Kommentar zum Buch Roemerbrief, Kapitel 12
Verse 1-2
1 Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.
2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Röm 12,1-2
Vers 1
Die Betrachtungen über Gottes Pläne und den diesbezüglichen Lehren enden mit dem 11. Kapitel. Mit dem Kapitel zwölf kommen wir zu der praktischen Anwendung des Gehörten, einer Übertragung in das persönliche Leben des Christen. Das zwölfte Kapitel befasst sich mit dem Verhalten des Christen in der Gemeinde, im Hause Gottes. Das folgende dreizehnte Kapitel gibt uns Ermahnungen zum Verhalten gegenüber der Welt, es sind also Ermahnungen für den Wandel ausserhalb des Hauses.
Im 14. Kapitel schwenkt der Apostel wieder zurück zu den gegenseitigen Verpflichtungen. Er schreibt von Belehrungen, die wiederum der Gemeinde für ein angemessenes und gutes Zusammenleben gelten. Diese gehen bis in das 15. Kapitel hinein.
Wir werden hier ermahnt, nach all dem in den vorangegangenen Kapiteln Gehörten, unsere Leiber als heiliges Opfer darzustellen. Dies sei ein vernünftiger Gottesdienst. Gemeint ist an dieser Stelle der Leib, unser physischer Körper (Soma, gr.), den man anfassen kann. Es ist nicht eine Gesinnung oder Haltung gemeint. Unser Körper soll für Gott ein lebendiges, heiliges und wohlgefälliges Opfer sein. Dies sei ein vernünftiger Gottesdienst.
Über den menschlichen Körper könnte man an dieser Stelle viel erzählen, er ist beispielsweise der Tempel des in uns wohnenden Geistes, der Tempel des Geistes Jesu (1. Kor 6,19). Er gehört nicht uns, sondern Christus, der ihn erkauft hat. Wie das Fleisch des einen bei Verheirateten dem anderen gehört und umgekehrt (1. Kor 7,4), da sie ein Fleisch darstellen, so verhält es sich bei Christus. Wir sind einem Mann verlobt worden (2. Kor 11,2), um als keusche Jungfrau vor Christus zu stehen. Christus hat uns vom Bösen weg erkauft, wir gehören jetzt ihm (Rö 14,7-8; 1. Kor 6,19). Damit ist nicht gemeint, dass wir als Sklaven nach der bösen Art betrachtet werden, wie es die Spötter auslegen. Wir sind wie Jungfrauen, die sich in ihrer vollen Schönheit für den Bräutigam aufbewahren, ohne ihren jugendlichen Körper der Schande oder auch nur ungesunden Strömungen hinzugeben. Eine verlobte Jungfrau hält ihren Körper von allem fern, was ihn aus der Sicht des Bräutigams negativ beeinflussen könnte.
Dies wird von Gott als vernünftiger Gottesdienst betrachtet. Es ist ein Gott Dienen, denn es beinhaltet den Gehorsam gegenüber seinem Willen. Gott möchte nicht, dass wir erkauften und ihm gehörenden Menschen auch nur einen Teil von uns verschmutzen. Nicht die Seele oder der menschliche Geist sollen allein rein bleiben, sondern auch der Körper, mit dem wir unser Inneres ausdrücken. Kein redlicher Bräutigam würde zulassen, dass seine Verlobte nur den Geist und die Seele reinzuhalten versucht und ihren Körper der Schande hingibt.
Wir sehen also klar, dass „Gottesdienst“ nicht allein mit dem Sonntagmorgen verknüpft ist. Das Gott Dienen ist eine Haltung, eine Lebenseinstellung, welche immerfort tragen sollte. Sie dienen Gott viel besser, wenn Sie sich die ganze Woche nach ihm richten und nicht nur am Sonntagmorgen in die Kirche gehen und dabei denken, Gott sei damit befriedigt.
Vers 2
Jetzt ist die Seele an der Reihe: Was nützt es, wenn wir den Leib vom Bösen fernhalten, es aber in den Gedanken hegen? Sollen wir dem Bräutigam eine hübsche und nach aussen keusche Verlobte sein, die innerlich aber damit nicht im Einklang steht? Wäre er damit beeindruckt? – Ganz sicher nicht! Unser Sinn, der wie die Welt dachte, die böse ist (1. Mo 6,5; Mt 7,11; Joh 3,19; u.a.), muss umgewandelt werden. Wir sollen fortan prüfen, was der Wille Gottes ist und nicht handeln, wie die Welt handelt, denn sie vollbringt den Willen des Bösen (Eph 2,2). Dass die Welt böse ist, erklärt der Apostel im Römer 1. In der Gemeinschaft mit Gott unterweist uns seine Gnade im Heiligen Geist (Joh 14,26), um all das ergreifen zu können (Tit 2,12), die Grundlagen dazu werden im Römer 8 gelegt.
Vers 3
3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher <von sich> zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Mass des Glaubens zugeteilt hat. Röm 12,3
Vers 3
Dieser Vers enthält eine Kernaussage. Paulus weist vor der Enthüllung darauf hin, dass sie nicht seiner persönlichen Erfahrung entspringt, sondern von Gott kommt („Denn ich sage durch die Gnade…“). Paulus kann diese Aussage nur durch seine Stellung, die er von Gott erhalten hat, machen. Es ist wichtig, dass wir uns damit eingehend beschäftigen, verstehen, was damit gemeint ist und uns die Lehre daraus zu Herzen nehmen.
Die irdische Verwaltung Gottes, das Haus Gottes auf Erden funktioniert folgendermassen: Gott nimmt Menschen aus allen Völkern, wenn sie christusgläubig werden, in sein Haus auf. Das Haus Gottes im Neuen Testament besteht aus gläubigen Menschen, es ist nicht ein physisches Haus (Stiftshütte od. Tempel), wie im Alten Testament (1. Petr 4,17). Wir werden nicht nur in sein Haus aufgenommen (2. Tim 2,20), wir sind gleichzeitig sein Haus (1. Petr 2,5). Darüber hinaus werden wir in eine weitere Körperschaft eingegliedert, den Leib Christi (1. Kor 12, Rö 12,5).
Gott zeigt dem Christen in einer unmissverständlichen Veranschaulichung, dass er eine Funktion am und im Haus hat, wie auch im Leib Christi. Diese dreifache Illustration, diese so klare Darstellung der Funktion eines Christen – warum wird sie so oft ignoriert, so als ob Gott nie davon etwas gesagt hätte?
Jeder Christ bekommt einen von Gott angewiesenen Platz. Dieser Platz, das muss in der heutigen Zeit scharf betont werden, wird von Gott befohlen, nicht von Menschen. Sind wir uns einig, dass Gott den Menschen gemacht hat, seine Eignung dadurch am besten kennt und dazu der HERR ist, auch über sein Haus? Dann muss es ausser Frage stehen, ob Gott imstande ist eine Auswahl bei der Begabung zu treffen und ob er diese Auswahl als Oberster des Hauses oder Haupt des Leibes trifft oder nicht! Entscheidet das Haupt des Leibes Christi (Eph 5,23; Kol 1,18; Kol 2,19), also Christus selbst, über die Glieder oder entscheiden die Glieder selbständig über ihre Aufgaben? Eine absurde Frage, die leider in der heutigen Zeit gestellt werden muss.
Aus diesem Vers geht deutlich hervor, dass das Mass des Glaubens in verschieden grossen Paketen an die Christen verteilt wurde, so, wie auch die Funktion der Glieder sich voneinander unterscheiden (1. Kor 12,17 u.a.). An einem Haus, in einem Haus, sowie in einem Leib können die einzelnen Bestandteile bzw. Gefässe niemals die gleiche Funktion haben. Die Veranschaulichung mit dem Haus und dem Leib lässt absolut keine Zweifel offen! Ein Leib braucht Hände UND Füsse. Er braucht Arme UND Beine. Er braucht Augen UND Ohren. Genau so verhält es sich beim und im Haus. Ein Haus braucht Türen UND Fenster, im Haus braucht es verschiedene Gefässe, nicht nur genau gleich aussehende.
