Kommentar zum Buch Roemerbrief, Kapitel 15

Verse 1-3

1 Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen.  
2 Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung!  
3 Denn auch der Christus hat nicht sich selbst gefallen, sondern wie geschrieben steht: »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.«   Röm 15,1-3      

Vers 1

Fällt Ihnen etwas auf, liebe Leserin und lieber Leser? Der HERR widmet durch die Hand des Paulus den Schwachen in diesem Brief mehr als ein ganzes Kapitel. Daran sehen wir die Wichtigkeit dieses Themas. Er fährt mit den Belehrungen diesbezüglich in diesem 15. Kapitel fort und bringt es gerade am Anfang auf den Punkt: Wir sind verpflichtet, das heisst, es gehört zu unseren festen, nicht individuellen Aufgaben, die Schwachen zu tragen! Und dem selbstgefälligen Menschen ist auch hiermit gesagt, dass er sich hinten anstellen soll. Gefordert ist das Trachten zum Wohle des Nächsten und nicht ein Bestreben nach eigener Ehre.

Vers 2

Wie gerade im vorangegangenen Kommentar erwähnt, gilt dieses Gebot jedem Christen. „Jeder“ steht an der Stelle der Zielgruppe. Es gibt ja bekanntlich verschiedene Aufgaben für die Kinder Gottes, je nach ihrer Neigung und Fähigkeit (Mt 25,15). Die einen sind technisch begabter, andere wiederum redegewandter. Den einen gibt der HERR die Fähigkeit zu heilen, andere weissagen. Das sind die individuellen Aufgaben der Christen. Zu den Rahmengeboten, welche für alle verbindlich sind, wie nicht zu stehlen, lügen, morden, etc. kommt dieses Gebot hinzu: „Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung!“ Amen.

Vers 3

Paulus gibt hier den Grund für dieses Gebot an. Wir sollen ja in die Fussstapfen Christi treten und so werden, wie unser Meister ist (Lk 6,14; 1. Joh 3,2). So, wie Christus sich nicht selbst gefallen hat, sollen wir tun. Er liess sich um der Schwachheit der Menschen willen sogar schmähen. Wenn er sich hätte selber gefallen wollen, hätte er sein Reich aufrichten und sofort Gericht halten können. Dann wäre es ihm gut ergangen und alle Widersacher wären auf seinen Befehl hin zu Pulver zerfallen. Alle Welt hätte vor Augen gehabt, mit wem sie sich angelegt hatte und niemand hätte seine Majestät und Reinheit ertragen können.

Der HERR tat dies aber nicht, weil es nicht seinem Willen entsprochen hätte. Er wollte die Schwachen, die sich nicht selbst retten können, aus der Knechtschaft der Sünde befreien und sie vor der Zukunft in der Hölle bewahren. Er beugte sich zu uns hernieder und half uns, indem er seine Herrlichkeit verliess und beiseite setzte. Er legte sein Königtum beiseite, damit er so vielen Menschen wie möglich zum wahren Leben verhelfen kann. Hätte er sein Königtum vor 2000 Jahren angetreten, hätten zwangsweise alle Menschen sterben müssen, denn ein König ist auch ein Richter. Und welcher Mensch ist ohne Sünde?

So entschied sich unser herrlicher HERR für den Weg der Selbstverleugnung und wehrte sich auch dann nicht, wenn ihm vorsätzlich und böswillig Unrecht angetan wurde. Führen Sie sich das mal bildlich vor Augen! Gottes Sohn, der ohne jede Sünde war – und damit war der gerechte Vater verpflichtet ihn vor dem Tod zu schützen, denn der Lohn der Sünde ist der Tod -, dieser Jesus, der sofort mehr als zwölf Legionen Engel hätte zur Verteidigung bestellen können (Mt 26,53), um nicht in die Hände der Sünder ausgeliefert zu werden, erniedrigte sich bis zum Tod am Kreuz, damit die Schwachen und Kraftlosen – das sind wir! – eine Chance für die Ewigkeit bekommen! Oder kennen Sie einen Menschen, der es ohne die Erlösungstat des HERRN (ohne Sünde) ins Reich schafft?

Sehen Sie es auch, liebe Leserinnen und liebe Leser, dass es aus diesem Blickwinkel gesehen nicht einfach ein weiteres Gebot des HERRN ist, die Schwachen zu tragen, sondern dass es recht und das Mindeste ist, auch so zu handeln? – Der HERR sei gelobt für sein Entgegenkommen! Er sei gelobt für seine Absicht und Vollendung, die Schwachen zu tragen! Er sei gelobt für seinen damaligen Verzicht, die himmlischen Heere zu seinem Schutz zu mobilisieren! Wie unendlich dankbar können wir für seine moralisch unvergleichlich hochstehenden Entscheidungen, welche von einer unendlichen Liebe zu seiner Schöpfung zeugen, sein! Amen!

Vers 4

Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben.   Röm 15,4  

Vers 4

Dieser Vers, sowie auch jene Parallelverse aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 10, die ich auch noch hinzuziehen möchte, sind von grosser Wichtigkeit. Sie zeigen die grosse Bedeutsamkeit der alttestamentlichen Schriften, von denen einige glauben, sie seien für uns nicht mehr massgebend, da wir jetzt in der Zeit des Neuen Testamentes leben. Die Tatsache, dass das Gesetz Moses den neutestamentlichen Geboten weichen musste, hebt die Wichtigkeit dieser Schriften nicht auf. Sie gehören immer noch zum Wort Gottes, das unerschöpflich ist. Sie weisen in vielen Punkten auf Christus hin (z.B. Passahlamm, siehe 1. Mo 12; Kor 5,7). Wir können in ihnen auch Gottes Charakter kennen lernen und sehen, wie er mit seinem Volk handelt. Darin sind auch die Reaktionen seines Volkes auf die göttliche Führung festgehalten und die allgemeinen Verhaltensweisen der Menschen im Blick auf Gott.

Für die Schriften des Alten Testamentes gilt ebenfalls:

16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.   2.Tim 3, 16.17   

Der Mensch ist immer noch der selbe, wie damals, aus Fleisch und Blut und es gibt nichts Neues unter der Sonne, wie geschrieben steht (Pred 1,9), auch wenn wir einen technologischen Fortschritt verbuchen können. Die Regeln des Zusammenseins mit Gott sind im Grunde dieselben: Ein Opfer verbindet den Menschen mit Gott. So, wie die Tieropfer es im Voraus verkündigten, kam Christus zu seiner Zeit, um in seinem Leib das wahre Opfer darzubringen, welches für die wahren Gläubigen, seine Anhänger, eine Brücke schlägt zu Gott (Joh 14,6).

Wir werden durch die alttestamentlichen Schriften ermuntert (Rö 15,4), aber auch zusätzlich gewarnt (1. Kor 10,6). Israel hatte diese Warnungen noch nicht in dieser Vollendung. – Im Blick auf die Ermunterung haben wir heute noch mehr schöne Beispiele von Gottes Gnade, wie beispielsweise die Wiederherstellung Hiobs aus dem gleichnamigen Buch der Bibel. Auf diese greift auch Jakobus in seinem Brief zurück (Jak 5,11), um die Empfänger des Briefes zu ermutigen, in Prüfungen auszuharren. – Im Blick auf die Warnungen der Schrift ist unsere Verantwortung gestiegen. Durch deren Belehrungen und Darlegungen der Handlungen Gottes wissen wir genau, dass der HERR nicht tatenlos zusieht, wenn sich der Mensch von ihm abwendet und dass die Geduld Gottes verkürzt ist, wenn der Mensch schon vorgewarnt ist. Eindrücklich beschrieben sehen wir Letzteres beim Nachkomme Nebukadnezars, des grossen Königs von Babel, das ist Belsazar. Nebukadnezar wurde von Gott gezüchtigt und gedemütigt, wo sich sein Herz erhob. Wo er dachte, er habe all sein Reich durch seine (eigene) Kraft gegründet, musste ihn Gott eines besseren belehren, damit er erkennen konnte, wer eigentlich der wahre Herrscher und Regent auf Erden und im Himmel ist (Dan 4,30). Gott gewährte Nebukadnezar die Zeit der Zucht und der Besinnung, sieben Jahre lang. Danach erkannte Nebukadnezar die Wahrheit und bekannte durch seinen Mund den wahren HERRN.

Von diesen Begebenheiten erfuhr Belsazar alles, doch er liess sich dadurch nicht beeindrucken, was sein fataler Fehler war. Er war durch die Geschichte gewarnt (Dan 5,22), daher zögerte das Gericht Gottes nicht lange. Er hätte wissen müssen, dass Gott seine Ehre keinem anderen gibt (Jes 42,8), sowieso keinem, der im Lügenwahn lebt. – Weil das Wissen um diese Vorbilder eine grosse Gnade ist, welche uns vor vielen Unannehmlichkeiten schützen kann, werden wir im 1. Korintherbrief eindringlich ermahnt, wie in diesem, heute kommentierten Vers, dass wir uns sollen durch sie warnen lassen!

