wir es im Blick auf andere Erdteile noch sehr gut. In geistlichen Angelegenheiten hingegen nicht. Die Leitung durch den Heiligen Geist wurde durch weltliche Massstäbe über Betriebsorganisation ersetzt. Die Gemeinden sind damit zu Instituten geworden, in denen die Ältestenschaft, welche vielerorts durch junge, unter sechzigjährigen Mitgliedern besetzt ist, betriebswirtschaftliche Strukturen einführen, wie sie sogenannte Non Profit Organisationen haben (z.B. Rotes Kreuz).
Weltliche Non Profit Organisationen (NPO) müssen solche Strukturen haben, weil sie die Normen und die Strategien selber definieren müssen. Christliche Gemeinden, die wie NPO’s funktionieren, ersetzen die Normen und Strategien Gottes durch eigene Werte und Wege zur Zielerreichung. Der Standard, welcher in Matthäus 5-7 gesetzt wurde, wird als utopisch deklariert und durch eigene Leitsätze ersetzt. Die Strategie des HERRN zur Erreichung der Norm, als Beispiel jene der Reinerhaltung der Versammlung (Mt 18,15ff, 1. Kor 5,5-7), wird durch humanistisches Gedankengut ersetzt. Dazu fungiert die „Ältestenschaft“ als Vorstand mit denselben uneingeschränkten Weisungsbefugnissen wie ein Vorstand einer weltlichen Institution. Dies entspricht überhaupt nicht den Anordnungen des HERRN. Uneingeschränkte Weisungsbefugnis ist allein Sache des HERRN in seiner Versammlung. Die Ältestenschaft hat sich strikte daran zu halten und ist nicht autorisiert, weiter zu gehen. – Wieso schreibe ich das alles ausgerechnet zu diesem Vers? – Weil ich die heutige Not, die nicht weniger geworden ist, eher sogar mehr in geistlicher Sicht, darstellen möchte. Wir können überhaupt nicht sagen, dass wir uns einen schwereren „Rucksack“ wie damals leisten können. Es ist immer noch sehr angebracht, ohne unnötigen Ballast für den Dienst des HERRN bereit zu stehen. Der Kummer über die ganze Schieflage in der christlichen Landschaft und die harte Arbeit der wenigen übriggeblieben wahrhaften Diener ist Grund genug und veranlasst uns heute noch mehr, alles wegzulassen, was das Vorankommen hindern könnte. Amen.
Vers 27
Bist du an eine Frau gebunden, so suche nicht los zu werden; bist du frei von einer Frau, so suche keine Frau! 1.Kor 7,27
Der zweite Teil dieses Verses passt sehr gut in den Zusammenhang des hier kommentierten Bibeltextes, der erste ist aber auch notwendig. In diesem Kapitel ist viel darüber geschrieben, dass wir unnötigen Ballast zu tragen vermeiden sollen. – Jetzt will der Heilige Geist aber nicht, dass wir überreagieren. Wer verheiratet ist, soll sich deswegen nicht vom Partner trennen! Das wäre ja im totalen Widerspruch zum göttlichen Gedanken zur Ehe! Wer sich scheiden lässt, um Gott noch besser dienen zu können, liegt völlig falsch. Sollen wir sündigen, damit wir nachher Gott besser dienen können? Denken Sie, dass der Zweck (nachher unabhängig dienen zu können) die Mittel (die Ehe aufzulösen) heiligt? – Niemals gebrauchte unser Vorbild, der HERR, das Böse, um das Gute zu fördern! Und er unterstützt es auch in keiner Art und Weise. Er akzeptierte nicht einmal die Wahrheit aus dem Mund einer Kreatur, die nicht auf Seiner Seite stand (Mk 1,24). Wie Jesus selbst die Wahrheit nicht aus dem Bösen akzeptierte, taten es Seine Diener auch nicht (Apg 16,16). Sollen wir jetzt zu Ehebrechern werden, um Gott besser dienen zu können? – Das sei ferne von uns! Amen.
Vers 28
Wenn du aber doch heiratest, so sündigst du nicht; und wenn die Jungfrau heiratet, so sündigt sie nicht; aber solche werden Bedrängnis für das Fleisch haben; ich aber schone euch. 1.Kor 7,28
Paulus will Unverheiratete schonen, das geht hier klar hervor. Jeder vernünftige Mensch weiss, dass er, rein menschlich gesehen, damit Recht hat. Dazu kommt, dass das Wort göttlich inspiriert und damit unfehlbar ist.
Auch ich war einmal jung und weiss wie es ist, wenn junge Männer und Frauen ernsthaft beginnen Sehnsüchte nach Zweisamkeit zu entwickeln. Die Ehe ist von Gott geschaffen und dieser Vers sagt ausdrücklich aus, dass weder der Mann noch die Frau sündigen, wenn sie heiraten. Die Aussage des Verses deutet lediglich darauf hin, dass der Umstände wegen, in denen sich ein Christ befindet, es besser ist, nicht zu heiraten. Die Ehe ist für den Auftrag quasi eine „garantierte“ Einschränkung. Wer möglichst wenig nicht unbedingt notwendigen Ballast tragen will, soll sich nicht darauf einlassen. Wer es trotzdem tut, sündigt zwar nicht; eine heiratswillige Person soll aber wissen, dass sie, im Blick auf die treue Ausführung des Auftrages Gottes, schwerer tragen wird als ledige Menschen. Ausdrücklich heisst es durch den Heiligen Geist, dass solche Bedrängnis für das Fleisch haben werden. Das Wort „werden“ steht prophetisch für den sicheren Eintritt der Bedrängnis da und schliesst einen wahrscheinlichen aus.