Kein Christ darf vom anderen denken, dass es seiner nicht bedarf, dass es beispielsweise den materiell armen Greis, der kaum noch richtig gehen kann, in der Gemeinde eigentlich nicht braucht. Ansonsten sieht man es als Last an, wenn man ihn im Krankenhaus besuchen „muss“. Man geht aus Pflichtgefühl hin und nicht im Wissen, dass er genauso einen Platz im Leib hat, wie man selbst und dass es ein Verlust ist, wenn dieser Platz durch den Krankenhausaufenthalt nicht besetzt ist. Mit der richtigen Sicht würde sich der Christ mehr nach den Menschen sehnen, die temporär fehlen und sie im Bedarfsfalle freudiger besuchen gehen.
Im Matthäusevangelium wird der Einsatz des Christen nach seiner Fähigkeit etabliert: Jeder Knecht Christi bekommt etwas zur Verwaltung nach seinen Fähigkeiten, nicht über seine Fähigkeiten hinaus und nicht darunter (Mt 25,15). Unsere Verschiedenartigkeit wird also nicht nur am und im Haus, bzw. im Leib berücksichtigt, sondern auch in der Verwaltung des Reiches.
In der Zusammenfassung müssen wir eingestehen, dass uns die Fähigkeiten von Gott in die Wiege gelegt wurden und wir als Christen angewiesen sind, eine ihnen entsprechende Aufgabe zu übernehmen. Wie müssen einen genau angewiesenen, noch freien und unserer durch Gott erfolgter Zurüstung entsprechenden Platz im Hause Gottes auskleiden. – Bleibt da ein Raum um sich zu rühmen übrig? Sollte ich mich als Ohr über die Hand erheben? Was nützt ein Leib, der zwar hören aber nicht handeln kann? Oder bin ich durch eigenen Verdienst zum Ohr geworden? Hat nicht Gott von Anfang an, wo ich noch nicht einmal gläubig war, mir die individuellen Fähigkeiten gegeben, nach denen er mir später, als ich zum Glauben kam, das dem entsprechende Talent (Geldbetrag, nach Mt 25,15) zur Verwaltung überreichte?
Wir sehen also, dass alles, was wir sind, durch Gott gewirkt ist. Wir haben keine Fähigkeiten selbst erschaffen oder erarbeitet, wir sind höchstens in der Lage, die Fähigkeiten auszubauen. Doch gegeben wurden sie von Gott: Jede Überhebung ist somit ausgeschlossen! Niemand soll, wie im Vers erwähnt, höher von sich denken, als es sich gebührt. Was wir sind, sind wir durch die Gnade des HERRN!
Verse 4-5
4 Denn wie wir in einem Leib viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Tätigkeit haben,
5 so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander. Röm 12,4-5
Verse 4-5
Der Leib Christi auf Erden, welcher aus den Christen besteht, ist eine vielgenannte Wahrheit der Schrift. Sie wird nicht nur im Römerbrief erwähnt. Wir finden sie auch im Korinther-, Epheser- und Kolosserbrief (1. Kor 10,17; Eph 4,4; Kol 3,15). Die längsten Ausführungen darüber sind die bekannten Passagen im ersten Korintherbrief (12,12-31), bitte lesen Sie diese Verse, um die Zugehörigkeit und gleichzeitige Verschiedenartigkeit des Christen in der Gemeinde Gottes noch besser zu verstehen, sollten Sie sie noch nicht kennen.
Die Gemeinde Gottes funktioniert nicht wie ein weltlicher Verein. Im letzteren treffen sich eher Glieder mit derselben Begabung. In einem Turnverein findet man eher selten jemanden, der gelähmt ist. Meistens haben dort die Leute alle Freude an der Bewegung.
Da es in der Gemeinde Platz für jedermann hat – Christus ist für alle gestorben, nicht für eine bestimmte Personengruppe, - ist sie von Gott anders organisiert: Sie ist der Leib Christi, mit seinen vielfältigen Funktionen. Ein Leib ist sehr komplex, da findet sich für jede und jeden eine Tätigkeit. Wird nun jemand gläubig, wird er von Gott in den Leib Christi aufgenommen. Diese Aufnahme gilt für die universale und die örtliche Gemeinde.
Vielerorts ist es zwar gar nicht mehr möglich einen geistlichen Dienst (besonders in der Verkündigung) in der örtlichen Gemeinde ausführen zu dürfen, auch wenn einem ein solcher vom HERRN zugeteilt ist, da viele christliche Gemeinden eine Form der alttestamentlichen Priesterschaft eingeführt haben, ein unbiblisches System, welches theologische Akademiker von den sogenannten Laien trennt.
Trotz dieses traurigen Zustandes ist der Christ nicht von seinen vom HERRN übertragenen Aufgaben entbunden. Es gibt noch genügend offene Wege die vom Geist Christi ausgeteilten Gnadengaben im universalen, weltweiten Leib Christi effizient einzusetzen. Die Verkündigung des Evangeliums, Verbreitung der biblischen Lehre übers Internet, Gastfreundschaft, Hilfe an Bedürftigen, Besuche im Krankenhaus und Gefängnissen, usw. sind in unserem deutschen Sprachgebiet Tätigkeiten, welche nicht an Universitätsabschlüsse gebunden sind. Sie können frei ausgeübt werden. Die sozialen Hilfeleistungen werden sogar von der weltlichen Gemeinschaft positiv aufgenommen und geschätzt. – Lassen Sie sich vom HERRN in der täglichen Gemeinschaft mit ihm inspirieren und folgen Sie seiner Lehre und Anweisungen. Es wird sich auch für Sie ein Weg eröffnen! Amen.
Verse 6-8
6 Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach der uns gegebenen Gnade<, so lasst sie uns gebrauchen>: es sei Weissagung, in der Entsprechung zum Glauben;
7 es sei Dienst, im Dienen; es sei, der lehrt, in der Lehre;
8 es sei, der ermahnt, in der Ermahnung; der mitteilt, in Einfalt; der vorsteht, mit Fleiss; der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit. Röm 12,6-8
Vers 6
Wie im vorangegangenen Kommentar erwähnt, sind wir nicht von unseren Aufgaben entbunden, auch wenn sie in der örtlichen Gemeinde nicht ausgeführt und gelebt werden dürfen. Der HERR teilt den Christen Gnadengaben nach ihren natürlichen Fähigkeiten aus (Mt 25,15). Je mehr Kapazität jemand auf den Weg bekommen hat, desto mehr Anteile vom Reich bekommt er zur Verwaltung. Je weniger Fähigkeiten ein Christ hat, desto weniger muss er verwalten, damit es nicht zur Überforderung kommt. Im Gleichnis der Talente (Mt 25) kommt es nicht darauf an, wie viel am Ende herausschaut, es kommt darauf an, ob man das seine treu verwaltet hat oder nicht. Egal ob die Ausgangslage zwei oder fünf Talente waren, wer das Seine verdoppelt, bekommt den Lohn und die Anerkennung vom HERRN; da sind die talentierteren Christen keinesfalls bevorzugt. Wer jedoch mit dem anvertrauten Gut nichts unternimmt, wie der böse Knecht, wird getadelt und bestraft. Daher: Machen Sie etwas aus den anvertrauten Dingen. Setzen Sie ihre Fähigkeiten für das Reich ein. Suchen Sie nicht nach Dingen, die sie nicht haben, tun Sie das, was Sie gut können für den HERRN. Wer nicht kochen kann, muss nicht grosse Gastmähler anbieten, das tun solche, die gerne kochen und damit gerne Leute verwöhnen. Dafür kann die Person, die nicht kocht, anpacken, wenn Not am Mann ist oder Krankenbesuche machen, etc. – Wer nicht nach Ausreden sucht, und nicht zu hoch von sich denkt (V3) wird seine Arbeit finden.