6 Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach Bösem gierig sind, wie jene gierig waren.
11 Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.   1.Kor 10, 6.11  

Leider – und das sage ich aus meiner traurigen Erfahrung diesbezüglich – ist die allgemeine Tendenz der Christen eine Haltung zu haben wie sie Belsazar an den Tag legte: „Was kümmert uns der Kram von gestern, wir leben heute!“ Solches und Ähnliches hörte ich als Antwort auf meine Ermahnungen diesbezüglich. Auch wurde mir gesagt, dass ich im Neuen Testament mit eindringlicher Ermahnung falsch liegen würde und so die „Frohbotschaft zur Drohbotschaft“ verkommen lasse. Damit wiederholten sie heute die Geschichte, welche den Ermahnern zu jener Zeit widerfuhr:

Prophet Amos: 16 Und nun höre das Wort des HERRN: Du sagst, du sollst nicht weissagen über Israel und sollst nicht reden über das Haus Isaak.  
17 Darum, so spricht der HERR: Deine Frau wird zur Hure werden in der Stadt, und deine Söhne und deine Töchter werden durchs Schwert fallen, dein Land wird mit der Messschnur verteilt werden, und du selbst wirst in einem unreinen Land sterben; und Israel wird gewiss aus seinem Land gefangen wegziehen.   Am 7,16-17   

Prophet Micha: 6 »Weissagt nicht!« weissagen sie. In der Art weissagt man nicht! Die Schmach wird <uns> nicht erreichen.  
7 Darf man so etwas im Haus Jakob sagen? Ist der HERR etwa ungeduldig? Oder sind dies seine Taten? Sind seine Worte nicht gütig gegen <ein Volk>, das rechtschaffen lebt?   Mi 2,6-7  

11 Seine Häupter richten für Bestechung, seine Priester lehren für Lohn, und seine Propheten wahrsagen für Geld. Und <dann> stützen sie sich auf den HERRN und sagen: Ist der HERR <etwa> nicht in unserer Mitte? Kein Unglück wird über uns kommen!   Mi 3,11  

Prophet Jeremia:
4 Und verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies!  
13 Und nun, weil ihr all diese Taten getan habt, spricht der HERR, und ich zu euch geredet habe, früh mich aufmachend und redend, ihr aber nicht gehört habt, und ich euch gerufen, ihr aber nicht geantwortet habt:  
14 so werde ich mit diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, worauf ihr euch verlasst, und mit dem Ort, den ich euch und euren Vätern gegeben, ebenso verfahren, wie ich mit Silo verfahren bin.   Jer 7,4.13.14    

Genau so sprechen die Leiter von vielen Gemeinden heute: „Der Vater ist barmherzig und wird keinesfalls ein Gericht über uns – wir sind sein Volk! – kommen lassen!“ – Ist Israel denn nicht auch Gottes Volk? Und was kam an Übel alles über sie!

Liebe Leserinnen und liebe Leser! Nochmals eindringlich und mit Leiden für mein eigenes Volk warne ich an dieser Stelle mit Nachdruck: Ein Wandel zur Unehre Gottes wird der HERR an seinem Volk heimsuchen. Für viele Christen wird die Rückkehr des HERRN zur Schande für sie werden, weil sie ihn durch ihre Taten verleugnet und falsch dargestellt haben! Lassen Sie uns den HERRN durch unseren Wandel verherrlichen! Amen!

Verse 5-7

5 Der Gott des Ausharrens und der Ermunterung aber gebe euch, gleichgesinnt zu sein untereinander, Christus Jesus gemäss,  
6 damit ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlicht.  
7 Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!   Röm 15,5-7  

Vers 5

Dass Gott ein Gott der Ermunterung ist, wissen wir alle. Er ermuntert sein Volk durch seine Barmherzigkeiten. Er offenbarte sich als der gute Hirte, der sein Leben lässt für die Schafe (Joh 10,11). Mit Gott sind wir getröstet und ermuntert. Doch weshalb bezeichnet Paulus Gott auch als Gott des Ausharrens? Weshalb sollte Gott ausharren müssen? Er kann ja tun und lassen, was er will! Er ist allmächtig! Was seine Seele begehrt kann er ihr doch sofort zuführen? – Im Grunde genommen kann er das. Doch wenn er danach handelte, wäre seine Seele nicht wirklich zufrieden, denn er müsste aufgeben, was er lieb hat. – Nehmen wir ein Beispiel: Ein Vater wünscht sich folgsame Kinder. Ein irdischer Vater muss darauf hin arbeiten. Mit viel Geduld und vielfältigen Ermahnungen, Tröstungen und inneren Kämpfen erzieht ein liebender Vater seine Kinder in der stetigen Hoffnung, dass sie gut gedeihen mögen. Der allmächtige Gott hingegen müsste gemäss seiner Kraft diesen Weg nicht beschreiten. Wir wissen, dass er in einem Nu ein ganzes Volk vernichten und an dessen Stelle ein neues schaffen kann, sollte es sich als widerspenstig zeigen (2. Mo 32,10). Doch Gott, der HERR, handelt nicht so, auch wenn sein Volk Ihn oft zum Zorn reizt und ermüdet (Jes 43,24). Die Liebe zu seinem Volk hindert ihn daran, den kürzesten Weg zu gehen um seine Seele zu befriedigen, er lässt seinem Zorn nicht ohne Weiteres freien Lauf (Ps 78,38 u.a.). Der HERR gibt Zeit, auch wenn er es nicht nötig hat, Zeit zu geben. Er harrt aus, dass der Schwache die Zeit findet, die er braucht, sich zu heiligen, um dem kommenden Gericht entfliehen zu können. Und das ist ein tatsächliches Ausharren, wie es die Elberfelder Bibel übersetzt. Andere Übersetzer nahmen an dieser Stelle das Wort „Geduld“. Geduld ist jedoch nicht das, was man tatsächlich braucht, wenn der eigene und sehr geliebte Sohn seit 2000 Jahren verspottet, das irdische Volk (Israel) geknechtet und geplagt und das himmlische Volk zu einem ekelerregendem Fremdkörper* verkommt (* gilt nicht für den Überrest der Christen), den Er aus dem Munde speien muss (Laodizea, Offb 3,16). – Trifft da das Wort „Ausharren“ für Gottes Warten nicht besser zu als „Geduld“? Gott harrt aus, bis jene, die sich in Ordnung bringen lassen möchten, soweit sind, auch wenn die Schwachheit gross ist und die Prozedur viel Zeit beansprucht. Gott wartet auf das mutter- und vaterlose, hinkende kleine Lämmlein, welches danach trachtet, in Gottes Gegenwart Schutz zu finden. Er wartet, auch wenn er gleichzeitig verspottet, geschlagen, verflucht und geleugnet wird. Er, der allen Menschen die Sonne aufgehen lässt und den Regen sendet, wartet, obschon er den Grimm seiner Seele in einem Augenblick stillen könnte! – So ist unser Gott! Er ist ein Gott des Ausharrens! Er sei gelobt!

Auch wir können in unserem Dienst ermüden. Vielleicht dienen wir während einer Zeit in einer Gemeinschaft, wo wir den Eindruck haben, unser Wirken bleibe unbeachtet und ohne Frucht. Dann kann der Wunsch aufkommen, die Gemeinschaft zu verlassen und unseren Dienst in ihr aufzugeben, um damit unsere Seele, die des Ausharrens müde geworden ist, zur Ruhe kommen zu lassen. Sollte dies der Fall sein, müssen wir uns dringend fragen, ob tatsächlich unsere Zeit in diesem Kreis abgelaufen ist oder ob der Wunsch zu wechseln aus unserer zu Ende gekommener Geduld entspringt. Dieser Vers macht uns darauf aufmerksam, dass wir uns in allem an Jesus Christus orientieren sollen. Damit ist klar, dass in diesem erwähnten Fall ein Bleiben angesagt ist, sollte der HERR nicht selbst den Befehl geben zu wechseln. Ein zweiter legitimer Grund, in eine andere Gemeinschaft zu gehen, wäre noch das Vorhandensein von vorsätzlich behaltener Sünde in der aktuellen Gemeinschaft.