Lassen Sie mich, liebe Leserinnen und liebe Leser, als älterer Bruder etwas bemerken: Die Ehe kann leichtfertig als Weg in eine schönere und bessere Bewältigung des Lebens betrachtet werden. Es gibt mit Sicherheit Menschen, welche die Ehe als Anker in der wogenden See eines stürmischen Lebens sehen, als Rettung und Ruhepol sozusagen, so, wie es Paare gibt, die in schwierigen Zeiten im irrigen Glauben sind, ein gemeinsames Kind könne ihre angeschlagene Partnerschaft retten. – Lassen Sie sich da nicht täuschen und begeben Sie sich nicht in Ersatzwelten, um der Realität zu entfliehen! Wenn Sie heiraten, tun Sie es aus voller Überzeugung und ja nicht im Glauben, die Ehe würde Ihnen das Leben erleichtern! Männer sollen an dieser Stelle wissen, dass die Ehe nicht nur aus einer Partnerin besteht, die es einem ermöglicht, sich an ihrem Busen zu berauschen. Das Letztere soll auch Inhalt einer Ehe sein, was natürlich die Sehnsucht eines jeden Ehemannes ist, wie es treffend im ewigen Wort festgehalten ist:
Die liebliche Hirschkuh und anmutige Gemse – ihre Brüste sollen dich berauschen jederzeit, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar! Spr 5,19
Dieser eben zitierte Vers macht jedoch nur einen kleinen Bruchteil der Ehe aus. Eine Ehe fordert sehr viele Kompromisse. Beide Parteien müssen bewusst Stücke ihrer Freiheit aufgeben, um den Weg des Lebens gemeinsam in Frieden gehen zu können. Sobald eine Partei beginnt, die andere zu beherrschen, fangen die Zerreissproben an. Dazu kommen vielleicht Kinder, die einem den Schlaf rauben, die Partnerin für sich einnehmen können und viel, sehr viel Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein fordern. Lassen wir uns da ja nicht von einigen schönen Augenblicken, die Inhalt der Ehe sein sollten, verleiten zu sagen, die Partnerschaft würde insgesamt das Leben erleichtern. Genau das Gegenteil ist der Fall; das ist die Wahrheit. – Sage ich jetzt damit, dass die Ehe nur schlimm ist? – Nein, das ist überhaupt nicht meine Absicht! Ich will nur nicht, dass sich jemand im Glauben, alles werde dadurch besser, in eine Ehe „flieht“. Wer heiraten will, soll es im nüchternen und überlegten Zustand tun. Die Ehe ist von Gott geschaffen und somit auch gesegnet. Heiratswillige sollen aber wissen, dass Paulus um der Schonung des gottesfürchtigen Menschen willen folgendes geschrieben hat: „Solche werden Bedrängnis für das Fleisch haben; ich aber schone euch.“ Amen.
Vers 29
Dies aber sage ich, Brüder: Die Zeit ist begrenzt: dass künftig die, die Frauen haben, seien, als hätten sie keine, 1.Kor 7,29
Auch mit diesem Vers bleibt der Textzusammenhang völlig harmonisch. Es geht um einen Auftrag, für den wir nicht die Ewigkeit zur Verfügung haben. Im Leben ist alles in Bewegung, für alles gibt es eine Zeit. Wie es die Zeit zum Aufstehen gibt, gibt es eine, sich niederzulegen (Pred 3,1-8). Versäumte Dinge können oft nicht mehr nachgeholt werden. Wenn der Bauer im Frühling nicht sät, kann er es zur Zeit der Ernte nicht mehr nachholen; er hat die Frühlingszeit verschlafen oder für nichtige Dinge verschwendet (Spr 12,11).
Die Zeit für die Ausbildung und den Auftrag Gottes ist begrenzt. Das sollen wir wissen. Dieses Wissen soll uns in die Haltung versetzen, dass wir ihn in den Vordergrund stellen. Die anderen Bestandteile in unserem Lebensmosaik sollen diesbezüglich in den Hintergrund treten. Ich verwende dabei bewusst das Wort „diesbezüglich“. Ein weniger glücklich verheirateter Mensch bekommt durch diesen Vers nicht den (vielleicht erwünschten) Freipass, den Partner zu vernachlässigen, sowie der glücklich Verheiratete nicht glauben sollte, die Liebe für das Gegenüber müsse etwas abkühlen. Das wäre ein fataler Missbrauch dieser Schriftstelle. Wir sollten uns einprägen, dass die Liebe füreinander verbindlich und gottgewollt ist (Eph 5,25; Kol 3,19; Tit 2,4).
Im Kontext sagt mit diesem Vers zusammen aus, dass wir uns von Allem, das den Auftrag hindern bzw. verzögern könnte, fern halten sollen. Sollten wir uns erlaubte „Zusatzlast“ aufladen, dann soll sie so ins Mosaik eingereiht werden, dass der Auftrag nicht zum Stillstand kommt. Sie soll durch Mehrarbeit getragen werden, der Auftrag bleibt.
