Kommentar zum Buch Roemerbrief, Kapitel 16
Verse 1-2
1 Ich empfehle euch aber unsere Schwester Phöbe, die eine Dienerin der Gemeinde in Kenchreä ist,
2 damit ihr sie im Herrn aufnehmt, der Heiligen würdig, und ihr beisteht, worin immer sie euch braucht; denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst. Röm 16,1-2
Verse 1-2
Paulus, zweifellos ein grosser Führer und wichtiger Mann des HERRN, lässt die Leserschaft, wohl unbewusst, den Unterschied zwischen echten geistlichen Grössen und weltlichen Leuten mit Rang und Namen sehr deutlich erkennen, vor allem in diesem letzten Kapitel des Römerbriefes. Paulus erinnert sich und erwähnt die Liebesgaben und schönen Begegnungen, die er mit Christen hatte – egal, auf welcher sozialer Ebene sie standen. Manche Weltmenschen sehen es als recht und billig an, wenn sie von Personen aus unteren Schichten bedient werden, auch wenn diese Dienste ausserhalb eines Anstellungsverhältnisses, also freiwillig, erbracht werden. Ganz anders verhielt sich Paulus, der Mann des HERRN, dessen Schriften Teil des ewigen Wortes wurden! Seine Feinfühligkeit und Liebe zur Gemeinde seines HERRN liess ihn an die Liebesgaben erinnern, welche ihm durch die Geschwister gegeben wurden, obwohl für seine Arbeit ein Lohn als selbstverständlich – sogar durch den HERRN verordnet (5. Mo 25,4)! – verfügt war. Im Klartext heisst das, dass die Gemeinden, welche ihn unterstützten, ihm nur das vergalten, was sie ohnehin hätten tun sollen, weil er ihnen ja mit geistlichen Gütern gedient hatte und diente.
In diesen Versen bringt er die Dienste der Schwester Phöbe in Erinnerung, welche vielen, wie auch Paulus selbst, ein Beistand gewesen war. Wir sehen darin die gleiche Gesinnung, wie jene, die im HERRN selbst ist. Der HERR erinnert sich an alle Liebesdienste, seien sie von noch so unbedeutenden Menschen verrichtet. Er neigt sich zu jedem Menschen herab, obwohl er das in seiner Erhabenheit nicht nötig hat und ist auch in seinen dunkelsten und schmerzhaftesten Stunden besorgt um jeden Menschen, welcher seiner Hilfe bedarf. So gab er noch, am Kreuze hängend und die Welt mit Gott versöhnend, Anweisungen, welche die Versorgung seiner leiblichen Mutter betrafen (Joh 19,27)! – Versetzt uns diese Tatsache nicht in ehrfurchtvolles Staunen?
Lassen Sie uns dieselbe Gesinnung im Herzen haben! Amen.
Verse 3-5
3 Grüsst Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus
4 - die für mein Leben ihren eigenen Hals preisgegeben haben, denen nicht allein ich danke, sondern auch alle Gemeinden der Nationen –
5 und die Gemeinde in ihrem Haus! Grüsst Epänetus, meinen Geliebten, welcher der Erstling Asiens ist für Christus! Röm 16,3-5
Verse 3-4
Wissen Sie in der Tiefe, liebe Leserinnen und Leser, wie wertvoll echter Gemeindedienst ist? Und sehen Sie, dass dieser, geschieht er in der Ordnung Gottes, geschlechtsneutral bewertet wird? Aquila und Priszilla (Apg 18,2), auch Priska genannt, begegnete Paulus erstmals in Korinth. Das Ehepaar nahm Paulus zu sich auf, die beiden Männer hatten das gleiche Handwerk, und gab dem Paulus so ein Quartier, von wo aus er das Evangelium in Korinth verbreiten konnte. Sie beherbergten Paulus wohl die ganze Zeit in Korinth, das waren anderthalb Jahre, denn der HERR ist nicht interessiert daran, dass seine Mitarbeiter ohne vertraute Herberge in derselben Stadt von Quartier zu Quartier ziehen müssen, auch wenn es darin Menschen gibt, die sich um begnadete Diener des HERRN „reissen“ (Mt 10,11). Der HERR möchte eine Privatsphäre für seine Diener wahren. Sie sollen sich erholen können und sich nicht im Dienst aufreiben lassen. Priszilla und Aquila wurden vom HERRN als würdig erfunden, Paulus eine Herberge zu bieten. Daraus wurde noch viel mehr, schlussendlich beherbergten sie sogar die Gemeinde, was zweimal erwähnt wird (1. Kor 16,19, Rö 16,5). Priska und Aquila war ein sehr gastfreundschaftliches Ehepaar. Sie waren nie zu müde oder unpässlich für die Gemeinde bzw. Mitarbeiter des HERRN – auch ausserhalb Korinths. Das unterstrichen sie mit der völlig unkomplizierten Aufnahme des Apollos in Ephesus (Apg 18,26). Sie sahen ein Bedürfnis und stillten es, indem sie, vorher durch Paulus geschult, ihr Wissen dem Apollos weitergaben.
Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, als wie wertvoll sich Gastfreundschaft erweisen kann? Es wird an keiner Stelle erwähnt, dass Priska und Aquila dieselben „Grosstaten“, wie Paulus sie in Heilungen und Wundertaten ausführen konnte, vollbrachten. Die Schrift stellt sie uns als Menschen dar, die ein offenes Haus gegenüber Diener des HERRN hatten. Das war schon alles. – Doch als wie herrlich und wertvoll wird ihr Dienst bezeichnet! Alle Gemeinden der Nationen und Paulus, der grosse Apostel persönlich, danken ihnen! – Wieso sind alle Gemeinden denn auch dankbar? – Weil Paulus’ Dienst an allen Gemeinden nur durch die Unterstützung Dritter, zum grossen Teil durch Priskas und Aquilas Unterstützung, so effektiv ausgeführt werden konnte. Das Ehepaar hatte durch ihre Unterstützung direkten Anteil am Dienst und somit auch am Lohn des Apostels, wie geschrieben steht:
Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Mt 10,41
Wer will nach dieser Betrachtung noch sagen, die Gastfreiheit sei unwichtig oder spiele nur eine untergeordnete Rolle? Eine solche Aussage würde eine grosse Unwissenheit und Ignoranz bei Menschen offenlegen, die so denken!
Wie stehen Sie zur Gastfreundschaft (Rö 12,13)? Haben Sie Ihr Leben so geordnet, dass es Ihnen ein Anliegen ist, Diener des HERRN mit Unterkunft oder Unterhalt nach Ihren Möglichkeiten zu unterstützen? Oder beklagen Sie sich schon über die anfallende Arbeit im Dienst? – Echte Diener des HERRN werden einen solchen Dienst niemals ausnutzen! Amen!
Vers 5
Paulus lässt Epanetus, der erste in der Provinz Asien, welcher durch ihn zum HERRN fand, bei den Grüssen nicht unerwähnt. Wie könnte er diesen Menschen vergessen! So, wie sich jeder über die erste Frucht seiner Arbeit freut, freute sich Paulus an Epanetus, den er als „seinen Geliebten“ bezeichnete. Er liebte ihn, wie ein Vater sein Kind lieb hat, denn Epanetus erwiderte als Erster die Liebe Gottes, die durch Paulus zu den Nationen kam, indem er sich dem Träger dieses Heils zuwandte und akzeptierte, was Paulus lehrte. – Wie schön ist doch diese Erwähnung!
