Kommentar zum Buch Roemerbrief, Kapitel 9
Verse 1-2
1 Ich sage die Wahrheit in Christus, ich lüge nicht, wobei mein Gewissen mir Zeugnis gibt im Heiligen Geist,
2 dass ich grosse Traurigkeit habe und unaufhörlichen Schmerz in meinem Herzen; Röm 9,1-2
Vers 1
Beim folgenden Thema, was auch persönlich gefärbt ist, möchte Paulus sichergehen, dass die Empfänger nicht glauben, er übertreibe mit seinen Gefühlen. Dies unterstreicht er dreimal, indem er auf sein „in Christus Sein“, seine persönliche Versicherung, nicht zu lügen und der Kontrollfunktion seines Gewissens, welches vom Heiligen Geist unterstützt wird, hinweist.
Vers 2
Paulus hat eine grosse Traurigkeit und unaufhörlichen Schmerz in seinem Herzen wegen seinen Verwandten nach dem Fleisch, das sind die Israeliten. Wenn wir diesen Vers wörtlich nehmen – er ist wörtlich zu nehmen, - dann sehen wir die Notwendigkeit des ersten Verses in diesem Kapitel. – Sind wir ehrlich zu uns selbst, liebe Leserinnen und Leser, welcher Christ ist im wörtlichen Sinn so wie Paulus um seine Blutsverwandten, die Mitgeschwister bekümmert, die sich durch ungeziemenden Wandel ein Gericht herbei ziehen? – Wohl eher sehr wenige, wenn überhaupt! – Wer trägt grosse Traurigkeit und einen unaufhörlichen (!) Schmerz mit sich herum, weil viele Geschwister den Weg der Welt gewählt haben und nicht auf Gottes Wort hören wollen wie Israel damals?
Paulus trug diesen Schmerz mit sich, weil er genau wusste, dass sich Israel ein sehr schweres Gericht aufgeladen hatte, indem es sich nicht zu Gott bekehren wollte. Diesen Schmerz würden wir mit einem echten Glauben an die Bibel auch über unsere Geschwister verspüren, die den Weg verlassen, denn ich glaube nicht, dass Paulus andere Gefühle hatte wie wir. Wenn wir über unsere leiblichen Kinder wüssten, dass sie verfolgt, verschleppt und vergewaltigt würden, sobald sie die Volljährigkeit erreicht hätten, dann würden wir während ihrer Kindheit auch wie Paulus um ihretwegen beständige Traurigkeit in unseren Herzen tragen.
Christen, die diesen Schmerz um abgefallene Brüder und Schwestern nicht mit sich tragen, glauben nicht ernsthaft an sehr schmerzhafte Konsequenzen für untreue Blutsverwandte. Das ist eine traurige Tatsache und zeugt von wenig Nächstenliebe bzw. Bibelglauben. – Gott hat aber im Wort auch über die Konsequenzen von abgefallenen Christen aufgeklärt, wie er es bei Israel getan hat, „früh sich aufmachend und sendend“ (2. Chr 36,15; Jer 25,4).
Christen, die den Weg nicht entschieden gehen wollen und die Welt lieb gewinnen, werden das Reich nicht erben (1. Kor 6,9; Gal 5,21). Dabei muss ich wohl nicht erwähnen, dass die Rede hier an Christen gerichtet ist und nicht an Ungläubige. Denn bei Ungläubigen ist es sowieso klar, dass sie das Reich nicht erben werden (1. Kor 15,50)! Das Reich kann untreuen Brüdern und Schwestern nicht übergeben werden, weil sie illoyal im Kleinen waren. Sie werden bei der Offenbarung Christi übel beschämt dastehen, weil sie, als Volk Gottes, den HERRN miserabel vertreten haben (1. Joh 2,28). Im Weiteren MÜSSEN sie durch die Trübsalszeit hindurch, welche schlimmer als jede Krisenzeit zuvor sein wird (Mt 24,21). Wir sehen sie in der Bedrängnis im Buch der Offenbarung (Offb 12,17). Treuen Christen wird dieser Weg erspart bleiben (Offb 3,10).
Ich glaube nicht, dass ich dieses Thema noch weiter ausführen muss: Zu deutlich wird es durch die Bibel selbst erklärt. Wer bei all den Schmerzen Christi, seiner stetigen Verfügbarkeit und Liebe trotzdem abfällt, wird ein furchtbares Urteil empfangen. Zwar geht er nicht völlig verloren (1. Kor 3,15), doch was auf einen solchen zukommt, ist nicht zu beschreiben! Genügt uns das Vorbild, das uns Israel abgegeben hat, nicht? Das Volk Gottes, Israel, welches Volk Gottes bleibt und wiederhergestellt wird, was hatte es alles zu tragen? Wurde es nicht durch die Nationen über jahrtausende hin zertreten, vergewaltigt, getötet und zum Spottvers? Sollte es dann uns Christen, die wir durch das Vorbild zusätzlich gewarnt sind (1. Kor 10,6 und 11!), besser ergehen? Täuschen Sie sich nicht, liebe Leserinnen und Leser! Hören sie nicht auf Propheten die sagen: „Friede, Friede!“ Das ist nur eine Wiederholung von Jeremia 6,14! Vielleicht kennen sie das Verslein der falschen Propheten, die zu von Gott gesandten Ermahner sagen: „Verwandelt ihr jetzt die „Frohbotschaft“ zu einer „Drohbotschaft“?“ – Wehe solchen Propheten! Sie beschwichtigen dort, wo es nichts zu beschwichtigen gibt! Die Wahrheit bleibt: Wer die Gnade Christi als Ausrede zur Rechtfertigung im bösen Wandel heranzieht, wird sein Urteil tragen! Amen!
Verse 3-5
3 denn ich selbst, ich habe gewünscht, verflucht zu sein von Christus weg für meine Brüder, meine Verwandten nach dem Fleisch;
4 die Israeliten sind, deren die Sohnschaft ist und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheissungen;
5 deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach der Christus ist, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit. Amen. Röm 9,3-5
Vers 3
Haben Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, nicht auch schon einen Nachteil herbeigewünscht, um einer sehr geliebten Person etwas Gutes zukommen zu lassen? Wären Sie nicht bereit, für einen von Ihnen sehr geliebten Menschen beispielsweise eine Niere zu spenden? Sie würden dabei zwar ein erhebliches Risiko eingehen. Doch ist es nicht so, dass Ihnen das Wagnis völlig egal wäre, weil Sie den Menschen so liebhaben, dass Sie sogar Ihren eigenen Tod in Kauf nähmen? Bestimmt kennen Sie dieses Gefühl der bedingungslosen Liebe!
Mit diesem Wunsch im Herzen, zum Vorteil für seine Verwandten nach dem Fleisch, den Israeliten, offenbart Paulus seine ungeheuchelte Liebe zu ihnen: Er würde sogar seinen Gewinn in Christus für sie aufgeben, seinen ganzen Schatz, nicht „nur“ eine seiner beiden Nieren! Damit offenbart uns Paulus nochmals zusätzlich sehr glaubwürdig, wie sehr sein Herz für seine leiblichen Verwandten schlug!