Damit ist den Starken von einem weiteren Blickwinkel aus gesagt, dass das Tragen der Schwachen auch dann nicht aufgegeben werden soll, wenn die Seele zu ermüden droht. Weil Gott ein Gott des Ausharrens ist und wir uns an Christus, der den Vater repräsentierte, orientieren sollen, sind wir aufgefordert, ihm gleich zu tun. Damit diese Aufgabe ohne auszubrennen zu bewältigen ist, müssen die in der hier angesprochenen Zielgruppe, die Starken, wissen, wo sie Kräfte schöpfen können, denn manchmal kann die Belastung vorzustehen (Mt 24,45) über das eigene Vermögen gehen (1. Sam 30,6). Wie die Eltern einer Familie mit fast unbelehrbaren Kindern zur Verzweiflung kommen können, kann es den geistlichen Leitern einer Gemeinde ergehen. Dann nämlich, wenn über Jahr und Tag nach vielem Zureden und reichlicher Ermunterung der Geschwister keine Frucht zu wachsen scheint.

Starke bleiben nur stark, wenn sie sich regelmässig, mehrmals täglich, mit dem HERRN besprechen. Der Weinstock gibt das nötige Lebenselixier zur Reifung der Früchte. Fehlt dieses, verdorren sie. Kappt ein Christ, sei er noch so stark gewesen, diese Verbindung zu Christus, kann er unmöglich den geistlichen Aufgaben gerecht werden und wird sie als Belastung empfinden. Und ein belasteter bzw. überlasteter Mensch verrichtet seine Dienste nicht mehr fröhlich und mit aufgestelltem Gemüt. Wie wir wissen, wäre ein solches Dienen nicht förderlich für die Geschwister.

Vers 6

Wenn wir so handeln, in einem Sinn, der nur darauf trachtet, dem anderen in der Nachfolge Christi zu helfen, werden wir alle zusammen das Gleiche auf dem Herzen haben: Gott zu verherrlichen, der einen einmaligen Plan mit dem Menschen hat und ihm in jedem echten Bedürfnis angemessen begegnet!

Vers 7

Die nochmalige Ermahnung, einander aufzunehmen, unterstreicht einmal mehr aufs Deutlichste, dass Gott es ernst meint mit der gegenseitigen Rücksichtnahme. In der Gemeinde sollte es keinen Platz für egozentrisches und selbstgefälliges Gehabe geben, welches nur Streitereien auslöst. Ausserdem sollen wir wissen, dass, wenn wir einander so aufnehmen wie es Christus mit uns getan hat, Gott verherrlicht wird, weil wir dabei mit unseren Taten seinen Willen bejahen. – Eine ehrenvolle Aufgabe! Amen!

Verse 8-10

8 Denn ich sage, dass Christus ein Diener der Beschneidung geworden ist um der Wahrheit Gottes willen, um die Verheissungen der Väter zu bestätigen,  
9 damit die Nationen aber Gott verherrlichen möchten um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: »Darum werde ich dich bekennen unter den Nationen und deinem Namen lobsingen.«  
10 Und wieder sagt er: »Seid fröhlich, ihr Nationen, mit seinem Volk!«  Röm 15,8-10    

Vers 8

Christus wurde ein Diener der Beschneidung, damit die Verheissungen der Väter überhaupt in Kraft treten können. Wie sonst hätte Israel von Gott, der das Böse nicht anschauen kann (Hab 1,13), den Platz im Reich überhaupt noch halten können, wo sie doch die Gnade Gottes verschmähten und als Höhepunkt der Bosheit ihren Heiland vorsätzlich ermordeten, indem sie ihn durch ungerechte Richter der Nationen (Lk 23,14) kreuzigen liessen? In Ihm hat Israel den Schlüssel zu den Verheissungen, jedoch nur, wenn sie Ihn annehmen, denn aus dem Gesetz wird kein Mensch gerechtfertigt (Gal 3,18).

Vers 9

Die Nationen werden Gott um der Barmherzigkeit willen verherrlichen, die ihnen durch Christi Jesu Leben und Sterben widerfährt. Sie waren nämlich gänzlich ohne Hoffnung (Eph 2,12). Israel hatte die Verheissungen. Aufrichtige Israeliten, welche sahen, dass sie es nicht schaffen werden das Gesetz zu halten, wussten aufgrund der Verheissungen und der Treue Gottes, dass Gott einen Erlöser senden würde, damit die Verheissungen nicht hinfällig werden. So konnten sich schriftkundige und demütige Israeliten noch an etwas festhalten: ihrem Messias. Die Nationen hingegen hatten nichts zu hoffen, sie hatten gar nichts in der Hand. Die Tatsache, dass die Gnade für Israel durch Christus auch zu den Nationen überschwappt, offenbart die Barmherzigkeit Gottes. So verherrlichen die Nationen Gott um der Barmherzigkeit willen.

Vers 10

Hier sehen wir Gottes Absicht offenbart: Er will die Nationen in die Rettung Israels einschliessen, er ist der Retter aller Menschen, die sich retten wollen (Hes 18,23). Deshalb haben die Nationen, sowie sein Volk, Grund zur echten Freude: Sie werden, wie jene, durch den Glauben an Christus gerettet!

Verse 11-13

11 Und wieder: »Lobt den Herrn, alle Nationen, und alle Völker sollen ihn preisen!«  
12 Und wieder sagt Jesaja: »Es wird sein die Wurzel Isais, und der da aufsteht, über die Nationen zu herrschen – auf den werden die Nationen hoffen.«  
13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seiet in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes! Röm 15,11-13   

Vers 11

Wenn die – ach! –  so verblendeten und verführten Nationen, welche denken, wie aufgeklärt sie seien und das mit dem kindischen Spruch „Wir leben im 21. Jahrhundert!“ untermalen, endlich erkennen, dass es Du bist, o HERR, der sie am Leben erhält, und Du es bist, von dem sie in Bezug auf Atmung, Wärme, Ernte, Nachwuchs, Frieden, Gesundheit, Ausbildung und Leben abhängig sind, dann werden sie ihren Kopf senken und die Stimme des Prahlers wird verstummen müssen! Wenn sie erkennen, wie verführt sie waren und tatsächlich weder zur Rechten noch zur Linken unterscheiden konnten (Jon 4,11) und dazu noch auf dem Weg zur Hölle waren, Du einen Rettungsplan ohne ihr dazutun wirktest und Du ihnen einen Rettungsanker in Deinem geliebten Sohn – trotz unserer Bosheiten – bereitstelltest, ist es an der Zeit, dass Dich die ganze Welt lobt und alle Völker beginnen, Dich zu preisen, HERR! Amen!

Vers 12

Isai war der Vater Davids, des Königs von Israel. David wird oft als Schatten für Christus, des wahren Königs, verwendet in der Bildsprache der Bibel (z.B. Jer 30,9). „Die Wurzel Isais“ bedeutet, dass Christus nicht nur David, sondern auch schon seinen Vater trug. Und heute wissen wir, dass die Welt durch Christus wurde, dass der Vater alles durch Christus schuf (Kol 1,17). Die Wurzel Isais ist somit auch die Wurzel Adams, der Ursprung der Menschheit. Diese Wurzel ist auch im Blick auf die Errettung und den neuen Menschen der Ursprung und die Quelle. Christus ist das Zentrum und wer leben will, wird seinen Blick auf ihn richten, die Juden wie auch die Menschen aus den Nationen!

Vers 13

Unser Gott der Hoffnung – sein Wort wird ganz bestimmt in allen Punkten eintreten (vgl. 1. Kö 13,32 mit 2. Kö 23,16 als Bsp.)! – soll die Leserschaft seines Briefes, das gilt auch für uns, trösten. Paulus wünscht der Leserschaft dabei Freude und allen Frieden im Glauben. – Weshalb, zu welchem Zweck? – Damit wir überreich sind in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!

Liebe Leserinnen und Leser! Auch ich bin selbst ein Mensch, behaftet mit all seinen Schwachheiten. Ich weiss aus persönlicher Erfahrung, dass sich hingestreckte Hoffnung in Verzweiflung ändern kann. Das wird selbst durch die Bibel bestätigt (Spr 13,12). Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank, auch dann, wenn wir in unseren Leiden beste Beistände, Coaches und Instruktoren haben. Letztere mögen unsere Zeit des Ausharrens etwas verlängern, doch wenn am Ende immer noch keine Erleichterung kommt, tritt die Resignation trotzdem ein. Aus diesem Grund wünscht uns Paulus nicht menschliche Werkzeuge, Instruktoren, um unsere Hoffnung zu stärken; er wünscht uns die Kraft des Heiligen Geistes, welcher aus der unerschöpflichen Kraft Gottes darreicht was wir benötigen. Wir brauchen Freude und Frieden von Gott um unaufhörlich stark zu sein in der Hoffnung. Dies soll durch die Kraft des Heiligen Geistes geschehen! Amen.

