Kommentar zum Buch Roemerbrief, Kapitel 13
Verse 1-2
1 Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten <staatlichen> Mächten! Denn es ist keine <staatliche> Macht ausser von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet.
2 Wer sich daher der <staatlichen> Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen. Röm 13,1-2
Verse 1-2
Jede Seele soll den übergeordneten Staatsmächten untertan sein! Ob jemand modern denkt oder traditionell: Jeder Mensch soll wissen, dass er angehalten ist, sich der staatlichen Macht unterzuordnen. – Die Stellen in der Heiligen Schrift, die das aussagen und Unterordnung fordern (auch 1. Petr 2,13), werden leider nicht selten relativiert, indem sogar Christen sagen, sie würden nur bei gottesfürchtigen Staatsgewalten zutreffen. – Wer das vertritt, dient einer völlig unqualifizierten und unzutreffenden Meinung! Die bestehenden Mächte sind alle von Gott verordnet! Lesen wir dazu eine Stelle aus der Schrift:
2 So sprach der HERR zu mir: Mach dir Stricke und Jochstangen und lege sie auf deinen Hals
3 und sende sie an den König von Edom, an den König von Moab, an den König der Söhne Ammon, an den König von Tyrus und an den König von Sidon durch die Boten, die zu Zedekia, dem König von Juda, nach Jerusalem gekommen sind!
4 Und befiehl ihnen, zu ihren Herren zu sagen: So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: So sollt ihr euren Herren sagen:
5 Ich habe die Erde gemacht, die Menschen und das Vieh, die auf der Fläche der Erde sind, durch meine grosse Kraft und durch meinen ausgestreckten Arm; und ich gebe sie, wem ich will!
6 Und nun, ich habe all diese Länder in die Hand meines Knechtes Nebukadnezar, des Königs von Babel, gegeben. Und auch die Tiere des Feldes habe ich ihm gegeben, dass sie ihm dienen.
7 Und alle Nationen werden ihm dienen und seinem Sohn und seinem Enkel, bis die Zeit auch seines Landes gekommen ist und viele Völker und grosse Könige ihn dienstbar machen. Jer 27,2-7
Gott offenbart darin dem Propheten Jeremia, dass er das chaldäische Volk unter der Leitung Nebukadnezars, deren König, zur Demütigung der Moabiter, Ammoniter, Tyrer und Sidoniter einsetzen wird. Dabei wird offenbar, dass Gott über unumschränkte Macht verfügt, welche ihm auch die Steuerung der Völker gestattet, die gar nicht auf ihn hören. An anderen Stellen der Schrift zeigt Gott, dass er bestimmten Völkern Herrschaftsgebiete überlässt, obschon sie ihn gar nicht als Gott anerkennen. Aus der folgenden Schriftstelle wird das völlig klar: Gott hatte auch den ungläubigen Moabitern, die ein Scheusal als Gott verehrten (Kemosch, 1. Kö 11,7), Land und Herrschaftsbereiche zugesprochen.
Da sprach der HERR zu mir: Befehde Moab nicht und lass dich nicht in einen Krieg mit ihnen ein, denn ich werde dir von seinem Land keinen Besitz geben! Denn Ar habe ich den Söhnen Lot zum Besitz gegeben. – 5.Mose 2,9
Israel war nicht befugt, alle Länder, die nicht dem Allmächtigen dienten, zu plündern. Sie durften nur die Völker im Land vertreiben und vernichten, das Israel zugesprochen war. Selbst dies durften sie nur aufgrund des beschlossenen Gerichtes ausführen, wegen den schlimmen Vergehen jener Nationen. Auch die Zeit dazu wurde von Gott bestimmt: Erst, wo das Mass der Sünden jener Völker voll war, durfte das Gericht und die damit verbundene Vernichtung, bzw. Vertreibung stattfinden (1. Mo 15,16).