Verse 7-8
Hier werden einige Dienste aufgezählt, die Aufzählung ist nicht abschliessend. Leider wird im Christentum oft eine Unterteilung bei den Diensten gemacht: die einen werden der Kategorie „geistlich“ zugeordnet und höher bewertet, andere der Kategorie „natürlich“ und gelten dadurch als minderwertig. Das sollte nicht so sein, liebe Brüder und Schwestern! – denn der HERR gibt eine himmlische Unterstützung zum natürlichen Talent. Wer nun weissagt (V6) spricht ja bekanntlich Worte. Diese Worte kommen durch das natürliche Talent, dem Sprechen, hervor. Der Inhalt ist geistlich, da in der Weissagung Wahrheiten ausgesprochen werden, die man von sich aus nicht weiss. So verhält es sich auch bei sogenannt normalen Hilfeleistungen. Wenn die Hilfeleistung geleistet wird, weil der Hilfeleistende dem Hilfesuchenden durch die Belehrung des Wortes Gottes Gutes tut – ist es nicht auch durch den Geist gewirkt? Sollte es dann weniger wert und nicht durch den HERRN gediehen sein? – Sicher nicht! Nicht umsonst heisst es:
Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Mt 10,41
Wie sollte ein Prophet wirken können, wenn ihm Unterkunft und Nahrung fehlt? Wenn Sie einen solchen unterstützen, im Namen des grössten Propheten, Christus, dann werden sie Mitarbeiter an dem ihm anvertrauten Projekt. Somit bekommen Sie auch Anteil an seinem Lohn. Das tönt jetzt hoch und erstrebenswert, da wir von Prophetie reden. Doch was ist mit dem zweiten Teil dieses Verses? Wenn Sie einen Gerechten in Christi Namen unterstützen, damit ist jeder gerecht gesprochene Mensch, ein Christ, gemeint, so werden Sie den Lohn eines Gerechten empfangen!
An dieser Stelle muss ich Menschen, die jammern, sie hätten doch gar keine Begabung, mit Nachdruck eines Besseren belehren! Kann es sein, dass sich solche mit Ausflüchten nur von der Verantwortung drücken wollen? Diese Frage kann nur jeder selbst für sich beantworten. – Lasst uns die Gnadengaben gebrauchen! Und lasst uns sie nach der Anweisung des HERRN gebrauchen!
Diese Verse beinhalten auch die Anleitung, wie die Gandengaben zu gebrauchen sind. Wer weissagt, soll es in der Entsprechung zum Glauben tun. Echte Weissagung ist von Gott und trifft immer zu 100% ein, im Gegensatz zu Horoskopen und sonstiger Scharlatanerie (5. Mo 18,21-22). Wenn nun jemand, der diese Gnadengabe hat, schon mehrmals richtig geweissagt hat, soll er immer in der gleichen Demut weitermachen und die Gabe, welche ihm auch Ansehen verleiht, nie dazu einsetzen, über seinen Glauben hinaus etwas zu behaupten. Das könnte fatale Folgen haben, wenn er sich durch eigene Gedanken bzw. Wünsche zu etwas hinreissen würde. Er könnte nach dem eigenen Sinn etwas weissagen, das im Anschluss nicht eintrifft. Er wäre dann als Lügenprophet entlarvt und müsste sich mit Schande „in die hintersten Reihen“ setzen. Hat jemand die Gabe Dienst empfangen, soll er dienen und nicht damit zurückhalten bzw. auf „prestigeträchtigere“ Gaben warten. Wenn jemand die Gabe der Lehre empfangen hat, soll er lehren. Er soll seine Zeit nicht mit anderen Dingen vergeuden. Das heisst nicht, dass er nicht evangelisieren gehen darf, doch er soll hauptsächlich das tun, was ihm gegeben ist. Sollte ihm das Lehren in der Gemeinde verwehrt sein, weil die Gemeinde auf menschliche Ordination achtet und ihm im Gegenzug eine andere Aufgabe anbietet, soll dieser Christ ablehnen und sich im Stillen seiner Aufgabe widmen. Ansonsten bleibt der persönliche Auftrag des HERRN unerledigt und wird nicht ausgeführt. Den HERRN würde es bei seiner Wiederkunft nicht beeindrucken, wenn ein nominierter Lehrer ihm erklären würde, die Menschen hätten ihm gewehrt, so habe er halt etwas anderes gemacht. – Und so geht es weiter mit allen Gnadengaben: Ermahner sollen ermahnen, damit es ihnen gut geht (Hes 3,18). Man soll die Tätigkeiten ausüben, die einem gegeben sind zu tun. – Das sei ja vollkommen logisch, mögen Sie jetzt vielleicht einwenden. Doch dazu muss ich leider entgegnen, dass es nicht so einleuchtend ist. Das habe ich an der eigenen Person erfahren. Ich habe meine Aufgabe, den Pfad des Lehrens, zweimal verlassen, das erste Mal durch meine Schüchternheit und dem mir damals mangelnden Selbstvertrauen. Ich redete mir seinerzeit ein, dass ich das doch nicht könne. Zum zweiten Mal kam es durch grossen Widerstand aus den eigenen Reihen, von Christen, welche Traditionen höher hielten als das Wort Gottes. Durch die mir selbst eingeredete Meinung, Gott würde mich im Hochhalten der Wahrheit zuwenig unterstützen, hatte ich den Kampf aufgegeben und mich zurückgezogen, bis mich Gott zum dritten Mal (!) auffordern musste, meine Arbeit endlich zu verrichten. – Jetzt endlich sitze ich da und schreibe Kommentare zu biblischen Büchern, um Menschen zu helfen, die Bibel besser zu verstehen.
Sie sehen, liebe Leserin und lieber Leser, dass es durch Charakterschwäche bzw. hohen Druck von aussen gut möglich ist, den Weg der Berufung zu verlassen und einen bequemeren zu gehen (Jer 26,21). Gehen Sie unbeirrt den Weg Gottes in Ihrem Leben! Das wird Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Leid und Zurechtbringung ersparen. Amen.
Vers 9
Die Liebe sei ungeheuchelt! Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten!
Röm 12,9
Vers 9
Wie bereits im Kommentar zum ersten Vers dieses Kapitels erwähnt, geht es darin um die praktische Anwendung der göttlichen Verordnungen, ihr Einsatz im täglichen Leben des Christen. In den vorangegangenen Versen ordnete der Heilige Geist den Dienst im Reich. An dieser Stelle beginnt er den Umgang mit dem Mitmenschen zu regeln. Er beginnt mit dem Umgang mit den Mitchristen, wendet sich im folgenden Kapitel zum Umgang mit denen aus den Nationen, um im Anschluss weitere Belehrungen für das Verhalten im Hause Gottes zu schenken. Es ist wirklich beeindruckend, wie der Geist keinen relevanten Gegenstand auslässt, um die Heiligen zuzurüsten für jedes gute Werk!
Allein über diesen Vers könnte man ein Buch schreiben, denn die Wahrheit darüber findet der Christ in der Welt nicht. Bekehrt sich nun ein Mensch zum HERRN, der bis anhin nur die weltlichen Massstäbe kannte, projiziert er falsche Werte in Verse wie diesen. Wenn ein Neubekehrter etwas von „Liebe“ liest, denkt er an die natürliche Liebe, die Liebe der Menschen. Freilich gibt es diese Liebe auch, wir finden sie beispielsweise im Timotheusbrief (2. Tim 3,3). Es gibt freundlichere Menschen in den Nationen und weniger liebenswürdige. Die einen haben mehr natürliche Liebe, andere weniger. Die junge Generation geht sehr freizügig mit diesem Ausdruck um, sehr schnell heisst es freundschaftlich: „Ich liebe dich!“ Diese berühmten drei Worte werden nicht nur von einem verliebten Paar ausgetauscht, sondern gehören heutzutage ganz normal in den Sprachgebrauch von zwei Freundinnen, Schulkollegen, usw. – auch in den sogenannten sozialen Netzwerken im Internet. Schon bei nur flüchtig bekannten Personen gibt es dort nur die Auswahl „ignorieren“ oder „als Freund hinzufügen“. Wir sehen, dass man in der Welt sehr schnell ein Freund ist. Ebenso schnell wird man da aber auch zum Feind. Beste Freunde können morgen zerstrittene Rivalen sein, beste Freundinnen können jäh Zickenkriege vom Zaun reissen. Da ändern sich die drei Worte „ich liebe dich“ oft zu ganz bösen Aussagen.
Dies alles zeigt uns, dass die natürliche menschliche Liebe nicht viel hergibt. Christus hat für die Gemeinde eine andere Liebe bereitgestellt: die göttliche Liebe. Die Bibel macht einen klaren Unterschied zwischen der natürlichen und der göttlichen Liebe. Sie verwendet verschiedene Wörter für Liebe, um die göttliche von der natürlichen zu trennen. In diesem Vers, wie in den meisten im Neuen Testament, ist die göttliche Liebe gemeint. Die göttliche Liebe wird im 1. Korintherbrief umschrieben (Kap 13). Wenn sie dieses Kapitel gelesen haben werden Sie mir beipflichten, dass Neulinge erfassen müssen, dass eine ganz andere Liebe in der Gemeinde regieren soll, als die bisher in der Welt erfahrene. Die Liebe der Welt ist trügerisch, die göttliche ist rein.