Vers 14

Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst im Blick auf euch überzeugt, dass auch ihr selbst voller Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, fähig, auch einander zu ermahnen.   Röm 15,14   

Vers 14

Paulus schreibt diesen Brief in einer sanften Art und Weise. Auch wenn er im nachfolgenden Vers von kühnen Worten spricht, redet er in Liebe und Weisheit zu ihnen. Obwohl ihm wohl lehrmässig niemand in Rom hatte das Wasser reichen können – wer hatte schon diese Aufgabe und Stellung vom HERRN, geschweige denn seine Art der Ausbildung genossen (2. Kor 12,2)? – spricht er den dortigen Christen Güte, Erkenntnis und Lehrfähigkeit zu. Er war überzeugt, dass die Gemeinde in Rom verständig handeln würde. Dazu gab er ihnen mit diesem Brief ein Werkzeug der Erkenntnis Gottes in die Hand, das beispiellos ist. Die Belehrungen für den Menschen über seinen Weg, das Fleisch, das Gesetz, die ausweglose Kombination Fleisch und Gesetz, die Gnade, Jesus Christus, das christliche Sozialleben und die Anweisungen im Blick auf die Schwachen sind von solcher Qualität, dass er – auch in seiner Abwesenheit – getrost darauf vertrauen konnte, dass sie mit diesem Werkzeug die wesentlichen Unklarheiten, sollten Sie solche gehabt haben, aus der Welt schaffen konnten.

Der HERR sei gelobt für seine Sorge um die Christen in Rom, dafür, dass er einen Apostel mobilisierte, den er befähigt hatte, solche Offenbarungen zu schreiben, welche nicht nur den damaligen Christen nützlich waren, sondern auch uns im 21. Jahrhundert ein gewaltiges Licht in die Dunkelheit spenden! Amen.

Verse 15-17

15 Ich habe aber zum Teil euch etwas kühn geschrieben, um euch zu erinnern wegen der mir von Gott verliehenen Gnade,  
16 ein Diener Christi Jesu zu sein für die Nationen, der priesterlich am Evangelium Gottes dient, damit das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist.  
17 Ich habe also in Christus Jesus etwas zum Rühmen in den Dingen vor Gott.
Röm 15,15-17  

Verse 15-16

Wie wir wissen, wurde Paulus auf eine besondere Weise in den Dienst Jesu gestellt und ausgebildet. Er hörte die Stimme des HERRN persönlich und wurde dabei kurzzeitig blind (Apg 9,4). Nach seiner übernatürlichen Heilung (Apg 9,17), Ausbildung durch den HERRN (2. Kor 12), seiner besonders und durch den Geist erfolgten Aussendung (Apg 13,2) war Paulus eine Autoritätsperson des HERRN. Ihm gebührte Respekt und Gehorsam, denn die Dinge, von denen er sprach, zeugten von der Wahrheit und wiesen den Weg ins Reich. Jedermann, der ihm Gehör schenkte, tat gut damit, denn Paulus sprach die Worte des HERRN. Wer Paulus verwarf, verwarf auch den HERRN und seine Worte, denn Paulus war ein Abgesandter Gottes. Mit diesem Wissen und dieser Berufung konnte Paulus natürlich selbstsicher und kühn schreiben, da er wusste, wovon er sprach und was die Konsequenzen der Annahme bzw. der Verwerfung seiner Worte waren. Er war nicht zu vergleichen mit einem weltlichen Philosophen, welcher mit seinen Weltanschauungen in engen Grenzen bleibt. Paulus hatte Worte des ewigen Lebens (Joh 6,68); er gab die Worte Christi weiter.

Sein Dienst war dazu da, „das Opfer der Nationen“ angenehm zu machen. – Was bedeutet das? – Die Opfer des Alten Testaments mussten ja rein und fleckenlos sein. Wir wissen auch, dass kein Mensch fehlerfrei ist vor Gott. Paulus’ Aufgabe bestand nun darin, aus den Nationen Jünger Christi zu gewinnen und sie in den Heiligungsprozess zu bringen, damit sie am Ende heilig und tadellos seien. Dazu war er nicht „nur“ ein Apostel, sondern auch ein exzellenter Hirte und Lehrer. Durch seine Lehrbriefe hielt er Gemeinden zusammen und wies ihnen den geraden Weg des HERRN. Durch seine Worte konnten die Christen ihren Weg richtig ordnen vor dem HERRN und dem Heiligen Geist den Raum geben, den Er für ihre Heiligung brauchte.

Vers 17

Paulus hatte etwas zum Rühmen, weil Christus ihn in den Dienst gestellt und ihm eine so prächtige Aufgabe anvertraut hatte: Paulus’ Aufgabe war mit dem „Menschenfischen“ nicht getan, sie umfasste auch die Zurechtbringung dieser Menschen, damit sie am Ende ohne Tadel vor dem HERRN erscheinen konnten bzw. heute noch können. Ist das nicht etwas Gewaltiges? Er war ein Generalist, ein Universaltalent für die Gemeinde.

Nicht viele Christen können so viele vereinte Fähigkeiten vorweisen und haben daher auch nicht die Aufgaben, die Paulus anvertraut wurden. Kein Christ, soll denken, er tauge nur etwas, wenn er ein gleiches Ergebnis vorweisen kann, wie Paulus es konnte. Paulus hatte viele Fähigkeiten, somit wurde auch viel von ihm erwartet. Wer viel bekommen hat, von dem wird viel erwartet, wer wenig hat, bei dem wird wenig gesucht werden (Lk 12,48). Diese Wahrheit deckt sich mit jener aus Matthäus 25 (V15), wo die Rede von der Vergabe der Talente ist, die nach der jeweiligen Fähigkeit der Knechte erfolgte. So, wie der HERR Kompetenzen erteilte, beginnen auch heutige Firmen zu handeln. Personalabteilungen wissen, dass die Mitarbeiter gemäss den Fähigkeiten eingesetzt werden sollten. Sie arbeiten dann ohne zu ermüden am produktivsten, da ihnen die Arbeit zusagt. Man spricht dann vom „massgeschneiderten Job“.

Der HERR wird von allen, den sehr begabten, sowie auch von weniger begabten Christen Rechenschaft fordern. Jeder wird erzählen müssen, was er mit dem anvertrauten Gut des HERRN getan hat.

Lassen Sie sich nicht entmutigen und von der Arbeit im HERRN abhalten, auch dann nicht, wenn Sie der Ansicht sind, nicht viel bewegen zu können! Es wird nicht mehr gefordert als möglich ist. Der HERR ist kein Sklaventreiber. Wenn Sie Kinder haben, gibt der HERR die Zeit und die nötigen Investitionen für die Familie. Es ist nicht verlangt, die ganze Zeit in der Gemeinde zu wirken und die Familie dabei sträflich zu vernachlässigen. Auch Ihre Kinder sollen, wie die Zielgruppe des Paulus, ausgebildet und in den Dingen des HERRN unterwiesen werden, damit sie einmal geheiligt und untadelig vor dem HERRN stehen können. Oder denken Sie, der HERR könne seine Diener nicht so platzieren, dass eher Unverheiratete die alltäglichen Besorgungen für die Gemeinde erledigen und damit die Väter und Mütter zugunsten ihrer Kinder entlasten? – Ehren Sie den HERRN durch Ihren Wandel! Amen.

Verse 18-21

18 Denn ich werde nicht wagen, etwas von dem zu reden, was Christus nicht durch mich gewirkt hat zum Gehorsam der Nationen durch Wort und Werk,  
19 in der Kraft der Zeichen und Wunder, in der Kraft des Geistes, so dass ich von Jerusalem und ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium des Christus völlig verkündigt habe.  
20 So aber setze ich meine Ehre darein, das Evangelium zu verkündigen, nicht da, wo Christus genannt worden ist, damit ich nicht auf eines anderen Grund baue;  
21 sondern wie geschrieben steht: »Denen nicht von ihm verkündigt wurde, die werden sehen, und die nicht gehört haben, werden verstehen.«   Röm 15,18-21   

Vers 18

Paulus wagte nicht, von etwas zu reden, was Christus nicht durch ihn gewirkt hatte. Obschon er ein Generalist war und über ausgezeichnete Fähigkeiten verfügte, sprach er nie aus deren Kraft. Er wusste, dass Werke ausserhalb Christus, seien sie vom weisesten Mann gewirkt, im Blick auf das Reich nichts bringen. „Getrennt von mir könnt ihr nichts tun“, sagt Christus zu den Seinen (Joh 15,5).