Wie es damals zur Zeit des Moses und Josuas war und es sich viele Jahrhunderte später, zur Zeit der Weltreiche verhielt (z.B. Jeremia 27; Hes 25-32), gestaltete es sich zur Zeit Jesu (Joh 19,11!) und ist es heute. So, wie die Alliierten in den vierziger Jahren dazu da waren, Nazideutschland zu demütigen und ihre Sünden (z.B. Vernichtung der Juden) zu ahnden, stand die USA Gott zur Verfügung, das Regime Iraks im Jahre 2003 zu stürzen. Dabei spielte es keine grosse Rolle, ob die USA unter gottesfürchtiger Leitung stand oder nicht. Gott kann bestimmen, wen er will, um seine Regierungswege durchzusetzen. Die Chaldäer waren zum Beispiel überhaupt keine freundlichen Menschen, die er zur Züchtigung vieler Nationen eingesetzt hatte. Sie wurden als sehr gewalttätig bezeichnet (Hes 28,7) und waren selbst mit Sünde behaftet, so, dass auch ihre Herrschaftszeit später auf Gottes Anordnung (Dan 5,22-28) ein jähes Ende fand (Dan 5,30).
Zusammenfassend müssen wir anerkennen, dass der Allmächtige der HERR ist. Er hat Gewalt und Macht über jede Nation, er setzt ein bzw. ab, wen er will. Er erhöht ein Land nach seinem Willen, genau so, wie er Völker erniedrigt. Niemand kann seinem Willen widerstehen, auch die gewalttätigsten und gottlosesten Gemeinschaften sind wie Spielbälle in seinen Händen. Wenn dieser Gott nun verlangt, dass sich jede Seele den staatlichen Mächten unterordnen soll, was sind das für Menschen, die solche Aussagen relativieren? So, wie es geschrieben steht, ist es zu halten! Amen.
Natürlich sehen wir aus diesem Kontext auch die kleinen Ausnahmen. In Punkten, wo sich die staatliche Gewalt an Gott versündigt, wie es sich gebräuchlich bei den Nationen verhält, sind wir angehalten, nicht mitzumachen. Staatlich geduldete Gottlosigkeit ist für uns aber auch keine Legitimation, die Weisung der Bibel zu ignorieren. Mit Christenverfolgungen und Bibelverboten, legalisierten Abtreibungen und gleichgeschlechtlichen „Ehen“ versündigen sich die Nationen an ihrem Schöpfer, der ihnen den Herrscherstab zeitlich in die Hände gegeben hat. Mit diesen Gottlosigkeiten ziehen sie sich das Gericht zu, das nicht zögern wird. Halten Sie sich als Christ da raus! Gott rechnet mit jeder Nation ab, er ist der HERR über jedes Land. Das nächste allumfassende und sehr übel ausfallende Gericht über die Nationen wird bei der Wiederkunft Christi stattfinden (Offb 11,16-18). Wenn Sie angehalten werden durch den Staat, sich voll an Gott zu versündigen, indem sie beispielsweise politische Gegner ohne Legitimation exekutieren müssten, sollten sie Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg 5,29). Dies verlangt Gott i.d.R. nicht oft, sonst wäre jede Staatsordnung in Gefahr, durch Gottesmänner untergraben zu werden. Daher finden wir auch selten solche Fälle in der Bibel. Und selbst in jenen Fällen war es nie von Gott angeordnet, sich der Obrigkeit so zu widersetzen, dass andere Menschen darunter leiden, wie es bei anderen Religionsfanatikern der Fall ist, die sich in die Luft sprengen und andere Menschen mit ins Elend reissen. Mordechai huldigte im Buch Ester Haman nicht, weil er ein Agagiter war (Agag = König von Amalek), da Gott deren Gedenken nicht duldete (d.i. Amaleks Gedenken, 5.Mo 25,19). Jedoch war es selbst dem durch Gott vielgeliebten Daniel (Dan 9,23) nicht einfach erlaubt zu rebellieren, er musste die damalige Besatzungsmacht höflich fragen, ob er seinem Gott mit reiner Speise dienen durfte (Dan 1,8).
Es ist uns grundsätzlich nicht gegeben gegen die staatliche Gewalt zu rebellieren, auch wenn sie sich götzendienerisch gibt. Ganz wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel. Gott wird mit ihr abrechnen, nicht wir. Wir sind jetzt angehalten, die staatliche Ordnung zu respektieren. Wer sie nicht respektiert, wird von Gott ein Urteil empfangen! Hüten wir uns vor Rebellion! Amen.