Unabhängige Christen können nach getaner Arbeit ausruhen, gebundene müssen sich weiter um den Ehepartner, die Kinder und das (evtl. noch erzwungene) Hobby kümmern. Wenn sich eine stark belastete Person dann fragt, wieso ihr das Leben sehr hart erscheint, wo doch die Last des Christus nach der Schrift leicht ist (Mt 11,30), so soll sie sich in erster Linie fragen, was sie sich denn neben dem Auftrag noch für sonstige Verpflichtungen eigenmächtig aufgeladen hat. – Lassen Sie mich da nochmals die Ehe erwähnen. Verheiratete sollen sich dessen bewusst sein, dass sie sich mit der Ehe zusätzliche Verpflichtungen, die jetzt nicht zurückgestellt werden dürfen, aufgeladen haben. Sie haben sich dem Auftrag trotzdem zu stellen, wobei die Ehe nicht zu vernachlässigen ist. Die Konstellation mit den zusätzlichen Komponenten bedeutet Mehrarbeit. Es ist nicht gestattet, zugunsten des einen (Auftrag) das andere (Ehe) zu vernachlässigen. Verpflichtungen sind wie Verträge, bei denen es gilt, sie einzuhalten. Der Auftrag und das Leben mit Gott sind aber so wichtig, dass alles andere so erscheinen sollte, als wäre es inexistent. Damit schliesse ich mit den Worten Paulus‘. Amen.
Vers 30
und die Weinenden, als weinten sie nicht, und die sich Freuenden, als freuten sie sich nicht, und die Kaufenden, als behielten sie es nicht, 1.Kor 7,30
Wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, sollten Gefühlsregungen unseren Auftrag, der hier auf Erden glücklicherweise begrenzt ist, nicht schmälern. Wir sind als Christen im Feindesland; wer das nicht realisiert hat, schläft. Zur Erinnerung möchte ich drei Verse zitieren:
Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. 2.Tim 2,4
Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so grosse Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, Hebr 12,1
Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe; so seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben. Mt 10,16
Der HERR rettete uns aus einem total verkehrten Geschlecht, einem Geschlecht, das sich selbst durch die Verführung der Schlange für Gott untauglich gemacht hat. Er hat uns gerettet, physisch wandeln wir aber noch am gleichen Ort. Wir haben lediglich die Seiten gewechselt und wurden für die Welt von Freunden zu Feinden, weil wir gegen sie zeugen und sagen, dass ihre Werke böse sind (Joh 3,19). Unser begrenzter Auftrag vom HERRN, welcher aber immerhin unser irdisches Leben lang andauert, bleibt bestehen, auch wenn es manchmal den Eindruck macht, dass ihn einige aus dem Volk Gottes weder ausführen noch zu kennen scheinen. Für solche wird das Thema in den letzten Versen des hier behandelten Kapitels nichtssagend sein. So denkende Christen freuen sich über gekaufte Dinge, als ob sie für die Ewigkeit wären. Oder sie weinen über eine Sache, als ob sie endgültig und für alle Zeiten so bleiben wird. – Vergessen wir nicht: Der HERR wird am Ende dieses Zeitalters uns vom jetzigen Auftrag entbinden, abrechnen und jedem nach dem Prinzip des Säen und Erntens das ihm Zustehende geben. Wer den Auftrag um der weltlichen Dinge vergessen oder vernachlässigt hat, der gleicht nicht fruchtbarem Boden. Ich möchte Euch zeigen, liebe Leserin und lieber Leser, wem er gleicht:
20 Bei dem aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt;
21 er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur <ein Mensch> des Augenblicks; und wenn Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoss.
22 Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht. Mt 13,20-22
Menschen, die dem HERRN nur steinigen Boden bzw. Dornen anbieten, vernachlässigen den Auftrag, wenn Verfolgungen aufkommen. Dasselbe geschieht durch das Weinen (Sorge der Zeit) oder das Freuen, welches in Einzelfällen auch durch den Betrug des Reichtums aufkommen kann; beides lässt das Individuum vom Fruchtbringen und somit vom Auftrag abkommen, wenn zugelassen wird, dass Gefühlsregungen einen übermässig einnehmen. Unser Vers befiehlt uns nicht, gefühlslos zu werden. Er sagt lediglich aus, dass uns weder Gefühle noch Anschaffungen übermässig einnehmen sollen. Alles, was in der jetzigen Zeit über uns kommt, ist temporär, sogar ein Verlust eines geliebten Menschen, der Gesundheit oder des Vermögens. Der HERR ist fähig, allen Schaden auszugleichen und wett zu machen, den uns der Teufel, die Welt und der Tod zufügen kann. Wer an diesem Wissen festhält, wird Temporärem und Untergeordnetem, wie Gefühlen oder Anschaffungen, nicht übermässigen Raum geben. Amen.
Vers 31
und die die Welt Nutzenden, als benutzten sie sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. 1.Kor 7,31
Weder Gefühle noch Gegenstände dieser Welt sollten uns vom Auftrag Gottes abhalten, wird im Vers 30 behandelt. Mit diesem Vers kommt eine Weisung an alle, welche die Welt intensiv nutzen. Die Welt nutzen kann im neutralen Sinn gesehen werden und hat nicht mit dem negativen Thema „die Welt lieben“ zu tun. Wer die Welt liebt, verurteilt sie nicht und freut sich an Ungerechtigkeit und Sünde, welche zum Charakter der Welt gehören. Die Welt nutzen wir Christen hingegen alle für unser Auskommen – und das ist völlig legal. Die Welt gehört Gott, ihr Wesen und Charakter ist aber durch den Fürst dieser Welt, den Teufel, bestimmt.