In einer Stellenbewerbung müssen wir, seien wir noch so selbstlos, unsere Arbeitsqualifikationen erwähnen und unsere Fähigkeiten beschreiben, dass die Personalverantwortlichen eines potentiellen Arbeitgebers einschätzen können, ob wir die richtige Person für die ausgeschriebene Stelle sind. Da im Reich alles wirklich Beständige ausschliesslich durch den Geist Jesu gewirkt wird, werden in der Erwähnung des Wirkens die menschlichen Fähigkeiten von gottesfürchtigen Personen ganz ausser acht gelassen. Auch wenn die menschlichen Fähigkeiten bei der Auswahl Christi für bestimmte Ämter und Aufgaben eine Rolle spielen, muss das Gelingen durch den Geist gewirkt werden. – Wie ist das zu verstehen? – Nehmen wir zur Veranschaulichung einen Wachmann (Wächter). Um eine Sache zu beschützen, braucht es auch Menschen mit entsprechenden Qualifikationen, wie in allen anderen Bereichen. Ein Wachmann muss neben ausserordentlich hoher Zuverlässigkeit auch über ein unkompliziertes Schlaf- und Wachverhalten verfügen, damit er die flexible Arbeitszeit gut verträgt. Er muss die Eigenschaft haben, in seinen Ruhezeiten, auch wenn sie oft zeitlich wechseln, sich wirklich erholen und schlafen zu können. Dazu muss er wachsam, äusserst gewissenhaft und körperlich in guter Verfassung sein. Verfügt er über alle diese Fähigkeiten, ist er qualifiziert für diese Stelle. Wirklicher Erfolg in seiner Arbeit kommt aber ausschliesslich vom HERRN. Denn es heisst:

Wenn der HERR das Haus nicht baut, arbeiten seine Erbauer vergebens daran. Wenn der HERR die Stadt nicht bewacht, wacht der Wächter vergebens.   Ps 127,1  

Wir sehen, dass eine Firma, Stadt oder ein ganzes Land mit den am besten dafür geeigneten Leuten nicht erfolgreich operieren können, wenn der HERR seinen Segen nicht darauf legt.

Paulus wollte deshalb nicht aus seiner (eigenen) Kraft reden, auch wenn er bezüglich Rhetorik und Wissen über die Gesetze und Bräuche der Juden und der Kirche mehr als die Mehrheit wusste. Er war im Klaren darüber, dass sein Werk nur durch den Segen des HERRN zustande gekommen ist. Und nicht nur das: Es brauchte dazu zusätzlich den Geist, den wir nicht aus uns selbst geben können. Wir können zwar alles optimal vorbereiten, doch für den Erfolg braucht es Geist und Segen. Amen.

Vers 19

Diese göttliche Kraft, die wir im vorangegangenen Vers betrachtet haben, wird hier erwähnt. Ausschliesslich durch sie, welche Zeichen und Wunder wirkte, kam der Erfolg für Paulus, dass er das Evangelium „von Jerusalem und ringsumher bis nach Illyrien“ hatte „völlig“ bringen können.

Vers 20

Wie wir wissen, war Paulus nicht nur ein exzellenter Lehrer und Hirte, er war auch ein Evangelist. Er hätte an bereits evangelisierten Plätzen nur zu lehren brauchen, die mühsame Arbeit des Evangelisten wäre ihm erspart geblieben. Da Paulus aber niemals nachlässig in seiner Arbeit sein bzw. sich auf „fremden“ Lorbeeren ausruhen wollte, suchte sich Plätze, wo alle seine gegebenen Fähigkeiten zum Einsatz kommen konnten, um am effizientesten zu sein in seinen Aufgaben. Damit ehrte er den HERRN am meisten. So mied er Plätze, die schon evangelisiert waren, obschon er dort, wie erwähnt, eine leichtere Arbeit hätte antreffen können.

Vers 21

Er trat damit direkt in die Fussstapfen Christi, der anderen diente, ohne sich dienen zu lassen, was das Erlösungswerk, isoliert betrachtet, betrifft. Die Menschen, die ihm mit ihrer Habe dienten (Lk 8,3), durften im Gesamtwerk Gottes, wo der Mensch eingeschlossen wird, mitwirken.

Soweit es möglich war, ahmte Paulus Christus nach, indem er alles, was durch seine Fähigkeiten möglich war, ausschöpfen wollte und nicht versuchte, in seinen Aufgaben „eine ruhige Kugel zu schieben“, wie man gemeinhin eine stress- und ressourcenschonende Tätigkeit nennt.

Trachten Sie im Reich bitte nicht nach einer zu lockeren Aufgabe, nur um der Leichtigkeit willen. Ängstliche Christen lassen sich manchmal zu schwere Aufgaben aufbürden, solche, die sie mangels Fähigkeiten gar nicht bewältigen können, wogegen eher lethargisch veranlagte nach leichten Ausschau halten. Das soll nicht so sein. Ein Arbeiter, der seinen HERRN ehrt, stellt sich an den zugewiesenen Platz. Dieser Platz entspricht seinen Fähigkeiten, Christus über- und unterfordert den Menschen nicht. So wie Paulus seinen Fähigkeiten entsprechende Aufgaben suchte, sollen wir tun.

Der HERR will keine überforderten Knechte sehen! Er gibt immer die ganzen benötigten Ressourcen für eine Aufgabe. Fühlt sich jemand überfordert, so soll er dringend prüfen, ob er am rechten Platz steht. – Dass der HERR bei unterforderten Knechten, angesichts der vielen Arbeit und der wenigen Arbeiter (Lk 10,2), nicht gerade beeindruckt ist, liegt auch auf der Hand. Amen.

Verse 22-24

22 Deshalb bin ich auch oftmals verhindert worden, zu euch zu kommen.  
23 Nun aber, da ich in diesen Gegenden keinen Raum mehr habe und seit vielen Jahren ein grosses Verlangen, zu euch zu kommen,  
24 falls ich nach Spanien reise – denn ich hoffe, auf der Durchreise euch zu sehen und von euch dorthin geleitet zu werden, wenn ich euch vorher etwas genossen habe –,   Röm 15,22-24   

Vers 22

Weil der Dienst des Paulus ganz nach dem von ihm zitierten Vers aus Jesaja (52,15) gerichtet war, musste er in erster Priorität bei den Ungläubigen aus den Nationen erscheinen, sein Dienst begann bei ihnen. Sich an anderen Geschwistern zu erfreuen und bereits existierende Gemeinden zu stärken, stand in seinem Pflichtenheft an zweiter Stelle. Demgemäss beginnt dieser Vers mit dem Wort „deshalb“. Deshalb, aus diesem Grunde war Paulus oftmals verhindert worden, nach Rom zu kommen. Zuerst mussten seine Hauptaufgaben erledigt werden, die ihm Gott aufgetragen hatte.

Daraus können wir die klaren Strukturen in Gottes Absichten und seinen Aufträgen ablesen. Sein Auftrag lautet nicht nach der Art und Weise, wie er heute vielerorts von Eltern und sonstigen Autoritätspersonen ausgesprochen wird. Viele menschliche Auftraggeber haben angesichts des grossen Ungehorsams der Menschen und der ungesunden humanistischen Lehre, welche im Blick auf böse und berechnende Menschen unverzeihliche Lücken aufweist, resigniert. Aufträge mutieren so zu Empfehlungen. „Kind, ich wäre noch froh, wenn du den Abfalleimer zur Sammelstelle bringst“, so tönt in etwa ein „frommer“ Wunsch der Eltern. Wenn sich das Kind dazu bequemt, meinen sie schon fast, es belohnen zu müssen, auch wenn durch diesen Dienst des Sprösslings den Eltern nicht einmal ein verschwindender Bruchteil des Empfangenen vergolten wird. In Betrieben regiert auf der anderen Seite kaltes Machtgehabe der Chefs, die ihre soziale Inkompetenz und Hilflosigkeit bei schwer zu lenkenden Mitarbeitern mit sofortiger Androhung der Kündigung offenbaren.