Wo stehen wir mit unserer Liebe? Lieben wir unsere Brüder und Schwestern im HERRN auch so, dass es uns im Herzen schmerzt, wenn sie abfallen oder es ihnen sonst nicht gut geht? Würden wir für sie auch alle Vorteile, ja sogar uns selbst aufgeben, um ihnen Besserung zu verschaffen?
Verse 4-5
Sehen wir die Liebe, mit der Paulus über Israel spricht? Er spricht in erhebender Weise über sie.
Leider gibt es Menschen, die in abschätziger Weise über Israel sprechen, da Israel viele Fehler begangen hatte. Hatten sie nicht eben den Retter-Gott verworfen? Hatten sie nicht veranlasst, Christus durch die Beihilfe der römischen Besatzung ans Kreuz zu nageln? – So schwer die Fehler Israels sind und waren: Gott wird sie gerecht richten (Jer 30,11). Er wird sie nicht ungestraft lassen, da müssen wir nicht nachhelfen wollen. Vielmehr sollten wir Menschen, die Gott für seinen Plan auserwählt hat, lieben und ehren. Gott richtet seine Hausknechte selbst, seien es Israeliten oder Christen, das ist nicht unsere Aufgabe (Rö 14,4).
Doch kehren wir zur Beschreibung Israels durch Paulus zurück. Er nennt alle guten Eigenschaften, nicht die schlechten. Ihnen gehört ebenfalls eine Sohnschaft (2. Mo 4,23). Die Bündnisse und die Gesetzgebung wurden ihnen gegeben. Sie durften als erste Nation Gott richtig, nach seinen Vorschriften, dienen. Auch war Israel unter den Völkern die einzige Nation mit so herrlichen Verheissungen. Aus diesen Verheissungen kamen die Väter der Nation hervor (Isaak als Beispiel, 1. Mo 17,19 und 21) und Christus, der Retter der Welt. Das Heil kommt folglich aus den Juden (Joh 4,22), auch wenn das vielen Menschen nicht passt. Daran ändert das Verhalten der Juden, auch der teilweise sehr grosse Ungehorsam, nichts. Was Gott beschlossen hat, bleibt bestehen. Die, welche treu waren, bleiben voll im Plan, jene, die den Ungehorsam vorzogen, bleiben nicht ungestraft. Gott ist gerecht, doch er hat Israel nicht verworfen, wie er die Christen auch nicht verwirft, auch wenn er viele wegen ihres Wandels wird sehr hart anpacken müssen. Amen.
Verse 6-8
6 Nicht aber als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre; denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel,
7 auch nicht, weil sie Abrahams Nachkommen sind, sind alle Kinder, sondern »in Isaak wird dir eine Nachkommenschaft genannt werden«.
8 Das heisst: Nicht die Kinder des Fleisches, die sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheissung werden als Nachkommenschaft gerechnet. Röm 9,6-8
Verse 6-7
Dieser Vers sagt aus, dass nicht alle, die nach der leiblichen Abstammung zu Israel gehören, als wirkliche Israeliten zählen vor Gott. Diese Tatsache macht das Wort Gottes nicht ungültig, denn Gott hat schon früh klar gemacht, dass nicht die leibliche Abstammung allein zählt, sondern seine Auswahl. Die wahren Kinder Abrahams sind die, welche Gott dem Abraham gibt, nicht zwingend jene, die durch sein Fleisch „produziert“ wurden. Abrahams Kinder werden so zahlreich sein, wie die Sterne im Himmel und der Sand am Ufer des Meeres (1. Mo 22,14). Dieser Vers sagt aus, dass es ein irdisches, sowie ein himmlisches Volk geben wird. Beide Völker müssen der Verheissung Gottes entspringen, aber auch von der Nachkommenschaft Abrahams sein. Das heisst, dass die Völker nicht wahllos, ausserhalb der Verheissung, entstehen dürfen. Er schliesst aber auch Menschen ein, die Abraham durch seine eigenen Möglichkeiten gar nicht imstande war, zu zeugen: Uns Christen beispielsweise.
Sara wollte mit Abraham durch ihre Magd Nachkommen erzwingen. Dabei entstand tatsächlich ein Nachkomme Abrahams, Ismael (1. Mo 16). Dieser Entsprang aber nicht der Verheissung Gottes, daher wird er auch nicht zu Israel gezählt. So, im umgekehrten aber herrlichen Sinn verhält es sich mit den Christen. Abraham hatte nicht die Möglichkeit, sie nach seinen Möglichkeiten zu zeugen. Trotzdem werden sie zu seinen Nachkommen, zu denen der Verheissung (Sterne im Himmel), gezählt (Gal 3,29). Wir sehen also, dass die wahre Nachkommenschaft aus der Verheissung kommen MUSS, der fleischlichen Nachkommenschaft ist von Anfang an nicht zwingend das Reich versprochen. Im Johannesevangelium (8,39) spricht Jesus einigen natürlichen Nachkommen Abrahams ihre Nachkommenschaft nach der Verheissung ab, obschon er ihre natürliche Herkunft nach Abraham bestätigt (Joh 8,37).
Gottes Wort ist demnach nicht hinfällig geworden, es wird nicht ungültig, wenn nicht alle natürlichen Nachkommen Abrahams zu den verheissenen gezählt werden. Auch dann nicht, wenn Menschen zu seinen Nachkommen hinzugefügt werden, die gar nicht aus der natürlichen biologischen Linie abstammen können. Letzteres trifft nämlich bei den meisten Christen zu. Christen werden aber auch zu seinen Nachkommen gezählt, wie wir im Galaterbrief (3,29) sehen. Somit ist das Wort Gottes – wie erwähnt – nicht hinfällig geworden, es ist vielmehr alles so gekommen, wie vorausgesagt. Amen.
Vers 8
Hier wird die obenstehende Wahrheit nochmals bekräftigt. Die Kinder der Verheissung sind die wahren Kinder Abrahams, welche das Reich erben werden. Wie es bei Ismael war, der zwar Kind Abrahams, jedoch nicht nach der Verheissung war und demnach nicht zu Israel gezählt wird, geschah es mit Esau. Esau war grundsätzlich in der Linie der Verheissenen. Es heisst ja schliesslich ausdrücklich im Hebräerbrief (11,18), dass die Nachkommenschaft der Verheissung in der Linie Isaaks (und nicht Ismaels) sein muss. Esau war in dieser Linie. Er und sein Volk werden aber nicht zu Israel gerechnet; er wurde der Vater Edoms (1. Mo 36,43).
Damit will die Schrift ausdrücklich hinweisen, dass niemand durch Umstände allein automatisch zu den verheissenen Nachkommen Abrahams, welche das Reich erben werden, gehört. Die Nachkommen müssen zwingend zu Gottes Auswahl gehören, ihre Abstammung, ob sie biologisch in der Linie Abrahams stehen, ist sekundär. Das wird durch die beiden Stellen im Neuen Testament nochmals ausdrücklich „zementiert“ (Mt 12,47-50; Mk 3,33-35). Jesus bezeichnet nicht seine leiblichen Geschwister als seine Familie. Seine wahre Familie besteht aus dem Kreis seiner Nachfolger, jenen, die den Willen seines Vaters tun.