Verse 6-9
6 Grüsst Maria, die viel für euch gearbeitet hat!
7 Grüsst Andronikus und Junias, meine Verwandten und meine Mitgefangenen, die unter den Aposteln ausgezeichnet sind, die schon vor mir in Christus waren!
8 Grüsst Ampliatus, meinen Geliebten im Herrn!
9 Grüsst Urbanus, unseren Mitarbeiter in Christus, und Stachys, meinen Geliebten! Röm 16,6-9
Verse 6-7
Maria wird als Mensch bezeichnet, der viel für die Gemeinde Gottes gearbeitet hatte und Andronikus und Junias als solche, die unter den Aposteln ausgezeichnet sind. Das sind zwei Erwähnungen, die wir nicht leichtfertig überlesen und sie in die Kategorie „gewöhnliche Grussformeln“ abschieben sollten. Wenn Christen von hoher geistlicher Stelle gelobt werden, haben sie sich dieses Lob auch hart erarbeitet, denn echtes Lob unter Christen wird nicht geheuchelt, wie es in der Welt geschieht. Während meiner weltlichen Karriere hörte ich viele Vorgesetzte Mitarbeiter loben, - und es wurde dabei Lob geheuchelt, dass es einem darob schlecht werden konnte. Oftmals sah ich, dass aus rein politischen Gründen jemand, der nicht viel für den Konzern taugte, in den Himmel gelobt wurde und andere, die viel mehr gearbeitet hatten, von den Vorgesetzten nicht einmal richtig wahrgenommen wurden. Dass so im Reich Gottes nicht vorgegangen werden darf, liegt auf der Hand. Wie es korrekt sein soll, wird in vorbildlicher Weise vom Apostel gelebt. Er rühmt die, welche des Lobes würdig sind, nicht Taugenichtse, welche von der weltlichen Stellung her eine Schlüsselposition einnehmen, auf dass sie im Bedarfsfalle seine Anliegen wohlwollend behandeln würden.
Das Lob des Apostels für diese hier erwähnte Maria, die viel für die Gemeinde gearbeitet hatte und die beiden weiteren Personen, welche unter den Aposteln ausgezeichnet waren, ist eine sehr hohe Auszeichnung, welche wir nicht unterschätzen sollten! Die Messlatte für solches Lob liegt nämlich hoch, es wird nicht ohne weiteres ausgesprochen und sollte es auch nicht (Spr 25,27). Beachten Sie einmal, was es braucht, dass eine Witwe in das Verzeichnis der durch die Gemeinde unterstützungswürdigen Personen aufgenommen werden soll (1. Tim 5,10). Sie muss „jedem guten Werk nachgegangen“ sein. Danach ist sie würdig, durch die geistliche Körperschaft Unterhalt zu empfangen. Wer der Gemeinde wirklich dient, eine echte Hilfe ist, dem soll auch, wenn nötig, Unterhalt gezahlt werden (5. Mo 25,4; 1. Kor 9,9), wie wir schon in früheren Betrachtungen gesehen haben.
Verse 8-9
In den folgenden Versen erwähnt der Apostel Menschen, bei denen er seine Zuneigung zu ihnen besonders hervorstreicht. Er bezeichnet sie als Geliebte. – Wie kann es bei geistlichen Menschen zu einer Art der Zuneigung kommen, die über der Regelnorm steht? – Durch die Liebe zu Gott. Wer Gott in besonderer Art liebt, wie es beispielsweise Johannes tat, welcher seinen HERRN so wertschätzte, dass er besonders seine Nähe suchte (Joh 13,23), wird auch in derselben Art wiedergeliebt. Bei Johannes wird die Liebe Jesu, ihm gegenüber, deshalb wieder speziell erwähnt (Joh 19,26; 21,7; 21,20). Dasselbe sehen wir bei Daniel. Trotz seiner sehr hohen beruflichen Position, welche eine Vielbeschäftigung mit sich brachte, suchte er den HERRN dreimal am Tag in einer zeitintensiven Art, indem er nicht nur oberflächliche Gebete im Gang von einem Sitzungszimmer zum anderen formulierte. Er kniete sich vor Gott nieder und betete in Absonderung seiner Regierungsgeschäfte (Dan 6,11). Diese Ehrerbietung zu Gott verschaffte ihm wiederum Ehre durch Gott, indem er „Vielgeliebter“ genannt wurde (Dan 9,23; 10,11; 10,19)! Was für eine Auszeichnung! Und sie wird nicht nur ein- oder zweimal ausgesprochen. Mit einer dreimaligen Erwähnung stellt Gott bei Daniel und Johannes in seinem ewigen Wort sicher, dass sie niemals angezweifelt werden kann! Amen!
Liebe Leserinnen und Leser! Wandeln wir auch so, dass wir solcher Auszeichnungen würdig sind? – Lassen Sie uns danach streben!
Der Vollständigkeit halber muss ich an dieser Stelle noch etwas erwähnen, das mir zwar völlig widerstrebt, da es den Blick von dieser Betrachtung ablenken kann. Und trotzdem ist es nötig diesbezüglich aufzuklären, da in dieser so „aufgeklärten Generation“ die Gedanken über die Liebe in einem beispielslosen Tohuwabohu, völlig aus der Ordnung gerissen, in den Köpfen der Menschen liegen.
Bei diesen Freundschaften und Erwähnungen der Liebe zu gleichgeschlechtlichen Personen ist immer die Bruderliebe, die geschwisterliche Liebe gemeint. Diese hat absolut nichts mit sexueller Lust gemein. Die Welt ist in diesen Dingen nicht mehr klar. Wenn sie von Liebe spricht, ist oft die sexuelle Lust gemeint, welche an diesen Stellen der Schrift völlig ausgeblendet ist. Sexuelles Zusammenkommen zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen ist durch Gott verboten und wird als abscheuliche Gräueltat bezeichnet. Vor Gott wiegt sie so schwer wie Mord und Ehebruch, deshalb war sie im Alten Testament in der Kategorie der Todsünden. Praktizierte Homosexualität musste durch den Tod der Betreffenden, auf die Anordnung Gottes hin, im herausgerufenen Volke gestoppt werden. Im NT wird sie auf die genau gleiche Art und Weise verurteilt, doch nach einem anderen Verfahren geahndet. Betreffende finden, ebenfalls auf Gottes Anordnung hin, nach dem entsprechenden Verfahren (Mt 18,15-17), keinen Platz mehr im Hause Gottes, sollten sie sich nicht vom gotteslästerlichen Verhalten abkehren. Die weltliche Weisheit, die absolut nichts mit der geistlichen gemein hat und welche gleichgeschlechtliche sexuelle Praktiken salonfähig machte, hat mit Gott gar nichts Übereinstimmendes.
14 Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.
15 Der geistliche dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt.
16 Denn »wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er ihn unterweisen könnte?« Wir aber haben Christi Sinn. 1.Kor 2,14-16
Gelobt sei der HERR, der jedem, „wer da will“ (Offb 22,17), umsonst vom Wasser des Lebens gibt! So, wie wir es empfangen durften, kann es „wer da will“ empfangen, wenn er in aufrichtiger Art und Weise den Namen des HERRN anruft! Amen.