Aufgrund dieses Verses sind wir angehalten, uns zu prüfen, wie wir die Geschwister lieben. Lieben wir sie nur so, wie wir damals unsere weltlichen Kollegen auf dieser trügerischen Basis geliebt haben oder empfinden wir eine ungeheuchelte Liebe zu ihnen? Ist unsere Liebe zu ihnen langmütig, gütig und neidet nicht? Rechnet sie böses nicht zu und bläht sie sich nicht auf? Freut sie sich nicht über Ungerechtigkeit und freut sie sich über die Wahrheit? – Messen Sie ihre Liebe an der Beschreibung der göttlichen Liebe im 1. Korintherbrief (Kap 13)! – Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Diese Liebe wird im Hause Gottes verlangt! Amen.
Im zweiten Teil des Verses heisst es, wir sollen das Böse verabscheuen und am Guten festhalten. Das ist wieder ein hochaktuelles Thema, worüber man Bücher schreiben könnte! Was ist böse und was ist gut? Was ist Wahrheit (Joh 18,38) und was ist Lüge? – Wie sollte man das im Tohuwabohu der weltlichen Philosophie noch erkennen? Mit welchem Mass misst die Welt, wenn ein Totschläger oder Vergewaltiger beinahe sanfter angefasst wird wie jemand, der ein Verkehrsdelikt begangen hat? Wie soll man als guter Mitarbeiter in einem Betrieb Gut und Böse einordnen, wenn man wegen eines querulierenden Teammitgliedes die Qualifikation „nicht teamfähig“ erhält, weil man das ständige Ausscheren des betreffenden nicht akzeptiert? Deshalb grade vorneweg: Die menschliche Philosophie „Humanismus“ hat gar nichts mit der Nächstenliebe Gottes gemein. Als Humanist werden Sie „Richtig“ nicht von „Falsch“ in der göttlichen Art unterscheiden können. Denn der Humanist und der Mensch allgemein sind auf dem besten Weg, das Böse gut zu nennen und das Gute böse. Nicht umsonst, weil solches nie eintreffen könnte, gibt Gott eine ernsthafte Warnung dazu ab:
Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süssem machen und Süsses zu Bitterem! Jes 5,20
Böse ist Heuchelei! Oft wird geheuchelt in der Welt, gutes Tun wird vorgespielt, um eigene Interessen durchzusetzen! So soll es in der Gemeinde nicht zu- und hergehen. Die Gemeinde ist ein Ort der Vorherrschaft der Wahrheit. Gerades soll gerade genannt werden und Krummes krumm. Amen.
Verse 10-11
10 In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend;
11 im Fleiss nicht säumig, brennend im Geist; dem Herrn dienend. Röm 12,10-11
Vers 10
Die geschwisterliche Liebe soll herzlich sein. Eine herzliche Liebe ist ohne Neid, auch Brüdern und Schwestern gegenüber, denen es gesundheitlich und materiell besser geht als einem selber. Menschen, die man echt lieb hat, gönnt man nur Gutes, sogar dann, wenn ihr Wohlergehen uns allfällig etwas kostet. Eine solche Liebe kann niemand von der Welt fordern, da sie nicht vorhanden ist. Vom Christen kann sie aber gefordert werden, weil die göttliche Natur in ihm wohnt.
Der zweite Teil dieses Verses wird in einer anderen Übersetzung mit „einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor“ übersetzt. – Die christliche Haltung Brüder und Schwestern gegenüber soll weit höher sein, als sie die Welt ihresgleichen geben kann. Wir haben Gottes Natur in uns, die uns in der Gemeinschaft mit ihm zu solchen moralischen Grosstaten führt. Wie Gottes Natur liebevoll und langmütig ist, sollten wir das in der Beziehung zu Mitgeschwistern reflektieren können. – Wenn das nicht geht, schöpfen wir nicht aus dessen Kraft und handeln nach unserer Natur so, wie die Welt handelt.
Vers 11
Zum Fleiss muss ich wohl nicht allzu viel schreiben: Jedem Menschen leuchtet ein, dass an einem wichtigen Projekt nicht nachlässig gearbeitet werden darf. Ansonsten wird es nie fertig. Im Weiteren deutet die Arbeitshaltung auch auf das Interesse des Betreffenden hin. Wer kein Interesse am Reich hat, wird auch nicht fleissig daran arbeiten.
Im Geist brennt jemand, der viel Gemeinschaft mit dem HERRN hat. Wir sind ja bekanntlich Gefässe (2. Kor 4,7), welche die ehrenvolle Aufgabe haben, den HERRN zu beinhalten. Je geistlicher wir durch den Glauben und die Gemeinschaft mit dem HERRN sind, desto voller und übersprudelnder ist unser Gefäss (Joh 7,38; Apg 7,55). Dieses „übersprudelnd Sein“ kann man auch als „brennend im Geist Sein“ betrachten. Letzteres beleuchtet den Aspekt, voller geistlichen Antriebes sein, etwas Aktives also, noch besser als das „übersprudelnd Sein“, welches mehr den passiven, jedoch ebenso herrlichen Aspekt eines Christen beleuchtet.
Kommen wir zum dritten Teil dieses Verses, zu „dem HERR dienend“. Überlegen Sie sich bitte mal kurz, was Sie von einem Diener des HERRN erwarten. Was würden Sie von Paulus erwarten, wenn er noch unter uns wäre? Wären Sie enttäuscht von ihm, wenn er nach 19.30 Uhr die Beine hoch lagern und die Glotze (den Fernseher) anknipsen würde? Würden Sie ihm dann nicht vorwerfen, er würde ab bestimmten Zeiten selbst über sich bestimmen und vielleicht gar noch weiter kritisieren, dass ein solches Gebaren einem solchen Diener wie ihm einfach nicht passend wäre? – Wenn das so ist, bedenken Sie bitte, dass Paulus nicht ein Übermensch war. Paulus forderte stets seine Zuhörer auf, so zu werden wie er (Phil 3,17; 4,9; 1. Kor 4,16; 1. Thess 1,6). Was er damals von seinen Zuhörern erwartete, ist heute noch ebenso aktuell! Denn er erwartete es, weil er seinen HERRN kannte, nicht aus Eigennutz. Dieser HERR ist heute immer noch derselbe, somit hat sich an der Definition „dem HERR dienend“ nichts geändert. Amen.
Vers 12
In Hoffnung freut euch; in Bedrängnis harrt aus; im Gebet haltet an; Röm 12,12
Vers 12
Wir sollen uns in Hoffnung freuen, Emotionen haben. Wer freut sich denn nicht in Hoffnung? – Obschon dies ganz natürlich klingt, muss es erwähnt werden: Es gibt nämlich Christen, die durch viele Verfolgungen gingen und Verleumdungen erdulden mussten. Einige davon versuchen in der Folge ihre Gefühle abzustellen, um so die Leiden zu lindern und fristen ein Leben in einer Gefühlswüste. Am Ende sind sie total emotionslos, stunden, wie gesagt, ein Leben wie Zombies – entschuldigen Sie bitte diesen Ausdruck. Ich verwende ihn nicht herabwürdigend – Christen die leiden, tragen oft sehr viel – er umschreibt aber ziemlich passend einen gefühlslosen Menschen.
Obschon das Ausschalten der Gefühle subjektiv die Leiden lindert, bringt es tatsächlich gesehen mehr Schmerzen hinzu. Jemand der keine Gefühle mehr hat, kann auch nicht mehr lieben, sich freuen und hoffen. Er sieht nur noch eine Besserung seiner Umstände in der Wiederkunft des HERRN und hat entschieden, bis dorthin nichts mehr zu tun. – Eine solche Haltung kann dem Menschen sehr, sehr schaden. Die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen, wird ihn in eine Isolation gegenüber seinen eigenen Leuten und Gott führen. Sein Gebetsleben wird einfrieren, weil bei ihm die Hoffnung auf Erhörungen in der Zeit vor Christi Wiederkunft verschwunden ist. Seine von Gott übertragenen Aufgaben wird er in der Gleichgültigkeit nicht mehr richtig anpacken und ausführen. Er wird in einen Stillstand kommen, welcher in ernsthaften Depressionen und nicht zuletzt Panikattacken enden kann. So sehr kann die Seele des Menschen erkranken, wenn sie nicht mehr gepflegt wird. Deshalb spricht die Bibel von Emotionen. Sie sollen nicht niedergehalten werden! Wir haben viele Gründe, Emotionen zu haben und zu zeigen. Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen, welches auch Gefühle enthält, wie er selbst Gefühle hat. So wie Jesus Gefühle hatte und zeigte (Mk 3,5; 10,14; Lk 7,13; 19,41; Joh 11,33; 11,35), sollen wir tun!