Nur jene – und das muss ich wohl nicht speziell erwähnen, - die in Verbindung mit Christus stehen, werden erben und gehören zum Reich. Das wird im Galaterbrief erklärt (3,6), denn in der wörtlichen Übersetzung wird von der Einzahl bei der Nachkommenschaft Abrahams gesprochen bei „deinen Nachkommen“. Wörtlich heisst es „seinem Samen“ (dem die Verheissung gilt) in der Einzahl. Damit ist Christus gemeint, der aus der Nachkommenschaft des Abraham ist. Christus ist somit der Schlüssel zum Reich und zur wahren Nachkommenschaft und Familie des Allmächtigen, welche aus der freien Auswahl Gottes stammt und unter dem „verheissenen Volk“ (Sand am Meeresufer und Sterne im Himmel) zusammengefasst wird. Unser HERR, Jesus Christus, sei gelobt!
Verse 9-10
9 Denn dieses Wort ist <ein Wort> der Verheissung: »Um diese Zeit will ich kommen, und Sara wird einen Sohn haben.«
10 Nicht allein aber <bei ihr war es so>, sondern auch bei Rebekka, als sie von einem, von unserem Vater Isaak, schwanger war. Röm 9,9-10
Vers 9
Die Bibel drückt sich klar aus. Erstens: Gott gibt seine Ehre niemand anderem (Jes 42,8). Zweitens: Gottes Auswahl können wir nicht durch eigene Werke beeinflussen (2. Mo 33,19, hier wird deutlich, dass Gott sagt, wen er auswählt, nicht wir). Abraham war mit der unfruchtbaren Sara verheiratet. Bereits waren beide alt zur Zeit der Verheissung, es war auf natürlichem Weg nicht mehr möglich, dass dieses Ehepaar Nachkommen hervorbringen konnte. Um Gottes Verheissung nachzuhelfen, gab Sara ihre Magd dem Abraham, damit durch diese Verbindung endlich Nachkommen entstünden. Es entstand tatsächlich auf diese Weise ein Nachkomme, nämlich Ismael. Doch Gott konnte jedoch unmöglich seine Verheissung auf diese Weise in Erfüllung gehen lassen, da sie erstens auf fleischliche und nicht geistliche Weise zustande gekommen ist (Jes 31,3). Zweitens wäre seine ihm allein gehörende Ehre Sara wegen ihrer „grandiosen“ Idee der Selbsthilfe, den Nachkommen durch ihre Magd zu zeugen, zugefallen.
Vers 10
Wie im vorangegangenen Vers deutlich wird, dass wir in den Dingen des HERRN niemals mit eigener Kraft sollen nachhelfen wollen, wird hier deutlich, dass Gottes Auswahl allein zählt und einen Wert hat. Wir können uns dabei weder auf gegebene Umstände oder Äusserlichkeiten berufen, um die Dinge anders zu sehen oder Gottes Auswahl aufzuheben. Äusserlichkeiten können uns extrem täuschen (Jos 9,14!). Mögen Sie noch so deutlich erscheinen: Gott kann anders entschieden haben. Saul war äusserlich ein Riese und schien allen überlegen: nach unseren Augen ein wahrer Führer (1. Sam 9,2). Doch Gott musste ihn verwerfen, weil er in sein Herz hinein sah. Gott berief an seiner Stelle einen jungen Knaben, welcher nach weltlicher Messlatte niemals geeignet gewesen war, König über das Land zu sein, schliesslich konnte er nicht einmal in einer Rüstung gehen (1. Sam 17,39). Wie sollte er ein Land regieren und schützen, wenn er äusserlich nicht einmal Grundlagen von weltlicher Kampfführung beherrschte? – Doch Gott wollte ihn. David hatte das Herz auf dem rechten Fleck (1. Sam 16,7). Er beherrschte das Warten auf Gott und war voller Vertrauen auf ihn (1. Sam 17,37). – Dies ist eine Belehrung, dass man sich in Gottes Reich nicht durch Äusserlichkeiten lenken lassen soll.
Nachfolgend möchte ich die biblische Belehrung betrachten, dass es durchaus auch möglich ist, dass gegebene Strukturen und normale Vorgänge durch Gott aufgehoben werden, um seine Auswahl durchzusetzen. Wie im Bild die natürlichen Zweige durch widernatürliche im Reich ersetzt werden können (Rö 11,24), können Priestergeschlechter unterbrochen und anderweitig vergeben werden (1. Sam 2,30). Auf ewig Verstossene (5. Mo 23,4) können wieder angenommen werden (Moabiterin Rut). Gott lässt sich nicht an Regeln binden. Er bleibt in der Auswahl völlig souverän. Daher sollten wir nicht sagen: „Es war von jeher so, daher muss es auf ewig so bleiben.“
Wie Josua sich durch Äusserlichkeiten täuschen liess (Jos 9,14), könnte man sich – wie erwähnt – durch gegebene Umstände täuschen lassen. Esau kam vor Jakob zur Welt, er war der Erstgeborene und somit der rechtmässige Empfänger des Erstgeburtsrechtes. Rut war eine Moabiterin, denen es verboten war, überhaupt in eine Versammlung des HERRN zu kommen. Josef war der Jüngste der Patriarchen, wie konnte es denn kommen, dass sich die ganze Familie einschliesslich der Eltern vor ihm verneigen mussten, wo er nicht einmal der Erstgeborene war? – Und doch wählte Gott in seiner unumschränkten Souveränität die Moabiterin Rut aus. Sie durfte nicht nur ins Volk Gottes kommen, nein, ihr wurde viel mehr zuteil: Sie durfte in die Linie Christi stehen, indem sie direkte Vorfahren Davids zur Welt brachte. Esau verwarf, obschon Erstgeborener, seine Rechte. So wählte Gott in seiner Allwissenheit den Jakob, bevor die Kinder weder Gutes noch Böses vollbracht hatten, und bestimmte, dass der Jüngere in diesem Fall über den Älteren herrschen sollte. So geschah es auch bei Josef.
Lassen Sie sich nie durch Äusserlichkeiten täuschen. Gott kann berufen, wen er will. Manchmal steht der ungelernte und ungebildete Mensch im Reich Gottes über dem Professor, weil die Reinheit der Herzen nicht mit der weltlichen Ausbildung einher geht. Wir tun daher gut daran, Gott bei der Verteilung der Ämter in den Versammlungen zu fragen und uns nicht durch weltliche Auszeichnungen und Traditionen blenden zu lassen. Oder sind alle Pfarrpersonen, die den „normalen Ausbildungsweg“ nach heutiger Anschauung der Landeskirchen beschritten haben, Diener Christi? Oder sind alle tüchtigen Frauen, die fähig wären im Reich zu arbeiten, so demütig und für Gott so brauchbar wie Sara, die ihren Ehemann „Herr“ nannte?
Gott teilt seine Ehre mit niemandem. Und er wählt, wen er will, ausserhalb von Äusserlichkeiten und Gegebenheiten. Amen.