Vers 10
Grüsst Apelles, den Bewährten in Christus! Grüsst die vom <Haus des> Aristobul! Röm 16,10
Vers 10
Apelles war, wie wir sehen, ein Mensch, der sich in Christus bewährt hatte. Auch dieser wird im ewigen Wort positiv erwähnt, indem er gegrüsst und nicht ermahnt wird. – Die Bewährung in Christus ist eine sehr grosse Sache, sie ist überhaupt nicht zu unterschätzen! Glückselig ein Mensch, der sich in Christus bewährt, längst nicht alle bewähren sich in dieser Aufgabe. Der König Saul, welcher seine Laufbahn gut angefangen hatte, bewährte sich nicht in der Obliegenheit Gottes, seinem Volk in der richtigen Art und Weise vorzustehen (1. Sam 15,23). Salomo beendete seine Karriere im HERRN auch auf eine unschöne Weise (1. Kö 11,6), obwohl er bei seiner Geburt als Liebling des HERRN bezeichnet wurde (2. Sam 12,24-25). Wiederum zog sich im Propheten Jeremia Uria, welcher die gleiche Aufgabe wie Jeremia selbst hatte, aus Angst zurück und endete ruhmlos (Jer 26,23). Sogar David hatte einen groben Einbruch während seiner Bewährungszeit auf der Erde. Dieses kurze Schleifenlassen der Zügel seines Lebens kostete vielen Menschen das Leben, was mit der Ermordung Urias begann, endete blutig in der Schlacht um das Königtum gegen seinen Sohn Absalom. Er hatte zwar die Gnade des HERRN zur Umkehr erhalten, doch ein Makel blieb trotzdem an ihm haften (2. Sam 12,10).
»Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben«; und: »Wenn er sich zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.« Hebr 10,38
Die Schrift ist sehr klar mit ihrer Darstellung der Erwartungen von Gott gegenüber seinen Beauftragten. Wer Gott dienen möchte, muss zuerst einen moralischen Stand einhalten. Psalm 101,6 hält fest, dass solche, die auf vollkommenem Weg wandeln, Gott dienen dürfen. Gott muss nicht froh sein darüber, wenn Sie ihm dienen. Sie dürfen froh sein, wenn sie Ihm dienen dürfen! – Als zweites sollten Sie den Ihnen angewiesenen Platz nicht verlassen, denn „wenn er sich zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.“ Saul, Uria, der Zeitgenosse Jeremias und viele andere Personen des HERRN, zogen sich im Laufe ihres Lebens aus ihren Aufgaben zurück. Im Neuen Testament ist es nicht besser, Paulus musste im Laufe der Zeit schmerzlich feststellen, dass ihn alle Gemeinden in der Provinz Asien verlassen hatten (2. Tim 1,15).
Sich zurückziehen ist ein sehr, sehr schlimmes Übel. Bileam, welcher ein Prophet war und mit dem HERRN sprechen konnte, zog sich auch aus seiner Absonderung zurück und fiel der Geldgier zum Opfer, so dass er deshalb sogar sein Leben lassen musste, so wie Uria, der Zeitgenosse Jeremias auch umkam, wo er sich vom Auftrag Gottes entfernte.
Zusammenfassend kann ich nur bemerken, dass ein Zurückweichen einfach keine Option ist und Treue verlangt wird. Bevor man in den Dienst des HERRN tritt, sollten die Kosten überschlagen werden (Lk 14,25-35), danach ist ein Zurück nicht mehr denkbar, wäre aber auch völlig unsinnig. – Wo stehen Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser? Sind Sie für allfällige Tests gewappnet? Stehen Sie sicher im HERRN? – Von einem Mitarbeiter Gottes wird Treue erwartet!
1 Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes.
2 Übrigens sucht man hier an den Verwaltern, dass einer treu befunden werde. 1.Kor 4,1-2
Wenn Sie von einem unmündigen Christen zu einem mündigen gewachsen sind, sollten Sie launischem Verhalten entwachsen sein, „niemand, der die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes (Lk 9,62).“
Verse 11-12
11 Grüsst Herodion, meinen Verwandten! Grüsst die vom <Haus des> Narzissus, die im Herrn sind!
12 Grüsst Tryphäna und Tryphosa, die im Herrn arbeiten! Grüsst Persis, die Geliebte, die viel gearbeitet hat im Herrn! Röm 16,11-12
Vers 11
In diesem Vers grüsst der Apostel nebst Herodion, seinem Verwandten, die vom Haus des Narzissus, „die im Herrn sind!“ Paulus erwähnt dabei keine Taten von diesen Geschwistern, „nur“ die Tatsache wird erwähnt, dass es Geschwister im HERRN sind.
Im HERRN zu sein bedeutet schliesslich schon, über alle Nationen gesetzt zu sein (5. Mo 26,17-19). Das ist eine sehr grosse Sache, die schon bei der Bekehrung wirksam wird, auch wenn man sich als junger Christ zum Teil neben den Grössen in der Gemeinde noch ziemlich schwach und wirkungslos vorkommt. Die Integration in den Leib Christi findet sofort statt und Gott ist besorgt, dass dabei niemand unbeachtet bleibt. Gerade deshalb gibt er den schwächeren Gliedern besondere Ehre (1. Kor 12,22-25). Der Vergleich mit einer menschlichen Familie scheint mir an dieser Stelle ein schönes Bild abzugeben: Die Säuglinge und kleinen Kinder, welche zweifellos zur Familie gehören aber im Blick auf die anfallenden Arbeiten noch nichts beitragen können, werden von ihren Eltern besonders umsorgt und geleitet, wie die gebrechlichen und betagten Glieder unserer Gesellschaft von ihren Kindern betreut werden. Für den Apostel ist es deshalb nicht etwas zu Geringes, bereits solche in seinen Grüssen zu erwähnen, denn sie gehören ebenfalls zu der Familie Gottes!
Vers 12
In diesem Vers erwähnt Paulus Glieder Christi, die „im Herrn arbeiten“ und die geliebte Persis, die „viel gearbeitet hat im Herrn.“ – Für den HERRN arbeiten zu dürfen ist eine sehr grosse Sache, längst nicht jeder Christ darf es so tun, wie es verlangt ist, denn Christen, die sich nicht an die Regeln der Hausordnung halten, werden von der Arbeit im HERRN ausgenommen, wie geschrieben steht:
Meine Augen sind auf die Treuen im Lande <gerichtet>, damit sie bei mir wohnen. Wer auf vollkommenem Weg wandelt, der darf mir dienen. Ps 101,6
Menschen, die nicht auf einen vom HERRN bestimmten (und somit reinen) Wandel achten, gefallen Gott nicht (Rö 8,8). Die Bibel spricht von klaren Regeln im Wandel mit Gott. Wer Gott ausserhalb dieser Regeln gefallen möchte, geht in die Irre und fällt in Ungnade beim HERRN (1. Thess 4,1; Ps 5,5).
Es gibt viele Menschen, die nach dem äusserlichen Schein viel tun für den HERRN. Herodes der Grosse tat dem Schein nach viel für den HERRN, indem er den Tempel ausbaute und in einer grossen Pracht dastehen liess. Trotz dieses Werkes konnte er unmöglich dem HERRN gefallen, denn sein Leben zeugte von einem gotteslästerlichen Wandel. Er liess unter anderem die Kinder unter zwei Jahren in Bethlehem ermorden, da er sich vor dem Messias aus Bethlehem, der die ganze Welt beherrschen wird, fürchtete. Zweifellos gibt es auch „weniger böse“ Menschen, wie auch Christen, die in vergeblicher Weise dem HERRN dienen. Wer sich nämlich – wie erwähnt – ausserhalb der Regeln dem HERRN nähert, arbeitet nicht nur vergeblich, er zieht sich vielmehr noch den Zorn des HERRN zu (1. Kor 11,17); es wird ihm schlechter als besser ergehen. Amen.