Weiter heisst es, dass wir in Bedrängnis ausharren sollen. Die Betrübnis der Welt bringt ihr und den ihren den Tod, die Betrübnis nach Gottes Sinn, jene der Christen, bringt Busse hervor, Gutes also (2. Kor 7,10). Nicht umsonst steht geschrieben, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken (Rö 8,28)“, also auch die Bedrängnis. So lasst uns darin ausharren und für einen Ausgang beten, indem wir glauben, dass Gott seinen Arm auch heute noch bewegt für die Bitten der Heiligen. Lasst uns nicht, wie im oberen Abschnitt beschrieben, einen selbst gewählten Weg einer oberflächlichen Linderung beschreiten, welcher sich aber im Nachhinein als sehr zerstörerisch erweist.
Wir sollen im Gebet anhalten, heisst es am Ende dieses Verses. Wissen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dass dies sehr oft im Neuen Testament gemahnt wird, nicht nur an dieser Stelle? Das ist eine Aussage, auf die der HERR grossen Wert legt! Allezeit zu beten ist nicht einfach eine persönliche Empfehlung des Paulus, es sind die Worte des Allmächtigen! Jesus spricht: „Wacht und betet zu aller Zeit… (Lk 21,36)! Jesus ermahnt uns dazu in Bildern (Gleichnissen), aber auch gerade heraus. In der erwähnten Stelle sagt er es gerade heraus, im Gleichnis vom ungerechten Richter (Lk 18) in Bildsprache. Die Notwendigkeit des Betens wird immer wieder erwähnt, wir sehen, dass es ein elementar wichtiges Thema ist (Mt 26,41; Eph 6,18; Kol 4,2; 1. Thess 5,17). „Im Gebet haltet an!“ Amen.
Vers 13
an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach Gastfreundschaft trachtet! Röm 12,13
Vers 13
Christus fügt die Heiligen (Eph 2,19), das sind alle neugeborenen Menschen (Joh 3,3), in eine enge Beziehung zueinander. Er fügt sie in den Leib Christi, der nur schon bildlich sehr schön aufzeigt, dass alle aufeinander angewiesen sind. – Was ist ein Leib, wenn nur schon das kleinste Glied daran fehlt? Er ist verstümmelt! – Im Weiteren wissen wir, dass es normal ist, für die Seinen zu sorgen. Das ist schon selbstverständlich bei den Ungläubigen! Deshalb spricht Paulus in seinen Anweisungen an Timotheus, dass Gläubige, die für ihre Leute nicht aufkommen, schlimmer seien als Ungläubige (1. Tim 5,8). Entziehen Sie Ihre Hilfe nicht denen, die sie nötig haben (Spr 3,28).
An dieser Stelle muss aber auch gesagt werden, dass es heutzutage – sogar in den eigenen Reihen – so skrupellose Menschen gibt, die im Wissen, dass Christen den Auftrag haben zu helfen, diesen Umstand voll ausnutzen. Sie geben Armut vor, ohne arm zu sein; sie geben Bedürftigkeit vor, weil sie faul sind. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht, um ihre Forderung zu unterstreichen: Manchmal werden sogar Tränen herausgedrückt oder mit selbstgebastelten Täuschungen Lügen untermalt. – Seien Sie sicher im Auftrag Christi: Jesus verlangt nicht, dass grundsätzlich jeder und jedem geholfen werden muss. Solange es möglich ist, sollen alle für sich selbst sorgen (2. Thess 3,10). Wer arbeiten kann und es nicht tut, soll nicht essen! Das ist ein Gebot! Solchen zu helfen wäre sogar eine Übertretung!
Egal, von welcher Seite sich ein neuer Umstand zeigt, besprechen Sie ihn mit dem HERRN (Ps 37,5). Trennen Sie sich nie von ihm (Joh 15,5), ansonsten ist es ein Leichtes, Sie zu täuschen. Sogar Josua, der Anführer Israels, liess sich „über den Tisch ziehen“ und ging einer List auf den Leim (Jos 9). Und lassen Sie sich nicht durch Schmarotzer vom Helfen abbringen, indem Sie Ihre Untätigkeit mit den Worten entschuldigen, dass die Hilfe sowieso den Falschen erreichen würde. Mit dem HERRN koordinierte Hilfe ist effizient und erreicht die Menschen, die der Hilfe würdig sind (Lk 4,25-27; 1. Tim 5,9-16).
Der zweite Teil des Verses zielt auf die Gemeinschaft ab. Die Körperschaft des HERRN soll fröhlich und der Austausch rege sein, sowie das soziale Leben betriebsam. Der Leib Christi darf nicht, bildhaft gesprochen, verstümmelt bzw. regungslos herumliegen. Er soll sich selbstbewusst, fröhlich und gütig zeigen, nach Christi Anweisungen, welcher das Haupt des Leibes ist (Kol 1,18). Gut funktionierende soziale Kontakte können wir nur pflegen, wenn die Gemeinschaft untereinander umsorgt bleibt. Richten Sie daher ihr Leben nicht in egozentrischer Weise nach eigenen Freizeitbeschäftigungen aus, richten Sie es so aus, dass die Gemeinschaft mit Geschwistern Platz einnehmen kann.
Vers 14
Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht! Röm 12,14
Vers 14
Wieso sollten wir unsere Feinde segnen, wieso solchen, die uns verfolgen und das Leben am Arbeitsplatz zur Hölle machen, nicht fluchen? Warum – denken wir an extreme Fälle – Mördern, die sich an unseren Leuten vergreifen, nicht Qualen, Tod und Hölle wünschen? Liegt es denn nicht in der Natur des Menschen, dass er sich Gerechtigkeit wünscht, eine Gerechtigkeit, wie sie im Gesetz war: Wenn Dir jemand das Auge zerstört, sollst du seines zerstören. Gott gab sogar den Nationen ein Gesetz zur Zeit Noahs ab, welches den Tod von Mördern forderte (1. Mo 9,6). Zahn um Zahn, d.h. dass jemand, der einen anderen umbrachte, genau so getötet werden musste. Das ist doch Gerechtigkeit! Jemand löscht das Leben eines Menschen aus, so muss er seins auch lassen, so einfach und gerecht ist das.
Dieser Vers fordert aber etwas ganz anderes! Dieser Vers fordert nicht nur die Verschonung böser Menschen, er fordert gar ihre Segnung! Das ist mit unserem Gerechtigkeitssinn, den wir doch auch von Gott haben, völlig nicht im Einklang! Lässt Gott jetzt doch die Fünf gerade sein und kümmert er sich nicht mehr um völlige Gerechtigkeit? Erbarmt er sich jetzt auch über unbussfertige Menschen und kommen alle „in den Himmel“?
Die Antwort auf diese beiden Fragen ist ein klares Nein! Gott ist kein ungerechter Allversöhner! Er ist und bleibt gerecht und versöhnt nur bussfertige Menschen! Auch wenn dieser vierzehnte Vers anfänglich solche Fragen aufwirft, wird die Gerechtigkeit am Ende nicht verletzt.
Doch betrachten wir die Anweisung diesbezüglich aus der Bergpredigt, der Verfassung des Reiches der Himmel, die für uns Christen Gültigkeit hat. Jesus Christus spricht:
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen,
45 damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?
47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüsst, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe?
48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Mt 5,44-48
Die Worte des HERRN lassen schon Klarheit aufkommen. Zusammen mit den dem Vers 14 folgenden Versen in diesem Kapitel 12 des Römerbriefes sollten wir ein vollständiges Bild erhalten. Betrachten wir zuvor kurz die Verse aus der Bergpredigt. In der Bergpredigt sind die moralischen Forderungen viel höher wie im Alten Testament. Der Ehebruch musste im Alten Testament (AT) vollzogen sein, um als Straftat zu gelten, im Neuen Testament (NT) genügt nur schon der Gedanke daran. Im Alten Testament durfte man die Feinde hassen, was auch dem natürlichen Empfinden entspricht. Im Neuen Testament wird aber mehr abverlangt: Wir sollen mit den Feinden gut umgehen, so, wie Gott es im Moment tut. Das untermauert der Vers 48 (Mt 5,48). So drücken wir den vollkommenen Charakter Gottes aus, denn er handelt im Moment so mit den Weltmenschen.