Verse 11-13
11 Denn als <die Kinder> noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten – damit der nach <freier> Auswahl gefasste Vorsatz Gottes <bestehen> bliebe,
12 nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden –, wurde zu ihr gesagt: »Der Ältere wird dem Jüngeren dienen«;
13 wie geschrieben steht: »Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.« Röm 9,11-13
Verse 11-12
Wir sollten es zu Herzen nehmen, der Heilige Geist besteht darauf: Gott ist nicht wie wir! Obwohl wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind, denken können und Gefühle haben – Eigenschaften, die Gott auch hat, - haben wir beschränkte Kapazitäten im Gegensatz zu Gott. Gott ist nicht wie ein Mensch mit begrenzter Kraft und Möglichkeiten. Wir stützen uns ausserdem gerne auf Traditionen und Gegebenheiten, weil wir nicht beurteilen können, wie Gott es kann. Wir können erst beurteilen, nachdem etwas geschehen ist, Gott hingegen weiss alles im Voraus. Bei uns muss „Gutes“ bzw. „Böses“ vollbracht sein, um urteilen zu können. Gottes Herrlichkeit ist, dass er beurteilen kann, bevor die zu beurteilenden Menschen überhaupt gebildet sind!
Diese Eigenschaft Gottes sollte uns vom Hohen Ross kommen lassen und still werden. Zu oft werden vor Gott viele Worte und Argumente von unwissenden Menschen vorgetragen, wo doch der Mensch in Gottes Nähe nicht viele Worte sprechen sollte (Pred 5,1). Vermehrt sollte gebetet werden: „Herr, weise DU uns den Weg, denn wir sehen nur an die Fassade, nicht in das Innere.“ Amen.
Der nach freier Auswahl gefasste Vorsatz Gottes bleibt bestehen. Gottes absolute Souveränität (Alleinherrschaft, Unabhängigkeit) bleibt völlig unangetastet. Sie kann nicht durch Werke beeinträchtigt, in Frage gestellt oder geschmälert werden. Gott entscheidet und beruft korrekt, auch wenn noch ein ganzes Leben mit abertausenden von Entscheidungen, welchen der zu beurteilende Mensch noch begegnet, vor ihm liegt. – Lassen uns diese Tatsachen nicht ehrfürchtig verstummen vor dem Allmächtigen? Stehen wir nicht beschämt vor unserem Gott im Lichte seiner Herrlichkeit? Wie gross und herrlich muss man denn sein, um im Voraus zu wissen, wie der Weg eines Menschen verläuft, wo es doch so viele Gabelungen und Anlässe zu Neuentscheidungen darin gibt?
Vers 13
Im Prophet Maleachi, nachdem Jakob und Esau ihren Lauf auf Erden längstens vollendet hatten, offenbart Gott seine Gefühle, die er diesen beiden Brüdern gegenüber hatte. Sie decken sich mit der Auswahl, die Gott vor ihrer Geburt traf: Esau verwarf seine herrlichen Rechte, wogegen Jakob sich danach ausstreckte. So kam es nach Gottes Gerechtigkeit: Jakob erlangte sie, Esau verspielte sie durch seine abschätzende Haltung. Deshalb hasste Gott den Esau, welcher – im Vorteil geboren – so geringschätzig von Gottes Lohn dachte. Gott liebt die Menschen, die sich nach ihm ausstrecken. Sie können – auch im Nachteil geboren (als Moabiter, Zweitgeborene, Nicht-Leviten, nicht zu Israel gehörend) – zu Geliebten werden.
Wer ist so herrlich wie unser Gott? Wer hat je in seinem Rat gestanden? Wer kann ihm eine Ungerechtigkeit, eine Fehlentscheidung vorhalten? – Daher schreibt der Prophet Habakuk mit voller Einsicht: „Schweige vor ihm, ganze Erde (2,20)!“
Verse 14-16
14 Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne!
15 Denn er sagt zu Mose: »Ich werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme, und werde Mitleid haben, mit wem ich Mitleid habe.«
16 So <liegt es> nun nicht an dem Wollenden, auch nicht an dem Laufenden, sondern an dem sich erbarmenden Gott. Röm 9,14-16
Vers 14
Bei oberflächlicher Schriftkenntnis könnte der Leser von Römer 9 jetzt annehmen, Gott sei ungerecht. Der Heilige Geist trägt diesem Umstand Rechnung und widmet sich auch diesem Thema. Geduldig werden hier mögliche Fragen behandelt, auch wenn sie durch fehlende Sachkenntnis oder böse Behauptungen der Gegenseite aufkommen und dadurch Zweifel im Kinde Gottes erwecken. – Der Zweifler mag denken: „Ist denn nun Ungerechtigkeit bei Gott, wenn es beim Menschen keine Möglichkeit zu geben scheint, in das Geschlecht der Verheissenen zu kommen?“ Paulus verneint das entschieden, inspiriert durch den Heiligen Geist. Und er fügt sofort eine Erklärung ein, wie wir sie in den nachfolgenden Versen sehen.
Verse 15-16
In der Erklärung des Paulus sticht sofort die Eigenschaft Gottes als Erbarmer hervor. Wer in die Linie der Verheissung kommen soll, wird vom sich erbarmenden Gott entschieden. Gott wird hier nicht in seiner Eigenschaft als „gerecht“ beleuchtet, sondern als „Erbarmer“ bezeichnet. Das ist sehr bedeutungsvoll. Wieder wird klar, dass es überhaupt kein Mensch in die Linie der Verheissung schaffen könnte! Wenn Gott nur die Eigenschaft „gerecht zu sein“ tragen würde, gäbe es überhaupt keine Hoffnung für die das Gesetz übertretenden Menschen. Kein einziger Mensch ist ohne Sünde, weder Ismael noch Isaak, weder Jakob noch Esau. Wenn es darum ginge, dass jeder, der in das Geschlecht der Verheissung kommen möchte, aus eigener Kraft sündlos werden sollte, wären die Würfel längst gefallen! Es gäbe schlicht keinen einzigen Menschen, welcher es dorthin geschafft hätte! Daher ist es sehr gut und unsere einzige Chance überhaupt, dass die Auswahl beim „sich erbarmenden Gott“ liegt! Denn dieser „sich erbarmende Gott“ hat in dieser Eigenschaft dem Menschen, der da will, einen Ausweg geschaffen. Einen Ausweg, welcher – ohne im Geringsten die Gerechtigkeit Gottes anzutasten – es ermöglicht, durch die Tat Christi am Kreuz, Menschen, welche es von sich aus nie verdient haben, in die Linie der Verheissung aufzunehmen. Wir wissen jetzt, dass sowohl Rut, wie auch Isaak und Jakob Begnadete des HERRN sind. Sie haben es nicht durch eigene Werke dahin gebracht, wo sie jetzt stehen dürfen.