Im Dienste Gottes sollten wir berücksichtigen, dass die göttlichen Aufträge keine Empfehlungen sind. Auch wird der HERR nicht um deren Erfüllung betteln. Gott verlangt, dass seine Aufträge vollständig und zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt werden. Dazu sollten wir uns die Kenntnis aneignen, dass es Gott nicht an Kompetenzen, Mitteln und Wegen mangelt, wenn sich seine Diener als nachlässig zeigen. Denken Sie an die Konsequenzen bei Saul, nachdem er den Befehl Gottes im Blick auf die Amalekiter nicht vollständig ausführte (1. Sam 28,18). Achten Sie auf die Handlungsweise Gottes beim widerspenstigen Jona, der in Ninive das Gericht nicht predigen wollte. Die Zeit würde nicht reichen, alle Erziehungsmassnahmen Gottes aus der Bibel zu zitieren. – Nur zu gut kannte Paulus seinen HERRN und hinterliess deshalb als Warnung für untreue und nachlässige Diener folgenden Ausspruch:

Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn ein Zwang liegt auf mir. Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!   1.Kor 9,16  

Die Verkündigung des Evangeliums war Paulus’ Aufgabe. Es war nicht eine Bitte Gottes, es doch zu tun, wenn es im Wohlgefallen des Beauftragten liegt. Hätte er es nicht getan, so wusste Paulus aus dem Vorbild von Jona, dass Gott sich nicht verspotten lässt. Auch wird der HERR im Falle des Ungehorsams nicht hilflos dastehen, wie viele Eltern es bei ihren rebellierenden Sprösslingen tun und dabei sagen: „Tja, wenn sie halt nicht wollen. So ist die heutige Generation nun mal!“ Wehe dem Paulus, wenn er die Worte dessen, der durch seine grosse Barmherzigkeit für Menschen starb, wo sie noch gegen ihn sündigten, nicht verkündigt hätte, wo ihm doch dieser Auftrag von höchster Stelle gegeben war! Wehe einem Jona! Wehe einem Saul!

Verse 23-24

Paulus war der Überzeugung, dass seine Arbeit in den von ihm bereisten Gegenden (zumindest vorerst) beendet war und er in weiter entlegenen Gefilden, in Spanien, wirken sollte. Die Reise dorthin wollte er als Gelegenheit nutzen, um die Geschwister in Rom zu besuchen und sich an ihnen zu erfreuen. Er wollte sie „geniessen“, wie wir es bei uns sehr lieb gewordenen Verwandten täten, wenn wir sie nach langer Zeit wieder zu Gesicht bekämen.

Über Paulus’ Vorhaben bezüglich der Reise und den Umständen, dass es anders kam, gäbe es viel zu schreiben, wobei ich hier der momentanen Überzeugung bin, es bei diesen Worten zu belassen.

Möge uns der HERR die Augen im Blick auf seine Aufträge und die dazugehörigen Befähigungen öffnen, damit wir Ihm in allem, was wir tun, wohlgefällig sind. Amen.

Vers 25

nun aber reise ich nach Jerusalem im Dienst für die Heiligen.   Röm 15,25  

Vers 25

Paulus spricht hier von seiner Reise nach Jerusalem. Wie wir im folgenden Vers sehen, überbringt er damit eine Segensgabe der Heiligen aus Mazedonien und Achaja. Ob Paulus damit, seiner Berufung gemäss, das Richtige tat, bleibt offen. Die Fakten, die dagegen sprechen, sind meines Erachtens grösser als jene, die diese Reise befürworten. – Dafür spricht der allgemeine Rahmen, in dem sich ein Christ bewegen sollte. Im Blick der Nächstenliebe tat Paulus nichts Falsches, es ist eine Selbstverständlichkeit, den Gemeinden zu dienen. Im Zeichen dieses Dienstes kündigte Paulus schliesslich auch diese Reise an. Auch dem natürlichen und guten Bedürfnis Paulus’, die Personen in Jerusalem zu treffen, die massgeblich bei der Gründung der Kirche beteiligt waren und mit denen er geistlich erwachsene Gesprächspartner hatte, hätte der HERR Rechnung tragen können. So gesehen hätte die Reise sozusagen als Erholungszeit des Apostels betrachtet werden können. Denn im Blick auf die Ressourcen war es eine totale Verschwendung, dass ein so begabtes Mitglied nur als Kurier eingesetzt wird, um Spendengelder von A nach B zu transportieren. – Damit sind wir zu den Fakten gekommen, die dagegen sprechen. Eine Reise Paulus’ mit diesem Ziel ist ein wirtschaftlicher Unsinn, wie wenn ein Konzernchef für eine Zeit die Tätigkeit eines Auszubildenden ausführen würde. Vor allem im Blick auf den Kommentar zu den Versen 20 und 21 wird klar, dass diese Reise aus rein „wirtschaftlicher Sicht“, wenn man dies überhaupt so sagen darf, nicht der Berufung des Apostels der Nationen entsprach. Wäre es nicht passender gewesen, wenn junge Diener der Gemeinde das Geld überbracht hätten? – Der folgende Vers aus der Apostelgeschichte 21 scheint mir der aussagekräftigste zu sein, um Zweifel an der Richtigkeit der Reise zu haben:

Nachdem wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir sieben Tage dort; diese sagten dem Paulus durch den Geist, er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen.   Apg 21,4  

Die Jünger sprachen durch den Geist, er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen. Der grosse Apostel tat es trotzdem, aus was für Gründen auch immer. Und es blieb nicht nur bei dem, dazu kam noch, dass ihn womöglich die jüdische Atmosphäre in Jerusalem mit dem ihm so wohlbekannten Gesetzen des AT derart verführte, dass er sich dort, trotz seiner exzellenter Kenntnisse über den „Neuen Weg“, zu einer Handlung aus dem alttestamentlichen Gesetz hinreissen liess (Apg 21,23-26).

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, dass mehr gegen diese Reise sprach als dafür. Dies zeige ich Ihnen in dieser Deutlichkeit mit einer bestimmten Absicht auf, mit der ich Ihnen im Folgenden einen sehr wichtigen Punkt zu erklären versuche. Dabei steht es mir sehr fern, den Apostel des HERRN zu verunglimpfen, das versichere ich Ihnen vor dem HERRN stehend!

Wenn Paulus’ Fehltritt unser Anlass wäre, seinen Schriften nicht mehr zu vertrauen, handelten wir sehr unweise. – Es ist gut, wenn wir Christus, den einzig unfehlbaren Menschen, zum Vorbild haben. Die Bibel lässt aber neben ihm auch weitere Vorbilder zu. Wie wir im Hebräerbrief, Kapitel 11 auf solche Vorbilder aufmerksam gemacht werden, spricht der Geist:

Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach!   Hebr 13,7  

Wir sollen ihrer gedenken und sie ehren (1. Tim 5,17!). – Leider liegt es in der Natur des Menschen, bei Vorbildern Fehler geradezu zu suchen, um dessen Vorsprung zu sich selbst zu verringern oder ihr Schaffenswerk abzuwerten. – Urteilen Sie selbst, liebe Leserinnen und liebe Leser, sollen wir Paulus’ Briefe nun abwerten, wo wir einen Fehler in seinem Wandel entdeckt haben? Sollen wir sein Schaffen in Frage stellen, wo doch der HERR seine Briefe in das ewige Wort aufnahm und Paulus gegenüber in der üblen Situation nur Worte des Trostes entgegenbrachte (Apg 23,11)? – Nie und nimmer will ich den grossen Diener des HERRN anschwärzen! In seinem Schatten bin ich wie ein Wurm, der im Vergleich nur ein Bruchteil dessen leistet, was Paulus vollbracht hatte. Suchte man in meinem Leben Fehler, wäre der Fehltritt Pauli so unsichtbar klein, dass er aus der Wahrnehmung verschwindet.

Stellen Sie bitte daher keinen Diener Gottes ohne Weiteres in Frage (1. Tim 5,19). Zwar ist es nicht so, dass solche über eine Immunität verfügen. Es ist aber unfein, vom HERRN etablierte Brüder und Schwestern aufgrund von Gerüchten oder kleinsten Schwachheiten zu verurteilen bzw. ihnen das Vertrauen zu entziehen! Derjenige, der Paulus verurteilen möchte, soll erstmal seine Leistung erbringen, indem er sich um Christi willen steinigen lässt, in Gefahren begibt, unter falschen Brüdern weilt und seinen ganzen Willen durch die Verleugnung der Annehmlichkeiten der Welt ausschliesslich dem Dienst hingibt!

Demgegenüber möchte ich nur der Vollständigkeit halber noch sagen, dass diese Grundsätze nicht für gute und etablierte Diener gelten, die sich mutwillig dem bösen Weg zuwenden. Einem Abtrünnigen wird das Gute, das er vorher getan hat, nicht mehr angerechnet (Hes 18,24).

Verse 26-27

26 Denn es hat Mazedonien und Achaja wohlgefallen, eine Beisteuer zu leisten für die Bedürftigen unter den Heiligen, die in Jerusalem sind.  
27 Es hat ihnen nämlich wohlgefallen, auch sind sie ihre Schuldner. Denn wenn die Nationen ihrer geistlichen <Güter> teilhaftig geworden sind, so sind sie verpflichtet, ihnen auch in den leiblichen zu dienen.   Röm 15,26-27  

Verse 26-27

Paulus zeigt mit diesen Versen auf, dass es recht und billig ist, den bedürftigen Heiligen Hilfeleistung zukommen zu lassen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der Nächstenliebe. In der Bibel finden wir sie sehr gut beschrieben, lassen Sie mich zu dieser Stelle einen Vers aus den Sprüchen zitieren:

Sage nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm <später> wieder, und morgen will ich geben! – wo du doch hast. –   Spr 3,28  

Wenn wir etwas haben, sollen wir mit dem teilen, der nicht hat. Die Bibel spricht nicht davon, etwas zu teilen, das nicht vorhanden ist. Wir sind aufgerufen, nach Können, der vorhandenen Kapazität, zu geben.

