Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der erste Brief an die Thessalonicher

Einleitung

Einleitung folgt

Kapitel 1

Vers 1

Paulus und Silvanus und Timotheus der Gemeinde der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade euch und Friede! 1.Thess 1,1

Paulus schreibt hier gemeinsam mit Silvanus und Timotheus der Gemeinde der Thessalonicher. Paulus nennt Silvanus und Timotheus gleich neben seinem eigenen Namen, obschon Paulus zweifellos der durch Christus am besten ausgebildetste Mann war. Paulus stellt die mitarbeitenden Brüder auf dieselbe Stufe, auf welcher er selbst stand, auf die der geliebten Arbeiter des HERRN, denn bei wahren Arbeitern gibt es keine Neider oder gar Klassenkämpfer; die Wertschätzung eines jeden einzelnen Bruders oder jeder einzelnen Schwester lässt das keinesfalls zu.

Heute ist das in vielen Gemeinden leider ganz anders. Wenn jemand im HERRN Erfolg hat, freuen sich jeweils viele Geschwister nicht mit, obschon sie es durch Christi Gebot tun sollten (Röm 12,15). Von vielen wird einem der geistliche Erfolg leider vergönnt, was ich leider schon sehr oft habe erleben müssen.

Wer der Frage nachgeht, wem wir denn überhaupt dienen, uns selber oder Christus, sollte zur Einsicht kommen, dass die geistlichen Erfolge, die wir feiern, dem HERRN gehören. Wir dienen Ihm! Nur schon diese Erkenntnis sollte dem Neid oder gar dem Klassenkampf keinen Platz lassen!

Vers 2

Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten und unablässig … 1.Thess 1,2

Die direkten Worte Gottes und die Lehre der Apostel, welche die Gesandten Gottes waren, wie auch ihr Vorbild, sind die Wegweiser unseres Lebens, wie wir wissen. An die Lehre der Apostel, die von Christus gesandt waren, hielten sich schon die ersten Christen, wie geschrieben steht:

Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Apg 2,42

Wir sollen so leben, wie es uns Christus vorlebte, aber auch so, wie es uns die Apostel vorgelebt haben. Und hier lesen wir, dass die Apostel dermassen dankbar waren, dass sie Gott allezeit dankten und Geschwister unablässig in Gebeten erwähnten, was voraussetzte, dass sie selbst unablässig im Gebet verharrten. Wir sind nun aufgefordert, es ihnen gleichzutun! Amen.

Vers 3

vor unserem Gott und Vater an euer Werk des Glaubens gedenken und die Bemühung der Liebe und das Ausharren in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus; 1.Thess 1,3

Im Kontext mit dem Vers 2 gedenkt der Apostel allezeit an die Thessalonicher und betet vor Gott ebenso viel für sie. Doch Paulus tut nicht nur das; er gedenkt auch ihrer Werke, die sie vor Gott getan haben. Er gedenkt 1. an das Werk des Glaubens 2. an die Bemühung der Liebe und 3. an das Ausharren in der Hoffnung auf den Herrn Jesus Christus! Paulus denkt an all diese Dinge der Thessalonicher.

An diesem Punkt müsste jeder Leser innehalten. Ich halte auch inne, ich will an dieser Stelle keine weiteren Dinge der Schrift erwähnen, seien sie noch so herrlich. Sie attestieren dem Christen zwar eine gewisse Frömmigkeit, wenn er wissbegierig von jedem Höhepunkt in der Schrift zum nächsten springt. Da am Ende aber die Umsetzung der Schriftworte verlangt ist, bringe ich hier keine weiteren Highlights der Schrift, sondern fordere den Leser und die Leserin ernsthaft auf, sich selbst zu fragen, wo sie angesichts dieser drei Verse im 1. Thessalonicherbrief stehen. Verharren Sie in dem, was uns Christus als Meister vorgezeigt hat? Und verhalten Sie sich wie die Apostel, seine Abgesandten? Denken Sie allzeit an die Geschwister im HERRN und an ihr Wohl oder wäre es Ihnen lieber, wenn wir jetzt zum nächsten biblischen Thema springen würden? Denken Sie an die Glaubenswerke Ihrer Geschwister oder sehen Sie sie eher kritisch? Denken Sie an die Bemühungen der Liebe Ihrer Geschwister oder werden diese Gedanken durch ein falsches Fokussieren auf deren Schwächen verdrängt? Denken Sie an das Ausharren Ihrer Geschwister, wenn diese in Not und Krankheit sind und sehen Sie darin die Beständigkeit ihres Glaubens, selbst wenn sich dieser vielleicht nur schwach bemerkbar macht? – Sollte das nicht der Fall sein, so hat es nur einen bedingten Wert, sich weiteren Themen zu widmen. Weitere Themen könnten vom Wesentlichen, das noch in Schieflage ist, ablenken. Der Gläubige könnte sich mit der Beschäftigung mit weiteren Themen selber täuschen und könnte sich wegen der Beschäftigung mit ihnen sehr fromm fühlen, obschon er nicht einmal grundlegende Themen so verstanden hat, dass er sie auch in die Praxis umsetzt. - Lassen Sie uns anfangen, auch einfach erscheinende Verse ernst zu nehmen und sofort in die Praxis umzusetzen! Amen!