Echte Diener des HERRN, solche die sich von der Welt rein erhalten (Jak 1,27), können sich sehr freuen, denn der HERR hat grosse Freude an echten Dienern. Deshalb spricht der HERR auch von grossen Belohnungen für solche, die in seinen Dienst treten wollen (Heb 11,6). Stellen Sie sich vor, wie sehr sich Gott über beispielsweise jemanden freut, der in Reinheit das Evangelium predigt (Jes 52,7; Rö 10,15), denn es ist Gottes Herzenswunsch, dass niemand verloren geht (Hes 18,23). Ein solcher spricht Gott aus dem Herzen und arbeitet daran, dass Gott seinen Herzenswunsch erhält. Wie sehr wird sich Gott über diesen Diener freuen!
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie sie denn Gott überhaupt dienen können, wo doch bei Ihnen keine spezielle Gabe offenbar ist. – Gerne schreibe ich Ihnen etwas darüber:
In christlichen Kreisen ist oft die Rede über geistliche Gaben. Dabei wird von Begabungen gesprochen, die über eine natürliche Fähigkeit hinaus gehen, wie beispielsweise von Wunderheilungen (z.B. Apg 28,8) und das Sprechen in fremden Sprachen (genannt Zungen- oder Sprachenrede), welche vorher vom Sprecher nicht erlernt wurden (z.B. 1. Kor 12,30b). – Dabei hat sich bei einigen die Meinung festgesetzt, dass man nicht in den Dienst Gottes gestellt werden kann, solange diese spezielle und übernatürliche Fähigkeit ausbleibt.
Eine solche Meinung entspricht nicht dem Worte Gottes und hat fatale Folgen. Die Wirkungen daraus sind weitere falsche Lehren und ein „Erzwingen wollen“ dieser Begabungen, indem von speziellen „Geistestaufen“ die Rede ist und man sie mit aller Macht anstrebt. So wird teilweise gelehrt, dass im Laufe des Christenlebens die „Taufe im Heiligen Geist“ mit der daraus resultierender übernatürlichen Fähigkeit (mindestens die Sprachenrede) erfolgen muss. Biblisch gesehen handelt es sich schlicht um eine Irrlehre von der ich Ihnen rate, Abstand zu halten.
Aus der Bibel wissen wir, dass wir nach der Wiedergeburt (Joh 3) bereits im Geist sind. Das haben wir schon in der Betrachtung zum achten Kapitel des Römerbriefes gesehen. Explizit wird dort festgehalten, dass christusgläubige Menschen im Geist sind (Rö 8,9), auch wenn sie sich noch wie Unmündige verhalten und sich als „fleischlich gesinnt“ ausgeben. Denn ein Christ ist eine neue Kreatur (2. Kor 5,17), was an vielen Stellen bestätigt wird (Joh 1,13; Gal 6,15; Eph 2,15; Eph 4,24; 1. Petr 1,3). Auch die Korinther waren neu geboren, ansonsten hätten sie keinen Anteil am Tisch des HERRN gehabt (1. Kor 10,17). Sie gebärdeten sich aber noch fleischlich, da Christus in ihnen noch nicht Gestalt angenommen hatte (siehe auch Gal 4,19), was wiederum beweist, dass es Wachstum im Christenleben braucht. Ein Christ muss wachsen und sich nicht unnötig nach Dingen ausstrecken, die längst Wirklichkeit geworden sind.
Trachten Sie daher für den Dienst nicht nach unrealen Dingen, sondern nach der „unverfälschten Milch“, dem Worte Gottes, um auch in diesen Fragen sicher zu werden. – Im Hause Gottes fallen verschiedene Arbeiten an. Die einen sind nur mit übernatürlichen Fähigkeiten zu lösen, welche vom Geist gegeben werden. Andere wiederum sind durch „gewöhnliche Fähigkeiten“ durchführbar. Doch die Letzteren müssen ebenfalls geistlich sein, denn Gott duldet keine „Moabiter“ (ein Bild für einen unbekehrten Menschen) in seinem Dienst (5. Mo 23,4). – Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister im Christentum, weil einige behaupten, dass der gewöhnliche Dienst eines Christen nicht geistlich ist. Diese Behauptung kann man jedoch sehr einfach widerlegen, denn es steht geschrieben:
3 Deshalb tue ich euch kund, dass niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Fluch über Jesus! und niemand sagen kann: Herr Jesus! ausser im Heiligen Geist.
4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber <es ist> derselbe Geist;
5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und <es ist> derselbe Herr;
6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber <es ist> derselbe Gott, der alles in allen wirkt. 1.Kor 12,3-6
Der Ausspruch: Herr Jesus! erfolgt ausschliesslich im Heiligen Geist. Ein Christ, der Christus als seinen HERRN bekennt, tut das im Heiligen Geist. Alles was ein Christ, der ja eine neue Schöpfung ist, für den HERRN tut, erfolgt „im Geist“. Was wir im Namen des HERRN tun, ist ein Werk im Geist, durch den Geist (Kol 3,17). – Freilich ist es noch möglich, fleischliche Werke zu tun, wie wir es aus dem Korintherbrief sehen (1. Kor 3,3), doch dann geschehen sie nicht im Namen des HERRN. Bei Neidereien sind die Beweggründe in unserem Fleisch zu suchen und nicht im HERRN. Seien Sie sich im Klaren darüber! Wenn Sie dem HERRN mit reinem Herzen dienen wollen, dann können Sie das von Anfang an tun, denn der fünfte oben aufgeführte Vers spricht von Diensten, über denen derselbe HERR steht. Hinter den Gnadengaben, den Diensten und den Wirkungen steht derselbe allmächtige Gott. Wenn nun ein neues Mitglied in die Familie Gottes tritt, das noch keine Ahnung über die Abläufe in Gottes Haus hat, kann es trotzdem schnell mitarbeiten, wie ein Auszubildender schon am ersten Tag den Platz seines Lehrbetriebes wischen kann. Das junge Mitglied wirkt zwar noch keine grossen Wunder, es wirkt aber schon geistliche Arbeit, weil es ja selbst eine geistliche Natur hat. Seine Arbeit wird vom Hausherrn anerkannt werden, solange es sich an die Hausregeln hält. Somit wird es nach der Rückkehr des HERRN als treuer Diener geehrt werden, wie hier Persis als arbeitsame Mitarbeiterin erwähnt wird.
Lassen Sie sich nicht durch die kursierenden Irrlehren in der Arbeit des HERRN entmutigen. Halten Sie sich dabei einfach an die Hausordnung, an die Bibel. Sie sind im Geist, wenn Sie Christus angenommen haben und ihre Arbeit ist geistlich, wenn sie im Namen des HERRN geschieht und Sie sich dabei vorgenommen haben, gottesfürchtig zu wandeln. Amen.
Vers 13
Grüsst Rufus, den Auserwählten im Herrn, und seine und meine Mutter! Röm 16,13
Vers 13
Rufus wird als ein auserwählter Mensch bezeichnet. Der HERR macht einen Unterschied im Matthäusevangelium zwischen berufen und auserwählt sein. Dort sagt er, dass es viele Berufene und wenige Auserwählte gibt (Mt 22,1-14). Aus dem Gleichnis geht hervor, dass viele Menschen, die zum Hochzeitsmahl geladen waren, sich der Einladung nicht würdig erwiesen hatten und dass sich der Fokus des Gastgebers in der Folge von ihnen ab- und anderen zuwandte. Die neue Zielgruppe, in der es böse und gute Menschen hatte, wandte sich im Unterschied zu den ersten nicht zurück, sondern nahm die Einladung bereitwillig an, ohne sich zu entschuldigen oder gar Hand an die Boten zu legen.