Paulus bezeichnet die gläubig gewordenen Heiden als Schuldner der Christen, die in Jerusalem wohnen. – Weshalb tut er das? – Die Gründung des Leibes Christi, der Gemeinde, fand in Jerusalem statt. Dort wurde der Geist auf die Jünger ausgegossen. Anschliessend kamen dort, durch ihre Predigt, immer mehr Menschen dazu. Die Gemeinde in Jerusalem ist somit die älteste Gemeinde, aus der schlussendlich das Heil weitergetragen wurde. Durch die Treue dieser gläubig gewordenen Menschen durften weitere Menschen in anderen Teilen der Welt zum Glauben kommen, denn das Heil ist aus den Juden, wie geschrieben steht (Joh 4,22). Die Stelle bezieht sich auf die Person von Christus, die dem Fleische nach aus den Juden stammt, und die Verbreitung des Heils, welches von Jerusalem aus in die ganze Welt getragen wird. Da nun bekanntlich die Kinder den Eltern das Empfangene vergelten sollen (1. Tim 5,4), sollten die Eltern bedürftig werden, sind jüngere Gemeinden den älteren gegenüber Schuldner, da sie von ihnen zuerst (das Geistliche) empfangen haben. Wenn die jüngeren Gemeinden „ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden sind, so sind sie verpflichtet, ihnen auch in den leiblichen zu dienen.“ Amen.

Verse 28-29

28 Wenn ich dies nun vollbracht und diese Frucht ihnen versiegelt habe, so will ich über euch nach Spanien reisen.
29 Ich weiss aber, dass, wenn ich zu euch komme, ich in der Fülle des Segens Christi kommen werde. Röm 15,28-29  

Vers 28

In diesem Vers sehen wir die menschliche Reife Paulus’. Wenn Paulus mit kleinsten Dingen, wie beispielsweise mit diesem Kurierdienst, beschäftigt war, können wir aus seiner Mitteilung darüber wissen, dass er auch solche Aufgaben mit grösster Zuverlässigkeit ausführte. Paulus schreibt auch nicht so darüber, dass wir annehmen müssen, ihm sei diese Aufgabe zu niedrig gewesen. Er schreibt nicht: „Wenn ich eure Gabe abgegeben habe.“ Seine besondere Schreibweise über die Abgabe ihrer Sammlung zeigt seine liebevolle Wertschätzung des Dienstes der Heiligen in Achja und Mazedonien und seine Absicht, das Segensgeschenk in zuverlässiger Weise vollständig und den richtigen Personen abzugeben. Seine Schaffensweise ist somit voll im Einklang der Bibel, denn, wäre es anders, hätte ihm der HERR niemals Grosses anvertrauen können.

Zuerst muss der Mensch lernen, liebe Leserinnen und Leser, in kleinen Dingen treu zu sein. Erst danach kann der HERR den Wert der anvertrauten Dinge steigern. So, wie wir selbst einem halbjährigen Kind kein teures Elektrogerät (z.B. Fotoapparat) in die tollpatschigen Händchen geben, gibt der HERR Unmündigen keine grossen Aufgaben, damit sie sich selbst und dem Reich nicht schaden. So, wie der Fotoapparat im Beispiel mit Sicherheit auf den Boden fallen wird, können Unmündige im Reich nicht mit grossen Dingen umgehen. Dasselbe gilt auch für Menschen, seien sie noch so erfahren, welche bereits in kleinen Dingen unseriös arbeiten. Letzteres kann mit Sicherheit durch das inspirierte Wort gesagt werden (siehe Lk 16,10). Sagen Sie nicht leichtfertig, liebe Leserinnen und Leser, dass sie alles ordnungsgemäss erledigen werden, wenn Ihnen der HERR doch nur eine grosse und prestigeträchtige Aufgabe anvertrauen würde!

Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht.   Lk 16,10  

Sind Sie treu mit den geringen Aufgaben in Ihrer unmittelbaren Umgebung? Oder ist es Ihnen zu wenig, im Stillen die Kranken ihrer Gemeinde zu besuchen, auch wenn davon niemand etwas erfährt, um Sie nachher zu rühmen? Ist es zu gering in Ihren Augen, sich in einen Raum zurückzuziehen und hinter geschlossener Türe für die Gemeinde und die Angehörigen zu flehen und zu bitten, obwohl dies doch von Menschen nicht gesehen wird und Sie dadurch nicht unmittelbare Ehre empfangen können? – Prüfen wir uns selbst! Wer zu echter Ehre von Gott gelangen will, welche sich total von geheuchelter Ergebung der Menschen unterscheidet, muss lernen, im Kleinen zuverlässig zu sein. So wird er auch qualifiziert sein, es im Grossen zu sein und der HERR wird durch ihn/sie grössere Dinge bewegen können. Amen.

Zum zweiten Teil des Verses können wir heute sagen, dass Paulus nach seiner Gefangennahme nie nach Spanien gekommen ist. Paulus, wie auch dem Petrus, wurde durch den HERRN das Ende vorausgesagt (2. Tim 4,6; 2. Petr 1,14).

Vers 29

Ein Christ, der so glaubt, wie Christus lehrte, wird andere tränken können, wie geschrieben steht:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen.   Joh 7,38  

Können Sie das von Sich sagen? Paulus konnte es mit Zuverlässigkeit tun! Wissen Sie arglos, dass durch Sie, wenn sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen, Segen zu ihnen fliesst? – Sollten Sie diese Frage nicht zuverlässig bejahen können, sollten Sie sich zurückziehen und den HERRN bitten, er möge Ihnen aufzeigen, in welchen Dingen Sie noch zweifeln. Amen!

Vers 30

Ich ermahne euch aber, Brüder, durch unseren Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, mit mir zu kämpfen in den Gebeten für mich zu Gott,   Röm 15,30  

Vers 30

Früher, im Alten Testament, nahm man Schwert und Schild, um mit seinen Brüdern das gottgegebene Land zu verteidigen. Damals hatte das Volk Gottes irdische Zusagen und irdische Ländereien. Im Neuen Testament hingegen ist nicht mehr das Kämpfen mit dem Schwert gefordert, wenn von Kampf gesprochen wird. „Heilige Kriege“ gegen Ungläubige auszurufen und nach Waffen zu greifen ist nicht das, was Gott heute und bis zur Wiederkunft Christi fordert. Paulus, unser Vorbild in diesem Brief, erklärt, wie man heute effektiv kämpft. Christus selbst forderte keine Verteidigung mit Waffen, wo er festgenommen wurde (Mt 26,52), in Johannes 18 geht er noch genauer darauf ein (V 36). Weil sein Reich nicht von dieser Welt ist, haben seine Diener auch nicht gegen die Menschen, irdische Gewalten, gekämpft. Christi Reich ist himmlisch und geistlich und der Kampf ist gegen geistige Gewalten zu führen, erklärt der grosse Diener der Gemeinden im Epheserbrief (Eph 6,12).

Dass ein Kampf zu führen ist, ist offensichtlich. Wie im AT gekämpft wurde, muss im NT gekämpft werden. Lehnen Sie sich bitte nicht zurück, liebe Leserinnen und Leser! Wenn heute kein „Horn Joabs“, des Heerführers Davids, das zum Kampf aufruft, in Wirklichkeit zu hören ist, ertönt dennoch der Schall des Hornes im Reich Christi. Sind sie geistlich genug, um es zu hören?

Was für eine weltliche Armee die Atombombe ist, stellt das Gebet beim Christen dar: Es ist die stärkste Waffe überhaupt. Mit dem Gebet können wir den mächtigsten aller Herrscher, Gott, unseren Vater, dazu bringen, zu handeln (z.B. Lk 18,1-8). Unser Gott ist völlig uneingeschränkt. Selbst Nuklearwaffen haben ihre Einschränkung und Nachteile, selbst für die, die sie einsetzen. Unser HERR kennt keine solchen Grenzen. Er kann in seinem Tun nach freiem Belieben handeln, selbst wenn er die ganze Welt auslöschen möchte (Sintflut), oder kennen Sie eine Begebenheit, wo seine Macht für ein bestimmtes Vorhaben zu klein war?