Vers 4

und wir kennen, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung; 1.Thess 1,4

Ein herrlicher Vers! Gott wählt alle Menschen, doch nicht alle lassen sich retten. Doch die es tun, gehören definitiv zur Auswahl Gottes! Gelobt sei unser Herr, der uns geliebt und sich für uns hat schlachten lassen, dass dieser Vers so da stehen kann; dass hier steht, dass es die Auserwählung gibt!

Vers 5

denn unser Evangelium erging an euch nicht im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in grosser Gewissheit; ihr wisst ja, als was für Leute wir um euretwillen unter euch auftraten. 1.Thess 1,5

Gott tut unter Menschen, die nicht glauben wollen, wenig bis keine Wunder. Das wissen wir aus Christi Wirken, der Gott und gelobt in Ewigkeit ist (Mt 12,39; 16,4; Mk 6,5; Lk 11,29).

Bei den Thessalonichern unterstützte Gott die Predigt seiner Apostel mit Kraft und mit Heiligem Geist; sie wirkten in seiner Vollmacht. Diese Tatsache und das Ergebnis, das im nächsten Vers präsentiert wird, gab den Aposteln die Gewissheit der Erwählung der Thessalonicher. Anhand des Vorbildes des Apostels und seinen Gefährten, sahen sie das Werk Gottes in Christus. Das wurde ihnen vorgelebt, damit auch die Thessalonicher gerettet würden.

Vers 6

Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort in viel Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes aufgenommen habt, 1.Thess 1,6

Die vom Teufel regierte Welt bedrängt jemanden, der sich retten lässt, sofort. Der Heilige Geist gleicht diese Bedrängnis mit Freude aus, unter anderem auch, damit es dem Gläubigen nicht zu schwer wird. Der Weg Gottes für einen Gläubigen ist nicht zwingend die Segnung durch irdische Dinge, sondern geprägt durch Friede und Freude im Heiligen Geist, wie geschrieben steht:

Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Röm 14,17

Der Apostel ermutigt die Thessalonicher und attestiert ihnen ein sehr gutes Verhalten, indem er sagt, sie wären seine und des HERRN Nachahmer geworden. – Es ist sehr wichtig, dass wir uns gegenseitig ermutigen, denn viel Bedrängnis kann zu Unsicherheit oder Entmutigung führen.

Vers 7

so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid. 1.Thess 1,7

Die Thessalonicher waren eine sehr gute Gemeinde, sie stellten einen Standard in Mazedonien und in Achaja. Sie lebten nach dem höchsten Gebot (Mt 22,38-40) in der Liebe zueinander, wie geschrieben steht:

9 Was aber die Bruderliebe betrifft, so habt ihr nicht nötig, dass man euch schreibt, denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben;
10 das tut ihr ja auch gegen alle Brüder in ganz Mazedonien. 1.Thess 4,9.10a

Paulus, der auch vom Charakter Christi widerspiegelte, liebte diese Gemeinde sehr und sehnte sich sehr nach ihr. Darin sehen wir, wie sich Christus nach einer Gemeinde sehnt, die Ihn liebt. Eine derartige Gemeinde wird Christus in jeden Fall vor der Grossen Trübsal bewahren, wie Er das der Gemeinde von Philadelphia verspricht (Offb 3,10). Zu beachten ist, dass das, was für Philadelphia gilt, nicht automatisch auf alle Gemeinden übertragen werden kann, am wenigsten auf die Gemeinde in Laodicea, welche kirchengeschichtlich die Gemeinde in der heutigen und letzten Zeit vor der Wiederkunft Christi wiederspiegelt.