Wer die Welt für das Auskommen nutzt, tut nichts Falsches. Dieses Auskommen kann selbständiger oder unselbständiger Art sein. Christen können für ihr Einkommen selbständig sein oder sich anstellen lassen. Dabei ist einfach zu beachten, dass das Nutzen dieser Welt nicht plötzlich einen zu hohen Stellenwert bekommt. Wir sollen wissen, dass die Gestalt, die jetzigen Organisationsmuster der Welt verloren gehen werden.
Christen, die beginnen ihren Job oder ihre Firma übermässig zu lieben, laufen Gefahr, ihr Herz an etwas Vergängliches zu hängen. Sie könnten die Prioritäten falsch setzen. Die Vernunft sagt uns, dass Ewiges hierarchisch vor Vergänglichem kommt. Wer mehr in das Vergängliche investiert und dabei das Ewige vernachlässigt, ist dumm. Ein solcher gleicht jemandem, der seine Schulzeit mit Nichtigem statt mit Lernen zugebracht hat. Weil er sehr kurzfristige Vergnügungen bevorzugte, büsst er dafür sein restliches Leben lang mit geringem Status, unqualifizierten Arbeiten und einem winzigen Lohn. – Ich bringe diesen Vergleich als Beispiel und weiss sehr wohl, dass Menschen durch Krankheiten oder Umstände unverschuldet in solche Lagen kommen können. Beispiele haben daher auch ihre Begrenzung, doch sind sie oft sehr hilfreich, einen Sachverhalt besser darzustellen. – Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und liebe Leser, die Prioritäten richtig setzen! Amen.
Vers 32
Ich will aber, dass ihr ohne Sorge seid. Der Unverheiratete ist für die <Sache> des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge; 1.Kor 7,32
Wie der HERR es will, so will es sein Diener, Paulus: Wir sollen ohne Sorge sein. Der HERR drückt das zum Beispiel im Matthäusevangelium (6,25; 11,30) aus. In den Versen in Klammern sagt der HERR, dass wir uns erstens nicht um alltägliche Bedürfnisse sorgen sollen und zweitens, dass sein Joch sanft und seine Last leicht ist. Wer die Aufgabe des HERRN als schwer empfindet, befindet sich nicht in Übereinstimmung mit der Schrift. Ein solcher muss sich ernsthaft fragen, ob er mit eigenen Wünschen sein Aufgabengebiet zu gross gemacht hat, sodass er die aufgetragenen Arbeiten des HERRN als Last empfindet.
Aus diesem Kapitel ist zu ersehen, dass vieles erlaubt ist, jedoch nicht alles nützlich (siehe auch 1.Kor 10,23). Es ist erlaubt zu heiraten. Wer heiratet, soll aber wissen, dass er sein Aufgabengebiet erweitert und nicht einfach verlagert. Die Aufgabe des HERRN bleibt bestehen, dazu kommt die Verantwortung als Ehemann bzw. –frau und die über allfällige Kinder. Für die Person, die nicht heiratet, bleibt ein kleineres Aufgabengebiet und somit eine kleinere Last zu tragen.
Der HERR fordert eine korrekte Einhaltung unserer Verpflichtungen. Wer Verträge abschliesst, soll sie auch einhalten. Wer eine Ehe eingeht, soll das Gesetz der Ehe einhalten. Wer eine Ehe und ein Mietvertrag eines Hobbyraumes eingeht, soll das Gesetz der Ehe und die Abmachungen im Mietvertrag für den Hobbyraum einhalten. Wer eine Ehe eingeht, einen Hobbyraum mietet und einen Leasingvertrag mit dem Autohändler abschliesst, ist verpflichtet, alle drei Obligationen vollumfänglich zu erfüllen. Die eine löst die andere nicht ab. – Leider gibt es Christen, die eigenmächtig bestimmen, dass die Verpflichtung, dem HERRN zu dienen, durch andere Aufgaben und Verträge aufgehoben wird. Es gibt tatsächlich Christen, die sagen, dass die Aufgaben der Ehe sie von den Aufgaben des HERRN entbindet. Solche gleichen Menschen, die sagen, ihr Wohnungsmietvertrag würde sie von der Abgabe der Staatsteuern entbinden! – Eine solche Einstellung ist völlig daneben und realitätsfremd. Sollen wir uns den gleichen Vorwurf vom HERRN gefallen lassen, wie das Volk Gottes sich ihn zur Zeit Maleachis hatte gefallen lassen müssen?
7 Seit den Tagen eurer Väter seid ihr von meinen Ordnungen abgewichen und habt <sie> nicht beachtet. Kehrt um zu mir! Und ich kehre um zu euch, spricht der HERR der Heerscharen. Ihr aber sagt: »Worin sollen wir umkehren?«
8 Darf ein Mensch Gott berauben? Ja, ihr beraubt mich! – Ihr aber sagt: »Worin haben wir dich beraubt?« Im Zehnten und im Hebopfer.