Wie gesagt, drückte das Gesetz im AT den Charakter Gottes nicht auf diese Art aus, wie das NT, welches einen viel höheren moralischen Standard fordert. Das Neue Testament ist die Zeit der Geduld Gottes. Gott ist sehr langmütig und gibt Zeit, sich auf der Welt zurechtzufinden, sich selbst zu erkennen (die eigene Sündhaftigkeit und Schuld), den Sinn des Lebens und somit den wahren Schöpfer zu finden. Auch wenn der Mensch lange Zeit seines Lebens im Irrtum vergeudet, gibt der HERR immer wieder Chancen, ihn zu erkennen. Gott nimmt das Zeugnis der Schöpfung nicht weg und überlässt den Menschen auch dem eigenen Gewissen, das ihn anklagt.
Solange der Mensch nun im Irrtum wandelt, ist er Gottes Feind, stellt sich gegen ihn und die seinen. Da Gott nun aber noch zögert, seine Feinde zu vernichten, ja, sie sogar mit Sonne und Regen segnet, sollen wir ihm gleich tun. Wir sollen Gottes Charakterzug, seine Geduld, offenbaren. Tut uns nun jemand etwas Böses an und gibt sich so als unser Feind, sollen wir ihm nicht gleich tun, weil es Gott im Moment auch nicht tut. Wir sollen ihm zu erkennen geben, dass Gott und seine Mitarbeiter den Menschen die Hände entgegenstrecken, ob sie nun böse oder sehr böse sind. Alle haben gesündigt und den Tod verdient, doch Gott gibt der Menschheit eine Chance, umzukehren. Diese Chance dauert weiter an, bis zur Wiederkunft Christi.
Wir geben so den Menschen durch unsere Sanftmut eine weitere Chance, ihr Leben zu überdenken. Die Weltmenschen werden sich fragen, was das für Leute sind, die auf einen Angriff hin nicht zurückschlagen. Die einen werden vielleicht durch die Reaktion der Christen beschämt über ihr eigenes fehlbares Verhalten und können für den HERRN gewonnen werden.
Würden wir ihnen fluchen, repräsentierten wir den HERRN falsch. Der HERR gab uns auch mehrere Möglichkeiten zur Umkehr, auch wenn wir am Anfang Feinde Gottes waren, wie jene es sind. Wir sollen ihnen tun, wie Gott uns tat: Obgleich wir ihm vor unserer Bekehrung feind waren, segnete er uns reichlich, so sehr, dass wir am Ende, völlig unverdient, das Heil Gottes erfassen durften.
Mögen in dieser Zeit noch viele Menschen zum HERRN finden, denn nach deren Ablauf kommt das gerechte Gericht. Die Gnade ist dann vorbei, so dass der Herr Jesus in Bezug auf seine Leiden über die Unbussfertigen rhetorisch fragt: „Denn wenn man dies tut an dem grünen Holz, was wird an dem dürren geschehen (Lk 23,31)?“ Wenn schon so viele Leiden den Gerechten widerfahren, was wird mit einem Gottlosen geschehen?
Vers 15
Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden! Röm 12,15
Vers 15
Wie wir durch die vorausgegangenen Verse wissen, sind wir ein Bestandteil des Leibes Christi, welcher aus vielen Gliedern besteht. Anhand dieser Veranschaulichung ist klar, dass mit diesem Bewusstsein es unmöglich sein kann, teilnahmslos die Schicksale unserer Geschwister an uns vorüberziehen zu lassen! – Und wenn es bei jemandem trotzdem der Fall ist, muss man davon ausgehen, dass er von der Wirklichkeit und der Regelung des praktischen Christenlebens nichts weiss, bzw. nichts wissen will.
Es gibt leider Christen, und nicht wenige, auch solche in der Leiterschaft, die sich lieber in die weltliche Gemeinschaft einfügen, als sich als Teil des Leibes Christi zu identifizieren. Das ist keine unbegründete Anschuldigung meinerseits; der HERR nimmt dieses Thema deutlich im Matthäusevangelium auf und warnt ausdrücklich vor solcher Haltung:
45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit?
46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!
47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.
48 Wenn aber jener <als> böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt auf sich warten,
49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen,
50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiss,
51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Heuchlern: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Mt 24,45-51
Dieses Gleichnis ist deutlich an die christlichen Leiter adressiert, doch es gibt auch Christen ohne Leitungsfunktionen, die gerne ihre Freizeit mit Menschen aus der Welt verbringen. Damit prangere ich nicht das Zeitverbringen mit Weltmenschen zu ihrer Gewinnung an, sondern das Bedürfnis, die Ungläubigen in der Wahl zur Freizeitgestaltung vor die Gemeinde zu stellen.
Sollten Sie, liebe Leserin und Leser diesen Drang innerlich verspüren, führen Sie sich die ernsthaften Worte der inspirierten Heiligen Schrift zu Gemüte:
11 Unser Mund hat sich euch gegenüber geöffnet, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden.
12 Ihr seid nicht beengt in uns, sondern ihr seid beengt in euren <eigenen> Herzen.
13 Gleicherweise zur Belohnung aber – ich rede wie zu Kindern – werdet auch ihr weit!
14 Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis?
15 Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?
16 Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.«
17 Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab! spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen
18 und werde euch Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige. 2.Kor 6,11-18
Wer Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit, sowie Licht und Finsternis als gleichwertig betrachtet, soll wissen, dass er auf dem Holzweg ist.
Die Christen, die sich bewusst in den Leib Christi integrieren, die Wahl ihrer Brüder und Schwestern dem HERRN überlassen und nicht den eigenen Bedürfnissen, werden eins sein können mit den Gliedern des Leibes. Für sie wird das „mit den Freuenden Freude haben“ kein Fremdwort sein. Und sollte es auch Leid geben, werden sie sich der Anteilnahme nicht entziehen. – Entziehen wir uns auch in diesem Punkt nicht der Ermahnung des Wortes, liebe Leserinnen und Leser! Nur Dummheit lässt die Zucht aussen vor (Spr 12,1)! Amen.
Vers 16
Seid gleichgesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst! Röm 12,16
Vers 16
Der Anfang dieses Verses, wir sollen gegeneinander gleichgesinnt sein, knüpft an die Hintergründe des vorangegangenen Verses. Wie wir durch die Einheit des Leibes die gegenseitigen Bedürfnisse mittragen sollen, gehört es sich gegeneinander gleichgesinnt sein. Es geht in erster Linie in den Leben der Christen um den Auftrag in Christus (2. Tim 2,4). Erst danach sollten die individuellen Bedürfnisse Platz finden. In einer militärischen Einheit geht es auch in erster Linie um den Auftrag (2. Tim 2,4), erst in zweiter Priorität kommen das individuelle Ausschmücken und die persönlichen Auslegeordnung am Schlafplatz des Einzelnen.
Dass diese Prioritätenfolge in der Christenheit vertauscht wird, ist nichts Neues. Das kam schon „in den besten Familien“ vor, auch im Überrest Israels. Wir können das im AT nachlesen, wo die Rückkehrer den körperschaftlichen Auftrag hinter den persönlichen stellten. Sie kümmerten sich mehr um ihr eigenes Wohl anstelle desjenigen Gottes und des körperschaftlichen (Hagg 1,9). – Es verwundert einen nicht, dass die Gemeinde zusammenhaltlos vor sich hin dümpelt, wenn die Gedanken der einzelnen Glieder um sich selbst kreisen. Die Gemeinde gleicht dann einem orientierungslosen Haufen, welcher sich kraftlos, ja, fast hobbymässig trifft. Sie beteuert zwar nach wie vor auf ein Ziel hin zu laufen, die Handlungen der Glieder zeugen aber vom Gegenteil.
Obwohl unser Auftrag königlicher Natur ist, sollen wir im Weiteren nicht auf hohe Dinge sinnen und uns zu den Niedrigen halten. – Weshalb das? Haben wir nicht Grund, da wir zum Höchsten gehören, auf Hohes zu sinnen? – Die Antwort darauf ist, menschlich gesehen: Nein. Geistlich gesehen ist das Hohe schon da – und es wird oft wenig wert geschätzt. Wir kennen die Verse im Epheserbrief, die vom Hohen zeugen und doch selten bei uns Glücksgefühle auslösen (Eph 1,3-4).