Wir wissen, dass die Juden für das Reich berufen waren, wo Christus sich explizit nur um sie kümmern wollte (Mt 15,26). Doch Israel erkannte seine Stunde nicht und verwarf ihren König (Mt 23,37). So wandte sich Gott mit der Frohen Botschaft an die Menschen der Nationen. Die Berufenen Juden hatten versagt und sind nicht zur Auserwählung gekommen, wogegen viele Menschen aus den Nationen, böse und gute, dem Ruf gefolgt sind. Die Befolgung des Rufes allein genügt jedoch nicht, wie wir in diesem Gleichnis sehen, ein Bleiben ist nur mit dem Hochzeitsgewand möglich. Wir sehen, dass der Mensch, der zwar da war (und so dem Ruf gefolgt ist), aber kein Hochzeitsgewand trug, zu bleiben nicht weiter berechtigt war und dass es nicht darum ging, ob ein Mensch gut oder böse war, es ging nur um die Befolgung des Rufes und das Tragen des Kleides. – Wie ist das zu verstehen?
In der Bildsprache der Bibel hat die Bekleidung mit den Taten des Bekleideten zu tun, sei es ein einzelner Mensch oder ein ganzes Volk. Adam wollte seine Nacktheit mit Feigenblättern zudecken und seinen Fehltritt mit eigenem Werk gutmachen, was natürlich nicht ging. Sein Schurz aus Feigenblättern ist die Folge seines gescheiterten Versuches, die Nacktheit zu bedecken. Eine angemessene Bedeckung für den gefallenen Menschen wurde aber nur durch Blutvergiessen gefunden: Gott musste dafür Tiere töten und die Blösse des Menschen mit deren Fellen bedecken. Bei Israel wurden im Bild nur Blätter entdeckt, jedoch keine Früchte (Mt 21,19). Ihre eigenen Taten machten sie nicht angenehm vor Gott. Es muss eine passende Bekleidung für den Menschen gefunden werden, damit er sich in der Gegenwart Gottes aufhalten kann. Diese Bekleidung wird uns in der Offenbarung vorgestellt:
Und ihr wurde gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen. Offb 19,8
Die gerechten Taten der Heiligen machen diese feine, glänzende und reine Leinwand aus. Das Blut ist schon für die Erretteten geflossen, alle Gläubigen sind einmal ganz gewaschen worden (Joh 13,10). Von diesem Zeitpunkt an geht es nur noch darum, sich von der Welt rein zu behalten (Jak 1,27). Mit der täglichen geistlichen Nahrung (Wasserbad im Wort, Eph 5,26), der Ausrichtung nach seinem Willen und, - das ist sehr wichtig - der dem Willen entsprechenden Taten (Mt 7,21) webt man sich das Hochzeitskleid. Es besteht aus den Taten der Heiligen, nicht dem Wollen allein. Wer sich nun nicht in die Arbeit Gottes schickt, ist mit den törichten Jungfrauen (ab Mt 25,1) zu vergleichen. Sie warten zwar auf den Bräutigam im Gegensatz zu den anderen Menschen, wie es die klugen Jungfrauen tun. Sie haben alles, was die klugen Jungfrauen haben, ausser, dass sie es versäumt haben, Öl zu kaufen. – Öl zu kaufen oder im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, wie es die nachlässige Gemeinde Laodicea verordnet bekommen hat (Offb 3,18), hat ausschliesslich mit Werken zu tun. Wer die Werke Christi nicht tut, sondern lehrt, man könne nach der Bekehrung quasi tun und lassen was man will, weil alles auf der Gnade beruhe, der führt sich und seine Zuhörer in die Irre, denn Jakobus schreibt:
20 Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nutzlos ist?
21 Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte?
22 Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde.
23 Und die Schrift wurde erfüllt, welche sagt: »Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet«, und er wurde »Freund Gottes« genannt.
24 Ihr seht <also>, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.
25 Ist aber nicht ebenso auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg hinausliess?
26 Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. Jak 2,20-26
Wenn Sie, liebe Schwester und lieber Bruder im HERRN, diese Werke, die von Ihrem Glauben zeugen, nicht bringen, woher möchten Sie denn Ihr Kleid nehmen, welches „aus den gerechten Taten der Heiligen“ besteht? – Bringen Sie es von der Berufung zur Auserwählung zum Hochzeitsmahl des Lammes! Amen.
Im zweiten Teil des Verses bezeichnet Paulus die Mutter des Rufus auch als seine Mutter. Dabei kann es sich um die leibliche Mutter des Rufus handeln, welche Paulus durch ihre Zuwendungen auch selbst „Mutter“ nennt. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich nicht um die leibliche Mutter von beiden, sollte sie überhaupt die leibliche Mutter des einen sein, denn Rufus’ Vater, Simon, kam aus Kyrene (Mk 15,21), Paulus hingegen von Tarsus (Apg 22,3). – Wie Jesus selbst jene, die den Willen des Vaters tun, „Bruder“, „Schwester“ und „Mutter“ nennt (Mt 12,50), bedient sich Paulus dieser Wortwahl. Denn von Christen, die sich so verhalten, wie die Schrift sagt, fliessen Ströme lebendigen Wassers (Joh 7,38). Sie stärken und tränken die Nächsten wie Brüder, Schwestern und Mütter.
Wo stehen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie, wie engste Familienmitglieder, ein Segen für Ihre Mitgeschwister oder belasten Sie die Gemeinde durch Selbstsüchteleien, wie einige aus der jungen Gemeinde in Korinth es taten (1. Kor 3,3; 2. Kor 12,20)? Oder sind Sie den Nächsten durch Selbstzufriedenheit wie Fremde geworden? Prüfen Sie sich selbst!
Verse 14-15
14 Grüsst Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas, Hermas und die Brüder bei ihnen!
15 Grüsst Philologus und Julia, Nereus und seine Schwester und Olympas und alle Heiligen bei ihnen! Röm 16,14-15
Verse 14-15
Paulus grüsst in diesen beiden Versen viele Brüder und Schwestern beim Namen und andere fasst er im Gruss als „Brüder“ und „Heilige“ zusammen. Daraus kann vieles abgeleitet und beleuchtet werden. Zum Beispiel, dass Menschen Grenzen haben im Gegensatz zu Gott. Menschen können sich unmöglich an alle Namen begegneter Menschen erinnern. Gott kennt jedoch jede und jeden mit Namen, ob er zur Gemeinde gehört oder nicht. Von den Menschen, die ihm nachfolgen, erwähnt er es explizit (Joh 10,3).
Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet kann an dieser Stelle bemerkt werden, dass durch Gott im ewigen Wort namentlich erwähnte Personen ein ewiges Gedächtnis haben, wie Pinhas (4. Mo 25,13) und die übrigen Überwinder (Offb 3,12) im Gegensatz zur Masse, die in der Niederlage lebt. Die Rückkehrer aus dem babylonischen Exil werden namentlich erwähnt (Esra 2,1; Neh 7,1), die Zurückgebliebenen nicht. Sie stellen die gläubige Masse dar, welche in der Verwirrung geblieben ist (vgl. Babel = Verwirrung, Durcheinander; diese Namensbedeutung ist durch die Sprachverwirrung entstanden, siehe 1. Mo 11).