Verse 3-6
3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der <staatlichen> Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben;
4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut.
5 Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen.
6 Denn deshalb entrichtet ihr auch Steuern; denn es sind Gottes Diener, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind. Röm 13,3-6
Vers 3
Nicht nur die guten Machthaber, auch jene, die zu den schlechteren gehören, anerkennen Personen, die Gutes tun. Letztere sind Balsam für die Gesellschaft; wer kann schlecht von einem echten Wohltäter reden? Deshalb sind die Regenten nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Wer Gutes tut, wird Lob von der Staatsmacht haben.
Vers 4
Die Staatsmacht ist Gottes Dienerin. Sie ist von Gott gegeben und steht in seiner Gefälligkeit. Sie ist nicht aus irrationalen Gründen eingesetzt worden, sondern „dir zum Guten“. – Vielleicht können Sie das so nicht annehmen, vor allem nicht, weil sie der Strafzettel für ein zweiminütiges Falschparken in der Einkaufsmeile noch nervt. Oder Sie sind ideologisch bei den Anarchisten, bei Menschen, die eine Herrschaftslosigkeit befürworten, angesiedelt und sehen das als bessere Alternative zur Staatsgewalt, welche „dir zum Guten“ eine Dienerin Gottes ist.
Im Grunde wissen wir alle, dass es eine Staatsmacht braucht, dass sollte an dieser Stelle ausser Frage stehen. In Ländern, wo eine Anarchie herrschte oder herrscht, finden wir anstelle von Ruhe und Ordnung ein Chaos. Wir Menschen sind zu verschieden, dazu egoistisch und böse, um in einer Anarchie gut leben zu können. Ausserdem sind wir gar nicht dazu geschaffen. Sehen Sie sich einmal in der politischen Landschaft um, wo sich (meistens) gesittete Leute treffen, in den Regierungsgebäuden. Da argumentiert jemand aus dem roten (DE = linken) Lager für eine Sache und muss sich kurz darauf gefallen lassen, dass seine volle Überzeugung und Lebenseinstellung von Vertretern der Schwarzen (DE = Rechtspartei) als völlig unrealistisches „Luftschloss“ beurteilt wird. Genau so verhält es sich im umgekehrten Sinn, wenn sich eine Rechtspartei für etwas stark macht, so, dass es oft schwierig ist, überhaupt einen Konsens zu finden. Beschlüsse können vielfach nur durch Abstimmungen erreicht werden, nicht durch ein Überzeugen der ganzen politischen Versammlung. So verschieden denkt der Mensch. In einer Anarchie würden die Leute sehr schnell aneinander geraten; der Fleissige, der etwas erreichen möchte, wird die Meinung des Faulen nicht teilen, er solle ihm etwas vom sauer Erarbeiteten abgeben. Genau das zeigt uns auch die Geschichte. Während der Richterzeit herrschte in Israel auch eine abgeschwächte Form der Anarchie. „Jeder tat, was ihn recht dünkte (Ri 17,6).“ Das Ergebnis war frevelhafter Götzendienst (Ri 18,30) und Schandtaten, die ihresgleichen suchen (Ri 19!). Die Folge davon war eine Hungersnot, die darüber hinaus noch folgte (Rut 1,1) und die Umstände der Menschen noch schlimmer werden liess. – Lassen wir uns nicht täuschen von der Ideologie des Anarchismus: Die eben angeführten schlechten Sitten fanden bereits in einer Vorphase dieser Ideologie statt, es gab damals immerhin noch Richter. Wie würde es enden, wenn mordlustige, ehebrecherische, diebische, egoistische, lügnerische, scheinheilige und den Eltern ungehorsame Menschen (1. Mo 6,5; Mt 15,19; Gal 5,19) ohne Staatsgewalt auf einem Haufen leben würden? Wer kann aufgrund der Geschichte und biblischen Wahrheiten diese Ideologie des Lebens ohne Staatsgewalt weiter tragen?
Nicht ohne Grund verfügt der Staat über das Schwert, die Justiz und Polizei. Er dient damit Gott, um die Ruhe und Ordnung einzuhalten. Der Staat ist ein Rächer zur Strafe für den, der Böses tut. Wer Böses tun will, soll sich vor dem Staat fürchten: Er ist von Gott eingesetzt, welcher ein Gott der Ordnung ist.