Es ist von grosser Wichtigkeit, dass es am „sich erbarmenden Gott“ liegt! Andersrum hätte unser Geschlecht überhaupt keine Gelegenheit zur Errettung. Wie bezeichnend ist diese Feststellung! Wie erlösend diese Erklärung des Geistes Jesu! Lässt Sie das nicht in grosse Dankbarkeit gegenüber unseres HERRN fallen? Lässt Sie das nicht jubeln: „Alle meine Quellen sind in Dir (Ps87,7)!“ Und weiter: „Ausser Dir gibt es keinen Retter (Jes 43,11)!“
Verse 17-19
17 Denn die Schrift sagt zum Pharao: »Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erzeige und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.«
18 Also nun: wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will, verhärtet er.
19 Du wirst nun zu mir sagen: Warum tadelt er noch? Denn wer hat seinem Willen widerstanden? Röm 9,17-19
Verse 17-18
Beim Pharao, welcher Gottes Volk nicht ziehen lassen wollte und so die Plagen über Ägypten heraufbeschwor, kann Gott festhalten, er habe ihn erweckt, um seine Macht zu erzeigen. Gar niemand kann Gott spotten, vielmehr kann Gott sagen:
Alles hat der HERR zu seinem Zweck gemacht, so auch den Gottlosen für den Tag des Unglücks. Spr 16,4
7 Euch nun, die ihr glaubt, <bedeutet er> die Kostbarkeit; für die Ungläubigen aber <gilt>: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden«,
8 und: »ein Stein des Anstosses und ein Fels des Ärgernisses«. Da sie nicht gehorsam sind, stossen sie sich an dem Wort, wozu sie auch bestimmt worden sind. 1.Petr 2,7-8Du aber, HERR, wirst über sie lachen, spotten über alle Nationen. Ps 59,9
Es ist offenbar: Kein (böser) Mensch kann sagen, er könne Gottes Pläne durchkreuzen oder ihm irgendwie schaden. Gott ist so mächtig und souverän, dass er jeden Menschen, sei er gut oder böse, genau an die Stelle setzen kann, die er für ihn vorgesehen hat. Da mögen einzelne Menschen, Nationen oder alle Armeen der Welt zusammen gegen Gott toben: Er lacht über sie (Ps 37,13) und wird ihrem Toben ein Ende machen (Offb 14,20). Ihr Blut (dasjenige der alliierten Weltarmee, welche gegen Jerusalem ziehen wird), wird bis an die Zügel der Pferde reichen.
Auch wenn das alles etwas Angst einflössend und brutal zu sein schein: Es muss einmal gesagt werden. Zu viele Menschen erdreisten sich gegen Gott und meinen, sie könnten seinen Plan und Vorsatz sabotieren. Jene sollen sich mit den obenstehenden Versen schlau machen und abwägen, ob es sich lohnt, gegen den Allmächtigen das Maul aufzureissen bzw. sich an seinem Volk, seien es Juden oder Christen, zu vergreifen.
Vers 19
Jetzt kann die Frage wieder aufkommen, wie jene im 14. Vers, warum Gott denn überhaupt noch tadelt. Warum beurteilt er Menschen und gibt Chancen zur Umkehr, wenn alles schon entschieden zu sein scheint? Hatte der ägyptische Pharao überhaupt eine Wahl? Zog Judas Iskariot einfach das Los des Verlierers, weil er die Figur im Plan Gottes war, welche halt nun einmal den Verräter spielen musste? – Nein, niemals! Solche Gedanken sollten fern von uns sein. Sie treffen nicht zu! Es verhält sich anders, denn Gott möchte nicht, dass ein einziger Mensch verloren geht. Das sagt er allgemeingültig für alle Menschen (Hes 18,23; Luk 15,10), sowie auch explizit für die Israeliten, bei denen leider auch einige abfielen (Hes 33,11). Der Wichtigkeit halber führe ich diese Verse unten nochmals und in voller Länge auf.
Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, HERR, nicht <vielmehr> daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt? Hes 18,23
Sage zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR: Wenn ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen! Wenn nicht vielmehr daran, dass der Gottlose von seinem Weg umkehrt und lebt! Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen! Ja, warum wollt ihr sterben, Haus Israel? Hes 33,11
So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Busse tut. Lk 15,10
Es gilt also, dass Gott niemand verlieren möchte; er will alle Menschen retten. Die Hölle wurde ursprünglich nicht für den Menschen geschaffen, sie wurde für den Teufel und seine Engel bereitet (Mt 25,41). Die Verse 17 und 18 zeigen nur auf, wie mächtig Gott ist. Er ist so erhaben, dass er gottlose Menschen nicht einfach nur aus seiner Gegenwart verbannen oder töten muss, wie es Machthaber mit beschränkter Gewalt handhaben. Er steht erhaben über allem Geschehen und kann mit jedem tun und lassen, was ihm gerade beliebt. Wer meint, er müsse Gott schaden, den kann er sofort auch für seine Zwecke einsetzen, so, dass er auch in seinem gottlosen Tun Gottes Plänen dienlich ist. So wissen wir mit Gewissheit, dass der ägyptische Pharao, wie auch Judas Iskariot, die gleichen Chancen zur Errettung hatten, wie sie für alle Menschen von Gott dargereicht werden.
Der Allmächtige ist hoch zu loben und sehr zu fürchten (2. Kor 5,11). Seine Barmherzigkeit ist unvergleichlich und sein Erbarmen sehr gross. Doch wehe den Gottlosen! Denjenigen Menschen, die sich trotz aller Offenbarungen Gottes, welche die Welt ständig vor den Augen hat (Rö 1,19), verstocken, ist einfach nicht mehr zu helfen. Amen.
Verse 20-21
20 Ja freilich, o Mensch, wer bist du, der du das Wort nimmst gegen Gott? Wird etwa das Geformte zu dem Former sagen: Warum hast du mich so gemacht?
21 Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäss zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen? Röm 9,20-21
Vers 20
In den vorangegangen Versen lässt sich Gott herab, dem Menschen alles im Blick auf seine Macht geduldig zu erklären. Ganz deutlich kommt heraus, dass jeder Mensch die gleichen Chancen zur Errettung erhält, Gott aber so gross ist, dass er solche, die gegen ihn arbeiten wollen, trotzdem für seine Zwecke benutzen kann. Er erzeigt hiermit, dass er einfach alles vermag.
So muss für einmal in diesem Vers festgestellt werden, dass der Mensch wirklich kein Recht hat, sein Maul gegen Gott zu öffnen. So wie es schon allerhand ist, wenn man Gottes Gerechtigkeit in Frage stellt, so es ist es nicht statthaft, wenn das Produkt beim Erzeuger Fragen platziert. Nur schon so ein Gedanke ist absurd: Was wäre, wenn das Stuhlbein auf dem Drechselbank den Drechsler Fragen stellen oder gar Vorwürfe machen würde!
Vers 21
Gott hat bewiesen, dass er weit mehr Macht über den Menschen hat, als viele annehmen. Wie ein Töpfer über seinen Ton unumschränkte Gewalt hat, hat sie Gott über alle Dinge, nicht nur über den kleinen Menschen, sondern auch über grosse Mächte, wie jene der Finsternis. Ein kleines Beispiel sehen wir in der Offenbarung, an der Stelle, wo der Teufel gebunden wird (Offb 20, 1-2). Früher liess Gott seine Armeen unter der Führung von Michael gegen die finsteren Mächte antreten (Dan 10,13), an dieser Stelle in der Offenbarung sehen wir, dass ein einziger Engel Gottes (auch wenn es der kleinste ist) völlig ausreicht, um den mächtigsten Gegenspieler zu binden. Gott muss nur seine Autorität auf diesen Engel legen, welche völlig ausreicht, den Gegner zu lähmen. Wiederum sehen wir diese Wahrheit bei jenen, die Jesus verhaften wollten. Im Johannesevangelium, wo Jesus in seiner Eigenschaft als Gott beschrieben wird, fallen seine Widersacher einfach vor ihm zu Boden. Er muss sich völlig zurückhalten, damit sie ihn überhaupt verhaften können (Joh 18,6)!