Die Erwähnung der Geschwister als „Heilige“ ist auch sehr schön. Dieses Wort wird nie für die Umschreibung eines Weltmenschen benutzt, er mag noch so hoch geboren und sein Wandel noch so edel sein. „Heilig“ ist die Bezeichnung für eine besondere Eigenschaft Gottes, welche er ausschliesslich auf die Seinen legt, niemals auf einen Weltmenschen. Weil Gott heilig ist, sollen wir es auch sein (1. Petr 1,16), wir sollen in allem so werden wie Christus (1. Joh 3,2). „Heilig“ ist das Gegenteil von „unheilig“ (2. Tim 3,2), was „gottlos“, „verdorben“ und „übel“ bedeutet. Heilig zu sein bedeutet, wie Gott abgesondert vom Bösen ist, es in derselben Weise zu sein. Das ist etwas ganz besonderes, denn selbst ein Mensch, den man völlig von der Welt absondert und ihm eine Wohnung auf einem anderen Planeten gibt, kann niemals heilig werden, da er die Welt und deren Befleckung in sich selbst trägt. Er stammt nämlich vom gefallenen Adam ab, welcher die böse Natur jedem weitervererbt hat (Rö 5,12). Deshalb ist jeder Absonderungsversuch eines natürlichen Menschen von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Für Gläubige gilt aber, dass Gott sie durch die Erneuerung völlig und von jeglicher Bindung zum Alten trennt. Nicht wir müssen uns von Bindungen lösen, wie viele Christen meinen, Gott hat uns davon getrennt. Die Trennung ist Wirklichkeit, wir müssen nur in diese Wahrheit hineinwachsen und sie öffentlich bekennen, indem wir uns taufen lassen und der Heiligung hingeben, damit unser Denken erneuert wird. Unser Denken muss sich noch vom Alten lösen und sich der wahren Realität anpassen, welche schon durch Christus da ist (1. Tess 4,3). Amen.
Vers 16
Grüsst einander mit heiligem Kuss! Es grüssen euch alle Gemeinden des Christus. Röm 16,16
Vers 16
Zum Heiligen Kuss, bzw. dem Kuss der Liebe, wird heute von bedeutenden Auslegern nicht viel gesagt und geschrieben; es kommt mir vor, wie wenn eine Ratlosigkeit bei diesem Thema herrscht. Ehrlich gesagt hätte ich diese Stelle am Liebsten unkommentiert übersprungen, da ich mir selbst über dessen Bedeutung nicht ganz im Klaren bin. Doch dies erschien mir unmöglich, wo der Heilige Geist diese Aufforderung für den Gruss nicht weniger als fünf Mal (!) niederschreiben lässt. Sie wird viermal mehr erwähnt, als die so vieldiskutierte Kopfbedeckung der Frau, die durchaus ihre Berechtigung hat, obwohl sie nur einmal erwähnt wird. Es erscheint mir daher wichtig, die weiteren vier Stellen, die über den Kuss berichten, aufzulisten:
Es grüssen euch die Brüder alle. Grüsst einander mit heiligem Kuss! 1.Kor 16,20
Grüsst einander mit heiligem Kuss! Es grüssen euch alle Heiligen. 2.Kor 13,12
Grüsst alle Brüder mit heiligem Kuss! 1.Thess 5,26
Grüsst einander mit dem Kuss der Liebe! Friede euch allen, die in Christus sind! 1.Petr 5,14
Aufgrund der Häufigkeit dieser Erwähnung glaube ich nicht, dass es um eine traditionelle Begrüssung der damaligen Gesellschaft handelt, die hier vom Geist des HERRN erwähnt wird. Denn der Kuss von dem hier die Rede ist, ist „heilig“ oder ein „Kuss der (göttlichen) Liebe“ (agape, gr.). Petrus benutzt in seinem Vers das Wort für göttliche Liebe, nicht jenes, das menschliche Liebe ausdrückt. Beides kann nicht von menschlichen Traditionen abgeleitet werden, denn natürliche Küsse von ungeretteten Menschen sind weder heilig noch durch göttliche Liebe gewirkt.
Auch Jesus und seine Jünger müssen diese Art der Begrüssung gepflegt haben – Judas wählte diese offensichtlich gewohnte Form auch beim Verrat, um nicht mit dem Finger auf den HERRN zeigen zu müssen und seinen Status als Verräter vor allen zu offenbaren (Mt 26,48).
Vielleicht sind diese Verse in der heutigen Zeit abstrakter für uns geworden, wo die Leistung immer mehr zählt als ein Mensch. Persönlich glaube ich auch, dass die Möglichkeiten der anonymen Kommunikationsmittel die Gefühlsarmut fördert. Viel Kommunikation läuft auf Plattformen ab, die keine menschliche Nähe erfordern und wo Gefühle nicht gezeigt und erwidert werden können. Doch aufgrund dieser Verse bin ich überzeugt, dass der HERR will, dass wir die Liebe füreinander nicht im Verborgenen lassen. Von verborgen gehaltener Liebe hat niemand etwas, da nützt sogar ein Scheltwort noch mehr (Spr 27,5). Welcher entmutigte Mensch weiss etwas von inniger Bruderliebe, wenn er sie nur als Floskeln und Beteuerungen kennt? Lassen Sie mich zur Veranschaulichung über eine traurige Begebenheit von verborgen gehaltener Liebe berichten:
Meine italienischstämmige Mutter, welche mich und meine Schwester sehr lieb hatte und es wie alle Südländerinnen es auch mit vielen Umarmungen und sonstigen Liebkosungen zeigte, hielt, wie erwähnt, ihre Liebe zu den Kindern nicht im Verborgenen. Als heranwachsender Jugendlicher wurden mir die Umarmungen jedoch peinlich, da Jungs doch „stark“ sind und keine Liebkosungen brauchen. „Solches ist doch nur für Kleinkinder“, dachte ich. In der Folge entzog ich mich ihr und gab ihr auch im Erwachsenenalter nur noch die Hand bei der Begrüssung und dem Abschied. Sie blieb trotzdem für mich ein ganz besonderer Mensch, den ich auch besonders lieb hatte. Eines Tages jedoch, ich stand an ihrem Sterbebett, wo mir bewusst wurde, dass es der letzte Abschied sein würde und ich nicht wusste, wie ich ihr sagen sollte, dass ich sie immer ganz fest lieb hatte, drückte ich ihr mit tränenüberströmten Augen einen dicken Kuss auf die Wange, der auf eine spezielle Art ausdrücken sollte: „Mama, ich habe Dich sehr lieb!“ Worte allein erschienen mir in dieser Situation ein Mittel mit viel zu schwacher Aussagekraft. Sie sollte an ihrem Leib spüren, dass sie ein sehr geliebter und wertgeschätzter Mensch war!
Es gibt einfach Situationen, wo eine mit Worten beteuerte Liebe nicht genügend ist. Dies wird uns auch in im Buch Hohelied ganz schön beschrieben:
O wärest du mir doch ein Bruder, der die Brust meiner Mutter gesogen! Fände ich dich <dann> draussen, könnte ich dich küssen, und man dürfte mich dennoch nicht verachten. Hld 8,1
Die Frau, die sich nach dem Mann ihres Herzens sehnte, sie, die „krank“ war vor Liebe (Hld 5,8), suchte eine Möglichkeit, diese Liebe zum Ausdruck zu bringen. Worte hätten die Gefühle nicht annähernd umschreiben können! – Da es damals aber nicht statthaft war, sich vor der Zeit öffentlich zu küssen, wünschte sie sich für den Augenblick, ihr Freund wäre ihr Bruder. Dann hätte sie ihn küssen dürfen, weil das ganz normal war und hoffentlich heute noch ist, dass sich Geschwister lieb haben.