Vers 5
Es ist notwendig untertan zu sein, weil Gott den Staat eingesetzt hat, nicht nur aus Furcht vor der Strafe. Das, dass Gott die Gewalten einsetzt, berührt unser Gewissen. Die Staatmacht sieht nicht jede Verfehlung der Bürger – schwer sind beispielsweise kleine Steuerhinterziehungen zu ahnden. Wir Christen sollten aber nicht so eingestellt sein, dass wir die Staatsgewalt nur der Strafe wegen respektieren und uns deshalb mehr oder weniger an die Gesetze halten. Wir sollten sie einhalten, um unser Gewissen in der Ruhe halten zu können, welches sich auch bei „kleinen“ Vergehen meldet, da es ein Instrument Gottes ist, das Vergehen anzeigt.
Vers 6
Dafür, weil der Staat Gott dient, aus keinem anderen Grund, entrichten wir die Steuern. Damit finanzieren wir unsere Ordnung, wir geben der Dienerin Gottes die Mittel, die sie zur Bewältigung ihrer Aufgaben braucht. Das nicht immer jeder Euro und Franken effizient eingesetzt wird, entbindet uns nicht von dieser Pflicht. Gott will es so haben und es ist uns nicht gegeben, anarchistisches Gedankengut anzunehmen.
Vers 7
Gebt allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre <gebührt>! Röm 13,7
Vers 7
Dem Staat untertan sein beinhaltet natürlich auch die Anerkennung seiner Institutionen und Angestellten. So sollen wir gewissenhaft unsere Steuern und den Zoll bezahlen. Auch die Furcht und die Ehre sollen wir denen geben, die die entsprechenden Ämter bekleiden. Damit bezeugen wir auch äusserlich, dass wir den Staat und seine Organe in ehrlicher Weise anerkennen.
Schwimmen Sie gegen den Strom der Unehrerbietigkeit, der in den letzten Jahrzehnten losgebrochen ist! Heute sind wir soweit, dass die Regierung nicht mehr, wenn nötig, sachte und objektiv kritisiert wird. Oft werden Beamte oder die Staatsführung als ganzes mit so verächtlichen Wörtern betitelt (Pred 10,20), die früher nur ruchlose und gemeine Menschen im Munde führten. Auch werden Ordnungshüter vermehrt beschimpft und sogar bespuckt, so dass die Ausübung ihres Jobs zur Nervensache mutieren kann. – Bewahren Sie sich vor dem Verfall der Sitten, liebe Leserinnen und Leser! Tun Sie es der Welt nicht gleich! Wir haben sehr viel Gnade von Gott im deutschsprachigen Raum erhalten. Im Vergleich mit anderen Regionen der Welt sind wir sehr privilegiert! Wir sollten dafür Gott von Herzen danken und für unsere Regierungen beten, dass wir es noch lange an unseren Wohnsitzen ruhig haben dürfen (1. Tim 2,2)!
Verse 8-10
8 Seid niemand irgend etwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.
9 Denn das: »Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren«, und wenn es ein anderes Gebot <gibt>, ist in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«
10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe. Röm 13,8-10
Vers 8
In der Liebe zueinander offenbaren wir Gottes Charakter, den er anfänglich durch das Gesetz und seine Regierungswege mit Israel und später durch Christus in seiner vollen Schönheit entfaltete. Gott ist die Liebe (1. Joh 4,7-8). Seine Liebe zum Menschen ist der Beweggrund für seine Taten, auch die Schranken (Gesetz), die er dem Menschen setzte. Diese Schranken sind für den Menschen, nicht der Mensch ist dazu da, für das Gesetz zu leben (Mk 2,27)! Deshalb bleibt jeder, der auf der Grundlage der Liebe bleibt, auch im Gesetz, denn es entstand durch diese Grundlage (Gal 5,14).
Nirgendwo sollen wir ein ungestopftes Loch lassen, wir sollen niemandem etwas schuldig bleiben. Die oben geforderten Elemente, wie Ehre, Furcht, Zoll und Steuern sollen nicht auf der Strecke bleiben. Es gehört sich, dass alle ihren zugemessenen Anteil bekommen, nicht mehr und (besonders) auch nicht weniger. Bei der Liebe sind wir hingegen wie ewige Schuldner angehalten, sie ohne Mass bzw. Berechnung weiterzugeben.