9 Mit dem Fluch seid ihr verflucht, mich aber beraubt ihr <weiterhin>, ihr, die ganze Nation! 10 Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, damit Nahrung in meinem Haus ist! Und prüft mich doch darin, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen ausgiessen werde bis zum Übermass!
11 Und ich werde um euretwillen den Fresser bedrohen, damit er euch die Frucht des Erdbodens nicht verdirbt und damit euch der Weinstock auf dem Feld nicht fruchtleer bleibt, spricht der HERR der Heerscharen. Mal 3,7-11
Wie wir wissen, fingen die Israeliten an, den Zehnten nicht mehr ins Haus Gottes abzuliefern, so dass im Hause des HERRN nicht genügend Speise für die Diener des HERRN (Priester und Leviten) war (Neh 13,10). – Dafür konnte es viele Gründe geben. Zum Beispiel Grössenwahn. Wenn ein Israelit sich beispielsweise mehr Bedienstete anstellte, als er mit der Abgabe des Zehnten bezahlen konnte, so stellte er die Zahlung an den HERRN ein, um seinen privaten Verpflichtungen nachkommen zu können. – Auch wir können, in unserer Zeit, den HERRN berauben, indem wir das Ihm Zustehende für unsere (zu)vielen Verpflichtungen aufbrauchen. Wer alles eine „Schuhnummer“ zu gross dimensioniert, sei es Haus, Wohnung, Hobby und was auch immer, dem bleibt am Ende für den HERRN nichts mehr übrig. Oder er empfindet die Forderung des HERRN als ungerechtfertigt und hart, wo er doch so viele Ausgaben hat.
Lassen Sie uns unser Leben so ordnen, dass die Aufgaben und Ausgaben für den HERRN eine leichte Last bleiben, wie es der HERR wünscht. Derjenige, der zu viele Verpflichtungen eingeht, macht sich das Leben selber schwer und hat kein Anrecht, beim HERRN über seine Belastung zu jammern.
Vers 33
der Verheiratete aber ist um die <Dinge> der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge, 1.Kor 7,33
Mit diesem Beispiel veranschaulicht uns Paulus durch den Geist sehr schön, wie es mit zusätzlichen Verpflichtungen läuft, vor allem bei solchen, die uns sehr nahe stehen. Ein Hobby oder ein zusätzliches Verkehrsmittel, wie ein Motorrad beispielsweise, können wir auch mal stehen lassen, wenn es der Auftrag Gottes erfordert. Im angeführten Beispiel mit dem Ehepartner geht das nicht bzw. nur in gegenseitiger Übereinkunft. Die Ehe ist eine Verpflichtung fürs Leben; das soll jeder heiratswillige Christ wissen.
Wiederum möchte ich an dieser Stelle unterstreichen, dass ich in keiner Weise die Absicht habe, gegen die Ehe zu schreiben! Was ich hier versuche darzustellen ist eine übersichtliche Auslegeordnung möglicher Lebensumstände von Christen. Der HERR stellt uns die begehbaren Lebenswege und auch sich selber sehr transparent dar. Es ist als ob er uns auf seine Knie nimmt und als Vater zu uns Kindern spricht: „Schau, wenn Du diesen Weg einschlägst, wird er diese Freuden und Mehraufwände bringen, beim anderen Pfad sieht es so und so aus.“ – Bei Gott werden keine Mogelpackungen verkauft; Er ist ein Gott, der deutlich ist.
Vers 34
und <so> ist er geteilt. Die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist für die <Sache> des Herrn besorgt, damit sie heilig sei an Leib und Geist; die Verheiratete aber ist für die <Sache> der Welt besorgt, wie sie dem Mann gefallen möge. 1.Kor 7,34
Wie erwähnt, sollten heiratswillige Christen wissen, dass sie Gott womöglich nie mehr in einer völlig ungeteilten Art dienen können. Es kommt nicht selten vor, dass auf die natürliche Einschränkung, die eine Ehe mit sich bringt, weitere durch Charakterschwächen der Partner folgen. Ich weiss von Männern, die sich ihrer herrischen Frau unterworfen haben und nicht mehr in der (positiven) Art leben, wie sie es früher taten. Umgekehrt sah ich gottesfürchtige Frauen, welche sich einen lauen Ehemann nahmen und in der Folge viel von ihrem Feuer für den HERRN verloren haben.
Erneut sage ich an dieser Stelle – und ich weiss, dass ich mich schon x-mal wiederhole -, dass ich nicht von einer Ehe abrate. Die Schrift rät gar solchen, die sich nicht enthalten können, zur Ehe. Paulus zeigt ganz neutral auf, was für Verpflichtungen damit verbunden sind. Die Aufklärung hierüber verhält sich beispielhaft wie im Tierladen, wo ein Unkundiger einen süssen Hund sieht und ihn sofort nach Hause nehmen will. Die Verkäuferin im Laden macht diesen Menschen vor dem Kauf darauf aufmerksam, dass dieser Hund ein Lebewesen ist, welches fortwährend Aufmerksamkeit, Platz, Futter, ausgedehnte Spaziergänge, viel Geld für Untersuchungen oder allfällige Ferienplatzierungen und so weiter braucht. Die Verkäuferin sagt dem Menschen nicht, er dürfe sich partout kein Haustier zulegen. Sie sagt nur, was für Konsequenzen und Einschränkungen der Kauf mit sich bringt. Genau so erklärt es uns der Geist Gottes. Er lässt uns nicht im Ungewissen. Wer heiraten will, soll es im vollen Bewusstsein tun. Es soll nicht zur Ablenkung bzw. reinen Stillung der sexuellen Bedürfnisse geheiratet werden. Geheiratet wird nicht für den Augenblick, sondern für das ganze Leben.