Vers 8

Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jeden Ort ist euer Glaube an Gott hinausgedrungen, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen. 1.Thess 1,8

Was für ein herrliches Zeugnis die Gemeinde in Thessalonich doch hatte! Sie war damit auch ein Beispiel dafür, dass das Licht Christi nicht unter einen Scheffel, einen Kübel gehört. Das Licht Christi gehört auf das Lampengestell, damit es alle sehen (Mt 5,15)! Die Thessalonicher waren nicht nur Vorbilder in Sachen Bruderliebe; sie setzten Christi Worte auch konsequent in anderen Bereichen um. Damit werden sie allen Bibellesern zum Vorbild; was sie taten, ist zweifelsfrei nachzuahmen!

Vers 9

Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen 1.Thess 1,9

Betreffend das Zeugnis der Thessalonicher bedurfte es keiner weiteren Verkündigung durch die Apostel. Das Zeugnis war schon zu allen durchgedrungen! – Die Thessalonicher standen im Gegensatz zu vielen heutigen Christen vor der ganzen Welt zum Glauben! In der ganzen Umgegend kannte man ihre Geschichte. Und man wusste nicht nur diffuses Zeug von einem angeblichen Wandel, vielmehr wussten alle genau, was geschehen war: Vorher dienten die Thessalonicher den Götzen, wie es alle taten und heute noch tun, doch nach der Predigt des Paulus bekehrten sie sich zu Gott, um Ihm fortan zu dienen! – Was waren die Thessalonicher doch für Vorbilder, die es nachzuahmen gilt!

Vers 10

und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn. 1.Thess 1,10

Die Thessalonicher bekehrten sich von den toten Götzen zu Gott, dem lebendigen und wahren Gott und erwarteten seinen Sohn aus den Himmeln, welcher uns alle vor dem kommenden Zorn errettet, was man mit anderen Worten so zusammenfassen kann: Sie bekehrten sich zur rettenden Wahrheit! Götzenanbetung ist falsch, denn diese haben im Blick auf die Schöpfung nichts getan und können nichts. Hat jemals ein Götze Israel geholfen, als es dem Götzendienst verfallen war? Israel fiel dadurch nur immer tiefer ins Elend hinein.

Eine Hinwendung zum lebendigen Gott hingegen ist richtig, denn Er hat uns erschaffen und Er liebt uns! Sollten wir Ihn dann nicht wiederlieben und uns nicht zu Ihm bekehren? Und eine Bekehrung zu seinem Sohn ist richtig, denn Er trug das Gericht Gottes für uns am Kreuz, damit es uns nicht trifft. Er rettet uns vor dem kommenden Zorn!

Kapitel 2

Vers 1

Denn ihr selbst wisst, Brüder, dass unser Eingang bei euch nicht vergeblich war; 1.Thess 2,1

Für einen Wortverkündiger ist es das Schönste, wenn seine Arbeit nicht fruchtlos bleibt. Wenn sie einem Verwandten oder Nachbarn oder einem Arbeitskollegen das Evangelium predigen und die Predigt vergeblich war, ist das nichts Aufbauendes. Es macht den Verkündiger vielmehr traurig, dass die befreiende Botschaft Gottes ihre Rettung bei den betreffenden Personen nicht entfalten konnte. Der Gedanke, dass die Zuhörerschaft im völlig verlorenen Zustand verharren will, ist bedrückend! Wenn die Botschaft aber ankommt und Frucht bringt, dann ist das eine sehr herrliche Sache, da sich die Zuhörer vom Tod zum Leben hinüber haben retten lassen!

Vers 2

sondern nachdem wir vorher gelitten hatten und misshandelt worden waren, wie ihr wisst, in Philippi, wurden wir freimütig in unserem Gott, das Evangelium Gottes zu euch zu reden unter viel Kampf. 1.Thess 2,2

Paulus liess sich nicht unterkriegen. Zuerst hatte er viel gelitten und war in Philippi misshandelt worden, obschon er für das Evangelium – die rettende Botschaft für die Menschen – unterwegs war. Die Leiden und Misshandlungen hinderten ihn nicht, trotzdem weiterzumachen und nach Thessalonich zu kommen. Und obschon er in Thessalonich auch wieder viel Wiederstand antraf, führte er seinen Auftrag dennoch aus, was ihm ein sehr herrliches Ergebnis bescherte. Er durfte in Thessalonich eine vorbildliche Gemeinde gründen und damit viele Menschen retten!

Wir alle sind Beauftragte Gottes, die wir den Herrn Jesus Christus in unserem Leben angenommen haben. Er sagte uns, dass wir Licht und Salz in dieser Welt sein sollen. Diesen Auftrag wollen viele unter uns, wenn nicht alle, ausführen, solange alles glatt läuft. Sollten dann aber Widerstände und Probleme auftreten, so lasst uns dem Beispiel des Paulus folgen: Es ist in jedem Fall weiterzumachen! Amen!