Daher, ein gut gemeinter Rat: Schweige, wenn Du vor Gott trittst! Überlege Dir genau, was Du ihm sagen willst, denn Du stehst nicht vor einem alten „Tattergreis“, der „sie nicht mehr alle hat“. Fürchte Dich, denn er ist nicht so, wie er von vielen aus seinem Volk falsch dargestellt und so der Weg der Wahrheit verlästert wird (2. Petr 2,2). Vielmehr verhält es sich so mit Gott:
Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet! Lk 12,5
Gepriesen sei der HERR! Amen.
Verse 22-24
22 Wenn aber Gott, willens, seinen Zorn zu erweisen und seine Macht zu erkennen zu geben, mit vieler Langmut die Gefässe des Zorns ertragen hat, die zum Verderben zubereitet sind,
23 und <wenn er handelte,> damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefässen des Erbarmens zu erkennen gebe, die er zur Herrlichkeit vorher bereitet hat,
24 <nämlich an> uns, die er auch berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen. Röm 9,22-24
Vers 22
Der Ton kann den Töpfer nicht anklagen, wenn aus ihm ein Gefäss der Unehre und des Zornes wird, denn Gott warnte und ermahnte den Menschen aufgrund seiner Verantwortlichkeit, Recht und Gerechtigkeit zu tun. – Gott schuf ein Gesetz im Universum, jenes des Säens und Erntens, welches dem Menschen, der dieses Gesetz bestens kennt, vor die Augen führt, dass der gesäte Samen die ihm entsprechende Frucht hervorbringt. Wer Weizen sät, wird nicht Gurken ernten, sondern Weizen. Das gilt für alles Ausgestreute. Wer Unrecht sät, wird Unheil ernten (Spr 22,8). Wenn nun Gott dieses Gesetz des Erntens aufrecht erhält, sollte man ihm Vorwürfe machen? IHM sei Dank, dass er es fest hält! Was hätten wir für einen Durcheinander, wenn bei gesätem Weizen Unkraut daraus wüchse? – Sollte nun aus Gutem Böses kommen und aus Bösem Gutes? Was sind das für absurde Gedanken!
Die Menschen nun, die willentlich Böses wollen, ziehen es sich aufgrund dieses Gesetzes selbst zu! Was sie ausstreuen, fällt bei der Ernte auf ihren Kopf, wie geschrieben steht:
Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Gal 6,7
So wird durch dieses Gesetz aus dem willentlich bösen „Tongefäss“, dem unbussfertigen Menschen, ein Gefäss des Zornes. All seine Bosheit wird auf ihn zurückfallen: Er hat sie schliesslich ausgestreut.
Vers 23
Der Töpfer handelt strikte nach diesem Gesetz, auch bei den „Gefässen des Erbarmens“, den Menschen, die begnadigt werden. Sie werden nicht einfach so begnadigt, weil ihre Nase schöner ist als jene der Menschen, die zum Zorn bestimmt sind. Auch die Begnadigten haben Unrecht gesät in ihren Leben (Rö 6,21). Nach dem Gesetz des Säens und Erntens müssten sie auch ausschliesslich Zorn ernten. Sie können nur Erbarmen finden, wenn sie sich völlig verleugnen und selbst richten, indem sie anerkennen, dass sie böse sind und wie alle anderen den Tod verdient haben. Diese Erkenntnis erlaubt ihnen den Zugang zum Heil Gottes. Gott schuf durch seinen Sohn, der die Ernte des bösen Handelns der Menschen trug, einen Ausweg für solche, die ihren verlorenen Zustand bekennen und nach dem Heil Gottes trachten. Solchen erlaubt Gott den Zugang zum Heil in einer völlig gerechten Weise: Der sündige Mensch bekennt seinen bösen Zustand und die Aussicht in die Hölle geworfen zu werden. Er sieht ein, dass nur ein barmherziger Gott, der das Recht selbst zum Sieg führt (Mt 12,20), noch helfen kann. Dieses Bekenntnis nimmt Gott als Bestätigung des Menschen, dass er seinen Zustand völlig einsieht und am liebsten verleugnen würde. Nur durch dieses Bekenntnis darf Gott nach der Gerechtigkeit beim Bekennenden eingreifen. Würde er willkürlich eingreifen, hätten wir eine ungesetzliche und somit ungerechte Auswahl bei den Erretteten.
Gottes Eingreifen geschieht, wie erwähnt, völlig nach der Gerechtigkeit. Er macht das Leben des Bekennenden eins mit dem Leib Jesu am Kreuz (Gal 6,14; Kol 2,14), d.h. das alte Leben MUSS ZWINGEND sterben, nach seiner Gerechtigkeit. Ansonsten wäre die Ursache des Bösen ja nicht gerichtet und das Recht nicht ausgeführt. Danach MÜSSEN wir Begnadeten ZWINGEND ein neues Leben, eines das nicht sündigt (1. Joh 5,18), erhalten, damit wir fern von neuen Ungerechtigkeiten ein ungetrübtes Verhältnis mit dem Schöpfer geniessen dürfen. Dieses neue Leben sät nur noch Gerechtigkeiten, wenn wir in ihm bleiben, die uns nur Herrlichkeiten ernten lassen.
Christen, die sich wieder nach den Fleischtöpfen Ägyptens sehnen (2. Mo 16,3), also wieder die ungerechte und böse Welt lieb gewinnen, werden auch Gerichte, die über diese Welt kommen werden, miternten, jedoch nicht völlig verloren gehen. Über das Miternten der Gerichte steht geschrieben:
Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden. 1.Kor 11,32
Hüten wir uns also davor, wieder Freude am alten, als böse bekannten Leben zu finden, um nicht dessen Früchte miternten zu müssen! Amen.
Vers 24
Wir, die Christen (dieser Brief ist an Christen gerichtet), sind somit diese Gefässe der Barmherzigkeit. Nicht durch unseren eigenen Verdienst sind wir nun Gefässe der Barmherzigkeit, sondern weil Gott uns durch sein Werk gerecht gemacht hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir aus dem jüdischen Volk, wie Paulus, oder aus den übrigen Nationen stammen. Gottes Gerechtigkeit gilt für jeden Menschen, der ihn aus echtem Antrieb anruft (Rö 10,12). Amen.
Verse 25-28
25 Wie er auch in Hosea sagt: »Ich werde Nicht-mein-Volk mein Volk nennen und die Nicht-Geliebte Geliebte.«
26 »Und es wird geschehen, an dem Ort, da zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk, dort werden sie Söhne des lebendigen Gottes genannt werden.«
27 Jesaja aber ruft über Israel: »Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, <nur> der Überrest wird errettet werden.
28 Denn indem er das Wort vollendet und abkürzt, wird der Herr es auf der Erde ausführen.« Röm 9,25-28
Vers 25
Mit Nicht-mein-Volk und Nicht-Geliebte sind hier die Menschen aus den übrigen Nationen gemeint, welche nicht aus Israel sind. Bei Israel war es ja offenbar, dass es Gottes Volk war und somit auch als solches bezeichnet wurde (2. Mo 5,1; 2. Mo 8,18).