Verse 9-10
Diese beiden Verse bestätigen den Inhalt des Kommentars zum Vers 8: Gottes Liebe ist die Triebfeder für das Gesetz! Er gab es nicht, um den Menschen damit zu plagen, er gab es, dass der Mensch seinem Nächsten nichts Böses tut, dafür, dass er die Ehe nicht entweiht, das Leben achtet, die Besitzrechte anerkennt und nicht argwöhnisch und mit Neid behaftet auf den Besitz des Nachbars schaut. Wer jemanden lieb hat, achtet auf all diese Dinge und erfüllt dadurch gleichzeitig Gottes Gesetz! Fokussieren Sie sich auf die Liebe zu Gott und den Nächsten, nicht darauf, wie sie in den Geboten wandeln! Das erste schliesst das zweite mit ein! Amen.
Vers 11
Und dies <tut> als solche, die die Zeit erkennen, dass die Stunde schon da ist, dass ihr aus dem Schlaf aufwacht! Denn jetzt ist unsere Rettung näher, als da wir zum Glauben kamen: Röm 13,11
Vers 11
Der Christ soll aus seinem Schlaf aufwachen! – Wie schnell werden diese Verse nur oberflächlich gelesen! Dazu wird vielleicht innerlich bejahend genickt und doch ist sich der Leser nicht ganz im Klaren, wie eine eingehende Prüfung des eigenen Standes manchmal Not tut.
Wir wurden bei unserer Bekehrung zu Söhnen und Töchtern Gottes, welche durch die Erneuerung des Sinnes in moralischer Hinsicht Christus ähnlicher werden (Rö 12,2; Eph 4,23). Wir sind also in einem Prozess der Umgestaltung und Heiligung.
Wie jeder Prozess überwacht werden sollte, geziemt sich auch bei diesem wichtigen Prozess eine ständige Kontrolle. – Nehmen wir beispielsweise den Prozessablauf während eines Umzuges: Was für Meilensteine bzw. Eckpunkte gibt es darin, die dringend überwacht werden müssen? Bei einer Nichterreichung dieser Prozesspunkte kann ja schliesslich der ganze Umzug gefährdet sein! – Ich denke da an die fristgerechte Kündigung der alten Wohnung, einen passenden Termin für den Bezug der neuen Wohnung mit den entsprechenden Verträgen, eine zeitlich korrekte Bestellung des Umzugswagens, eine sorgfältige Möbelkompatibilitätsprüfung, um nur wenige der vielen zu berücksichtigen Punkten zu erwähnen. – Nur schon bei einem vergleichsweise „niederen“ Prozessablauf müssen wir bereits sehr auf der Hut sein, damit alles reibungslos abläuft. Wie viel mehr Aufmerksamkeit gebührt es sich für unser Christenleben aufzubringen! Wie es sich nicht gehört, zu schlafen, wenn der Umzugswagen vorfährt, ist es völlig daneben, als Christ zu schlummern. Mit „schlafen“ ist nicht der natürliche Schlaf gemeint. Jeder Mensch braucht seine Ruhezeiten und gesunden Schlaf. An dieser Stelle ist ausgesagt, dass wir nicht wie Schlafende, welche alles Geschehen um sie herum nicht mitbekommen, unser Dasein leben sollen.
Auch das Christenleben ist ein laufender Prozess, der seine Eckpunkte und Meilensteine hat. Anhand der Erreichung, bzw. der Nichterfüllung dieser Teilziele können wir uns einen verlässlichen Zustandsbericht über unser Leben abgeben. – Haben Sie Ihr erstes Teilziel, die Taufe, erreicht (Apg 8,36; 22,16), indem Sie sich nach Ihrer Bekehrung zum HERRN haben taufen lassen? Haben Sie sich in eine (bibeltreue) Gemeinschaft eingegliedert, um Christus näher kennen zu lernen (Eph 4,13-14)? Beginnt Ihr Christenleben Früchte zu tragen (Mt 13,23; Lk 3,8; Joh 15,2; Rö 7,4; Jak 3,17, uva.)? Verbringen Sie Ihre freie Zeit, welche sie in Eigenverantwortung verplanen können, mit Ungläubigen (2. Kor 6,14)? Beten Sie oft (Lk 18,1; 21,36; Apg 1,14; Rö 12,12; Eph 6,18; Kol 4,2; 1. Tess 5,17)? Prüfen Sie sich und Ihr Leben so gewissenhaft, wie sie ein weltliches Projekt, beispielsweise für Ihren Arbeitgeber oder Statthalter (Mal 1,8), überwachen würden? Oder sind Sie dabei, Ihr Leben zu verschlafen?