Ein wegen des Auftrags unverheiratet gebliebener Mensch ist bezüglich Leib und Geist wie ein Nasiräer Gottes (4. Mo 6,1-21); jemand, der freiwillig zugunsten des HERRN auf temporäre Freuden verzichtet. Wer es fassen kann, der fasse es. Amen.
Vers 35
Dies aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen, nicht, um euch eine Schlinge überzuwerfen, sondern damit ihr ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim Herrn bleibt. 1.Kor 7,35
All die Verse, die nun von einer Ehe abraten im Blick auf die Situation, in der wir uns als Diener Gottes befinden, könnten Anlass geben zu glauben, Paulus wolle den Christen eine Möglichkeit, das Leben „spannender“ zu machen, verschliessen. Dass Paulus uns nichts vorenthalten will, erklärt uns dieser Vers: Er will uns keine Schlinge überwerfen. Seine Anordnungen sind allein dazu da, ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim HERRN zu bleiben. Die Ehe kann ablenken, sehr sogar; sie kann es durch lustvolle Möglichkeiten, sowie durch Leiden, die eine Familie zu haben mit sich bringen kann. Unser Kapitel sieben im 1. Korintherbrief ist auch dazu da, dass der Christ bzw. die Christin alle Fakten hat, um gut abwägen zu können. Jedermann soll alle Fakten für sein Leben haben und nicht im Nachhinein sagen können: „Wenn mir das doch nur einer gesagt hätte!“ Gott ist ein HERR der Transparenz für die Seinen. Jemandem, der Ihn verwirft, offenbart Er sich nicht; für was auch? Sollte er seine Perlen vor die Schweine werfen, damit sie sie zertreten? – Letztere machen sowieso, was sie wollen.
Für solche, die nach dem Abwägen aller Fakten glauben, heiraten zu können und im HERRN zu bleiben, möchte ich an dieser Stelle einen Vers der Ermutigung zitieren:
Wer eine Frau gefunden, hat Gutes gefunden und hat Wohlgefallen erlangt von dem HERRN. Spr 18,22
Haus und Habe sind ein Erbteil der Väter, von dem HERRN aber ist eine einsichtsvolle Frau. Spr 19,14
Diese beiden Verse sagen Heiratswilligen aus, dass, einen Partner zu haben, durchaus vom HERRN kommen kann, die Wahl jedoch unbedingt dem HERRN überlassen werden sollte. Eine einsichtsvolle Frau kommt vom HERRN. Im Eigendünkel kann schnell ein Fehlgriff passieren, der dann ein Leben lang anhält oder in einer für Christen sehr unrühmlichen und schriftwidrigen Scheidung endet.
Bereits verheirateten Menschen gebe ich folgenden Rat: Erfreuen Sie sich an Ihrem Partner und bedenken Sie folgendes in Zeiten der Ehekrise:
15 Trinke Wasser aus deiner <eigenen> Zisterne und was aus deinem Brunnen quillt.
16 Sollen nach draussen verströmen deine Quellen, auf die Plätze die Wasserbäche?
17 Dir allein sollen sie gehören, doch keinem Fremden neben dir.
18 Deine Quelle sei gesegnet, erfreue dich an der Frau deiner Jugend!
19 Die liebliche Hirschkuh und anmutige Gemse – ihre Brüste sollen dich berauschen jederzeit, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar!
20 Warum solltest du, mein Sohn, an einer Fremden taumeln und den Busen einer anderen umarmen? –
21 Denn vor den Augen des HERRN <liegen> eines jeden Wege, und auf alle seine Bahnen gibt er acht. Spr 5,15-21
In schwierigen Zeiten der Ehe ist es nie, aber gar nie!, nützlich, wenn Sie die Augen nach anderen Partnern umherschweifen lassen. Die Krise wird dadurch nicht besser, vielmehr fördert solches Benehmen die Isolation und das berüchtigte „Auseinanderleben“. Wer die Hoffnung auf Besserung in der eigenen Ehe aufgegeben hat, kann solchem „Augen umherschweifen lassen“ anheimfallen. – Tun Sie das nie und nimmer; es wäre der Anfang Ihres Untergangs! Statt die Ehe wiederzubeleben, fängt man in der Ausschau nach „besseren“ Partnern an, die eigene Ehe ganz abzuschreiben und die Phantasie voll und ganz dem Ehebruch zu widmen, welcher, nur schon in Gedanken vollzogen, als voll durchgeführt gilt (Mt 5,28). Das Interesse am eigenen Partner und sogar der ganzen Familie kann so sehr sinken und die eigenen „Quellen“ verströmen nach draussen (Spr 5,16). Die Aufmerksamkeit gilt dann Fremden und die eigenen Angehörigen ernten Desinteresse. Damit tun Sie niemandem einen Gefallen und haben in sträflicher Art ihre Verantwortung, dem eigenen Fleisch gegenüber, fallen gelassen! – Die Verantwortung bleibt in guten, sowie in schlechten Zeiten dieselbe! Amen.