Vers 26
Wie ich im Kommentar zum Vers 24 schon bemerkt habe, gilt die Gnade Gottes für die ganze Welt, nicht nur für Israel. Dies liess der HERR schon lange, bevor es offenbar wurde, bekanntgeben. Hosea verkündete dies schon über 700 Jahre vor der sichtbaren Verwirklichung. Und – obschon mehrfach vorausgesagt, ebenfalls durch Jesaja (49,6) – erstaunten sich die aus der Beschneidung (das sind die Juden) noch darüber, wo die Gnade Gottes sich offenbar auch über Menschen aus den übrigen Nationen ausgoss (Apg 11,18).
Vers 27
Über Israel wird hingegen berichtet, dass nur ein Überrest errettet werden wird. Dies beweist die Wahrheit, die wir in den Versen 6-8 in diesem Kapitel finden. Nicht die Nachkommenschaft nach dem Fleisch macht Söhne Gottes, sondern der Glaube an Gott. Daher wird niemand einfach so gerettet, das wäre gegen die Gerechtigkeit.
Vers 28
Dieser Vers ist vielleicht nicht so geläufig geschrieben. Was heisst genau „indem er das Wort vollendet und abkürzt“? Hören wir nachfolgend den Wortlaut einer anderen Übersetzung:
„Denn er vollendet die Sache und [kürzt sie ab in Gerechtigkeit, denn] der Herr wird eine abgekürzte Sache tun auf Erden." (unrev. Elberfelder)
Das bedeutet, dass erstens der HERR sein Wort zur Vollendung bringen wird. Alles Vorsausgesagte muss und wird eintreffen. Zweitens wird das Wort des HERRN „abgekürzt“ sein im Blick auf die Anzahl der Erretteten. Das erklärt nicht, dass ein einziges Wort des HERRN hinfällig wird (Mt 5,18!). Gottes Wort wird vollumfänglich eintreffen. Doch Gottes Errettung im Blick auf alle Menschen, die je gelebt haben und leben werden, wird verkürzt sein: Es werden nicht alle Menschen darin eingeschlossen sein.
Gott möchte alle Menschen, ausnahmslos alle, retten (Hes 18,23). Da viele Menschen diese Errettung bewusst ablehnen und Gott jedem den freien Willen lässt, dringt sie nicht zu allen hindurch. Sie wird zwar kompromisslos, aber „verkürzt“ ausgeführt.
Das sind sehr ernste Worte, liebe Leserinnen und Leser. Wenn Sie von gläubigen Eltern abstammen oder zeitlebens in eine Gemeinde gehen, bedeutet das nicht, dass Sie automatisch zum Volk gehören. Nicht die natürliche Abstammung oder die vorhandenen Umstände machen den Status des Erretteten aus, sondern der persönliche Glaube an Gott. Dieser Glaube muss nach der Bibel sein und nicht ein selbst zusammen gebastelter. Amen.
Verse 29-31
29 Und wie Jesaja vorher gesagt hat: »Wenn nicht der Herr Zebaoth uns Nachkommenschaft übriggelassen hätte, so wären wir wie Sodom geworden und Gomorra gleich geworden.«
30 Was wollen wir nun sagen? Dass die Nationen, die nicht nach Gerechtigkeit strebten, Gerechtigkeit erlangt haben, eine Gerechtigkeit aber, die aus Glauben ist;
31 Israel aber, das einem Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebte, ist nicht zum Gesetz gelangt. Röm 9,29-31
Vers 29
Obwohl ein gläubiger Mensch für den ganzen Weg Gottes alles von sich geben muss, kann er sich in keinem Punkt rühmen, denn diesen Weg zu gehen ist für den Menschen allein unmöglich (Mk 10,27). Deshalb kommt aus diesem Vers klar heraus, dass auch alle Israeliten im Alleingang, ohne dem Eingreifen Gottes, so verwerflich wie die Menschen in Sodom und Gomorra geworden wären.
Verse 30-31
Was soll man zur Aussage im Vers 29 sagen? Die Nationen, welche sich nicht die Mühe gaben irgendein Gesetz Gottes zu halten im Gegensatz zu Israel, haben durch den Glauben an Christus die Gerechtigkeit Gottes erlangt. Israel hingegen, das eifrig das Gesetz halten wollte, erreichte das Ziel nicht.
Was soll das bedeuten? Wie soll man diese Begebenheiten einordnen? Mit diesen Versen greift der Heilige Geist in einer sehr eindrücklichen Weise eine uralte Wahrheit auf, die leider von vielen Christen – trotz vieler Ermahnungen im Neuen Testament – partout nicht aufgenommen werden will. Diese Wahrheit wird so eindrücklich dargestellt, dass sie schärfer nicht umrissen werden kann: Der Alleingang eines Menschen bringt ihn, auch mit dem bestem Wissen über Gottes Gedanken, nicht in den Bereich von Gottes Zufriedenheit. Auch wenn sich ein Mensch im Eigenwillen für Gott verbrennen lässt: schmutzig bleibt seine Qualifikation und als ungenügend wird sie befunden. Jesaja muss über das Volk, das den Weg Gottes kannte, ausrufen, dass sie gar nichts zustande gebracht haben (Jes 63, 4-5).
Leider wird diese Feststellung des Geistes als Anlass genommen, um weiterem Ungehorsam zu frönen. Nicht wenige christliche Kirchen, Gemeinschaften und sogenannte Denominationen (Benennungen, z.B. freikirchliche Gemeinden, die sich einen Eigennamen geben) lehren aufgrund dieser Verse unverblümt, der Mensch könne überhaupt nichts zu seiner vollständigen Errettung beitragen und entbinden so die Gläubigen ihrer Verantwortlichkeiten. Dies ist eine schriftwidrige und böse Irrlehre, welche vielerorts sorglos in die Welt gesetzt wird. Sie hat teuflische Züge, denn der Teufel argumentiert bei Christen mit Halbwahrheiten, da sie direkte Lüge nicht annehmen würden.
Die eine Wahrheit, dass die Errettung des Menschen völlig auf der vollständigen Tat Christi, welcher gepriesen ist in Ewigkeit, gründet, ist unumstritten. Christus hat ein vollständiges Werk erbracht. Es ist vollständig, weil es alle Probleme beseitigt hat: die Sünde, den Tod, die Zerrüttung zwischen Gott und Mensch, die verlorene Verwandtschaft mit Gott, die absolute Ausweglosigkeit für die Schöpfung. Dieses vollständige Erlösungswerk entbindet den Menschen aber nicht von seiner Verantwortlichkeit. Der Mensch soll nicht sprechen: „Wenn alles an Gott liegt, soll er alles machen. Ich muss somit nichts mehr tun oder darf machen, was ich will.“ – Genau diese Aussage wird von vielen christlichen Institutionen vertreten und gelehrt. Die einen lehren es offensichtlich mit Worten, bei anderen ist es eine wortlose Suggestion (Beeinflussungsform). Und obschon diese Lehre im Lichte der Schrift als klare Lüge entpuppt wird, hält sie sich hartnäckig. Dass die Lüge bleibt, verwundert nicht, denn ein Christ, der von seiner Verantwortlichkeit entbunden ist, nimmt die Aufgabe nicht wahr das Wort Gottes zu lesen und verstehen zu wollen. – So greift dieses Krebsgeschwür mit grossem Erfolg um sich und lullt viele Christen in einen gefährlichen Schlaf, von dem zu erwachen jetzt höchste Zeit ist!