Elia, ein Mensch wie wir, der auch die gleichen Gefühlsregungen hatte, wie wir sie haben, betete um ein Zeichen vom Himmel. Er wollte das Volk zum HERRN zurückwenden. Der HERR hörte auf seine Stimme und hielt dafür den Regen dreieinhalb Jahre zurück. So bereitete der HERR das Kräftemessen des Mannes Gottes mit den Götzenpriestern vor. Es diente dazu, das Volk zum HERRN zurückzuwenden und geschah, wie erwähnt, durch das Gebet eines einzelnen Mannes und keines Übermenschen! Wie erwähnt, hatte Elia die gleichen Gemütsregungen wie wir (Jak 5,17). Diese Erwähnung sollte uns anspornen, unsere Anliegen vor Gott zu bringen. Sein Beispiel zeigt ganz klar auf, was alles möglich ist mit Gott! Mit dem Gebet zu Gott brachte es Elia so weit, dass er als einzelner über 450 Mann aus dem gegnerischen Lager triumphierte.

Liebe Leserinnen und Leser! Unterschätzen Sie das Gebet nicht! Das Gebet ist stärker als die eigene Weisheit, wenn Sie etwas bewegen möchten. Bringen Sie ihre Anliegen vor Gott! Amen!

Der Vollständigkeit halber muss ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass Sünde den Mensch von Gott trennt. Wenn Ihr Gebet nicht erhört wird, hat es nichts damit zu tun, dass der HERR ihre Stimme nicht hört. Die Ursache kann in der Sünde liegen, die noch unbereinigt zwischen Ihnen und dem HERRN steht. Prüfen Sie die Beziehung zum HERRN täglich! Auch kann es sein, sollte der HERR nicht auf Ihr Gebet eintreten, dass Sie etwas erbeten, das nicht nach seinem Willen ist (2. Kor 12,9). Sollte dies der Fall sein, akzeptieren Sie die Entscheidung des HERRN. Er hat den vollen Überblick im Gegensatz zu uns und weiss, was gut ist und was schadet.

Verse 31-33

31 damit ich von den Ungehorsamen in Judäa errettet werde und mein Dienst für Jerusalem den Heiligen angenehm sei;  
32 damit ich durch den Willen Gottes mit Freuden zu euch komme und mich mit euch erquicke.  
33 Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen! Amen.   Röm 15,31-33   

Vers 31

Paulus wusste zu unterscheiden zwischen guten, bösen, gehorsamen und ungehorsamen Menschen (siehe auch Tit 1,12-13). Er wusste, dass in Judäa Menschen wohnten, die Gott ungehorsam waren, indem sie seinen Plan verwarfen und Christen verfolgten. Er bezeichnete sie als „die Ungehorsamen“. Solche Beurteilungen sind voll zulässig. – In der heutigen Zeit ist die Verwirrung unter den Christen teilweise so gross, dass ich so elementare Dinge explizit erwähnen muss. Da gibt es Menschen, auch christliche Leiter, die Stellen wie „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“, nehmen und daraus ein generelles Beurteilungsverbot ableiten und damit die Schrift ungültig machen. Denn die Schrift wird aufgehoben, wenn wir nicht mehr beurteilen dürfen. Wie sollen wir ohne Beurteilungskompetenz mit Matth 18,15-18 umgehen? – Dürfen wir den Unterschiede machen zwischen sündigen Geschwistern und solchen, die ordentlich wandeln? – Wir dürfen es nicht nur, wir müssen es tun! Wie könnte sonst Paulus in der Kraft des Geistes im ewigen Wort Anweisungen über sündige Geschwister geben, wie er es beispielsweise im 1. Kor 5 tut?

Tut den Bösen von euch selbst hinaus!   1.Kor 5,13b  

„Tut den Bösen von euch selbst hinaus!“, will heissen, dass eine Beurteilung die Voraussetzung für diese Handlungsweise ist! Zuerst muss der Fehlbare beurteilt werden, erst dann, nach gefälltem Urteil kann er als „Böser“ eingestuft werden. – „Da müssen wir sehr vorsichtig sein“, lauten die Kommentare, auch von leitenden Christen, bei offensichtlich Fehlbaren in der Gemeinde (z.B. bestätigter Ehebruch), um nichts tun zu müssen und das menschliche Ansehen zu wahren. Solchen Menschen sei hiermit gesagt: „Stellst du die Regeln der Gemeinde auf oder der HERR? Bist du weiser als der HERR, wenn du Fehlbare nach humanistischen Kriterien anfasst und die angeordnete Vorgehensweise des HERRN verwirfst? Dir sei gesagt vom HERRN, vor dem ich stehe – nicht von mir aus -, dass dir, der du offensichtliche Sünde unbehelligt in der Gemeinde duldest und damit Christi Braut verdirbst, vom HERRN hart, – und es ist ein fest beschlossener Entscheid – sehr hart gerichtet werden wirst, vor allem dann, wenn du es wider besseres Wissen tust und du die Möglichkeit hättest, es zu ändern!" – Amen, HERR!

Das „nicht richten sollen“ bezieht sich auf unsere gläubigen Mitmenschen, die arglos mit uns den Weg des HERRN gehen möchten. Wir sollen diese nicht kategorisieren und nach unseren Idealvorstellungen einstufen. Wenn sie der HERR angenommen hat, sind sie einfach unsere Brüder und Schwestern, die wir ehren und lieben sollen, wie man wertgeschätzte Familienmitglieder lieb hat. Unmündigkeit in Lehrfragen lässt noch keine Trennung zu (siehe Korintherbrief). Erst wenn sich ein schlimmer Verdacht erhärtet oder offensichtlich wird, dass jemand mutwillig sündigt oder fahrlässige Sünde (trotz Ermahnungen) nicht in den Griff bekommen will, ist zu handeln (1. Kor 5). Die Vorgehensweise ist in Matth 18, 15-17 genau beschrieben und keine Auslegungssache, damit sie nicht durch „weise Wortinterpreten“ ungültig gemacht werden kann.

Im zweiten Teil des Verses bringt der Apostel zum Ausdruck, dass er seine Aufgabe sehr ernst nimmt. Er sonnte sich nicht im Apostelamt, um die hohe Würde, welche damit verbunden war, zu geniessen. Er bittet sogar die Geschwister um Gebetsunterstützung, damit er im Dienst vor dem HERRN für die Gemeinden untadelig sei! Was für ein schönes Vorbild, das er uns da abgegeben hat! – Gelobt sei der HERR, der dieses Zeugnis für die Nachwelt aufbewahrt hat! Amen!

Vers 32

Danach, nach gut gelungener Arbeit, hätte Paulus mit Freude im Herzen gerne die Gemeinde in Rom besucht. Eine gelungene Arbeit in Jerusalem und der Ausblick, aufrichtige Christen in Rom zu treffen; wäre das nicht ein Grund grosser Freude für den Abgesandten Gottes gewesen? Er setzt in diesem Vers voraus, dass die Gemeinschaft unter gleichgesinnten Christen dem Aufbau dient. Deshalb schreibt er mit den Worten: „…und mich mit euch erquicke!“ Die Aussage offenbart uns seinen Schatz, der das Himmlische, nicht das Irdische, einschloss. Sein Herz war bei den Gemeinden und den Dingen Christi, nicht in der Politik und den Vergnügungen. So, wie Christus sagt (Mt 6,21), dass unser Herz bei den Dingen ist, die uns wertvoll sind, sehen wir an dieser Stelle, dass die Freude des Paulus bei den Dingen Gottes lag: am rechten Platz also. Sollten uns die himmlischen Dinge keine Freude mehr bereiten und wir vielmehr in weltlichen aufgehen und Freude finden, sei uns gesagt, dass wir bereits abgedriftet sind. Freundschaft mit der Welt ist Feindschaft mit Gott (Jak 4,4). Wie kann man die Welt lieben, die von Sünde und dem Teufel (Joh 12,31) regiert wird? Wie kann man ein System lieben, das die Gerechtigkeit mit Füssen tritt und in welchem Gott fortwährend durch Wort und Wandel gelästert wird?

Vers 33

Paulus’ Wunsch, Gott möge mit ihnen allen sein, unterstreicht seine ritterliche Gesinnung nochmals. Er pachtete Gottes Frieden nicht für sich allein, damit er etwas Besonderes wäre, er wollte, dass alle denselben Frieden bekämen! Der Wunsch, dass alle richtig wandelten, ist hier mit eingeschlossen, denn den Ungehorsamen ist kein Friede verheissen. Ihm war es recht, wenn alle so geworden wären, wie er. In seiner Liebe wollte er keine Sonderrechte, sie waren zwar um der Schwächeren willen noch nötig, doch er trachtete danach, dass alle mindestens auf seinen Stand kämen (Gal 4,12) und damit angenehm vor Gott werden würden. Amen.

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