Es scheint mir, dass der Heilige Geist mit dem Vers 16 aus dem gleichen Kapitel des Römerbriefes und den vier weiteren Stellen sagen möchte, dass wahrhaftige und echte Bruderliebe nicht dauerhaft allein in Worte gepackt werden kann. Wenn uns demnach Worte genügen, um unsere Liebe auszudrücken, müssen wir uns fragen, weshalb wir uns nicht danach sehnen, den Bruder, den wir aus reinem Herzen lieb haben, einmal zu umarmen, um ihm in einer stärkeren Ausdrucksweise als mit Worten zu zeigen, wie sehr wir ihn wertschätzen. Wenn diese Sehnsucht fehlt, sind wir vielleicht noch nicht fähig, richtig zu lieben oder schon etwas abgestumpft.
Lassen Sie uns diese Verse vor dem HERRN bewegen! Sie stehen nicht ohne Grund in fünffacher Ausführung in dem ewigen Wort! Die Liebe ist mehr wert als die Tat, den ganzen Leib (ohne Liebe) für Christus hinzugeben und dabei zusätzlich die ganze Habe den Armen zu vererben (1. Kor 13,3)!
Verse 17-19
17 Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, Parteiungen und Ärgernisse anrichten, und wendet euch von ihnen ab!
18 Denn solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süsse Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.
19 Denn <die Kunde von> eurem Gehorsam ist zu allen gekommen. Daher freue ich mich euretwegen; ich will aber, dass ihr weise seid zum Guten, doch einfältig zum Bösen. Röm 16,17-19
Vers 17
Wir sollten nicht nur von Menschen Abstand halten, welche die Gemeinde durch vorsätzliche Sünde mit unmoralischem Wandel beflecken (1. Kor 5,11), sich dem Müssiggang hingeben oder auf sonstigen Wegen unordentlich wandeln (2. Thess 3,11-15). Distanz ist ebenfalls besonders bei solchen zu wahren, die etwas entgegen der apostolischen Lehre verkündigen. Die Abkehr hat schon zu erfolgen, wenn sie nur schon nicht dabei bleiben (2. Thess 3,14)!
Diese ernsthaften Worte sind in der heutigen Zeit des Humanismus, der die Gemeinden durchsäuert und eine verdeckte allversöhnliche Haltung hervorruft, aktueller denn je! Wie viel braucht es heutzutage, bis jemand oder gar eine Gemeinde einem unordentlichen Glied gegenüber eine eindeutige Haltung einnimmt! Vielerorts gehen Ehebrecher und sonstige unmoralisch wandelnde Menschen unbehelligt ein und aus in den Gemeinden Gottes und erwecken damit den Eindruck, dass solches in Gottes Augen geduldet wird, da niemand, allen voran die Ältesten, dem Bösen Einhalt gebietet.
Vers 18
Dieser Vers macht die Wahrheit deutlich. Lernen wir vom Wissen des Apostels und der Unterweisung des Heiligen Geistes. Nur wer meint, es besser zu wissen, kann getrost diesen Vers überspringen.
Merken wir uns: Menschen, die entgegen der apostolischen Lehre Parteiungen und Ärgernisse (Anlass zur Sünde) anrichten, dienen nicht Christus! Sie sind nur – auf bösem Wege wohlverstanden – auf ihr eigenes Wohl aus! Wer diese Worte in den Wind schlägt, tretet die Lehre Christi mit Füssen, denn das ist nicht eine persönliche Empfehlung von mir, der ich diesen Kommentar schreibe, sondern ein Gebot des HERRN! Amen.
Vers 19
Paulus bestätigt den Römern Gehorsam. Trotzdem – sehen wir den Ernst der Ermahnung? – unterrichtet er sie eindringlich, gegenüber dem Bösen unmündig zu bleiben! Er weist sie auf die Notwendigkeit hin, das Gute zu kennen und weise in Bezug auf göttliche Wahrheiten und Gegebenheiten zu sein.
Wer sich in göttlichen Dingen auskennt, muss es nicht auch bei bösen Dingen tun, um sie besser erkennen zu können. Die göttliche Weisheit genügt, das Böse schon von Weitem zu riechen. Es braucht nicht studiert und analysiert zu werden. Dem Bösen gegenüber dürfen und müssen wir, der Schrift gemäss, unmündig bleiben. Wir müssen das Böse nicht erklären können. Die Bibel fordert uns nur dazu auf, davon Abstand zu nehmen. Amen.
Vers 20
Der Gott des Friedens aber wird in kurzem den Satan unter euren Füssen zertreten. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch! Röm 16,20
Vers 20
Obwohl das Urteil über Satan gefällt ist, wurde es noch nicht vollstreckt. Er ist immer noch auf „freiem Fuss“ und kann noch wüten. Paulus konnte jedoch die Gemeinde in Rom mit den Worten in diesem Vers trösten, denn er wusste genau, dass die Zeit des Widersachers ein Ende hat. Die Gemeinden haben momentan durch Satans Wirken noch Bedrängnisse (z.B. Offb 2,13), doch alle sollen, wie erwähnt, wissen, dass es zeitlich begrenzt ist. In den letzten Monaten der Endzeit, wenn der Countdown öffentlich anläuft, wird er sogar genau wissen, wie lange sein Wirken noch geduldet wird (Offb 12,12), nämlich die dafür festgesetzten dreieinhalb Jahre. Anschliessend wird er gebunden und die Herrschaft über die Erde kommt wieder in die Schöpfungsordnung. Der Mensch, nicht Satan, sollte die Welt beherrschen (1. Mo 1,26). Der Mensch Jesus Christus, welcher auch Gott ist, wird dafür eingesetzt werden. Er wird im Anschluss zusammen mit seinen Überwindern (Offb 3,21) die Welt in Gerechtigkeit regieren. Der Mensch wird über den Engeln stehen (1. Kor 6,3), somit wird auch Satan in den Herrschaftsbereich des Menschen fallen. Christus, welcher die Welt und ihre Lust überwunden hat, hat auch der Versuchung Satans widerstanden (Mt 4). Er wird das gefällte Urteil zur Vollstreckung bringen, indem Satan in den Feuersee geworfen wird (Offb 20,10), wo er Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit gepeinigt werden wird. Amen.
Dass die Gnade des HERRN mit den Gläubigen sein soll, ist nicht einfach eine Floskel des Paulus. Obschon der HERR uns die Gnade geben will, gibt es Christen, die sich ausserhalb der Gnade aufhalten, indem sie sich selbst vor Gott behaupten wollen (Gal 5,4). Darüber wird viel im Galaterbrief geschrieben und erklärt. Es liegen darüber auch viele Kommentare vor, auch ich durfte ihn kommentieren. Aufgrund dieser Tatsachen möchte ich an dieser Stelle nicht nochmals darauf eingehen, das würde meines Erachtens den Rahmen sprengen.
Verse 21-23
21 Es grüssen euch Timotheus, mein Mitarbeiter, und Luzius und Jason und Sosipater, meine Verwandten.
22 Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe, grüsse euch im Herrn.