Wir sollen daran denken, dass sich mit jeder vergangenen Woche die Wiederkunft des HERRN um sieben Tage nähert. Verschlafene Zeit ist manchmal nicht mehr aufzuholen, das wissen wir erfahrungsgemäss. Verpasste Eckpunkte können grosse Verluste darstellen; es können unwiderrufliche Schäden entstehen. Ein verpasster Jungfernflug ist ein Verlust für immer. Er kann nicht mehr nachgeholt werden bei einem einmalig gebauten Flugzeug. Doch dieses Beispiel ist nichts im Gegensatz zu verpassten Eckpunkten im Christenleben! Wer während der Ernte schläft, ist ein schandbarer Sohn (Spr 10,5)! Verpasste und nicht mehr nachgeholte Eckpunkte können einen bleibenden Verlust bedeuten! Manchmal schenkt der HERR in seiner Langmut Zeit, um verpasste Gelegenheiten nachzuholen. Doch selbst dies ist nicht bei jeder verlorenen Zeitgrösse möglich. Wer 35 von 40 geschenkten Jahren als Christ verschläft, wird in den verbleibenden fünf nicht nachholen können, was er in den 35 versäumt hat. Amen.
Verse 12-14
12 Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen!
13 Lasst uns anständig wandeln wie am Tag; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht;
14 sondern zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, dass Begierden wach werden! Röm 13,12-14
Vers 12
Mit dem Vers 11 scheint Paulus den Christen zu unterstellen, sie würden schlafen. Er sagt in einer generellen Art, sie sollen aufwachen. – Tut er da nicht einigen Unrecht? Wieso wählt der Heilige Geist, welcher Paulus inspiriert, diese generelle Art? – Die Antwort liegt auf der Hand: Die Geschichte zeigt die grosse Schwachheit der Heiligen. Wie die Israeliten sich schwer taten, eine gute Gottesbeziehung zu pflegen, handelt die Kirche, die Gemeinde Jesu. Bereits die Erzväter der Gemeinde taten sich schwer, Geistliches anzunehmen (Mt 17,17). Dazu kam auch, dass es ihnen schon Mühe bereitete, eine Stunde mit Jesus zu wachen (Mt 26,40). Trotz ihrer hohen Berufung erfand Jesus nicht alle als würdig bzw. fähig, spezielle Offenbarungen zu erfahren (Mt 17,1; Mk 5,37). Auch die Tatsache, dass Jesus die Stunde seiner grössten Angst nur in der Nähe seiner drei vertrautesten Jünger (Mk 14,33) verbrachte, zeigt uns eine erschreckende Regelmässigkeit auf, die im Volke Gottes vorherrscht: Die Mehrheit der Gläubigen lässt sich nicht soweit bringen, dass sie zum engsten Kreis der Familie gezählt und mit den intimsten Dingen des HERRN betraut werden kann. Es ist daher nur als logische Konsequenz zu betrachten, dass der Ruf in den Sendschreiben an die, grösstenteils mit Mangel behafteten, Gemeinden speziell an die Überwinder gerichtet ist. Wie die Menschen in Israel es als Gesamtheit nicht geschafft haben, sich zu Gott zu wenden (Hos 11,7), verhält es sich mit der Kirche Jesu: Nur ein kleiner Teil der Gemeinde, nämlich die überwindenden Christen, werden vom HERRN in spezielle Aufgaben eingeführt werden können (Offb 2,7; 2,11; 2,17; 2,26; 3,12; 3,21; 21,7). Dabei steht natürlich die Errettung der übrigen Christen ausser Frage, alle sind durch das Blut des HERRN vor dem ewigen Zweiten Tod, dem Feuersee (Offb 20,14), gerettet. Doch es werden längst nicht alle in dieselbe intime Gemeinschaft mit dem HERRN kommen dürfen.