Fragen Sie Ihre christlichen Leiter einmal, für was denn diese Verse stehen:
Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur wie in meiner Gegenwart, sondern jetzt <noch> viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern! Phil 2,12
Darum, Brüder, befleissigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese <Dinge> tut, werdet ihr niemals straucheln. 2.Petr 1,10
Dienet dem HERRN mit Furcht, und jauchzt mit Zittern! Ps 2,11
Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk richtet, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht! 1.Petr 1,17
Das ist nur eine Versauswahl, in zwei Minuten zusammengesucht. Es gibt viel mehr Stellen, die aussagen, dass der HERR unsere ganze Aufmerksamkeit möchte und uns gemäss unserer Verantwortlichkeit richten wird. Ein liederliches Christenleben führt zu sehr grosser Beschämung, wie das Wort Christi an den faulen Knecht (er ist Knecht Christi, kein Heide!) offenbart:
22 Er spricht zu ihm: Aus deinem Mund werde ich dich richten, du böser Knecht! Du wusstest, dass ich ein strenger Mann bin, der ich nehme, was ich nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe?
23 Und warum hast du mein Geld nicht auf eine Bank gegeben, und wenn ich kam, hätte ich es mit Zinsen eingefordert?
24 Und er sprach zu den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat!
25 Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat <ja schon> zehn Pfunde!
26 Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. Lk 19,22-26
Und zur Beruhigung darf ich, der ich heute vor dem HERRN stehe, hier noch hinzufügen, dass dies wiederum nur eine einzige Textpassage von vielen ist, die bestätigen, dass der HERR weder Gefallen an untätigen noch eigenwilligen Christen hat. Amen.
Fassen wir kurz zusammen:
Der Heilige Geist zeigt hier auf, dass der Mensch, der zu Gott sagt, Gott solle ihm mitteilen, was zu tun ist und dann werde er es erfüllen und Gott wird mit ihm zufrieden sein, nicht zum Ziel kommt. Dieser Mensch wäre wie Israel, welche nach dem Gesetz verlangten (2. Mo 19,8). Israel handelte damit wie ein Mensch, welcher von Gott getrennt handelt und doch bei ihm Gunst finden möchte. Die Geschichte Israels beweist, dass es so nicht geht. Sie haben Gottes Willen nicht wirklich ausgeführt und der Beweis, dass es sich so verhielt, lieferten sie, indem sie den Gesalbten Gottes verbrecherisch umbrachten. – Die Lösung ist ein Wandel im Glauben an Gott mit der parallel dazu gelebten Zweisamkeit nach der Verantwortung, die Gott dem Menschen übertragen hat. Der Glaube vertraut darauf, dass Gott rechtfertigen wird. Der Wandel in der gelebten Zweisamkeit nach der gegebenen Verantwortung hält den Menschen immer in der Nähe Gottes. Diese beiden Wahrheiten machen die ganze Wahrheit aus. Nur zu Glauben und dann nichts mehr tun oder nur noch das vollbringen, was man will, ist eine Halbwahrheit des Teufels, um die Christen zu lähmen. Genau so verhält es sich mit der anderen Hälfte der Wahrheit, wenn Christen alles daran setzen, Gott zu gefallen, indem sie ihr ganzes Leben und Sein auf alles „Christliche“ ausrichten, doch in allem von Gott unabhängig bleiben.
Gott möchte Ihre ganze Aufmerksamkeit, liebe Leserinnen und Leser, er hat Ihnen alles gegeben, was er hatte, auch sein Leben. Er hat alles für Sie getan, es ist das mindeste, wenn Sie sich nun täglich ihm – nach seinem Willen! – zur Verfügung stellen. Amen.
Verse 32-33
32 Warum? Weil es nicht aus Glauben, sondern als aus Werken <geschah>. Sie haben sich gestossen an dem Stein des Anstosses,
33 wie geschrieben steht: »Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstosses und einen Fels des Ärgernisses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« Röm 9,32-33
Verse 32-33
Werke müssen zweifelsfrei geschehen, das wissen wir inzwischen, denn ein Glauben ohne Werke ist ein toter Glaube (Jak 2,26). Wer verantwortlich handelt, hat auch dementsprechende Werke. Die Werke, die hier erwähnt werden, sind die Werke Israels, welche sie vollbrachten ohne die richtige Erkenntnis zu haben (Rö 10,2). Gottes Gesetz zu nehmen und es in Unabhängigkeit von Gott zu leben, führt zum Desaster. Auch dann, wenn man der zur Schau gestellten Frömmigkeit wegen noch einige Gesetze dazu dichtet (Mk 7,13).
Sie stiessen sich an Jesus, dem Stein des Anstosses, welcher gesetzt ist, um auch zu zeigen, dass es ein Eingreifen Gottes braucht und ein Alleingang des Menschen nicht zum Ziel führt. Das ist für den, ach, so stolzen Menschen ein Ärgernis, ein Anstoss. Ein Mensch, der zugibt, dass er es alleine nicht schafft, benötigt eine Portion Demut. Wenn diese fehlt, wird er zornig und verwirft den Weg Gottes, indem er den Eckstein (d.i. Jesus, Ps 118,22; Mt 21,42; Mk 12,10, u.a.) verwirft. – Wann, sagen Sie mir bitte, wann will der Mensch begreifen, dass eine enge Verbindung mit Gott gepflegt werden muss? Reichen alle diese Erklärungen des Heiligen Geistes nicht aus? Die Brücke zu Gott wurde geschlagen, der Weg ist geebnet, die Beschilderung steht. Lassen Sie sich nicht durch die Halbwahrheiten des Teufels hereinlegen, welche ich im Kommentar zu den vorangegangenen Versen erwähnt habe! Der Weg MUSS gegangen werden, das schliesst Werke ein, schreibe ich für die, die glauben, nichts mehr tun zu müssen. Der Weg MUSS nach der Anweisung Gottes beschritten werden, schreibe ich für solche, die meinen, ihn im Eigendünkel gehen zu können. Der Weg MUSS in enger Beziehung mit Gott, dem Vater und dem Sohn, Jesus Christus, und in Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist beschritten werden. Das setzt die tägliche Morgenwache (Wasserbad im Wort, Eph 5,26) und anhaltendes Gebet (Mt 26,41; Mk 14,38; Lk 21,36) voraus. Gott verlangt ein völlig auf ihn ausgerichtetes Leben. Damit verlangt er dem Menschen aber nicht zuviel ab, er weiss um unsere Kapazitäten, daher spricht er von einer LEICHTEN Last (Mt 11,30). Wenn jemand an einer zu schweren göttlichen Last zu leiden glaubt, soll er unbedingt sein Leben überprüfen, denn es steht nicht im Einklang mit der Schrift – er hat sich selbst zuviel aufgeladen. Amen.
Mit der zweiten Hälfte des Verses 33 möchte ich nochmals dringend an die Leser appellieren, die ihr Leben Jesus Christus noch nicht übergeben haben. Hier wird durch den Heiligen Geist Gottes nochmals der Weg des Heils verkündet: „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Wer an Jesus Christus glaubt, dass er der Sohn Gottes ist, welcher für die Sünde der Welt gestorben und wieder auferstanden ist, wird vom kommenden Gericht errettet werden! Entscheiden Sie sich noch heute!