Vers 36
Wenn aber jemand denkt, er handle ungeziemend mit seiner Jungfrau, wenn er in der Vollkraft steht, und es muss so geschehen, so tue er, was er will; er sündigt nicht; sie sollen heiraten. 1.Kor 7,36
Das Kapitel sieben im 1. Korintherbrief sagt klar aus, dass grundsätzlich Ledige besser entschieden haben als Verheiratete. Die Ledigen haben um der Umstände willen besser entschieden, nicht deshalb, weil heiraten an und für sich schlecht wäre. Um der gegebenen Umstände willen fährt man im Moment im Zivilstand „ledig“ besser, als Verheiratete es tun. Es geht um die momentane Situation; es geht nicht darum, den Ehebund abzuwerten.
Die Ehe ist von Gott geschaffen. Das Gute kommt vom HERRN. Die Ehe ist gut. Christus selbst trachtet danach. Und selbst Er wird heiraten (2. Kor 11,2; Offb 19,6ff).
Das Gute ist aber nicht in jeder Situation hilfreich. Ein vom Kampf sehr eingenommener Soldat, der von einer hübschen Frau gedrängt wird, sie zu heiraten, wird sich das gut überlegen. Wenn dadurch seine Truppe gefährdet wird und sein Dienst darunter leidet, ist eine Ehe für ihn nicht geeignet, obschon die Ehe selbst eine gute Sache ist. Sie ist aber in seiner Situation so unpassend, wie wenn jemand einem Bergbauern, welcher ein neues Transportmittel braucht, eine Harley Davidson, das Kultmotorrad, besorgt. Das Motorrad ist nichts Schlechtes, doch es ist für die Situation eines Menschen, der in den Bergen arbeitet, als Transportmittel völlig ungeeignet. Der Bergbauer braucht ein vierrädriges, allrad- oder raupengetriebenes Fahrzeug, um in jeder Jahreszeit an den Bestimmungsort zu kommen. – So ist die Ehe keine schlechte Sache, sie ist gut und gottgegeben, passt aber nicht in jedes Leben hinein. Heiratswillige sollen ihre Lage übersehen, bevor sie anfangen Ehepläne zu schmieden. Wenn Gott einen Heiratswilligen mit ausreichenden Kräften ausstattet, die einen erweiterten Verantwortungsbereich ermöglichen bzw. eine Mehrbelastung erlauben „und es muss so geschehen, so tue er, was er will; er sündigt nicht; sie sollen heiraten.“ Amen.
Vers 37
Wer aber im Herzen feststeht und keine Not, sondern Macht hat über seinen eigenen Willen und dies in seinem Herzen beschlossen hat, seine Jungfrau zu bewahren, der handelt gut. 1.Kor 7,37
Die Verse 25-40 dieses Kapitels, mit dem Ratschlag an die Unverheirateten, zeigen in eine eindeutige Richtung, obschon die Ehe an und für sich eine gute Sache ist. Sie sagen aus, dass man um der gegenwärtigen Not willen es besser bleiben lässt, zu heiraten.
Nun gibt es eher schüchterne Menschen, die einfach Mühe haben, einen Partner zu finden. Solchen ist empfohlen, sich nicht aktiv auf die Suche zu machen (V 27). Für Menschen, die keine Mühe haben, Kontakte zu knüpfen, steht die Aussage dieses Verses: Wer ohne weiteres zu einem Partner kommt, aber so charakterstark ist, um schadlos entscheiden zu können, zu heiraten oder nicht; so ein Mensch soll ledig bleiben. Mit „schadlos entscheiden“ meine ich eine Entscheidung, zu welcher der Mensch voll und ganz stehen kann, ohne im Nachhinein vor Verlangen zu brennen. So, wie wenn jemand sagen kann: „Ein Partner wäre zwar ganz nett und eine Familie zu haben schön; doch als Christ verzichte ich gerne um des HERRN willen darauf, damit ich mich voll Ihm widmen kann. Ich möchte mich Ihm ganz widmen, als Freund, Knecht, Soldat oder Abgesandter.“ – Es ist klar, wie aus dem nächsten Vers wieder offensichtlich wird, dass eine solche Hingabe die beste Wahl ist. Sie wird bestimmt nicht ohne Lohn bleiben und grosse Anerkennung finden.
Vers 38
Also, wer seine Jungfrau heiratet, handelt gut, und wer <sie> nicht heiratet, wird besser handeln. 1.Kor 7,38
Wer den HERRN nur als König oder Oberbefehlshaber kennt, kann solche Verse vielleicht nicht so einfach verstehen. Ein solcher trachtet vielleicht nach Liebe und Nähe eines menschlichen und irdischen Gegenübers, wie es jeder natürliche Mensch tut, weiss aber dabei nicht, dass der HERR selbst danach trachtet. – Solche Menschen, Personen also, die Gott nur als Herrscher, nicht aber als Vater kennen, haben Jesus in der Regel auch „nur“ als Herrn, nicht aber als Bräutigam erkannt. Sie wissen nicht, dass Gott in der Eigenschaft als Vater nach Liebe, Gemeinschaft und Vertrauen trachtet und Jesus in seiner Eigenschaft als Bräutigam zusätzlich nach steter Zweisamkeit.