Leider tendieren wir Christen dazu, weltlich Hohes zu erreichen. Dabei sollten wir aber wissen, dass das, was in der Welt als hoch gilt, ein Greuel ist vor Gott (Lk 16,15). Sehen Sie auf die Elite der Welt in Politik, Wirtschaft und Unterhaltung! Wird dort Gott geehrt oder finden dort der Atheismus, die Gier, der Ehebruch und die Unzucht ihre Blüte? Urteilen Sie selbst, liebe Leserinnen und Leser!
Gut, nun sagen Sie sich vielleicht, dass Sie nicht auf das weltlich Hohe sinnen, sondern auf die Macht- und Wunderwirkungen des Geistes Gottes. Das ist doch ein legitimes Trachten nach Hohem? – Lesen wir dazu eine Stelle aus der Bibel:
Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind! Lk 10,20
Stellen Sie sich mal vor, dass auf ein Wort von Ihnen jemand geheilt wird! Wäre das nicht sensationell? Ist das nicht erstrebenswert? Also, wenn ich ehrlich bin, hätte ich diese Gabe auch gerne, vielleicht noch lieber als die der Lehre, welche ich vom HERRN bekommen habe, denn sie würde mir anstelle von fleischlichem Widerstand, Ehre und Anerkennung bringen. Damit würde mir sogar der ärgste Widersacher Achtung zollen, wenn ich seine todkranke Frau mit einem Machtwort heilen könnte!
Der HERR belehrt die Jünger im obenstehenden Vers aus dem Lukasevangelium über einen grossen Unterschied. Es ist nicht gleich zu werten, eine besondere Fähigkeit zu haben, wie wenn der eigene Name in den Himmeln steht. Letzteres ist viel wichtiger: Was nützt es Berge zu versetzen, wenn die Endstation „Hölle“ oder „Feuersee“ heisst? Wir sollen uns sicher sein: Die Errettung von unseren Sünden und die Sohnschaft in Jesus Christus ist auf der Werteskala meilenweit höher angesiedelt als die Macht über Krankheit und Dämonen.
Zum letzten Teil des Verses, wir sollen nicht klug bei uns selbst sein, gibt es eindrückliche Beispiele. Nehmen wir dazu den weisesten Mann auf Erden: Salomo. Gott selbst gibt ihm Zeugnis:
siehe, so tue ich nach deinen Worten. Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, so dass es vor dir keinen wie dich gegeben hat und nach dir keiner wie du aufstehen wird. 1.Kön 3,12
Seine Weisheit war nicht wie einfach irgendeine grosse, sie war grösser als jede die vor ihm war und nach ihm sein sollte:
9 Und Gott gab Salomo Weisheit und sehr grosse Einsicht und Weite des Herzens wie der Sand am Ufer des Meeres.
10 Die Weisheit Salomos war grösser als die Weisheit aller Söhne des Ostens und als alle Weisheit Ägyptens.
11 Und er war weiser als alle Menschen, als Etan, der Esrachiter, und Heman und Kalkol und Darda, die Söhne Mahols. Und sein Name war <berühmt> unter allen Nationen ringsum. 1.Kön 5,9-11
Wie wir wissen, folgte Salomo nicht in allen Dingen Gottes Worten nach. Er nahm sich viele Frauen (1. Kö 11,3), obwohl Gott gesagt hatte, dass wenige ausreichen sollten (5. Mo 17,17). Dazu waren viele Ausländerinnen, von denen Gott ebenfalls gesagt hatte, dass sich Israel nicht mit ihnen vermischen sollte (Jos 23,12). Salomo häufte sich im Weiteren übermässig Reichtümer auf und führte Handel mit Ägypten (5. Mo 17,16). All diese Dinge waren – trotz seiner Weisheit, die alles in den Schatten stellte – Übertretungen des Wortes Gottes, welche nicht folgenlos blieben. Am Ende trat genau das ein, wovor das Wort warnte: Die vielen Frauen neigten sein Herz zu ihren Göttern hin. Salomo wich so vom geraden Weg ab, diente anderen Göttern und führte durch seine Gottlosigkeiten die Reichsteilung herbei (1. Kö 11,9-11). Sein Leben, dass so schön angefangen hatte, endete in einer Katastrophe! Er ging als Götzendiener in die ewige Geschichte ein!
Wir sehen, dass wir, auch wenn wir die Umgebung durch weise Entscheidungen erstaunen, uns nicht durch eigene Klugheit vor verderblichen Wegen schützen können. Wer vom Weg der Nachfolge abweicht und dabei denkt, seine Klugheit wird ihm weiterhelfen, ist schon verloren. Auch dann, wenn ihn Gott reichlich mit weltlichem Gut gesegnet hat. – Für den Menschen ist es übrigens besser, nicht übermässig viel zu besitzen, weil sonst die Gefahr gross ist, auf den Besitz zu vertrauen (Spr 11,28). Auch ist es so, dass sich Reiche als weise einschätzen; sie reden sich ein, sie wären durch eigene Klugheit an diesen Punkt gelangt (Spr 28,11).
Seien wir nicht klug bei uns selbst, liebe Leserinnen und Leser! Lasst uns in der Furcht des HERRN vorangehen! Amen.
Vers 17
Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen! Röm 12,17
Vers 17
Dieser Vers knüpft inhaltlich an den vierzehnten, welcher aussagt, wir sollen unsere Feinde segnen. Im Kommentar zu jenem Vers habe ich geschrieben, dass mit den nachfolgenden Versen das Bild der Feindesliebe vervollständigt wird. Damit zielte ich auf diesen Vers ab. Durch den vierzehnten Vers wurde das Bild der Feindesliebe angefangen, mit diesem wird es ergänzt. Er sagt aus, dass wir selbst bei vollbrachter Bosheit nicht mit Bosheit zurückschlagen sollen.
Es mag vielleicht noch gehen, für Personen zu beten, die uns nicht freundlich gesinnt sind, solange ein „Sicherheitsabstand“ vorhanden ist, doch was tun wir, wenn der Feind uns erreicht und seine Bosheit uns antastet? Wird das Mass der Güte eines Christen nicht völlig überstrapaziert? Rechtfertigt die vollendete Bosheit nicht einen Vergeltungsschlag? Sicher! – menschlich gesehen; da stimme ich völlig zu, denn aus menschlicher Sicht und ohne die Kraft aus Gottes Quellen zu schöpfen, hat die Person, die mir Böses antut, obschon ich einfach arglos und in Frieden mein Dasein führte, von mir aus nichts anderes verdient, als dass es zurück auf ihren Kopf fällt! – Auch wenn dieses natürliche Gefühl der Gerechtigkeit vom Geist des Humanismus teilweise verleugnet wird, entspricht es dem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden eines Menschen. Wenn Sie ehrlich mit sich selbst sind, werden Sie mir spätestens zustimmen, wenn jemand aus Spass und Langeweile ihr Kind tötet. Dann werden Sie nach dem natürlichen Empfinden der oder die Erste sein wollen, der oder die den Schalter für den elektrischen Stuhl, zum Tod des vorsätzlichen Mörders, ohne Gnade einrasten lässt.