23 Es grüsst euch Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Wirt. Es grüssen euch Erastus, der Schatzmeister der Stadt, und der Bruder Quartus. Röm 16,21-23
Vers 21
In den Gemeinden Gottes sollte die Eintracht (Einigkeit) herrschen (1. Kor 12,25; Eph 4,3). Wir wissen aus der Politik, dass verschiedene Ansichten die (Regierungs-) Körperschaft blockieren können. In der Welt behindern Linke die Rechten und umgekehrt, so lange, bis ein schwacher Kompromiss ausgehandelt werden muss, welcher den Gedanken keiner Partei - auch wenn sie gut sind - richtig Rechnung trägt und so dem Land volle Ergiebigkeiten bringt. – Auf keinen Fall soll die Gemeinde so geleitet werden! Die Gemeinde ist keine Demokratie, wo das Volk herrscht, obschon leider viele Gemeinden diese Form angenommen haben. Laodizea verkörpert eine demokratische, vom Volk geführte Gemeinde. Nur schon der Name „Laodizea“, welcher „Volksrecht“ bedeutet, weist darauf hin. Wen wundert es, dass diese Gemeinde in der Beurteilung so schlecht, wenn nicht am schlechtesten, davonkommt? Zu welcher Gemeinde spricht der HERR sonst noch, dass er sie ausspucken muss (Offb 3,16)?
Paulus schulte seine Mitarbeiter nicht im Volksrecht. Er unterrichtete sie im Hören auf die Weisungen des HERRN, welcher das Haupt der Gemeinde ist. Ein vollkommener Herrscher, Jesus Christus, führt die Gemeinde, auf dass sie in Einheit agiert. Deshalb ist es auch klar, dass Paulus’ Umgebung nicht nur geschlossen hinter dem Brief steht, sondern auch Grüsse ausrichten lässt, obschon die hier erwähnten Personen vielleicht den Römern unbekannt waren. Was macht ein „sich noch nicht kennen“ aus? Die Auswahl Christi genügt doch, dass wir die annehmen, welche Christus angenommen hat?
Vers 22
Dieser Vers offenbart uns, dass Paulus die Briefe nicht alle selbst geschrieben hatte. Er diktierte und ein anderer schrieb. Tertius brachte den Römerbrief „zu Papier“. Auch er schliesst sich, wie die anderen, den Grüssen an.
Vers 23
Es meldeten sich immer mehr Brüder zu Wort; Brüder, deren Herz die Verbundenheit zu anderen Geschwistern zum Ausdruck bringen wollten. Mit Gajus, welcher die ganze Gemeinde bewirtete, wird zudem klar, dass sich die Gemeinde bei ihm versammelt haben muss. Er stellte der Versammlung sein Haus oder eigens dafür organisierte Räume zur Verfügung, je nachdem, wie gross die Versammlung war. Das ist ein segensreiches Vorbild aus der Bibel, welches uns beste Varianten zum guten Raummanagement für unsere Versammlungen eröffnet. Daraus erwächst auch die grosse Frage, ob es denn nötig ist, eingetragene Vereine zu gründen, um als öffentliche Körperschaft geeignete Versammlungslokale zu verwalten. Lassen uns die dazu benötigten Vereinsstatuten nicht eher in Versuchung fallen, die Gemeinde nach weltlicher und demokratischer Struktur zu leiten? Wurden sie nicht schon für viele Gemeinden zum Fallstrick? Gibt es denn keine gottesfürchtigen Menschen mehr, solche wie Gajus, die ihren Überfluss zum Wohle der Gemeinde einsetzen wollen, um sie so vor vielem Übel bewahren? Und sehen Sie daraus, wie segensreich ein materieller Gemeindedienst sein kann, auch wenn er vordergründig nicht mit direktem Dienst am Wort gesehen und leider in ungerechtfertigter Art und Weise teilweise als „minderwertig“ abgewertet wird?
Verse 24-27
24 (Spätere Handschr. fügen hinzu: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen! Amen.)
25 Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war,
26 jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekanntgemacht worden ist,
27 dem allein weisen Gott durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. Röm 16,24-27
Verse 24-27
Gott, welcher die Römer zu stärken vermag, „ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit!“ Er vermag die Gläubiggewordenen im neuen Wandel zu stärken und er tut es auf spezielle Weise. Er tut es nicht wie ein Mentaltrainer (Coach). Ein Punkt im mentalen Training (Coaching) ist, das Vertrauen in das eigene Potenzial zu stärken, auch wenn die Bedingungen äusserst anspruchsvoll sind.
Von der Schrift her wissen wir inzwischen, dass der natürliche Mensch im Blick auf Gott nicht einmal einen verschwindenden Prozentsatz Gutes in sich trägt. Wir haben gelernt, dass die alte Natur so verdorben ist, dass nur eine Selbstkapitulation und Erneuerung durch Gott in Jesus Christus den einzigen, möglichen Ausweg darstellt. Nicht einmal das heilige Gesetz vom Sinai konnte dem Menschen Hilfestellung leisten. Vielmehr deckte die göttliche Moral im Gesetz die völlige Unfähigkeit des Menschen im Blick auf Gott auf.
Ein Coaching, wie Beratungen zur Problemlösung oder Steigerung der Leistungsfähigkeit auch genannt werden, hilft dem Menschen im Blick auf Gott nicht. Eine völlig verdorbene Natur kann durch Beratungen nicht erneuert werden, da findet Coaching seine Grenzen. Wie ein durch einen Unfall querschnittgelähmter ehemaliger Marathonläufer nicht durch Coaching zurück auf die Laufbahn gebracht werden kann, kann kein natürlicher Mensch zu Gott finden – ausser es geschehe ein Wunder.
Dieses Wunder vollbrachte Gott in Jesus Christus, dessen Geheimnis „ewige Zeiten hindurch verschwiegen war“. Zur Zeit Moses’ war noch nicht offenbar, wer die Unzulänglichkeit des Menschen tragen wird. Die Problemlösung war zwar durch die Tieropfer angedeutet, wurde aber noch lange nicht so offen dargelegt, wie es Paulus, wie er sagt, „nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus“, offenbart hatte. Paulus’ Evangelium beinhaltete das Wunder, welches zwingend geschehen muss, wenn der „gelähmte Läufer“ auf die „Laufbahn Gottes“ gelangen möchte. So, wie der Gelähmte am Teich Betesda nicht in das heilende Wasser zu springen vermochte, um geheilt zu werden (Joh 5) und nur durch das Wunder Jesu wieder auf die Beine kam, erging es uns, den Gläubigen. Wir sitzen heute – trotz der alten Natur, die wir noch in uns tragen – am Tisch des Königs Jesus Christus, welcher unsere Unzulänglichkeit zudeckt, genau so, wie der Tisch Davids die Lähmung Mefi-Boschets bedeckte (2. Sam 9,7). Mefi-Boschet hätte seiner Abstammung gemäss niemals am Tisch Davids essen dürfen. Nebst der falschen Abstammung war er auch völlig unfähig, dem König zu dienen. Er konnte David nichts anbieten und musste alles, aber wirklich alles, durch reine Gnade annehmen. David hätte schliesslich als König dem Mefi-Boschet tausend andere und bessere Menschen als Tischgemeinschaft vorziehen können.
Im Vers 26 sehen wir, dass es Gottes ausdrücklicher Wunsch und Befehl ist, dass alle Nationen diesen Sachverhalt anerkennen und die Notwendigkeit des Wunders in ihrem Leben einsehen, da sie sonst, allein auf sich gestellt, niemals vor seiner Majestät bestehen können. Der Marathonläufer muss erkennen, dass er für die Laufbahn Gottes nichts weiter als ein gelähmter und völlig unbrauchbarer Sportler ist und eines Wunders bedarf, um auf Gottes Weg laufen zu können.
Weil Gott uns in allen Punkten entgegenkommt, in der Offenbarung der Wahrheit und der dazugehörigen Lösung in unserem wunderbaren Herrn Jesus Christus, gebührt Ihm „die Herrlichkeit in Ewigkeit“! Amen.
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