Christen können all ihre Sehnsüchte in Gott stillen und so auch – so unglaublich es klingt – Gottes Wünsche erfüllen. Er sehnt sich nach echter Zuneigung des Menschen, nicht nach solchen, die sein Gesetz mit abgekehrtem Herzen erfüllen. Über Menschen, die sein Gesetz mit Opfergaben zelebrierten, aber ein weit von Ihm entferntes Herz hatten, liess der HERR schon vor Jahrtausenden schreiben:
3 Wer ein Rind schlachtet, ist <wie> einer, der einen Menschen erschlägt; wer ein Schaf opfert, ist <wie> einer, der einem Hund das Genick bricht; wer Speisopfer opfert: es ist Schweineblut; wer Weihrauch als Gedächtnisopfer darbringt, ist <wie> einer, der Unheil segnet. Wie diese ihre eigenen Wege gewählt haben und ihre Seele an ihren Scheusalen Gefallen hat,
4 so werde <auch> ich Misshandlung für sie wählen und über sie bringen, wovor ihnen graut, weil ich gerufen habe und niemand geantwortet hat, <weil> ich geredet und sie nicht gehört haben, sondern getan haben, was böse ist in meinen Augen, und das gewählt haben, woran ich kein Gefallen habe. Jes 66,3.4
Wir sind aufgefordert Gott mit aller Kraft, der ganzen Seele und dem ganzen Herzen zu lieben (5. Mo 6,5). Wer das tut, handelt recht. Wer dabei ledig bleibt, wird es einfacher haben, wer heiratet, hat eine zusätzliche Aufgabe, die es zu erfüllen gibt. Weil Paulus uns schonen wollte, riet er von einer Heirat ab. Wer trotzdem heiratet sündigt nicht, hat aber ein erweitertes Aufgabengebiet. Eine Familie zu haben, schmälert Gottes Forderung nach der Liebe und Zuneigung Ihm gegenüber nicht. Amen.
Vers 39
Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will, nur im Herrn <muss es geschehen>. 1.Kor 7,39
Dieser Vers räumt jeden Zweifel aus, dass, wenn geheiratet wird, es im HERRN geschehen muss. – Immer wieder werden Diskussionen geführt, ob ein Christ einen ungläubigen Partner heiraten „darf“. Das Wort „darf“ setze ich bewusst in Anführungszeichen, weil diese Frage gar nicht gestellt werden sollte. Wie kann eine Ehe einer gläubigen Partei mit einer ungläubigen gut im HERRN funktionieren? Entstehen da für die gläubige Partei nicht zwangsläufig Kompromisse? – Zweifelsfrei! Ausserdem ist es nicht statthaft, dass sich zwei unterschiedliche Personen unter das gleiche Joch begeben. Mit anderen Worten ausgedrückt, ist es nicht gut, wenn sich ein gläubiger und ein ungläubiger Partner für eine gemeinsame Zielerreichung (z.B. Ehe) zusammen tun. Die Werte und Moralvorstellungen können sich so gar nicht decken, wie geschrieben steht:
Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? 2.Kor 6,14
Die Schrift spricht da ganz klare Worte. Wenn ein Christ heiraten möchte, sollte selbstverständlich sein, dass die zukünftige Ehefrau (bei einer Christin: der Ehemann) auch gläubig ist. Wenn jemand eine ungläubige Partei in der Hoffnung heiratet, sie zum Glauben zu führen, ist es überspitzt gesagt so, wie wenn ich ein Auto kaufe und dabei hoffe, es mutiere irgendwann einmal zu einem Lastwagen. – Dieser Vergleich mag vielleicht durch die völlige Unmöglichkeit etwas hinken; ich will einfach damit sagen, dass es sehr töricht ist, mit einer solchen Hoffnung zu heiraten. Deshalb zitiere ich den Vers gerne wiederholt: „Nur im Herrn muss es geschehen!“ Amen.
Vers 40
Glückseliger ist sie aber, wenn sie so bleibt, nach meiner Meinung; ich denke aber, dass auch ich Gottes Geist habe. 1.Kor 7,40
Dieses Kapitel schliesst mit der wiederholten Aussage, dass es besser ist, unverheiratet zu bleiben. Somit verstärkt sich die hier behandelte Thematik nochmals. Abschwächend dazu ist zwar die Feststellung Paulus‘, dass es sich nicht um einen direkten Befehl des HERRN handelt, sondern mehr um eine Empfehlung von jemandem, der es wissen muss.
Die Art und Weise, wie im Kapitel sieben Wissen vermittelt wird, deckt sich voll mit folgendem Vers:
denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind; und es gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten worden sind; und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es fassen kann, der fasse es. Mt 19,12
Nicht alle werden verstehen bzw. fassen können, was es heisst, im Neuen Testament ein Abgesonderter des HERRN (Nasiräer) zu sein. Ich hoffe aber, dass durch die Betrachtung dieses Kapitels zumindest für alle deutlich wird, dass selbst auferlegte Zusatzaufgaben, wie beispielsweise Ehe, Freundschaften, Vereinstätigkeiten, Hobby, TV und Internet uns auf gar keinen Fall vom allgemein geforderten Gottesdienst abhalten dürfen (Mt 24,42.46; Lk 14,18; Heb 12,14; u.v.a.). – Gesegnet wird sein, wer sich das zu Herzen nimmt. Amen.