Um diesen Vers erfassen zu können, müssen wir – wie so oft – die Sicht für das Gesamtbild erhalten und den Blick von uns selbst abwenden. Dazu will ich etwas vorgreifen: Setzen Sie einmal die Verse 14, 17 und 19 aneinander. Der Inhalt ist: Segnet die Feinde! Vergeltet Böses nicht mit Bösem! Die Rache ist des HERRN (V19)! Die Aussage aus den drei Versen ist, dass wir uns in einer bestimmten Weise zu verhalten haben, uns nicht selbst gehören und Gott unsere Gerechtigkeit ist bzw. sein wird (Ps 4,2; 65,6). Im NT haben wir die Anweisung, Gott nach den Inhalten der Bergpredigt, nicht nach dem Gesetz des Mose, zu repräsentieren (Mt 5,45 und 48). Es geht jetzt darum, den Menschen Gottes Charakterzug der Gnade und Langmut zu zeigen. Diesen Auftrag haben wir bis zur Wiederkunft Christi. So ist es uns nicht gegeben, das Gebot des HERRN zu übertreten und in eigener Sache zu handeln und uns zum Beispiel für eine Ungerechtigkeit zu rächen. Rächen wir uns trotzdem selbst, übertreten wir die Anweisung aus der Bergpredigt und legen unseren Unglauben an Gottes Gerechtigkeit offen dar. Wir zeigen damit offensichtlich, dass wir nicht daran glauben, dass der Übeltäter seinen gerechten Lohn erhalten wird, obschon geschrieben steht:
Die Hand darauf! Der Böse bleibt nicht ungestraft; aber die Nachkommen der Gerechten entrinnen. Spr 11,21
Sie dürfen dem HERRN glauben, er wird alles so ausrichten, wie es geschrieben steht. Bis heute ist kein Wort von ihm auf den Boden gefallen, wieso sollte fortan sein Wort hinfällig werden? – Es ist wichtig, dass wir unseren Willen hinter denjenigen Gottes stellen. Wenn er sagt, dass die Rache sein ist, sollen wir sie ihm auch überlassen und glauben, dass es im Gericht völlig gerecht ablaufen wird.
Da Gott jetzt aber will, dass möglichst viele Menschen gerettet werden, hat er in seiner Langmut das Gericht und die Gerechtigkeit zeitlich nach hinten verschoben. Das weltliche Sprichwort, „Gott straft sofort“, trifft momentan überhaupt nicht zu. Das Gericht liegt in der nahen Zukunft, es findet bei den Lebenden unmittelbar nach der Offenbarung Christi statt. Sein Gericht wird gerecht sein (Joh 5,30), gerechter, als wenn wir richten würden. Ausserdem hat Gott auch viel mehr und unparteiischere Strafvollzugsmöglichkeiten als wir. Wir können maximal töten, einen kurz anhaltenden Schmerz zufügen; Gott hingegen kann in die Hölle werfen, in das ewige Feuer, das nie erlischt. Ausserdem ist uns diese „maximale“ Art der Selbstjustiz im deutschsprachigen Raum durch die geltende Rechtssprechung gar nicht erlaubt (Rö 13,1); noch ein Grund mehr, die Rache vollständig dem HERRN, der über allem steht, zu überlassen (Spr 20,22; 1. Thess 5,15). Amen.
Der zweite Teil dieses Verses ist in diesem Zusammenhang einfach zu verstehen. Als Botschafter des Heils und der Güte Gottes sollen wir die Gesinnung Christi in uns haben (Phil 2,5). Es geht in unserem Leben um den göttlichen Auftrag, der zu erfüllen ist. Mit egozentrischem Gehabe wirken wir Gottes Plan entgegen, repräsentieren ihn falsch und können es soweit bringen, dass der Weg verlästert wird (2. Kor 6,3).
Vers 18
Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden! Röm 12,18
Vers 18
Viele Menschen sagen: „Es braucht immer zwei (Parteien) zum Streit.“ – Der Mensch mit etwas Lebenserfahrung weiss jedoch, dass diese Aussage nicht stimmt. Denken wir einmal an die Situationen in unserem Leben, auch zurück bis in unsere Schulzeit, wo wir Situationen finden, in denen ein einzelner Mensch solchen Unfrieden und Unruhe vom Zaun reissen konnte, dass es zum Streit kam! Bei diesen Menschen handelt es sich um die sogenannten Spötter, denen es oft als Einzelpersonen gefällt und gelingt, Streit und Zank zu produzieren (Spr 29,8). Entfernt man solche aus dem Team, bzw. der Umgebung, kehren Ruhe und Frieden zurück (Spr 24,9).
Auf jeden Fall: An uns (Christen) soll es nicht liegen, wir sollen friedliebende Menschen sein! Weil es aber wegen den Spöttern nicht immer möglich ist den Frieden zu wahren, steht in diesem Vers der Satzteil „wenn möglich“. – Damit lasse ich uns, den Christen, keine Hintertür zum Zank offen. Wir sollen dem Frieden nachjagen! Doch es gibt Konstellationen, bei denen es nach aussen so aussieht, auch wenn sich der Christ nur erklärt und grundsätzlich keinen Streit will, wie wenn er eine Zankpartei in einem Streit mit einem Spötter wäre. Da geschieht es leider allzu oft, dass man ihn zu unrecht auch als streitfreudig einstuft.
Es gibt aber zugegebenermassen – und das sage ich mit grossem Bedauern – auch Christen, die gerne streiten. Denen ist gesagt, dass solche mit streitfreudiger Einstellung, schriftwidrig engagiert sind. Gott sagt, wir sollen den Frieden nicht nur suchen, wir sollen ihm nachjagen (Ps 34,15)! Frieden zu halten ohne aber Kompromisse schliessen zu müssen, ist ein direkter Befehl aus dem Munde des HERRN (Mk 9,50)! Amen.
Verse 19-21
19 Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn! Denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.«
20 »Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.«
21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten! Röm 12,19-21
Vers 19
Wie wir es in den Versen 14 und 17 betrachtet haben: Wir sollen uns nicht selbst rächen, vielmehr dem Zorn Raum geben, indem wir ihm nicht die Stirn bieten. Unsere Rache wäre aus verschiedenen Gründen nicht gerecht, zumal wir selbst gesündigt haben. Oder denken Sie, dass es statthaft ist, wenn im Recht Fehlbare andere Gesetzesübertreter richten? – Ganz sicher nicht! Auch wenn wir nun begnadigt und gerechtfertigt sind vor Gott; wer kann von sich sagen, er sei schon vollendet? Der Prozess zur Änderung unseres Sinnes (Rö 12,2) dauert praktisch unser Leben lang an.
Nur schon von diesem Punkt aus gesehen, liegt es völlig auf der Hand, dass wir uns nicht selbst rächen sollen, die Rache würde, wie erwähnt, weder angemessen noch sich uns geziemend ausfallen. Sie gehört dem HERRN, welcher Sünde nicht kennt. Ihm allein steht es momentan zu, Fehlbare zu richten. Nicht Unvollkommene sollen die Mangelhaften richten.
Vers 20
Dieser Vers sagt aus, dass wir erstens, diesem Zeitalter gemäss, Gottes Langmut und Güte zeigen sollen. So, wie Gott mit dem Gericht zuwartet, damit alle eine Chance zur Umkehr bekommen, sollen wir uns unseren Feinden gegenüber verhalten. Wir sollen ihrem Mangel entgegentreten, so, wie wir selbst von Gott empfangen haben. – Wenn wir das tun, malen wir Gottes Charakter sehr deutlich vor die Augen unserer Widersacher. Kehren sie trotzdem nicht um, wehe ihnen, dann kommt der zweite Teil des Verses zum Tragen! In besonderer Weise wurde ihnen Gottes Charakter vor die Augen gemalt! Wird das zusätzlich ausgenutzt, werden die dadurch aufgehäuften feurigen Kohlen auf ihrem Haupte, das ist die gestiegene Verantwortlichkeit, zusätzliche Multiplikatoren für die Härte des Gerichtes sein, das auf sie kommen wird.
Vers 21
Aus eigener Erfahrung weiss ich nur zu gut, dass wir uns im Punkt, das Böse mit dem Guten überwinden, sehr schwer tun können. Lassen wir uns doch in dieser Angelegenheit von Christus inspirieren, der uns den Pfad vorgespurt hat. Er machte sich in diesen Dingen mit seinem Verhalten nicht zum Narren. Effizient tat er den Willen Gottes und erreichte so das angestrebte Ziel: Satan war entwaffnet und besiegt (Kol 2,15). Christus hing zwar am Ende wie ein Verlierer am Kreuz, wie es Unkundige beurteilen. Die Wahrheit ist aber, dass er dadurch über alle Namen erhöht wurde und als Sieger hervorging. Dem Teufel, welcher damals zu triumphieren schien, wird das Urteil gesprochen: Endstation für immer: Feuersee (Offb 20,10)! Er ist der Verlierer, obschon er mit allen Mitteln der Macht und Gewalt versucht hatte, die Oberhand zu gewinnen.
Ahmen Sie Christus und seine Vorgehensweise nach! Damit kommen Sie zum Ziel! Säbelgerassle und „eigene Gerechtigkeit erzwingen wollen“ sind bewiesenermassen die falschen Mittel, um zum Ziel zu kommen! Amen.