Aus den erwähnten Gründen muss gesagt werden, dass bei der Mehrheit des Volkes geistlicher Schlaf vorhanden ist und jetzt die Zeit da ist, endlich aufzuwachen! Die Verse 12-14 sind wie ein letzter (eindringlicher) Aufruf an die Gemeinde, nüchtern zu werden! Er ist vergleichbar mit einem letzten Aufruf am Flughafen, der verspäteten Passagieren gilt, ihr Flugzeug, das im Begriff ist zu starten, doch noch zu erwischen. „Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe“, bedeutet, dass das dunkle Zeitalter der Herrschaft des Teufels und der eigenwilligen Menschen bald vorüber ist und der „Tag“, die Herrschaft Jesu Christi, des allmächtigen Gottes (Jes 9,5), in Kürze anbrechen wird. „Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen“, bedeutet, wir sollen die Welt und ihre Philosophie verleugnen, nicht darin wandeln und ihr gemäss Werke hervorbringen, um weiter beschmutzt zu werden. Vielmehr sollen wir die „Waffen des Lichts anziehen (Eph 6,13)“, damit wir dem Bösen widerstehen können. Amen.
Verse 13-14
Wir sind aufgerufen so zu wandeln, wie man am Tag wandelt, wenn das Licht auf alles scheint und nichts verborgen bleiben kann. Am helllichten Tag liegt es nicht drin, so vorzugehen, wie man es sich manchmal insgeheim wünscht. Ein „sich gehen lassen“ liegt nicht drin. Sündige Unzucht, Trinkgelage, Streit und Eifersucht – geziemen sich diese Dinge für Heilige in Christus Jesus, auch wenn sie in der Welt in Königshäusern praktiziert werden? – Niemals sollte solches unter den Kindern des Höchsten als gut befunden werden!
Wir sollen Christus anziehen bedeutet, dass wir in allem seine Moral und seinen Charakter ausstrahlen sollen. Dazu sind wir ebenfalls aufgerufen, unsere alte Natur nicht zu pflegen, bzw. Vorsorge für sie zu leisten, da ansonsten Begierden wach werden. Die alte Natur ist es nämlich, die schlechte Sitten hat und ein treibender „Sündenmotor“ ist. Wenn wir diesen kosen und pflegen, wird er immer besser laufen und wird anstatt abzusterben, Begierden wecken (1. Petr 2,11). Die alte Natur pflegt man, indem man Tore für ihre Früchte, wie Diebstahl, Hass, Unzucht, Lüge und Lästerungen, öffnet. Für Unzucht öffnen wir sie mit Schmuddelfilmen aller Art, aber auch schon mit begehrlichen Blicken auf die fremde Frau. Für den Diebstahl öffnen wir sie durch habsüchtige Gedanken. Schnell sind wir dann verleitet, die Steuerformulare zu fälschen, um so den Staat zu bestehlen. – Sie wissen selbst, was Sie vermeiden sollten, um nicht böse und fleischliche Begierden aufkommen zu lassen. Sollten Sie als Beispiel durch den Fernseher verleitet werden, meiden Sie ihn! Vermeiden Sie Orte, die Sie zur Sünde führen! – Es bringt nichts, irgendetwas als grundsätzlich böse zu stempeln, jeder Mensch weiss selbst, wo er schwach ist. Es gibt Christen, die den Computer verteufeln, da er Tore zur Pornografie öffnet. Doch der Computer ist ein neutrales Teil, das man wie ein Messer für Gutes und Schlechtes einsetzen kann. Jeder Mensch weiss, wo er schwach ist und mit was er nicht umgehen kann. Das sollte er vermeiden, denn es heisst diesbezüglich ungeschminkt:
Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiss es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Mt 5,29
Was für die eigenen Glieder gilt, die uns zur Sünde verleiten, gilt umso mehr für Gegenstände, die man noch leichter aus dem eigenen Aktionsradius entfernen kann als angewachsene Körperteile! Amen!